Es herrscht Krieg im Nahen Osten. Die USA und Israel greifen den Iran an. Israel geht außerdem militärisch gegen die pro-iranische Hisbollah-Miliz vor. Die hat im Süden der libanesischen Hauptstadt Beirut ihre Hochburgen. Hunderttausende Libanesen sind schon durch die Angriffe vertrieben worden. Betroffen sind auch Kinder, die an den "Schneller-Schulen" unterrichtet werden.
An den "Schneller-Schulen" im Libanon und auch in Jordanien lernen christliche und muslimische Kinder und Jugendliche gemeinsam. Seit den Angriffen gehe der Unterrichtsalltag in Jordanien relativ normal weiter, berichtet Uwe Gräbe, Nahost-Referent der evangelischen Mission in Solidarität (EMS) in Stuttgart und Geschäftsführer des Evangelischen Vereins für die Schneller Schulen. Und das, obwohl es ständig Überflüge von Drohnen und Raketen gebe. "Die Kinder an der Schneller-Schule in Jordanien sind verstört, wir haben unsere jungen Freiwilligen abziehen müssen, aber es geht erstmal weiter", berichtet er.
Evakurierung von Schulen im Libanon
Ganz anders stelle sich die Situation im Libanon dar. Dort habe die Schule auf Anordnung des Erziehungsministeriums zu Beginn des Krieges evakuiert werden müssen, die Kinder hätten zurückgeschickt werden müssen auf die Dörfer, aus denen sie kommen, so Gräbe. „Gerade die Internatskinder kommen aus schwierigsten Verhältnissen: sei es bittere Armut, dysfunktionale Familien bis hin zu häuslicher Gewalt.
Die Kinder zurückzuschicken, wo die Familien vielleicht unter dem Kriegsstress noch angespannter sind, ist immer eine Entscheidung, die furchtbar wehtut.
Quelle: Uwe Gräbe, Nahost-Referent der Evangelischen Mission in Solidarität (EMS) und Geschäftsführer des evangelischen Vereins für die Schneller-Schulen (EVS)
Aber an so einer Anordnung komme man nicht vorbei, so Gräbe. Zudem seien viele Menschen auf der Flucht – die meisten Richtung Norden mit dem Ziel Beirut. Die libanesische Hauptstadt steht selbst unter Beschuss. "Es ist grauenhaft. Dennoch sind die Menschen unterwegs."
Die Menschen im Libanon seien kriegsmüde, beschreibt der Nahost-Referent.
Trotz Ausgrenzung und Vorverurteilung verschiedener Bevölkerungsgruppen halten die Schneller-Schulen an ihrem Ziel fest, eines friedlichen Miteinanders von christlichen und muslimischen Kindern. "Die Überzeugung ist da, auch das wieder aufzufangen, was im Moment angerichtet wird." Wie er diesen Optimismus aus der Vergangenheit schöpft, beschreibt Uwe Gräbe im Gespräch mit SWR Aktuell-Moderator Andreas Böhnisch.