Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin hat vor kurzem vorgeschlagen, überhaupt keine Ausnahmen für Betriebsvermögen bei Firmenübertragungen zu machen. DIW-Präsident Marcel Fratzscher geht nicht davon aus, dass Firmenerben deshalb ihr Unternehmen verkaufen müssen, um die Erbschaftssteuer bezahlen zu können.
Erbschaftssteuer sollen gestundet werden können
"Wenn man es klug und richtig macht, muss kein Unternehmen verkauft werden", sagt Fratzscher in SWR Aktuell. Das Wort "Substanzbesteuerung" - also, dass das Unternehmen Schaden nehme, wenn man die Erben mit einer Erbschaftssteuer belegt - sei ein "Totschlagargument". Man könne eine Erbschaftssteuer immer so gestalten, dass sie nicht zu einer solchen Subtanzbesteuerung führt.
Konkret heißt das, dass man eine Erbschaftssteuer, die anfällt, stunden kann und auch dann nur einziehen kann, wenn das Unternehmen Gewinn gemacht.
Quelle: Marcel Fratzscher, Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin
Kapitalgesteuerte Unternehmen machten im Durchschnitt im Jahr sieben Prozent Gewinn nach Steuern, sagt Fratzscher. "Wenn man jetzt eine Erbschaftssteuer von beispielsweise 20 Prozent auf Unternehmensvermögen anlegt und sagt, ihr müsst über zehn Jahre jedes Jahr zwei Prozent zahlen, würde das bedeuten, dass die Erben - die neuen Eigentümer des Unternehmens - nicht sieben Prozent durchschnittlich im Jahr Rendite, sondern nur fünf Prozent erwirtschaften."
Erbschaftssteuer nur über Rendite bedienen
Die Erbschaftssteuer würde damit aus den Gewinnen bedient. Die Erbschaftssteuer würde nicht eingezogen, wenn das Unternehmen Verlust macht oder keinen Gewinn. So kann man nach Ansicht des Wirtschaftswissenschaftlers mit Streckungen über Jahre hinweg eine Erbschaftssteuer so gestalten, dass sie lediglich einen Teil der Gewinne wegnimmt, aber nicht das Unternehmen schwächt und zum Verkauf des Unternehmens führen wird.
Gesetze müssten demensprechend geändert werden
Um diese Flexibilität zu haben, müssten Rechte und Gesetze entsprechend geändert werden. Das Konzept des DIW, das über die Reformvorschläge der SPD hinausgeht, soll Mehreinnahmen von gut zwei Milliarden Euro pro Jahr bringen. Wie es genau aussieht, darüber hat DIW-Präsident Marcel Fratzscher mit SWR Aktuell-Moderator Bernhard Seiler gesprochen.