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Unsere Trinkgeld-Mentalität scheint im Keller zu sein. Menschen halten sich zurück, geben oft gar nichts, wenn der Pizzabote in den vierten Stock hinaufgeschnauft kommt oder runden in der Kneipe auf den nächsten vollen Euro auf. Vom Friseur ganz zu schweigen. Jetzt werden immer mehr Rufe laut, wonach wir doch bitte – vor allem in der Gastronomie – besseres Trinkgeld geben sollten. Schließlich seien die Menschen darauf angewiesen. Und tatsächlich bewegen wir uns auf amerikanische Verhältnisse zu, wo Kellner und Kellnerinnen quasi vom Trinkgeld leben müssen. Auch hier arbeiten über die Hälfte der Beschäftigten in Minijobs oder befristeten Arbeitsverhältnissen zu Mindestlohn. Ihr Arbeitsplatz ist extrem unsicher und ihre Bezahlung schwankt je nach Gästeaufkommen. Das führt uns zu der Erkenntnis: Es ist einigermaßen komisch, dass die Gäste den Geiz der Wirte und die unzureichende Bezahlung des Servicepersonals subventionieren sollen. Wir finden, das ungeschriebene Gesetz, Trinkgeld geben zu müssen, gehört abgeschafft! Denn was vordergründig nützlich erscheint, Bargeld steuerfrei in der Tasche zu haben, erweist sich auf lange Sicht als fatal. Dieses Geld zahlt weder auf die Rente noch auf die Sozialversicherung ein, generiert kein Arbeitslosengeld und keine Pflegeversicherung. Der Arbeitgeberanteil entfällt ohnehin. Also: Weg mit dem Trinkgeld und hin zu gerechten Löhnen und Gehältern. Wie das klappen kann und wie das am Ende der gesamten Branche helfen könnte – darum geht's in unserer neuen Folge.
Darüber haben wir mit folgenden Menschen gesprochen.
Oliver Riek, Kellner, Autor und Comedian
Christian Stegbauer, Sozialwissenschaftler
Karin Vladimirov, Gewerkschaftlerin, ngg
Simon Horn, Gastronom
Marc Schumacher, Hotelier
Lucy, Flugbegleiterin (möchte lieber anonym bleiben :))
Hier geht's zum Transkript der Folge
Und hier zu Twitter und Insta.
Um die USA kommen wir nicht herum. Ihre Kultur ist allgegenwärtig und hat uns so geprägt wie keine andere Nation. Bloß scheinen sie zunehmend vor die Hunde zu gehen. Rassismus, Abtreibungsverbote, Amokläufe, TRUMP! Der 'American Dream' ist ein fu***** Albtraum! Aber ist das wirklich so? Geht da alles den Bach runter oder liegt im Versprechen dieses Landes doch mehr als eine heillose Marketing-Floskel? Gibt es etwas wie den Kern dieses faszinierenden Landes, auf dem all die Widersprüchlichkeiten aufbauen? Ja, vermutlich…
Diesen kristallisieren wir heraus und feiern sie auch ein bisschen (sehr) - diese US of A.
Und das tun wir mit Menschen, die es wissen müssen:
Hier geht's zum Transkript der Folge: https://download.hr-inforadio.de/podcast/studio-komplex/studio-komplex-usa-100.pdf
Und hier zu Riks Playlist: https://open.spotify.com/playlist/2kuHT0CscjV6ehKiFDDAQi
Folgt und schreibt uns gern bei Twitter und Instagram!
Wir sind eine sehr ironische Gesellschaft, in der es uncool ist, zu sehr für etwas wirklich begeistert zu sein.
Diese These stellte Mháire Stritter in unserer letzten Folge auf und wir so: "Daraus müssen wir 'ne Folge machen!"
There we go:
Sind wir als Gesellschaft so ironisch geworden, dass wir uns nicht mehr ehrlich begeistern können? Oder mehr noch: Ist es so schlimm, dass wir für Menschen, die ihrer Leidenschaft unironisch nachgehen, nur Spott und Abwertung übrighaben? Weil wir uns in einen Mantel aus ironischer Unantastbarkeit und hundert doppelter Böden gehüllt haben? Bloß, damit niemand ehrliche Gefühle bei uns wittern kann und wir uns angreifbar machen?
Diesen Fragen gehen wir auf den Grund. Und konfrontieren damit in einer epischen Reise:
Moritz Hürtgen, Chefredakteur des Satiremagazins Titanic
Helena Marschall, Fridays for Future
Dax Werner, Autor und Musiker
Peter Fuhr, Briefmarken-, Münzen und Kristallhändler
P.S.: Wenn ihr noch mehr von Mháire und ihrem Hobby erfahren wollt, dann haben wir gute Nachrichten. Im Oktober erscheint die Doku-Serie „Weltenspieler“ mit Mháire Stritter in der ARD-Mediathek.
Wir freuen uns (aufrichtig), wenn ihr das schaut, uns hört und uns folgt:
Ran an die Arbeit, immer nach vorn und immer mehr: Unsere Gesellschaftsmaxime ist der Fortschritt. Das allerdings macht uns die aktuell omnipräsente Verzichtsdebatte auch so dermaßen unbequem. "Verzicht", das klingt nach Frieren, nach trocken Brot und vor allem: nach Rückschritt!
Das tun wir in dieser Folge und reisen durch die Vergangenheit auf der Suche nach tollen Lösungen für die Probleme unserer Gegenwart und Zukunft. Spoiler: Wir finden ein paar!
Auf dieser Reise begleiten uns:
Prof. Dr. Annette Kehnel, Historikerin an der Uni Mannheim
Wolf Lotter, Autor, Essayist und Journalist
Mháire Stritter, LARP- und Mittelalter-Fan
Nina Treu, Mitbegründerin vom Thinktank "Konzeptwerk Neue Ökonomie"
Bert Pampel, Leiter der Dokumentationsstelle der Stiftung Sächsische Gedenkstätten zur Erinnerung an die Opfer politischer Gewaltherrschaft
Unser Transkript: https://download.hr-inforadio.de/podcast/studio-komplex/fortschritt-durch-rueckschritt-100.pdf
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Heute geht's um Zoos. Kinder gehen gerne hin, die meisten jedenfalls. Erwachsene haben hingegen oft gemischte Gefühle: sind die Tiere nicht einfach eingesperrt? Leiden die nicht? Die Zoos sagen: nein, und verweisen auf ihre Bedeutung für Artenschutz, Bildung und Forschung. Tierrechtsorganisationen wie PETA und Leute, die sie unterstützen, halten das für vorgeschoben und sagen: Zoos sind Unterhaltungsbetriebe, in denen Tiere unter schlimmen Bedingungen gehalten und ausgenutzt werden. Wir halten mit unserer These dagegen: Zoos sind für Menschen und Tiere ein unersetzlicher Ort der Begegnung – wenn sie die Bedürfnisse und Rechte der Tiere achten. Denn unberührte Natur gibt es nicht mehr, wir Menschen haben die Verantwortung für die Natur – in Schutzgebieten, Naturparks und eben auch in Zoos.
Wir sprechen darüber mit
Marco Dinter, Biologe und Naturschutzreferent im Zoo Frankfurt
Yvonne Würz, Fachreferentin Zoo und Zirkus bei PETA
Hilal Sezgin, Autorin, Tierrechtsaktivistin
Peter Kunzmann, Philosoph und Tierethiker an der Uni Hannover
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Es geht um´s Jungfernhäutchen. Dabei gibt es das gar nicht. Jedenfalls als Häutchen, das die Vagina verschließt und beim ersten Geschlechtsverkehr durchstoßen wird. Trotzdem steht es öfter noch so in Broschüren und sogar medizinischer Fachliteratur.
Warum ist das so? Wer braucht das? Unsere These: die Männer. Und es geht nicht um medizinische Fakten, sondern um einen Mythos. Von der unberührten Frau, die sich für den Ehemann aufhebt. Von der verletzlichen Frau, die für den Sex erst geöffnet werden muss. Die muss man beschützen, die kann man aber auch kontrollieren. Das Jungfernhäutchen verleiht Männern Macht.
Mal wieder das böse Patriarchat? Auch. Aber das ist nicht alles. Der Mythos der Jungfräulichkeit ist alt und enthält viele Geschichten. Wir finden welche zum Lachen und vielleicht ein bisschen mehr noch zum Weinen. Religiöse, popkulturelle, eigentlich ganz plausible und völlig absurde.
Und wohin führt uns das? Vielleicht dahin, dass Männer das Jungfernhäutchen genau so wenig brauchen wie Frauen.
Darüber sprechen wir mit
Sheila de Liz, Gynäkologin
Hanna Rohde, Medizinstudentin
Oliwia Hälterlein, Kulturwissenschaftlerin und Autorin von „Das Jungfernhäutchen gibt es nicht. Ein breitbeiniges Heft“
Nicole David, Plastische Chirurgin, macht auch sogenannte Hymen-Rekonstruktionen
Kazim Erdogan, Psychologe, Gründer der ersten türkischen Männergruppe in Deutschland
Christina von Braun, Gender-Theoretikerin und Kulturwissenschaftlerin
Was euch noch interessieren könnte:
Christina von Braun zur Jungfräulichkeit (Interview bei watson.ch)
Warum es das Jungfernhäutchen nicht gibt, erklärt Oliwia Hälterlein im Fluter
Reportage zum Wert der Jungfräulichkeit heute mit Kazim Erdogan (Süddeutsche)
Die Youtuberin Fräulein Minzbonbon zur Entjungferung
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Da ist sie wieder: die Debatte ums verpflichtende Dienstjahr. Gefühlt alle Jahre wieder – vornehmlich im Sommerloch – fällt irgendwem ein, dass es doch eigentlich ganz großartig wäre, die Jugend in der vermeintlichen Lücke zwischen dem Schulabschluss und der Welt da draußen sinnvoll zu beschäftigen. Dieses Mal war es Bundespräsident Steinmeier, der die Diskussion um eine "soziale Pflichtzeit" neu entfachte.
"Davon profitieren sie, davon profitiert die Gesellschaft", heißt es aktuell von vielen Seiten. Und es stimmt ja auch ein bisschen: Wie viele schwärmen noch heute von ihren "bereichernden" und "charakterbildenden" Zivi-Tagen? Außerdem wäre das doch die absolute Win-Win-Situation für überlastete Krisenbranchen wie die Pflege – volle Arbeitskraft voraus!
Doch da sind auch diejenigen, die sagen: "Lasst bloß die jungen Leute in Ruhe! Die sollen nicht ausbaden müssen, was wir strukturell vergeigt haben." Und auch das ist wahr. Junge Menschen als Billiglöhner auszunutzen – und sie zeitgleich als verpeilte Schnarchnasen abzutun, denen ein zusätzliches Jahr Orientierungshilfe mal ganz guttun würde, ist gelinde gesagt: unfair! Ebenso wie die Tatsache, dass der Vorstoß genau jetzt (wieder-)kommt: nämlich nach über zwei Pandemiejahren, in denen die Jungen zum Wohle Aller massiv zurückgesteckt haben.
Wir fragen uns darüber hinaus: Kann das überhaupt funktionieren, Solidarität durch Zwang? Und: Welche besseren Alternativen könnte es geben?
Darüber sprechen wir mit:
Jan Schnellenbach, Professor für Volkswirtschaftslehre
Sophia Muliar, Schülerin
Axel Eppich, DRK in Hessen Volunta gGmbH
Livia Josephine Kerp, Bloggerin
Stefan Gosepath, Philosoph und Professor für Praktische Philosophie
Was euch noch interessieren könnte:
Krankenpfleger Alexander Jorde und FDP-Politikerin Ria Schröder debattieren über das soziale Pflichtjahr
Stefan Gosepath im Gespräch mit dem Deutschlandfunk Kultur
Jan Schnellenbach diskutiert in der FAZ mit Veronika Grimm über Pro und Contra
Philipp Amthor und Kevin Kühnert im ZDF über ein verpflichtendes Dienstjahr für junge Menschen
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Wir widmen uns in dieser Folge dem Pride Month. Also dem Monat Juni, in dem die LGBTQI+-Community ihre erkämpften Rechte feiert und auf alles aufmerksam macht, was noch getan werden muss in Sachen Gleichberechtigung. Aber nicht nur die.
Der Pride-Month wird auch von Unternehmen gekapert. Diversity und Produkte mit Regenbogenflagge verkaufen sich super. Unangenehm wird‘s, wenn kein echter Support dahintersteht und das Ganze nur das Image der Firma aufpolieren soll – Pinkwashing wird diese Praxis genannt. „Schlimm, heuchlerisch und ekelhaft“, sagen Kritiker*innen. Wir stellen allerdings die These auf: Pinkwashing ist gar kein Problem. Es bringt viel mehr als dass es schadet.
Darüber sprechen wir mit:
Felicia Ewert, Autorin und Kolumnistin bei Missy Magazine
Tanja Vogler, Psychologin und Geschlechterforscherin an der Universität Innsbruck
Claudius Desanti, Chef einer Kommunikations-Agentur
Jack Strify, Musiker und Influencer
Gesine Palmer, Autorin und Theologin an der Katholischen Akademie in Berlin
Michaela Haase, Marketing-Professorin an der FU Berlin
Albert Kehrer, Diversity-Coach und im Vorstand der Prout at Work-Foundation
Alicia Zett, Autorin, Youtuberin und Grafikerin
Yes, das sind jede Menge Menschen. Und nicht alle finden unsere These klasse …
Was euch noch interessieren könnte:
Deutschlandfunk-Stück über die Stonewall-Proteste
Tanja Voglers Buch über die queeren Aktivismus
Candy Crash’s Rant gegen Pinkwashing
Shon Faye über die Gefahren von Pinkwashing und Homonationalismus
xoxo
Die Sünden der christlichen Kirchen passen so langsam auf keinen Beichtstuhl mehr. Mit Folgen: In Deutschland sind die Konfessionslosen auf dem besten Weg, die Christen anteilsmäßig einzuholen. Der Atheismus ist die Religion der Stunde. Atheist*innen würden sich zwar nie als religiös bezeichnen, doch wir stellen fest:
Ein fester Glaube an die Nicht-Existenz Gottes und ein dogmatisches Ablehnen von allem nicht wissenschaftlich Belegbaren – das weist durchaus religiöse Züge auf. Wir alle glauben! Und uns allen tut ein wenig Demut gut. Atheismus und sein Hang zur Arroganz steht sich selbst im Weg – und kann für uns als Gesellschaft ein echtes Problem werden.
Darüber sprechen wir mit:
Lisz Hirn, Philosophin und Podcasterin von „Philosophieren mit Hirn“
Andreas Urs Sommer, Philosophie-Professur an der Uni Freiburg
Hannes Leitlein, Journalist und Theologe
Detlef Pollack, Professor für Religionssoziologie an der Uni Münster
Was euch noch interessieren könnte:
Die Rede „This is Water“ von David Foster Wallace
Lisz Hirns Artikel „10 Gründe, besser heute als morgen Atheist zu werden“
Winfried Schröders Buch „Atheismus: Fünf Einwände und eine Frage“ (Revue)
Herb Silverman: "Wie Atheisten ihren Ruf überwinden können, arrogant zu sein."
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