Rexhep Daki, Geschäftsführer von zwei Tertianum-Pflegezentren in Zürich, erzählt in dieser Episode der Strategiewerkstatt von einem außergewöhnlichen persönlichen und beruflichen Weg: von der Flucht aus dem Kosovo im Alter von 13 Jahren über Stationen im Verkauf und in der Psychiatrie bis hin zur Führungsverantwortung in der Langzeitpflege. Offen spricht er darüber, wie er eher zufällig in die Führung kam, warum andere oft früher an seine Führungskompetenz glaubten als er selbst und wie ihn genau dieses gespiegelt bekommenes Vertrauen geprägt hat.
Im Gespräch wird deutlich, wie stark die Pflegebranche heute unter Druck steht: steigende administrative Anforderungen, Fachkräftemangel, hohe Erwartungen an Arbeitgeber und ein Arbeitsmarkt, in dem Mitarbeitende sehr viele Optionen haben. Recep beschreibt eindrücklich, wie schwer es geworden ist, stabile Teams aufzubauen, und warum Führung heute vor allem bedeutet, Orientierung zu geben, Entscheidungen glaubwürdig zu vertreten und Menschen auch in anstrengenden Phasen zusammenzuhalten.
Besonders eindrucksvoll sind seine Einblicke in Teamdynamik und Zusammenhalt. Ob in der Corona-Zeit, in akuten Personalausfällen oder bei gemeinsamen Projekten – immer wieder zeigt sich für ihn, dass tragfähige Zusammenarbeit dort entsteht, wo jede und jeder Verantwortung übernimmt und den eigenen Beitrag zum Ganzen leistet. Führung heißt für ihn deshalb nicht nur organisieren, sondern Menschen beim Wachsen zu begleiten und Vertrauen vorzuleben.
Zugleich spricht Recep über die Grenzen von Automatisierung in der Pflege. KI und digitale Tools sieht er dort als große Chance, wo sie Zeit sparen und Mitarbeitende entlasten. Doch überall, wo es um echte Menschlichkeit geht – um Nähe, Gespräche, Fürsorge, Trost und Beziehung – sei Technologie kein Ersatz. Gerade in einer Branche, die vom direkten Kontakt lebt, plädiert er dafür, den menschlichen Kern nicht dem Effizienzdenken zu opfern.
Ein zentrales Thema der Folge ist außerdem der Umgang mit Scham, Stress und persönlicher Belastung in der Führungsarbeit. Während psychische Belastungen heute offener angesprochen würden als früher, bleibe Scham oft ein unterschätztes Tabuthema. Recep wünscht sich deshalb, dass Resilienz, Feedbackfähigkeit und der Umgang mit Druck schon viel früher vermittelt werden – idealerweise bereits in Schule und Ausbildung. Eine ehrliche Folge über Führung, Menschlichkeit und die Frage, was es braucht, damit Zusammenarbeit in herausfordernden Zeiten wirklich gelingt.