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  • Extra: Schatten unter SchattenDie Konzentrationslager überlebt – Im Konzentrationslager gestorben: Der absurde Tod von Robert Desnos, geb. am 4.7.1900 in Paris – gest. am 8.6.1945 im KZ Theresienstadt

    Dass die meisten Gedichte traurig sind, ist ein eher banaler Befund. Weniger banal als bitter ist die Tatsache, dass die Dichter der Moderne zwischen 1850 und 1950 oft ein trauriges und kurzes Leben hatten. Dafür sorgten Kriege, Lager, Armut, Hunger und Krankheiten - und zuweilen auch unglückliche Lieben. Man schaue sich nur mal die Geburts- und Todesdaten in Enzenbergers Anthologie „Museum der Modernen Poesie“ an.

    Eine ganz besonders traurige, ja herzzerreißende Geschichte ist die vom Tod des französischen Robert Desnos im Konzentrationslager Theresienstadt. So absurd und surrealistisch und herzzerreißend traurig wie sie sich kein Autor ausgedacht hätte.

    Der französische Dichter Robert Desnos gehörte zum inneren Kreis der Surrealisten. Während des Zweiten Weltkriegs arbeitete er für die Résistance. 1944 wurde er von den Deutschen gefasst, deportiert und in mehrere Konzentrationslager verschleppt. Er überlebte seine Befreiung im Lager Theresienstadt nur wenige Monate. Kurz bevor er dort an Fleckfieber starb, schrieb er angeblich sein berühmtestes Gedicht: Eine Behauptung und eine Versfassung, die vermutlich eine Fälschung sind. Echt allerdings ist sein Gedicht, das wohl die Vorlage dafür war.

    Robert Desnos 1924

    Robert Desnos [ʁɔˈbɛ(ː)ʁ dɛsˈno(ː)s][1] (* 4. Juli 1900 in Paris; † 8. Juni 1945 in Theresienstadt) war ein französischer Schriftsteller, Journalist und Widerstandskämpfer. Beeinflusst insbesondere von Gérard de Nerval und Charles Baudelaire[2], verfasste er vorwiegend Lyrik. Zu seinen Hauptthemen zählte die Liebe. Ilya Ehrenburg[3] zitiert zustimmend Paul Éluard: „Von allen Dichtern, die ich kannte, war Desnos der unmittelbarste, der freiste; er war ein Dichter, den niemals die Inspiration verließ; er konnte sprechen, wie kaum ein Dichter schreiben kann. Er war der Tapferste von allen.“ Er wurde 1944 nach Deutschland deportiert und starb kurz nach seiner Befreiung aus dem Konzentrationslager.

    Leben

    Robert Desnos und seine Muse Youki Foujita, 1933 Gedenktafel an seinem Wohnhaus in Paris

    Desnos verließ mit sechzehn Jahren sein kleinbürgerliches Elternhaus, schloss sich anarchistischen Kreisen an und ernährte sich von Gelegenheitsarbeiten. Nach dem Militärdienst in Marokko stieß der Nachwuchsschriftsteller 1919 zu den Pariser Dadaisten um Tristan Tzara, André Breton, Paul Éluard, Philippe Soupault, Max Ernst und Francis Picabia. In der „Zeit der Schlafzustände“ beschäftigte sich Desnos vordringlich mit der Erforschung des Unbewussten und fertigte Traumprotokolle an. Er lebte vor allem von journalistische Tätigkeiten; er schrieb u. a. für die surrealistische Zeitschrift La Révolution Surréaliste (zwölf Nummern, 1924–1929) und für Eugène Merles Paris-Matinal.[4]

    Von André Breton im Zweiten Manifest des Surrealismus 1930 gemaßregelt, antwortete Desnos mit einem Beitrag im Anti-Breton-Pamphlet Un Cadavre (Ein Kadaver), an dem Georges Ribemont-Dessaignes, Georges Bataille, Jacques Prévert, Georges Limbour, Roger Vitrac, Antonin Artaud, Philippe Soupault, André Masson und Jacques-André Boiffard mitschrieben. Laut dem Romanisten Winfried Engler[5] setzte er sich damit von der surrealistischen „Ästhetik der Unverständlichkeit“ ab.[6] Ein weiterer Streitpunkt war die Kommunistische Partei, von der sich Desnos im Gegensatz zu Breton distanzierte.

    In dieser Zeit lernte er Youki Foujita kennen, die Ehefrau von Tsuguharu Foujita, die seine Geliebte und später seine Frau wurde. Aus Überdruss am Zeitungsbetrieb wurde er 1931 Angestellter einer Wohnungsvermittlung.[7] Ab 1935 war er vorwiegend für den Hörfunk tätig. In der Zeitung Aujourd’hui polemisierte er gegen den rechtsstehenden Schriftsteller Louis-Ferdinand Céline.

    In der Gruppe „Agir“[8] der französischen Widerstandsbewegung Résistance aktiv, wurde er im Februar 1944 aufgrund einer Denunziation von der deutschen Besatzungsmacht verhaftet und deportiert. Er durchlief die Konzentrationslager Auschwitz[8] und Buchenwald[8] und hatte Zwangsarbeit in der Rüstungsproduktion in Flöha, einem Außenlager des KZ Flossenbürg, zu leisten. Schließlich wurde er nach Theresienstadt gebracht. Er erkrankte an Typhus und starb wenige Wochen nach der Befreiung des Konzentrationslagers.

    (Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Robert_Desnos)

    Werke

    • Deuil pour deuil, Gedichte, 1924

    • La Liberté ou l’amour, Paris 1927
    • L’étoile de mer, Film, 1928 (gemeinsam mit Man Ray)
    • Corps et biens, Gedichte 1921–1929, Paris 1930
    • Sans-cou, Gedichte, 1934
    • La cantate pour l’inauguration du Musée de l’Homme, Kantate, 1937 (gemeinsam mit Darius Milhaud)
    • Fortunes, Gedichte, Paris 1942
    • Le vin est tiré, Roman, Paris 1943
    • État de veille, Gedichte, 1943; postum veröffentlicht
    • Choix de poèmes, Gedichte, 1946
    • Ouvres posthumes, Gedichte, 1947
    • Domaine public, Gedichte, 1953
    Einige Ausgaben/Auswahlbände auf Deutsch siehe Weblink Nationalbibliothek

    Literatur über Desnos

    • Pierre Berger: Robert Desnos. Paris 1949.

    • André Bessière: Destination Auschwitz avec Robert Desnos. Paris 2001, ISBN 2-7475-0180-9.
    • Rosa Buchole: L’évolution poétique de Robert Desnos. Brüssel 1956.
    • Mary Ann Caws: The surrealist voice of Desnos. USA 1977.
    • H. L. Davis: Robert Desnos: Une voix, un chant, un cri. 1981.
    • Dominique Desanti: Robert Desnos: le roman d’une vie. Mercure de France, 1999.
    • Marie-Claire Dumas: Robert Desnos ou l’exploration des limites. 1980.
    • Marie-Claire Dumas: Moi qui suis Desnos. 1987.
    • Marie-Claire Dumas (Hrsg.): Cahier de l’Herne. Sondernummer Desnos, 1987.
    • Marie-Claire Dumas (Hrsg.): Robert Desnos, le poète libre. Éditions Indigo/Université de Picardie Jules Verne, 2007.
    • Anne Egger: Robert Desnos. Éditions Fayard, 2007.
    • Ilja Ehrenburg: Menschen – Jahre – Leben. (Memoiren), München 1962, Sonderausgabe München 1965, Band II 1923–1941, Seite 173–179 (Porträt), ISBN 3-463-00512-3.
    • Michel Murat: Robert Desnos: les grands jours du poète. Paris 1988.
    • Reinhard J. A. Pohl: Die Metamorphosen des negativen Helden … Desnos. Hamburg 1977.
    • Werner Streletz: Der freieste aller Dichter : unterwegs mit Robert Desnos : Novelle. Bochum: Projektverlag, 2017

    Weblinks

    Commons: Robert Desnos – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

    • Literatur von und über Robert Desnos im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
    • Werke von und über Robert Desnos in der Deutschen Digitalen Bibliothek
    • Association des amis de Robert Desnos, gegründet 1984 (französisch).

    (Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Robert_Desnos)

    11 min
  • Folge 52: Die Langsamkeit der Liebe – Moritz Heger und seine Romane „Aus der Mitte des Sees“ und „Zeit der Zikaden“

    Er ist 1971 in Stuttgart geboren und lebt schon lange wieder dort: Als Autor, Gymnasiallehrer, Jugendtheatermacher und 1. Vorsitzender des Stuttgarter Schriftstellerhauses.

    Aber er hat 20 Jahre in Mainz gelebt, ist hier aufgewachsen, zur Schule gegangen und hat hier Germanistik, Theaterwissenschaften, Evangelische Theologie und Pädagogik studiert. Rheinland-Pfalz hat ihm die ersten Literaturpreise verliehen, den Förderpreis zum Joseph-Breitbach-Preis und den Literatur-Förderpreis der Stadt Mainz. Hier hat er seine ersten literarischen Texte verfasst und Kontakte in die Literaturszene geknüpft, zu einer Zeit in der Klaus Wiegerling das Mainzer Literaturbüro geleitet hat.

    Deshalb darf dieser als Gesprächspartner in Folge 52 von Podcastliteratur.de nicht fehlen. Sie stellt Moritz Heger in Lesung und Gespräch vor am Beispiel seiner beiden jüngsten Romane „Aus der Mitte des Sees“ und „Zeit der Zikaden“.

    Beide Bücher bestechen durch die besondere Langsamkeit und Achtsamkeit mit der sich die Liebe zwischen den Protagonisten entwickelt.

    Verlagstext zu „Aus der Mitte des Sees“

    Ein Kloster - Sehnsuchtsort für eine Auszeit.

    Und ein Ort, um die wesentlichen Dinge des Lebens zur Sprache zu bringen.
    Eine Benediktinerabtei, idyllisch an einem See gelegen. Ihr Gastflügel ist gut besucht, doch die meisten Mönche nähern sich dem biblischen Alter. Gerade hat einer der jungen das Kloster verlassen und eine Familie gegründet. Seither stellt auch Lukas, Ende Dreißig, seinen Lebensweg in Frage. Da taucht Sarah auf, aufmerksam, zugewandt und körperlich. Die Mitbrüder drängen Lukas, die Leitung des Klosters zu übernehmen, doch auch das Leben lockt. Um zu einer Entscheidung zu finden, überlässt sich Lukas dem See: Beim Schwimmen öffnen sich Körper und Geist.

    Ein Buch der Unruhe, der Selbsterforschung, das Herz und Geist zum Schwingen bringt. In einer wunderbaren Prosa, die einen vielstimmigen Resonanzraum erschafft.

    Pressestimmen zu „Aus der Mitte des Sees“

    Wie handelt ein Mönch, der plötzlich lieben will? Weil die Fragen, die der Text aufwirft, so fundamental sind, kann er es in Sachen Spannung mit so manchem Thriller aufnehmen. Aus der Mitte des Sees ist eine Geschichte mit Tiefe über Glauben, Liebe, Gemeinschaft und Verpflichtung. Der Roman ist eine Auszeit, die noch lange im Gedächtnis bleibt.

    Gina Arzdorf, Frankfurter Allgemeine Zeitung

    Vierzehn Tage, die in sehr dichter Form ein ganzes Leben in vielen Mosaikstücken bespiegeln und die vor allem um einen Ort kreisen: um den zum Kloster gehörenden Vulkansee, in dem Lukas seine Bahnen zieht. Aus der Mitte des Sees ist ein leiser Roman, sehr dicht gestrickt und dennoch voller offener Entwicklungsfäden. Die Wortkunst steckt in jedem Detail. Moritz Heger erweist sich als sensibler, genauer Beobachter. Ein Glück auch, dass der Autor seinem Helden nicht gestattet, Zuflucht zu den beliebten esoterischen Weisheiten zu nehmen.

    Silke Arning, SWR 2

    Das Reizvolle an diesem Roman: er plädiert für das sich Einlassen, auf das Neue und auf das Alte. Und er gewährt einen Blick in eine unvertraute Welt. Den Ausgang der Geschichte hätte man nicht für möglich gehalten.

    Claudia Ingenhoven, MDR KULTUR

    Ein unglaublich poetisches Buch, wie ein langes wunderschönes Gedicht, nur ohne Reim, dafür aber zwischendrin mit feinem Humor.

    Ulla Müller, Bayern 1

    Verlagstext „Zeit der Zikaden“

    Für Alex beginnt der Ruhestand. Doch statt Ruhe plant sie den Aufbruch ins Ungewisse: Mit einem Tinyhouse auf Rädern will sie alles Gewohnte hinter sich lassen. Johann, Mitte fünfzig, sucht den Ausbruch aus einem fragwürdig gewordenen Beruf und einer erkalteten Ehe. Ein ererbtes Steinhaus in Ligurien scheint ein guter Ort dafür zu sein. Alex folgt Johanns Einladung: Zwei nicht mehr junge und sehr verschiedene Menschen wollen an diesem Sehnsuchtsort die nächste Lebensetappe angehen.

    Moritz Heger: Biografie, Bibliographie und Preise: (aus der Webseite von Moritz Heger)

    Moritz Heger wurde 1971 in Stuttgart geboren. Nach dem Abitur in Mainz studierte er Freie Kunst (Malerei) in Saarbrücken. Bald wechselte er zu einem Studium der Germanistik, Theaterwissenschaft, Evangelischen Theologie und Pädagogik in Mainz, das er mit dem Magister Artium und dem Staatsexamen abschloss. Moritz Heger war Stipendiat des Evangelischen Studienwerks Villigst. Neben dem Autorsein ist er Gymnasiallehrer und Jugendtheatermacher. Er lebt in Stuttgart.

    Moritz Heger ist seit 2017 1. Vorsitzender des Stuttgarter Schriftstellerhauses e.V.

    Er moderiert literarische Formate und leitet seit 2019 das Junge Schriftstellerhaus, drei Jahre lang zusammen mit Moritz Hildt, seit 2022 mit Regina Rechsteiner.

    Für seine literarischen Texte wurde Moritz Heger mehrfach ausgezeichnet:

    Förderpreis zum Joseph-Breitbach-Preis 1996
    Literatur-Förderpreis der Stadt Mainz 2003
    MDR-Literaturpreis und zugehöriger Publikumspreis 2007
    Wortschatz Rheinland-Pfalz, 2. Platz, 2010
    Irseer Pegasus, 2. Preis, 2012

    2008 kam sein Roman In den Schnee im Verlag Jung und Jung heraus.

    2021 erschien Moritz Hegers Roman Aus der Mitte des Sees bei Diogenes.

    2024 folgte, ebenfalls im Diogenes Verlag, der Roman Die Zeit der Zikaden.

    Moritz Heger ist in mehreren Diogenes-Anthologien vertreten, darunter Vom Glück allein und Großeltern, beide erschienen 2023.

    Seine Theaterstücke vertritt der Kaiser Verlag.

    zur Webseite von Moritz Heger

    59 min
  • Extra: Von Genossen erschossen: Roque Dalton Dichter und Revolutionär (14.5.1935 – 10.5.1975)

    „Eran polvo, mas, ?polvo enamorado?“ – „Sie werden Staub sein, aber verliebter Staub?

    Mein Lieblingsgedicht von Roque Dalton. „Nach der Atombombe“ ist der Titel dieses Epigramms. Das mich immer wieder zu Karaoke anstiftet: Braucht man den Titel? Ist das nicht die wichtigste Frage nach jedem Tod? Und gilt das nicht für uns alle? Sollte es nicht noch besser lauten: „ Wir werden Staub sein. Aber Staub, der geliebt hat?“ „Seremos polvo, pero polvo amó?“

    Noch ein Karaoke: „Wir werden Sternenstaub sein. Aber Sternenstaub, der geliebt hat?“

    Das ihn mit dem nicaraguanischen Dichter Ernesto Cardenal verschmilzt, der mir als erster von Roque Dalton erzählt hat. Den sie damals alle kannten und verehrten. Damals, in den 1970er Jahren. Als sie in Nicaragua nicht ahnten, dass sie ein ähnliches Schicksal treffen würde: Kinder einer Revolution, die ihre Kinder fressen würde.

    Roque Dalton wurde am 14. Mai 1935 in San Salvador geboren. Schon als junger Mann engagierte er sich politisch gegen die rechte Diktatur in El Salvador. Zweimal wurde er zum Tode verurteilt, zweimal entging er wie durch ein Wunder der Exekution. Nach Jahren des Exils kehrte er heimlich nach El Salvador zurück und schloss sich der Guerilla an. Am 10. Mai 1975 erschossen ihn die eigenen Genossen unter dem Vorwand ein Agent der CIA zu sein. Was in Wahrheit Folge eines Machtkampfs war.

    Zu diesem ideologischen Machtkampf kam seine Persönlichkeit. Er war ein undogmatischer Charakter, mit schwarzem Humor, Ironie, Sarkasmus und Spott, mit offener Kritik, auch gegenüber den eigenen Genossen. Und die können, auch wir mussten diese Erfahrungen machen, das gar nicht gut ertragen. Roque Dalton thematisiert in seinen Gedichten die Konflikte in El Salvador. Sie reden von den politischen Auseinandersetzungen, von den sozialen Problemen, vom Elend der Unterdrückten.

    Seine Lyrik markiert eine fundamentale Wende in der Literatur von Zentralamerika. Sie vollzieht eine ethische Wende, will politischen und sozialen Einfluss nehmen. Und sie vollzieht eine poetische Wende:„Poesia, perdoname por haberte hecho comprender/ que no estás hecha sólo de palabras“ – „Poesie, verzeih mir, das ich dir geholfen habe zu begreifen/ dass du nicht nur aus Wörtern gemacht bist!“

    Werke

    • Mía junto a los pájaros, 1957

    • La ventana en el rostro, 1961
    • El mar, 1962
    • El turno del ofendido, 1962
    • Los testimonios, 1964
    • Poemas, 1968
    • Taberna y otros lugares, 1969
    • Los pequenos infiernos, 1970
    Werke in deutscher Übersetzung
    • Y otros lugares / Und andere Orte. Gedichte spanisch – deutsch. Stroemfeld Verlag, Basel 1981. ISBN 3-87877-143-6.
    • Armer kleiner Dichter, der ich war. Roman. Rotpunktverlag, Zürich 1986. ISBN 3-85869-034-1.
    • Poesiealbum 236. Verlag Neues Leben, Berlin 1987. ISBN 3-355-00515-0.
    • Ich träumte von Schlangen (Una experiencia personal), in: Carlos Rincón (Hg.): Erkundungen. 50 Erzähler aus Mittelamerika, Berlin (Verlag Volk und Welt) 1988, S. 280–289.
    • Däumlings verbotene Geschichten. Rotpunktverlag, Zürich 1989. ISBN 3-85869-054-6.
    • Die Welt ist ein hinkender Tausendfüssler. Das Jahrhundert des Miguel Mármol. Rotpunktverlag, Zürich 1997. ISBN 3-85869-072-4.
    Film
    • Tina Leisch: Roque Dalton. ¡Fusilemos la noche!, Let's shoot the night!, Erschiessen wir die Nacht!, Österreich, El Salvador, Cuba 2013, 86 min.

    Diese und weitere Infos zu Roque Dalton finden Sie bei Wikipedia

    17 min
  • Extra: „Vaterspuren“Zum 80. Geburtstag von Sigfrid Gauch am 9.3.25

    Sigfrid Gauch wurde 1945 in Offenbach (Pfalz) geboren, machte in Kaiserslautern Abitur und studierte in Heidelberg und Mainz Pädagogik, Sonderpädagogik und Germanistik. Er war zunächst Lehrer an verschiedenen Schulen und arbeitete ab 1988 im rheinland-pfälzischen Kulturministerium.

    Bis 2010 leitete er dort das Referat für Literaturförderung und Bibliothekswesen. Nicht zuletzt dank seiner Ideen und Initiativen erlebte die Literatur von Autorinnen und Autoren des Landes einen enormen Aufschwung in diesen Jahrzehnten: Wichtige Literaturpreise, Stipendien, das Künstlerhaus in Edenkoben und viele andere Förderungen der Literaturszene hat er mitentwickelt und begleitet. (Was heute teilweise wieder in Vergessenheit geraten ist oder bestritten wird. Doch ein Blick auf die Geschichte der Literaturszene des Landes und die Erstveröffentlichungsdaten rheinland-pfälzischer Autorinnen und Autoren von 1990 bis 2010 kann das belegen).

    Aber darüber hinaus war Sigfrid Gauch auch selbst ein viel beachteter Autor: Sieben Gedichtbände, drei Romane, ein Band mit Erzählungen und Sachbücher enthält die Liste seiner Werke. Und sein allerwichtigstes Buch, das ins Englische und Hebräische übersetzt wurde und das Genre der Literatur über „Täter-Väter“ mitbegründet hat:

    Sein Buch „Vaterspuren“, dessen Erstausgabe 1979 im Athenäum Verlag erschien und im Untertitel als „Erzählung“ ausgewiesen ist. Dabei ist es rein autobiografisch. Im strengsten Sinn würde ich es noch nicht einmal als „autofiktional“ bezeichnen. Denn auch die Gedanken und Mutmaßungen des Sohnes über seinen Vater Hermann Gauch, der im „Eichmann-Prozess als „Schreibtischmörder“ und „als einer der geistigen Urheber der Judenvernichtung“ genannt wurde, waren ja wirklich und nicht erfunden. Die Erinnerungen an einen Vater, der Adjutant Heinrich Himmlers war, Arzt und Rasseforscher, Ideologe und Autor wichtiger rassebiologischer und altgermanischer Kulturtheorien, Nazi seit seinem Eintritt 1922 in die NSDAP, Freikorpskämpfer und Reichsamtsleiter in der Reichsführung SS.

    „Vaterspuren“ bedeutet: „Aufspüren des Situationen und Motivationen seines Lebens, aber auch Spuren und Narben, die der Vater im Leben seines Sohnes und dem der Nazijahre hinterlassen hat.“ So steht es im Klappentext der Erstausgabe von 1979.

    Und das ist auch, was Sie in diesem Extra hören werden. Wobei Sie mit meiner Stimme vorlieb nehmen müssen. Denn im Vorgespräch erteilte mir Sigfrid Gauch zwar sein Einverständnis und alle Freiheiten, wollte sich aber selbst nicht beteiligen. Die folgende Lesung ist also mein subjektiver Streifzug durch die Erstausgabe des Buchs „Vaterspuren“ von Sigfrid Gauch. Mit knappen Angaben zu Seitenzahlen und Kontexten.

    Sigfrid Gauch

    Nach dem Abitur am Altsprachlichen Gymnasium Kaiserslautern und einem Studium der Germanistik, Philosophie und Pädagogik an den Universitäten Heidelberg und Mainz wurde er an der Universität Mainz in Deutscher Philologie mit der bei Prof. Dr. Erwin Rotermund entstandenen Dissertation Offene und verdeckte Schreibweisen im Literarischen Jakobinismus zum Dr. phil. promoviert; Lehrtätigkeiten an Schulen, Hochschulen und Universitäten, 1987 Lehrauftrag und Habilitationsangebot in Pädagogik an der Universität Gießen, bis 1999 Lehraufträge in Medienpädagogik und Literaturwissenschaft an der Universität Mainz; bis 1991 Oberstudienrat für Deutsch, Philosophie und Ethik an der Integrierten Gesamtschule Mainz, ab 1988 teilabgeordnet an das Kultusministerium Rheinland-Pfalz, wo er die Lehrerzeitschrift schule machen entwickelte (alleinige Redaktion 1988-1994), ab 1991 ebendort Referatsleiter; bis 2010 leitete er im Kulturministerium als Ministerialrat das Referat für Literaturförderung und Bibliotheken.

    Zusammen mit Hans-Georg Meyer, dem Direktor der Landeszentrale für politische Bildung in Mainz, führte er von 1994 bis 2006 Deutsch-Israelisch-Palästinensische Autorentreffen durch, die vor allem auch politisch und kulturpolitisch weithin Aufsehen erregten: 1994 in Bad Kreuznach, 1995 in Givat Haviva in Israel, 1997 in Speyer, 2000 in Jericho in den Palästinensischen Autonomiegebieten, 2001 in Mainz, 2003 in Idar-Oberstein, 2004 in Landau, 2006 in Worms.

    Sigfrid Gauch gehört dem PEN Zentrum Deutschland an und war seit der Zusammenlegung des west- und des ostdeutschen PEN-Zentrums zum „PEN-Zentrum Deutschland“ von 1998 bis 2004 Vorstandsmitglied, ab 2006 kommissarisch für den erkrankten Michael Klaus und nach der Wahl in Luxembourg 2007 bis 2009 Vizepräsident und Writers-in-Exile-Beauftragter.

    Er veröffentlichte zahlreiche Gedichtbände seit 1968, zuletzt Gegenlichter (2005). Neben der Monografie Friedrich Joseph Emerich – Ein deutscher Jakobiner (1986) publizierte er Goethes Foto und andere Erzählungen (1992) sowie die Romane Zweiter Hand (1987, 2. Aufl. 1997), Winterhafen (1999, 2. Aufl. 2011) und Schattenbilder (2012).

    Mit dem 1979 erstmals erschienenen Buch Vaterspuren (bei Athenäum, 1982 als Suhrkamp-Taschenbuch) wurde Sigfrid Gauch international bekannt. Es wurde 2001 ins Hebräische (Ikwot Av) und 2002 ins Englische (Traces Of My Father) übersetzt. In überarbeiteter und um zwei Drittel erweiterter sechster Auflage erschien es 2005 im Verlag Brandes & Apsel. Ergänzt wurde es 2010 durch die Veröffentlichung des Dokumentenbandes Fundsachen. Die Quellen zum Roman ‚Vaterspuren‘ (auch als E-Book 2013).

    Mit dem 2012 publizierten Roman „Schattenbilder“ scheint die für das zwanzigste Jahrhundert exemplarische Familiengeschichte abgeschlossen zu sein: In den beiden starken Frauen, Großmutter und Mutter, die in dieser patriarchalisch dominierten Gesellschaft ihre Lebensträume nicht verwirklichen konnten, schildert er „zwei für diese Generationen typische Frauenschicksale“ („Die Rheinpfalz“). Der Roman ist zugleich eine Fortsetzung der „Vaterspuren“: das dort nur angedeutete Privatleben des „alten Doktors“, der SS-Arzt, Rasseforscher und zeitweise Adjutant Heinrich Himmlers war, spielt hier über die Zeit nach 1943 hinaus eine Rolle.

    Der Autor ist zudem Herausgeber zahlreicher Anthologien (zuletzt Ein Regen aus Kieseln wird fallen. Texte aus dem Exil, 2009 und Einblicke. Berichte aus den Dichterwerkstätten, 2010) sowie des Jahrbuches für Literatur bei Brandes & Apsel (17 Bände 1994 bis 2011).

    zu Homepage von Sigfrid Gauch

    weitere Infos bei Wikipedia

    55 min
  • Extra: Robinson Crusoe war PfälzerundPfälzer waren arme Flüchtlinge

    schreibt Daniel Defoe, Autor des Romans „Robinson Crusoe“, aber auch Journalist und NGO-Aktivist avant la lettre, der das Elend von 10.000 pfälzischen Armutsflüchtlingen, die Anfang des 18. Jahrhunderts in London gestrandet waren, in einer Artikelserie beschrieb und sich für sie einsetzte;

    und sagt der Autor Hans Christian Buch, der Defoes Bemühungen erforschte und seine Artikelserie übersetzte und publizierte, im Gespräch mit Theo Schneider (in SWR 2).

    Verblüffend wie sich Bilder, Situationen und der Streit über die Flüchtlinge von damals und heute gleichen!

    Angaben zum Buch

    A Brief History of the Poor Palatine Refugees, 1709 (ins Deutsche übersetzt als Kurze Geschichte der pfälzischen Flüchtlinge von Heide Lipecky, dtv, München 2017, ISBN 978-3-423-14591-6)

    Daniel Defoe
    10 min
  • Extra: Dichter, Priester, Revolutionär undSternenstaub. Zum 100. Geburtstagvon Ernesto Cardenal am 20.1.2025

    Sternenstaub. So könnte ich dich ja jetzt nennen: „Ernesto Sternenstaub“!

    Bist du schon Sternenstaub, fünf Jahre nach deinem Tod? Schon wieder? Oder noch immer? Und hundert Jahre nach deiner Geburt am 20. Januar 1925 in Granada?

    In diesem großbürgerlichen Haus, in dem du mit deinem Freund Dietmar Schönherr, - Commander McLane, der sein Raumschiff „Orion“ mit Bügeleisengriffen steuern konnte und den Präsidenten der USA, Ronald Reagan, in seiner Samstagabendshow im Fernsehen ein „Arschloch“ nannte, was eine Wahrheit war, die man in der ARD natürlich nicht sagen darf, und die mit sofortigem Berufsverbot bestraft wurde – das größte Kulturzentrum Nicaraguas, das „Casa De Los Tres Mundos“ eingerichtet hast. 1988 begründet, wurde es im vergangenen Jahr per Staatsdekret geschlossen, wobei Gebäude und Inventar der deutschen Stiftung enteignet und geraubt wurden.

    Oder später als junger Schüler in León, in dieser stolzen Stadt im Norden am Pazifik, voll schöner stolzer Mädchen und Frauen. Von denen eine mich einmal wirklich wollte, aber ich armer Idiot musste meinen Pheromonen folgen, die Madame Dracula in Managua umsummten.

    Auch dort waren wir zusammen, in León. Damals als ich den Film zu deinem 70. Geburtstag für die ARD machte. Auf der Geburtstagsfeier deiner Mutter. Ihr wievielter? Ihr Neunzigster? Fünfundneunzigster? Ich weiß es nicht mehr. Aber ich weiß noch genau wie nachdenklich versonnen du damals warst und wie die Frage die Luft zwischen deinen Augen verdunkelte: Werde ich auch einmal so alt werden wie sie?

    Ja, so alt wirst du auch einmal werden. So alt bist du geworden: Ernesto Sternenstaub. Mit dem Familiennamen „Cardenal“, höchst sinnig und hintersinnig und ironisch angesichts deines Berufs, deines Rufs, deines Ruhms. Gott hat manchmal wahrlich spitzbübischen Witz, wenn er einen großen Kritiker der höchsten Klasse der klerikalen Mafia „Kardinal“ tauft und seinen jüdischen Urgroßvater „Taifel“. Ehrlich Ernesto, das muss ich dir sagen: Gott hat entschieden mehr Humor als du!

    Denker und Theoretiker der Theologie der Befreiung, ihr wichtigster Poet. Oft haben wir damals darüber geredet, weil ich mich der Theologie der Befreiung verbunden gefühlt habe und ihre wichtigsten Vertreter in Lateinamerika und Deutschland besucht und interviewt habe. Und vielleicht warst du nicht nur ihr wichtigster Dichter, sondern auch ihr wichtigster Mystiker. Ja, so seltsam sich das auch anhören mag: „Mystiker der Befreiungstheologie“. Wann bist du bei Gott?, habe ich dich gefragt. Wie ist das ? Wo ist das? Innen. Ganz innen. In der tiefsten Versenkung. Im Nichts. Jenseits des Universums. Dort, wohin es sich ausdehnt. In uns.

    Die Bände deines „Canto cosmico“ sind deine Genesis. Die Gesänge vom Entstehen des Alls und Allem. Aber, wie viele deiner Gedichte, immer auch von deinen anderen zentralen Themen durchdrungen: Kampf gegen Ungerechtigkeit, Anprangerung der Armut, Anklage gegen die Gewalt der Herrschenden und Konzerne, Plädoyer für Gottes Reich schon hier auf unserer Erde, Religion und Revolution, Liebe.

    Immer wieder haben wir uns in den vergangenen Jahrzehnten getroffen. In Deutschland und in Nicaragua. Ich weiß nicht mehr wann es das erste Mal war. Im Peter Hammer Verlag in Wuppertal? Oder doch später im Kulturministerium in Managua? Oder war es nicht doch Anfang der Achtziger in Darío beim großen Treffen der Dichterwerkstätten, die du erfunden und begründet hattest? Wo ich eiligst aufs Klo rannte und in meinem rasenden Lauf über ein zweieinhalb Meter großes Krokodil stolperte und auf die Betonplatten krachte.
    Ach, jetzt rede ich schon wieder von mir. Ernesto Sternenstaub. Den ich noch immer nicht kenne. Obwohl wir uns so oft gesehen haben. Wochen und Monate lang, als ich die Recherchen und Organisation und dann den Dreh für den Fernsehfilm in der ARD zu deinem 70. Geburtstag unternahm, in León, in Granada, in deinem Haus in Managua, in der Werkstatt deiner Skulpturen, sogar im Schlafzimmer, wo deine Werkzeuge zum Bau von Gedichten auf deinem Nachttisch ausgebreitet lagen: Stifte und Papiere, Lineale und Scheren und Klebstoff, mit denen du Texte zerschnitten und neu kombiniert hast.

    Und da wo dein zweites, vielleicht dein wichtigstes Zuhause war: Auf der Insel des Archipels im Großen See von Nicaragua, wo ihr 1966 die christliche Kommune von Solentiname begründet habt, die später weltberühmt werden wollte. Wo du „Das Evangelium der Bauern von Solentiname“ geschrieben hast. Auch da haben wir gefilmt, dich in der winzigen Kirche, kaum größer als der Stall in Bethlehem, mit dem Fußboden aus gestampftem Lehm und den einfachen Holzbänken voller Bäuerinnen, die ihre Kinder stillten und murrten, weil du keinen Gottesdienst halten durftest. Denn der bösartige erzreaktionäre Papst, hatte dir die Ausübung aller Priesterämter verboten, weil ihm nicht passte, dass du Kulturminister der sandinistischen Regierung warst. Und der dich bei seinem Besuch in Nicaragua wie einen Klippschüler abkanzelte als du vor ihm hinknietest und seinen Ring küssen wolltest. Das Bild ging um die Welt. Ernesto, ehrlich, ich habe nie verstanden, warum du dir das angetan hast.

    Erinnerst du dich noch an meine verrückten Bildideen beim Filmen, als ich dich mit dem Hubschrauber in einem Vulkankrater absetzen und wie ein vierflügeliger Serafim in den Himmel entschweben lassen wollte? Stattdessen sackte der MI-8 plötzlich hundert Meter ab als seine Rotorblätter einen Geier zerhackten. Und du hast keine Miene verzogen: Unerschütterlich. Unerschrocken. Wie der Revolutionär, der gegen die Somoza-Diktatur kämpfte, der sich durch die mühseligen und armen Ebenen der Arbeit eines fast mittellosen Kulturministeriums wurschteln musste. Unerschrocken und unerschütterlich auch als sich die Sandinistische Revolution in die Kleptokratie Ortegas und seiner Kumpane verwandelte und die Revolution ihre Kinder fraß.

    Unerschrocken und unerschütterlich als Theologe der Befreiung, Kritiker ungerechter Verhältnisse, Priester, der von der klerikalen Mafia gemaßregelt wurde. Der stur darauf bestand und keinen Deut davon abrückte: Ich bin Marxist und Christ. Und Dichter. Deine ganze eigene heilige Dreifaltigkeit.

    Und gern warst du Gast in meinem Haus, wo du gewohnt hast, während ich dich zu deinen Lesungen fuhr und die deutschen Übersetzungen sprach. Unser größtes Publikum: Sechstausend beim Evangelischen Kirchentag 1993 in München. Und wenn ich dich bekochen durfte. Erinnerst du dich noch an dein Lieblingsessen? Forelle mit Mandeln, mit Kartoffeln und Butter und Riesling.

    Trucha con Almendras
    Ein Fisch aus der Familie der Salmen.
    Für den Dichter der Psalmen.

    Pressemeldung zum Tod von Ernesto Cardenal (PETER HAMMER VERLAG, Wuppertal, März 2020)

    Weitere umfangreiche Infos zu Ernesto Cardenal finden Sie bei Wikipedia: Ernesto Cardenal bei Wikipedia

    Lieferbare Werke in deutscher Sprache (alle im Peter Hammer Verlag):

    Gesänge des Universums/Cántico Cósmico (1995)

    Das Buch von der Liebe (Neuausgabe 2004)
    Verlorenes Leben (Erinnerungen Bd. 1, 1998)
    Niemand ist mir so nahe (Gedichte, spanisch-deutsch, 2005)
    Zyklus der Sterne (2006)
    Psalmen (1967), Neuauflage 2008
    Transitreisender (2008)
    Wieder kommst du zu mir wie Musik (Gedichte, 2010)
    Aus Sternen geboren. Das poetische Werk (2012)
    Diese Welt und eine andere (Essays, 2013)
    Etwas, das im Himmel wohnt (Gedichte, 2014).

    Weitere Informationen zu den lieferbaren Werken von Ernesto Cardenal in deutscher Sprache finden Sie auf den Seiten des Peter Hammer Verlags

    https://www.peter-hammer-verlag.de/autoren-details/cardenal_ernesto

    "Weitere Bücher von Ernesto  Cardenal"  findet man im Internet auf den Seiten von Antiquariaten u.a., z.b. bei ZVAB"

    25 min
  • Extra: Roadmovie durchs All mit RosinanteAndreas Fillibeck: „Die Abenteuer des Spacemen XRosinate. New Science Fiction“

    Rosinante war das Pferd von Don Quichote. Und wie dieser durch die Weiten Spaniens irrte, wurschtelt sich Spacemen X mit seiner reptiloiden Begleitern Susi und dem altersschwachen Roboter Fritz durch die Weiten des Weltalls. Ähnlich verpeilt wie Don Quichote sind auch seine Abenteuer meist die Folge von Mistverständnissen.

    „Es geht flott und trashig zu, innerhalb und außerhalb des etwas heruntergekommenen Raumgleiters Rosinante – so wie es sich gehört, wenn man die irdische Gravitation verlässt. Aber anders als in vielen anderen Abenteuern mit viel Witz und einen Spaßfaktor, der seinesgleichen sucht.

    Andreas Fillibeck präsentierte zuletzt ein schmackhaftes, futuristisches und satirisches Kochbuch, mit Rosinante führt uns der Gute nun in künftige Raum- und Zeitsphären, die aber in vielerlei Beziehung doch weit weniger fremd erscheinen, als man glaubt. Irgendwie scheint es auch in den galaktischen Weiten wie auf jedem irdischen Hühnerhof zuzugehen. Die Lage ist dramatisch, aber nicht ernst.“

    Andreas Fillibeck

    Geboren 1960, lebt und arbeitet in Kaiserslautern, Vater zweier Töchter

    Handelsfachwirt und Ausbilder, Journalist und Autor

    Fünf Buchveröffentlichungen, ein Hörbuch. Die beiden letzten: "Robbenspeck an Gift und Galle - das erste satirische Kochbuch", 2017 Lutrina Verlag Kaiserslautern und "Rosinante - Die Abenteuer des Spaceman X", 2024 Verlag Saphir im Stahl, Bickenbach.

    Weitere Veröffentlichungen: Deutschlandfunk, Landessschau Rhl.-Pfalz, SWR, Linksrheinischer Rundfunk sowie in etlichen Literaturzeitschriften und Anthologien.
    Lesungen etwa auf der Frankfurter Buchmesse 2017, bei den Rheinland-Pfälzischen Literaturtagen Ludwigshafen, im Kulturzentrum Kammgarn oder der Pfalzbibliothek Kaiserslautern sowie auf zahlreichen Kleinkunstbühnen.

    Zur Zeit Arbeit am Roman "Trolleybus", der in den 1960ern- und 1970ern spielt.

    27 min
  • Extra: Autorin in Münster, Journalistin in Köln, Freiheitskämpferin in der Pfalz. Feministin in den USA – Mathilde Franziska Anneke: „Memoiren aus dem badisch-pfälzischen Feldzug 1848/49“

    1848 hatten es die Völker Mitteleuropas satt, unter der Knute autokratischer Könige und Fürsten zu leiden. Von Frankreich bis zum Schwarzen Meer, von Skandinavien bis Palermo brachen politische und soziale Konflikte aus.

    In der Pfalz, die damals zum Königreich Bayern gehörte, blieb es zunächst ruhig. Denn Deutschland schien gerade dabei zu sein, die vielen Kleinstaaten zu einem konstitutionellen Bundesstaat zu vereinen und die Verfassung der Nationalversammlung in der Frankfurter Paulskirche enthielt Grundrechte, die das Land zu einem der fortschrittlichsten Verfassungsstaaten gemacht hätten; von denen viele 1949 in das Grundgesetz der BRD übernommen wurden.

    Doch die bayerische Regierung und der der preußische König sagten sich: Scheiß auf die Demokratie! Scheiß auf das Volk!

    In der Pfalz war man geschockt! Und bald war klar, dass der Konflikt auf eine bewaffnete Auseinandersetzung hinauslaufen würde. Denn Macht kommt nun mal aus Mündungen und aus den Mündern nicht!

    Und so berief man in der Pfalz Volksversammlungen ein, die sich vom Königreich Bayern lossagten und stellte eine Volkswehr auf. Wenn die Historiker heute immer noch von „Pfälzer Aufstand“ oder gar „Rebellion“ und „Revolution“ reden, dann plappert ihre Wortwahl, wie so oft, eigentlich den Diskurs antidemokratischer Machthaber nach. Denn Pfälzer und Badener Widerstandskämpfer verteidigten die Verfassung der Nationalversammlung und damit ihre demokratischen Gesetze und Errungenschaften.

    Im Mai 1849, also vor 175 Jahren, wurde in Kaiserslautern eine provisorische Regierung gebildet, die Volksbewaffnung beschlossen und eine Verteidigungsarmee aufgestellt. Doch die preußischen Armeen waren schon im Anmarsch. Und deren 19.000 Mann starken Verbänden, waren die schlecht bewaffneten und ausgebildeten Truppen der Pfälzer hoffnungslos unterlegen. Die Kämpfe bestanden fast nur aus Gefechten beim Rückzug von Kirchheimbolanden, Kaiserslautern, durch Rinnthal und Neustadter Tal über den Rhein nach Baden mit dem Ende in Rastatt im Juni 1849.

    Und genau hier setzt der literarische Teil unseres Extras zum 175jährigen Gedenken an die Verteidiger und Verteidigerinnen der Verfassung, Demokratie und Menschenrechte ein, auf deren Schultern und in deren Schuld wir stehen. Eine der wichtigsten war Mathilde Franziska Anneke. Doch bevor ich Ihnen einige Passagen aus ihren „Memoiren aus dem badisch-pfälzischen Feldzug 1848/49“ vorlese, möchte ich sie selbst kurz vorstellen:

    Sie wurde 1817 in Westfalen als Tochter eines wohlhabenden Gutsbesitzers geboren, war gebildet, hübsch und so groß gewachsen wie Taylor Swift. Nach der Scheidung aus einer aufgezwungenen Ehe lebte sie in Münster als Schriftstellerin und gehörte zum Kreis von Annette Droste-Hülshoff. Hier lernte sie ihren zweiten Ehemann Fritz Anneke kennen. Das Paar ließ sich in Köln nieder, wo Mathilde Franziska Anneke bald zur demokratischen und kommunistischen Szene gehörte. Sie lernte Marx und Engels kennen, knüpfte Kontakte zu Herwegh, Lasalle und Freiligrath und schrieb für die Kölnische Zeitung.

    Als ihrem Mann Fritz Anneke 1849 die Leitung der Artillerie der Pfälzischen Volkswehr übertragen wurde, reiste sie ihm nach und traf ihn in Frankenstein zwischen Kaiserslautern und Neustadt.

    Wenige Wochen später war der Volksaufstand zu Ende. Aber das Leben und der Kampf von Mathilde Franziska Anneke gingen weiter.

    Über Frankreich flohen sie und ihr Mann ins Exil in die USA. 1850 ließen sie sich in Milwaukee nieder und arbeiteten für deutsche Zeitungen.
    1852 erschien die erste Ausgabe ihrer deutschsprachigen Frauenzeitschrift. Bald kam sie zum „American woman’s rights movement“ und hielt flammende Reden gegen Prohibition, Nationalismus, Klerikalismus und die Ungleichheit der Geschlechter. Sie wurde eine der führenden frühen Feministinnen der USA und war Vizepräsidentin der „National Woman Suffrage Association“.

    Mit Kurzgeschichten und Artikeln agitierte sie gegen die Sklaverei, gründete und betrieb eine fortschrittliche Mädchenschule. Am 25. November 1884, also heute vor 140 Jahren, starb Mathilde Franziska Anneke in Milwaukee.

    18 min
  • Extra: In der Ukraine plätschern die Raben im BlutZum 110. Todestag von Georg Trakl am 3. 11. 24

    Im August 1914 brach der Erste Weltkrieg aus. Einen Monat später wurde das erste Menschenfleisch für die Raben zerschossen als in der Schlacht von Gródek bei Lemberg (heute Ukraine) russische Truppen Österreich-Ungarn schlugen.

    Georg Trakl, der junge Dichter und Sanitätsleutnant, sollte allein einhundert Schwerverwundete ohne ausreichendes Material unter miserablen Bedingungen versorgen. Die Soldaten starben ihm unter den Händen weg während er zwei Tage und zwei Nächte lang ununterbrochen im Lazarett arbeitete. Schon unmittelbar vor der Schlacht hatte er einen Nervenzusammenbruch erlitten als er mit ansehen musste wie dreizehn Ukrainer vor dem Sanitätszelt gehängt wurden.

    Als er fliehen und sich erschießen wollte, wurde er zur Untersuchung seines Geisteszustands in das Militärhospital von Krakau eingeliefert. Dort starb er am 3. November 1914 an einer Überdosis Kokain.

    110 Jahre danach plätschern die Raben in der Ukraine wieder in Blut.

    weitere Infos finden Sie bei Wikipedia - Georg Trakl

    Georg Trakl

    Im Winter

    Der Acker leuchtet weiß und kalt.

    Der Himmel ist einsam und ungeheuer.
    Dohlen kreisen über dem Weiher
    Und Jäger steigen nieder vom Wald.

    Ein Schweigen in schwarzen Wipfeln wohnt.

    Ein Feuerschein huscht aus den Hütten.
    Bisweilen schellt sehr fern ein Schlitten
    Und langsam steigt der graue Mond.

    Ein Wild verblutet sanft am Rain

    Und Raben plätschern in blutigen Gossen.
    Das Rohr bebt gelb und aufgeschossen.
    Frost, Rauch, ein Schritt im leeren Hain

    Grodek

    Am Abend tönen die herbstlichen Wälder

    Von tödlichen Waffen, die goldnen Ebenen
    Und blauen Seen, darüber die Sonne
    Düstrer hinrollt; umfängt die Nacht
    Sterbende Krieger, die wilde Klage
    Ihrer zerbrochenen Münder.
    Doch stille sammelt im Weidengrund
    Rotes Gewölk, darin ein zürnender Gott wohnt
    Das vergossne Blut sich, mondne Kühle;
    Alle Straßen münden in schwarze Verwesung.
    Unter goldnem Gezweig der Nacht und Sternen
    Es schwankt der Schwester Schatten durch den schweigenden Hain,
    Zu grüßen die Geister der Helden, die blutenden Häupter;
    Und leise tönen im Rohr die dunkeln Flöten des Herbstes.
    O stolzere Trauer! ihr ehernen Altäre
    Die heiße Flamme des Geistes nährt heute ein gewaltiger Schmerz,
    Die ungebornen Enkel.

    7 min
  • Extra: Trump to go!Alter native Fakten über Trump-eltiereWas die Pfälzer den US-Amerikanern voraus haben

    Dass Donald Trump aus der Pfalz stammt, hat sich spätestens seit dem Film über ihn und seine Vorfahren aus Kallstadt an der Weinstraße herumgesprochen. Zumindest hierzulande. Denn er selbst hat ja behauptet, er stamme aus Skandinavien.

    Und er möchte am liebsten alle illegalen Migranten und vielleicht auch ihre Nachkommen aus den US herausschmeißen, wenn er wieder Präsident wird.

    Dann würde er am besten gleich bei sich selbst anfangen!
    Denn sein eigener Großvater war ein illegaler Migrant. Und Bordellbesitzer.

    Woher wir das wissen? Aus der größten Migrationsdatei Deutschlands und von ihrem langjährigen Betreuer Roland Paul.

    Theo Schneider auf der Spurensuche nach glorious and inglorious palatine bastards

    11 min

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