In der heutigen Folge geht es um den Soziologen Max Weber. Er hat den Begriff der Entzauberung der Welt geschaffen und damit den Effekt der Rationalisierung und Industrialisierung auf den Punkt gebracht.
Der Begriff der Entzauberung der Welt bedeutet mir als Mensch mit Psychose-Erfahrung sehr viel. Denn in einer Psychose erlebt man eine Wiederverzauberung der Welt. Die Magie, das Irrationale ist überall gegenwärtig und spielt eine grosse Rolle.
Das ist aber nicht der einzige Zusammenhang zwischen meinem Thema psychische Erkrankungen und Max Weber. Webers Leben kreuzte und überlappte die Entstehung der Psychiatrie auf verschiedene Weise. Und zwar als Gelehrter im Austausch mit Karl Jaspers, als Mensch durch seine private Bekanntschaft mit dem anarchistischen Psychoanalytiker Otto Gross und als Patient mit schweren Depressionen bei Emil Kräpelin. Ebenso war er Patient in mehreren neu entstandenen Kurbädern, Sanatorien und psychiatrischen Kliniken. Er war also Klient der neu entstehenden Anstalten im sogenannten Anstaltsjahrhundert.
Als Gesprächspartner konnte ich zu meiner grossen Freude DEN Weber-Spezialisten gewinnen: Prof. Dirk Kaesler, Soziologe mit einer langen internationalen Karriere als Forscher und Hochschullehrer.
Hier der Link zur grossen Weber-Biographie von Dirk Kaesler:
https://www.chbeck.de/kaesler-max-weber/product/13108817
Hier der Link zur Autobiographie von Dirk Kaesler:
https://www.vergangenheitsverlag.de/shop/Luegen-und-Scham-Deutsche-Leben--Ein-Buch-von-Dirk-Kaesler-182.htm
Kapitelübersicht:
00:00 Intro & Vorstellung
03:32 Wer war Max Weber?
05:18 Die Entzauberung der Welt
09:22 Webers Lebenszeit & gesellschaftlicher Kontext
18:28 Protestantische Ethik & Kapitalismus
26:01 Webers psychische Erkrankung
33:05 Frühe Psychiatrie & Behandlung
41:00 Sexualität, Männlichkeit & Burschenschaften
53:58 Freundschaft & die Weber-Troeltsch These
01:00:04 Freud, Psychoanalyse & Monte Verità
01:07:31 Webers späte Jahre & Tod
01:10:33 Erster Weltkrieg & Menschmaschine
01:14:53 Outro
Musik: Pianobegleitung zu Pablo Casals: Cant dels Ucels, gespielt von Andreas Nussbaumer, eigene Aufnahme