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Ob Stürze, Verwirrtheit oder Schlafprobleme: Was nach typischen Altersleiden aussieht, kann auf einen Missbrauch oder eine Abhängigkeit von Arzneimitteln hindeuten. Das Problem bleibt jedoch häufig unerkannt. Denn anders als bei einer klassischen Suchterkrankung fehlt meist der auffällige klinische Eindruck. Stattdessen stehen Stürze, kognitive Einschränkungen, Schlafprobleme oder diffuse Leistungseinbußen im Vordergrund –Symptome, die leicht auch als typische Alterserscheinung oder Folge einer Grunderkrankung interpretiert werden können. In dieser Folge erklärt die DGIM-Vorsitzende Prof. Dr. Ursula Müller-Werdan, Direktorin der Klinik für Geriatrie an der Charité – Universitätsmedizin Berlin, wie man eine Medikamentenabhängigkeit erkennt und was in diesem Fall zu tun ist.
Rein rechnerisch stellt sich in einer Hausarztpraxis an jedem Arbeitstag mindestens eine Person mit einem behandlungsbedürftigen Medikamentenmissbrauch oder einer Abhängigkeit vor. Besonders häufig sind Schmerzmedikamente sowie Schlaf- und Beruhigungsmittel die Auslöser. Prof. Müller-Werdan warnt jedoch davor, Medikamente vorschnell abzusetzen. Denn Schmerzen und Schlaflosigkeit beeinträchtigen die Lebensqualität erheblich und bergen eigene gesundheitliche Risiken.
Hinweise zur Therapie der Medikamentenabhängigkeit und zum Entzug verschiedener Wirkstoffe gibt ein Leitfaden der Bundesärztekammer.
Um zu erfragen, ob eine Suchtgefährdung vorliegt, hilft die Checkliste im Leitfaden „Medikamentenabhängigkeit im Alter“ der ehemaligen Berliner Senatsverwaltung für Gesundheit und Soziales.
Über 6.000 seltene Erkrankungen existieren weltweit – zusammengenommen sind allein in Deutschland mehrere Millionen Menschen betroffen. Doch spezialisierte Versorgungsstrukturen sind die Ausnahme, nicht die Regel. In dieser Folge von O-Ton Innere Medizin spricht Redakteurin Anouschka Wasner mit Prof. Dr. Sebastian Spethmann, stellvertretender Klinikdirektor an der Charité Berlin, sowie mit Dr. Gina Barzen, Assistenzärztin an der Charité, über den Aufbau und Alltag des Amyloidosis Center Charité Berlin (ACCB). Das ACCB versorgt jährlich rund 400 Patientinnen und Patienten, führt ein Register mit ca. 900 Einträgen und verbindet Kardiologie, Neurologie, Hämatologie, Nephrologie, Nuklearmedizin und weitere Disziplinen in einer wöchentlichen interdisziplinären Fallkonferenz. Denn die Amyloidose – eine Erkrankung, bei der sich fehlgefaltete Proteine in Organen ablagern und deren Funktion zunehmend beeinträchtigen – betrifft Herz, Nieren, Nervensystem und häufig mehrere Organe gleichzeitig. Wie entsteht so ein Zentrum? Was kostet es wirklich – an Zeit, Geld und vor allen Dingen Engagement? Welche Rolle spielen digitale Tools, Registerstrukturen und eine Zentrumskoordinatorin? Und: Lässt sich dieses Modell als Blaupause für andere seltene Erkrankungen nutzen?
Amyloidosis Center Charité Berlin (ACCB) – Offizielle Website des multidisziplinären Amyloidosezentrums der Charité, gegründet 2019; Informationen zu Amyloidosetypen, Diagnostik und Forschung.
AG Digitale Versorgungsforschung – Charité/DHZC – Arbeitsgruppe von Prof. Dr. Spethmann mit Fokus auf kardiologische Versorgungsforschung bei seltenen Erkrankungen und digitale Versorgungskonzepte.
NARSE – Nationales Register für Seltene Erkrankungen – Erstes krankheitsübergreifendes Register für seltene Erkrankungen in Deutschland, betrieben vom Berlin Institute of Health an der Charité; ermöglicht Ärzten die einwilligungsbasierte Eintragung von Patienten.
Forschungsdatenzentrum Gesundheit (FDZ) – Seit Oktober 2025 offiziell eröffnet; bündelt pseudonymisierte Gesundheitsdaten für Forschungszwecke – im Podcast als Zukunftsperspektive für die Versorgungsforschung bei seltenen Erkrankungen genannt.
Protonenpumpeninhibitoren auf Lebenszeit, Allopurinol ohne Gichtanfall, Antibiotika bei Atemwegsinfekt – „Low Value Care“ ist im deutschen Gesundheitswesen verbreiteter als gedacht. Doch was genau ist „Low Value Care"? Das erklären Prof. Dr. Daniel Grandt, Gastroenterologe und Vorsitzender der DGIM-Kommission Arzneimitteltherapie-Management und Arzneimitteltherapiesicherheit, und Dr. Dominik von Stillfried, Vorsitzender des Zentralinstituts für die Kassenärztliche Versorgung (Zi), in dieser Folge. Die beiden diskutieren, warum sich einmal begonnene Therapien oft verstetigen, welche Rolle Patientenerwartungen spielen und wie „Ärztehopping“ das Problem verstärkt. Zudem beleuchten sie, welches Potenzial die elektronische Patientenakte, die elektronische Medikationsliste und KI-gestützte Werkzeuge für die Praxis bieten – und wo die Grenzen dieser Technologien liegen.
*Hilfreiche Links & Infos zur Folge
Ergebnispublikation IndiQ-Studie: „Quantifying Low-Value Care in Germany" (Value in Health, 2024) – Originalpublikation auf Basis von TK-Abrechnungsdaten 2018–2021.
Priscus-Liste – Liste potentiell inadäquater Medikation im Alter, die bei älteren Menschen vermieden werden sollte.
Polypharmazie ist im Alter eher die Regel als die Ausnahme. Im Durchschnitt nehmen geriatrische Patientinnen und Patienten neun bis zehn Dauermedikamente ein. Die Risiken werden häufig unterschätzt: Sturzgefahr, Delir, Müdigkeit, sinkende Therapietreue und gefährliche Wechselwirkungen.
In dieser Folge von O-Ton Innere Medizin spricht Medizinredakteuer Tobias Stolzenberg mit Prof. Dr. Michael Denkinger, Chefarzt und Ärztlicher Direktor der Agaplesion Bethesda Klinik Ulm und Präsident der Deutschen Gesellschaft für Geriatrie, über das gezielte Reduzieren und Absetzen von Medikamenten, das sogenannte Deprescribing.
Prof. Denkinger erklärt, wann Polypharmazie zum Problem wird, welche Rolle Tools wie die FORTA-Liste, die Priscus-Liste und die STOPP/START-Kriterien spielen, und warum klinische Erfahrung, strukturierte Algorithmen und der Dialog mit Patientinnen, Patienten und Angehörigen unersetzlich sind.
Außerdem: Wie sieht es haftungsrechtlich aus? Welche Substanzen sind beim Deprescribing besonders heikel – Opioide, Antipsychotika, Schlafmittel? Und was muss sich strukturell ändern, damit Deprescribing in Deutschland Breitenwirkung entfaltet?
In dieser Folge u. a.:
Gast dieser Folge: Prof. Dr. Michael Denkinger, Agaplesion Bethesda Klinik Ulm; Institut für Geriatrische Forschung am Universitätsklinikum Ulm; Deutsche Gesellschaft für Geriatrie
Prof. Denkinger ist Mitglied der FORTA-Expertengruppe.
Host dieser Folge: Tobias Stolzenberg, Redakteur bei Medical Tribune in Wiesbaden
Weiterführende Links:
S3-Leitlinie Hausärztliche Leitlinie Multimedikation
Priscus 2.0 – Liste potenziell inadäquater Medikation für ältere Menschen
FORTA-Liste – Fit FOR The Aged
Die FORTA-Liste gibt es auch als App im Google Play Store und im App Store für iPhone.
Beers-Kriterien, deutsche Version der Beers-Liste
Stopp/Start-Kriterien, in englischer Sprache
German Deprescribing Network (GerDeN)
Primary Health Tasmania, medication management – deprescribing
Deprescribing-Leitlinien und -Empfehlungen Kanada
RETREAT-Frail-Studie – Reduction of Antihypertensive Treatment in Nursing Home Residents
https://bit.ly/3NFotcj
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