Der grausame Ulmer Mord an Rafael Blumenstock ist auch nach 31 Jahren nicht geklärt: In der Nacht zum 4. November 1990 wurde der damals 28-jährige Musikstudent auf dem Ulmer Münsterplatz bestialisch ermordet. Eine Gedenktafel auf dem Münsterplatz erinnert an ihn. Diese zerfällt zusehends.
Rafael Blumenstocks Leiche wurde vor 31 Jahren verstümmelt zwischen Blumenkübeln und einem geparkten Auto auf dem Ulmer Münsterplatz gefunden. Der war damals noch ein Parkplatz. Es brauchte einen Tag um das Opfer zu identifizieren.
Kommt eine neue Gedenkplatte für Blumenstock?
Eine Gedenktafel auf dem Ulmer Münsterplatz erinnert an den jungen Menschen. Leider zerfällt diese Bodenplatte zusehends. In einem offenen Brief an die Stadt haben schon letztes Jahr mehrere Gruppen ein neues Mahnmal gefordert. Die Antwort der Stadt Ulm: Das Thema wurde ausführlich diskutiert und hat viel Zeit in Anspruch genommen.
Statt eines neuen Mahnmals soll das "bestehende Objekt aufgearbeitet werden, so dass es optisch wieder stärker in Erscheinung tritt und das öffentliche Andenken an Rafael Blumenstock im öffentlichen Raum deutlich sichtbar bleibt." - so OB Czisch in einem Antwortschreiben von März 2021.
Das städtische Gebäudemanagement reinigt den Gedenkstein regelmäßig, so die Stadt Ulm auf DONAU 3 FM Anfrage. Der Riss im Stein ist Teils des Konzepts der Gedenktafel und wurde vom Künstler entsprechend gestaltet. Die Stadt wird den Gedenkstein weiterhin regelmäßig reinigen, so heißt es in der Antwort weiter.
Wegen seiner Transsexualität brutal ermordet?
Blumenstocks Mutter hatte ihn als wunderbaren Menschen beschrieben, der sich als Transsexueller in seinem Körper nicht wohl gefühlt habe. Über die Musik habe er sich ausgedrückt. Sein Auftreten war für damalige Verhältnisse provokant, er trug gerne Frauenkleider und soll einfach "anders" gewesen sein.
Auch wenn Blumenstock kein Teil der schwulen Szene war und sich auch nicht als schwul bezeichnete, wird vermutet, dass der oder die Täter der Schwulenszene oder der rechtsradikalen Szene angehören. Der brutale Mord ist bis heute nicht aufgeklärt. Die Polizei gibt die Suche nach den Tätern aber nicht auf.
Mediales Projekt zum Gedenken
Um Rafael Blumenstock zu gedenken und weiterhin auf ihn aufmerksam zu machen wird die Ulmer Gruppe Kollektiv.26 in den nächsten Tagen mit einem medialen Projekt (z.B. auf Instagram) historische Bilder, Aussagen von Familien, Freund/-innen und Zeitzeug/-innen und den aktuellen Zustand der Bodenplatte zeigen.
Außerdem ruft die Gruppe dazu auf am 4. November 2021 auch vor Ort auf dem Ulmer Münsterplatz dem Ermordeten zu gedenken. Jährlich finden sich zum Todestag abends um 20 Uhr mehrere Menschen an der Gedenktafel ein.
In seinem Familien- und Freundeskreis war Rafael Blumenstock sehr beliebt – gerade weil er "anders" war.