"Wenn es um Mut geht, fällt mir Immanuel Kant ein", sagt Christoph Quarch. "Der hat gesagt: Sapere aude!" Das bedeute: "Wage es, Dich Deines eigenen Verstandes zu bedienen." Genau das fehle der Gesellschaft zurzeit. Allerdings seien sich schon die Philosophen der Antike bewusst gewesen, wie schwer es den Menschen falle, sich aus einer solchen "mentalen Bequemlichkeit" zu befreien. "Das sei keine Sache des Denkens, sondern eine Sache des Fühlens."
Mut heißt auf Englisch oder Französisch "courage", hergeleitet vom lateinischen Wort "cor" - das Herz. Mut, so könnte man auch sagen, ist also eine Herzensangelegenheit.
Quelle: Christoph Quarch, Philosoph und Buchautor
Mut zur Veränderung kommt aus dem Herzen
Für den griechischen Philosophen Platon entsteht Mut zur Veränderung im Herzen. Die alten Kulturen hätten Courage in der Brust des Menschen verortet. Als Grieche habe Platon diese Herzensenergie als "eros" bezeichnet. "Ich würde das als leidenschaftliche Begeisterung für etwas übersetzen", erklärt Christoph Quarch. Was Platon damit gemeint habe, sei offensichtlich: "Wenn du wirklich für etwas begeistert bist, wenn du für etwas brennst, dann wachsen dir Mut, Beherztheit und Courage zu. Dann ist man auch bereit, über seine Grenzen zu gehen."
Schluss mit der "Dagegen-Haltung"
Der Philosoph empfiehlt den Menschen für 2026, die weitverbreitete "Dagegen-Haltung" zu überdenken und abzulegen. "Denn wenn ich immer nur gegen etwas bin, komme ich nie in Begeisterung. Dann ändere ich mich auch nicht. Ich fange an, an allem herumzunörgeln. Schlimmstenfalls artet das dann in Hass und Missgunst aus." Ganz anders verhielten sich beherzte Menschen. Sie würden sich für etwas oder andere einsetzen. Ihr Antrieb sei Wohlwollen und Freundlichkeit. "Dahin kommt man, wenn man bereit ist, sich im Herzen berühren zu lassen."
Medienkonsum: Weniger Horror - mehr Mutmach-Geschichten
Ein guter Vorsatz für 2026 könnte sein, das Medienverhalten zu ändern. Christoph Quarch regt an, weniger Inhalte mit Angst, Gewalt, Schrecken, Horror, Terror und miesen Leuten zu konsumieren. Als Alternative schlägt er vor, Geschichten anzuschauen, die von Wohlwollen, Freundschaft und Herzlichkeit erzählen. Als Tipp nennt der Philosoph die Neuverfilmung der Serie "Der Doktor und das liebe Vieh", die in der ARD Mediathek steht. "Das ist wirklich ein Herztherapeutikum und ein Mutmacher par excellence. Das kann ich für das neue Jahr nur empfehlen."