Slow German
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Slow German episodes

  • Die Gender-Debatte in Deutschland – SG #215
    Es tut mir leid, dass ich in diesem Fall nicht so richtig vom Anglizismus wegkomme. Natürlich kann ich sagen, dass es in der heutigen Episode über die Geschlechterdebatte geht - aber das Wort Gender hat sich in Deutschland mittlerweile durchgesetzt. Es geht heute also um Männer, Frauen - und nicht nur das. Natürlich ist das mal wieder ein Thema, das ich nur oberflächlich besprechen kann. Immerhin gibt es ganze Forschungszweige darüber.
    Denn wir reden heute auch über das dritte Geschlecht. So bezeichnen wir Menschen, die sich weder als „männlich“ noch als „weiblich“ einordnen möchten oder können. Seit 2018 dürfen sich diese Menschen in ihren Ausweis das Geschlecht „divers“ eintragen lassen. Der Bundestag hat das als Gesetz verabschiedet. Das bedeutet, dass bei der Geburt eines Kindes auch das „diverse“ Geschlecht eingetragen werden kann, wenn diese Kinder nicht eindeutig das männliche oder weibliche Geschlecht haben. Früher war es so, dass die Eltern sich entscheiden mussten. Seitdem ist es übrigens auch üblich, dass bei Stellenanzeigen zum Beispiel steht „Verkäufer (m/w/d).
    Für viele Menschen in Deutschland war das alles ein großes Problem. Sie regten sich auf, als es Diskussionen über Toiletten gab. Ein Beispiel: Eine als Frau geborene Person fühlt sich eigentlich als Mann. Das nennt man transgender. Der Körper bleibt aber der einer Frau, wenn sich diese Person keinen Operationen unterzieht. Auf welche Toilette sollte die Person also gehen? Auf der Frauentoilette würde niemand etwas merken - aber die Person selber würde sich nicht wohlfühlen. Auf der Männertoilette würde sie sich selber gut fühlen, die Männer dort wären aber verwirrt. Daher wurde diskutiert, entweder wieder Unisex-Toiletten einzuführen, also Toiletten für alle Menschen, egal welchen Geschlechts. Oder man wollte spezielle Toiletten bauen, die für all jene wären, die sich weder als „Mann“ noch als „Frau“ sehen.
    Als „Gender-Wahn“ oder „Gender-Gaga“ wurden Gespräche über das dritte Geschlecht oft abgetan. Sehr ernst wird auch eine andere Diskussion geführt, und zwar jene um die Ungleichbehandlung von Männern und Frauen. Der sogenannte „Gender Pay Gap“ ist natürlich auch in Deutschland ein Thema. Frauen verdienen im Durchschnitt weniger als Männer mit der gleichen Qualifikation. Oft werden auch die höheren Posten mit Männern besetzt, nicht mit Frauen. In der Politik tut sich da zum Glück einiges: Angela Merkel ist schon sehr lange unsere Kanzlerin. 40 Prozent der Ministerposten sind mit Frauen besetzt. Im Parlament sitzen aber nur 30 Prozent Frauen. Weiterhin bleibt die Familie Frauensache in Deutschland: Nur 55 Prozent der Frauen arbeiten, bei den Männern sind es 78 Prozent.
    Ein Thema, das mich gerade sehr beschäftigt, ist das Thema Sprache. Unsere deutsche Sprache geht in der Regel von Männern aus. Ein Beispiel: In den Nachrichten wird von einer aktuellen Forschung berichtet. Der Sprecher sagt dann: „60 Wissenschaftler haben eine Entdeckung gemacht“. Es sind also Wissenschaftler - nicht Wissenschaftlerinnen. Um das zu verhindern, gibt es verschiedene Möglichkeiten: Lange Zeit sah man dann ein großes „I“ im Wort. Dann waren es also WissenschaftlerInnen. Dieses sogenannte Binnen-I sollte Männer und Frauen gleich behandeln und für eine geschlechtergerechte Sprache sorgen. In der offiziellen deutschen Rechtschreibung gibt es das große „I“ mitten in einem Wort nicht. Und ich hatte auch gerade beim Schreiben des Textes das Problem, dass meine Autokorrektur das große „I“ als Tippfehler entfernt hat. Außerdem sieht es immer aus wie ein kleines „l“, oder?
    Wie kann ich denn dann kennzeichnen, dass ich alle Geschlechter meine? Viele verwenden das sogenannte Gendersternchen, also dann wären es die Wissenschaftler*innen. Aber das sieht auch immer komisch aus, finde ich. Es trennt das Wort. Und: Screenreader, die beispielsweise für blinde Menschen den Text vorlesen, lesen dann so wie ich gerade „Wissenschaftler*innen“. Jedes Mal „Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler“ zu sagen ist umständlich. Nur Wissenschaftlerinnen zu sagen und alle zu meinen, wird so nicht erkannt. Ich habe mich dazu entschlossen, den Doppelpunkt zu verwenden - dann sind es also Wissenschaftler:innen.
    Was ich übrigens oft im Radio höre, ist entweder eine kleine Pause zwischen dem Wissenschaftler und den „innen“. Also Wissenschaftler:innen. Oder sie versuchen es zu vermeiden, das Geschlecht zu benennen. Dann werden aus Studentinnen und Studenten die Studierenden, aus Forscherinnen und Forschern die Forschenden.
    Sprache ist wichtig, um Menschen nicht zu diskriminieren. Vor allem ist aber wichtig, dass wir in unserem Handeln niemanden diskriminieren. Jeder Mensch ist anders. Freuen wir uns darüber.
    Text der Episode als PDF: https://slowgerman.com/folgen/sg215kurz.pdf
    10 min
  • Der Film „Fack Ju Göhte“ – SG #214
    Es wird mal wieder Zeit für einen deutschen Kinofilm! Ich erzähle dir heute etwas über den Film „Fack Ju Göhte“, der 2013 in die Kinos kam. Es ist eine Komödie ab 12 Jahren, das bedeutet, dass er für Kinder unter 12 Jahren nicht geeignet ist. Das liegt vor allem daran, dass im Film sehr viel geflucht wird - Sex und Gewalt kommen auch vor. Und er ist garantiert nicht politisch-korrekt…
    Der Film beginnt im Gefängnis. Ein junger Mann wird entlassen. Wieder draußen in der freien Welt will er als Erstes an das Geld kommen, das er bei seinem letzten Raubzug erbeutet hat. Aber das ist blöderweise unter einer neuen Schul-Turnhalle vergraben - und er kommt nicht mehr ran. Also wird er kurzerhand Aushilfslehrer an der Goethe Gesamtschule, um ungehindert nachts suchen zu können. Nachts sucht er also, und tagsüber macht er den Lehrer-Job. Den macht er aber natürlich ganz anders als die richtigen Lehrer und Lehrerinnen.
    Es geht vor allem um Teenager und deren ganz normale Probleme im Schulalltag. Genauer gesagt um Teenager, die wenig Chancen für ihre Zukunft sehen und als Versager gelten. Und dann geht es natürlich noch um die Liebe. Und es geht darum, dass man ein besserer Mensch werden kann - wenn man es selber möchte. Also alles keine wirklich neuen Themen - aber gut umgesetzt. Der Film ist lustig und derb, er hat Tempo und gute Schauspieler.
    Gespielt wird die Hauptrolle des Zeki Müller von Elyas M’Barek. Er muss gleich die schlimmste Klasse der Schule übernehmen. Das ist eine Klasse voller Verlierer, die den Lehrern Streiche spielen und nichts lernen möchten. Mit sehr unkonventionellen Mitteln bringt der Aushilfslehrer die Teenager dazu, mehr von ihrem Leben zu wollen. Die zweite Hauptrolle spielt Karoline Herfurth, die eine sehr gewissenhafte und idealistische Referendarin spielt, also eine Lehrerin in Ausbildung.
    Die restlichen Rollen wurden entweder mit Nachwuchsschauspielern besetzt oder mit altbekannten Größen. Die Rektorin wird von Katja Riemann gespielt, eine Lehrerin von Uschi Glas. Beide Frauen kennt in Deutschland wahrscheinlich jeder Mensch über 30.
    Der Film spielt übrigens in München, gedreht wurde auch an einer echten Schule in München. „Fack Ju Göhte“ war extrem erfolgreich. In den ersten 17 Tagen nach Kinostart hatten ihn schon drei Millionen Kinobesucher gesehen. Mittlerweile liegt er auf Platz 8 der erfolgreichsten deutschen Filme seit 1968 mit über 7 Millionen Zuschauern. Kein Wunder, dass gleich zwei Jahre später die Fortsetzung ins Kino kam und weitere zwei Jahre später Teil 3.
    Hinter dem Film steckt Bora Dagtekin, der das Drehbuch geschrieben hat und Regie führte.
    Ich bin sehr gespannt, wie du den Film findest. Wenn du ihn gesehen hast - in Deutschland ist er gerade bei Netflix zu sehen, dann schreib gerne in die Kommentare!
    Hier kannst Du den Film bei Amazon Prime sehen: https://amzn.to/2G0WsfuHier kannst Du den Film bei Netflix sehen: https://www.netflix.com/title/80014999
    Text der Episode als PDF: https://slowgerman.com/folgen/sg214kurz.pdf
    6 min
  • Kinderrechte in Deutschland – SG #213
    In Deutschland gelten alle Menschen bis 18 Jahre als Kind. Welche Rechte haben Kinder in Deutschland? Zum Glück viele! 1973 wurde verboten, dass Kinder in der Schule körperlich bestraft werden. Bis zu diesem Zeitpunkt durften Kinder in der Schule noch „gezüchtigt“ werden - so nannte man das damals. Meine Mutter hat das noch erlebt - wenn sie nicht brav war in der Schule, dann wurde ihr mit einem Stock auf die Finger geschlagen.
    Seit 1989 gibt es die UN-Kinderrechtskonvention. Die Vereinten Nationen haben also festgelegt, wie wir Menschen mit Kindern umgehen sollen. Dazu gehören das Recht auf Schutz vor Gewalt, auf Bildung, auf Beteiligung, auf Gleichbehandlung und das Recht auf Freizeit, Spiel und Erholung. Fast alle Länder der Welt haben diese UN-Kinderrechtskonvention unterschrieben. Es geht vor allem um das Kindswohl. Dem Kind soll es gut gehen. Wir müssen versuchen, Kinder vor Diskriminierung, Gewalt und Mobbing zu schützen.
    Familien stehen natürlich im deutschen Grundgesetz, also in unserer Verfassung. Die Ehe und die Familie werden vom Staat geschützt. Eltern dürfen und müssen ihre Kinder erziehen. Kinder dürfen nicht ohne Grund von ihren Eltern getrennt werden. Mütter werden geschützt. Uneheliche Kinder werden genauso behandelt wie eheliche Kinder. Das bedeutet: Es ist egal, ob die Eltern verheiratet sind oder nicht. Spezielle Kinderrechte stehen allerdings nicht im Grundgesetz. Einige Vereinigungen möchten das ändern, beispielsweise das Deutsche Kinderhilfswerk. Auch die UN hat dies schon zwei Mal kritisiert. Die Politik möchte das nun ändern und ein Kindergrundrecht im Grundgesetz schaffen.
    Welche Rechte sollten Kinder haben? Zunächst einmal gilt bei ihnen wie bei allen Menschen: Sie haben alle die gleichen Rechte. Kein Kind sollte wegen seiner Hautfarbe, seiner Religion, seines Geschlechts, seiner Sprache oder wegen anderen Unterschieden benachteiligt werden. Kinder haben ein Recht auf Spiel, Freizeit und Erholung und natürlich ein Recht auf Bildung. Sie dürfen sich informieren und ihre eigene Meinung bilden. Sie haben ein Recht auf Privatsphäre - das bedeutet, dass wir zum Beispiel nicht ohne ihre Erlaubnis Kinderbilder bei Facebook posten dürfen. Sie sollen keine Not leiden müssen und in Geborgenheit aufwachsen. Kinder haben ein Recht auf die bestmögliche Gesundheit, auf sauberes Trinkwasser, gesundes Essen und eine sichere Umgebung. Natürlich müssen auch Kinder mit einer Behinderung gefördert werden. Und Kinder sollen mitsprechen dürfen.
    Das kann ich dir an einem Beispiel erklären: Kinder haben das Recht, beide Eltern zu sehen, wenn diese sich getrennt haben. Sie werden auch nach ihrer Meinung gefragt, wenn es um wichtige Entscheidungen geht, beispielsweise darum, wo sie nach einer Trennung der Eltern leben möchten.
    In den vergangenen Jahrzehnten hat sich viel getan. Die Kinder haben mehr Rechte als früher. Zum Beispiel dürfen Eltern ihre Kinder in Deutschland seit dem Jahr 2000 nicht mehr schlagen oder anderweitig körperliche Gewalt anwenden. Kinder haben das Recht auf eine „gewaltfreie Erziehung“.
    Seit 2013 haben Kinder beziehungsweise ihre Eltern auch einen Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz ab dem ersten Lebensjahr. Das bedeutet: Jedes Kind sollte in eine Kindertagesstätte, eine Krippe oder einen Kindergarten gehen können. Das klingt zwar super - funktioniert aber leider noch nicht wirklich. Außerdem gibt es eine Schulpflicht für alle Kinder.
    Kinder dürfen übrigens bis zu ihrem 15. Lebensjahr nicht arbeiten. Ausnahmen gibt es dazu - zum Beispiel dürfen Kinder natürlich mal im Haushalt helfen und dafür ein wenig Geld bekommen. Oder sie dürfen kleine Tätigkeiten machen, wenn sie schon 13 Jahre alt sind. Aber ihr Hauptjob ist und bleibt die Schule.
    Den Kindern in Deutschland geht es gut, wenn man die Situation mit vielen anderen Ländern vergleicht. Perfekt ist es aber nicht hier bei uns. Jedes fünfte Kind in Deutschland lebt in Armut. Das sind 2,8 Mio. Kinder und Jugendliche. Für viele dieser Kinder gibt es keinen Urlaub, kein Kino, kein Essen im Restaurant, keine Klassenfahrten und keine Geburtstagspartys. Die Eltern müssen sparen.
    Text der Episode als PDF: https://slowgerman.com/folgen/sg213kurz.pdf
    Mein lieber Hörer Art aus den USA hat übrigens einen guten Test zu dieser Episode erstellt. Hier klicken!
    8 min
  • Die Schweiz – SG #212
    Ich bin in Konstanz geboren und aufgewachsen. Das ist eine deutsche Stadt südlich des Bodensees - drumherum ist auf der einen Seite Wasser und auf der anderen die Schweiz. Wir konnten also zu Fuß über die Grenze gehen und in der Schweiz einkaufen. Manches war dort billiger als in Deutschland. Und weil man zumindest in einem Teil der Schweiz Deutsch spricht, stelle ich Dir heute unser Nachbarland vor.
    Die Schweiz ist ein kleines Land, es ist von Norden nach Süden nur 220 Kilometer lang und von Osten nach Westen fast 350 Kilometer . Die Hälfte des Landes ist bergig, denn die Alpen führen mitten durch die Schweiz.
    8,5 Millionen Menschen leben in der Schweiz. Die größten Städte sind Zürich, Genf, Basel, Bern, Lausanne, Winterthur und Luzern. In Zürich leben 415.000 Menschen, damit ist sie die größte Stadt der Schweiz. Aber nicht nur das: Zürich ist in der Liste der teuersten Städte der Welt auf Platz 4. Platz 5 ist Genf.
    Dieses kleine Land hat gleich vier Amtssprachen: Deutsch, Französisch, Italienisch und Rätoromanisch. Fast 65% der Schweizer sprechen Deutsch. Aber Vorsicht, es ist ein anderes Deutsch, als ich es spreche. Denn in der Schweiz gibt es viele verschiedene Dialekte, die zusammengefasst als Schweizerdeutsch bezeichnet werden. Es gibt auch ein Schweizer Hochdeutsch. Auf slowgerman.com kannst Du hören, wie Schweizerdeutsch klingt:
    Jetzt wird es noch komplizierter: Die Schweiz ist nämlich nicht nur sprachlich aufgeteilt, sondern auch noch in 26 Kantone. Kantone sind so etwas wie in Deutschland die Bundesländer. Die Regierung der Kantone trifft sich im Nationalrat, der ein Teil der Bundesversammlung der Schweiz ist. Parlament und Regierung befinden sich in Bern. Der Bundeskanzler heißt Walter Thurnherr.
    Zum Thema Religion: 38 Prozent der Schweizer sind Katholiken, 25 Prozent gehören zur evangelisch-reformierten Kirche. Die Religionsfreiheit steht in der Verfassung. Interessant fand ich zu lesen, dass der Buddhismus in der Schweiz stärker vertreten ist als in anderen europäischen Ländern - es sind aber nur 0,33 Prozent der Schweizer Buddhisten.
    Sausen wir noch kurz durch die Geschichte des Landes: Die Römer haben es erobert, davor waren die Kelten da. Danach kamen die Germanen und später die Franken. Ach, es ist zu kompliziert, das alles aufzuzählen. 1291 jedenfalls schlossen sich die ersten drei Kantone zusammen. Dies gilt als Geburt der Schweiz und wird auch heute noch am 1. August als Nationalfeiertag gefeiert.
    Napoleon Bonaparte verordnete der Schweiz 1803 eine föderalistische Verfassung mit autonomen Kantonen. Warum er das so einfach konnte? Weil die Schweiz zwischenzeitlich zu Frankreich gehörte. Der Staatsname "Schweizerische Eidgenossenschaft" wurde festgelegt - er gilt bis heute. Dann wurden die Grenzen der Schweiz im Wiener Kongress international anerkannt. Und 1848 gab es eine neue Bundesverfassung.
    Bei so vielen Sprachen und kulturellen Hintergründen frage ich mich, wie das Land sich eigentlich definiert. Wie hält es zusammen? Es ist nicht die Sprache, nicht die Kultur, sondern eher das Schweizer-Sein an sich. Die Schweizer glauben an die direkte Demokratie, dort werden viel mehr Entscheidungen direkt vom Volk getroffen als in Deutschland. Außerdem wird vieles regional entschieden, die Schweizer sind also sehr selbstbestimmt.
    Und bei einer Straßenumfrage zu typischen Merkmalen der Schweiz würde wahrscheinlich noch ein Wort fallen: Neutralität. Das Land beteiligt sich nicht an Kriegen zwischen Staaten. 1647 beschlossen die Schweizer durch den schlimmen Dreissigjährigen Krieg "immerwährende bewaffnete Neutralität".
    Das bedeutet aber nicht, dass das Land keine Armee hat. Es gibt ein Heer und eine Luftwaffe, um sich verteidigen zu können. Nur 5% der Soldaten sind allerdings bezahlte Soldaten - der Rest sind Bürger des Landes zwischen 20 und 34 Jahren. Sie haben ihre persönliche Ausrüstung und ihre Waffe zu Hause. Alle Männer müssen zum Militärdienst oder alternativ Zivildienst leisten.
    Die Schweiz gehört zwar seit 2002 zur UNO, aber nicht zur Europäischen Union und auch nicht zur NATO - das würde nicht zur Neutralität passen.
    Und wovon leben die Schweizer? Berühmt sind sie für ihre Banken und Uhrwerke. Und für ihren Käse. Oder? Der Lebensmittelkonzern Nestlé ist aus der Schweiz, ebenso die wunderbare Schokolade von Lindt & Sprüngli, die Medizin von Novartis und Roche, die Uhren von Swatch und Rolex. Und die berühmte Toblerone-Schokolade wird nur in Bern hergestellt und von dort aus in 120 Länder verkauft. Denk daran, wenn Du sie das nächste Mal am Flughafen siehst. Bezahlt wird übrigens mit Schweizer Franken.
    Zwei Dinge noch, die unbedingt zur Schweiz gehören: Berühmt ist die Geschichte von Wilhelm Tell. Er gilt als Nationalheld des Landes. Weltbekannt wurde die Geschichte nämlich dadurch, dass Friedrich Schiller sie als Theaterstück aufschrieb.
    Und dann ist da noch das Käsefondue, bei dem Käse geschmolzen wird und dann tunkt man mit einer langen Gabel Brotstücke hinein... Lecker!
    Es gäbe noch eine Menge über dieses kleine, feine Land zu erzählen. Wenn Du mal eine sehr junge und gute Comedienne aus der Schweiz sehen möchtest, dann gibt es auf slowgerman.com ein Video von Hazel Brugger, der "bösesten Frau der Schweiz".
    Text der Episode als PDF: https://slowgerman.com/folgen/sg212kurz.pdf
    10 min
  • Die Firma Siemens und ihr Gründer Werner Siemens – SG #211
    Die Familie Siemens gibt es seit über 600 Jahren. Sie stammt aus Goslar in Niedersachsen. 14 Kinder bekamen Christian und Eleonore. Das vierte Kind nannten sie Werner. Er wurde 1816 geboren und um ihn geht es heute.
    Bald zeigt sich, dass Werner besonders gut in Mathe ist. Einen Schulabschluss macht er aber nicht, er geht vorher von der Schule ab. Studieren kann er nicht, dazu haben seine Eltern zu wenig Geld. Also geht er zum Militär, denn dort gibt es auch eine Ingenieur-Schule. Dort wird er in vielen Fächern ausgebildet, zum Beispiel in Mathematik, Physik, Chemie und Geometrie.
    Als seine Eltern sterben, muss Werner für seine jüngeren Geschwister sorgen. Er ist Leutnant in einer Artillerie-Brigade. Doch dann geschieht etwas: Werner ist Sekundant bei einem Duell. Bei einem Duell stehen sich zwei Männer gegenüber und schießen aufeinander. Der Sekundant ist sozusagen der Helfer eines der Männer, die sich duellieren. Duelle sind eigentlich verboten, und Werner Siemens kommt ins Gefängnis. Damals gab es verschiedene Arten von Gefängnissen. Werner Siemens kommt in sogenannte Festungshaft in eine Zitadelle, das ist ein Gebäude das wie eine Burg aussieht. Festungshaft war eine "ehrenhafte" Strafe, die Häftlinge durften dort rauchen und Besuch empfangen. Es war also nicht so schlimm.
    Werner Siemens freut sich sogar über diese Zeit der Isolation. Er hofft, dass sie wie ein kleiner Urlaub ist. Er will die Zeit nutzen und Experimente machen. Also lässt er sich verschiedene Dinge dafür in seine Zelle schmuggeln und baut ein Versuchslabor auf. Die Zeit in Festungshaft ist dann aber kürzer als gedacht, und enttäuscht muss Siemens wieder als Soldat arbeiten. Das tut er einige Jahre, aber nebenher erfindet er weiter Dinge. Zum Beispiel ferngezündete Seeminen, Regler für Dampfmaschinen und eine Presse zur Herstellung von Kunststein.
    1842 schafft er es, einen Teelöffel mit Hilfe von Gleichstrom aus Batterien zu vergolden oder zu versilbern. Er bekommt ein Patent auf diese Erfindung. Er hat viele Ideen, entwickelt sie mit seinen Brüdern und mit anderen Erfindern. Mit Georg Halske verbessert er einen Telegrafen - mit diesem neuen Zeiger-Telegrafen können nun auch Laien ihre Botschaften an andere Menschen schicken. Vorher konnten das nur Menschen, die extra dafür ausgebildet worden waren, denn sie mussten das Morse-Alphabet beherrschen. 1847 meldet Werner Siemens ihn zum Patent an. Eine Woche vorher hat er mit seinem Kollegen die Firma "Telegraphen-Bauanstalt Siemens & Halske" gegründet. Der heutige Weltkonzern war in einem Berliner Hinterhof geboren. Die Werkstatt hat zehn Mitarbeiter.
    Siemens ist ein Vordenker im Bereich der Starkstromtechnik. Er ist ein kreativer Erfinder. Und er ist ein Unternehmer. 1848 legt das Unternehmen die Telegraphenleitung von Berlin nach Frankfurt. Danach kommen auch Aufträge aus Russland und England. Die Firma legt die erste Telegraphenleitung durch den Atlantik und bringt die elektrische Straßenbeleuchtung nach Berlin. 1881 schickt Siemens die erste elektrische Straßenbahn durch Berlin. Vorher wurden die Straßenbahnen von Pferden gezogen - das ist jetzt nicht mehr nötig.
    Der Firma geht es gut - und Werner Siemens denkt nicht nur an sich selbst, sondern auch an seine Mitarbeiter. Leitende Mitarbeiter bekommen Prämien, werden also belohnt, wenn es der Firma gut geht. Die tägliche Arbeitszeit wird auf neun Stunden reduziert, drei Stunden weniger als üblich. Gearbeitet wird an sechs Tagen pro Woche.
    Und privat? Werner Siemens heiratet und hat vier Kinder. Mit seiner zweiten Frau hat er zwei weitere Kinder. Er stirbt mit 75 Jahren 1892 in Berlin. Sein Bruder und zwei Söhne führen die Firma weiter. Werner Siemens wurde übrigens vier Jahre vor seinem Tod in den Adelsstand erhoben und durfte sich von da an Werner von Siemens nennen.
    Heute ist der Konzern ein Mischkonzern. Vielleicht ist Dir auch schon ein Gerät aufgefallen, auf dem der Name "Siemens" steht. Vielleicht ein Geschirrspüler, ein Hörgerät oder ein Motor. Oder der ICE! Siemens ist eine Aktiengesellschaft mit 385.000 Mitarbeitern weltweit. Sie ist im Leitindex DAX an der Börse vertreten. Seinen Hauptsitz hat die Firma in München.
    Hier kannst Du übrigens in Werner von Siemens' Erinnerungen lesen: https://assets.new.siemens.com/siemens/assets/api/uuid:5a84cc7ffe2c681cac72376985bd5df452904319/version:1506341287/087-shi-kommunikation-wvs-lebenserinnerungen-2008-d.pdf
    Fotos mit freundlicher Genehmigung der Siemens AG, München/Berlin
    Text der Episode als PDF: https://slowgerman.com/folgen/sg211kurz.pdf
    8 min
  • Die Uhrzeit – SG #210
    Heute beschäftigen wir uns mit der Uhrzeit. Es ist gar nicht so leicht, in einer Fremdsprache zu sagen, wie spät es ist, oder? Wenn Du selber nicht weißt, wie spät es ist, kannst Du Menschen auf der Straße fragen indem Du sagst: "Entschuldigung, wie spät ist es?" oder "Entschuldigung, wieviel Uhr ist es?".
    Jetzt erkläre ich Dir, wie wir Uhrzeiten benennen. Fangen wir an mit der sogenannten vollen Stunde. Eine volle Stunde ist, wenn der Minutenzeiger der Uhr oben steht, auf der 12. Wenn es also genau ein Uhr ist. Oder zwei. Oder drei Uhr. Ich sage dann: Es ist drei Uhr. In der Umgangssprache kannst Du auch einfach sagen "es ist drei". Das reicht.
    Jetzt kommen die Minuten dazu, und dann wird es schon ein wenig komplizierter. Also sagen wir mal, es ist zehn Minuten nach drei. Dann sage ich: "Es ist zehn Minuten nach drei". Ich muss auch hier nicht "drei Uhr" sagen, denn bei der Zeitangabe versteht sich das von selbst. Noch kürzer kannst Du sagen: "Es ist zehn nach drei". Lassen wir fünf weitere Minuten verstreichen. Dann ist es 15 Minuten nach drei. Hier gibt es jetzt noch eine neue Möglichkeit. Ich kann sagen: "Es ist viertel nach drei".
    Wandert der Zeiger der Uhr nach unten, dann ist eine halbe Stunde vergangen. Ich sage: "Es ist halb vier". Nach einer weiteren Viertelstunde sage ich: "Es ist viertel vor vier". Eine andere Möglichkeit für diese Uhrzeit ist "Es ist dreiviertel vier". Danach kann ich sagen: "Es ist fünf vor vier".
    Bis hierhin ist es logisch. Es gibt aber einige Besonderheiten, die je nach Region unterschiedlich sind. Zum Beispiel sagen manche Menschen in Deutschland auch gerne "Es ist fünf vor halb acht." Da muss man erstmal rechnen, was das wirklich bedeutet, oder? Es ist 7:25 Uhr. Fünf vor halb acht. Noch eine Variante: Es ist fünf nach halb eins. 12:35 Uhr ist fünf nach halb eins. Für mich immer schwer zu verstehen ist es, wenn Leute sagen: "Wir treffen uns um Viertel sieben". Ist das dann 7:15 Uhr oder 6:15? Es ist 6:15. Das ist Viertel 7. Verwirrend, oder?
    Dass der Tag 24 Stunden hat, wissen wir in Deutschland natürlich auch. Aber meistens ergibt sich aus dem Kontext, ob wir den Nachmittag und Abend meinen oder den Vormittag. Wenn es nicht so genau feststeht, sagt man es lieber dazu. Dann sagt man also: "Wir treffen uns morgen früh um acht". Oder: "Wir treffen uns morgen Abend um acht". In Deutschland halten die Menschen Verabredungen übrigens pünktlich ein. Meistens jedenfalls. Wenn Du betonen möchtest, dass Dein Partner pünktlich sein soll, sagst Du: "Wir treffen uns morgen Abend um Punkt acht".
    Wenn offiziell über die Uhrzeit gesprochen wird, dann wird die 24-Stunden-Variante verwendet. Es gibt also alle Uhrzeiten von 0 bis 24 Uhr. 0 Uhr ist Mitternacht, dann werden die Zahlen hochgezählt bis mittags um 12 Uhr. Danach geht es aber normal weiter mit 13 Uhr - das ist dann 1 Uhr mittags. 23 Uhr ist 11 Uhr abends.
    Der Nachrichtensprecher im Fernsehen wird also sagen: "Die Sondersendung beginnt um 20.15 Uhr". Das ist abends um Viertel nach acht. Wenn Du gerade den Text mitliest, dann wirst Du sehen, dass ich anders spreche als es dort steht. 20.15 Uhr ist die korrekte Schreibweise. Wir sagen aber 20 Uhr 15.
    Text der Episode als PDF: https://slowgerman.com/folgen/sg210kurz.pdf
    7 min
  • SG Dialog #11: Mein Kind ist krank
    SG Dialog #11: Mein Kind ist krankShow Podcast Information








    Diesen Dialog hat Oliver mit Ellen eingesprochen – die beiden leben bei Augsburg und haben einen eigenen Podcast, das "Morgenradio". Das ist eine gute Alternative zum Radio am Morgen. Keine hysterisch-gutgelaunte Moderatoren und keine schlechten Nachrichten aus aller Welt, sondern zwei echte Menschen und eine gute Geschichte.



    Hier der Text des Dialoges:



    Hast du heute Zeit für einen Spaziergang?



    Leider nicht. Mein Sohn ist krank.



    Oh je. Was hat er denn?



    Er ist heute morgen mit Fieber aufgewacht. Er hat ein wenig Schnupfen und Husten. Und vorhin hat er gesagt, dass er Kopfweh hat.



    Das klingt nach einer Grippe.



    Ja, oder eine Erkältung. Er muss jetzt viel trinken. Ich habe ihn in der Schule entschuldigt.



    Gehst du mit ihm zum Arzt?



    Ich weiß es noch nicht. Wenn es ihm morgen nicht besser geht, werde ich mit ihm zum Kinderarzt gehen.



    Würde ich auch so machen. Du kannst ihm gegen das Kopfweh ein Schmerzmittel geben.



    Das werde ich tun. Ich habe einen Saft, der gegen Fieber und Schmerzen hilft.



    Ich hasse das Gefühl, ein krankes Kind zu haben.



    Ja, ich wäre auch lieber selber krank. Aber man kann es nicht ändern. Jetzt im Winter sind einfach viele Viren unterwegs. In der Schule haben die Kinder viel Kontakt zueinander. Da stecken sie sich dann halt auch an.



    Aber als Kind war ich eigentlich ganz gerne krank, erinnere ich mich.



    Kein Wunder! Mein Sohn darf den ganzen Tag fernsehen, ich bringe ihm Essen und Getränke und die Katze hat auch bei ihm geschlafen. Das ist doch perfekt, um gesund zu werden.



    Stimmt! Na dann wünsche ich deinem Sohn gute Besserung.



    Danke. Ich werde es ihm ausrichten.



    Hoffentlich steckst du dich nicht an! Bleib gesund!



    Ich gebe mir Mühe. Ich war erst vor zwei Wochen krank.



    Wirklich? Das habe ich gar nicht mitbekommen!



    Doch, da konnte ich zwei Tage nicht in die Arbeit gehen. Zum Glück war ich am dritten Tag wieder fit, sonst hätte ich ein Attest vom Arzt gebraucht.



    Ich bin auch froh, wenn ich nicht zum Arzt muss. Im Wartezimmer zu sitzen mit lauter anderen kranken Menschen ist nicht so toll.



    Stimmt, aber manchmal geht es eben nicht anders. Vor allem wenn man ein Rezept braucht für Medikamente.



    Also dann - ich melde mich übermorgen nochmal bei dir. Vielleicht hast du dann Zeit für einen Spaziergang.



    Gerne. Bis dann!



    Bis dann!



    Text der Episode als PDF: https://slowgerman.com/folgen/sg209a.pdf
    3 min
  • Aberglaube in Deutschland – SG #209
    Meine beste Freundin ist Chinesin. Mit ihr habe ich über Aberglaube gesprochen. Denn wenn wir zusammen essen gehen, dürfen wir nicht vier verschiedene Dinge bestellen - denn vier ist eine Zahl, die Unglück bringt. So ist das zumindest in China. Hier in Deutschland mögen wir die vier als Zahl. Viele Produkte sind so abgepackt, dass sie vier Einzelteile enthalten. Vier Brötchen, vier Stifte, vier Äpfel. Vier ist irgendwie eine schöne Zahl, finde ich, weil sie zwei Paare ausdrückt. In China klingt die Zahl aber so wie die Wörter von sterben und Tod - also schlecht.
    Das alles ist aber nur die Vorgeschichte dafür, wie unterschiedlich die Kulturen und Nationen mit ihrem Aberglauben umgehen. Und natürlich gibt es auch Dinge, die in Deutschland abergläubischen Menschen Angst machen. Fangen wir mit den Zahlen an. Bei uns ist die 13 die Zahl, die Pech bringt. Es gibt im Flugzeug keine 13. Sitzreihe, im Hotel kein 13. Stockwerk.
    Weiter geht’s mit dem Aberglauben: Ich selber liebe Katzen, vor allem wenn sie schwarz sind. Aber wenn eine schwarze Katze von links über den Weg läuft, dann kann das Pech bringen. Die Ursache dafür ist wie so oft das Mittelalter. Im Mittelalter verbrannte man Hexen, man hatte Angst, dass manche Frauen magische böse Kräfte hätten. Schwarze Tiere sollten ebenfalls dämonisch sein, zum Beispiel Raben oder eben schwarze Katzen. Also wurden diese oft getötet. Heute gibt es kaum Katzen, die komplett schwarz sind!
    Dass es vor allem Pech bringt, wenn die Katze von links nach rechts läuft, ist auch interessant. Man sagt nämlich auch, wenn jemand schlechte Laune hat: „Der ist wohl mit dem falschen Fuß aufgestanden“, und meint damit den linken Fuß.
    Pech bringt es in Deutschland auch, wenn man unter einer Leiter hindurchgeht. Angeblich bilden Leiter, Wand und Boden ein Dreieck, und das Dreieck ist die heilige Form. Wer da durchgeht, der macht die Form kaputt, und dann erlebt er Böses. Ich kann mir vorstellen, dass dieser Aberglauben aber einen ziemlich praktischen Ursprung hat: Wenn nämlich oben auf der Leiter ein Maler steht, wird man sicher ganz schön dreckig, wenn man direkt darunter hindurch läuft.
    Wenn du Geburtstag hast und mit den Menschen an deinem Tisch anstoßen möchtest, nimmst du dein Glas in die Hand und hältst es den anderen Menschen hin. Sie tun das gleiche und stoßen mit dir an. Ganz wichtig: In Deutschland musst du deinem Gegenüber in die Augen schauen, während sich die Gläser berühren! Die Strafe ist sonst besonders schlimm: Sieben Jahre schlechter Sex… Das zumindest sagt der Aberglaube.
    A propos sieben: Wenn du einen Spiegel kaputt machst, dann hast du sieben Jahre Unglück. Denn im Spiegel siehst du deine Seele, und die zerbricht dann mit dem Spiegel. Nach sieben Jahren ist sie wieder geheilt. Komischer Aberglaube, denn auf der anderen Seite haben wir das Sprichwort „Scherben bringen Glück“.
    Du darfst übrigens auch keinem oder keiner Deutschen vor seinem eigentlichen Geburtstag zum Geburtstag gratulieren! Sag also ja nicht am Tag davor: „Alles gute zum Geburtstag!“ Sonst wird dich dieser Mensch sehr böse anschauen. Denn du hast das Schicksal herausgefordert. Wer weiß, was bis morgen noch passiert? Also erst gratulieren, wenn der Tag wirklich da ist.
    Es gibt auch positiven Aberglauben: Wenn du in eine neue Wohnung oder ein neues Haus einziehst kann es sein, dass deine deutschen Nachbarn oder Freunde dir ein Brot und Salz mitbringen. Das sind die Geschenke, die dir Glück bringen sollen. Wenn du übrigens Salz verschüttest dann bringt das wieder Unglück - und zwar mal wieder sieben Jahre. Die arme Zahl sieben, was hat sie nur verbrochen…
    Text der Episode als PDF: https://slowgerman.com/folgen/sg209kurz.pdf
    7 min
  • Corona / Covid-19 in Deutschland – SG #208
    Ende Januar wurde ein Mann in München krank. Es war ein 33-jähriger Mann der bei der Firma Webasto arbeitete. Dieser Mann war der erste bestätigte Fall von Covid-19 in Deutschland. Danach wurden weitere Mitarbeiter dieser Firma getestet - viele landeten im Krankenhaus. Die Firma wurde geschlossen und alle Mitarbeiter mussten zwei Wochen in Quarantäne. München war also der erste Hotspot der neuen Krankheit in Deutschland. Eine Frau aus China hatte die Mitarbeiter bei einer Schulung angesteckt.
    Man kann in der deutschen Sprache übrigens das Virus sagen und der Virus. Aber weiter in der kleinen Chronologie. Ende Februar waren nur so wenige Menschen erkrankt, dass die Gesundheitsämter eine gute Strategie anwenden konnten: Sie isolierten alle Menschen, die mit einem Kranken in Kontakt gekommen waren. So breitete sich die Krankheit erstmal nicht aus.
    Aber dann passierte etwas in Deutschland. Und zwar der Fasching. Jedes Jahr im späten Winter feiern die Menschen Fasching. Und diejenigen, die Fasching blöd finden, freuen sich dennoch über die Faschingsferien. Dann fahren sie zum Beispiel gerne nach Österreich oder Italien zum Skifahren. Fasching und Skifahren - zwei Situationen, in denen viele fremde Menschen sehr eng aufeinandertreffen. Nach den Faschingsferien jedenfalls gab es viele neu angesteckte Patienten, vor allem in Bayern und Nordrhein-Westfalen.
    Freitag der 13. März: Die Schulen werden geschlossen
    An Freitag den 13. März erinnere ich mich noch gut. Das passt, denn Freitag der 13. gilt als Tag voller Pech und Unglück. An diesem Tag gab der bayerische Ministerpräsident Markus Söder eine Pressekonferenz. Und er verkündete: Die Schulen und Kindergärten in Bayern werden geschlossen. Dazu musst Du eines wissen: In Deutschland gibt es das sogenannte föderale System. Die Bundesländer dürfen viele Dinge selbst entscheiden. Daher ist es auch in Sachen Corona so, dass es in jedem Bundesland anders ist. Das ist für die Bürgerinnen und Bürger oft schwer zu akzeptieren.
    Hier in Bayern ist es also nun so: Wir durften zwei Monate lang das Haus nur aus triftigen Gründen verlassen. Also nur um zum Beispiel zum Einkaufen oder in die Arbeit zu gehen. Wir durften keine Menschen treffen, die nicht zu unserem eigenen Haushalt gehörten. Also auch keine Oma, keine Freunde, keinen Onkel. Alle Großveranstaltungen wie Konzerte oder Theaterveranstaltungen sind bis Ende August abgesagt. Die Grenzen waren geschlossen. Beim Einkaufen galt Maskenpflicht und nur wichtige Läden wie Supermärkte waren offen - alles andere war geschlossen. Auch Hotels und Restaurants.
    Ich sage das in der Vergangenheit, denn wir haben Glück: Da sich die Krankheit nicht weiter ausgebreitet hat, wurden viele Maßnahmen wieder gelockert. Manche Kinder dürfen wieder in die Schule gehen, zum Beispiel die Erstklässler. Die Geschäfte haben wieder geöffnet. Und die Biergärten freuen sich auch wieder über Gäste.
    Wie das alles gesteuert wurde und wird kann ich auch noch kurz erklären. In Deutschland gibt es das RKI, das Robert-Koch-Institut. Es ist die Bundesbehörde für Infektionskrankheiten. Ihre Aufgabe ist es, die Gesundheit der Bevölkerung in Deutschland zu beobachten und auch zu forschen. Dieses RKI muss nun also auch Corona im Blick behalten. Jeden Tag hat es am Anfang der Epidemie über die neuen Zahlen informiert.
    Wissenschaftler informieren in Podcasts
    Weil die Menschen natürlich verängstigt waren, haben zum Glück auch einige Wissenschaftler sich dazu bereit erklärt, uns zu informieren und uns damit die Angst etwas zu nehmen. Zwei Virologen sind mittlerweile so bekannt wie Popstars: Christian Drosten von der Charité in Berlin und Alexander Kekulé von der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. Beide sind regelmäßig in Podcasts zu hören und beantworten dort Fragen zum Virus.
    Die Podcasts:Das Coronavirus-Update mit Christian DrostenKekulés Corona-Kompass
    Wie gehen die Menschen in Deutschland nun mit der neuen Situation um? Viele leiden vor allem wirtschaftlich, denn sie können entweder gar nicht mehr arbeiten oder viel weniger. Ihnen werden Hilfen vom Staat angeboten, aber es bleibt natürlich eine Unsicherheit, wie es in Zukunft weitergeht. Schwierig ist auch, Homeoffice und Homeschooling zu verbinden. Da die Kinder nicht in die Schule gehen, müssen die Eltern den Unterricht übernehmen. Videokonferenzen werden von sehr wenigen Schulen angeboten, Deutschland ist noch nicht sehr digital, was die Bildung angeht.
    Auch psychisch ist es natürlich schwer, mit der Situation klarzukommen. Viele Menschen sind einsam, sie vermissen die sozialen Kontakte. Es gibt zum Glück viele Hilfsangebote für Risikopatienten, was zum Beispiel Einkäufe angeht. Manche Menschen haben tolle Ideen, wie sie die Corona-Zeit nutzen können, um Neues zu lernen oder anderen zu helfen.
    Menschen demonstrieren gegen die Maßnahmen
    Immer mehr Menschen demonstrieren allerdings auch gegen die Entscheidungen der Regierung. Sie fühlen ihre Grundrechte eingeschränkt und wollen nicht länger akzeptieren, dass sie ihr Leben nicht mehr normal weiterführen können.
    Als kleine Einschätzung von mir kann ich sagen: Ich bin gerade sehr froh, in Deutschland zu leben. Unsere Kanzlerin Angela Merkel ist selbst Physikerin, sie ist sehr sachlich und lässt sich von Wissenschaftlern beraten, anstatt auf ihr Gefühl zu hören und Unwahrheiten zu verbreiten. Die Krankenhäuser haben einen tollen Job gemacht. Ich finde es wichtig, dass wir vor allem die Risikopatienten schützen, indem wir selbst dafür sorgen, dass die Krankheit sich nicht verbreitet. Ich bin froh, dass ich selber weiterhin arbeiten kann und Geld verdiene - ich habe zum Glück keine finanziellen Sorgen. Es geht mir gut. Auch wenn durch die ausgefallene Schule leider kaum Zeit für Slow German bleibt. Ich hoffe, Du hast Verständnis dafür.
    Noch kurz die Zahlen: Mitte Mai gab es in Deutschland insgesamt 175.000 bestätigte Covid-19-Fälle. 150.000 davon sind schon wieder gesund. 7928 Menschen sind an der Krankheit gestorben. Es ist noch lange nicht vorbei - aber ich hoffe, es wird immer besser. Wie alle anderen Menschen auf der Welt warten wir nun auf einen Impfstoff. Ich hoffe, Du bist gesund und es geht Dir gut.
    Text der Episode als PDF: https://slowgerman.com/folgen/sg208kurz.pdf
    Normalerweise dürfen diese Sachen nur Premium-Abonnenten sehen - aber bei dieser Folge mache ich eine Ausnahme. Ich möchte, dass alle das Material sehen können und damit arbeiten können. Bitte schön, mein kleines Corona-Geschenk für Dich:
    Lernmaterial zu dieser Folge herunterladen
    Schneller gesprochen? Bitte schön:
    11 min
  • Das deutsche Urheberrecht – SG #207
    Ich habe bemerkt, dass viele Menschen im Internet meine Audios verwenden, um damit auf YouTube neue Videos zu erstellen und damit Geld zu verdienen. Das ist nicht ok. Also habe ich diese Urheberrechtsverletzungen gemeldet. Die Videos wurden entfernt.
    In der Diskussion mit den Menschen, die meine Inhalte gestohlen hatten, ist mir aufgefallen, dass viele Menschen nicht wissen, dass es in Deutschland ein Urheberrecht gibt. Das amerikanische Copyright ist bekannt, aber das deutsche Urheberrecht nicht. Also möchte ich auf diesem Weg erklären, was es damit auf sich hat.
    Stell dir vor, du hast einen Text geschrieben. Es ist ein wissenschaftlicher Text oder eine kleine Kindergeschichte oder vielleicht ist es auch kein Text, sondern ein gemaltes Bild. Ohne dass du etwas tust, besitzt du an dieser Schöpfung das Urheberrecht. Es geht hier um dein geistiges Eigentum. Es geht um ein Werk, das du geschaffen hast.
    Wenn du ein Erfinder bist, dann schützt ein Patent deine Erfindung. Beim Urheberrecht geht es um die Wissenschaft, die Kunst und Literatur. Du bleibst Urheber deiner Werke. Erst 70 Jahre nach deinem Tod werden die Werke gemeinfrei. Bis dahin bekommen beispielsweise noch deine Erben das Geld, das du mit deinen Werken verdient hast. Das Urheberrecht kann also vererbt werden. Du kannst es aber nicht zu Lebzeiten an jemanden übertragen, es bleibt immer dein eigenes Urheberrecht.
    In Deutschland wird dieses Recht sehr ernst genommen. Wer dagegen verstößt, kann eine Geldstrafe bezahlen müssen. Im schlimmsten Fall muss er für bis zu drei Jahre ins Gefängnis.
    Erst im 19. Jahrhundert wurden die Werke von Autoren und Künstlern langsam geschützt. Erst gab es eine zehnjährige Schutzfrist des Werkes, dann eine die bis 30 Jahre nach dem Tod des Künstlers reichte. Das heute gültige deutsche Gesetz gibt es seit 1965.
    Noch kurz zu pro und contra in dieser Sache: Gut am Urheberrecht ist, dass Autoren und Künstler geschützt werden. Wenn alles einfach kopiert werden dürfte, hätten die Kreativen keine Einnahmequelle mehr. So aber ist ihre Arbeit geschützt, in die sie viel Zeit und Energie investiert haben.
    Kritisiert wird oft, dass die Kreativität durch das Urheberrecht eher gehemmt wird. Denn ein Musiker darf zum Beispiel nicht kleine Teile eines anderen Musikstückes verwenden, ohne die Erlaubnis des Urhebers zu haben. So etwas wie Mashups sind daher rechtlich schwierig.
    Ich selber finde es wichtig, dass es das Urheberrecht gibt. Allerdings gibt es in Deutschland eine zweite Sache, die eng damit zusammenhängt: Abmahnungen. Zwei davon habe ich bereits für Slow German erhalten. Das bedeutet, dass ein Anwalt mir schreibt, ich hätte unrechtmäßig (also verboten) ein Foto benutzt. Ich muss Strafe zahlen und versprechen, das nie wieder zu tun. Oder ich kann vor Gericht gehen. Einige hundert Euro musste ich dafür schon bezahlen. Wie das passiert ist? Ich habe Fotos verwendet, die in der Wikipedia als gemeinfrei gekennzeichnet waren. Das stimmte aber nicht. Der Fotograf hat mich danach abgemahnt. Seitdem habe ich nur noch garantiert gemeinfreie Bilder auf meiner Internetseite oder Bilder, die ich selber gemacht habe oder Freunde von mir. Ich habe meine Lektion gelernt. Es gibt dazu ein passendes Sprichwort: Aus Schaden wird man klug.
    Hier noch zwei interessante Videos zum Thema:
    Text der Episode als PDF: https://slowgerman.com/folgen/sg207kurz.pdf
    7 min

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