Bestseller-Autor und Philosoph Christoph Quarch gibt jeden Freitagmorgen seinen "Frühstücks-Quarch" im Radioprogramm SWR Aktuell ab. Er sucht sich also jede Woche ein Thema aus, über das er nachdenkt und sich manchmal auch aufregt. Diese Woche: Wohlstandsverlust und die Frage, was meinen wir damit eigentlich? „Eine einfache Antwort auf diese Frage gibt es gar nicht“, sagt der Philosoph im Gespräch mit SWR Aktuell-Moderator Stefan Eich.
Wer meint was mit Wohlstand?
„Man muss immer auf den Kontext achten, wenn man verstehen möchte, was diejenigen eigentlich meinen, die da immer so eindringlich vor dem Wohlstandsverlust warnen“, sagt Quarch. Bei Ökonomen zum Beispiel sei Wohlstand eigentlich nichts anderes als eine Chiffre für Wachstum. Bei Politikern gehe es um Steuereinnahmen und bei Populisten um den Erhalt des Status Quo. Diese begriffliche Unschärfe führe dazu, dass der Begriff Wohlstand so inflationär benutzt werden könne.
Die Menschen fürchten den Wohlstandsverlust
Wohlstandsverlust sei eigentlich gar nicht so sehr eine seriöse Diagnose, sondern vielmehr ein Triggerwort, mit dem man Stimmung erzeugen könne, findet Quarch. Er gehe davon aus, dass es bei den meisten Menschen um die Angst vor dem Verlust des materiellen Status gehe. Der Begriff WohlSTAND suggeriere etwas, das man habe und das man nicht aufgeben möchte. Nichts bedrohe unseren Stand mehr, als sich bewegen zu müssen. Deswegen sei das Thema so populär, denn es adressiere unsere weit verbreitete Angst vor Veränderung.
In unsicheren Zeiten braucht man eine gewisse Sicherheit
Die Frage sei nur, ob das, was man unter dem eigenen Wohlstand verstehe, einem auch wirklich Halt geben könne, erklärt Quarch. Er würde das bezweifeln. Philosophen hätten die Menschen immer schon davor gewarnt, ihr Glück von der Anhäufung materieller Güter abhängig zu machen. Es gehe vielmehr darum, das Augenmerk auf die Dinge zu lenken, die dem Leben eine Erfüllung geben könnten. Die Stoiker seien davon überzeugt gewesen: Ohne Freundschaften, Seelenfrieden oder gute Taten gibt es auch keinen Wohlstand.
Was kostet Wohlstand?
„Die materielle Form von Wohlstand hat uns schon einiges gekostet“, sagt Quarch. „Wir haben eine zerstörte Umwelt, vergiftete Meere, Klimawandel und Pandemien“. Aus seiner Sicht bedeute das, das nicht unser Wohlstand in Gefahr sei, sondern dass vielmehr unser Wohlstand die Gefahr sei. Denn er sei erkauft durch eine maßlose Ausbeutung der natürlichen Ressourcen. Deswegen brauche es dringend eine gesellschaftliche Debatte darüber, welche Art von Wohlstand wir eigentlich wirklich wollen.