Morgenimpuls

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By DOMRADIO.DEReligion & Spirituality
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Morgenimpuls episodes

  • Morgenimpuls mit Schwester Katharina / Tür und Herz und Hände öffnen!
    Es klingelt an der Haustür und da ich in meinem Büro bin und dort keine Kamera habe, gehe ich immer mit etwas angehaltenem Atem an die Tür. 
    Man weiß ja nie. Selbst in unserem beschaulichen Städtchen ist es nicht mehr so ohne, einfach die Tür auf zu machen, ohne sich zu vergewissern, wer da draußen steht. Diesmal ist es ein Pärchen und ich grüße freundlich und ein bisschen verblüfft. Und die beiden schauen auch etwas irritiert und sie bricht die kurze Verwirrung mit der Bitte: "Wir haben einen Termin zum Gespräch für unsere kirchliche Trauung" und mir ist dann rausgerutscht: "Das ist bei uns im Kloster aber eher selten" 
    Wir haben alle drei gelacht und ich habe sie drei Häuser weiter ins Pfarrhaus geschickt. Und dann haben sie noch auf das Schild am Haus geschaut und gelesen, dass hier Olper Franziskanerinnen leben und dann kam ihr Erstauntes: "Ach, wusste ich gar nicht, dass es hier ein Kloster gibt!" Wir haben uns verabschiedet und die beiden sind drei Häuser weitergegangen zu ihrem Termin mit dem Pfarrer, ich bin schmunzelnd zurück in mein Büro und habe Gott gedankt, dass es Menschen gibt, die ihr gemeinsames Leben unter seinen Segen stellen wollen. Und dass es jetzt zwei junge Leute mehr gibt, die wissen, dass es da mitten in der Stadt ein Kloster gibt und man da klingeln und fragen kann und eine Auskunft bekommt und Wegweisung. Und gestern waren es verschiedene Schulklassen unserer Franziskusschule, die am Grab der Gründerin ihrer Schule waren und mit der jeweiligen Klassenlehrerin einen Abstecher um die Ecke zu uns gemacht haben. Eine der Klassen war mit mir zum Klostertag im Mutterhaus und als ich sie begrüßt habe, hat ein Mädchen mich erkannt und hocherfreut gesagt: "Ach hier wohnen Sie. Dann weiß ich das jetzt auch. Das ist gut" Ich hatte ihnen vor Wochen an dem Tag erzählt, wo ich wohne. Aber das eine ist das Wissen und das andere ist die freudige persönliche Entdeckung und dieses: Das ist gut. Ich habe es übersetzt in "Gut zu wissen und zu kennen und vielleicht brauch ich das mal" 
    Türen öffnen kann auf viele Weisen geschehen und ein freudiges oder auch verblüfftes Erkennen ist eine gute Weise, in guten Kontakt zu kommen und das Zusammenleben in der Stadt leichter zu machen. Und dann kommt noch ein DHL-Bote, eine Frau, die etwas abgeben möchte und ein Mann, der alle paar Monate kommt und Kaffee und Brot und Zeit möchte. Es gilt für alle: Tür und Herz und Hände öffnen. 
    52 hr 47 min
  • Morgenimpuls mit Schwester Katharina / Trauen wir Gott noch Wunder zu?
    Mitte der 70er Jahre gab es mal einen kleinen Schlager: "Ich glaube an Wunder" und es geht am Ende um die Liebe zwischen ihm und ihr, die einfach wunderbar ist. Glauben Sie eigentlich an Wunder? Wir nüchternen Deutschen sind da doch eher skeptisch. Aber auch viele von uns haben schon Dinge erlebt, die so unerklärlich und so gegen jede Logik und jede Art von wissenschaftlichem Denken sind, dass wir gelegentlich eine Ahnung haben, dass es Dinge zwischen Himmel und Erde gibt, die wir nicht nüchtern und rational erklären können. 
    Am 11. Februar 1858 sieht das vierzehnjährige Hirtenmädchen Bernadette Soubirous in einer Felsgrotte bei Lourdes zum ersten Mal die "Dame", die sich als "die Unbefleckte Empfängnis" vorstellte. Bernadette hatte diesen Namen für Maria noch nie gehört und es machte ihr Mühe, ihn richtig weiter zu geben. Die Erscheinung wiederholte sich bis zum 16. Juli an weiteren siebzehn Tagen. Dabei hat Maria die Menschen zur Wallfahrt an diesen Ort, vor allem aber zu Gebet und Umkehr zu Gott eingeladen. 
    Zu der Grotte, in der auch eine Quelle entspringt, sind seither Millionen von Pilgern mit ihren leiblichen und seelischen Nöten gekommen. Seitdem soll es dort rund 30.000 Heilungen gegeben haben; 6.000 sind dokumentiert und 2.000 davon gelten als "medizinisch unerklärlich". Nur 70 Heilungen wurden von der Kirche als Wunder eingestuft. Aber der Glaube der Pilger weiß viel mehr. 
    Ich habe Menschen erlebt, die eine Reise nach Lourdes geschenkt bekommen haben und tatsächlich aus Neugier gefahren sind. Und sie sind nach Hause gekommen mit einem inneren Getröstetsein, mit einer Gewissheit von Gottes Nähe und Güte, dass man das sogar als Außenstehende das gespürt hat. Trauen wir Gott eigentlich wunderbare Geschehnisse zu? Ein Gast hier bei uns im Konvent hat mir mal eine Postkarte dagelassen, die mich seitdem sehr unmissverständlich auffordert. Da steht nämlich ganz einfach: "Sei realistisch. Plane ein Wunder."
    49 hr 10 min
  • Morgenimpuls mit Schwester Katharina / Wichtiger ist immer die Liebe!
    Haben Sie schon mal von einer Gewitterhexe gehört oder von einer Donnerschwester? 
    Das sind witzig gemeinte und liebevoll gewählte Beschreibungen für eine Frau, die im sechsten Jahrhundert gelebt hat. Wir wüssten wahrscheinlich nicht so viel von ihr, wenn nicht ihr berühmter Bruder einiges von dem notiert hat, was er mit seiner Schwester erlebt hat. 
    Es ist die Geschichte von den zwei Geschwistern, die mir schon lange richtig gut gefällt. Benedikt von Nursia, der große Vater des abendländischen Mönchtums, hat eine wunderbar ausgewogene Ordensregel geschrieben. Ora et Labora – das gute Verhältnis von Gebet und Tätigkeit, von Stille und Gemeinschaft, ist so klug geschrieben, dass diese Regel hunderttausende Mönche in der ganzen Welt über eineinhalb Jahrtausende bis heute sehr gut leben und beten und wirken lässt. 
    Den Benediktinern verdanken wir die Kultivierung Europas in vielerlei Hinsicht. Eine Regel in dieser Ordnung besagt, dass es nur unter außergewöhnlichen Umständen erlaubt ist, außerhalb des Klosters zu übernachten. Immer am Abend sollen alle Brüder zurück sein. Und dann gibt es seine Schwester Scholastika. Die wahrscheinlich durch das Vorbild des Bruders Nonne geworden ist und in ihrem Kloster in der Nähe lebt. 
    Gelegentlich besucht Benedikt seine Schwester und sie reden über Gott und das Leben in seiner Nachfolge. Eines Abends, als Scholastika weiß, dass ihre Lebenszeit zu Ende geht, will sie ihren Bruder überzeugen, dass er noch bei ihr bleibt und sie weiter miteinander reden und meditieren können. Aber Benedikt weist das entrüstet zurück, weil er niemals die Ordensregel brechen wird. Scholastika faltet still die Hände und bittet Gott kurz um seine Hilfe. Ein mordsmäßiges Gewitter bricht herauf und niemand kann auch nur einen Fuß vor die Tür setzen. "Was hast Du gemacht?" klagt Benedikt zunächst, weil er schon ahnt, dass seine Schwester das erbeten hat. Aber er bleibt und sie reden die ganze Nacht und sie spüren beide, dass Gott ganz nahe ist und sie durch ihr Leben trägt. 
    Ein paar Tage später stirbt Scholastika und Benedikt sieht ihre Seele zu Gott gehen. 
    Sie konnte bei Gott viel erreichen – weil sie die größere Liebe hatte. Regeln einhalten ist gut und notwendig, damit das Gemeinwohl lebendig und funktionstüchtig bleibt. Aber wichtiger ist immer die Liebe. 
    Und dazu kann man schon mal um Blitz und Donner bitten, wenn der eigene Bruder mal wieder nichts kapiert vom wirklichen Leben mit Gott.
    54 hr 44 min
  • Morgenimpuls mit Schwester Katharina / Immer an den Zäunen entlang!
    Vorgestern früh, als ich die Haustür aufgeschlossen habe, stand unser Laudesmitbeter schon dort und wollte dringend Salz rings um unser Haus streuen. Es war spiegelglatt und niemand war sonst unterwegs. Also haben wir gestreut und versucht, dabei nicht selbst auszurutschen. Bei meiner Frage, wie er es denn bis zu uns geschafft hat, hat er geschmunzelt. "Immer an den Zäunen entlang. Und, was man will, schafft man auch." Wir kennen im Umgangssprachlichen auch den Ausdruck "aufs Glatteis geführt werden", was bedeutet, dass jemand mit falschen Aussagen und Tricks und Finten versucht, uns zu einer Handlung zu bewegen, die falsch ist oder eine Meinung aufzuzwingen, auf die wir normalerweise nicht reinfallen würden. 
    Fast jeden Morgen, wenn man die ersten Nachrichten hört, hat man das Gefühl, dass die Meldungen irgendwie aus dem Tollhaus sind. Es kann doch nicht sein, denkt man dann, das ist doch falsch und ungerecht und völlig an der Normalität vorbei. Aber was hilft mir dann, übern Tag meine heitere Freudigkeit zu bewahren und mich nicht von all den Katastrophennachrichten und Irrsinnsmeldungen verrückt machen zu lassen?Der lapidare Satz unseres Mitbeters gefällt mir da sehr gut: "Immer an den Zäunen entlang." Das kann heißen, die eigenen Werte und Vorstellungen immer wieder hinterfragen und dann an ihnen festhalten. Den eigenen Glauben an den einen Gott nicht loslassen, auch wenn es manchmal scheint, als sei auch er machtlos gegen den Irrsinn der irdisch Mächtigen. Das kann auch heißen, in Ruhe und Geduld dem täglichen Auftrag nachzugehen, den ich habe und zu tun, was heute dran ist. Und das zweite Wort unseres Mitbeters gestern früh, ist dann in die gleiche Richtung gedacht: "Was man will, schafft man auch". Paulus sagt heute in seinem Brief an die Galater: "Soweit ich aber jetzt noch in dieser Welt lebe, lebe ich im Glauben an den Sohn Gottes, der mich geliebt und sich für mich hingegeben hat." Das ist ein guter Zaun, an dem entlang wir in diesen Tag gehen können und uns festhalten, damit wir nicht von allem Irrsinn, der heute auch wieder aufploppen wird, aufs Glatteis geführt werden.
    47 hr 30 min
  • Morgenimpuls mit Schwester Katharina / Das schaffen, was dran ist!
    Zwei Freundinnen wachsen in behütetem Umfeld auf. Die Eltern sind vermögend, die kleine Stadt mittelständisch und gutsituiert, die Kirche gleich neben dem Elternhaus, die Seelsorge geordnet und das kirchliche Leben geht seinen ruhigen Gang durchs Kirchenjahr. Aber eine der beiden, Aline, lässt sich davon nicht täuschen. 
    Jahrelang hat ihr tieffrommer Onkel Arnold sie nicht nur mit zu jedem Gottesdienst genommen, sondern auch mit zu den versteckt und verschämt armen Leuten der Stadt, denen er im Rucksack die notwendigen Lebensmittel gebracht und manche Rechnung bezahlt hat. Und trotz vieler verschwurbelter Wege und Hindernisse gründet sie mit ihrer Freundin und noch einer dritten Frau eine Ordensgemeinschaft, um Gott in den Armen, und zunächst hier besonders den Waisenkindern. zu dienen.  Das erleben wir ja ganz oft: da sind Omas oder Großväter, Onkel oder Tanten diejenigen, die in jungen Leuten ganz beharrlich ihre guten Werte, Themen und Überzeugungen grundlegen und sie so scheinbar nebenbei ins Leben, in den Glauben, ins tatkräftige Christsein einführen. Mir ging das so ähnlich: Bei meiner Tante, die bei uns im Haus gewohnt hat, habe ich das tägliche Beten gelernt, bei meiner Oma Katharina im Nachbardorf die Überzeugung, dass nicht nur Reden, sondern Tun wichtig ist und bei meiner Tante Elisabeth, dass Gott auch nach zerbrochenen Beziehungen an unserer Seite bleibt. 
    Aline Bonzel, an deren Todestag wir heute denken, hat deshalb auch keine soziale Organisation oder eine Partei gegründet, die genau in ihrer Zeit auch entstanden sind, sondern eine Ordensgemeinschaft. Sie wollte vor Gott und für die Menschen da sein, weil sie wusste, dass die eigenen Kräfte und Fähigkeiten nie ausreichen würden, sie aber mit Gottes Hilfe all das schaffen kann, was gerade dran ist.
    45 hr 17 min
  • Morgenimpuls mit Schwester Katharina / Kämpfen um die Sache Gottes
    Jakob ist einer der Patriarchen, Erzvater im Judentum, Christentum und Islam. Er durchwandert das gelobte Land und ist bis in seinen Rufnamen hinein mit ihm verbunden – Israel. Es gibt in der Bibel einige sehr prägnante Erzählungen mit ihm. Manche kennen die schöne Geschichte von der Jakobsleiter – Jakob träumt von einer hohen Leiter, die Himmel und Erde verbindet und auf der Engel hinauf- und hinabsteigen.
    Eine andere Szene ist nahezu unglaublich. Als Jakob den Jabbok erreicht hatte, einen linken Nebenfluss des Jordans im heutigen Jordanien, führte er seine Familie und alles, was er hatte, hinüber und blieb allein zurück. In der Nacht griff ihn ein Mann an und rang mit ihm bis zum Morgengrauen, konnte ihn aber nicht überwältigen. Jedoch gab er Jakob einen Schlag auf die Hüfte, so dass dieser hinkte. Als es dämmerte, wollte der Fremde gehen. Doch Jakob ließ ihn nicht und verlangte, dass er von ihm vorher gesegnet wurde, was der Fremde auch tat und um Jakobs Namen bat. Dann sagte er: "Du sollst nicht mehr Jakob heißen, sondern Israel - Gottesstreiter. Denn du hast mit Gott und Menschen gekämpft und bestanden." (Genesis 32,25-30)
    Dies ist das letzte Mal im Alten Testament, dass ein Mensch körperlichen Kontakt mit Gott hatte; weder Moses noch David erfuhren diese Ehre. Keiner von beiden, weder Jakob noch der Fremde kann gewinnen, aber im intensiven Kampfgeschehen, so zumindest in meiner Vorstellung, lässt sich zwischen wütendem Kampf und inniger Umarmung nicht mehr unterscheiden.
    Das ist eine der beeindruckendsten Szenen aus der Geschichte des Erzvaters Jakob, an den wir mit der Kirche heute denken. Wer kann schon sagen, dass er mit Gott und den Menschen gekämpft und bestanden hat. Aber was hält uns davon ab, es ebenso zu tun – mit Gott und den Menschen kämpfen um die Sache Gottes, um die wir oft zu wissen scheinen, die wir aber immer neu erkämpfen müssen. 
    46 hr 40 min
  • Morgenimpuls mit Schwester Katharina / Für die innere Balance
    Am Sonntag habe ich in Bad Nauheim einen Verwandten in seiner Rehaklinik besucht. Es war ein strahlend schöner Tag und so haben wir einen ausgiebigen Spaziergang in und um das schöne Kurstädtchen gemacht. Und dann standen wir vor der Evis Presley-Stele mitten in der Stadt und haben die Kerzen und Blumen und Fotos bewundert. Der King of Rock ’n’ Roll hätte am 8. Januar seinen 90. Geburtstag gefeiert und daher die Zeichen der Verehrung. Zu Bad Nauheim hat er eine ganz enge Beziehung. In seiner Militärzeit hat er von 1958-60 dort gelebt, hier seine spätere Frau kennengelernt und eine gute Verbindung zu Deutschland bekommen. Und die Stadt ehrt ihn mit einer Bronzestatue an einer Brücke, einem Weg, einer Bank, einer Bushaltestelle, einem Festival immer August und zwei Fußgängerampeln. Auf den roten und grünen Lichtzeichen ist jeweils Elvis in einer seiner berühmten Gitarrenposen zu sehen. Stehen und Gehen wird von ihm quasi geboten.
    Und dann haben wir noch andere Ampelmännchen entdeckt: mit dem berühmten Pfarrer Sebastian Kneipp mit einer Wasserkanne in der Hand. Bad Nauheim ist Kneipp-Kurort. Ein gesundes Leben im Einklang mit der Natur führen und auf dieser Art aktiv vorbeugen und Heilung finden. Diesen ganzheitlichen Ansatz hat Sebastian Kneipp vor über 170 Jahren zur Grundlage seiner umfassenden Heilverfahren gemacht. Bei ihm ist interessant, dass er einerseits vor kirchlichen Dienststellen immer wieder verleumdet und angefeindet worden ist, weil er angeblich seine Seelsorge vernachlässigt hat. Dabei hat er den ganzen Menschen gesehen und den Zusammenhang von Seele und Leib.
    Und auf der anderen Seite haben Ärzteverbände mit allen Mitteln versucht, ihn wegen Kurpfuscherei verurteilen und ins Gefängnis bringen zu lassen. Beide Seiten, Kirche und Ärzteschaft wahrscheinlich aus Neid über seine Erfolge bei der Heilung von Kranken und seiner Beliebtheit. Er hat sich von nichts und niemandem beirren lassen und unermüdlich für die Kranken gewirkt und großes Wissen dabei erlangt. Wasseranwendungen, Bewegung, Ernährung, Heilpflanzennutzung und innere, seelische Balance sind die fünf Säulen seiner Therapie, die jede und jeder nutzen kann.
    Für die innere Balance ist ein Morgengebet eine gute Idee und wenn Sie sich heute beim Spaziergang ein paar Hits von Elvis Presley aufs Ohr holen, ehren sie zwei Männer, die unterschiedlicher nicht sein können und jeder auf seine Weise ein Städtchen und viele Millionen Menschen geprägt haben.
    59 hr 27 min
  • Morgenimpuls mit Schwester Katharina / Gott hat die Sehnsucht in unser Herz hineingelegt
    Anfang Dezember habe ich eine Amaryllis geschenkt bekommen. Also ich wusste es nur, weil ein hübscher Anhänger daran war, auf dem der Name der Pflanze stand. Äußerlich war davon nichts zu erkennen. Es war eine rote Wachskugel auf einem Drahtständer und oben war die Wachsschicht kreisrund offen und es war zu sehen, dass da abgeschnittene Blätterkanten herauslugten.
    "Auf keinen Fall gießen" stand auf dem Anhänger und ich dachte: Du arme Zwiebel, jetzt bist du in eine Wachshülle gequetscht und ich darf dich nicht einmal mit Wasser erquicken. Aber jetzt, nach 56 Tagen ohne jede Wasser- oder Düngerzufuhr, ist ein halber Meter hoher und dicker Stängel gewachsen und die Knospe, die sich entwickelt hat, wird dicker und dicker und wird in den nächsten Tagen aufspringen und blühen und ich freue mich sehr darauf. Aber es beschäftigt mich schon, dass quasi in der Blumenzwiebel alles angelegt und vorbereitet ist, damit sie ohne alles Zutun wachsen und blühen kann.
    Ich weiß, dass Vergleiche hinken, aber ich kann nicht anders denken als daran, dass Gott, der Schöpfer allen Seins, in uns, seine Menschen, alles hineingelegt hat, was wir zur Sehnsucht auf ihn hin brauchen. Und dass wir diese Sehnsucht nur wachsen und gedeihen lassen müssen, damit sie so groß wird und so blüht, bis wir bei ihm angekommen sein werden. Nur dürfen wir nichts tun, was der Entwicklung der Sehnsucht entgegensteht. Nicht mit anderen Dingen die Sehnsucht selbst stillen wollen, nicht das Sehnen mit Süchten selbst erfüllen wollen, nicht vor lauter Ungeduld daran ziehen oder artfremden Dünger daran gießen.
    Schon bei Augustinus im 4. Jahrhundert heißt es: "Unruhig ist unser Herz, bis es Ruhe findet in Dir" oder noch anders mit einem Liedtext: "Wenn Dein Mund ist stille, dann spricht Dein Herz. Wenn dein Herz ist stille, dann spricht Gott". Gott hat die Sehnsucht nach ihm in unser Herz und unsere Seele hineingelegt, wie das Wachsen und Blühen in die Amaryllis-Zwiebel. Lassen wir ihn wirken.
    46 hr 24 min
  • Morgenimpuls mit Schwester Katharina / "Fröhlich sein, Gutes tun und die Spatzen pfeifen lassen"
    "Fröhlich sein, Gutes tun und die Spatzen pfeifen lassen" ist ein bekanntes Wort vom heutigen Heiligen und es klingt freundlich und easy und locker und leicht. Aber das war es nicht wirklich. Bis dahin war es ein sehr weiter Weg. Johannes Bosco wächst in sehr ärmlichen Verhältnissen auf. Seinen Vater verliert er früh, aber seine Mutter liebt ihn und seine Brüder sehr und gibt ihm ein grenzenloses Vertrauen in Gott mit auf den Weg. Johannes ist ein fröhlicher Mensch, der die zauberhafte Gabe hat, auf Menschen zugehen zu können, sie wunderbar zu unterhalten und leicht und locker auch von Gottes Liebe zu erzählen. Er wird Priester und erlebt in Turin das harte Leben der Jugendlichen, die aus den Dörfern in die Städte ziehen, um Arbeit zu finden, aber unversorgt und überfordert oft im Gefängnis landen. Dort findet Don Bosco seine Lebensaufgabe.
    "Erziehung ist eine Sache des Herzens", sagt er und hat mit seiner Pädagogik einen ganz neuen Weg eingeschlagen: Er hat die Jugendlichen gefördert, ihnen zugehört, sie begleitet. Ihm ging es dabei immer um eine ganzheitliche Erziehung. Er will den Jugendlichen immer auf Augenhöhe begegnen. Sein Erziehungsstil, der auf Liebe, Einsicht, Glaube und Prävention setzte, statt auf harte Strafen, war revolutionär für die damalige Zeit. Und es gibt so viel zu tun, dass er nach Gleichgesinnten sucht, die ihm helfen, den vielen tausend Jugendlichen gerecht zu werden, ihnen Heimat, Geborgenheit und Ausbildung zu verschaffen. Es entstehen die großen Frauen- und Männergemeinschaften der salesianischen Familie, die bis heute in über 133 Ländern im Dienst von Kindern und Jugendlichen stehen, um Zukunftsperspektiven zu schaffen.
    "Fröhlich sein, Gutes tun und die Spatzen pfeifen lassen" muss die Grundhaltung des Herzens sein, wenn man bis an die Ränder gehen will, Jugendliche aus den Gefängnissen und den Spiralen der Gewalt holen will und sich sicher ist, dass selbst im noch so rauen Burschen ein guter Kern steckt. "Ich will euch hier und ewig glücklich sehen." - Von diesem Wunsch war das ganze Leben Don Boscos bestimmt. Wie kein anderer hat er mit seinem ganzen Lebenseinsatz junge Menschen begleitet. Jeder einzelne junge Mensch war für ihn wichtig, weil er wusste und fest glaubte, dass Gott jeden Menschen liebt.
    52 hr 30 min
  • Morgenimpuls mit Schwester Katharina / Heute richtig handeln
    Am letzten Sonntag war der Gottesdienst um 11.00 Uhr ziemlich gut besucht und ich habe mich gefreut auf das gemeinsame Singen und Beten. 
    Das erste Lied war angezeigt, der Organist hat das Lied schon ein wenig angespielt und dann begann die erste Strophe. Der Priester, der sehr gut singen kann, stand am Mikrophon und hat kräftig mitgesungen: aber leider ein ganz anderes Lied. Er hat es nicht gemerkt, die Leute in den Bänken waren verblüfft und wurden leiser und dann still, und dann hat es der Organist gemerkt und hat dann von vorn begonnen. Und alle zusammen haben das Eingangslied gesungen. Das kann passieren, dass jemand vor lauter Selbstbewusstsein sein Ding durchzieht, ohne zu merken, dass da gerade durch ihn was völlig schiefläuft. Und dann kam dieses schöne Evangelium von Jesus, der in der Synagoge zuhause in Nazareth war. 
    Man gibt ihm die Buchrolle mit dem Jesajatext und er liest vor, was dort steht: "Der Herr hat mich gesalbt. Er hat mich gesandt" und nachdem er die ganze Passage vorgelesen hat, legt er die Rolle zurück und erläutert: "Heute hat sich dieses Schriftwort erfüllt" Ganz schön selbstbewusst, finde ich. Und das denken wahrscheinlich auch die Zuhörer in der Synagoge. Sie hatten zwar schon viel über ihn gehört, aber so etwas aus seinem Mund, das ist doch was anderes. Und Jesus hat damit sein Programm erläutert, wie er leben und was er verkünden wird. "Er hat mich gesandt, damit ich den Armen eine frohe Botschaft bringe; damit ich den Gefangenen die Entlassung verkünde und den Blinden das Augenlicht; damit ich die Zerschlagenen in Freiheit setze und ein Gnadenjahr des Herrn ausrufe." 
    Und wenn wir genau hinhören und hinschauen entdecken wir darin eine Handlungs- und Lebensanweisung für Christen: den Armen gute Nachrichten zum Leben bringen, in sich selbst gefangenen Wege zu den Menschen verkünden, Blinden zeigen, wo es langgeht und den Erschöpften und Zerschlagenen Hilfe zu Leben geben. Und das gilt nicht nur für die Jünger damals, sondern ebenso für uns. Mit diesem einfachen und trotzdem dem machtvollen Wort: HEUTE!
    50 hr 34 min

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Mit einem guten Gefühl in den Tag starten: Montag bis Freitag erzählt die Olper Franziskanerin Schwester Katharina von ihren Gedanken über Gott und die Welt. Am Samstag und Sonntag sprechen im Wechsel…