Slow German
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Slow German episodes

  • Going shopping. Absolute Beginner #07
    Going shopping. Absolute Beginner #07Show Podcast Information



    Welcome to Absolute Beginner Nr. 7. Let's go shopping today! First of all there's a difference. We use the word „shopping“ when it's buying something for fun, like clothes or DVDs. But we use the German word „Einkaufen“ if we want to go grocery shopping. Let's start with that. Imagine we are in a supermarket. You need a shopping cart for all the things you want to buy. You don't see them so you ask somebody: „Entschuldigung, wo sind die Einkaufswagen?“ If you want to buy only a few things, you don't need a shopping cart, but a small basket. You ask: „Entschuldigung, wo sind die Einkaufskörbe“?



    Then you go and pick up the things you need. Let's say you can't find mustard. Then you ask: „Entschuldigung, wo finde ich den Senf?“ Or „Entschuldigung, wo ist der Senf?“. You see, all these questions start with „Entschuldigung“. It just means „excuse me“ and is a polite way to catch somebody's attention. „Entschuldigung“.



    You then go to the „Kasse“ to pay. Maybe the cashier asks you: „Brauchen Sie eine Tüte?“ If you want to have a bag to put your groceries in, you say: „Ja, bitte“. If not you say: „Nein, danke“. Usually these bags cost money in supermarkets, but not in clothing stores. If you want to pay cash, then please go ahead. If not, you say: „Ich möchte bitte mit Karte zahlen“. Or shorter: „Mit Karte bitte“. Then you can pay with debit card, sometimes even with credit card, although they are not as common in Germany as in some other countries. Before you leave the store you can say „Auf Wiedersehen“ to the cashier.



    Let's go shopping now, to a clothing store. You want to try on a pair of jeans, but can't find the dressing room. You ask somebody working there: „Entschuldigung, wo sind die Umkleiden?“ If you are in the dressing room, maybe somebody will ask you: „Passt alles?“ meaning something like: „Does it fit well?“ You can answer with: „Ja, danke“ or with: „Nein, die Hose ist zu klein“ or „Nein, die Hose ist zu groß“ or „Nein, die Hose ist zu eng“ or „Nein, die Hose ist zu lang“. You see, there's many things that can be wrong with a pair of pants. „Klein“ means small, „groß“ means big, „eng“ means tight and „lang“ means long. Oh, I almost forgot the pants can be too short, too. „Nein, die Hose ist zu kurz“. That never happens to me. ;-)



    Maybe you see something but you can't decide whether to buy it or not. You want them to hold on to it for you until you make your decision. You say: „Können Sie mir das bitte zurücklegen?“ or „Kann ich das bitte zurücklegen lassen?“



    Or did you buy something and realized it was too small? Then take it back and say: „Ich möchte das bitte umtauschen“, to exchange it for the right size.



    Well, that's it for today. Viel Spaß beim Einkaufen! Have fun shopping!
    6 min
  • SG #110: Das Hofbräuhaus in München
    Es gab einmal einen Herzog in Bayern, er hieß Wilhelm V. Ein Herzog ist ein hohes Mitglied des Adels, in England wäre das ein Duke. Dieser Herzog jedenfalls wollte am Wittelsbacher Hof, also dem Sitz seiner Familie, immer genügend Bier zur Verfügung haben. Das Bier musste er von kleinen privaten Brauereien kaufen – oder sogar aus anderen Bundesländern importieren. Das wollte er nicht mehr, weil es zu teuer war. Er wollte lieber, dass in München selber Bier gebraut wurde. Also gab er den Auftrag, ein Hofbräuhaus zu bauen. Das war 1589. Und diese Geschichte ist kein Märchen, sondern wahr.Jetzt wisst Ihr also schon einmal, woher das Hofbräuhaus seinen Namen hat: Hof, weil es den Hof beliefern sollte, also die Adeligen. Bräu weil hier Bier gebraut wurde – und Haus ist klar, oder?Im Hofbräuhaus wurde Braunbier gebraut. Etwas anderes durfte man hier nicht brauen, denn Weißbier durfte nur eine Familie im Bayerischen Wald brauen. Als der letzte Nachkomme dieser Familie starb, sicherte sich der Sohn des Herzogs dieses Recht. Somit durfte im Hofbräuhaus auch Weißbier gebraut werden. Schnell wurde das Bier beliebt und das Hofbräuhaus wurde zu klein, also musste ein Neubau her – am heutigen „Platzl“. Ab 1608 wurden hier Braunbier und Weißbier gebraut. Ab 1610 durften auch Wirte und normale Bürger das Bier kaufen.1828 erlaubte dann König Ludwig I., dass im Hofbräuhaus auch gleich getrunken werden durfte – vorher war es sozusagen nur die Fabrik für Bier. Bald kamen die ersten Touristen. Das Hofbräuhaus wurde dann verlegt, und zwar in die Innere Wiener Straße – dort ist auch heute noch der Hofbräukeller ein beliebter Gasthof mit großem Biergarten. Hier wurde von nun an das Bier gebraut. Nach einigen Umbau- und Neubauarbeiten wurde das Hofbräuhaus am Platzl 1897 zum Gasthof ohne Brauerei – so wie wir es heute kennen.Im Hofbräuhaus wurde nicht nur Bier gemacht, sondern auch Politik: Hier wurde 1919 die Münchner Räterepublik ausgerufen und die Brauerei gehörte von nun an dem Staat. Noch etwas passierte hier – leider mit weitreichenden Folgen: 1920 wurde im Hofbräuhaus die NSDAP gegründet. 1945, also gegen Ende des Zweiten Weltkrieges, wurde das Hofbräuhaus zerstört – danach wieder aufgebaut.
    Das Hofbräuhaus heute
    Bierkrüge der Stammgäste im Hofbräuhaus / (c) Christian Eickmann, https://travelchrismunich.wordpress.com/munchen-i/
    Täglich kommen nun bis zu 35.000 Besucher hierher. Heute ist das Hofbräuhaus eine große Gaststätte, die natürlich für Touristen weiterhin interessant ist. Aber auch viele Einheimische kommen regelmäßig hierher, es gibt Stammtische für die Stammgäste, sie haben hier sogar ihre eigenen Bierkrüge „geparkt“. Meistens gibt es zum Essen und dem Bier traditionelle bayerische Blasmusik. Und im Sommer kann man wunderbar im Innenhof im Biergarten sitzen. Insgesamt haben 3500 Menschen Platz im Münchner Hofbräuhaus.Auf dem Oktoberfest gibt es ein Hofbräu-Festzelt – es gehört zu den größten Zelten auf der Wiesn. Hier können 10.000 Menschen gleichzeitig feiern! Seit 1987 wird nicht mehr in der Innenstadt das Bier gebraut, sondern am Stadtrand, in München-Riem. Hier im Osten der Stadt ist auch die Messe München angesiedelt.Wenn Ihr in den USA lebt, könnt Ihr übrigens auch in ein echtes Hofbräuhaus gehen: Es wurde 2004 in Las Vegas eröffnet. Auch in Tokio steht eines, in Dubai und in Seoul. Hofbräu ist zum Franchise-System geworden. In diesem Sinne: Prost!
    Text der Episode als PDF: https://slowgerman.com/folgen/sg110kurz.pdf
    7 min
  • SG #109: FKK
    Wisst Ihr, was FKK ist? Die Abkürzung steht für Freikörperkultur. Ihr kennt das vielleicht als Nudismus. Es geht kurz und knapp um nackte Menschen. 1898 gab es in Essen den ersten FKK-Verein. Während man früher oft nackt gebadet hatte, wurde das immer mehr ein Tabu. Man zeigte sich nicht mehr nackt in der Öffentlichkeit, das galt als unmoralisch. Die FKK-Vereine wollten aber wieder zurück zur Natur. Für sie war Nacktheit nichts unmoralisches oder verwerfliches, sondern etwas ganz natürliches.
    Vor allem in der DDR setzte sich die Freikörperkultur durch. An vielen Badeseen und am Meer gab es eigene FKK-Bereiche. Nacktheit wurde von vielen Bürgern toleriert.Es gibt sogar eine Studie, die besagt, dass Deutschland weltweit die größte Akzeptanz von Nacktheit hat – angeblich waren ein Drittel der befragten Deutschen schon einmal nackt in der Öffentlichkeit unterwegs. Die meisten von ihnen haben wahrscheinlich nackt in einem See gebadet.Verboten ist es jedenfalls nicht, in Deutschland an einem See oder am Meer nackt zu sein. Hier in München ist es sogar eine touristische Attraktion: An einem bestimmten Ort in München sieht man nämlich bei schönem Wetter immer nackte Menschen. Im Englischen Garten, dem größten Park Münchens, gibt es einen kleinen Bach, der mitten durch das Gelände verläuft. An diesem Bach liegen im Sommer viele Menschen, und in einem bestimmten Bereich eben auch nackte Menschen. Die Münchner nennen sie „die Nackerten“. Es wirkt irgendwie ganz normal und natürlich, wenn die Menschen sich dort nicht anziehen, sondern so wie sie sind herumliegen. Man sagt dazu übrigens auch „so wie Gott sie schuf“. Also unbekleidet. Komisch ist es immer nur, wenn man selbst dort vollständig bekleidet spazieren geht – das wirkt immer, als wäre man ein Spanner. Ein Spanner ist ein Mensch, der nackte Menschen anglotzt, und zwar mit eindeutigem sexuellem Hintergrund.
    Und nur um das noch einmal klarzustellen: FKK hat nichts mit Sexualität zu tun, es bedeutet nicht, dass hier Orgien stattfinden oder dass die Männer hier sofort über jede Frau herfallen. Nackt sind hier alte Menschen genau wie junge, Senioren wie Kinder, Männer und Frauen. Und es stört niemanden.
    Wie ist das in Eurem Land? Darf man sich nackt in der Öffentlichkeit aufhalten? Wie steht Ihr dazu? Ich freue mich über Eure Kommentare!
    Text der Episode als PDF: https://slowgerman.com/folgen/sg109kurz.pdf
    6 min
  • SG #108: München
    Die Sommerpause ist vorbei – jetzt geht es endlich weiter! Danke für Eure Geduld.Das kann doch gar nicht wahr sein, dass ich noch keine Episode über meine Heimatstadt München gemacht habe! Ich lebe hier schon fast mein ganzes Leben lang und ich liebe diese Stadt. Es ist nicht einfach, eine Stadt in fünf Minuten zu beschreiben, aber ich werde es versuchen. Ich möchte Euch jetzt einfach alles erzählen, was mir spontan dazu einfällt, ok?München ist bekannt als „großes Dorf“. Es fühlt sich nicht an wie eine Stadt, sondern alles ist eher klein und gemütlich. Das hat mehrere Gründe. Zum einen ist München wirklich eine eher kleine Stadt – 1,4 Millionen Menschen leben hier. Zum anderen gibt es eine Regel, nach der in München keine Hochhäuser gebaut werden dürfen – nichts darf in der Innenstadt höher sein als die Frauenkirche, das Wahrzeichen Münchens. Die Frauenkirche ist eine große Kirche in der Nähe des Marienplatzes, mitten im Zentrum von München. Sie hat zwei Türme.
    Wenn ich an München denke, denke ich an die Isar. Die Isar ist ein recht kleiner Fluss, der durch die Stadt fließt. Hier fahren keine Schiffe, aber es gibt ein breites, steiniges Ufer. Hier gehen viele Menschen im Sommer gerne spazieren oder sie legen sich ans Wasser – oder sie grillen.An einer Stelle kann man in München übrigens sogar surfen – es gibt einen kleinen Bach, den Eisbach in der Nähe des Haus der Kunst, der eine künstliche Welle hat. Und hier sieht man bei jedem Wetter Männer und Frauen in Neoprenanzügen surfen.
    Ich denke an den riesigen Englischen Garten, den Park mitten in München, Münchens „grüne Lunge“. Ich denke an das Olympiazentrum, in dem 1972 die olympischen Spiele stattfanden – und leider auch das Olympia-Attentat einer palästinensischen Terrorgruppe.
    Zurück zu den schönen Seiten: München wird gerne „die nördlichste Stadt Italiens“ genannt, weil die Lebensart eher südländisch ist. Natürlich gehört das Oktoberfest zu München – jedes Jahr kommen sechs Millionen Besucher auf das größte Volksfest der Welt. Die Einheimischen tragen dann gerne Dirndl und Lederhosen, also Tracht. Das tun sie auch gerne, wenn sie in den Biergarten gehen. In München gibt es noch viele alte, traditionelle Brauereien, wie beispielsweise Augustiner. Was noch? BMW natürlich. München ist die Stadt der BMWs, nirgendwo auf der Welt fahren so viele BMWs durch die Gegend wie hier.
    Politisch gesehen ist München rot. Während der Rest Bayerns größtenteils von der CSU regiert wird, also von den so genannten „Christsozialen“, den „Schwarzen“, ist München schon seit vielen, vielen Jahren in der Hand der SPD, der Sozialdemokraten, deren Farbe Rot ist. Das heißt, es gibt hier einen SPD-Bürgermeister. Und auch sonst ist München zwar die Landeshauptstadt von Bayern, aber auch irgendwie eine Insel. Vieles ist hier anders. Die Menschen sprechen zum Beispiel ein eher sanftes Bayerisch, wenn überhaupt.
    Wenn ich an München denke, denke ich an die vielen Kunstmuseen, an das Deutsche Museum, das größte Technikmuseum der Welt. Aber ich denke auch an die düsteren Kapitel der Stadt. Adolf Hitler liebte München, und er lebte hier. Er nannte München die „Hauptstadt der Bewegung“. Im zweiten Weltkrieg wurden 90 Prozent der Altstadt zerstört. Noch heute gibt es viele Zeichen dafür, was der Krieg hier angerichtet hat. Und viele Denkmäler und Mahnmale. Das ist richtig und wichtig. Es gehört zur Stadt dazu.
    Ich lebe gerne in München. München ist gemütlich und sicher, sauber und bequem. Und ich bin stolz darauf, wie die Münchner die vielen Flüchtlinge aus Syrien und anderen Ländern in den vergangenen Wochen und Monaten aufgenommen haben. Sie waren hilfsbereit und warmherzig.
    Wart Ihr schon einmal in München? Was fällt Euch ein, wenn Ihr an meine Stadt denkt? Ich freue mich auf Eure Kommentare!Die schneller gesprochene Version dieser Folge findet Ihr übrigens wie immer im Premium Podcast. Ebenso Lernmaterial. Näheres dazu auf slowgerman.com.
    Text der Episode als PDF: https://slowgerman.com/folgen/sg108kurz.pdf
    8 min
  • SG #107: Kaffee und Kuchen
    Die Deutschen sind nicht gerade als Gourmets bekannt. Für viele von uns ist Essen nur Nahrungsaufnahme – kein Genuss. Aber was gibt es Schöneres auf der Welt, als etwas Leckeres zu trinken und zu essen? Deswegen möchte ich Euch heute eine typisch deutsche Angewohnheit näherbringen: Kaffee und Kuchen.
    Die klassische Zeit für Kaffee und Kuchen ist der Sonntag. Man schläft länger als sonst, steht dann langsam auf, frühstückt ausgiebig, liest vielleicht eine Zeitung, isst lecker zu Mittag und geht dann spazieren. Das natürlich alles am Besten mit Freunden und der Familie. Gerne auch mit mehreren Generationen. Geht mal am Sonntag in einen deutschen Park – Ihr werdet sehen, wie viele Menschen sich dort tummeln. Sie gehen spazieren, unterhalten sich, besehen sich die Landschaft und freuen sich, dass sie nicht arbeiten müssen.
    Wer dann ein paar Kilometer hinter sich gebracht hat, der braucht natürlich eine Belohnung. Und diese Belohnung ist Kaffee und Kuchen. Hier gibt es zwei Varianten: Entweder man geht in ein Café und bestellt dort, oder man backt selbst und isst zu Hause.Klassische Kuchen für den Sonntagnachmittag sind beispielsweise Käsekuchen mit Sahne oder Marmorkuchen in Gugelhupf-Form oder auch verschiedene Varianten von Apfelkuchen. Ein Foto von einem Gugelhupf stelle ich Euch auf slowgerman.com, damit Ihr wisst, was das ist:
    Es gibt auch Kuchen, die in verschiedenen Regionen von Deutschland ihren Ursprung haben: Die Schwarzwälder Kirschtorte zum Beispiel oder der Frankfurter Kranz. Rezepte verlinke ich Euch natürlich auch auf slowgerman.com.Wer es traditionell mag, der hat sogar ein bestimmtes Sonntagsgeschirr – ein besonders schönes oder teures Service, das nur am Sonntag benutzt wird. Manche essen während der Woche am Küchentisch – und nur am Sonntag dann am schönen Esstisch im Esszimmer. Die jüngeren Deutschen machen das beides nicht mehr – weil sie meistens gar kein Esszimmer haben in ihren kleineren Wohnungen. Aber die Tradition von Kaffee und Kuchen gibt es weiterhin. Bei uns auch – wobei das Lustige ist, dass wir meistens Tee trinken und Kuchen essen, es aber trotzdem Kaffee und Kuchen nennen. Das ist einfach ein feststehender Begriff.
    Wer sich aber für Kaffee entscheidet, der trinkt heute meistens moderne italienische Kaffee-Varianten wie Cappuccino oder Latte Macchiato, während es früher eher der klassische Filterkaffee war.Es gibt übrigens noch eine Variante dieser Zwischenmahlzeit am Sonntag: Das Kaffeekränzchen oder den Kaffeeklatsch. Dazu treffen sich meist Frauen während der Woche am Nachmittag. Sie essen ebenfalls Kuchen, trinken Kaffee und reden. Wenn sie über andere Leute reden, nennt man das tratschen. Die Frauen wechseln sich mit dem Kuchenbacken ab, so dass Jede Mal die Gastgeberin ist. Wer tagsüber arbeitet, der hat für diese Treffen natürlich keine Zeit. Aber dafür gibt es ja Kaffee und Kuchen am Sonntag.Gibt es so eine Tradition auch in Eurem Land? Erzählt gerne davon in der Kommentarfunktion auf slowgerman.com, bei Facebook oder Twitter. Ich bin gespannt!
    Kuchenrezepte:Schwarzwälder KirschFrankfurter KranzMarmorkuchenKäsekuchen
    Text der Episode als PDF: https://slowgerman.com/folgen/sg107kurz.pdf
    6 min
  • SG #106: Die Schultüte
    Derzeit sind in Deutschland Sommerferien. Die Schulkinder haben frei, und zwar sechs Wochen lang. Auch viele Kindergärten schließen ihre Türen, dann aber meistens nur zwei bis drei Wochen lang.
    Viele deutsche Kinder gehen in den Kindergarten. Sie beginnen ihre Zeit im Kindergarten, wenn sie drei Jahre alt sind, und gehen bis zum Schuleintritt in den Kindergarten. Wenn sie dann vom Kindergarten in die Schule wechseln, ist das natürlich ein großer Schritt. Aus Kindergartenkinder werden Schulkinder. Jetzt wird nicht mehr nur gespielt, sondern auch gelernt. Die Schulanfänger nennt man ABC-Schützen. Der erste Schultag spielt in ihrem Leben natürlich eine große Rolle.
    Der erste Schultag wird gefeiert, und zwar meistens mit der ganzen Familie. Das Schulkind wird schick angezogen und bekommt eine Schultüte, und über diese Schultüte möchte ich Euch heute mehr erzählen. Die Schultüte oder auch Zuckertüte genannt ist rund 70-80 Zentimeter lang, also fast so groß wie das Kind selbst. Sie läuft spitz zu und hat oben meist einen Verschluss. Man kann Schultüten natürlich kaufen, aber viele Kindergartenkinder basteln ihre eigene Schultüte im Kindergarten. Sie rollen dazu festen Karton zu einer Tüte und kleben ihn fest. Dann verzieren sie die Schultüte mit all dem, was sie gerne mögen: mit Glitzeraufklebern, aus Katalogen ausgeschnittenen Bildern, kleinen Steinen oder anderen Dingen.
    Die Schultüte wird dann von den Eltern gefüllt. Diese Tradition gibt es schon seit 1810. Damals bekamen die Kinder Nüsse, Früchte und Süßes in ihre Schultüten. Als ich ein Kind war bekam ich in der Schultüte Süßigkeiten geschenkt und ein Federmäppchen mit Stiften für die Schule. Heute werden die Inhalte immer teurer, es sind Spielsachen in den Schultüten und kleine Überraschungen. Die Kinder bekommen ihre Schultüte am Morgen des ersten Schultages. Dann gehen sie mit ihren Eltern in die neue Schule, werden dort von den Lehrern begrüßt und gefeiert. Nach dem ersten Schultag dürfen die Kinder dann endlich ihre Schultüten auspacken. So wird der erste Schultag fast zu einer Art Weihnachten – die Kinder sollen den Schulstart positiv in Erinnerung behalten.
    Damit diese Erinnerung auch Jahrzehnte später noch funktioniert gehört es natürlich dazu, das Kind mit der Schultüte zu fotografieren. Wenn Ihr neugierig seid, wie ich mit meiner Schultüte aussah, dann geht auf slowgerman.com – dort werde ich ein Foto veröffentlichen. Ihr dürft gerne darüber lachen... Wenn Ihr auch ähnliche Fotos von Eurem ersten Schultag habt, würde es mich freuen, wenn Ihr sie bei Facebook postet oder per Twitter!
    Text der Episode als PDF: https://slowgerman.com/folgen/sg106kurz.pdf
    6 min
  • SG #105: Die Tagesschau
    Natürlich ändert sich das Fernsehprogramm ständig. Mal sind Talkshows gefragt, mal Spiele-Sendungen, mal Reality-Shows. Ihr merkt mal wieder: Auch hier hat das Denglisch bei uns Einzug gehalten. Jedenfalls gibt es einige wenige Sendungen, die es schon sehr lange gibt. Eine davon – wahrscheinlich die bekannteste – ist die „Tagesschau“.
    Die Tagesschau ist eine klassische Nachrichtensendung. Sie läuft in „Das Erste“, dem ersten deutschen Fernsehprogramm. Die Tagesschau beginnt um 20 Uhr, also um acht Uhr abends. Und weil sie schon immer zu dieser Zeit beginnt, haben sich alle anderen Sendungen an ihr orientiert. Deswegen fängt bei uns das so genannte Hauptabendprogramm um 20.15 Uhr an – nach der Tagesschau. Das muss ich glaube ich noch einmal betonen: Nicht nur in „Das Erste“ fängt das Abendprogramm um 20.15 Uhr an, sondern in allen deutschen Fernsehprogrammen!
    Früher war es sogar so, dass man niemanden zwischen 20 Uhr und 20.15 Uhr angerufen hat – man telefonierte in dieser Zeit nicht, weil jeder die Tagesschau guckte. Heute ist das etwas entspannter geworden...Die Tagesschau gibt es seit dem 26. Dezember 1952. Damals hatte sie ungefähr 1000 Zuschauer. Heute sind es bis zu zehn Millionen. Gesendet wurde damals aus einem Bunker.
    Die Tagesschau wird in Hamburg produziert, und zwar vom öffentlich-rechtlichen Sender NDR, also dem Norddeutschen Rundfunk. Es gibt nicht mehr nur die Hauptausgabe um 20 Uhr, sondern viele weitere Nachrichtensendungen der Tagesschau über den Tag verteilt. Natürlich ist die Sendung über die Jahre moderner geworden, aber das Grundgerüst hat sich nicht verändert. Die Tagesschau beginnt mit einem Gongschlag und mit einer Erkennungsmelodie. Dann begrüßt ein Nachrichtensprecher oder eine Nachrichtensprecherin das Publikum – er oder sie steht hinter einem Pult und liest die Nachrichten zwar von einem Teleprompter ab, hat aber dennoch die Texte auf Papier ausgedruckt noch einmal vor sich.
    Die Tagesschau strahlt Seriosität aus, das soll sich auch im Erscheinungsbild zeigen. Hier wird klassischer Journalismus gemacht: Das Wichtigste kommt zuerst, dabei geht es nicht nur um Nachrichten aus Deutschland, sondern um das Wichtigste aus aller Welt. Die Tagesschau-Redaktion kann sich auf ein Netz aus Korrespondenten auf der ganzen Welt verlassen. Während andere deutsche Nachrichtensendungen gerne auch mal Meldungen aus der Welt des Boulevards verkünden, hält sich die Tagesschau damit sehr zurück. Am Ende der Sendung kommt der Wetterbericht, es werden auch die Lottozahlen verkündet oder die aktuellen Börsenwerte.
    Der größte Konkurrent der Tagesschau ist „heute“, die Nachrichtensendung vom Zweiten Deutschen Fernsehen (ZDF). Beide Sendungen haben einen großen Bruder. Später am Abend kommen die „Tagesthemen“, eine längere Nachrichtensendung, die angereichert ist mit Interviews und Kommentaren. Im ZDF gibt es das „heute journal“, das ähnlich gestrickt ist.
    Es gibt übrigens auch eine gute Tagesschau-App für das Smartphone, die Eilmeldungen blitzschnell per Push-Nachricht vermeldet. So weiß man immer, was in der Welt gerade geschieht.
    Das war es für heute – schaut Euch doch die Tagesschau einmal an, es gibt sie auch als Podcast! Und ich danke Euch sehr für die lieben Geschenke – drei von Euch hatten mir Wünsche von meinem Amazon-Wunschzettel erfüllt, das hat mich sehr gefreut. Danke auch für Eure Unterstützung in Form von PayPal-Spenden! Schöne Grüße aus dem heißen Deutschland, Eure Annik.
    Text der Episode als PDF: https://slowgerman.com/folgen/sg105kurz.pdf
    7 min
  • SG #104: Halligen und Watt
    Ich lebe in Süddeutschland, genauer gesagt in Bayern. Ganz am anderen Ende von Deutschland gibt es etwas, von dem ich Euch heute erzählen möchte: das Watt. Das gibt es zum Beispiel an der Nordsee.
    Ein Watt ist eine Fläche an der Küste. Wenn das Meer sich bei Ebbe zurückzieht, wird diese Fläche trocken – zumindest mehr oder weniger. Es wird eher eine matschige Ebene. Dabei handelt es sich nicht nur um wenige Meter, sondern wirklich breite Abschnitte.Wenn Ebbe ist, kann man wunderbare Wattwanderungen machen. Denn es gibt viel zu sehen: Zum Beispiel wuseln Strandkrabben hin und her, man sieht Wattwürmer und Schnecken. Kinder spielen gerne im Watt, man kann auch mit Pferden durch das Watt reiten. Aber man muss vorsichtig sein – denn zwei Mal in 24 Stunden kommt die Flut, und das kann mitunter sehr schnell gehen. Wer dann zu weit vom Festland entfernt ist, für den wird es gefährlich.Wenn wir schon über die Küste reden, muss ich natürlich auch die Halligen erwähnen. Die Halligen sind kleine Inseln an der Nordseeküste. Es gibt zehn Halligen, sieben davon sind bewohnt. Die Halligen sind sehr flach, sie ragen nur wenige Meter aus dem Meer heraus – wenn eine starke Flut kommt oder ein Sturm, dann werden sie überschwemmt. Deswegen müssen die Pflanzen hier Salzwasser vertragen – und das tun sie auch. Die Häuser stehen auf künstlich aufgeschütteten Hügeln, damit sie trocken bleiben.
    Rund 230 Menschen leben auf den sieben deutschen Halligen. Auf der größten Hallig leben 100 Menschen, auf den kleinen nur 2. Alles, was sie zum Leben brauchen, muss vom Festland entweder per Boot oder mit einer Lore zu den Inseln gebracht werden. Das ist ein kleines Fahrzeug auf Schienen. So wird auch die Post geliefert. Wenn es stürmt sind die Halligen vom Festland abgeschnitten, dann müssen sie auf besseres Wetter warten, bis der Postbote sich wieder auf den Weg machen kann.Mittlerweile leben die meisten Menschen auf den Halligen vom Tourismus. Es ist eine ganz andere Art von Leben, ohne Autos, ohne Komfort. Schwierig wird es nur für die Kinder, die auf den Halligen heranwachsen – sie müssen irgendwann zum Studium oder für die Berufsausbildung aufs Festland umziehen.
    Text der Episode als PDF: https://slowgerman.com/folgen/sg104kurz.pdf
    5 min
  • SG #103: Spargel
    Gerade ist in Deutschland Spargelzeit. Spargel ist ein Gemüse, auf das sich die Deutschen das ganze Jahr freuen – es gibt ihn nur im Frühjahr. Kein Gemüse wird in Deutschland auf so großen Flächen angebaut wie Spargel. Deutschland ist von allen europäischen Ländern der fleißigste Spargel-Lieferant. Ich werde Euch heute etwas darüber erzählen.
    Es gibt in Deutschland viele Regionen, die für ihren Spargel berühmt sind. Hier in Bayern sind das beispielsweise Schrobenhausen und Abensberg. Wer im Frühjahr durch diese Gegenden fährt, der sieht auf den Feldern die typischen Spargelanbauten: Das sind ungefähr kniehohe aufgeschüttete Hügel, die oben flach sind. Man kann diese Hügel auch Wall nennen. Viele derartige Reihen haben auf einem Feld Platz.
    Unter der sandigen Erde wächst der Spargel heran – und sobald er oben aus der Erde guckt, wird die Wurzel abgeschnitten. Man nennt das Spargel stechen – denn dazu wird ein spezielles Messer verwendet, das den Spargel unter der Erde absticht. Eine anstrengende Arbeit auf dem Feld – da alles recht schnell gehen muss, werden meistens Erntehelfer aus dem Ausland dafür engagiert. Zweimal am Tag, morgens und abends, gehen die Erntehelfer über das Feld und sehen nach, ob neuer Spargel durch die Erde gewachsen ist.
    Bereits im März kann man den ersten Spargel aus Deutschland kaufen – dieser ist dann jedoch sehr teuer und stammt von Feldern, die sozusagen eine Heizung eingebaut haben, damit er schneller wächst. Während in vielen anderen Ländern vor allem der grüne Spargel gegessen wird, essen wir gerne weißen Spargel. Er ist dicker und muss unbedingt geschält werden, sonst schmeckt er nicht.Ein traditionelles Essen besteht aus gekochtem Spargel mit einer sehr fetten Sauce Hollandaise oder zerlassener Butter und Kartoffeln. Dazu gibt es entweder gekochten Schinken, ein kleines Schnitzel oder Steak. Ich habe ein Saucenrezept von meiner Mama, das ich lieber mag: Frischkäse mit Orangensaft und Kresse gekocht – das schmeckt frisch und ist nicht so fettig.
    Natürlich kann man aus Spargel auch eine wunderbare Spargel-Cremesuppe kochen. Oder man lässt den Spargel abkühlen und isst ihn mit Essig und Öl als Salat.
    Ihr merkt schon: Die Deutschen sind süchtig nach Spargel. Wir lieben dieses Gemüse. Zum Glück ist es gesund, Spargel zu essen. Am 24. Juni ist die Spargelzeit vorbei – dann essen wir wieder andere Gemüse. Aber bis dahin wünsche ich Euch guten Appetit!
    Text der Episode als PDF: https://slowgerman.com/folgen/sg103kurz.pdf
    5 min
  • SG #102: Gewerkschaften und Streiks
    Deutschland ist derzeit im Chaos versunken. Naja, ganz so schlimm ist es nicht – aber dieses Jahr haben besonders viele Streiks stattgefunden. Darüber möchte ich Euch heute etwas erzählen.Es gibt in Deutschland viele Gewerkschaften. In einer Gewerkschaft tun sich Menschen zusammen, um ihre Arbeitssituation zu sichern und zu verbessern. Es gibt beispielsweise eine Gewerkschaft, die die Lokführer vertritt. Eine Gewerkschaft, die Dienstleistungsberufe vertritt. Eine Gewerkschaft für Ärzte, eine für Landwirte, eine für die Polizei und so weiter.
    Eine Mitgliedschaft ist keine Pflicht – aber man kann sich in einer Gewerkschaft engagieren. Dazu wird man Mitglied und zahlt einen jährlichen Beitrag. Dafür bekommt man dann unterschiedliche Leistungen. Ich bin beispielsweise in einer Gewerkschaft, die mir rechtlichen Beistand gibt, wenn ich ein berufliches Problem habe. Sie bezahlt mir sozusagen einen Rechtsanwalt.Die ersten deutschen Gewerkschaften gab es vor ungefähr 150 Jahren. Damals gab es Streiks und Arbeitskämpfe, weil die Arbeiterklasse am Existenzminimum lebte, während es den Unternehmern und Herrschenden so gut ging wie noch nie.
    Heute sind die Forderungen ähnlich. Die Arbeiter wollen gerechte Löhne. Sie wollen genug Geld verdienen, um ihren Job gut machen zu können und gut leben zu können. In Deutschland streiken derzeit zwei Berufsgruppen: Die Lokführer und die Erzieher. Das bedeutet: Der Eisenbahnverkehr ist momentan sehr eingeschränkt, und die Kindergärten haben geschlossen. Eltern müssen Lösungen finden, wie ihre Kinder dennoch betreut werden können, damit sie weiter arbeiten können. Wer Großeltern in der Nähe hat, hat Glück. Viele andere nehmen die Kinder mit in die Arbeit, nehmen Urlaub oder wechseln sich mit der Kinderbetreuung ab. Eine schwierige Situation. Die Erzieher rufen währenddessen zu Demonstrationen auf und machen ihren Kampf sichtbar.
    Oft geht es bei Streiks um die Tarifverträge. Diese Verträge sind für die ganze Branche vereinbart und legen beispielsweise das Gehalt von Erziehern fest. Tarifverträge müssen immer wieder an die aktuelle Situation des Landes angepasst werden. Man streitet also um Geld, um Arbeitszeiten, um Urlaubsansprüche, um Rentenansprüche – und wenn sich die Parteien (in diesem Fall die Gewerkschaft und die Arbeitgeber) nicht einig werden, streiken die Erzieher. Dies baut einen enormen Druck auf die Verhandlungen auf, ist aber das gute Recht von den Angestellten. Auch wenn die Bevölkerung selbst dann darunter leidet.Im Fall der Erzieher ist das Verständnis für die Streiks in der Bevölkerung recht hoch. Jeder weiß, wie wichtig der Job der Erzieher ist, und wie schlecht sie bezahlt werden. Hier in München können sich viele Erzieher nicht leisten, die Miete einer Wohnung zu bezahlen. Sie wohnen daher oft weit außerhalb und fahren zum Arbeiten in die Stadt.
    Weniger Verständnis haben die Menschen, wenn beispielsweise die Piloten streiken. Sie gehören zu einer privilegierten Berufsgruppe, sie verdienen viel Geld und haben eine gesicherte Altersversorgung. Dennoch haben natürlich auch sie das Recht, zu streiken und ihre Interessen zu vertreten. Wenn aber Flüge annulliert werden und die Menschen nicht in den Urlaub fliegen können, fehlt oft das Verständnis.Ähnlich ist es, wenn die Lokführer streiken – dann fahren keine Züge, die Menschen kommen nicht zur Arbeit, die Straßen sind verstopft weil es überall Staus gibt, die Menschen sind sauer. Ihr seht also – Arbeitskämpfe sind schwierig. Wie ist das in Eurem Land? Schreibt doch unter slowgerman.com in die Kommentarfunktion, es würde mich sehr interessieren!
    Übrigens: Für Premium Abonnenten gibt es jetzt auch Episoden, in denen ich Märchen vorlese. Viel Spaß damit!
    Text der Episode als PDF: https://slowgerman.com/folgen/sg102kurz.pdf
    7 min

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