Augustin Bea war das ökumenische Gesicht des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962–1965) und ein Vorreiter des jüdisch-christlichen Dialog, sodass der zu diesem Zeitpunkt schon hochbetagte Jesuit als „Kardinal der Einheit“ in Erinnerung geblieben ist. Die früheren Lebensjahrzehnte, in denen Beas kirchenpolitischer Aufstieg begann, traten dagegen in den Hintergrund - und das, obwohl Bea sich über die längste Zeit seines Lebens auf einem ganz anderen, nicht weniger umkämpften Gebiet bewegte: der Bibelwissenschaft. Über 35 Jahre war Bea Professor am Päpstlichen Bibelinstitut, von 1930 bis 1949 auch dessen Rektor. Dadurch prägte er die katholische Bibelexegese seiner Zeit entscheidend mit. Sein wissenschaftliches und kirchenpolitisches Handeln der 1930er und 1940er Jahre macht deutlich, wie im Schatten des Vatikans mit der Bibel umgegangen wurde. Diese für die gesamte Theologie spannende Phase hat Michael Pfister auf der Grundlage bisher unbekannter Dokumente in seiner Dissertation aufgearbeitet. Im Interview berichtet er von seinen neuen Erkenntnissen zum Werdegang Beas als Mann der Bibel. mp