Studio-Lookout-Salon: Der Podcast für Architektur, Design, Kunst und Soziokultur

Studio-Lookout-Salon: Der Podcast für Architektur, Design, Kunst und Soziokultur

By Roger Furrer & Maximilian GriegerSociety & CultureArtsDesign
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Studio-Lookout-Salon: Der Podcast für Architektur, Design, Kunst und Soziokultur episodes

  • kweercare soirée #3 | Mentale Gesundheit ist Care-Arbeit

    Queere Menschen in der Schweiz sind psychisch deutlich stärker belastet. Das liegt nicht daran, dass sie queer sind, sondern an Diskriminierung, Unsichtbarkeit und Minderheitenstress. Im Podiumsgespräch der kweercare soirée #3 «Mentale Gesundheit ist Care-Arbeit» geht es um zwei Fragen: Was trägt queere Menschen durch schwierige Zeiten? Und wer ist dafür verantwortlich, dass es ihnen besser geht? Das Gespräch wurde am 22. September 2026 in der Kaserne Basel aufgezeichnet.

    Laut der Schweizerischen Gesundheitsbefragung 2022 des Bundesamts für Statistik treten Depressionssymptome bei homo- und bisexuellen Menschen mehr als doppelt so häufig auf wie bei heterosexuellen Menschen. Bei trans und nonbinären Menschen sind Depressionen und Angststörungen fast viermal so häufig wie bei cis Menschen. Die Gäste diskutieren, was das für Medizin, Politik und Community bedeutet.

    Auf dem Podium:
    – Alessandra Widmer, Co-Geschäftsleiterin der Lesbenorganisation Schweiz (LOS)
    – Dr. med. David Garcia Nuñez, Psychiater und Leiter des Universitären Zentrums für Geschlechtervarianz am Universitätsspital Basel
    – Tobias Urech, Historiker, Doktorand zum Projekt Freund*innenliebe, Drag-Künstler (Mona Gamie) und ehemaliges Vorstandsmitglied der Milchjugend

    Moderation: Maximilian Grieger und Roger Furrer, kweercare

    Darüber sprechen wir:
    – Minderheitenstress: Warum viele kleine Abwertungen eine grosse Wunde hinterlassen
    – Die LGBTIQA+ Mental Health Strategie der Schweizer Dachverbände und wie es mit ihr weitergeht
    – «Care in der Care»: Warum queere Patient*innen in Kliniken oft selbst Aufklärungsarbeit leisten müssen
    – Soziale Transition, Familie und Arbeitsplatz als zentrale Faktoren für psychische Gesundheit
    – Community als Schutzfaktor, aber auch als Ort von Normdruck
    – Care als politischer Begriff und warum Self-Care allein die Welt nicht besser macht
    – Queere Freundschaft als Lebensform, von historischen Liebesbriefen bis zur Wahlfamilie

    Das Publikum war über eine Live-Umfrage beteiligt. Gefragt wurde unter anderem, was in schwierigen Zeiten Halt gibt und wer am stärksten in der Pflicht ist, mentale Gesundheit zu stärken.

    Wenn dich das Gespräch beschäftigt und du mit jemandem Neutralem sprechen möchtest, ist die LGBTIQ Helpline per Telefon, E-Mail oder WhatsApp erreichbar: lgbtiq-helpline.ch

    kweercare ist ein Verein mit Sitz in Basel, der sich für queersensible Kultur, biografieorientierte Fürsorge und inklusive Räume einsetzt. Die kweercare soirée ist eine öffentliche Gesprächsreihe über Care, Identität und Community. Mehr Informationen und nächste Termine gibt es auf kweercare.ch

    1 hr 2 min
  • «Was Räume wissen» – wie Architektur Zugehörigkeit, Gesundheit und Care prägt, mit Stefan Sulzer vom Swiss Center for Design and Health

    Kann Architektur jemals neutral sein? Stefan Sulzer, Managing Director des Swiss Center for Design and Health, sagt klar: Nein. Räume, Gebäude und sogar Alltagsgegenstände wie ein Tellerset transportieren immer Haltung, Macht und Erwartungen – ob Kirche, Polizeistation oder Pflegeheimzimmer.

    Im Studio Lookout Salon Podcast für kweercare sprechen Maximilian Grieger und Roger Furrer mit Stefan Sulzer über queersensible Care-Architektur: warum schlecht gestaltete Räume nicht nur unangenehm, sondern gefährlich sein können, wie das Curb-Cut-Prinzip zeigt, dass Design für Minderheiten oft allen nützt, und warum Bundesasylzentren und Pflegeheime dringend mit den Menschen gestaltet werden müssen, die dort leben – nicht nur für sie. Ausserdem: der Dunning-Kruger-Effekt, Stephen Fry, Oscar Wilde und die Kunst, nie ganz zu wissen, wer man ist.

    Ein Gespräch über Care als gesellschaftliche Haltung und darüber, was Räume über Zugehörigkeit erzählen, ohne ein einziges Wort zu sprechen.

    Mehr zum Swiss Center for Design and Health: www.scdh.ch
    Mehr zu kweercare: www.kweercare.ch

    39 min
  • kweercare soirée #2 | Care ist nicht neutral. Braucht es queere Pflegeangebote?

    Care ist nicht neutral. Braucht es queere Pflegeangebote?» – so lautete die Frage des zweiten kweercare soirée, der am 28. April 2026 in der Kaserne Basel stattfand. An diesem Abend diskutieren vier Expert*innen aus Pflege, Medizin, Organisationsentwicklung und Community-Arbeit, was queersensible Pflege konkret bedeutet – und warum sie keine Nische ist, sondern eine gesellschaftliche Notwendigkeit.

    Auf dem Podium: Michael Esteves Pereira (Kinderarzt und Gründer von Safe to Grow), Christoph Bollinger (Präsident Belvita Care Region Basel), Marianne van Vulpen (Präsidentin queerAltern Region Basel) und Hugo Zimmermann (Initiant queer key). Moderiert von Maximilian Grieger und Roger Furrer.

    Die Runde beleuchtet, warum queere Bewohnende in Schweizer Alters- und Pflegeheimen systematisch unsichtbar bleiben – Fachleute sprechen von einem flächendeckenden «Going back to the closet». Thematisiert werden das niederländische Buurtzorg-Modell als Vorbild für ambulante Pflege, Biografiearbeit als Grundlage queersensiblen Pflegehandelns, die Schulung von Pflegefachpersonen und die Frage, wie queere Kinder, Jugendliche und ältere Menschen im Schweizer Gesundheitswesen sicher und respektiert versorgt werden können.

    Ein Abend, der zeigt: Queere Pflege ist kein Luxusproblem. Sie ist Care-Arbeit, die sichtbar gemacht werden muss.

    🎵 Die Listening Session des Abends gestaltete Lucianne Blue, chilenische Musikerin und DJ aus Zürich.

    kweercare ist ein Basler Verein für queersensible Care-Kultur. Das kweercare soirée-Format erscheint als Podcast auf dem Lookout Salon. Mehr Infos: kweercare.ch

    1 hr 15 min
  • kweercare soirée #1 | Rassismus trifft Queerness – Stimmen aus gelebten Realitäten

    Was passiert, wenn Rassismus und Queerfeindlichkeit nicht zwei getrennte Erfahrungen sind, sondern eine einzige, untrennbare? Dieser Frage geht die erste kweercare soirée nach – eine Podiumsdiskussion mit Listening Session, aufgenommen am 10. März 2026 in der Kaserne Basel, als Pre-Event der Aktionswoche gegen Rassismus.

    Vier Stimmen aus gelebten Realitäten:
    • Ömer Atesci - Vorstand Pink Cross, Initiator Basel tickt bunt!
    • Ziwei Huang aka Chabelle Angels - Kunsthistoriker:in, Ballroom Community Zürich
    • Nina Novic - Finanzexpertin, Schauspielerin
    • Prof. Dr. Udo Rauchfleisch - Psychotherapeut, Queeramnesty

    Moderation: Maximilian Grieger und Roger Furrer, kweercare

    Die Runde spricht über Intersektionalität im Alltag, über das Doppelt-Unsichtbar-Sein als queere Person of Color, über die Frage, wann Diskriminierung rassistisch ist, wann queerfeindlich – und wann beides zugleich. Sie sprechen über Ballroomkultur als Schutzraum, über geflüchtete queere Menschen in der Schweiz, über Arbeitswelten, in denen Trans* Identität und migrantische Biografie gemeinsam unsichtbar gemacht werden.

    kweercare ist ein Basler Verein, der Care als gesellschaftliche Haltung begreift – in der Pflege, im Gesundheitswesen, in Architektur, Design und Kultur. Immer aus queerer Perspektive. Die kweercare soirée ist ein laufendes Veranstaltungsformat in Basel.

    → kweercare.ch

    Unterstützt vom Präsidialdepartement des Kantons Basel-Stadt.

    56 min
  • Vielfalt als Gestaltungsprinzip – Designanthropologie, kweercare und die Kunst des Sorgetragens mit Prof. Aylin Yildirim Tschoepe

    In dieser Folge des Studio Lookout Salon Podcast treffen wir Prof. Dr. Dr. Aylin Yildirim Tschoepe an der Hochschule für Gestaltung und Kunst der FHNW Basel. Sie ist Kulturanthropologin, Architektin und Forscherin an der Schnittstelle von Stadt, Gesellschaft und Gestaltung – und eine der wichtigen Stimmen, die Designanthropologie, feministische Raumpraktiken und queere Perspektiven konsequent zusammendenkt.

    Maximilian Grieger und Roger Furrer sprechen mit Aylin über das Aufwachsen zwischen zwei Kulturen und was es bedeutet, schon als Kind zwischen den Stühlen zu sitzen – und warum das keine Entscheidung verlangt. Über Räume, die ausschliessen – und solche, die einschliessen könnten. Über den männlichen Crashtest-Dummy als Symbol für Design, das andere Körper ignoriert. Über Intersektionalität als Forschungslinse. Und über die Organisation kweercare: warum inklusive Pflege für LGBTQI+-Menschen nicht nur eine Nischenfrage ist, sondern ein kollektiver Reflex, von dem alle profitieren.

    Aylin erzählt ausserdem von ihren angewandten Forschungsprojekten und Workshops (kritische Flânerie, Urban Engendering, Deep Mapping) um unsichtbare Geschichten marginalisierter Communities im Stadtraum erkennbar und erfahrbar zu machen.

    Eine Folge über Räume, Identität, Würde im Care-Bereich – und die Frage: Für wen gestalten wir eigentlich?

    🔗 Mehr zur Arbeit von Aylin Yildirim Tschoepe: fhnw.ch 

    🔗 Mehr über kweercare: kweercare.ch

    35 min
  • Die Welt ist nicht genug – Anne-Rachel Schiffmann von Snøhetta Architekten über spürbare Räume

    In dieser Episode des Studio Lookout Salon sprechen Maximilian Grieger und Roger Furrer mit Anne-Rachel Schiffmann, Director of Architecture bei Snøhetta New York. Anne-Rachel, in der Schweiz geboren und seit über 20 Jahren in New York tätig, arbeitet an Projekten, die weltweit Standards setzen – von nachhaltiger Retail-Architektur bis hin zu immersiven Landmarken wie Summit One Vanderbilt.

    Wir sprechen darüber:
    • wie Architektur Räume schafft, die man spürt
    • warum Intuition, Licht, Rhythmus und Materialwahl über Funktion hinausgehen
    • wie Snøhetta Kultur, Natur und Gemeinschaft in einem ganzheitlichen Designansatz verbindet
    • weshalb verantwortungsvolle Gestaltung immer mit Kollaboration beginnt
    • wie nachhaltiger Retail gelingt – modular, kreislauffähig, ohne Klebstoff, präzise demontierbar
    • wie Anne-Rachel kulturelle Diversität in Teams stärkt und führt
    • was der Erfolg von Summit One Vanderbilt über immersive Erlebnisse in einer post-COVID-Welt erzählt
    • warum junge Architektinnen heute neue Rollen definieren können
    • und welche Inspirationen Anne-Rachel ausserhalb der Architektur sucht – Kunst, Galerien, Literatur, Landschaften.

    Diese Episode führt von Paris über New York bis zurück in die Schweiz – ein Gespräch über Haltung, Verantwortung, Intuition und Räume, die Menschen miteinander verbinden.

    Mehr zu Snøhetta: snohetta.com

    Mehr zu Studio Lookout: studiolookout.com

    33 min
  • Design mit Haltung – Simone Züger & Daniel T. Maurer über Sinn und Wirkung

    Was bedeutet gute Gestaltung 2025 – zwischen Markt, Haltung und Identität? In dieser Studio Lookout Salon Folge, produziert in Kooperation mit der Blickfang Zürich, sprechen Host Roger Furrer mit Simone Züger (Designerin, Simone Züger Design Studio, Zürich) und Daniel T. Maurer (WOGG, Schweizer Designmarke, Zürich) über Sinn, Wirkung und Verantwortung von Design als kulturelle Praxis.

    Themen u. a.:

    • Haltung im Design: Verantwortung, Materialwahl, Kreislauffähigkeit und wann ein klares Nein notwendig ist.
    • Sinn & Sinnlichkeit: Warum gute Gestaltung Charakter hat, leise spricht und lange bleibt.
    • Markt trifft Haltung: Blickfang als kuratierte Bühne zwischen Plattform und Marktplatz.
    • Reduktion: Ästhetische Entscheidung und ethischer Akt – „reduce to the max“.
    • Story & Authentizität: Warum glaubwürdige Geschichten wirken und wie Marken relevant bleiben.
    • Nachhaltigkeit bei WOGG: 100% recyceltes Aluminium bei Rollfronten, PP-Schieber mit 80% Meeresabfall – Haltung in der Industrie.
    • KI & Handwerk: Chancen digitaler Prozesse ohne den Menschen zu ersetzen.
    • Schweizer Design DNA: Klarheit, Funktion, Präzision – und Offenheit für internationale Einflüsse.
    • Designer Alfredo Häberli & WOGG 38: Ikonischer Tisch als Ingenieurskunst - konzipiert wie eine Brücke; Designgeschichte trifft Fertigungskönnen.

    Aufgezeichnet im WOGG Hauptsitz & Showroom in Zumikon bei Zürich – dort, wo Schweizer Design seit 1983 gedacht, gefertigt und gelebt wird.

    Gäste

    • Simone Züger – Designerin, Gründerin Simone Züger Design Studio, zwischen Kunst und Design, klare Materialhaltung, poetische Formen, Jury Blickfang Zürich 2025.
    • Daniel T. Maurer – CEO WOGG, Schweizer Möbel mit starker Ingenieurs- und Materialkompetenz, Systemsprache statt Trendgetöse.

    Host

    • Roger Furrer, Studio Lookout Salon Podcast, Jury Blickfang Zürich 2025.

    Hinweis
    Mehr zur Blickfang: blickfang.com
    WOGG Kollektionen & Geschichte: www.wogg.ch
    Simone Züger Studio: www.simonezueger.ch

    38 min
  • Bioregional Assembly_Basel - Wie Material, Wissen und Infrastruktur Zukunft formen

    Eine Bioregion folgt nicht politischen Grenzen, sondern natürlichen Zusammenhängen: Wasserläufe, Landschaften, Ökosysteme. Basel in der Schweiz liegt mitten in solch einem Raum – verbunden durch den Rhein, eingebettet zwischen Jura, Schwarzwald in Deutschland und Vogesen in Frankreich. Hier kreuzen sich Ströme von Materialien, Wissen und Infrastruktur, die seit Jahrhunderten Handel, Kultur und Zusammenleben prägen.

    Mit der Bioregional Assembly_Basel schaffen wir einen Resonanzraum für diese Ressourcen: Wie können sie in einer zirkulären Wirtschaft neu gedacht werden? Welche Zukunft wollen wir – nicht nur für uns, sondern für die nächsten sieben Generationen?

    Im Studio Lookout Salon Podcast sprechen die Initiatioren Roger Furrer, Gordon Selbach und Jakob Travnik (bioregional.agency) über den gemeinsamen Auftakt der Bioregional Assembly_Basel: den Workshop Basel 2125. Vertreter:innen aus Wirtschaft, Architektur, Wissenschaft, Verwaltung und Kultur kamen zusammen, um mit dem Prinzip des Seventh Generation Thinking mögliche Zukunftsbilder für die Region zu entwickeln.

    👉 In dieser Episode erfährst du:

    • Warum Basel als trinationale Bioregion einzigartig ist.
    • Wie Material, Wissen und Infrastruktur neu vernetzt werden können.
    • Welche Rolle Storytelling und lokale Allianzen für Wandel spielen.
    • Warum die Freie Gemeinschaftsbank Basel als Initiativpartner entscheidend ist.
    • Wie du selbst Teil der Bioregional Assembly_Basel werden kannst.

    Die Assembly ist ein offener Prozess – keine fertige Schublade, sondern ein Resonanzraum für neue Formen von Zusammenarbeit und Kreislaufwirtschaft. Basel hat das Potenzial, Modellregion für bioregionales Denken zu werden.

    Mitmachen & mehr erfahren:
    bioregional.agency
    studiolookout.com

    Initiativpartner: Freie Gemeinschaftsbank Basel

    31 min
  • Heilende Architektur, gelebte Resilienz – Stephan Freude über die Kraft der Lebensfreude

    Wie wird aus einer Krise neue Stärke?

    Stephan Freude ist Speaker, Dozent und Unternehmensberater – und weiss aus eigenem Erleben, was Resilienz wirklich bedeutet. Nach einem schweren Motorradunfall mit 22 musste er sein Leben völlig neu gestalten und begleitet heute Menschen und Organisationen in Wandel, Resilienz und Diversity.

    Im Gespräch mit Roger Furrer und Maximilian Grieger erzählt Stephan,

    • warum Resilienz mehr ist als ein Schlagwort
    • wie Diversity zur Haltung wird statt zur Checkliste
    • was heilende Architektur in der Praxis bedeutet – mit einem besonderen Blick auf die Healing Architecture von Herzog & de Meuron für das REHAB Basel
    • über seine Arbeit als Speaker und Peer Support bei der Schweizer Paraplegiker Gruppe in Nottwil
    • und weshalb die Frage Warum? zum Schlüssel für echte Veränderung wird.

    Ein inspirierender Austausch über Lebensfreude, Wandel und die Kraft, unbequeme Dinge anzusprechen – für alle, die Transformation nicht als Pflicht, sondern als Chance begreifen.

    👉 Mehr zu Stephan Freude: www.stephanfreude.com

    43 min
  • Adrian Berchtold führt die Teppichmanufaktur Ruckstuhl mit Tradition und Zukunftsblick in eine neue Ära

    Wie verbindet man 140 Jahre Handwerk mit Circular Design und digitaler Innovation?

    Die Fäden der Zeit verflechten sich in der Schweizer Teppichmanufaktur Ruckstuhl zu einem beeindruckenden Gewebe aus Handwerk, Circular Design und technologischer Innovation. Maximilian Grieger spricht mit CEO Adrian Berchtold, der das 140-jährige Unternehmen gemeinsam mit Valentin Baumann in eine neue Zukunft führt – mit Teppichdesign zwischen jahrzehntealten Webstühlen und digital gesteuerter Robotertechnologie.

    Mit fast religiöser Hingabe pflegt das Team die bis zu 80 Jahre alten Webstühle, für die es längst keine Ersatzteile mehr gibt. Wenn etwas kaputtgeht, wird das Teil ausgebaut und von einem Kunstschmied nachgefertigt – ein zeitaufwändiger Prozess, der die Seele der Manufaktur bewahrt. Denn nur diese alten Maschinen können die besonderen Qualitäten herstellen, für die Ruckstuhl bekannt ist. Besonders faszinierend: Für die Kokosfaserteppiche werden jährlich etwa 120 Tonnen Fasern verarbeitet – das entspricht 1,6 Millionen Kokosnüssen aus Sri Lanka, ein Abfallprodukt der Lebensmittelindustrie, das hier zu hochwertigen Teppichen verarbeitet wird.

    Der Höhepunkt der Verbindung zwischen Vergangenheit und Zukunft ist die neue Trix und Robert Hausmann Kollektion. Diese Teppiche, inspiriert von den ikonischen Designklassikern des bedeutenden Schweizer Designerpaares, bestehen zu 60% aus rezyklierter Wolle aus getragenen Kleidern – realisiert in Zusammenarbeit mit Circular Living, einem Pionier im Circular Design. Jeder Teppich trägt einen digitalen Produktepass, entwickelt mit World of Pi. In Form eines QR-Codes, enthält der nicht nur Informationen über Materialien, Herkunft und Pflege, sondern auch ein digitales «Tagebuch». Dieses ermöglicht einen emotionaler Mehrwert, der den Teppich über Generationen begleiten kann und am Ende seines Lebens die fachgerechte Wiederverwertung erleichtert. Mit diesem digitalen Zwilling wird Transparenz zur Norm und ein neues Kapitel in der digitalen Identität physischer Produkte aufgeschlagen.

    Adrian Berchtold verkörpert selbst diese Brücke zwischen Tradition und Aufbruch. Als offen schwuler CEO in einer ländlichen Region setzt er sich für Diversity und Inklusion ein und zeigt, dass Werte wie Authentizität und Respekt genauso wichtig sind wie handwerkliche Exzellenz und innovative Technologie. 

    Während der Zürich Design Weeks 2025 präsentierte sich Ruckstuhl im Soeder Store am Hauptbahnhof Zürich – mit einer Installation von Bureau Hindermann, die Handwerk, Design und Innovation verband.

    49 min

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