Porta - das Tor zur Geschichte

Porta - das Tor zur Geschichte

By Miguel Castro, Alexander Wittlings; Redaktion: Johanna HeckeleySociety & CultureScienceHistory
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Porta - das Tor zur Geschichte episodes

  • Straßennamen: Wer waren Gerty Spies, Regino oder Graf Leopold?

    Ob nun Ludwig van Beethoven, Regino von Prüm, Graf Leopold oder Anne Frank: Schaut man auf Karten, finden sich immer wieder Straßen, die nach Frauen und Männern benannt sind - und auch an Opfer dunkler Epochen unserer Geschichte erinnern wie den Nationalsozialismus. Wir haben einen Blick auf die Straßen unserer Region geworfen und einige Namen entdeckt - die wir in dieser Episode unseres Podcasts vorstellen. 


    Ihr wollt mehr zum Namen eurer Straße in der Region Trier wissen? Dann meldet euch unter [email protected]


    Mehr zur Diskussion um problematische Straßenbenennungen lest ihr auf volksfreund.de in einem Beitrag unseres Kollegen Harald Jansen: htps://www.volksfreund.de/region/trier-trierer-land/analyse-diskussionswuerdige-strassennamen-gibt-es-nicht-nur-in-trier_aid-66381719


    Diese Straßen stellen wir vor:

    Prüm, Reginostraße: Auf halbem Wege zwischen Trier und Köln liegt das Eifelstädtchen Prüm, dort ist eine Straße in einem Wohngebiet namens "Reginostraße" zu finden. Prüm ist eine historisch alte Stadt, die vor über 1200 Jahren aus der Gründung eines Klosters hervorging. Und einer der ersten Äbte dieses reich ausgestatteten Klosters war ein Mönch namens Regino (ca. 840-915). Er stammte wohl aus Altrip am Rhein und stand ab dem Jahr 892 der Mönchsgemeinschaft in Prüm vor. Regino kümmerte sich nach dem Normannenüberfall um den Wiederaufbau der Mönchsgemeinschaft und erstellte eine Übersicht der Besitzungen des Klosters. Zehn Jahre später verließ Regino Prüm, in Trier verfasste er mehrere Werke, unter anderem die "Chronica" - ein Geschichtswerk, welches die Zeit von Christi Geburt bis 906 umfasst.


    Hermeskeil, Pastertsstraße: In einem Wohngebiet von Hermeskeil finden sich mehrere Straßen, die nach Persönlichkeiten der Hochwaldstadt benannt sind - eine von ihnen trägt den Namen von Maximilian Pasterts (1796 bis 1875). Er stammte aus dem benachbarten Züsch, war Besitzer des Züscher Hammers und später Mitglied des Preußischen Abgeordnetenhauses, wo er sich für die Interessen von Hermeskeil einsetzte. Als Bauunternehmer errichtete er die evangelischen Kirchen von Züsch (reformatorisch seit 1557) und Hermeskeil (wo erst nach der preußischen Annexion des Rheinlandes die Zahl der Protestanten allmählich zunahm). Mehr zu Pasterts hat der Hermeskeiler Heimatforscher Dittmar Lauer auf seiner Homepage zusammengestellt. Weitere Straßen in Hermeskeil, die nach Persönlichkeiten der Hochwaldgemeinde benannt sind, erklären wir in diesem Beitrag auf volksfreund.de:


    Trier, Konstantinstraße: Benannt nach dem römischen Kaiser Konstantin (270-337), der die Verfolgung des frühen Christentums einstellte und stattdessen förderte und der Trier zu seiner Residenz erhob, wo er ein umfangreiches Bauprogramm startete. Nach ihm ist auch die einstige monumentale kaiserliche Empfangshalle, die Konstantinbasilika, benannt.


    Trier, Simeonstraße: Erinnert an Simeon von Syrakus (980-1035). Der Emerit ließ sich in der Ruine des römischen Nordtors der Stadtummauerung einschließen, wo er drei Jahre später starb. Nach seinem Tod wurde Simeon auf Betreiben des Trierer Bischofs Poppo von Babelsberg heiliggesprochen und sein letzter Wohnort zur Wallfahrtskirche umgewandelt - es ist die heutige Porta Nigra.


    Trier, St.-Helena-Straße: Helena war Konstantins Mutter (248-330, siehe oben) und wird in Trier als Heilige verehrt (ihr Haupt ist eine Reliquie im Trierer Dom). Bekannt wurde sie durch ihre Pilgerreise ins damalige Palästina, wo sie der Legende nach das Kreuz Jesus Christus und den "Heiligen Rock", das Untergewand Jesus, findet und nach Europa bringt. Der Heilige Rock ist eine der wichtigsten Reliquien des Bistums Trier. 


    Daun, Leopoldstraße: Ein Feldherr in österreichischen Diensten war Graf von Daun in der Vulkaneifel. Doch geboren wurde Graf Leopold von Daun in Wien (1705-1766). Der Generalfeldmarschall kommandierte die Truppen der österreichischen Kaiserin Maria Theresia.


    Trier, Adolf-Hitler-Platz: Der nördliche Vorplatz der Porta Nigra ist nach eben dieser benannt, doch zwischen 1933 und 1945 trug er den Namen des nationalsozialistischen Führers. Nach der Niederlage Deutschlands im Zweiten Weltkrieg wurde der Platz wieder zurückbenannt.


    Trier, Gerty-Spies-Straße: Gertrud Grumprich (1897-1997) wurde in Trier in einer jüdischen Familie geboren. Ihr Vater war Kaufmann und Mundartdichter, ihre Mutter Krankenschwester. 1942 wird die Erzieherin und Dichterin ins KZ Theresienstadt deportiert. Sie überlebt und zieht nach München, wo sie auch eine Autobiografie verfasst, die die Zeit im KZ thematisiert. Die nach ihr benannte Straße wurde erst vor Kurzem umbenannt, jahrzehntelang erinnerte sie vielmehr an Paul von Hindenburg. Der einstige Kriegsheld und Reichspräsident, der 1930 Trier besuchte, ist heute umstritten. Er höhlte die deutsche Demokratie aus und verhalf Adolf Hitler 1933 zur Macht.


    Trier, Gertrud-Schloss-Straße: Über 600 Trierer Juden wurden durch die Nationalsozialisten deportiert, die meisten von ihnen wurden in den Vernichtungslagern im Osten Europas ermordet - so wie Gertrud Schloss (1899-1942), ihre Mutter und ihr Bruder. Die Triererin war in den Zwischenkriegsjahren bei den Sozialdemokraten aktiv. Sie war Feministin, Theaterautorin und zudem homosexuell. 1939 konnte sich nach Luxemburg fliehen, doch mit dem Einmarsch der Wehrmacht geriet Gertrud Schloss erneut ins Fadenkreuz der Nazis und wurde 1941 deportiert. An sie und ihre Familie erinnern neben der Straße im Stadtteil Feyen auch Stolpersteine vor dem Haus Saarstraße 31. 


    Wittlich, Anne-Frank-Straße: Die in Frankfurt/Main geborene Anne Frank (1929-1945) flieht mit ihrer Familie vor den Nazis in die Niederlande. Dort verstecken sich die Franks zwei Jahre lang. In dieser Zeit führt Anne Frank ein Tagebuch, das aus dem Alltag und ihren Hoffnungen erzählt. 1944 wird die Familie entdeckt, Anne Frank stirbt ein Jahr später im KZ Bergen-Belsen. 


    Traben-Trarbach, Lorettastraße: Dieser Name erinnert an Frauenpower im Mittelalter, als eine Loretta an der Mosel dem Bischof von Trier die Stirn bot. Die Rede ist von Loretta von Sponheim oder Starkenburg (eine Burg oberhalb von Traben-Trarbach). Die junge Frau (1300-1346) regierte für ihren minderjährigen Sohn dessen Besitzungen und musste sich der territorialen Expansionspolitik des Trierer Kurfürsten und Erzbischofs, Balduin von Luxemburg, erwehren. Das führte dann 1330 zu einer spektakulären Aktion, als Loretta den Kleriker überfiel und wochenlang als Gefangenen auf ihrer Burg festhielt, bis beide Seiten zu einer Übereinkunft kamen. Mehr hierzu hört ihr übrigens in unserem Podcast in einer früheren Episode.


    Bernkastel-Kues, Cusanusstraße: Noch mehr Mittelalter findet sich auch in Bernkastel-Kues, wo Nikolaus von Kues (lebte 1401-1464), auch bekannt als "Cusanus", aufwuchs. Der junge Mann stieg im Laufe seines Lebens zum Kardinal in päpstlichen Diensten auf, war zeitweilig Bischof von Brixen und verfasste quasi nebenbei mehrere philosophische und rechtliche Schriften. Seiner Heimatstadt hinterließ er ein bis heute funktionierendes Altersheim, das Cusanusstift, welches an der gleichnamigen Straße am Moselufer zu finden ist.  Auch zu Cusanus Wirken findet ihr eine Folge unseres Podcasts.


    Trier, Dietrich-Flade-Straße: In einem Neubaugebiet in Trier erinnert diese Straße an ein Opfer der frühneuzeitlichen Hexenverfolgung, der allein in der Region hunderte Unschuldige zum Opfer fielen. Dabei war Dietrich Flade (1534-1589) selbst nicht unschuldig, denn der geachtete Bürger der Stadt Trier, Rektor der Universität und Richter hatte selbst mehrere Frauen wegen angeblicher Hexerei verurteilt. Doch ab 1586 geriet Flade selbst ins Visier der Hexenjäger aufgrund mehrerer Anschuldigungen. Ein Fluchtversuch scheiterte, am Ende wurde Flade zum Tod verurteilt. 


    Binsfeld, Peter-von-Binsfeld-Straße: In der Eifelgemeinde Binsfeld wurde 1545 Peter von Binsfeld geboren (gest. 1598). Der aus ärmlichen Verhältnissen stammende Binsfeld konnte in der benachbarten Abtei Himmerod studieren und lebte eine Zeitlang in Rom. Später wirkte der Weihbischof in Trier zur Zeit der Hexenverfolgungen und war zeitweilig Rektor der damaligen Universität. Sein "Hexentraktat" lieferte die theoretische Begründung der Hexenprozesse. Binsfeld starb 1598 an der Pest. Mehr zu den Hexenverfolgungen hat uns Rita Voltmer von der Uni Trier in zwei Episoden unseres Podcasts erzählt.


    Weitere Beiträge zur Geschichte der Region lest ihr auch auf http://www.volksfreund.de/porta und volksfreund.de/geschichte.


    Ihr habt Fragen und Anregungen zu unserem Podcast? Dann schreibt uns an [email protected].


    Text: Miguel Castro, volksfreund.de

    32 min
  • Ein Visionär an der Mosel vor über 100 Jahren: Wer war Hans Proppe?

    Ein Freigeist vor über 120 Jahren: Hans Proppe wurde 1875 in Köln geboren, 1951 starb er in Trier. Der Künstler und Lehrer wirkte lange Jahre an der Kunst- und Gewerbeschule in der Moselstadt. Er baute sich in Trier-Euren ein Haus, wo er mit seiner Familie lebte, ernährte sich vegetarisch und war ein Freund der Freikörperkultur (FKK) sowie Anhänger der Mazdaznan-Bewegung. Wer war dieser Visionär?


    In der neuen Folge unseres Podcast "Porta - Das Tor zur Geschichte" unterhalten wir uns mit der Trierer Kunsthistorikerin Bettina Leuchtenberg über Hans Proppe. Bettina Leuchtenberg hat über den Gestalter umfassend recherchiert und eine Ausstellung konzipiert, die 2023 bereits zum dritten Mal im Trierer Stadtmuseum präsentiert wurde.


    Mehr zu Hans Proppe lest ihr auch auf volksfreund.de in diesem Beitrag. Und Bettina Leuchtenberg geht in ihrem eigenen Architektur-Podcast "Kennen Sie Trier?" näher ein auf das Wohnhaus von Hans Proppe.


    Ihr habt Fragen und Anregungen zu unserem Podcast? Dann schreibt uns an [email protected].

    (Foto: Hans Proppe, Stadtmuseum Simeonstift Trier/volksfreund.de)

    -mc

    27 min
  • Mithras, Sol und Jesus: Darum feiern wir am 25. Dezember das Weihnachtsfest

    Ein sensationeller archäologischer Fund in Trier erinnert an römische Götter und ihre Verbindung zum Christentum - zumindest bei einem bestimmten Datum an diesen Tagen. Worum es geht: Das Weihnachtsfest am 25. Dezember. Denn an diesem Tag huldigten die Römer auch heidnischen Gottheiten - Mithras zum Beispiel.


    Mithras war ein orientalischer Gott aus Kleinasien. Er kam in der späten Phase des Römischen Reiches auf und war offenbar vor allem unter Soldaten und Kaufleuten verbreitet. Der Mysterienkult wurde in unterirdischen Tempelräumen gepflegt - in Übereinstimmung mit der Schöpfungsgeschichte des Mithras, der aus einem Fels geboren sein soll.


    Was diesen bis heute nicht vollständig erforschten Kult ausmachte, wieso auch die Christen den Tag des Mithras (und anderer Gottheiten wie Sol Invictus) zu ihrem machten - und wieso sich die Verehrung des Mithras gegen die neue Religion der Christen nicht behaupten konnte, erfahrt ihr in dieser Episode.


    Über römische Götter

    Die Römer herrschten zu ihrer Hochzeit über weite Teile des heutigen Europas, Kleinasien und Nordafrika - und entsprechend groß war die Vielfalt an Gottheiten.

    • Jupiter, Juno und Minerva: Die drei antiken Gottheiten standen in der Hierarchie an der Spitze und halten als "kapitolinische Trias". Jupiter entsprach dem griechischen Gottvater Zeus, Juno war die Gemahlin des Jupiters und Göttin der Geburt und Minerva war die Göttin der Weisheit.
    • Mars: Der bekannte Kriegsgott der Römer.
    • Neptun: Gott des Meeres, entspricht dem griechischen Poseidon.
    • Sol (Invictus): Der unbesiegte Sonnengott. Seine Verehrung nahm nach dem Sieg des römischen Kaisers Aurelian über die Palymrer (im Jahre 272 nach Christus) an Bedeutung zu. Ihm wurde am 25. Dezember gehuldigt, dem (damals nach dem julianischen Kalender so festgelegten) kürzesten Tag des Jahres.
    • Mithras: eine orientalische Gottheit, der mystische Kult gehört zur Gruppe der Erlösungsreligionen
    • Kybele, auch Magna Mater (große Mutter), eine Gottheit aus Kleinasien.
    • Attis, der jugendliche Geliebte der Kybele. Er entmannte sich selbst. Eine kleine Statue dieser Gottheit mit einem ungewöhnlichen Hosengewand findet sich im Rheinischen Landesmuseum.
    • Isis, ägyptische Gottheit, Herrin der Unterwelt. Sie konnte aber auch universell betrachtet werden.
    • Serapis, griechisch-ägyptischer Gott.
    • Lenus Mars, keltischer Gott, in der Region des heutigen Trier verehrt. Ein Tempel im zu Ehren stand im Irminenwingert im heutigen Trier-West.

    Über unseren Experten:

    Unser Gast ist der Historiker Lothar Schwinden. Er war lange Zeit beim Rheinischen Landesmuseum in Trier tätig und hat unter anderem die landesweit beachtete Ausstellung zum römischen Kaiser Konstantin 2007 mitkuratiert - der Kaiser, der der christlichen Religion vor 1700 Jahren zum Durchbruch verhalf, indem er sie offiziell zuließ (im Jahre 313). Rund 80 Jahre später sollte ein anderer Kaiser das Christentum zur Staatsreligion erheben. Lothar Schwinden ist zudem als Epigraphiker ein Experte für antike Handschriften und Inschriften, zum Beispiel auf Grabdenkmälern oder Götterstatuen, und hat mehrere wissenschaftliche Aufsätze verfasst. 


    Über unseren Podcast:

    Unser Podcast "Porta - Das Tor zur Geschichte" erscheint alle zwei Wochen. Gerne könnt ihr uns empfehlen oder unsere Folgen teilen. Und wenn ihr Fragen oder Anregungen habt: Schreibt uns eine Mail an [email protected]


    Mehr zur Geschichte von Trier und seinem antiken Welterbe könnt ihr in dieser Fotostrecke auf der Homepage von volksfreund.de, in der Dauerausstellung des Rheinischen Landesmuseums in Trier sowie in den Beiträgen auf www.volksfreund.de/porta aufrufen. Und weitere Episoden aus der römischen Vergangenheit unserer Region könnt ihr hier im Porta-Podcast hören.

    -mc



    18 min
  • Cusanus - ein Kardinal von der Mosel

    Nikolaus von Kues wird 1401 an der Mosel als Nikolaus Cryfftz geboren. Er studiert im ausgehenden Mittelalter in Heidelberg und Padua und vertritt erst den Trierer Erzbischof, dann den Papst auf diplomatischen Missionen. Cusanus, wie er sich später nennen wird, steigt zum Kardinal und berühmten Philosophen auf. 1464 stirbt er in Umbrien.


    Wer er war und was seine Schriften ausmachen, erzählen uns zwei Wissenschaftler vom Cusanus-Institut in Trier: : Dr. Viki Ranff und Dr. Marco Brösch.


    Mehr zu Cusanus erfahrt ihr auch in diesem Beitrag unserer Redaktion sowie auf den Seiten des Cusanus-Instituts sowie der Cusanus-Bibliothek im St. Nikolaus-Hospital in Bernkastel-Kue.


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    -mc

    44 min
  • Als Napoleon die Porta Nigra entdeckte

    Das Reich des Napoleon Bonaparte (1769-1821) umfasste vor 200 Jahren halb Europa. Auch Trier gehörte zu diesem Imperium - und empfing begeistert den Kaiser der Franzosen auf dessen Rheinlandreise im Jahre 1804.


    Mehr zur Geschichte von Trier und seinem antiken Welterbe könnt ihr auf unserer Homepage auf www.volksfreund.de/porta aufrufen. Und weitere Episoden aus der römischen Vergangenheit unserer Region könnt ihr hier im Porta-Podcast hören.


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    31 min
  • Novemberpogrome 1938: Als ein brauner Mob durch Städte und Dörfer zog

    Vor 85 Jahren zeigt das antisemitische Nazi-Regime sein wahres Gesicht: In vielen Städten und Dörfern - etwa in den Dörfern an der Mosel und in Wittlich - dringen Banden aus SA, SS und Anwohnern in jüdische Synagogen und Wohnhäuser ein und hinterlassen eine Spur von Leid und Verwüstung. Doch der angebliche spontane „Volkszorn“ ist in Wirklichkeit ein von höchster Stelle gesteuerter Überfall auf eine wehrlose Minderheit.​ Mehr dazu in der neuen Folge unseres Podcasts im Gespräch mit dem Wittlicher Autor Franz-Josef Schmit.


    Franz-Josef Schmit ist Verfasser mehrerer Beiträge zum Nationalsozialismus im Raum Wittlich, die die Lebensgeschichten von Opfern des NS-Regimes wie auch die von NS-Aktivisten und -Propagandisten zum Inhalt haben. Hier findet ihr aktuelle Texte aus seiner Recherche: Die Geschichte von Mathias Schmitz - geboren in der Eifel, enthauptet in Berlin: https://www.volksfreund.de/region/ns-verbrechen-in-der-eifel-geboren-in-berlin-enthauptet_aid-82140509. Weitere Beiträge zu den Novemberpogromen in der Region Trier sowie den Nationalsozialismus findet ihr auf http://www.volksfreund.de/porta


    Über "Porta - Das Tor zur Geschichte":

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    Redaktion: Johanna Heckeley, Miguel Castro, Alexander Wittlings


    Begriffe erklärt:

    Der "Nationalsozialismus" war eine politische Ideologie, die dem Faschismus zugerechnet wird. Merkmale: Herrschaft einer Gruppe mit einem "Führer" an der Spitze, in diesem Fall Adolf Hitler (1889-1945), rassistisch motivierte Unterdrückung von Minderheiten und eine nationalistische Außenpolitik. Der Faschismus war neben dem Kommunismus eine der beiden extremen politischen Strömungen im Europa der zwanziger und dreißiger Jahre, neben Deutschland wurden etwa Italien (dessen Anführer Benito Mussolini dem Begriff den Namen gab), Spanien und Ungarn faschistisch regiert. Das Besondere am Nationalsozialismus in Deutschland war vor allem seine totalitäre Ausrichtung und Rassenpolitik mit dem Völkermord an den Juden (Holocaust). Mit der Niederlage Deutschlands im Zweiten Weltkrieg wurde der Nationalsozialismus verboten.


    Mit "Arisierung" umschrieben die Nationalsozialisten die tatsächliche oder faktische Enteignung jüdischen Besitzes, heißt also die Übertragung von Unternehmen und Vermögen in die Hände von Nazi-Parteigängern oder Interessierten. Oft konnten die jüdischen Verkäufer nicht den eigentlichen Verkaufswert erzielen, weil sie beispielsweise unter Druck den Verkauf tätigten und weitere diskriminierende Abgaben leisten mussten. Im Fall des Romika-Werks - zu hören hier in unserem Podcast - waren beispielsweise die jüdischen Besitzer der Schuhfabrik durch die neuen Machthaber nach 1933 absichtlich in den Konkurs getrieben worden.


    Mit "Judenfrage" meinten die Nationalsozialisten den aus ihrer Sicht zu klärenden Umgang mit der jüdischen Bevölkerung in Deutschland - was letztlich auf deren Vertreibung und schließlich Ermordung zielte.


    Mit "Reichskristallnacht" wurden früher die Novemberpogrome bezeichnet. Der Begriff bezieht sich auf die Glasscherben, die sichtbaren Zeugnisse der deutschlandweiten Verwüstung jüdischer Geschäfte. Mittlerweile verwenden Experten eher die Begriffe "Reichspogromnacht" oder "Novemberpogrom(e)"

    Miguel Castro/volksfreund.de

    50 min
  • Aus Trier in die weite Welt: Peter Lambert und seine weltberühmten Rosenzüchtungen

    Vor rund 120 Jahren führte Rosenhändler und -züchter Peter Lambert (1859 bis 1939) in Trier ein Unternehmen, welches seine Kunden in ganz Europa belieferte. Der Trierer, verheiratet mit Leonie Lamesch aus Luxemburg, wurde für seine Kreationen (eine von ihnen trägt den Namen seiner Heimatstadt) mehrmals geehrt. In unserem Podcast unterhalten wir uns mit zwei Experten, die mehr über den Mann zu berichten wissen, an den heute in Trier eine Rosenausstellung in einem Park erinnert.


    Unsere Gesprächspartner sind die Rosenexpertin Doro Jungen (Vorsitzende der Rosenfreunde Trier, über deren Arbeit ihr hier mehr erfahren könnt) und der ehemalige Geschichtslehrer Dieter Schultz. Letztgenannter hat über Peter Lambert recherchiert und eine Broschüre erstellt. Schultz hat zudem das zu Lamberts einstigem Anwesen benachbarte "Exhaus" in Trier, welches auf den Mauern des frühmittelalterlichen Klosters St. Marien steht, unter die Lupe genommen.


    Eine Übersicht über Lamberts Rosenzüchtungen finden sich auf dieser Website.


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    Redaktion: Johanna Heckeley, Miguel Castro, Alexander Wittlings

    21 min
  • Hexenverfolgung: Wie Jesuit Spee gegen Folter und Unrecht kämpfte

    Ein junger Jesuit wächst vor rund 400 Jahren in einer Welt auf, die vom Glauben an vermeintliche Hexerei geprägt ist und in der die Folter als ein legitimes Mittel der Rechtsprechung betrachtet wird. Friedrich Spee von Langenfeld (1591-1635) wird in dieser Zeit, die auch noch von der konfessionellen Spaltung Europas geprägt ist, Mitglied des katholischen Jesuitenordens. Als solcher wirkt er unter anderem in Trier und kämpft gegen die Reformation.


    Doch bekannt wird er durch ein anklagendes Buch: Die Cautio Criminalis stellt die Hexenprozesse und insbesondere die Methode, vermeintliche Geständnisse mittels Folter zu erzwingen, in Frage. Denn der Verfolgung angeblicher Hexen und Hexer fallen allein im Deutschland des 17. Jahrhunderts zehntausende Menschen zum Opfer, nur wenige wie Spee stellen sich dem offen entgegen. Doch der Jesuit sollte die langfristige Wirkung seines Buches und das Ende der Hexenprozesse nicht mehr erleben: Schon 1635, mitten im Dreißigjährigen Krieg, wird Friedrich Spee in Trier bei der Versorgung kranker Soldaten selbst Opfer einer Epidemie.


    Wer war der Mann, der sich damals für Menschenrechte und faire Prozesse in Deutschland einsetzte und dem heute auch der Name eines Trierer Gymnasiums gewidmet ist? Darüber sprechen wir mit der Historikerin Rita Voltmer von der Universität Trier. Sie ist Expertin der Hexenverfolgung. Und mehr zu Friedrich Spee findet ihr sowohl auf volksfreund.de in unserem Special sowie auf den Seiten der Friedrich-Spee-Gesellschaft in Trier - wo der streitbare Kirchenmensch in der Jesuitenkirche begraben ist.


    Warum überhaupt vor 400 Jahren in Europa unschuldige Frauen und Männer der Hexerei bezichtigt wurden, hört ihr in einer anderen Folge unseres Podcasts - auch mit Rita Voltmer am Mikrofon:

    Hexenverfolgung vor 400 Jahren in Trier: denunziert, angeklagt, hingerichtet


    Über "Porta - Das Tor zur Geschichte":

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    Redaktion: Johanna Heckeley, Miguel Castro, Alexander Wittlings

    40 min
  • Skandal in der Eifel: Wie Schriftstellerin Clara Viebig das Leben vor 120 Jahren beschrieb

    Clara Viebig war eine Bestseller-Autorin im wilhelminischen Deutschland. In unserer Region auch als "Eifel-Dichterin" bekannt, hat sie der Region zwischen Mosel und Rhein ein literarisches Denkmal gesetzt, aber auch Berlin und Düsseldorf gewürdigt. Sie starb nach dem Zweiten Weltkrieg vergessen und verarmt. Heute sind ihre Romane wieder erhältlich. Die Trierer Schriftstellerin ist unser Thema im Gespräch mit Christel Aretz, Expertin und Ehrenpräsidentin der Clara-Viebig-Gesellschaft in Bad Bertrich. Wir unterhalten uns über den Werdegang von Clara Viebig, ihrer Familie und ihres

    Sohnes, der vor den Nazis nach Brasilien fliehen musste - und natürlich über Viebigs Bücher wie der Roman "Weiberdorf", der vor 120 Jahren für Ärger sorgte.


    Mehr zu Clara Viebig könnt ihr auf volksfreund.de/porta oder hier in den Shownotes (siehe unten) entdecken. Ihr habt Anregungen oder Kritik zu unserem Podcast? Schreibt uns an [email protected]


    Vereine: Die Bad Bertricher Clara-Viebig-Gesellschaft kümmert sich um die Pflege des literarischen Erbes der Trierer Schriftstellerin (Mehr Infos auf der Website des Vereins): In Eisenschmitt, dem Schauplatz von „Weiberdorf“, ist zudem das Clara-Viebig-Zentrum beheimatet, welches Originalbücher aus der Zeit Viebigs bereithält (https://clara-viebig-zentrum.de/).​


    Literatur: Zum 150. Geburtstag der Trierer Schriftstellerin hat Christel Aretz zusammen mit Peter Kämmereit eine Dokumentation herausgegeben, Titel „Clara Viebig – Ein langes Leben für die Literatur“ (2010). Die aktuelle Forschung wird zudem vertieft durch die „Schriften zur Clara-Viebig-Forschung“ von Ina Braun-Yousefi, deren mittlerweile fünf Bände jeweils mehrere Aufsätze umfassen (Verlag Traugott Bautz). Die Eifeler Autorin und Heimatforscherin Sophie Lange (im Februar 2023 gestorben) hat sich ebenfalls ausgiebig mit Clara Viebig auseinandergesetzt. Unter anderem ging sie der Frage nach, ob das „Weiberdorf“ damals auf dem Index verbotener Bücher der Katholischen Kirche stand. ​

    30 min
  • Mission: Trier retten - Friedrich Kutzbach und sein Wirken vor 100 Jahren

    Ohne Friedrich Kutzbach (1873-1942) würde Trier heute wohl ganz anders aussehen. Nicht nur rettete der Architekt und Denkmalpfleger das 1000 Jahre alte Simeonstift neben der antiken Porta Nigra vor dem anstehenden Abriss. Er sammelte auch detaillierte Informationen zu Triers bedeutendsten Gebäuden. 


    Dann bricht der Zweite Weltkrieg aus. Bei Bombenangriffen wird 1944 die Trierer Innenstadt zerstört - und es sind Kutzbachs Aufzeichnungen, die den Wiederaufbau historischer Gebäude möglich machen. Kunsthistorikerin Bettina Leuchtenberg ist Expertin zum Leben und Wirken des Trierer Denkmalschützers und unser Gast dieser Folge.


    Noch mehr Infos zu Friedrich Kutzbach gibt es auf volksfreund.de/porta


    Gerne könnt ihr unseren Podcast teilen oder empfehlen. Mehr Folgen gibt es hier in der Übersicht oder auf unserer Homepage auf volksfreund.de (folgt dem Link). Fragen oder Wünsche zum Podcast? Wir freuen uns über eure Mails an [email protected]


    Redaktion: Johanna Heckeley, Miguel Castro, Alexander Wittlings

    29 min

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