Vor gut einem Jahr kontaktierte mich Bernd Rinser anlässlich der Fertigstellung seines damalig neuen Albums Peace of Mind, um mit mir darüber zu sprechen. Durch den Umzug von Gießen nach Bremen und terminlichen Schwierigkeiten blieben wir zwar in Kontakt, haben es aber nicht geschafft, näher über sein Werk zu sprechen. Nun schrieb mich Bernd vor einigen Wochen wieder an und verkündete, dass am 10.10.08 sein brandneues Album Southern Swamp Impressions veröffentlicht werde. Auf seine Nachfrage, ob ich Interesse an einem Vorabexemplar zur Rezension habe, konnte ich gar nicht anders als zuzustimmen. Ein paar Tage später lag die CD in meinem Briefkasten und auch das Vorgängerwerk Peace of Mind war dem Brief beigefügt, was mich sehr freute.
Der erste Höreindruck war überraschend: nicht mit einer Brachialnummer, die die Aufmerksamkeit des Zuhörers erregen und halten soll, beginnt Southern Swamp Impressions, sondern mit einer musikalischen Entschleunigung, die unmittelbar in den Song Struck by Love übergeht. Mit diesem Song beginnt eine Entdeckungsreise, die insgesamt 12 Songs umfasst.
Was mich neben der besonderen Stimme Bernd Rinsers, die teilweise der Tom Waits nicht unähnlich ist und mit ihren nuscheligen Nuancen nie die durchdachten Texte unverständlich macht, beeindruckt hat, ist die Symbiose verschiedener Stilarten. Obwohl der Blues nie ganz in den Hintergrund rückt und unverkennbar ein wichtiges Gerüst für die Songs ist, bereichern Einflüsse aus der Countrymusic, Bluegrass und Southern Rock den Gesamteindruck. Vielleicht sind es auch die akzentuierten Arrangements der Songs, die den Hörer durch die Reise tragen und kein Sättigungsgefühl aufkommen lassen. Bei Turn Off The Tap fühlte ich mich unwillkürlich an Stripped von den Rolling Stones erinnert, das damals zeigen sollte, wie die Ewigrocker vor Beginn ihrer Karriere klangen, als sie gemeinsam mit Alexis Korner den Blues in England aufleben ließen.
Der Mix ergibt etwas Neues, das Bernd Rinser Rootsmusik und Rootsrock zuordnet. Mich hat die Musik überrascht und insgesamt hat mich das Album auf Anhieb überzeugt. Jeder, der diese Art von Musik mag, sollte sich die Samples seines Vorgängeralbums Peace of Mind anhören und nach Möglichkeit in eines seiner Konzerte gehen. Sollte Bernd nach Bremen kommen und es sich einrichten lassen, werde ich dabei sein.
Zum Schluss noch ein Aufruf: Bernd Rinser wurde 2006 eine wertvolle Gitarre gestohlen. Einzelheiten könnt Ihr dem Suchflyer entnehmen. Bei sachdienlichen Hinweisen meldet Euch bitte bei ihm.
+++ UPDATE +++
Heute kontaktierte mich Bernd Rinser und bedankte sich für diesen Artikel. Dabei machte er mich darauf aufmerksam, dass ich mich bei der Zuordnung der Veröffentlichungen vertan habe. Das nehme ich natürlich gern zum Anlass, den Inhalt richtig zu stellen:
Bernd schrieb mich damals an, um mir die Besprechung seines Albums Peace of Mind anzutragen. Es war nicht das von mir in der Episode genannte Album Got You. Mittlerweile habe ich die falsche Zuordnung im Beitrag korrigiert.
Ferner macht er mich darauf aufmerksam, dass das Album Got You im kommenden Jahr erscheinen wird.
Fotos: Nils Harder (farbig) und Christoph Rublack (s/w)