Global hat sich nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) die Lücke zwischen dem Bedarf an und der Zahl der Pflegekräfte ein Stück weit geschlossen. Fehlten im Jahr 2020 noch gut 6 Millionen Fachkräfte, so geht die Prognose für das Jahr 2030 von nur noch 4 Millionen unbesetzten Stellen aus.
Global Verbesserung der Lage - für Deutschland bleibt VdK skeptisch
Im Gespräch mit SWR Aktuell-Moderator Moritz Braun hat die Präsidentin des Sozialverbands VdK, Verena Bentele, allerdings beklagt, dass viele Menschen in Deutschland ihre Angehörigen nicht in Pflege-Einrichtungen gäben - aus ganz unterschiedlichsten Gründen. Dazu zählten Fragen der Finanzierung, aber auch Erreichbarkeit und die Entfernung zum Wohnort oder die Ausstattung der Einrichtungen. Außerdem wünschten sich viele Pflegebedürftige, so lange wie möglich zu Hause bleiben zu können. Global beschreibe die WHO eine erfreuliche Entwicklung, aber auf Deutschland sei sie nicht direkt übertragbar.
Bei uns haben heute keine Sektkorken geknallt.
Quelle: Verena Bentele, Präsidentin des Sozialverbands VdK
Gerade weil auch viele Menschen mit Pflegebedarf zu Hause bleiben wollten, fordert der VdK bessere Bedingungen für die Pflege zu Hause. Dazu zähle eine bessere Absicherung und Flexibilität etwa durch mobile Pflegedienste. Außerdem brauche es eine Verbesserung der Struktur: Ärztinnen und Ärzte müssten Aufgaben abgeben dürfen an Pflegekräfte, die dafür besser ausgebildet seien und auch gut bezahlt würden.
Forderung nach einer Pflegereform
Nicht nur der VdK, sondern ein breites Bündnis fordert die Bundesregierung nun auf, schnell eine umfassende Pflegereform auf den Weg zu bringen. Eine Petition mit mehr als 100.000 Unterschriften an das Bundesgesundheitsministerium soll diese Forderung unterstreichen. Dem Bündnis gehören unter anderem auch die Diakonie, der DGB und die AWO an.
Lohn für pflegende Angehörige und breitere Finanzierung der Pflege
Gefordert werden etwa Maßnahmen gegen Personalmangel und Unterfinanzierung. Vom DGB heißt es: Die neue Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU) müsse sofort die Eigenanteile von Beitragszahlern deckeln und eine Pflegevollversicherung einführen. Verdi fordert, die Beiträge zur Pflegeversicherung auszuweiten - nicht nur auf Lohn oder Gehalt, sondern auch auf Mieteinnahmen und Aktiengewinne. Der VdK will einen Lohn für pflegende Angehörige.
Personal für Pflege kommt oft aus dem Ausland
Das Personal für die Pflege kommt inzwischen zu fast einem Viertel aus dem Ausland. Laut Bundesagentur für Arbeit ist der Fachkräftemangel in der Altenpflege derart groß, dass die Branche ohne ausländische Arbeitskräfte schon heute zusammenbrechen würde. Insgesamt arbeiten im Pflegesektor nach offiziellen Angaben aktuell 1,7 Millionen Menschen - das sind 20 Prozent mehr Menschen als noch vor 10 Jahren. Der Beschäftigungszuwachs gehe bereits im dritten Jahr in Folge allein auf ausländische Beschäftigte zurück.