Dominik Frey, katholische Kirche: Eine Weihnachtskrippe mit echtem Stroh hat schon auch Nachteile… (Verkündigungssendung)
In unserer Krippe liegt ein Haufen echtes Stroh. Wir hatten uns das so ausgedacht, dass die Kinder ein bisschen mehr zu spielen haben, als nur die Figuren hin und herzuschieben.
„Ob das so schlau war“, sage ich am nächsten Tag zu meiner Frau. Denn als ich die Wohnung betrete, werde ich schon im Flur von einem Strohhäufchen begrüßt. Und unser Kleiner erklärt mir, dass das eine Futterstelle für den Ochsen sei. Aber das war noch lang nicht alles. Futterstellen sind nämlich auch auf dem Sofa, im Bett und auf dem bequemen Sessel. Auf dem Stall sowieso und wenn schon, dann auch auf dem Wohnzimmerboden. Kurz und gut: überall Stroh!
Das wäre ja nicht weiter schlimm, denn wir sind relativ geduldige Eltern, und der Staubsauger hat 2000 Watt. Aber Stroh ist verdammt hartnäckig. Vor allem in den Ritzen zwischen Kissen und Matratzen, auf dem Schaffell oder in der Mohairdecke.
Und so kommt es, dass man Papa während des Mittagsnickerchens oder auch Mama vor dem Fernseher ab und zu mal aufstöhnen hört. Immer dann nämlich, wenn sich wieder so ein fieser kleiner Stoppel-Strohhalm irgendwo reinbohrt oder kitzelt.
Das muss doch auch das Jesuskind in der Krippe genervt haben! Dort waren es ja nicht nur einzelne Halme, sondern gleich ein ganzer Haufen!
Aber vielleicht ist gerade das ein Sinnbild dafür, dass Jesus sich mit unseren kleinen aber auch großen Sorgen auskennt. Er hat gewusst, wie sich Jucken und Pieksen anfühlt – und auch schlimmere Dinge. Und für viele ist Jesus sogar ein rettender Strohhalm geworden, weil er ihr Leben umgekrempelt hat, weil er ihnen Sinn gibt und hoffen lässt, dass mit dem Tod nicht alles fertig ist. Ich glaube genau deshalb lag Jesus auf Stroh und nicht auf einer Luxusmatratze!