Podcast Shownotes: Folge20, Warum KI-Reife immer zuerst bei Menschen beginnt
MitJan-Arne Gewert und Christian Bernhardt
In dieser rund 50-minütigen Folge sprechen Jan-Arne Gewert und der Leadership-Experte Christian Bernhardt darüber, warum echte KI-Reife nicht bei der Technologie anfängt, sondern bei uns Menschen. Christian Bernhardt istKommunikationspsychologe, Buchautor, Dozent und Trainer, und teilt in diesem Gespräch seine Erfahrungen aus der Praxis: von Coaching mit KI über digitale Zwillinge bis hin zu seinem neuen Fachbuch bei Springer Gabler.
Die beiden diskutieren, wie wichtig es ist, Large Language Models (LLMs) wie ChatGPT, Claude oder Geminikritisch zu evaluieren und ihre Grenzen zu kennen. Dabei geht es nicht nur um Technologie, sondern vor allem um menschliche Kompetenz: Wer KI wirklich nutzen will, muss verstehen, wo sie hilft und wo sie an ihre Grenzen stößt.
Zentral ist die Bloom’sche Taxonomie des Denkens, die verschiedene kognitive Ebenen unterscheidet:Erinnern, Verstehen und Anwenden funktionieren mit KI oft gut. Doch bei Analyse, Bewertung und Kreation wird es schwierig, hier sind Menschen gefragt.Christian erklärt, warum wir uns nicht von der Vermenschlichung der KI (demsogenannten Eliza-Effekt) täuschen lassen sollten und wie wichtig es ist, die Ergebnisse immer selbst zu überprüfen.
KI kritisch nutzen:Wie evaluiert man LLMs? Christian empfiehlt die Chatbot Arena (lmarena.ai), woman verschiedene Modelle nebeneinander vergleichen kann. Und er teiltpraktische Erfahrungen: Für manche Aufgaben nutzt er ChatGPT, für andere Claudeoder Perplexity, gerade bei IT-Problemen.
Interaktionsmuster, die funktionieren: Der sokratische Dialog mit KI kann helfen, bessereErgebnisse zu erzielen indem man nicht nur Antworten abfragt, sondern die KIzum kritischen Hinterfragen einsetzt. Wichtig ist auch das Prinzip des“Human-in-the-Loop”: Mensch und Maschine arbeiten zusammen, aber der Menschbehält die Kontrolle.
Grenzen verstehen:Studien (etwa von Apple oder zur Programmierung) zeigen, dass LLMs beikomplexen Denkaufgaben schnell an ihre Grenzen stoßen. Bei kreativen Prozessenwie Brainstorming kann KI trotzdem helfen, wenn man weiß, wie man sie einsetzt.Eine Empfehlung: Besser Fragen sammeln als Ideen, wie es BCG vorschlägt.
PraktischeBeispiele aus dem Alltag: Christian berichtet von der Nutzung von GoogleForms für Umfragen, Excel-Scripts mit Gemini und digitalen Zwillingen, etwa einCEO einer Spedition, der sein Expertenwissen mit Wissensgraphen von Blockbrainzugänglich gemacht hat. Solche Projekte zeigen: Die Datenqualität entscheidetüber Erfolg oder Misserfolg (Garbage in, Garbage out).
Führung undOrganisation: Wie können Unternehmen KI sinnvoll integrieren? Christianspricht über Führungsmodelle (Stefan Merath), Selbstorganisation (FredericLaloux, Spotify-Modell) und die Bedeutung von Wissensmanagement. Wichtig:Slop-Texte, also inhaltslose, von KI generierte Texte ohne echten Mehrwert,sollte man vermeiden.
Der innere Konflikt:KI macht Prozesse effizienter, aber was passiert mit der Menschennähe? Und mitArbeitsplätzen? Diese Fragen gehören zur KI-Reife dazu. Christian plädiert fürkritisches Denken, Durchhaltevermögen (Grit) und professionelle Distanz zurTechnologie.
Im Gesprächfielen die Namen Marcus Aurelius, Sokrates und Platon, wobei nur MarcusAurelius tatsächlich ein Stoiker war. Sokrates und Platon gehören einer anderenphilosophischen Tradition an. Wir lassen das bewusst so stehen, als lebendigenMoment eines echten Gesprächs.
Über Christian Bernhardt: -Website: bernhardt-trainings.com - Bisherige Bücher: “Echte Wertschätzung”,“Nonverbal Communication in Recruiting” - Neues Buch: Future Skills imSales/Key Account Management (Springer Gabler, in Vorbereitung)
Weitere Referenzen: - Schulzvon Thun: 4-Seiten-Modell der Kommunikation - Vorherige Podcast-Folgen mitMarie Kilk (Deutsche Welle) und Fritz Augenstein (Stuttgart)