Sebastian Geruschka ist der Technische Leiter Straßen- und Tiefbau im Zentralverband des Deutschen Baugewerbes und er sagt im Gespräch mit SWR Aktuell-Moderator Jonathan Hadem: "Der Eindruck entsteht häufig und das wird auch des Öfteren an uns herangetragen, aber man muss dazu sagen - das hat mit der Besonderheit von Straßenbaumaßnahmen zu tun." Das heißt, dass fast dieselben Arbeitsschritte entlang einer längeren Strecke erfolgen müssen. "Straßenbaumaßnahmen sind Linienbaustellen. Sie erstrecken sich sehr häufig auf drei, vier und noch mehr Kilometer. Auf einer schmalen, langen Strecke kann man nur an wenigen Stellen bauen, damit man sich nicht gegenseitig beeinträchtigt." So entstehe der Eindruck, dass auf der Baustelle fast nichts geschehe.
In der Tat ist es aber so, dass in den meisten Fällen an einer Stelle sehr konzentriert gearbeitet wird und sich dann immer vorangearbeitet wird.
Quelle: Sebastian Geruschka, Technischer Leiter Straßen- und Tiefbau im Zentralverband des Deutschen Baugewerbes
Die Bautrupps müssten sich eben vom Anfang bis zum Ende der Baustelle durcharbeiten, sagt der Straßenbauer. Wenn also weite Teile der Linienbaustelle verwaist wirkten, lasse das meist keine Rückschlüsse auf die Effizienz der Baustelle zu.
Bürokratie nur ein Problem solcher Bauvorhaben
"Die Bürokratie, die macht uns allen zu schaffen", sagt Sebastian Geruschka, aber sie sei nicht der einzige Grund für häufig verlängerte Bauzeiten im Straßenbau. "Es ist natürlich immer so, dass man sich in einem Baugrund bewegt, den man nur zum Teil kennt - und dieser Baugrund hält immer wieder Überraschungen bereit." Eine Folge könne dann sein, dass zusätzlich Material ausgehoben und aufwendiger gebaut werden müsse. "Eine andere Geschichte ist auch, dass manchmal Umweltauflagen hinzukommen, mit denen man vorher nicht gerechnet hat." Das ziehe dann unter Umständen zusätzliche Genehmigungsverfahren nach sich. Zudem bemängele die Branche, dass in letzter Zeit die Planung von Baumaßnahmen nicht mehr so zuverlässig sei, wie in der Vergangenheit üblich.
Baustellen-Chaos auf den Autobahnen
Nach Angaben des ADAC summierte sich der Stillstand in den Sommerferien in Baden-Württemberg auf den Autobahnen auf insgesamt gut 6.500 Stunden in einem Stau, der aufaddiert 13.000 Kilometer lang ist. Immer wieder gibt es Chaos, wie zum Beispiel an der A8-Anschlussstelle Pforzheim West. Hier mussten laut Autobahn GmbH unter anderem die Brücken neu asphaltiert werden. Weil in die andere Richtung auch gebaut wurde, kamen Fahrzeuge mit einer Breite über 2,55 Metern nicht an der Baustelle vorbei. Es gibt aber auch Fortschritte. So war das Stau-Aufkommen in den Sommerferien im Vergleich zum Vorjahr geringer – um gut 500 Stunden. Experten erklären das mit weniger Baustellen.
Gelassen bleiben - egal wie
"Ich denke schon, dass es schön wäre, wenn wir es gut finden könnten, dass sich was tut und dass es in die Richtung geht, die dem, was wir dem System abverlangen, näher kommt", sagt Anja Katharina Huemer, Professorin für Verkehrspsychologie an der Universität der Bundeswehr München. Huemer betont, Bund, Länder und Kommunen sanierten viele Verkehrsträger, während sie über Vollauslastung weiter betrieben werden müssten. Deswegen sei es ratsam, bei Überlastung der persönlichen Geduld aufgrund von Baustellen möglichst Ausweichstrategien bereitzuhalten - angefangen vom Musik-Mix, der einen durch den Stau trägt, bis zur Kaffeepause, um vom Stau-Ärger runterzukommen.