„Das ist der Beginn einer zweiten Welle der Weltraumexploration“, sagt Alexander Gerst. Der deutsche Astronaut hat den Start der Artemis-2-Mission am Mittwoch vergangene vor Ort im Kennedy Space Center in Florida verfolgt. Erstmals seit mehr als einem halben Jahrhundert haben sich Menschen in einer Raumkapsel auf den Weg zum Mond gemacht.
Zehn Tage und eine Mondumrundung später kehrt die Crew um Kommandant Reid Wiseman zurück auf die Erde. „Historisch“ sei diese Mission, erzählt Gerst weiter – und stellt im Gespräch mit Wissenschaftsredakteur Stephan Schön für den Podcast „Thema in Sachsen“ die besondere Rolle Europas beim Gelingen der neuen Nasa-Pläne für die Erkundung des Mondes heraus.
Nimmt man diese Pläne einmal ganz genau in den Blick, was Sächsische Zeitung und Leipziger Volkszeitung in dieser Folge ihres gemeinsamen Podcasts tun, wird deutlich: Auch sächsische Entwicklungs- und Forschungsarbeit trägt maßgeblich dazu bei, dass der Mond nun neu erforscht werden kann.
Im Podcast berichtet Reporter Stephan Schön von seinen Eindrücken, die er an den Tagen rund um den Start der Rakete gesammelt hat. Schön war im Kennedy Space Center live dabei, genauso wie schätzungsweise eine halbe Million Menschen, die sich um den 1. April mit unzähligen Camping-Vans auf Merrit Island und im Umland von Cape Canaveral versammelt hatten.
Zu hören sind Gespräche, die der Reporter mit Raketen-Touristen führt, die zum Teil mehrere Tage und Tausende Kilometer in ihren Wohnmobilen unterwegs waren. Er besucht einen Laden für Fan-Shirts, der seit 1984 zu jeder Nasa-Mission eine eigene Kollektion kreiert. Und schließlich kommt er ganz nah heran an die Artemis-Crew und hat die Verabschiedung der Astronauten von ihren Familien in Bild und Ton festgehalten.
Berührende Szenen, große Emotionen und eine mindestens genauso große Portion Patriotismus - das seien die prägenden Gefühle gewesen, die er auf seiner Reportagereise wahrgenommen habe. Doch was zunächst nach US-Weltraum-Romantik klingt, hat überraschend viel mit Sachsen zu tun und fußt auf teils jahrelanger ganz realer wissenschaftlicher Arbeit. „Eigentlich fängt der Mond gleich hinter Sachsen an“, sagt Schön schließlich – und meint das wörtlich.
Eine Schlüsselrolle bei den Artemis-Missionen spielt das sogenannte europäische Servicemodul, kurz ESM. Gebaut wird das bei Airbus Defense and Space in Bremen. Es ist der unscheinbare, aber lebenswichtige Teil des Orion-Raumschiffs: Antrieb, Energieversorgung, Wasseraufbereitung, Sauerstoff – ohne dieses System würde die Mission nicht funktionieren. „Es ist schlichtweg die Überlebenskapsel“, beschreibt Schön das etwa transportergroße Gerät
Einer, der dafür sorgt, dass dieses System überhaupt zusammengebaut werden kann, ist Steve Bornhöft. Der Ingenieur stammt aus dem Erzgebirge, hat an der Technischen Universität Dresden studiert – und trägt heute Verantwortung dafür, dass im Reinraum bei Airbus jedes Bauteil im ESM an die richtige Stelle kommt. Von seiner Arbeit hängt das Leben der Crew im All ab. Im Podcast-Interview erklärt er zusammen mit Airbus-Sprecher Ralph Heinrich die Funktionsweise des Moduls – und blickt voraus auf kommende Missionen, an denen auch deutsche Astronauten beteiligt werden sollen.
Doch es gibt nicht nur sächsische Beteiligung beim Bau von Raumfahrttechnik, sondern auch bei der Forschung für zukünftige Mondmissionen. An der TU Dresden arbeiten Wissenschaftler daran, die Gefahren von Mondstaub besser handhaben zu können und an Kommunikationslösungen für den Raum rund um den Mond – etwa für die bislang funktechnisch nicht erreichbare Rückseite. Gleichzeitig wird an autonomen Systemen geforscht, die den künftig zunehmenden Verkehr zwischen Erde und Mond koordinieren könnten.
An der TU Bergakademie Freiberg untersuchen Wissenschaftler zudem in einem Mondlabor, wie in nicht allzu ferner Zukunft auf dem Erdtrabanten Mondressourcen für eine Forschungsstation abgebaut werden könnten.
„Das muss man sich vorstellen wie einen Sandkasten für Erwachsene“, schildert Reporter Stephan Schön und spricht anschließend mit Professor Carsten Drebenstedt, einem Experten auf dem Gebiet für Rohstoffabbau, der eine klare Meinung dazu hat, wie die Menschheit mit Ressourcen auf der Erde und auf dem Mond umgehen sollte.
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