Behörden hatten den Luftraum über dem dänischen Flughafen Aalborg in der Nacht auf Freitag erneut wegen des Verdachts auf Drohnenaktivität geschlossen - für etwa eine Stunde, so die Polizei. Mindestens zwei Flüge waren betroffen. "Das nennt man im militärischen und geheimdienstlichen Kontext 'Destabilisierung von innen'", warnt Manuel Atug, Sprecher und Gründer der AG KRITIS, die sich mit den Problemen der kritischen Infrastruktur in Deutschland befasst, im Gespräch mit SWR Aktuell-Moderator Stefan Eich. Gegenwehr bleibe aber vorerst schwierig.
Abwehr-Möglichkeiten zum Beispiel über Funkstörung möglich
Schon bei der Frage, von wo eine Drohne kommt und gesteuert wird, ist es schwierig, diese klar zu beantworten. Es fehle an leistungsfähigen Radaranlagen, sagt Atug.
Es gibt natürlich entsprechende Systeme, die man an allen kritischen Infrastrukturen befestigen könnte – ähnlich einem Flugzeug-Funkturm - aber das ist natürlich sehr teuer.
Quelle: Manuel Atug, Sprecher und Gründer der AG KRITIS
Die Kosten dafür betreffen auch nicht nur die Anschaffung, betont der Gründer der AG KRITIS - Fachpersonal brauche eine entsprechende Ausbildung und müsse im durchgehenden Betrieb 24 Stunden jeden Tag die Überwachung sicherstellen. Wenn es zu einem Zwischenfall kommt, dann sei auch noch die Frage, wie sich Drohnen abwehren lassen - auch hier stecke die Gesetzgebung noch völlig in den Kinderschuhen. Zumal, so betont Atug, Dohnen-Abwehr ein technisch komplexes Feld sei: "Beispielsweise, wenn Sie einen 'Jammer' haben, der die Funkfrequenz stört, dann kann der Akteur das ganze Gerät nicht mehr steuern." Es gebe aber Drohnen-Modelle, die als Gegenmaßnahme zu einem zuvor designierten Platz zurückkehren, sobald sie den Kontakt mit ihrer Steuerungsstation verlieren. Hier sei dann zwar der Angriff abgewehrt, aber es bleibe oft unklar, von wo er gekommen sei.
Innenministerium will "Zeitenwende" für die Drohnen-Abwehr
Mit Blick auf mögliche Angriffe Russlands hat Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) eine "Zeitenwende" bei der inneren Sicherheit ausgerufen. In der Bundestagsdebatte zum Etat seines Ministeriums für 2026 sagte er, Luftraumverletzungen bei Deutschlands europäischen Nachbarn zeigten, dass die Bedrohung allgegenwärtig sei. Dobrindt kündigte an, Deutschland werde bei der Dohnenabwehr aufrüsten. Einem Medienbericht zufolge bereitet sich sein Ministerium darauf vor, rechtliche Klarheit darüber zu schaffen, wie Sicherheitsbehörden gegen Drohnen vorgehen dürfen.
Dänemark betrachtet Drohnen als Teil eines "hybriden Angriffs"
Dänemarks Regierungschefin Mette Frederiksen hat nach Drohnenflügen über mehreren Flughäfen ihres Landes vor einer Zunahme solcher Vorfälle gewarnt. In den vergangenen Tagen sei Dänemark Opfer hybrider Angriffe geworden, sagte sie in einer Videobotschaft. Die hybriden Angriffe auf die zivile und militärische Infrastruktur der vergangenen Tage hätten gezeigt, wie verletzlich Dänemark sei. Es sei zwar weiter unklar, wer hinter den Aktionen stehe, so die dänische Ministerpräsidentin, man müsse aber festhalten, die größte Gefahr für die Sicherheit Europas gehe von Russland aus. Frederiksen betonte, kein europäisches Land könne sich alleine verteidigen und deshalb stehe sie im engen Kontakt mit den Nachbarländern und der NATO.