"Die wunderbarsten Menschen, die ich im Krieg kennengelernt habe - die wirklich für Versöhnung stehen - sind tiefreligiöse Menschen." Das gelte gleichermaßen für Juden, Christen und Muslime. Sie würden sagen: "Jeder Mensch ist nach dem Bild Gottes geschaffen. Deswegen ist jeder Mensch heilig, auch wenn er nicht meine Hautfarbe hat, nicht meine Sprache spricht, nicht meine Religion hat." Das habe er in den vergangenen zwei Jahren auf Kulturveranstaltungen im Kloster, bei denen die unterschiedlichen Religionen vereint waren, immer wieder gespürt.
Das Problem sind die Hooligans der Religionen.
Quelle: Abt Nikodemus Schnabel
Doch leider dominierten immer noch Hass und Abgrenzung die Lage im Heiligen Land. Religion werde für den Machterhalt missbraucht und dazu genutzt, die eigene Identität zu definieren. Er hoffe, dass Menschen, die so handelten, langfristig ihren Einfluss verlieren werden.
Hoffnung auf ein friedliches Weihnachtsfest
Auf das diesjährige Weihnachtsfest blickt der Jerusalemer Abt mit Zuversicht. Im Vergleich zu 2024 und 2023 habe sich die Situation deutlich verbessert. Deshalb hätten die Christen in Bethlehem sich entschieden "ein neues Kapitel aufzuschlagen" und zuversichtlich nach vorne zu schauen.
Die Hölle auf Erden ist vorbei.
Quelle: Abt Nikodemus Schnabel
Das Weihnachtsfest solle auch im Stadtbild wieder sichtbar sein: "Bethlehem hat wieder einen großen Christbaum. Es gibt auch einen kleinen Christkindelmarkt." Unbeschwert werde das Weihnachtsfest aber nicht sein, weil viele Menschen alles verloren hätten. "Doch es hilft niemandem, wenn man in Trauer verharrt. Man muss aus der Trauer schrittweise zurück ins Leben finden."
Versöhnung im Nahen Osten wird lange dauern
Der Gaza-Krieg habe viele Wunder hinterlassen. Doch die Waffenruhe vom 10. Oktober dieses Jahres gebe Anlass zur Hoffnung. In Israel müssten die Menschen nicht mehr bangen, ob die noch lebenden Geiseln wieder nach Hause kommen könnten. Auf palästinensischer Seite hätten Flucht und die Angst, Opfer eines Raketenangriffs zu werden, ein Ende. "Aber Frieden ist etwas ganz anderes", ergänzt Abt Nikodemus Schnabel. "Es wird viel Aufbauarbeit brauchen. Da ist viel Versöhnungsarbeit, Verständigung und Zuhören notwendig. Das ist das Schlimme: Zerstört ist es schnell, aber Versöhnung braucht einen langen Atem."