Mutmacher Schule

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Mutmacher Schule episodes

  • Keine Hausaufgaben, keine Noten: Wie eine Schulpreis-Grundschule Lernen neu organisiert - mit Sandra Scheffel

    Gästin: Sandra Scheffel, Schulleiterin der Maria-Leo-Grundschule Berlin, ausgezeichnet mit dem Deutschen Schulpreis 2025

    Host: Judith Holle, Geschäftsführerin beWirken


    Sandra Scheffel leitet die Maria-Leo-Grundschule Berlin, die 2025 den Hauptpreis des Deutschen Schulpreises gewonnen hat: eine Schule ohne Hausaufgaben und Noten, aufgeteilt in sechs eigenständige Lernhäuser mit festen Pädagog*innen-Teams. Wie schafft man den Sprung von einer Schule, die Kinder kontrolliert, zu einer, die ihnen vertraut? Im Gespräch erzählt Sandra Scheffel, wie aus einer eigenen Krise im Referendariat ein radikal anderes Schulmodell wurde und wie Coaching, Teamzeit und offene Kommunikation Kinder wie Erwachsene zu mehr Selbstverantwortung führen. Ein Gespräch über Lernhauskonzept, Beziehungsarbeit und den Mut, Bewährtes infrage zu stellen.

    Kernthema

    Wenn sich Kinder und Pädagog*innen wohlfühlen, sind sie leistungsfähig. Vertrauen, Beziehungsarbeit und feste Teamzeit sind das Fundament für Lernerfolg.

    Vom Leidensdruck zur Schulpreis-Grundschule

    • Sandra Scheffel wollte nie Schulleiterin werden. Aus einer eigenen Krise im Referendariat wurde die Haltung, die die Schule bis heute prägt: weg von Kontrolle, hin zu Vertrauen.

    Das Lernhauskonzept

    • 450 Kinder in sechs Lernhäusern à 75 Kindern, begleitet von festen Teams aus Lehrkräften, Erzieherinnen und Schulhelferinnen.
    • Kinder bleiben je nach Lerntempo zwei bis vier Jahre im selben Mikro-Lernhaus, nicht starr nach Jahrgangsstufen.

    Coaching statt Kontrolle

    • Am Denkzeit-Mittwoch führen Pädagog*innen Einzelcoachings mit den Kindern. Rückmeldung läuft ressourcenorientiert über das „Brückenbuch“, mit Fokus auf das, was schon gelungen ist.

    Teamarbeit als Rückgrat

    • Feste wöchentliche Teamzeiten gehören zum regulären Deputat, nicht zur Freizeit. Jede Sitzung folgt einer festen Struktur: „warme Dusche“, Best Practice, „Ich wünsche“.

    Eltern als Partner

    • Transparente Kommunikation schafft Vertrauen in ein Konzept ohne durchgängige Notenbewertung, auch wenn Berlins Schulplatznot ab Klasse 7 Druck erzeugt.

    Zitat der Folge

    „Wer in Gesundheit und Wohlfühlen investiert, der investiert gleichzeitig in Bildung und Mathe und Deutsch.“Sandra Scheffel

    Links

    • Maria-Leo-Grundschule Berlin: https://maria-leo-grundschule.de/
    • Der Deutsche Schulpreis, Porträt Maria-Leo-Grundschule: https://www.deutscher-schulpreis.de/preistraeger/maria-leo-grundschule

    Für wen ist diese Folge?

    Für Schulleitungen, Lehrkräfte und Erzieher*innen, die multiprofessionelle Teamarbeit und Lernhauskonzepte konkret erleben wollen.

    53 min
  • Ich und mein Unterricht': Warum diese eine Grundannahme Schule ausbremst – mit Lena Maria Kesting & Judith Holle

    Gäst*innen: Lena Maria Kesting, Doktorandin an der Ruhr-Universität Bochum (dritte Phase der Lehrer*innenbildung), langjährige Lehrkraft und Lernbegleiterin an der Heliosschule Köln · Judith Holle, Geschäftsführerin beWirken

    Host: Petra Franke, System-Change-Team beWirken

    Was würde sich ändern, wenn Zehntausende zusätzliche Lehrkräfte ins System kämen? Weniger, als viele denken. Zum Diskurspapier „Mehr als die Lehrkraft" sprechen Lena Maria Kesting und Judith Holle darüber, warum die Frage nicht „Wie viele Lehrkräfte?" lautet, sondern „Welche Rollen, Strukturen und Lernprozesse braucht gute Schule?". Lena bringt die Praxis- und Forschungsperspektive ein, Judith die der Organisationsentwicklung. Ein Gespräch über Rollendiversität, Lernarchitektur und den Weg von der Versorgungs- zur Wirkungssteuerung.

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    Kernthema

    Nicht mehr Personal in alten Strukturen, sondern andere Rollen, andere Lernformate und eine wirkungsorientierte Steuerung machen Schule zukunftsfähig.

    Warum mehr Lehrkräfte allein nichts lösen

    • Neue Lehrkräfte werden in bestehende Strukturen eingenordet – ihre Kompetenzen (gerade bei Quereinsteiger*innen) kaum systematisch genutzt.
    • Mehr Personal in gleicher Struktur mildert Symptome, verändert die Frage der Wirksamkeit aber nicht.
    • Muss wirklich jede Person die Unterrichtsversorgung sicherstellen? Aufgaben lassen sich auf mehr Schultern verteilen.

    Individuum und Struktur zusammendenken

    • Haltung und Kompetenz einzelner Menschen und die Strukturen bedingen einander – das eine ohne das andere verpufft.
    • Engagierte Einzelne zerschellen oft an Strukturen; neue Strukturen greifen nicht ohne passende Haltung.
    • Change gelingt nur, wenn beide Ebenen parallel bearbeitet werden.

    Rollendiversität: Schule als Organisation denken

    • Andere Organisationen halten für ihren Kernprozess breite Rollenvielfalt vor – Schule besetzt fast alles mit Lehrkräften.
    • Recht, Organisationsentwicklung, IT, Sozialpädagogik laufen „nebenbei mit", oft ohne Zeit und Qualifikation.
    • Der Lernprozess ist der Kern der Schule – und braucht ein durchdachtes Rollengefüge.

    Lernarchitektur statt einzelner Formate

    • Es reicht nicht, Fachunterricht in eine selbstgesteuerte Lernzeit umzuetikettieren.
    • Lernarchitektur meint das geplante Zusammenspiel vielfältiger Erfahrungsräume – mit Balance aus Autonomie und Struktur.
    • Wissensvermittlung tritt zurück zugunsten überfachlicher Kompetenzen; die Logik verschiebt sich zur Wissensaneignung.

    Von der Versorgungs- zur Wirkungssteuerung

    • Das System steuert Unterrichtsversorgung (Input), nicht Wirkung (Outcome).
    • Nötig sind gesellschaftlich definierte Wirkungsziele – jenseits von Noten, inklusive Chancengerechtigkeit und Wohlbefinden.
    • Hebel Ausbildung: weg von der reinen Fächerlogik, erste und dritte Phase verzahnen, Unis für Praxispartner öffnen.

    Was Mut macht

    • Diskurs und Entscheidungsträger*innen richten den Blick zunehmend auf Wirkung statt nur Versorgung.
    • Die „Bubble" wächst und erreicht immer mehr Akteur*innen, die wirksame Entscheidungen treffen können.
    • Forschung wird sichtbarer, Pionier*innen vernetzen sich – auf dem Weg zu einem Kipppunkt.

    Zitat der Folge

    „Wenn ich Lehrkraft bin, dann heißt das ich und mein Unterricht."— Judith Holle

    Weiterführende Links & Ressourcen

    • Diskurspapier & Executive Summary „Mehr als die Lehrkraft": https://bewirken.org/rolle-der-lehrkraft/
    • Zukunftsforum Lernbegleitung: https://bewirken.org/zukunftsforum/
    • Podcast von Lena Maria Kesting „die lernbegleiterin feat. #insidePSE": https://open.spotify.com/show/7769FBUvHjJ7YEz1xIOOtZ
    • Lena Maria Kesting auf LinkedIn: https://www.linkedin.com/in/lenamkesting/
    • Judith Holle auf LinkedIn: https://www.linkedin.com/in/judith-holle-872494191/

    Für wen ist diese Folge?

    Für Lehrkräfte, Schulleitungen, Schulaufsicht, Bildungspolitik, Lehrer*innenbildung und alle, die Schule strukturell weiterdenken wollen – über einzelnes Engagement und mehr Personal hinaus.

    1 hr 14 min
  • Eine Schulaufsicht für 28 Schulen und kaum Zeit: Wie Cluster Steuerung wieder wirksam machen – mit Anne Sliwka

    **„Eine Schulaufsicht für 28 Schulen – und kaum Zeit: Wie Cluster Steuerung wieder wirksam machen – mit Prof. Dr. Anne Sliwka"**

    Gast: Prof. Dr. Anne Sliwka, Professorin für Bildungswissenschaft, Universität Heidelberg

    Host: Judith Holle, Geschäftsführerin beWirken

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    Das erwartet dich in dieser Episode: Anne Sliwka forscht an der Universität Heidelberg zu Schul- und Schulsystementwicklung im internationalen Vergleich. In dieser Folge geht es eine Ebene über den Klassenraum hinaus – auf die Steuerungsebene des Schulsystems. Für Schulleitung, Schulaufsicht und Bildungspolitik: Wie kann sich ein ganzes System fortlaufend weiterentwickeln, statt von Projekt zu Projekt zu springen? Wie wird aus einer Schulaufsicht, die für 28 Schulen zuständig ist und sie nur punktuell erreicht, eine wirksame Gestaltungsebene? Ein Gespräch über die „Mitte" des Systems, Schulfamilien, verteilte Verantwortung und datengestützte Steuerung.

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    **Kernthema**

    Vom verwaltenden zum lernenden Schulsystem: kontinuierliche, datengestützte Entwicklung über alle Steuerungsebenen hinweg – statt befristeter Projekte.

    **Wandel dritter Ordnung statt „Projektitis"**

    - Inkrementeller Wandel in befristeten Projekten reißt immer wieder ab und kommt nie in die Fläche.

    - International lernen Systeme stattdessen zyklisch: fortlaufend, datenbasiert, unabhängig von Projektfinanzierung.

    **Leading from the Middle – die mittlere Ebene als Motor**

    - Eine Schulaufsicht für rund 28 Schulen erreicht jede Schule nur punktuell – Cluster machen Steuerung wieder wirksam.

    - Schulen schließen sich zu „Families of Schools" (Kanada) bzw. „Clustern" (Singapur) zusammen – typischerweise 8 bis 12 Schulen, eng begleitet durch die Schulaufsicht.

    **Verteilte Verantwortung und vernetzte Autonomie**

    - Schulaufsicht verantwortet, dass keine Schule stillsteht; Schulleitung verantwortet die Entwicklung der eigenen Schule; Lehrkräfte übernehmen verteilte Führung.

    **Klare gemeinsame Ziele: der Zieldreiklang (aus Kanada, auch in Australien adaptiert)**

    - Kompetenz- und Leistungsentwicklung: alle erreichen Mindeststandards, möglichst viele Regel- und Optimalstandards.

    - Chancengerechtigkeit: Entkopplung von sozioökonomischer Herkunft und Schulerfolg, ungleiche Ausstattung zugunsten benachteiligter Standorte.

    - Wohlbefinden und Persönlichkeitsentwicklung: mentale Gesundheit datenbasiert (Surveys) in den Blick nehmen.

    **Datengestützte Steuerung, die entlastet statt belastet**

    - Das System bereitet Daten nutzerfreundlich auf (Dashboards, Farbcodierung, Echtzeit), damit Schulen möglichst wenig Aufwand haben.

    **Was daraus in der Einzelschule konkret folgt**

    - Lernbänder und flexibles Gruppieren (auch jahrgangsübergreifend), z. B. in Mathematik – über 40 Prozent langweilen sich im Matheunterricht.

    - Voraussetzung: kooperative Professionalität und verbindliche Teamzeiten – der Beruf wird vom Einzelkämpfer- zum Gemeinschaftsberuf.

    **Wie der Einstieg gelingt – und was Mut macht**

    - Einstieg über Freiwillige und Capacity Building statt Top-down-Verordnung; erst erproben, auswerten, dann in die Fläche (Kaskadenlogik).

    - Co-Learn / Wir.Lernen: Keine der begleiteten Schulfamilien hat in drei Jahren aufgehört zusammenzuarbeiten.

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    **Zitat der Folge**

    > „Man darf die Führung nicht den Führungskräften überlassen."

    > — Prof. Dr. Anne Sliwka (sinngemäß nach Michael Fullan: „jeder Mensch ist ein Change Agent, da wo er steht")

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    **Weiterführende Links**

    - Prof. Dr. Anne Sliwka – Universität Heidelberg: https://www.ibw.uni-heidelberg.de/de/institut/personen/prof-dr-anne-sliwka

    - Michael Fullan – Schulentwicklungsforscher, „Leadership from the Middle": https://michaelfullan.ca/leadership-from-the-middle-a-system-strategy/

    - Co-Learn / Wir.Lernen – Robert Bosch Stiftung (Baden-Württemberg & Schleswig-Holstein): https://www.bosch-stiftung.de/de/projekt/wirlernen

    - Anne Sliwka & Britta Klopsch: „Das lernende Schulsystem“ ISBN 978-3-407-63322-4

    1 hr
  • Du musst nicht alles wissen: Warum das der wichtigste Satz über KI und Schule ist – mit Max Mundhenke

    Mutmacher Schule – der Podcast zum Lernkulturwandel

    Staffel 2, Folge 8 | 19.Mai 2026


    „Du musst nicht alles wissen: Warum das der wichtigste Satz über KI und Schule ist – mit Max Mundhenke"


    Gast: Max Mundhenke, KI-Berater, Creative Technologist und Gründer

    Host: Judith Holle, Geschäftsführerin beWirken


    Das erwartet dich in dieser Episode

    KI verändert nicht nur, wie wir arbeiten – sie verändert, wie wir lernen, was wir glauben und wie wir Wahrheit verstehen. Max Mundhenke ist KI-Berater, Creative Technologist und Bildungsexperimentator. Er baut Chatbots, entwickelt kreative KI-Projekte für Schulen – und bringt dabei immer die gesellschaftliche Dimension mit. Im Gespräch mit Judith Holle teilt er seine Einschätzungen darüber, was KI mit Bildung macht, warum Medienkompetenz heute wichtiger ist denn je – und wie Lernen mit KI wirklich gelingen kann.


    Diese Folge steckt voller Begriffe, die im Schulalltag immer öfter auftauchen – von Datenminimalismus bis AI Policy. Wir haben die 26 wichtigsten davon in einem kompakten Glossar für Bildung & Schule zusammengestellt – als praktisches Nachschlagewerk.📚

    Kostenlos herunterladen: https://bewirken.org/ki-glossar/


    Kernthemen

    Föderalismus als Bildungsproblem

    · 16 Bundesländer, 16 Bildungssysteme – und strukturelle Chancenungleichheit

    · Warum unterschiedliche Abiturbedingungen unfair sind


    KI und Individualisierung: Die große Chance

    · Wie individualisiertes Lernen durch KI möglich wird

    · Multilinguales Lernen und Barrierefreiheit als konkrete Vorteile

    · Von YouTube-Erklärer*innen zu KI-Tutor*innen: Was Max selbst erlebt hat


    Technostress und der richtige Umgang mit Tempo

    · Was „Technostress" bedeutet – und warum wir Erwartungshaltungen anpassen müssen

    · Niemand muss alles wissen: Selbst Expert*innen kommen nicht mehr hinterher

    · Fokussierung statt Überforderung – für Lehrkräfte und Schüler*innen gleichermaßen


    KI in Schulen: Was wirklich passiert

    · Schüler*innen nutzen KI für Hausaufgaben – und wie man das sinnvoll begleitet

    · Datenschutz als erste KI-Kompetenz: Datenminimalismus praktisch erklärt

    · Warum klassische Prüfungsleistungen in Zeiten von KI neu gedacht werden müssen


    Kreative Ansätze im Unterricht

    · Bilder manipulieren, Schulwege der Zukunft gestalten: KI als kreativer Spiegel

    · Ein Kriegstagebuch als Chatbot – wie Geschichte lebendig wird

    · Warum KI-Lernen über Kreativität und nicht über Texte gelingt


    Medienkompetenz und Wahrheit

    · KI-Output wird kaum angezweifelt – und das ist ein Problem

    · Wo entsteht Wahrheit, wenn alles KI-Content sein kann?

    · Was Schulen von der Medienpädagogik lernen müssen


    Learnings aus der Unternehmenswelt für Schulen

    · Wie Unternehmen mit KI-Ängsten umgehen – und was Schulen davon übernehmen können

    · AI Policies als Orientierung, Literacy statt Überforderung

    · Step by Step statt alles auf einmal


    Verantwortung und Selbstbestimmung

    · Mehr Eigenverantwortung an Schüler*innen abgeben – mit KI als Befähiger

    · Was ein Mathe-Lehrer namens Herr Schneemann früh richtig gemacht hat

    · KI als Hilfe zur Selbsthilfe: Wenn Motivation der entscheidende Faktor ist


    Gemeinschaft und Soziales dürfen nicht verloren gehen

    · KI individualisiert – aber Schule ist auch Sozialraum

    · Die Lehrkraft der Zukunft: Technische Kompetenz, soziale Begleitung, menschliche Präsenz



    Zitat der Folge

    „KI ist eine Technologie, die sich im Grunde selbst erklärt. Du kannst morgen bei ChatGPT sagen: Erklär mir bitte, wie KI funktioniert. Und ChatGPT wird dir erklären, wie KI funktioniert. Das finde ich einfach eine unfassbar tolle Technologie."

    — Max Mundhenke


    Weiterführende Links & Ressourcen

    ·      Bundestagswahl.ai – Wahlprogrammevisualisiert mit KI (Projekt von Max Mundhenke)

    ·      Podcast „Kollegin KI“mit Bob Blume (im Gespräch erwähnt)


    49 min
  • Lernen mit, durch, trotz und ohne KI: Wie Schule KI sinnvoll einsetzt – mit Joscha Falck

    Gast: Joscha Falck, Lehrer, Autor, Fortbildner, Schulentwicklungsbegleiter und Keynote-Speaker

    Host: Judith Holle, Geschäftsführerin beWirken


    KI und Schule – kaum ein Thema wird gerade so heiß diskutiert. Aber wie sieht der Einsatz von KI im Unterricht wirklich aus? Joscha Falck ist Mittelschullehrer in Bayern und hat sich tief in die Praxis vorgearbeitet: mit didaktisch designten Chatbots, adaptiven Lernsystemen und einem KI-Kompetenzmodell, das er gemeinsam mit Kolleg*innen aus der Praxis für die Praxis entwickelt hat. Im Gespräch mit Judith Holle teilt er ehrliche Einblicke – was funktioniert, was stört, und warum die entscheidenden Fragen rund um KI immer wieder dieselben sind: Wie gestalten wir gutes Lernen? Und welche Rolle spielen Lehrende dabei?

    Kernthemen:

    Was Schule verlernen darf

    • Die „Erlösungserwartung": Auf Lösungen von oben warten
    • Schulen, die selbst loslaufen, machen die bessere Erfahrung
    • Mut und Gestaltungsperspektive als entscheidende Faktoren

    Das Fünf-Dimensionen-Modell: Lernen mit, über, durch, trotz und ohne KI

    • Orientierungsrahmen für Schulen
    • Nicht technologisch, sondern didaktisch-pädagogisch gedacht

    KI und Motivation: Werden Schüler*innen faul?

    • Die Lähmung ist viel seltener als befürchtet
    • „Werkstolz" (Gabi Reinmann): Schüler*innen wollen eigene Leistung zeigen
    • Wenn Schüler*innen Aufgaben einfach in die KI werfen – ist das auch eine Rückmeldung über die Aufgabenqualität

    Das KI-Kompetenzmodell für Lehrende und Lernende

    • Vier Bereiche: Verstehen, Anwenden, Reflektieren, Mitgestalten
    • Entwickelt mit Susanne Alles, Regina Schulz und Manuel Flick
    • AI Leadership als übergeordnete Kompetenz

    KI konkret im Unterricht

    • Adaptive Lernsysteme (FrontRead, BetterMarks) für Differenzierung
    • FellowFish als KI-Feedback-System für Schreibaufgaben
    • Didaktisch designte Chatbots über fobizz und telli

    Wann KI wirkt – und wann sie stört

    • Wirksam: individuelles Üben, direktes Feedback, klar definierte Szenarien
    • Eher hinderlich: kooperative Settings, Gruppenarbeiten mit Diskussionsauftrag

    Die Rolle der Lehrkraft im Wandel

    • Vom Wissensvermittler zur Lerndesigner*in
    • Leitfrage: Was braucht ein Kind, um gut lernen zu können?

    Wie KI schulweit verankert werden kann

    • Es braucht ein Team und die Unterstützung der Schulleitung
    • Nachhaltig: KI-Konzepte, die mit einer pädagogischen Vision zusammenkommen

    Mut für alle, die noch zögern

    • „Wir kochen da alle nur mit Wasser"
    • Der Shift von Überforderung zu drei konkreten Ideen geht in Workshops erstaunlich schnell

    Weiterführende Links & Ressourcen

    • KI-Kompetenzmodell (TaskCards-Board) → https://essen.taskcards.app/#/board/ba6226b4-e617-4134-8d6d-dc733dae8d9c/view?token=b490fc09-f845-4d6d-9ef7-9cc0ec548182
    • KI-Didaktik: Planungsvorlage → https://joschafalck.de/ki-didaktik-planungsvorlage/
    • Lernen mit KI als didaktischer Prozess → https://joschafalck.de/lernen-mit-ki/
    • Interaktive Lernmaterialien mit KI → https://joschafalck.de/interaktive-lernmaterialien-mit-ki/
    • Archiv 45 – KI-Agenten-Team erstellt Escape-Game → https://joschafalck.de/archiv-45/
    • Blogparade #kAIneEntwertung → https://joschafalck.de/blogparade-kaineentwertung/
    • Werkstolz mit KI? (Gabi Reinmann & Frank Vohle) → https://gabi-reinmann.de/wp-content/uploads/2025/08/Impact_Free_66.pdf
    • Angebots-Nutzungs-Modell (Andreas Helmke) → https://youtu.be/-p0k-xQ01P8?si=auUT5mWpvj6V8fGB
    • IQESonline – KI im Unterricht → https://www.iqesonline.net/bildung-digital/ki-unterricht-lernen/
    • KI macht Schule → https://www.ki-macht-schule.de



    58 min
  • In Estland traut man jedem Kind zu, ein Buch pro Monat zu lesen: Was hohe Erwartungen mit Lernerfolg machen – mit Alexander Brand

    Gast: AlexanderBrand, Bildungsjournalist, Lehrer an einer Hamburger Stadtteilschule, Autor desBuches Die Bildungsweltmeister
    Host: Judith Holle,Geschäftsführerin beWirken

    Was machenSchulen in Estland, Finnland, Japan und Singapur anders – und was davon lässtsich auf Deutschland übertragen? Alexander Brand hat über 30 Schulen in denPISA-Spitzenländern besucht, mit Lehrkräften gesprochen und ein Buch darübergeschrieben. Im Gespräch mit Judith Holle teilt er seine ehrlichstenErkenntnisse: Was wirklich funktioniert, wo die Grenzen der Übertragbarkeitliegen – und warum Bildung immer im kulturellen Kontext gedacht werden muss.

    Das erwartet dich in dieser Episode:

    Schule im internationalen Vergleich

    • PISA misst nicht alles – Werte, Empathie und Demokratiebildung bleiben außen vor
    • Alexanders Kernthese: „Das Bewundernswerte und das Problematische eines Schulsystems entspringt oft derselben kulturellen Haltung."

    Japan & Singapur – Stärken und Kehrseiten

    • Japans Kollektivismus ermöglicht gemeinsames Lernen (Lesson Study, offene Klassenzimmerwände) – birgt aber auch Gruppendruck und Mobbing
    • Singapur investiert massiv in Bildung, behandelt sie aber vor allem als wirtschaftliche Ressource

    Lehrkräfte-Professionalisierung neu denken

    • Singapur: 100 Stunden Fortbildungspflicht pro Jahr, professionelle Lerngemeinschaften als fester Berufsalltag
    • Japan: Lehrkräfte als Forschende ihres eigenen Unterrichts – gemeinsame Stunden zur Unterrichtsentwicklung
    • Finnland: Forschungsorientierte Ausbildung an Universitätsschulen, Praxisphasen im Tandem
    • Deutschland: Nur 4 Bundesländer mit Fortbildungspflicht, Hamburg führt mit 30 Stunden/Jahr

    Karrierepfade für Lehrkräfte – das Singapur-Modell

    • Drei Entwicklungspfade: Führung, Fachspezialisierung, Didaktik
    • Vom Teacher über Senior und Lead Teacher bis zum Master Teacher
    • Ein Modell, das den Beruf attraktiver macht – und gute Lehrkräfte im Unterricht hält

    Förderung & Heterogenität

    • Leitprinzip in allen vier Ländern: Jedes Kind kann lernen – es unterscheidet sich nur die Art und Intensität der Unterstützung
    • Finnland: Bis zu 20 % der Schülerinnen haben Anspruch auf Kleingruppenförderung durch Sonderpädagoginnen
    • Estland: Schülersprechstunden als fester Bestandteil der Lehrkräfte-Arbeitszeit
    • Singapur: Diagnostiktests bei der Einschulung, frühe gezielte Förderung in Kleingruppen

    Estland – das unterschätzte Bildungsland

    • Krasser Lehrkräftemangel, unterbezahlter Beruf – und trotzdem PISA-Spitze
    • Starke Lesekultur, hohe Erwartungen an alle
    • Die Haltung dahinter: Ein kleines Land mit 1,4 Millionen Menschen kann es sich nicht leisten, jemanden zu verlieren

    Finnland – was wirklich schiefgelaufen ist

    • Finnlands PISA-Absturz ist dreimal so stark wie der weltweite Durchschnitt
    • Reformen wurden top-down eingeführt – ohne Lehrkräfte zu befragen, ohne Pilotierung, ohne Evidenz
    • Die Lehre: Wer Lehrkräfte nicht einbezieht, trifft die falschen Entscheidungen

    Was Deutschland lernen kann

    • Keine unumkehrbaren Schnellschüsse – Veränderung braucht Zeit
    • Pilotphasen nutzen: erst ausprobieren, dann skalieren
    • Reformen mit Lehrkräften gestalten – nicht über sie hinweg

    Weiterführende Links & Empfehlungen

    • Buch von Alexander Brand: Die Bildungsweltmeister → https://www.beltz.de/sachbuch_ratgeber/produkte/details/57704-die-bildungsweltmeister.html
    • Leseprobe → https://www.beltz.de/fileadmin/beltz/leseproben/9783407869258_shortened.pdf
    • Exklusiver Buchauszug auf dem Deutschen Schulportal → https://deutsches-schulportal.de/unterricht/exklusiver-auszug-aus-dem-buch-die-bildungsweltmeister/
    • Alexander Brand auf LinkedIn → https://www.linkedin.com/in/alexanderbrand1/
    • Deutscher Verein zur Förderung der Lehrerinnen- und Lehrerfortbildung (DVLfB) → https://www.dvlfb.de

    Über den Podcast

    „MutmacherSchule" ist der Podcast von beWirken für alle, die Bildung neu denkenwollen. Judith Holle spricht mit Menschen aus Schulpraxis, Bildungsforschungund Schulverwaltung über konkrete Wege, wie Lernkulturwandel gelingt.


    55 min
  • Wie du Schule veränderst, ohne auf andere zu warten: Mut zur Veränderung im eigenen Klassenzimmer – mit Leonie Feitenhansl (Kunstundstunde)

    Wie du Schule veränderst, ohne auf andere zu warten: Mut zur Veränderung im eigenen Klassenzimmer – mit Leonie Feitenhansl (Kunstundstunde)


    Zu Gast: Leonie Feitenhansl, Lehrerin und Gründerin von Kunstundstunde
    Host: Judith Holle, Geschäftsführerin beWirken


    Das erwartet dich:

    Wie du als einzelne Lehrkraft Veränderung anstoßen kannst – auch ohne große Schulkonzepte. Leonie zeigt, wie praxisnaher Lernkulturwandel im Klassenraum gelingt: vom Churer Modell über Raumgestaltung bis zu Alternativen zum Arbeitsblatt. Eine Episode über Mut, Selbstwirksamkeit und die Kraft kleiner Schritte.


    Kernthemen:

    Was Schule verlernen sollte

    • Vom Misstrauen zum Vertrauen in Kinder, Lehrkräfte und Prozesse
    • Nicht alle müssen dasselbe zur gleichen Zeit können
    • Entwicklung ist wichtiger als Kontrolle

    Das Churer Modell – 4 Säulen für Einzelkämpfer*innen

    1. Raumgestaltung: Weg vom frontalen Setting
    2. Inputs im Kreis: Alle in der ersten Reihe
    3. Freie Sitzplatzwahl: Kinder entscheiden nach Bedürfnis
    4. Differenzierte Lernangebote: Forscherheftchen statt Arbeitshefte

    Struktur & Freiheit

    • Offenes Lernen braucht MEHR Struktur, nicht weniger
    • Graduierungssystem: Freiheit und Verantwortung zusammendenken
    • Klare Rahmen schaffen, innerhalb derer Kinder entscheiden können

    Lücken im System nutzen

    • Es steht nirgendwo, wie Klassenräume aussehen müssen
    • Normalität hinterfragen: Wo ist Routine wichtiger als Sinn?
    • Klein anfangen: Was kann ich MORGEN verändern?

    Alternativen zum Arbeitsblatt

    • Forscherheftchen: "Finde was heraus" statt "Füll mich aus"
    • Entdeckerräume und Atelierarbeit
    • Fokus auf Prozess UND Produkt

    Das Berufsbild neu denken

    • Von der Wissensvermittlerin zur Lernbegleitung
    • Coach, Mentorin, Beziehungsarbeiterin
    • Multiprofessionell vernetzen statt alles allein stemmen


    Was macht Mut?

    • Es bewegt sich etwas – langsam, aber stetig
    • Immer mehr Lehrkräfte gestalten mit statt zu warten
    • Kinder fordern Veränderung selbstbewusst ein
    • Bildung wird öffentlich diskutiert
    • Wir sind nicht allein – Veränderung passiert jeden Tag!


    Links:

    Leonie Feitenhansl

    • Website: www.kunstundstunde.de
    • Instagram: @kunstundstunde
    • Workshops, Materialien & Impulse für Lehrkräfte

    Churer Modell

    • Entwickelt von Reto Thöni (Schweiz)
    • Praxisnaher Fahrplan für Einzelkämpfer*innen

    Inspiration

    • Alemannenschule (Graduierungssystem)
    • Deutscher Schulpreis-Schulen


    Für wen ist diese Episode?

    Lehrkräfte, die auch ohne große Schulkonzepte etwas verändern wollen, Einzelkämpfer*innen auf der Suche nach Selbstwirksamkeit und alle, die an die Kraft kleiner Schritte glauben.


    Dein nächster Schritt:

    • Was kann ich MORGEN in meinem Klassenraum verändern?
    • Raum umgestalten: Einen Tisch umstellen, den Kreis ausprobieren
    • Normalität hinterfragen: Wo ist Routine wichtiger als Sinn?
    • Lücken nutzen statt Paragrafen suchen

    #SeiDieVeränderung – denn Veränderung beginnt bei dir!


    56 min
  • Schule 2035: Warum wir konkrete Zukunftsbilder brauchen – mit Jöran Muuß-Merholz

    Gast: Jöran Muuß-Merholz – Diplom-Pädagoge, Erziehungswissenschaftler und Co-Geschäftsführer der Agentur J&K – Jöran und Konsorten

    Host: Judith Holle - Geschäftsführerin beWirken

    Das erwartet dich in dieser Folge:

    „Schule muss sich ändern" – da sind sich alle einig. Aber sobald es konkret wird, zerbricht der Konsens. Jöran Muuß-Merholz zeigt in seinem Buch „Schule 2035", wie radikal unterschiedlich Schule in zehn Jahren aussehen könnte – und warum wir genau solche konkreten Zukunftsbilder brauchen, um echte Veränderung anzustoßen.

    Von der KI-gesteuerten Lernfabrik über die digital-freie Zone bis zur radikalen Freiheitsschule – fünf Szenarien, die bewusst „Dornen" haben und zum eigenen Nachdenken anregen.


    Kernthema:

    Konkrete Zukunftsbilder statt Pseudokonsens – warum Schule 2035 in fünf sehr unterschiedlichen Szenarien denkbar ist.


    Grundlagen:

    • Pseudokonsens in der Bildungsdebatte: Alle wollen Veränderung – aber sobald es konkret wird, zerbricht der Konsens

    • Schule und Zukunft: Schule wurde erfunden, um Bewährtes weiterzugeben – nicht, um Zukunft mitzugestalten

    • Schwammige Begriffe: „Zeitgemäße Bildung", „21. Jahrhundert", „Future Skills" – alles ohne positive Vision

    • Zehn-Jahres-Horizont: 2035 ist nah genug für Handlungsfähigkeit und weit genug für echte Veränderung


    Die fünf Schulen der Zukunft:

    • Lisa-Rosa-Reformschule:

    Global vernetzte Weltverbesserer*innen, projektbasiert, SDGs, internationale Vernetzung

    • Manfred-Spitzer-Lyzeum:

    Bewusst digital-freie Zone, Fokus auf Tradition, Handwerk, Naturerfahrungen

    • LIDA-Schulen:

    KI-gesteuerte Lernfabrik mit adaptiven Algorithmen für jeden Einzelnen

    • UnSchule:

    Radikal freiheitlich in altem Einkaufszentrum – „Lern doch, was du willst!"

    • Pallas Athene Schulen:

    Globales Netzwerk – lokale Lerngemeinschaften, beste Lehrkräfte weltweit online


    Herausforderungen der Transformation:• Einzelkämpfertum verlernen: Zusammenarbeit muss Standard werden

    • Pädagogische Freiheit neu denken: Bei Digitalisierung und KI stößt sie an Grenzen

    • Vom Pseudokonsens zum konkreten Bild: Verständigung über das „Andere"

    • Möglichkeitenraum kennenlernen: Wie groß ist das Spielfeld für die nächsten zehn Jahre?


    Systemische Erkenntnisse:• Krise als Katalysator: Fast jede Schulpreisschule war zehn Jahre vorher in großer Krise

    • Vielfalt reicht nicht: Im ländlichen Raum mit nur einer Schule vor Ort hilft das nicht

    • Verbindlichkeit im Prozess: Klarer Zukunftsplan verhindert ständige Grundsatzdiskussionen

    • Konstruktive Ungeduld: Der Kreis hebt sich spiralförmig – mehr Konsens: „So geht es nicht weiter"


    Praxisimpulse:• Zukunftsbilder konkret machen – nicht bei schwammigen Worten stehen bleiben

    • Methoden kennenlernen: Im Buch zehn Methoden für Zukunftsarbeit

    • In größere Prozesse einbetten: Mehr als ein pädagogischer Tag

    • Transfer-Workshops nutzen: Sehen, wie andere es konkret umsetzen


    Weiterführende Links:

    Bücher:• Schule 2035 – Lernen nach Digitalisierung & KI• Zukunft. Eine Bedienungsanleitung• Das lernende Schulsystem

    Projekte & Initiativen:

    • Open Educational Resources (OER): https://open-educational-resources.de

    • OERcamp: https://www.oercamp.de

    • Digitale Drehtür: https://www.digitale-drehtuer.de

    • Archiv der Zukunft: https://www.archiv-der-zukunft.de

    • Deutscher Schulpreis – Hospitationsprogramm: https://www.deutscher-schulpreis.de

    Schulkonzepte:

    • Sudbury-Schulen: https://www.sudbury-schulen.de

    • Demokratische Schule Kassel: https://www.demokratische-schule-kassel.de


    Für wen ist diese Folge?

    Für Lehrkräfte, Schulleitungen, Steuerungsgruppen, Schulentwickler*innen und alle, die konkrete Zukunftsbilder für Schule entwickeln wollen – jenseits von Pseudokonsens und schwammigen Visionen.

    55 min
  • Sonderfolge: Warum mehr Lehrkräfte allein Schule nicht besser machen

    Sonderfolge: Warum mehr Lehrkräfte allein Schulenicht besser machen

    Ein Impuls von Björn Adam, Mitgründer und Leiter System Change bei beWirken

    Hier als Video-Podcast: https://youtu.be/oLXrdEMZJu4?si=EjGMq2Lvk_NHt6FC

    „Wir brauchen mehr Lehrkräfte!" – dieser Ruf hallt durch die Bildungslandschaft. Aber stimmt das wirklich? Der Lightning Talk von Björn Adam auf der Konferenz Bildung Digitalisierung am 24. September 2025 in Berlin stellte die scheinbar offensichtliche Lösung für unsere Bildungsprobleme auf den Kopf und enthüllt den Elefanten im Raum: Das Paradigma der Unterrichtsversorgung selbst ist die größte Bremse für echte Transformation.

    Kernthema: Warum 800.000 Lehrkräfte das System nicht automatisch besser machen

    Die 800.000-Lehrkräfte-Falle:

    • Die Lehrkraft als Heldin: Warum wir eine einzelne Berufsgruppe mit immer mehr Erwartungen überfrachten
    • Hattie & die Folgen: Wie die Forschung den Fokus einseitig auf die Lehrkraft gelegt hat
    • 800.000 Einzelkämpfer*innen: Können wir gute Schule wirklich erreichen, indem wir 800.000 Einzelpersonen durch Fortbildungen jagen?

    Lehrkräftemangel – Die Zahlen:

    • Dramatische Prognosen: 81.000 bis 180.000 fehlende Lehrkräfte bis 2030/2035
    • Unterschiedliche Studien: Von KMK-Prognosen bis zu pessimistischeren Berechnungen
    • Die entscheidende Frage: Ist es wirklich ein Ressourcenproblem – oder ein Systemproblem?

    Alarmierende Bildungsergebnisse trotz hoher Ressourcen:

    • 12,2% Schulabbrecher*innen (EU-Definition): Deutschland auf Platz 4 in der EU
    • Nur Rumänien, Spanien und Ungarn haben höhere Quoten
    • Die Frage dahinter: Wenn Ressourcen allein es nicht richten – was dann?

    Das falsche Paradigma: Unterrichtsversorgung

    • Inputsteuerung statt Outputorientierung: Wir messen Lehrerstunden statt Lernerfolg
    • "Lineares Fernsehen": Schule als abspulende Veranstaltung statt individueller Lernprozesse
    • Die Konsequenz: Mehr vom Gleichen führt nicht zu besseren Ergebnissen – planwirtschaftliche Logik blockiert echte Transformation

    Offene Lernformen ohne System:

    • Die Gefahr: Offene Lernformen einführen, ohne die Strukturen zu ändern
    • Einzelkämpfertum verstärkt: Noch mehr Verantwortung auf die einzelne Lehrkraft
    • Was wirklich passiert: Überforderung statt Verbesserung

    Was Schule wirklich braucht:

    • Weg vom Heldentum: Raus aus dem Einzelkämpfer*innen-Denken
    • Neue Berufsbilder: Pädagogische Professionalität in verschiedenen Rollen – ein Berufsbild, das für Lernende und die über 800.000 Pädagog*innen mehr Potenzial entfaltet
    • Teamstrukturen statt Kästchenlogik: Kollaborative Systeme statt isolierter Unterrichtsstunden
    • Von der Unterrichtsversorgung zur Lernprozessgestaltung: Lernen so organisieren, dass es nicht von der Verfügbarkeit einzelner Lehrkräfte abhängt – Ermöglichungsräume statt planwirtschaftlicher Steuerung


    Krise als Chance:

    • Diskursverschiebung: Nicht "wie viele?", sondern "wie anders?"
    • Systemfragen stellen: Grundsätzlich über Strukturen nachdenken
    • Zukunftsorientiert denken: Die aktuelle Situation als Transformationschance begreifen – der Lehrkräftemangel als Katalysator für radikales Umdenken

    Links

    Personen & Organisationen:

    • beWirken: https://bewirken.org
    • Björn Adam auf LinkedIn: https://www.linkedin.com/in/bjoernadam/
    • Mehr über unseren Ansatz der ganzheitlichen Schulentwicklung: https://bewirken.org/schulentwicklung

    Wichtige Studien:

    • John Hattie – Visible Learning: https://visible-learning.org/de/hattie-rangliste-einflussgroessen-effekte-lernerfolg/
    • SWK-Gutachten Lehrkräftegewinnung 2023: https://www.swk-bildung.org/veroeffentlichungen/gutachten-lehrkraeftegewinnung-und-lehrkraeftebildung/
    • KMK-Prognose Lehrkräftebedarf bis 2035: https://www.kmk.org/dokumentation-statistik/statistik/schulstatistik/lehrkraefteeinstellungsbedarf-und-angebot.html

    Für wen?

    Lehrkräfte, Schulleitungen, Steuerungsgruppen, Bildungspolitiker*innen und alle Bildungsakteur*innen, die bereit sind, systemische Grundsatzfragen zu diskutieren und Schule wirklich neu zu denken.


    14 min
  • Warum Selbstregulation den Unterschied macht – und Gesundheit wichtiger ist als Wissen, mit Prof. Dr. Ferdinand Stebner

    Selbstreguliertes Lernen und Gesundheit: Warum beides zusammengehört
    Gast: Prof. Dr. Ferdinand Stebner, Universität Osnabrück
    Host: Judith Holle, Geschäftsführerin beWirken

    Das erwartet dich in dieser Episode:
    Ein tiefgehendes Gespräch über die Verbindung von Lernen und Gesundheit. Prof. Dr. Ferdinand Stebner zeigt, warum selbstreguliertes Lernen nicht nur den Bildungserfolg, sondern auch das Wohlbefinden stärkt – mit Fokus auf Metakognition, adaptive Förderung und die Chancen wie Grenzen offener Lernkonzepte.

    🎯 Kernthema: Selbstreguliertes Lernen als Schlüssel

    • Unterschied verstehen: Selbstorganisation = äußeres Lernumfeld; Selbstregulation = innere Prozesse
    • Metakognition als Basis: „Denken über das eigene Denken“
    • Ziel: Lernstrategien, Motivation, Emotionen und Anstrengung bewusst steuern

    💚 Gesundheit x Lernen: Zwei Wirkungspfade

    • Direkt: Bessere Selbstregulation fördert gesunde Routinen (Schlaf, Bewegung, Stressmanagement, weniger Prokrastination)
    • Indirekt: Öffnet den Weg zu bedürfnisorientierten, offenen Lernkonzepten, die das Wohlbefinden stärken

    🧩 Herausforderungen offener Lernkonzepte

    • Profitieren häufig Lernende mit schon guten Selbstregulationskompetenzen
    • Risiko der Benachteiligung von Kindern, die mehr Unterstützung brauchen
    • Lösung: Adaptive Förderung statt „One-Size-Fits-All“

    🧠 Systemische Erkenntnisse

    • „Wenn das pädagogische Personal gestresst ist, werden auch die Kinder gestresst sein“
    • Selbstregulation muss systematisch gefördert werden – aktuell zu wenig verankert
    • Lehramtsausbildung: Lücken bei Selbstregulationskompetenzen
    • Spannungsfeld: Individuelle Förderung vs. standardisierte Prüfungen

    🔬 Forschung & Wissenschaftskommunikation

    • Bedeutung experimenteller Feldforschung in Schulen für kausale Aussagen
    • Filmprojekt zur psychischen Gesundheit in Schule als Appell an Politik und Praxis


    🔗 Weiterführende Links:

    Personen & Institutionen

    • Prof. Dr. Ferdinand Stebner – Universität Osnabrück: https://www.uni-osnabrueck.de/professor-ferdinand-stebner
    • John Hattie – Visible Learning: https://visible-learning.org/john-hattie/

    Forschung & Projekte

    • DEISEL-Projekt (Uni Osnabrück): https://www.uni-osnabrueck.de/deisel
    • SFB 1280 Extinktionslernen (RUB): https://www.ruhr-uni-bochum.de/sfb1280/
    • IQB-Bildungstrend: https://www.iqb.hu-berlin.de
    • Deutscher Schulpreis: https://www.deutscher-schulpreis.de

    Wissenschaftskommunikation

    • Ferdinand Stebner auf Instagram: https://www.instagram.com/ferdinandstebner
    • Film: Psychische Gesundheit in Schule: https://youtu.be/nLYENz7uNwA

    Lernressourcen

    • ORCA.nrw – kostenloser Selbstlernkurs „Lernstrategien“:
      https://www.orca.nrw/starker-start-ins-studium/fuer-studierende/motivation-und-lernstrategien/lernstrategien/

    📚 Modelle & Konzepte:

    • Churer Modell: Binnendifferenzierung und Lernlandschaften
    • Cognitive Load Theory (John Sweller): Kognitive Belastung steuern
    • Ko-Regulation: Gemeinsame Regulation von Lernprozessen in Gruppen

    💡 Für wen ist diese Episode:
    Lehrkräfte, Schulleitungen, Steuerungsgruppen, Eltern und alle Bildungsakteur*innen, die Lernen und Gesundheit zusammendenken möchten.

    🎧 Nächste Episode:
    Abonniere den Mutmacher Schule Podcast auf Spotify, Apple Podcasts oder deiner Lieblings-Podcast-App!

    💬 Call-to-Action:
    Sprich mit deinem Team: Wie fördert ihr Selbstregulation konkret – bei Schüler*innen und im Kollegium? Welche nächsten Schritte setzt ihr diese Woche?
    Photocredit: Elena Scholz, Uni Osnabrück



    57 min

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Schule geht auch anders! beWirken-Geschäftsführerin Judith Holle lädt Praktiker*innen aus Schule, Bildungsforschung und -politik zum Gespräch. Wir zeigen konkrete Wege für Veränderung – authentisch, praxisnah und inspirierend.

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