Slow German
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Slow German episodes

  • Ostalgie – SG 295
    Heute geht es um ein besonderes Gefühl: Ostalgie. Das Wort setzt sich aus „Ost“ für Ostdeutschland und „Nostalgie“ zusammen. Es beschreibt die Sehnsucht nach Dingen aus der ehemaligen DDR. Aber warum gibt es Ostalgie überhaupt?
    Nach dem Fall der Berliner Mauer im Jahr 1989 veränderte sich das Leben vieler Menschen in Ostdeutschland schlagartig. Die DDR verschwand, und mit ihr auch viele Produkte, Gewohnheiten und Traditionen. Viele Menschen freuten sich über die Wiedervereinigung, doch manche hatten auch das Gefühl, dass ein Stück ihrer Identität verloren ging. Sie vermissten  bestimmte Dinge aus ihrem Alltag. Das können Produkte sein, wie die berühmten „Spreewaldgurken“, der „Rotkäppchen-Sekt“ oder die „Schwalbe“-Mopeds. Aber es geht auch um ein Lebensgefühl, das viele mit der DDR verbinden.
    Ein Beispiel ist die Arbeitswelt. In der DDR hatte jeder Mensch eine Arbeit, weil das System so organisiert war. Nach der Wiedervereinigung kamen plötzlich Arbeitslosigkeit und wirtschaftliche Unsicherheit. Viele Menschen fühlten sich orientierungslos. Auch soziale Strukturen veränderten sich. In der DDR gab es viele Gemeinschaftsaktivitäten, zum Beispiel in Wohngebieten oder Betrieben. Nach der Wiedervereinigung wurde das Leben individueller und viele vermissten das frühere Miteinander.
    Ostalgie zeigt sich auch in Filmen und Musik. Ein berühmtes Beispiel ist der wirklich wunderbare Film „Good Bye, Lenin!“ aus dem Jahr 2003. Er erzählt die Geschichte einer Frau, die im Koma liegt und nichts vom Mauerfall mitbekommt. Ihr Sohn versucht, die DDR für sie künstlich am Leben zu halten. Dieser Film hat viele Menschen berührt, weil er zeigt, wie sehr sich das Leben für Ostdeutsche verändert hat. Wenn du mehr dazu wissen möchtest, Folge 51 von Slow German beschäftigt sich mit diesem Film. Ich verlinke die Episode auf slowgerman.com: https://slowgerman.com/2009/04/27/slow-german-051-good-bye-lenin/
    Manche Menschen sammeln DDR-Produkte als Erinnerung. Es gibt sogar Ostalgie-Partys, bei denen alte DDR-Speisen serviert werden und Musik aus der Zeit gespielt wird. In Berlin gibt es das DDR-Museum, in dem man eine typische DDR-Wohnung sehen kann. In manchen Supermärkten gibt es eigene Regale mit Ost-Produkten. Auch wenn viele dieser Marken heute westlichen Firmen gehören, sind sie für viele Menschen ein Stück Vergangenheit.
    Natürlich gibt es auch Kritik an der Ostalgie. Manche sagen, dass sie die negativen Seiten der DDR vergisst oder sogar verdrängt. In der DDR gab es keine Reisefreiheit, keine Meinungsfreiheit und die Staatssicherheit hat viele Menschen überwacht. Doch für viele Ostalgiker geht es nicht um Politik, sondern um die kleinen Dinge des Alltags, die für sie eine besondere Bedeutung haben. Es ist eine Sentimentalität, die wir doch eigentlich alle kennen, wenn wir zum Beispiel an unsere Kindheit denken und die Dinge, die es damals gab und heute nicht mehr gibt. 
    Heute, mehr als 30 Jahre nach der Wiedervereinigung, ist Ostalgie immer noch ein Thema. Vor allem ältere Menschen erinnern sich gerne an ihre Jugend. Aber auch junge Leute interessieren sich für das Leben in der DDR, weil sie es nur aus Erzählungen kennen. Vielleicht hast du ja selbst schon einmal ein Produkt aus der DDR gesehen oder ausprobiert? Schreib gerne in die Kommentare, ich bin gespannt!
    Text der Episode als PDF: https://slowgerman.com/folgen/sg295kurz.pdf
    6 min
  • Made in Germany – SG 294
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    Im Moment passieren interessante Dinge auf der Welt. Zum Beispiel gibt es einen Streit zwischen Kanada und den USA. Dieser hat dazu geführt, dass in kanadischen Supermärkten oft US-amerikanische Produkte aus den Regalen entfernt wurden oder dass kanadische Produkte extra hervorgehoben wurden. Deswegen geht es heute um ein Thema, das dazu passt, und zwar das Siegel „Made in Germany“. Viele Menschen auf der ganzen Welt kennen diese drei Worte. Sie stehen für Qualität und Zuverlässigkeit. Aber wusstest du, dass dieses Siegel ursprünglich gar nicht positiv gemeint war?
    Die Geschichte von „Made in Germany“ beginnt in Großbritannien im Jahr 1887. Damals gab es dort ein Gesetz, das ausländische Produkte kennzeichnen sollte. Die Briten wollten ihre eigene Wirtschaft schützen. Vor allem wollten sie verhindern, dass billige und schlechte Kopien aus Deutschland verkauft wurden. „Made in Germany“ war also zuerst eine Warnung an die Kunden. Die Menschen in Großbritannien sollten erkennen, dass ein Produkt aus Deutschland kam – und es lieber nicht kaufen. 
    Doch etwas Unerwartetes geschah. Statt schlechte Produkte zu verkaufen, verbesserten die deutschen Hersteller ihre Qualität. Sie entwickelten neue Techniken und stellten immer bessere Waren her. Bald war „Made in Germany“ kein Warnzeichen mehr, sondern ein Gütesiegel. Ein Gütesiegel ist also ein Zeichen von besonders hoher Qualität.
    Deutsche Produkte wurden weltweit beliebt. Besonders in der Industrie, im Maschinenbau und in der Chemie waren deutsche Firmen sehr erfolgreich. Auch heute noch gibt es viele bekannte Marken aus Deutschland, zum Beispiel Mercedes-Benz, Siemens oder Bosch. Allerdings muss man aufpassen, denn manche Marken aus Deutschland wurden mittlerweile verkauft. Dann steckt hinter der deutsch klingenden Marke mit gutem Ruf zum Beispiel ein Produkt, das aus China stammt. Aber das ist ein anderes Thema.
    Besonders nach dem Zweiten Weltkrieg wurde „Made in Germany“ ein Symbol für den wirtschaftlichen Wiederaufbau. Deutschland lag in Trümmern, doch die Industrie wuchs schnell wieder. Produkte aus Deutschland standen für Langlebigkeit und Erfindergeist. Viele Menschen wollten zum Beispiel deutsche Autos fahren, weil sie sicher und gut verarbeitet waren. Volkswagen, BMW und Audi sind bis heute bekannte Marken.
    Früher bedeutete „Made in Germany“, dass ein Produkt komplett in Deutschland hergestellt wurde. Heute ist das oft anders. Viele Firmen haben Teile ihrer Produktion ins Ausland verlegt. Trotzdem dürfen die Produkte noch „Made in Germany“ tragen, wenn bestimmte Kriterien erfüllt sind. Zum Beispiel muss die sogenannte Endmontage in Deutschland erfolgen und auch die entscheidenden Produktionsschritte müssen hier im Land stattfinden. Das bedeutet, dass zwar einzelne Bauteile aus dem Ausland stammen dürfen, aber das fertige Produkt muss in Deutschland seine Hauptmerkmale bekommen. Es kann zum Beispiel auch sein, dass Forschung und Design in Deutschland stattgefunden haben, viele Teile der Produktion dann aber im Ausland erledigt werden, weil es dort einfach billiger ist. Manche Menschen finden das nicht gut, weil sie glauben, dass es die Bedeutung des Siegels schwächt. 
    2017 gab es eine internationale Studie, die herausfinden wollte, welches Siegel besonders angesehen ist bei den Menschen. Welches die Menschen also besonders gut finden. „Made in Germany“ belegte den ersten Platz von 52 Ländern. 
    Ich bin gespannt: was bedeutet für dich das Siegel „Made in Germany“? Steht es für etwas? Oder ist es dir einfach egal, woher ein Produkt kommt? Schreib gerne in die Kommentare!Text der Episode als PDF: https://slowgerman.com/folgen/sg294kurz.pdf
    7 min
  • Wissenschaft in Deutschland – SG 293
    Deutschland ist bekannt für seine Universitäten, seine Erfindungen und seine großen Wissenschaftler. Die Wissenschaft hat in Deutschland eine lange Tradition. Schon im Mittelalter gab es berühmte deutsche Gelehrte. Einer von ihnen war Albertus Magnus. Er lebte im 13. Jahrhundert und war einer der ersten Wissenschaftler, der versuchte, Naturgesetze genau zu beobachten und zu verstehen. Man nannte das damals einen Gelehrten. Später, in der Renaissance, wurde Johannes Kepler berühmt. Er entdeckte die Gesetze der Planetenbewegung und zeigte, dass sich die Planeten auf Ellipsen um die Sonne bewegen.
    Bahnbrechende deutsche Erfindungen
    Im 19. Jahrhundert gab es in Deutschland viele bahnbrechende Erfindungen. Einer der berühmtesten Wissenschaftler dieser Zeit war Alexander von Humboldt. Er reiste durch die Welt, sammelte Pflanzen und Tiere und erforschte das Klima und die Natur. Er gilt als einer der ersten Forscher, der erkannte, dass alles in der Natur miteinander verbunden ist. Ein anderer großer Name dieser Zeit ist Carl Benz, der das erste Auto erfand. 
    Das 20. Jahrhundert brachte große Erfolge, aber auch große Herausforderungen für die deutsche Wissenschaft. Albert Einstein ist einer der bekanntesten Wissenschaftler der Welt. Der Physiker wurde in Deutschland geboren und entwickelte die Relativitätstheorie. Seine berühmteste Formel lautet „E = mc²“. Aber er musste wie viele Wissenschaftler Deutschland in der Zeit des Nationalsozialismus verlassen, weil sie verfolgt wurden. Einstein ging nach Amerika. Das war ein großer Verlust für das Land.
    Nach dem Zweiten Weltkrieg entwickelte sich die Wissenschaft in Deutschland wieder stark. 1948 wurde die Max-Planck-Gesellschaft gegründet. Sie ist heute eine der wichtigsten wissenschaftlichen Organisationen in Deutschland. Auch die Fraunhofer-Gesellschaft und die Helmholtz-Gemeinschaft forschen an neuen Technologien. Ein großer Teil der Forschung ist die sogenannte Grundlagenforschung. Man versucht also nicht, etwas zu entdecken, mit dem man vor allem Geld verdienen kann. Vielmehr versucht man, die Dinge von Grund auf zu verstehen und Zusammenhänge zu erkennen. Auf dieser Grundlagenforschung können dann viele praktische Entwicklungen basieren. Deutsche Wissenschaftler entwickelten zum Beispiel den MP3-Standard, mit dem man Musik digital speichern kann. Ohne diese Erfindung gäbe es keine Musik-Streaming-Dienste! 
    Deutsche Universitäten
    Heute gibt es in Deutschland viele Universitäten und Forschungsinstitute. Besonders bekannt ist die Technische Universität München, die Universität Heidelberg und die Ludwig-Maximilians-Universität in München, an der ich studiert habe. Viele deutsche Universitäten gehören zu den besten der Welt. Wissenschaftler aus aller Welt kommen nach Deutschland, um hier zu forschen.
    Deutsche Wissenschaft spielt auch eine wichtige Rolle in der Raumfahrt. Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt arbeitet an vielen Projekten mit. Deutsche Astronauten waren schon auf der Internationalen Raumstation. Ein bekanntes Beispiel ist Alexander Gerst, der 2014 und 2018 ins All flog.
    In Deutschland gibt es auch viele wissenschaftliche Museen, die Forschung für alle verständlich machen. Besonders bekannt ist das Deutsche Museum in München. Dort kann man alte Flugzeuge, Computer und sogar eine echte Raumkapsel sehen. Es ist eines der größten Technikmuseen der Welt.
    Wissenschaft ist in Deutschland sehr wichtig. Die Regierung gibt viel Geld für Forschung aus. 2022 waren es 121,4 Milliarden Euro. Es gibt Programme, um junge Forscher zu fördern, und viele Firmen arbeiten mit Universitäten zusammen, um neue Erfindungen zu entwickeln.
    Ein besonderes Förderprogramm für die Forschung in Deutschland ist die sogenannte Exzellenzinitiative. Sie wurde 2005 eingeführt, um Universitäten mit herausragender Forschung besonders zu unterstützen. Seit 2019 heißt das Programm Exzellenzstrategie. Universitäten, die als „Exzellenzuniversitäten“ ausgezeichnet werden, bekommen mehr Geld für ihre Forschung. Das soll helfen, Deutschland als Wissenschaftsstandort international konkurrenzfähig zu halten. 
    Ein weiteres wichtiges Prinzip ist die Wissenschaftsfreiheit. In Deutschland können Wissenschaftler frei forschen, ohne von der Politik oder Wirtschaft beeinflusst zu werden. Das ist im Grundgesetz verankert und schützt die Forschung vor Zensur oder Einschränkungen. Es ist wichtig, dass das so bleibt.
    Ich habe übrigens auch einen Wissenschaftspodcast. Er heißt „Exzellent erklärt“ und in diesem Podcast besuche ich verschiedene sogenannte Exzellenzcluster in Deutschland. Diese Cluster setzen sich aus verschiedenen Forschungseinrichtungen zusammen, die gemeinsam ein Problem lösen möchten oder ein Themengebiet näher erforschen. Das geht von Architektur bis Quantenphysik, von grüner Chemie bis Verhaltensforschung. Hör gerne mal rein, wenn dein Deutsch besser ist! 
    Text der Episode als PDF: https://slowgerman.com/folgen/sg293kurz.pdf
    8 min
  • Die Bundestagswahl 2025 – SG 292
    Heute sprechen wir ausnahmsweise mal über ein aktuelles Thema, und zwar über die Bundestagswahl 2025. Die Wahl hat am 23. Februar stattgefunden, und die Ergebnisse stehen fest. Ich erkläre dir, was passiert ist, warum die Wahl so wichtig ist und wie die Geschichte der Bundestagswahl in Deutschland aussieht.
    In Deutschland gibt es alle vier Jahre eine Bundestagswahl. Dabei wählen die Menschen die Abgeordneten des Deutschen Bundestages. Der Bundestag ist das Parlament von Deutschland. Die Abgeordneten im Bundestag entscheiden über Gesetze, den Haushalt und viele andere wichtige Themen. Die Bundestagswahl ist also eine sehr wichtige Wahl, denn sie bestimmt, wer Deutschland regiert.
    Die Bundestagswahl 2025 fand am 23. Februar statt. Millionen von Menschen sind zur Wahl gegangen oder haben vorher per Briefwahl abgestimmt. In Deutschland hat jeder Bürger und jede Bürgerin ab 18 Jahren das Recht zu wählen. Wohlgemerkt ist es nur ein Recht. Es ist keine Pflicht. Diesmal machten 82,5 Prozent Gebrauch von ihrem Wahlrecht. Das ist die höchste Wahlbeteiligung seit 38 Jahren.
    Bei der Wahl haben die Menschen zwei Stimmen. Mit der ersten Stimme wählt man eine Person aus dem eigenen Wahlkreis. Mit der zweiten Stimme wählt man eine Partei. Die zweite Stimme ist besonders wichtig, weil sie bestimmt, wie viele Sitze eine Partei im Bundestag bekommt. In Deutschland gibt es eine Fünf-Prozent-Hürde. Das bedeutet: Eine Partei muss mindestens fünf Prozent der Stimmen bekommen, sonst kommt sie nicht in den Bundestag. Diese Regel gibt es, damit nicht zu viele kleine Parteien im Parlament sitzen und es zu kompliziert wird.
    Die Bundestagswahl 2025 war spannend. Viele Menschen haben über die Zukunft Deutschlands diskutiert. In den letzten Jahren gab es große Herausforderungen, zum Beispiel die Energiekrise, den Klimawandel und wirtschaftliche Probleme. Das größte Thema im Wahlkampf war allerdings die Migration. Es gab in den Monaten vor der Wahl einige terroristische Anschläge in Deutschland. Sie wurden von Männern aus Afghanistan oder Syrien begangen. Auch meine Stadt München war betroffen. Hier raste kurz vor der Wahl ein afghanischer Mann mit seinem Auto in einen Demonstrationszug. Eine Frau und ihr Kleinkind starben, viele weitere Menschen wurden verletzt. 
    Taten wie diese lösten bei den Menschen verständlicherweise Angst und Bestürzung aus. Aber auch Wut. Das ist mit ein Grund, warum die konservative Union aus CDU/CSU die meisten Stimmen gewonnen hat. Zweitstärkste Partei war die in Teilen als rechtsextrem eingestufte Partei AfD. 
    Olaf Scholz, der bisherige Bundeskanzler Deutschlands, und seine Partei, die SPD, haben sehr viele Wählerinnen und Wähler verloren. Die FDP, die ebenfalls in der Regierung war, hat ebenfalls viele Stimmen verloren und schaffte es nicht über die 5 Prozent-Hürde. Das bedeutet, dass sie im nächsten Bundestag gar nicht mehr vorhanden sein wird. Und die Grünen haben ebenfalls Stimmen verloren. Einige Politiker haben aus diesen Verlusten ihre Konsequenzen gezogen und werden sich aus der Politik zurückziehen. 
    Warum war diese Wahl besonders? Zum einen, weil zum ersten Mal eine in Teilen rechtsextreme Partei die zweitstärkste Kraft ist. Allerdings haben die anderen Parteien schon lange gesagt, dass sie nicht mit dieser Partei zusammenarbeiten werden. Sie bleibt also in der Opposition. Das bedeutet, dass sie nicht in der Regierung ist, sondern sozusagen die Gegner der Regierung sind. Der zweite Grund ist, dass der Bundestag verkleinert wird. Viele Menschen hatten sich beklagt, dass der Bundestag zu groß war. 736 Abgeordnete gab es in der letzten Legislaturperiode. Und das ist sehr teuer für den Staat. Denn all diese Menschen haben zum Beispiel ihr eigenes Büro und Angestellte. Also gab es eine sogenannte Wahlrechtsreform. Der neue Bundestag wird also nur noch 630 Abgeordnete in Berlin haben.
    Wer wird das sein? Klar ist, dass der Bundestag männlicher wird. Es sind sehr viel weniger Frauen im Bundestag. Das liegt daran, dass die Union und die AfD die meisten Menschen in den Bundestag schicken. Und diese konservativen Parteien haben nicht viele Frauen in ihren Reihen. Parteien wie die Linke, die SPD und die Grünen achten darauf, dass das Verhältnis ausgeglichen ist. Ihnen ist die Gleichberechtigung der Geschlechter wichtig. 
    Nach der Wahl müssen die Parteien jetzt überlegen, wie sie eine Regierung bilden. In Deutschland gibt es fast nie eine einzige Partei, die alleine regieren kann. Deshalb gibt es meistens eine Koalition. Das bedeutet, dass sich zwei oder mehr Parteien zusammenschließen und gemeinsam regieren. Die letzte Regierung bestand aus drei Parteien: Der SPD, den Grünen und der FDP. 
    Sehr wahrscheinlich wird die nächste Regierung aus der Union und der SPD bestehen. Das werden aber letztlich die Koalitionsverhandlungen zeigen. Das bedeutet, dass die Politiker untereinander verhandeln müssen, wie sie das Land regieren möchten. Sie müssen sich in manchen Punkten auf Kompromisse einigen. Am Ende steht dann ein Koalitionsvertrag. Dort steht alles drin, was die Parteien in ihren vier Jahren machen wollen. 
    Das erste Bild von Verhandlungen hat in den sozialen Netzwerken bereits für Spott und Häme gesorgt. Es zeigt einen Tisch, an dem sechs Menschen sitzen. Es sind Politiker der CSU und CDU. Keine einzige Frau ist dabei. 
    Bis Ostern soll die neue Regierung stehen, das ist derzeit das Versprechen. Sobald die Regierung steht, wird eine neue Bundeskanzlerin oder ein neuer Bundeskanzler gewählt. Das ist die wichtigste Person in der deutschen Politik. In der Geschichte Deutschlands gab es bisher nur eine Frau als Kanzlerin: Angela Merkel. Sie regierte von 2005 bis 2021. Der nächste Kanzler Deutschlands ist sehr sicher Friedrich Merz von der CDU. Er war drei Tage nach der Wahl bereits bei einem Besuch in Frankreich und schüttelte dort Emmanuel Macron die Hand. 
    Für mich war diese Wahl übrigens auch etwas Besonders: Ich hatte mich zum ersten Mal als Wahlhelferin gemeldet. Denn es braucht Hunderttausende von Freiwilligen, die bei der Wahl helfen. Wir haben den ganzen Sonntag von 8 bis 18 Uhr dafür gesorgt, dass alle Menschen geheim und sicher ihre Kreuzchen machen konnten. Nach 18 Uhr haben wir die Stimmzettel ausgezählt und das Ergebnis in unserem Wahlkreis ermittelt. Das war eine sehr interessante Erfahrung. 
    Und was sage ich zum Wahlergebnis? Ich bin kein konservativer Mensch, daher bin ich enttäuscht. Ich hätte mir mehr Mut zu Veränderungen gewünscht und ich finde, wir müssen dringend etwas gegen die Klimakrise unternehmen. Das ist allerdings ein Thema, das die Konservativen leider kaum interessiert. 
    Ich finde es auch schlimm, dass die AfD so viele Stimmen bekommen hat. Ich kann nicht verstehen, wie man eine Partei wählen kann, die nur für Reiche Vorteile bieten möchte und für viele Probleme keinerlei Lösungsvorschläge hat. Sie verbreitet Hass und Hetze, spaltet unser Land und stört damit den inneren Frieden. Bei Debatten im Bundestag stört sie, indem sie ständig Zwischenrufe macht. Eine sachliche Diskussion ist so kaum möglich. Die menschengemachte und von der Wissenschaft bestätigte Klimakrise leugnet sie. Und sie schiebt die Schuld für alle Probleme auf Menschen aus dem Ausland. Aber genau ohne diese Menschen wird unser Land nicht gut weiterleben können - denn Krankenhäuser sind zum Beispiel angewiesen auf ausländische Fachkräfte. Und auch die Rente wird zu einem beträchtlichen Teil von Menschen mit Migrationshintergrund finanziert.
    Wir werden sehen, was all das mit Deutschland macht.
    Text der Episode als PDF:https://slowgerman.com/folgen/sg292kurz.pdf
    13 min
  • Die Krankenkasse – SG 291
    In Deutschland gibt es zwei Arten von Krankenversicherungen: die gesetzliche und die private. Damit ist Deutschland das einzige Land in Europa mit einem zweigeteilten Gesundheitssystem. Die meisten Menschen sind in der gesetzlichen Krankenversicherung, auch GKV genannt. Sie ist Pflicht für alle Arbeitnehmer, die weniger als eine bestimmte Einkommensgrenze verdienen. Diese Grenze nennt man Versicherungspflichtgrenze. Wer mehr verdient oder selbständig ist, kann sich privat versichern lassen.
    Wenn du also beispielsweise zum Arzt gehst, dann fragt dich die Dame am Empfang zunächst einmal nach deiner Versichertenkarte. Diese wird im System des Arztes eingelesen und somit weiß der Arzt, ob du privat oder gesetzlich versichert bist. Dadurch ändert sich auch, was der Arzt abrechnen kann, also wieviel er an diesem Patienten verdient. 
    Die gesetzliche Krankenversicherung funktioniert nach dem Solidarprinzip. Das bedeutet, dass alle Versicherten gleich behandelt werden. Alle Mitglieder zahlen jeden Monat Geld ein. So können die Kosten für Menschen bezahlt werden, die krank werden oder einen Unfall hatten. Die Höhe der Beiträge hängt vom Einkommen ab. Wer mehr verdient, zahlt auch mehr. Gesetzlich Versicherte zahlen 14,6 Prozent ihres Einkommens für die Krankenversicherung, dazu kommt noch ein sogenannter Zusatzbeitrag, den die Krankenkassen selber festlegen und der so um die 2,5 Prozent liegt (Stand: 2025). Wenn du angestellt bist, zahlt dein Arbeitgeber die Hälfte des Beitrages. 
    Die Leistungen der gesetzlichen Krankenversicherung sind für alle gleich. Sie übernimmt zum Beispiel Arztbesuche, Krankenhausaufenthalte und Medikamente. Allerdings gibt es oft Zuzahlungen, wie etwa für Brillen oder bestimmte Behandlungen.
    Die private Krankenversicherung, kurz PKV, funktioniert anders. Hier hängt der Beitrag nicht vom Einkommen ab, sondern vom Alter, Beruf und Gesundheitszustand der versicherten Person. Wer jung und gesund ist, zahlt weniger. Dafür können die Leistungen besser sein. Privatversicherte bekommen oft schneller Termine beim Facharzt und können sich in der Regel aussuchen, in welchem Krankenhaus sie behandelt werden. Auch Chefarztbehandlungen und Einzelzimmer im Krankenhaus gehören oft dazu.
    Ein Erwachsener zahlt so ungefähr 600 bis 800 Euro pro Monat in die private Krankenversicherung ein. Dazu kommt, dass er die Kosten für seine Behandlung erst einmal selber bezahlen muss - danach kann er sie seiner Krankenkasse in Rechnung stellen und bekommt das Geld zurück. 
    Ein Wechsel von der gesetzlichen in die private Krankenversicherung ist nicht immer leicht. Vor allem für Angestellte mit höherem Einkommen oder Selbständige kann die private Versicherung attraktiv sein. Privat versichern können sich Beamte, Selbständige oder Studenten und Angestellte, die über 66.600 Euro brutto jährlich verdienen (Stand 2023). Aber: die private Krankenkasse kann dich als Patient auch ablehnen, wenn du zum Beispiel eine Vorerkrankung hast. Sie kann sich ihre Kunden aussuchen. Die gesetzliche Krankenkasse ist für alle offen.
    Doch es gibt Risiken: Mit steigendem Alter werden die Beiträge oft teurer, und der Wechsel zurück in die gesetzliche Krankenversicherung ist auch schwierig.
    Ein großer Unterschied zeigt sich auch bei der Familienversicherung. In der gesetzlichen Krankenversicherung sind Kinder und Ehepartner oft kostenlos mitversichert. In der privaten Krankenversicherung braucht jede Person eine eigene Versicherung. Das kann für Familien teuer werden.
    Für viele Menschen stellt sich die Frage: Welche Versicherung ist besser? Die Antwort hängt von der individuellen Situation ab. Junge, gut verdienende Singles bevorzugen oft die private Krankenversicherung. Familien oder Menschen mit geringem Einkommen bleiben meist in der gesetzlichen Krankenversicherung.
    Die beiden Systeme sorgen oft für Diskussionen. Kritiker sagen, dass privat Versicherte Vorteile haben, während gesetzlich Versicherte oft länger auf Arzttermine warten müssen. Andere meinen, dass das System der gesetzlichen Krankenversicherung fairer ist, weil alle einzahlen und alle die gleichen Leistungen bekommen. Oft wird auch gefordert, dass Selbständige eine Pflicht zur Versicherung haben sollten - manchmal sind diese nämlich gar nicht versichert.
    Trotz aller Diskussionen: Insgesamt ist das deutsche Gesundheitssystem eines der besten der Welt. Egal, ob gesetzlich oder privat versichert – jeder hat Zugang zu medizinischer Versorgung. 
    Text der Episode als PDF:https://slowgerman.com/folgen/sg291kurz.pdf
    8 min
  • Der TÜV – SG 290
    Heute geht es um ein Thema, das für viele Menschen in Deutschland wichtig ist: den TÜV. Vielleicht hast du das Wort schon gehört. TÜV steht für „Technischer Überwachungsverein“. Der TÜV sorgt dafür, dass Autos und andere technische Geräte sicher sind. Aber woher kommt der TÜV, und was genau macht er? Das erzähle ich dir jetzt. Wenn Du mich übrigens unterstützen möchtest, komm gerne zu Patreon oder auf slowgerman.com und werde Premium-Mitglied! Jetzt zum Thema.
    Alles begann im 19. Jahrhundert, als die Industrialisierung in Deutschland schnell voranschritt. Damals gab es viele neue Maschinen und Fabriken, aber auch viele Unfälle. Besonders gefährlich waren Dampfmaschinen. Wenn sie kaputtgingen, konnten sie explodieren. Das führte zu schweren Unfällen mit vielen Verletzten oder sogar Toten.
    Deshalb beschlossen Ingenieure und Fabrikbesitzer, technische Anlagen regelmäßig zu kontrollieren. 1866 wurde in Mannheim der erste „Dampfkessel-Überwachungsverein“ gegründet. Das war der Anfang des TÜV. Die Idee war einfach: Fachleute prüfen Maschinen und Anlagen, damit sie sicher bleiben. Bald gab es solche Vereine auch in anderen Städten.
    Im Laufe der Zeit änderte sich der Name. Aus dem „Dampfkessel-Überwachungsverein“ wurde der „Technische Überwachungsverein“, kurz TÜV. Heute gibt es mehrere TÜV-Gesellschaften in Deutschland, wie den TÜV Süd, TÜV Nord oder TÜV Rheinland.
    Die meisten Menschen in Deutschland kennen den TÜV wegen der sogenannten Hauptuntersuchung, kurz HU. Diese Prüfung müssen alle Autos regelmäßig bestehen, damit sie auf der Straße fahren dürfen. Für Autos gilt: Nach drei Jahren muss ein neues Auto das erste Mal zum TÜV. Danach alle zwei Jahre. Wann der nächste Termin ist, steht auf einer bunten Plakette auf dem Nummernschild. 
    Bei der Hauptuntersuchung schauen die Experten ganz genau hin: Funktionieren die Bremsen? Sind die Lichter in Ordnung? Ist der Auspuff noch dicht? Sie prüfen auch, ob der Wagen zu viel Abgas produziert. Wenn alles in Ordnung ist, bekommt das Auto diese bunte Plakette. Sie zeigt, wann das Auto wieder geprüft werden muss.
    Aber was passiert, wenn das Auto die Prüfung nicht besteht? Dann bekommt der Besitzer eine Liste mit den Mängeln. Diese Mängel müssen repariert werden, bevor das Auto wieder fahren darf. Manche Menschen haben Angst vor dem TÜV-Termin, weil sie nicht wissen, ob ihr Auto die Prüfung schafft. Die Reparatur kann hohe Kosten verursachen.
    Viele Menschen bringen ihr Auto vor der Hauptuntersuchung in eine Werkstatt. Dort wird das Auto überprüft, und kleine Probleme werden repariert. Das kann helfen, die TÜV-Prüfung zu bestehen. Es ist auch wichtig, die nötigen Papiere mitzubringen, zum Beispiel den Fahrzeugschein.
    Manche Autobesitzer versuchen, Mängel zu verstecken. Sie hoffen, dass der Prüfer nichts merkt. Aber das ist keine gute Idee, denn es geht um Sicherheit. Wenn ein Auto nicht sicher ist, kann das Leben von Menschen gefährdet sein.
    Der TÜV prüft übrigens nicht nur Autos. Er ist auch in vielen anderen Bereichen aktiv. Zum Beispiel kontrolliert er Aufzüge oder Heizungen. Auch Spielplätze werden oft vom TÜV geprüft, damit Kinder sicher spielen können. Sogar Produkte wie Elektrogeräte oder Möbel können ein TÜV-Siegel bekommen. Das zeigt, dass sie sicher sind. Und bevor Menschen auf dem Oktoberfest mit der Achterbahn fahren dürfen, muss auch erstmal der TÜV zur Kontrolle kommen. 
    Und wie ist es bei dir? Hast du schon einmal einen TÜV-Termin erlebt? Oder kommst du vielleicht aus einem Land, wo es so etwas gar nicht gibt?
    Schreib mir gerne in die Kommentare und übe dein Deutsch! 
    Text der Episode als PDF: https://slowgerman.com/folgen/sg290kurz.pdf
    7 min
  • Im Fitness-Studio / Kleiner Alien-Dialog Nr. 5
    Hallo! Äh… bist du neu hier?
    Hallo. Ja, ich bin… neu. Was machen die Menschen hier?
    Das ist ein Fitnessstudio. Hier trainieren wir unseren Körper.
    Trainieren? Warum?
    Damit wir stark bleiben, gesund sind und uns gut fühlen. Siehst du da die Hanteln? Die Menschen heben sie, um Muskeln aufzubauen.
    Muskeln? Sind das die Teile, die sich bewegen, wenn ich meinen Arm hebe?
    Genau! Schau, ich zeige es dir. Hier, diese Hanteln. Sie wiegen 5 Kilo. Willst du es probieren?
    [hebt die Hantel] Hm, schwer! Das ist anstrengend.
    Ja, am Anfang ist es hart, aber mit der Zeit wird es leichter.
    Warum laufen die Menschen da auf diesen Maschinen?
    Das nennt man Laufband. Man läuft oder joggt darauf, um fit zu bleiben.
    Ich verstehe. Und das Fahrrad da?
    Das ist ein Fitnessrad. Es ist wie Fahrradfahren, aber man bleibt an Ort und Stelle.
    Interessant! Aber die Menschen sehen müde aus. Und sie… wie heißt das? Schwitzen?
    Ja, sie schwitzen. Das ist normal. Wenn wir trainieren, wird uns warm, und der Körper gibt Wasser ab, um uns zu kühlen.
    Aha, das passiert bei mir auch, aber ich leuchte stattdessen.
    Leuchten? Das wäre praktisch! Dann siehst du nachts immer etwas.
    Haha, ja. Was machen die Menschen, wenn sie mit dem Training fertig
    sind?
    Die meisten trinken Wasser oder einen Proteinshake. Danach gehen sie duschen, um sich zu reinigen. Siehst du dort die Umkleiden? Da sind die Duschen.
    Duschen? Mit Wasser?
    Ja, genau. Wir waschen den Schweiß ab. Du kannst es auch probieren, falls du schwitzt… oder leuchtest.
    Interessant! Kann ich alles hier machen?
    Natürlich. Aber fang langsam an, damit du dich nicht verletzt. Willst du vielleicht zusammen trainieren?
    Ja, das klingt gut. Ich will stark werden und schwitzen – oder leuchten!
    Willkommen im Fitnessstudio! Wir schaffen das zusammen.Text der Episode als PDF:https://slowgerman.com/folgen/sg289kurz.pdf
    Zu dieser Episode gibt es kein Lernmaterial. Aber hier die schnellere Version (sonst nur für Premium-Abonnenten, diesmal zum Üben für alle):
    3 min
  • Die Donau – SG 288
    Willkommen zu einer neuen Episode von „Slow German“. Heute geht es um die Donau. Die Donau ist einer der berühmtesten und längsten Flüsse Europas. Sie fließt durch zehn Länder und hat eine lange Geschichte, die bis in die Antike zurückreicht. Die Donau ist ein wichtiger Fluss für die Natur, die Menschen und die Kultur in Europa. Wenn du diesen Podcast unterstützen möchtest, komm gerne zu Patreon! Da gibt es auch noch mehr Material. Aber jetzt lass uns einen genaueren Blick auf diesen faszinierenden Fluss werfen.
    Die Donau – Ein mächtiger Strom
    Die Donau ist nach der Wolga der zweitlängste Fluss in Europa. Sie ist etwa 2.850 Kilometer lang und beginnt in Deutschland im Schwarzwald. Dort, in der Stadt Donaueschingen, fließen zwei kleine Flüsse zusammen, die Brigach und die Breg. Aus ihrem Zusammenfluss entsteht die Donau. Von dort aus fließt sie durch viele verschiedene Länder, wie Österreich, Ungarn, Kroatien, Serbien, Bulgarien und Rumänien, bis sie schließlich ins Schwarze Meer mündet.
    Besonders ist, dass die Donau durch so viele Länder fließt – insgesamt zehn. Das sind Deutschland, Österreich, die Slowakei, Ungarn, Kroatien, Serbien, Bulgarien, Rumänien, Moldawien und die Ukraine. Kein anderer Fluss der Welt fließt durch so viele verschiedene Länder. Die Donau verbindet also ganz unterschiedliche Regionen, Sprachen und Kulturen miteinander. 
    Die Donau in der Geschichte
    Die Donau hat eine lange Geschichte. Schon in der Antike war sie ein wichtiger Fluss. Die alten Römer nannten sie „Danubius“ und nutzten sie als Grenze für ihr riesiges Reich. Die Römer bauten viele Städte entlang der Donau, darunter Vindobona – das heutige Wien. Die Donau diente den Römern auch als Handelsweg, und Soldaten nutzten den Fluss, um schnell von einem Ort zum anderen zu gelangen.
    Später, im Mittelalter, war die Donau eine wichtige Route für Händler. Über den Fluss konnten sie Waren wie Getreide, Wein und Salz transportieren. Auch heute ist die Donau ein wichtiger Fluss für die Schifffahrt und den Handel in Europa. Viele große Städte, wie Wien, Budapest und Belgrad, liegen direkt an der Donau und sind durch sie miteinander verbunden.
    Die Donau und die Natur
    Die Donau ist nicht nur ein wichtiger Fluss für die Menschen, sondern auch für die Natur. Entlang der Donau gibt es viele verschiedene Landschaften: Wälder, Wiesen, Sumpfgebiete und Auen. Viele Tiere leben hier, zum Beispiel Fische, Vögel und sogar Biber. In den Donau-Auen in Österreich und Ungarn findet man viele seltene Pflanzen und Tiere. Die Donau-Region ist deshalb ein wichtiges Naturschutzgebiet.
    Besonders bekannt ist das Donau-Delta in Rumänien. Hier, wo die Donau ins Schwarze Meer fließt, entsteht ein riesiges Delta. Das ist ein Gebiet, in dem der Fluss in viele kleine Flussarme und Seen aufgeteilt wird. Das Donau-Delta ist ein Paradies für viele Vogelarten, wie Pelikane, Störche und Reiher. Es ist auch UNESCO-Weltnaturerbe, was bedeutet, dass es ein besonders geschütztes Gebiet ist. Viele Touristen kommen jedes Jahr dorthin, um die schöne Natur zu erleben.
    Der blaue Fluss?
    Vielleicht hast du schon einmal den Begriff „Die schöne blaue Donau“ gehört. So heißt ein berühmtes Musikstück des österreichischen Komponisten Johann Strauss. Doch ist die Donau wirklich blau? Tatsächlich sieht der Fluss oft eher grün oder braun aus, je nachdem, wie das Licht einfällt oder wie das Wetter ist. Das Wort „blaue Donau“ kommt aus einer Zeit, in der man Flüsse oft poetisch als „blau“ bezeichnete. Auch wenn die Donau in Wirklichkeit selten blau aussieht, ist der Name geblieben. Das Lied von Johann Strauss ist besonders in Wien und in der österreichischen Kultur sehr bekannt.
    Ein seltsames Phänomen – die Donauversickerung
    Und wusstest du, dass die Donau auf ihrem Weg einmal verschwindet? Das klingt unglaublich, ist aber wahr. In Deutschland, in der Nähe der Stadt Immendingen, gibt es ein Phänomen, das man „Donauversickerung“ nennt. Hier versickert das Wasser der Donau im Boden und taucht später in einem anderen Fluss, dem Aachtopf, wieder auf. Das bedeutet, dass die Donau an dieser Stelle einfach „verschwindet“ und unterirdisch weiterfließt. Besonders in trockenen Sommern kann es passieren, dass die Donau fast vollständig versickert. 
    Die Donau heute
    Heute ist die Donau ein moderner Fluss mit vielen Funktionen. Sie ist eine wichtige Verkehrsroute für Schiffe und Boote, und viele Städte entlang der Donau haben Häfen, die täglich genutzt werden. Aber nicht nur das: Entlang der Donau gibt es auch viele touristische Attraktionen. Zum Beispiel den  Donauradweg – ein berühmter Fahrradweg, der von der Quelle in Deutschland bis zur Mündung ins Schwarze Meer führt. Viele Menschen fahren jedes Jahr mit dem Fahrrad entlang der Donau. Leider taucht sie auch in den Nachrichten immer wieder auf, denn sie verursacht in vielen Orten auch Überschwemmungen. Die Bewohner müssen mit dieser Bedrohung leben.
    Auf der positiven Seite ist die Donau ein beliebter Fluss für Kreuzfahrten. Manche Schiffe fahren den ganzen Fluss hinunter, von Deutschland bis nach Rumänien. Dabei können die Passagiere viele Städte und Sehenswürdigkeiten entlang der Donau besichtigen, von Wien über Budapest bis nach Belgrad. So eine Kreuzfahrt habe ich zwar noch nicht gemacht, aber ich bin schon oft mit einem kleinen Schiff über die Donau gefahren, weil ein Teil meiner Familie aus einem kleinen Ort an der Donau stammt. 
    Text der Episode als PDF: https://slowgerman.com/folgen/sg288kurz.pdf
    10 min
  • Typisch deutsch! – SG 287
    Manchmal frage ich mich, was eigentlich typisch deutsch ist. Früher waren das Tugenden wie Pünktlichkeit und Ordnung. Aber passt das heute noch? Wahrscheinlich hast Du Deine ganz eigene Vorstellung davon, was typisch deutsch ist. Ich habe mir jedenfalls mal ein paar Reels auf Instagram angesehen und einige Dinge herausgefunden, die auf der Welt als typisch deutsch angesehen werden. Wenn Du diesen Podcast unterstützen möchtest, komm übrigens gerne zu Patreon! Jetzt zum Thema.
    Punkt Nummer eins ist das sogenannte Stoßlüften. Sagt dir das was? In Deutschland lüftet man gerne seine Wohnung. Das bedeutet, dass man für ungefähr zehn Minuten möglichst viele Fenster und Türen öffnet, damit die Luft in unseren Wohnräumen ausgetauscht wird. Zum einen kommt dann meistens feuchtere Luft von draußen in die Wohnung, zum anderen kommen natürlich auch schlechte Gerüche aus der Wohnung heraus. 
    Nummer zwei hängt ein wenig mit dem Stoßlüften zusammen, und zwar sind das Kippfenster. In Deutschland lässt sich eigentlich fast jedes Fenster kippen. Das bedeutet, dass Du es nur oben öffnest, es sieht also kurz so aus, als würde das Fenster auf Dich drauffallen. Tut es aber nicht. Es bleibt nach ungefähr zehn Zentimetern stehen. So hast Du oben am Fenster einen breiten Spalt und es kann ebenfalls frische Luft hereinkommen.
    Dann haben sich manche Menschen auf Instagram über Rolltreppen gewundert, die in beide Richtungen fahren können. Gibt es das nicht auf der ganzen Welt? Ich dachte, das sei normal. Jedenfalls haben unsere Rolltreppen manchmal die Fähigkeit, ihre Richtung zu ändern. Dazu siehst du am Beginn der Rolltreppe ein kleines Verkehrszeichen, das leuchtet, es ist ein Dreieck mit Pfeilen in beide Richtungen. Wenn die Rolltreppe gerade nach unten fährt, Du willst aber nach oben, dann musst Du nur warten, bis sie anhält. Dann kannst Du sie betreten, und sie wird die Richtung ändern. Praktisch, oder? 
    Und das letzte, was mir in Instagram als typisch deutsch präsentiert wurde, ist die Rettungsgasse. Da geht es jetzt um den Autoverkehr. Angenommen, Du bist auf einer Autobahn unterwegs. Die Autobahn hat drei Spuren. Dann entsteht ein Stau, weil zum Beispiel ein Unfall passiert ist. Dann ist die Autobahn voller Autos und der Krankenwagen oder die Polizei kommt nicht bis zur Unfallstelle, oder? Falsch. Denn die Autos auf der linken Spur fahren dann ganz weit nach links, und die Autos auf der Mittelspur fahren auf ihrer Spur möglichst weit rechts. So entsteht genug Platz, damit Rettungsfahrzeuge eine eigene Spur bekommen. Das nennt man Rettungsgasse. Übrigens hat das früher gar nicht gut funktioniert, aber in den vergangenen Jahren gab es viele Aktionen in Radiosendern und anderen Medien, die darauf hingewiesen haben. Mittlerweile klappt es super! 
    So, fallen Dir noch andere typisch deutsche Dinge ein? Ich bin gespannt, wie Du von außen auf mein Land schaust. Und jetzt erstmal frohe Weihnachten!
    Text der Episode als PDF: https://slowgerman.com/folgen/sg287kurz.pdf
    6 min
  • Der Pirat Klaus Störtebeker – SG 286
    Willkommen bei einer neuen Episode von „Slow German“. Heute geht es um eine berühmte Figur der deutschen Geschichte: Klaus Störtebeker. Wahrscheinlich habt ihr schon mal von ihm gehört – er war ein berühmter Pirat, der vor über 600 Jahren lebte. Doch wer war dieser Mann? War er wirklich so gefährlich, wie man erzählt? Oder war er ein Held, der den Armen half? Heute klären wir, was es mit Klaus Störtebeker auf sich hat. Wenn du diesen Podcast unterstützen möchtest, komm gerne zu Patreon! Da gibt es auch zu jeder Episode Lernmaterial und eine schnellere Version. Jetzt zum Thema.
    Wer war Klaus Störtebeker?
    Klaus Störtebeker wurde ungefähr um das Jahr 1360 geboren. Sein Geburtsort ist nicht ganz sicher, manche sagen, er stamme aus Wismar, andere behaupten, er käme aus der Hansestadt Hamburg. Sein echter Name war vielleicht Nikolaus oder Clas Störtebeker, aber seine genauen Lebensdaten sind unklar. Damals gab es keine modernen Pässe oder Geburtsurkunden, also ist es schwer, genau zu wissen, wer er wirklich war. 
    Den Namen „Störtebeker“ bekam er aber wahrscheinlich wegen seines Trinkverhaltens. „Störtebeker“ bedeutet nämlich „Stürz den Becher“, also „trink den Becher auf einen Zug“. Es heißt, dass er mit einem großen Krug Bier anstieß und den Becher dann in einem Zug leerte. Das war im Norden Deutschlands durchaus eine Kunst, die nicht jeder beherrschte. Ob das stimmt oder nur eine Legende ist, wissen wir heute leider nicht. Aber der Name passt gut zu einem Piraten!
    Störtebeker und die Vitalienbrüder
    Klaus Störtebeker lebte in einer Zeit, in der es viele Konflikte zwischen den Ländern und Städten an der Nord- und Ostsee gab. Besonders die Handelsstädte der sogenannten Hanse waren reich und hatten viele Feinde. Die Hanse war ein Bund von Städten, der den Handel kontrollierte. Sie schützte ihre Schiffe und Waren, war aber auch mächtig und streng gegenüber denen, die sich ihr widersetzten.
    In dieser Zeit schloss sich Klaus Störtebeker einer Gruppe von Piraten an, die sich die „Vitalienbrüder“ nannten. Die Vitalienbrüder hatten anfangs sogar einen guten Ruf, denn sie kämpften im Namen des Königs von Schweden gegen den dänischen König. Sie versorgten das belagerte Stockholm mit Lebensmitteln – daher auch ihr Name, denn „Vita“ bedeutet Leben. Doch bald wurden die Vitalienbrüder selbst zu Piraten und griffen Schiffe an, um sie auszurauben.
    Störtebeker wurde schnell ein Anführer dieser Gruppe. Er und seine Männer griffen Handelsschiffe an und raubten sie aus. Sie versteckten sich auf Inseln und in abgelegenen Buchten, wo sie schwer zu finden waren. Besonders bekannt waren sie in der Nordsee und im Gebiet rund um Helgoland.
    War Störtebeker ein Held oder ein Verbrecher?
    Über Klaus Störtebeker gibt es viele Geschichten, und die meisten von ihnen sind Legenden. Manche Menschen sehen ihn als eine Art Robin Hood. Es heißt, er habe das gestohlene Geld nicht nur für sich behalten, sondern auch den Armen gegeben. Ob das stimmt, weiß allerdings niemand genau. Viele Historiker sagen, dass er wahrscheinlich nur ein normaler Pirat war, der auf seinen eigenen Vorteil bedacht war.
    Ein bekanntes Beispiel für die Geschichten um ihn ist seine angebliche Großzügigkeit. Es heißt, dass Störtebeker, bevor er gefangen wurde, versprochen hat, dass er den Leuten helfen würde, die wenig hatten. Das klingt nach Robin Hood, oder? Doch als Pirat lebte er hauptsächlich von Raubzügen. Historiker sind sich nicht einig, ob er wirklich ein „guter“ Pirat war oder ob dies nur Geschichten sind, die ihn sympathisch machen sollen.
    Das Ende von Klaus Störtebeker
    Klaus Störtebekers Ende war dramatisch. Die Hanse und andere Mächte wollten die Piraten loswerden, und nach vielen Jahren der Jagd wurde er schließlich gefangen genommen. Im Jahr 1401 verhaftete man ihn in Hamburg. Sein Schicksal war besiegelt: Er und seine Männer wurden zum Tod verurteilt. Die Legende besagt, dass Störtebeker vor seiner Hinrichtung einen ungewöhnlichen Wunsch äußerte.
    Er bat, dass man seinen Männern die Freiheit schenkt, wenn er nach seiner Enthauptung noch an seinen Männern vorbeigehen könne. Also ohne Kopf! Der Legende nach habe der Henker zugestimmt und Störtebeker wurde geköpft. Doch nach der Enthauptung soll sein kopfloser Körper tatsächlich noch an mehreren Männern vorbeigegangen sein. Am Ende habe der Henker ihn jedoch gestoppt, und alle Piraten wurden ebenfalls hingerichtet. Natürlich klingt das sehr unwahrscheinlich – aber es ist eine Geschichte, die viele Menschen kennen.
    Text der Episode als PDF: https://slowgerman.com/folgen/sg286kurz.pdf
    8 min

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