„Die Flagge ist auf einen Manga, also einen japanischen Comic, zurückzuführen“, sagt Stefanie Voss. Der Manga heißt „One Piece“ und dreht sich um eine Piraten-Crew. Wenn man sich historische Piraterie anschaue, dann seien viele dazu getrieben worden, weil sie in Freiheit und Selbstbestimmung leben wollten. Sie seien zunächst herrschaftlichen Systemen ausgeliefert gewesen. Seeleute in der Kriegs- oder Handelsmarine hätten fast gar keine Rechte gehabt und seien auf das Übelste ausgebeutet worden. Um sich dagegen zu wehren, hätten sie sich Piraten angeschlossen. Widerstand, Freiheit, Selbstbestimmung und der Kampf gegen eine Übermacht, das sei genau das Thema um das es in „One Piece“ gehe. Und das werde – teilweise unbewusst – auch heute noch mit Piraten verbunden.
Stefanie Voss hat ein Buch mit dem Titel „Die Piraten-Strategie“ geschrieben
Die Zeit der Piraten sei sehr brutal gewesen, erzählt sie. Trotzdem könne man sagen, Piraten hätten den Status Quo eines sehr unfairen Gesellschaftssystems schon vor drei- vierhundert Jahren in Frage gestellt. Sie hätten unter sich so etwas wie basisdemokratische Strukturen geschaffen: Sie hätten ihre Anführer selbst gewählt und auch wieder abgewählt, wenn sie nicht zufrieden gewesen seien. Außerdem habe es unter ihnen so etwas wie homosexuelle Ehen gegeben.
Piraten wie Francis Drake waren ein Sonderfall
Auch Francis Drake, der für die englische Königin Elizabeth die Erste Piraterie betrieb, sei ein sehr fairer Anführer gewesen, erzählt Stefanie Voss. Es sei eindeutig dokumentiert, dass er seine Leute gut behandelt habe. Auch mit Gefangenen sei er gut umgegangen, habe viele Fremdsprachen gesprochen und sei den Menschen auf Augenhöhe begegnet. Damit habe er sich bei Freund und Feind Respekt verschafft.
Was will die Gen Z?
Es gehe der Generation eben genauso um Freiheit und Selbstbestimmung, aber es gehe auch um Protest gegen Korruption, meint Stefanie Voss. Dieses Bild transportiere eine Piratenflagge sehr gut. Sie sei ein Symbol, dass über verschiedene Kulturen und Sprachbarrieren hinweg funktioniere, weil es alle verstehen könnten. Unter dieses eine Bild könne man eine ganze Klaviatur von Themen und Botschaften packen, die universell sei. Moderne Piraterie habe damit nichts mehr zu tun. Für sie sei das eher Kriminalität, die sich auf Schiffen abspiele, sagt Stefanie Voss.
Es gab auch Piratinnen
Natürlich gab es auch Piratinnen. Der mächtigste Pirat, den es jemals gegeben habe, sei eine Frau gewesen, erzählt Stefanie Voss. Von der Chinesin „Witwe Chen“ werde heute allerdings nur wenig berichtet. Im Vergleich zu heute, sei es damals noch viel schwieriger für Frauen gewesen, sich in einer männerdominierten Welt durchzusetzen. Viele Frauen hätten das nur geschafft, indem sie sich als Männer verkleidet hätten. Witwe Chen sei aber als Frau und durch sehr geschickte Taktiken zur Anführerin einer Piratenarmee aufgestiegen.