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Inspiriert nicht zuletzt vom Wandler zwischen den weißen und schwarzen Musikwelten, Jimi Hendrix, öffnet sich der Soul für Einflüsse aus dem Rockbereich. Durch ihn kommt das Wah-Wah und das Distortion Pedal in die soul-Musik, der Sound wird roher und bissiger. Der Motown-Vorzeige-Act The Temptations übernimmt eine Vorreiterrolle im Finden der neuen Klangfarbe. 1970 erscheint ihre Nummer psychedelic shack, deren Titel sich auf einen damals angesagten Hippie Club in detroit bezieht. Noch im selben Jahr veröffentlichen die temptations den song ball of confusion, und setzen damit eine benchmark. Der Refrain ist die Quintessenz des Lebensgefühls in dieser von neuen Spannungen zwischen dem schwarzen und weißen Amerika geprägten Zeit.
MIt The Undisputed Truth stößt ein weiterer Motown-Act in die Klang-Sphäre des psychedelic soul vor. 1971 veröffentlichen sie ihr Album Smiling Faces sometimes. Der Titeltrack stellt sich mit hintersinnigem Groove einer aufkommenden Paranoia. Auch die Formation the Chambers Brothers etabliert sich ab Ende der 60-er Jahre als Aushängeschild des psychedelic soul. Der weiße Drummer Brian Keenan treibt den Sound der Band in Richtung Rock. 1970 betritt dann Curtis Mayfield die Bühne. Sein Debütalbum Curtis oszilliert zwischen klassischem Soul und psychedelia. Der Opener If there is a hell below, wer e all gonna go ist ein Parade-Beispiel für seine psychedelic ader und wird gerade für die erfolgreiche Serie The Deuce gefeatured. Der Psychedelic Soul treibt also das Genre ab den 70-ern in eine neue, düster angehauchte richtung, die die Ernüchterung der Bürgerrechtsbewegung aufgreift. Den Einfluss seiner Protagonisten kann man auch im Werk zeitgenössischer Artists wie Curtis Harding oder Michael Kiwanuka spüren.
Screening Room - Der Superfly Kinotipp der Woche
(Autor: Johannes Rhomberg)
J´ACUSSE
Regie: Roman Polanski
Im Jahr 1894 spricht das Kriegsgericht den französischen Hauptmann Alfred Dreyfus des Hochverrats schuldig. Dreyfus wird aus der Armee entlassen und auf eine Insel verbannt. Währenddessen wird Major Picquart zum Chef des Geheimdienstes ernannt und muss dort bald feststellen, dass die Verurteilung von Dreyfus unrechtmäßig war. Doch statt den Prozess neu aufzurollen, wollen seine Vorgesetzten den Fall totschweigen.
Radio Superfly's Album der Woche
Titel: Buck
Artist: Brainstory
Label: Big Crown Records
Die Geschichte von Brainstory beginnt im San Bernardino Valley, Kalifornien. Eine trockene Einöde voller Langeweile und leerer Grundstücke. Skateboarding hilft nur vorübergehend der Monotonie zu entfliehen. Musik wird zum verbindenden Element der beiden Brüder Kevin & Tony Martin und ihrem Freund Eric Hagstrom. Sie gründen eine Band - Brainstory. Ihr aktuelles Album „Buck“ ist auf Big Crown Records erschienen und unser Album der Woche.
Doch noch einmal zurück zu ihren Anfängen. Das Trio zog bald nach Los Angeles. Ihr unverwechselbarer Stil, der Einflüsse aus den unterschiedlichsten Genres vereint, sprach sich in der Musikszene schnell herum. Sich festzulegen fällt schwer. Man hört Funk, man hört Rock, ebenso psychedelische Sounds der Sixties. Am Ende verschmilzt alles zu Soul.
Die Songs werden durch Kevin’s Gesang getragen. Sein Falsett schwebt förmlich über Tony’s und Eric‘s unerschütterliche Backbeats. In Szene gesetzt durch keinen geringeren als Big Crown Mastermind und Produzent Leon Michels.
Das Album „Buck“ bedient sich raffiniert an der Vergangenheit, Gegenwart und vermeintlichen Zukunft der schwarzen Musik. Und ebenso Yachtrock ist anzutreffen. Man darf gespannt auf weitere Veröffentlichungen warten.
Anspieltipps der Musikredaktion:
Radio Superfly's Buchtipp
Titel: Bedeutsame Belanglosigkeiten
Autor/in: Vittorio Magnago Lampugnani
Verlag: Wagenbach Klaus
Woran erkennt man auf dem Bild einer Straße, um welche Stadt es sich handelt, auch wenn kein bekanntes Wahrzeichen zu sehen ist? An den kleinen, aber charakteristischen Objekten des Stadtraums: den Brunnen, den Baumscheiben, Pollern, Stadtmöbeln, aber auch am Belag, Trottoir oder den Kanaldeckeln.
Lampugnani hat über viele Jahre die Geschichte dieser Objekte erforscht, hat 22 repräsentative herausgesucht und erzählt uns ihren Werdegang: beginnend mit ihrem ersten Auftreten (oft schon in der Antike), ihrer Vernachlässigung (meist im Mittelalter), ihrer neuen Blüte oder ihrem erstmaligen Erscheinen (in der Stadt der Neuzeit) bis hin zu ihrer Verlotterung und Verhässlichung in der Gegenwart. Oder geht ihrem kurzem Leben nach wie dem der Telefonzelle, die, kaum erfunden, schon wieder den technischen Neuerungen zum Opfer fiel. Was entsteht, sind nicht nur kenntnisreiche Einblicke in bisher unterschätzte Elemente der Stadt und amüsante Anekdoten aus der Geschichte des Städtebaus und einzelner Städte. En passant erzählt Lampugnani auch, was eine Stadt schön, individuell und unverwechselbar macht. Und was wir heute manchmal leichtfertig aufs Spiel setzen
Screening Room - Der Superfly Kinotipp der Woche
(Autor: Johannes Rhomberg)
EIN VERBORGENES LEBEN
Regie: Terrence Malick
Im Jahr 1943 werden die Männer des kleinen Dorfes Radegund in Oberösterreich zum Wehrdienst eingezogen. Unter ihnen Franz Jägerstätter, der es mit seinem religiösen Gewissen nicht vereinbaren kann, für die Nazis in den Krieg zu ziehen. Die Konsequenzen sind jedoch fatal, denn es droht die Hinrichtung.
Der Pianist und Komponist Allen Toussaint beginnt Anfang der 60-er Jahre als Produzent für das kleine Label Minit Records zu arbeiten, das in seiner Heimat New Orleans seinen Sitz hat. Sein Soul-Sound ist geprägt von r’n’b und Boogie Woogie Rhythmen, die meist vom piano gespielt werden, gewürzt mit karibischen Einflüssen. Auch Bläsersätze sind dabei, die deutlich roher, aber dadurch auch deutlich funkiger sind als die elaborierten Arrangements wie sie etwa in Detroit oder Philadelphia üblich sind.
Der wichtigste Einfluss auf Allen Toussaint für die Entwicklung dieser klangfarbe ist der ebenfalls in New Orleans tätige Musiker Professor Longhair, der nicht nur für Toussaint, sondern auch etwa für Fats Domino und The Meters eine Inspirationsquelle wird. Apropos The Meters: Gründungsmitglied Art Neville ist einer der Sänger, der in den 60-er Jahren von Allen Toussaint produziert wird. bevor er mit den Meters den Funk entscheidend prägt, ist er einer der Vertreter des New Orleans Soul
Ein Kennzeichen des New Orleans Soul ist auch, dass die Lyrics nicht den Stellenwert haben, den sie weiter oben im Norden genießen. Sozialkritik und erwachendes schwarzes Selbstbewusstsein ist hier eher selten Thema. Dafür verhandelt Lee Dorsey 1965 zum Beispiel, wie man stilecht ein Pony reitet. Der Soul aus New Orleans bleibt auch in seiner Blütezeit in den 1960-er Jahren eher ein lokales Phänomen. Er beeinflusst aber viele Musiker vor allem des Southern Soul, die ebenfalls eine groove-betonte, rohe Spielart pflegen. Sowohl der Southern als auch der New Orleans Soul sind prägend für den wenig später entstehenden Funk, der mit den Meters einen der wichtigsten Vertreter in New Orleans hat.
Radio Superfly's Album der Woche
Titel: Nothing's Going Wrong
Artist: Martha High
Label: Blind Faith Records
Wenn eine Sängerin die Sensibilität und Aussagekraft hat seinen Zuhörer emotional zu bewegen, dann sprechen wir von Soul. Ein Gefühl, das nicht mit Spezialeffekten in Studios erzeugt werden kann. Und dafür steht das brandneue Album von Martha High. Es trägt den Titel „Nothing's Going Wrong" und ist auf dem italienischen Label Blind Faith Records erschienen.
Ihr Longplayer verbindet die Klänge der goldenen Ära des Souls und ergänzt diese mit italienischen Soundtracks der 60er Jahre. Denn Martha ist nicht alleine zu hören. Gemeinsam mit der Italian Royal Family bricht sie bewusst einige Klischees der zeitgenössischen Soul-Musikszene und haucht ihr dadurch neues Leben ein.
Aber ebenso lyrisch hat „Nothing's Going Wrong" so einiges zu bieten. Das Album ist sehr stark von den sozial und politisch angehauchten Aufnahmen von Marvin Gaye, Gil Scott Heron oder Curtis Mayfield aus den 70er Jahren beeinflusst. Die Wirkung ihrer Stimme ist gewaltig. Man hört förmlich den Schmerz und die Hoffnungen einer schwarzen Frau, die gezwungen war, die USA zu verlassen.
Mit „Nothing's Going Wrong erreichte uns ein Album, das über das hinausgeht, was gerade in Mode ist. Es ist ehrlich, kritisch und vor allem zeitlos – Aspekte die ein grandioses Soul Album ausmachen.
Anspieltipps der Musikredaktion:
Radio Superfly's Buchtipp
Titel: Essen Sie nichts, was Ihre Großmutter nicht als Essen erkannt hätte. Goldene Regel für gute Ernährung
Autor/in: Michael Pollan
Verlag: Goldmann Verlag
Michael Pollan: "Essen Sie nichts, was Ihre Großmutter nicht als Essen erkannt hätte. Goldene Regeln für gute Ernährung." (Goldmann Verlag)
Low Carb? Bio? Vegan? Streetfood? Superfood? Hilfe, wir brauchen dringend einen Wegweiser im Dschungel der Ernährungstrends! Die Botschaft des amerikanischen Food-Experten und Bestsellerautors Michael Pollan ist so einfach wie aktuell.
Zu den Vertretern des Southern Soul zählt Ray Charles ebenso wie James Brown. Einer der sehr stark vom Blues beeinflusst wurde, ist Bobby Blue Bland, der seine Karriere Anfang der 50-er Jahre bei dem Label Sun Records in Memphis beginnt.
Memphis entwickelt sich bald zum Epizentrum des Southern soul, weshalb auch bald von Memphis Soul die Rede ist. Vor allem Das Label Stax Records prägt den Memphis Soul wie keine andere Institution. Die aus weißen und schwarzen Musiker bestehende Studioband Booker T and the MGs liefert einen energiegeladenen Sound, der bald dafür sorgt, dass die Creme de la Creme der Soulmusiker nach Memphis pilgert, um dort aufzunehmen, wie zum Beispiel Wilson Pickett. Wilson pickett dont fight it
Einer der größten Stars von Stax und auch des Memphis Soul sollte Otis Redding werden. Redding schreibt seine Songs meist selbst, und manchmal in Zusammenarbeit mit dem Gitarristen Steve Crooper von den MGs. Auf seinem Debütalbum Otis REdding sings Soul ist etwa Reddings Song Respect zu finden, der in der Version von Aretha Franklin zum Riesen-Hit wird. Im Gegensatz zu Ray Charles, der den Rock n Roll als Diebstahl der Weißen am schwarzen Rnb interpretierte, überschreitet Otis Redding gerne diese Grenze. Sein Debütalbum enthält neben seinen eigenen Songs auch ein Cover des Rolling Stones Smash hit Satisfaction. Diese Annäherung an die weiße Musik verstärkt der im Alter von nur 27 Jharen viel zu früh verstorbene Redding dann noch weiter mit seinem erst postum erschienen Folk-beeinflussten Song Sittin on the Dock of the Bay. Auf Reddings Debütalbum am Piano zu hören ist ein gewisser Isaac Hayes. Hayes wird bald zum wichtigsten Songwriter von Stax und lanciert ab 1967 seine Solo-Karriere. Mit seinem zweiten Album Hot Buttered Soul drückt er dem Southern Soul seinen ganz eigenen Stempel auf. Der Southern oder Memphis Soul steht also für eine Soul-Art, die widerspenstiger, erdiger ist als der polierte Motown-Sound. Sowohl Stax als auch Motown hatten aber einen wesentlichen Einfluss an der Überwindung der Rassentrennung in den USA, wobei Stax mit seiner Studioband aus weißen und schwarzen Musikern und der Integration weißer Musikstile diesen Aspekt auch im künstlerischen Bereich umgesetzt hat.
Screening Room - Der Superfly Kinotipp der Woche
(Autor: Johannes Rhomberg)
DIE WÜTENDEN - LES MISÉRABLE
Regie: Ladj Ly
Der Polizist Stephane kommt zur Einheit für Verbrechensbekämpfung in Montfermeil. Der Friede in dem Pariser Brennpunkt-Vorort wird durch die fragwürdigen Methoden der Polizei in einem labilen Gleichgewicht halten. Doch schließlich eskaliert ein schwelender Konflikt zwischen lokalen Gangs – und die Polizisten werden von den Ereignissen überrollt.
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