Dominik Frey, katholische Kirche: Krieg spielen geht leicht – und Frieden spielen? (Verkündigungssendung)
Im Adventskalender meiner beiden Jungs stand eine Geschichte, über die ich noch lange nachgedacht habe – und meine Kinder auch: In einem Park beobachtet ein alter Mann ein paar Kinder, die im Spiel aufeinander schießen. „Peng, biu, peng“. Sie rennen herum und zielen mit Stöcken aufeinander. Der Mann hält es irgendwann nicht mehr aus. Er geht auf die Kinder zu und bittet sie: „Spielt doch nicht Krieg, Kinder!“ Die Kinder sind irgendwie betroffen. Sie flüstern miteinander und nach einer Weile fragen sie schüchtern: „Wie spielt man Frieden?“
Tja, gar nicht so leicht. Denn Krieg spielen ist erst mal leichter. Es ist spannend, einander zu verfolgen, sich mit einem Stock und einem „Peng“ mächtig zu fühlen. Aber Frieden, wie spielt man den?
Ich habe mit meinen Kindern überlegt. Irgendwann sagt Fred nachdenklich: „Es müssten alle zufrieden sein beim Spielen.“ Und Tom schiebt hinterher: „Und nicht hauen und nicht Schimpfwörter sagen.“ Und schon fällt Fred noch was ein: „Und alle dürften mitspielen, und jeder darf mal der Bestimmer sein.“
Wow, das hätte ich auch nicht besser sagen können. Zufrieden sein, nicht hauen und schimpfen, alle mitspielen und mitbestimmen lassen. Ich habe gemerkt: Das ist nicht nur auf dem Kinderspielplatz für den Frieden wichtig, sondern auch auf der internationalen Bühne.
In Südamerika zum Beispiel sind die ärmeren Bevölkerungsschichten unzufrieden, weil sie vom Wohlstand ausgeschlossen sind. In Hongkong möchten die Menschen mitbestimmen, es geht um mehr Demokratie. Und wenn Präsident Trump meint, er muss immer gleich hauen und schimpfen, dann geht das nur solange gut, bis es die anderen auch tun. Dann beginnt sich die Spirale zu drehen, und ein Handelsembargo folgt dem anderen.
Aber Frieden geht eben ganz anders. Gerade andersrum. Gut dass mich meine Kinder nochmal dran erinnert haben: es muss fair zugehen, alle dürfen mitspielen und jeder darf mal der Bestimmer sein.