Morgenimpuls

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By DOMRADIO.DEReligion & Spirituality
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Morgenimpuls episodes

  • Morgenimpuls mit Schwester Katharina / Beten ist nie langweilig
    In dieser Woche, also von Montag bis Freitag haben wir wieder "Klosterwoche im Mutterhaus" für die sechsten Klassen unserer St. Franziskusschule mit Gymnasium und Realschule. Bis 2019 war das jedes Jahr und dann kam erst Corona und dann der Umbau unseres Mutterhauses. 
    Also haben wir den Spieß umgedreht und haben in den letzten vier Jahren "Klostertage in der Schule" gemacht. Einige Schwestern sind mit in die Schule gekommen und wir haben so einen klösterlichen Vormittag zusammen gestaltet. Nun also erstmals wieder im Mutterhaus. Vom Morgenlob in der Kapelle über Exkursionen durchs Haus bis zu kreativen Angeboten und auch gemeinsamem Frühstück. Ende mit einer schriftlichen und mündlichen Reflektion, einer Runde mit der Chance, eine letzte Frage zu stellen und dem Mittagsgebet.Und diese Fragerunde, die hat mich vorgestern, mit der Klasse 6b sehr beeindruckt. Viele kluge und gut durchdachte Fragen haben mich vor manch knifflige Überlegungen gestellt. Warum sind sie ausgerechnet Franziskanerin geworden, es gibt doch so viel andere Möglichkeiten? Oder: Waren Sie schonmal so richtig wütend auf eine Mitschwester und was haben Sie dann gemacht" Ist es nicht langweilig, jeden Tag mehrmals zu beten?" Um nur einige zu nennen. Und ich habe immer ehrlich geantwortet, ohne die Schüler:innen zu überfordern. Meine Entscheidung für die Franziskanerinnen konnte ich leicht erklären, weil ich schon sehr früh, bei den ersten Besuchen gemerkt hatte, welch guter Geist unter den Schwestern herrschte und wie heiter und vergnügt sie oft waren. 
    Und das mit der Wut auch, weil es stimmt, dass man wütend wird und ich dann den Tipp gegeben habe, sich spätestens am Abend zu versöhnen und die Sache aus der Welt zu schaffen. Und das mit dem beten, konnte ich so nicht bestätigen: ja manchmal bin ich müde oder merke, dass mir so viel anderes durch den Kopf geht. Aber langweilig, das ist es nie. Weil man nie genau weiß, was zwischen mir und Gott geschieht, welcher Psalmvers mich heute anspricht oder welcher Bibeltext mich heute betroffen macht. Beten ist SEIN vor Gott und das ist nie langweilig. 
    49 hr 10 min
  • Morgenimpuls mit Schwester Katharina / Wahrheit tief verborgen
    Für Thomas von Aquin, dessen Tag wir heute feiern, war die Stadt Köln Ursprungsort seines späteren Wirkens. Von 1248 bis 1252 lebte und studierte er hier.In Köln war er mit seinem Lehrer Albertus Magnus (1200-1280) an der Gründung des Studienhauses der Dominikaner beteiligt, das zum Vorläufer der Universität wurde. In Köln erhielt er als Assistent Alberts die wesentlichen Prägungen seines Denkens. Dort entstanden seine ersten Werke. Und in Köln empfing er die Priesterweihe. 
    Ich habe meine Mitschwester, die begeisterte Theologin ist gefragt, was ihr zu Thomas von Aquin so ganz spontan einfallen würde. Und sie hat gelacht und mir zwei Dinge erzählt: zum einen, dass es seinen Schreibtisch wohl noch gibt, der an der Seite, an dem Thomas zu sitzen pflegte, halbrund ausgesägt war, weil Thomas eine solche Körperfülle hatte, dass es sonst zu unbequem gewesen wäre. Und sie hat von einer Führung in der Kölner Diözesan- und Dombibliothek erzählt, wo man ihnen frühe theologische Werke zeigen konnte, die Thomas zu seinem Studium benutzt hat und wo Thomas als Student reingeschrieben, Randbemerkungen und neuere Erkenntnisse drübergeschrieben hatte. Man konnte das genau nachweisen, weil man die Handschrift erkannt hat. Was mir und uns zu diesem großen Theologen, glaub ich, eher bekannt ist, ist eine seine großen Hymnen, aus seinen Dichtungen und Gebeten zur damals neu aufgekommenen Fronleichnamsprozession und grundsätzlich zur Anbetung der hl. Eucharistie. "Gottheit tief verborgen" wobei die ursprüngliche Übersetzung, wenn man seinem Werk und Denken folgen würde eigentlich heißen müsste: "Wahrheit tief verborgen, betend nah ich Dir" Mich beeindruckt sehr, dass ein so großer Universalgelehrter seiner Zeit, solche tiefgründigen Hymnen und Gebete geschrieben hat, die der einzigen Wahrheit seines Lebens huldigt, dem Herrn Jesus Christus. 
    50 hr
  • Morgenimpuls mit Schwester Katharina / Auf bewährten Wegen Neues wagen
    Eine junge Frau, gerade einmal 17 Jahre alt, wächst beim Onkel am Gardasee auf, weil ihre Eltern kurz nacheinander gestorben sind. Ursprünglich aus bäuerlichem Umfeld kommend und solide christlich erzogen, lernt sie das luxuriöse Leben der vornehmen Gesellschaft der Renaissance kennen und es gefällt ihr absolut nicht. Sie tritt deshalb in den dritten Orden des heiligen Franziskus, einer Laiengemeinschaft, ein und widmete sich vorrangig der Kindererziehung.
    Sie erkennt, wie ungebildet die Kinder ihrer Heimat aufwachsen: Schulen gibt es nicht, die Eltern waren unwissend und maßen einer gediegenen Ausbildung kein besonderes Gewicht bei. In ihrem Heimatort kann sie zunächst einige Freundinnen überreden, zusammen mit ihr eine Art regelmäßige Schule zu organisieren. Wegen ihres großen Erfolges lädt man sie 1516 nach Brescia ein, um dort ähnliches zu versuchen. Mehr und mehr erkennt Angela Merici, wie wichtig für das Wohlergehen der Familien und für eine zivilisierte Gesellschaft eine umfassende Bildung und Erziehung gerade der Mädchen und Frauen ist.
    Und aus diesem kleinen Anfang, einer jungen Frau und einiger Freundinnen, wird der große Orden der Ursulinen, dem neben den Jesuiten die Erziehung und Bildung großer Teile der Jugend Europas und Amerikas anvertraut ist. Angela verfasste Merkschriften und ein Vermächtnis, beide Schriften mit Anleitungen für Erzieherinnen. Glaubenspraxis und Pädagogik der Angela wirkten beispielgebend und machten sie zur gesuchten Ratgeberin und wichtigen kirchlichen Reformerin in ihrer Zeit.
    Zwei Merksätze von ihr, also bald mehr als 500 Jahre alt, gebe ich Ihnen gerne mit in den Tag: 
    "Übt gegenüber jedermann Freundlichkeit und gebt vor allem Acht, dass eure Weisungen nicht unter Zwang erfüllt werden. Denn Gott hat einem jeden die Freiheit verliehen. Darum zwingt niemand, sondern gebt nur Hinweise, ruft und ratet! Handeln, wie der Geist es eingibt.  Weitergeben, was Jesus lehrt.  Auf bewährten Wegen Neues wagen."
    49 hr 10 min
  • Morgenimpuls mit Schwester Katharina / Wie wird man glaubwürdig?
    Einen besonders gütigen und liebenswerten Heiligen feiern wir mit der Kirche heute. Franz von Sales hat von 1567 bis 1622 gelebt. 
    Er hat nach Studien in Jura und Philosophie noch Theologie studiert. Statt eine glänzende Karriere im diplomatischen Dienst zu beginnen, ließ er sich aber zum Priester weihen und wurde einer der besten Prediger seiner Zeit und damit beauftragt, die Bevölkerung rings um den Genfer See wieder zum katholischen Glauben zurück zu bringen. Weil die Machthaber den Einwohnern verboten haben, seine Predigten zu besuchen, nutzte er intensiv die damals komplett neuen Medien: in einer klaren und einfachen Sprache druckte er die damals hochmodernen Flugblätter und heftet sie an Häuser, Zäune und Bäume. Und er brachte seine Botschaft in der Landessprache, was damals absolut unüblich und sensationell war. Franz von Sales war glaubwürdig in einer Sprache, die Gehör und Glauben fand. Franz war ein begnadeter Prediger und ein vorbildlicher Seelsorger, dem es um die persönliche Vertiefung des Glaubens jedes Einzelnen ging. 
    Seine Liebenswürdigkeit und die Übereinstimmung von Worten und Taten in seiner Lebensführung brachten ihm das Vertrauen der Menschen. Dieser Wesenszug seiner Persönlichkeit gefällt mir besonders gut: die Übereinstimmung von Worten und Taten. 
    Ein sehr aktuelles Beispiel für das Eintreten für den eigenen Glauben in Wort und Tat hat vorgestern eine starke Frau gegeben. Beim traditionellen Gebetsgottesdienst zur Amtsübernahme von US-Präsident Donald Trump hat die anglikanische Bischöfin Mariann Edgar Budde das neue Staatsoberhaupt um Barmherzigkeit für Migranten und sexuellen Minderheiten gebeten. 
    Sie sagt am Schluss: "Ich bitte Sie, Herr Präsident, Erbarmen mit denjenigen in unseren Gemeinden, deren Kinder fürchten, dass ihre Eltern weggenommen werden, und dass Sie denjenigen helfen, die vor Kriegsgebieten und Verfolgung in ihrem eigenen Land fliehen, Mitgefühl und willkommen hier zu finden. Unser Gott lehrt uns, dass wir dem Fremden gnädig sein sollen, denn wir waren alle einst Fremde in diesem Land. Möge Gott uns die Kraft und den Mut geben, die Würde eines jeden Menschen zu ehren, einander in Liebe die Wahrheit zu sagen und demütig miteinander und unserem Gott zu wandeln, zum Wohle aller Menschen, zum Wohle aller Menschen in dieser Nation und der Welt. Amen.”
    58 hr 4 min
  • Morgenimpuls mit Schwester Katharina / Mitten im Leben
    Heute Abend gehe ich mit meiner Mitschwester in die Kneipe. Das tun wir sonst nie. Aber diesmal sind wir quasi dienstlich dort. Es gibt schon sehr viele Jahre eine Reihe, die "Thekentheologie" heißt und von den Pallottinern in Olpe ins Leben gerufen worden ist und die von der Gruppe "Pallotti unterwegs" geleitet wird. Wir gehen also ins "Anno 1831", eine Kneipe, die nur zwei Straßen weiter von uns aus in einem sehr schönen alten Fachwerkhaus ihr Domizil hat. Es geht diesmal also um "Mitten im Leben", um die Frage, wie Olper Franziskanerinnen heute leben. Spannend finde ich ja schon einmal den Namen der Kneipe, die "Anno 1831" heißt, weil das Haus aus dem Jahr nachgewiesen ist. Ein Jahr vorher, also 1830, ist unsere Gründerin zwei Straßen weiter geboren und hat unsere Gemeinschaft 1859 gegründet und wurde 1863 bestätigt.
    Einige Leute haben dieser Tage schon angekündigt, dass sie kommen werden und einer wollte wissen, ob wir die Vorbereitungen abgeschlossen hätten. Ich war etwas verblüfft, weil wir keine Vorträge halten wollen, sondern vom normalen Leben bei uns erzählen und Fragen, die man auch auf Bierdeckel schreiben kann, beantworten werden. Spannend finde ich die Frage, was denn "Mitten im Leben" bedeuten kann. Ich denke, jeder Mensch, der sich einigermaßen im familiären, städtischen oder dörflichen Umfeld bewegt, der sich bei Dingen, die ihn interessieren oder herausfordern, einbringt, der seinen Glauben oder seine Lebenseinstellungen lebt und dafür einsteht, ist Mitten im Leben. Vielleicht stellt sich die Frage eher daher, wenn man vom kontemplativen Klosterbegriff ausgeht, die von dicken Mauern umgebene Abteien meint und sich wundern würde, wie sehr diese Schwestern und Brüder mitten im Leben sind.
    Ich bin also gespannt und falls Sie Lust haben, herzliche Einladung. Um 19.00 Uhr geht es los. Und vielleicht ist die Frage für Sie selbst zu Hause interessant: Bin ich, egal wie ich unterwegs bin, eigentlich mitten im Leben oder bewege ich mich nur in der engen kleinen Blase?
    48 hr 37 min
  • Morgenimpuls mit Schwester Katharina / Nicht die Hoffnung verlieren
    Haben Sie vielleicht die Einsetzung des amerikanischen Präsidenten angeschaut, in Ausschnitten, oder in den Nachrichten oder Brennpunkten? 
    Es galt mal als das Hochamt der amerikanischen Demokratie. Dieser Einzug, die Wechsel von Musik, Texten und bedeutungsvollen Symbolen, der Eid mit der Hand auf der Bibel und die Hymne. Über all das Drumherum diesmal kann man hinwegsehen, aber die Rede des neuen Präsidenten kann nur Entsetzen ausgelöst haben. 
    Ich habe mal geschaut, wie das vor 4 Jahren war – nach der ersten Trump-Ära und am ersten Tag von Joe Biden. Amanda Gorman, eine junge Dichterin, war eingeladen zu diesem Akt einen Text zu lesen. Aber es war völlig anders als sonst: sie hat aus der Not kommend im Angesicht der letzten vier Jahre, ihrem Land neue Hoffnung gegeben. Wenn Sie können, lesen Sie mal in Ruhe den ganzen Text. Ich lese Ihnen einige Zeilen daraus vor:"Wenn der Tag kommt, fragen wir uns, wo können wir Licht finden in diesem nicht enden wollenden Schatten? Wir durchwaten den Verlust, den wir mit uns tragen. Wir haben gelernt, dass Ruhe nicht immer Frieden bedeutet. In den Normen und Vorstellungen von dem, was richtig sei, ist Gerechtigkeit nicht immer zu finden. Doch in uns brach die Morgendämmerung an, bevor wir es merkten. Irgendwie haben wir es geschafft, irgendwie haben wir eine Nation erlebt, die nicht zerbrochen ist - sie ist nur noch nicht fertig." 
    Und einen Abschnitt weiter sagt sie: "Wir schauen nicht auf das, was zwischen uns steht, wir schauen auf das, was vor uns steht. Wir schließen die Kluft, weil wir die Zukunft an die erste Stelle setzen und die Unterschiede hinter uns lassen. Wir strecken die Waffen, so können wir uns umarmen. Niemandem schaden und den Einklang mit allen - das möchten wir." 
    Und mittendrin steht noch: "Die Bibel sagt, dass wir davon träumen dürfen, dass jeder unter seinem Weinstock und unter seinem Feigenbaum sitzen wird und niemand mehr Angst und Schrecken verbreitet. Wenn wir es heute begreifen, dann wird dieser Sieg nicht in der Klinge liegen, sondern in den Brücken, die wir bauen. Das ist ein Versprechen, das wir einlösen müssen. Das ist der Hügel, den wir erklimmen." Soweit Amanda Gorman 2021. Und wieder hoffe ich und viele andere sehr, dass dieses Land und die Welt die nächsten vier Jahre übersteht und die Hoffnung nicht verliert.
    56 hr 57 min
  • Morgenimpuls mit Schwester Katharina / Das eine tun und das andere nicht lassen
    Haben Sie es gelesen oder gehört? Laut einem Report der Schweizer Bank UBS stieg die Zahl der Milliardäre weltweit auf 2.682 mit einem Gesamtvermögen von 14 Billionen US-Dollar. Und in Deutschland erreicht die Zahl der Milliardäre die Rekordzahl von 249. Jeden Tag wird jeder von ihnen um 2 Millionen Dollar reicher. Diese Zahlen mit ihren vielen Nullen sind für die meisten von uns unbegreiflich.
    Und auf der anderen Seite macht – laut Bericht der WHO – der Kampf gegen die Armut und den Hunger weltweit kaum Fortschritte. Vor beiden Phänomenen stehen wir ratlos und wissen nicht weiter. Und dann kommt Gott sei Dank das Aber: All die Spenden und Aktionen für Menschen in der ganzen Welt gegen den Hunger helfen stets den Einzelnen und ihren Familien zu überleben. Und wieder Aber: Aber ungerechte Strukturen sind der schlimmere Teil des Problems. Wenn allein all die Superreichen in Deutschland gerecht besteuert würden, hätten Kommunen, Länder und der Bund mehr Möglichkeiten, gegen Armut und Not in unserem Land und weltweit anzugehen.
    Und bevor das geschieht, und selbst wenn es immer nur unzureichend geschieht, sammeln unverdrossen Menschen weltweit für Hilfswerke und Hilfen vor Ort. Allein die Sternsinger haben in Deutschland im letzten Jahr fast 50 Millionen Euro an Spenden eingesammelt, um Projekte für Kinder weltweit zu unterstützen.
    Das eine tun und das andere nicht lassen, ist schon immer das Gebot der Stunde. Gegen ungerechte Strukturen angehen und protestieren und sich engagieren gegen die Not des Einzelnen gehören zusammen. Das gilt für alle Menschen guten Willens, wie es so schön heißt, und erst recht für uns Christen.
    Geben wir nicht auf, uns für unsere Mitmenschen einzusetzen und das Notwendende zu tun, damit das Mögliche erreicht wird und das Unmögliche immer mehr möglich wird.
    47 hr 30 min
  • Morgenimpuls mit Schwester Katharina / Auch im Alltag zum Glauben bekennen!
    Heute feiern wir mit der Kirche das Fest des Heiligen Sebastian. Er war Soldat in Mailand und wurde zum Offizier in der Leibgarde von Kaiser Diocletian und Maximian. 
    Da er sich als Hauptmann der Prätorianergarde aber am Hof zu seinem Christsein bekannt und gestanden hatte, notleidenden Christen geholfen zu haben, wurde er zum Tod verurteilt und von Bogenschützen erschossen. In der Meinung, er sei tot, wurde er liegengelassen. Aber er war schwer verletzt und wurde gesund gepflegt. Wieder genesen ging er umgehend wieder zum Kaiser und bekannte sich zu Jesus Christus. Und wieder wurde er verurteilt und um 288 getötet. 
    Ich würde heute nicht so ausgiebig von ihm erzählen, wenn er nicht auch unter anderem der Schutzpatron der Schützenbruderschaften ist und es hier in Olpe ein sehr ausgiebiges Brauchtum dazu gibt. Am Vorabend gibt es seit einigen Jahren wieder das Beiern, das heißt, die Glocken werden so angeschlagen, dass Musikstücke und Lieder erklingen. Es gibt dann heute Abend ein Festhochamt in rappelvoller Kirche mit Musik mit dem Musikzug der Feuerwehr. 
    Am Anfang war mir das so fremd, dass ich nicht so genau wusste, ob ich lachen oder ernsthaft bei der Sache sein sollte. Aber wenn mir dann Schützen erklärt haben, dass die Schützen gegründet worden sind, um zu schützen: die Stadt, die Kirche den Glauben, war ich dann doch ein bisschen versöhnt. 
    Und wenn wir zurzeit schauen, dass die Christen weltweit die am meisten verfolgte Religionsangehörigen sind, tun wir gut daran, die Kirche und den Glauben zu schützen, für ihn einzutreten und sich auch im normalen Alltag zum Glauben zu bekennen. Wenn das vielleicht in der Predigt heute Abend Thema sein wird und die vielen hundert Schützen, die zum Gottesdienst kommen, nicht nur heute Abend daran denken, dass ihr Patron für seinen Glauben umgebracht worden ist, dann ist das ganze drumherum ja auch nicht so verkehrt.
    46 hr 24 min
  • Morgenimpuls mit Schwester Katharina / Von Oligarchen und Heiligen
    Der Noch-Präsident hält seine Abschiedsrede an die Nation und warnt vor diesem neuen Typen von Oligarchen, die unfassbar reich sind und glauben, Politik mit Geld machen zu können. Der zukünftige Präsident hat in den Wochen seit seiner Wahl mit Ideen sich neue Länder ins Land einzuverleiben, schon dermaßen viel Unruhe gestiftet, dass man mit Angst und Sorge in die Zukunft schaut. An einen völlig anders tickenden Menschen denken wir in der Kirche heute: Antonius, der Mönchsvater, geboren 251 in Kome in Mittelägypten, war der Sohn wohlhabender christlicher Eltern. 
    Nach deren Tod hat er seinen Besitz verschenkt und sich in die Wüste zurückgezogen, um für Gott zu leben. Sein Ruhm hat sich dort aber sehr schnell verbreitet, weil er ein so klares Denken hatte, ein solch geistvoller Mensch geworden war, dass viele Menschen gekommen sind, um ihn um Rat zu bitten und um sein Gebet. Oder wollten bei ihm lernen, wie auch sie als Geistliche und Asketen leben konnten. 
    Sie haben gespürt, dass dieser Mann ernst gemacht hat mit dem, was ihn einmal gepackt hatte: die Anfrage Gottes an ihn und seine radikale Antwort. Und er wurde kein weltfremder Asket und komischer Heiliger, sondern einer, der die Fragen und Themen der Menschen, der Politik und der Länder kannte und eine sehr energisch eigene Meinung dazu hatte. In allen christlichen Religionen wird er heute gefeiert und dient immer noch vielen Menschen als Vorbild.  Aber auch mit den Mächtigen seiner Zeit, mit Kaiser Konstantin und seinen Söhnen wechselte er Briefe und beriet sie in Staatsangelegenheiten. Gegen Ende seines Lebens verließ er nochmals die Wüste, um in Alexandrien gegen die Irrlehre des Arius zu predigen. Antonius gewann dadurch Bedeutung, dass er einzelne Einsiedlergemeinden zusammenführte, denen er durch sein Leben und durch seine Weisungen zum Vorbild wurde. Daher wird er mit Recht "Der Große" genannt. Wir haben immer die Wahl zwischen dem Guten und dem Bösen und tragen immer selbst die Verantwortung für unser Tun vor Gott und für die Menschen.
    53 hr 20 min
  • Morgenimpuls mit Schwester Katharina / Maikühl
    Vorgestern kam am frühen Morgen einer unserer Laudes-Mitbeter zur Haustür herein und meinte strahlend: Es ist etwas Maikühl heute. Wieviel Grad sind es denn? war meine Frage zurück. Nun, es sind Minus 13 Grad und es ist herrlich draußen, seine Antwort. Ja genau, es ist sehr unterschiedlich, wie wir Dinge wahrnehmen oder damit umgehen.
    Wie zum Beispiel unsere indische Mitschwester. Sie ist in der Ausbildung zur Krankenschwester. Die Schule ist mit dem Bus nur knapp 10 Minuten entfernt im nächsten Dorf. Aber der Bus ist am Nachmittag nach Schulschluss nicht gefahren wegen Schnee, Eis, Kälte, Personalmangel oder was auch immer. Unsere Schwester und noch weitere Schülerinnen, die nach Olpe zurück wollten, sind also gelaufen. "We made a rosaryprocession", war ihr trockener Kommentar. Also wir haben eine Rosenkranzprozession gemacht. Ganz einfach eben. Wenn kein Bus fährt, läuft man bei minus 6 Grad, auch wenn man indische Temperaturen um plus 30 Grad eher gewohnt ist. Und man betet den Rosenkranz dabei. Ganz einfach. Und dann habe ich ihr erzählt, dass ich vor meinem Eintritt immer zu meinem Krankenhaus die drei Kilometer bergauf und nach der Schicht bergab gelaufen bin und unterwegs den Rosenkranz gebetet habe.
    Ein bisschen habe ich mich ertappt gefühlt, weil ich das schon lange nicht mehr tue – das Laufen zu einem Termin oder ins Mutterhaus und dabei den Rosenkranz beten. Ich fahre mit dem Auto, weil es objektiv schneller geht. Und subjektiv? Oder spirituell? Daran hindert uns, glaube ich, schon unser rationell gewordenes Leben und Denken. Aber Spiritualität bedeutet, dass alles, was ich im Alltag tue, geprägt ist von meinem Glauben. Beten ist immer – pflegte eine meiner alten Mitschwestern zu sagen – ob Putzen, ob Kochen, im Dienst im Büro, bei allem. Weil wir es nicht trennen sollten – weil Leib und Seele eins ist und erst durch unser Tun und Lassen deutlich wird, ob ich an einen guten und menschenliebenden Gott glaube.
    Und dann kann minus 13 Grad wunderbar Maikühl sein und ein paar Kilometer nach Hause laufen eine gut genutzte Möglichkeit, zusammen zu beten und sich warmzulaufen und das sonnige Traumwetter dabei zu genießen.
    50 hr 17 min

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Mit einem guten Gefühl in den Tag starten: Montag bis Freitag erzählt die Olper Franziskanerin Schwester Katharina von ihren Gedanken über Gott und die Welt. Am Samstag und Sonntag sprechen im Wechsel…