Tiefgang durch die Stadt

Tiefgang durch die Stadt

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Tiefgang durch die Stadt episodes

  • Trailer. Ankündigung neue Folgen und Werwolf

    Nach Babypause und Fertigstellung der Doktorarbeit wird es bald wieder eine Tiefgang-Folge geben.


    Bis es aber so weit ist, lässt sich die Wartezeit hervorragend mit der Podcast-Serie „Werwolf“ im Podcast „Gesprächsfaden“ füllen. Die Serie findet Ihr bei allen üblichen Podcastplattformen (spotify, apple, etc.). (Der Gesprächsfaden ist Teil des Kliopolis-Podcast-Kanals).

    In der Werwolf-Serie geht es um ein komplexes historisches Phänomen, das seinen Ursprung in den letzten Kriegsmonaten des zweiten Weltkrieges hat. Im Herbst 1944 gibt Heinrich Himmler, der sog. Reichsführer SS, den Befehl, eine Art Partisanentruppe zu bilden, die in verdeckter Kriegsführung hinter den Frontlinien die Rote Armee und die westlichen Alliierten angreifen soll. Zudem soll der „Werwolf“ auch deutsche Akteure angreifen, die in den befreiten Territorien mit den Alliierten kooperierten. Im Werwolf sollten vor allem Jugendliche, teilweise Kinder zu Guerilla-Aktionen animiert werden.


    Reichspropagandaminister, Joseph Goebbels, griff diese Idee Anfang 1945 auf und strickte aus ihr eine Propagandakampagne, die auch bei den Alliierten Sorge auslöste. Werwolf-Aktionen, fanatische Volkssturm-Angehörige und die Goebbels-Kampagne führten dazu, dass die westlichen und sowjetischen Befreier auch nach dem 8. Mai 1945 Jugendlichen misstrauten und viele von ihnen unter Werwolf-Verdacht inhaftierten.

    Anfang Mai 2026 luden die Historiker Enrico Heitzer und Andreas Weigelt in die Gedenkstätte und Museum Sachenhausen in Oranienburg bei Berlin ein. Auf der Forschungstagung „Partisanen als Werwölfe“ stellten Wissenschaftler:innen ihre Forschungserkenntnisse zum „Werwolf“ in Kurzvorträgen zur Diskussion. In den vier Folgen der Serie sind diese Vorträge zu hören, die dann mit Enrico Heitzer und Andreas Weigelt diskutiert werden.

    Andreas Weigelt (Gedenkstätte Lieberose in Jamlitz) und Enrico Heitzer (Wissenschaftlicher Mitarbeiter zur Geschichte des Speziallagersin der Gedenkstätte und Museum Sachsenhausen) geben einen gut verständlichen Einblick in die wissenschaftliche Diskussion und in die teilweise kriminologische Erforschung des Themas.

    Die bisherigen und neuen Folgen des Tiefgangs könnt Ihr auch auf der Website des Projektes #Historytelling finden.

    Thomas und Raiko wünschen Euch nun bis zum bald anstehenden neuen Tiefgang erst einmal viele interessante Erkenntnisse bei der Überbrückung der quälenden Wartezeit mit der Werwolf-Serie.


    E-Mail-Adresse: Tiefgang[at]kliopolis.de

    Foto im Cover: Jugendliche im HJ-Volkssturmlager Lieberose, April 1945. Stadtgeschichtliche Sammlung Lieberose


    #Deutschland #Werwolf #NeuereundneuesteGeschichte #ZweiterWeltkrieg #Speziallager #Nachkriegsgeschichte #Sachsenhausen

    8 min
  • '24. (K)ein Jahresrückblick über Aufklärung, Bildung, Meinungs- und Sozialforschung

    Es ist Dezember 2024. Eine vorgezogene Bundestagswahl steht an. Man wird das Gefühl nicht los, in einer Zeit des historischen Epochenbruchs zu leben. Suchen wir in der Geschichte mal nach Themen, die mit dem Jahre '24 verbunden sind und uns noch immer betreffen! Und – wir sind fündig geworden: 1724, 1824 und 1924!


    Nach einer Baby-Pause wagen wir im „Tiefgang“ mal einen „falschen Jahresrückblick“. Wir waren 2024 zwar nicht unterwegs. Dennoch lohnt es sich, auf das Jahr ’24 zurückzublicken – im 18., 19. und 20. Jahrhundert.

    1724 wird Immanuel Kant geboren. Den 300. Geburtstag des großen Philosophen der Aufklärung nehmen wir zum Anlass, um über Bildung, die Widersprüchlichkeit der Aufklärung und die Schule als Ort der Emanzipation, aber auch der Ausgrenzung zu sprechen.

    1824 wurde die erste Meinungsumfrage durchgeführt. Wir sprechen über die Geschichte der Meinungsforschung und ihren Einfluss auf Wahlen.

    1924 wurde das Frankfurter Institut für Sozialforschung gegründet. In Zeiten eines erschreckenden Wiedererstarkens rechtsextremer Parteien blicken wir auf die Geschichte der Soziologie. Sie versuchte im 20. Jahrhundert zu verstehen, warum Menschen in modernen aufgeklärten Gesellschaften scheinbar irrationalen politischen Bewegungen zulaufen

    Wir sind wieder da und stimmen uns ein auf neue „Tiefgänge“ im Jahr 2025.


    Kapitel:

    - Vorspann 0:00

    - Baby-Pause und ein ganz anderer Jahresrückblick 1:10

    - Was ist Aufklärung? Wie soll Bildung sein? 4:41

    - Die Schule: Pflicht, Fortschritt und Herrschaftsinstrument 21:01

    - Wofür Bildung? Emanzipation oder Distinktion 29:55

    - Empirische Sozialforschung und Demoskopie - Einleitung 42:29

    - 1824 - Die erste Wahlumfrage der Geschichte 45:47

    - Anfänge der Sozialstatistik, Sozialreportagen und Armutsforschung (vor allem in Großbritannien) 48:37

    - 1924 - Institut für Sozialforschung und Empirische Sozialforschung in Deutschland 58:41

    - Die Arbeitslosen von Marienthal und der Weg zur amerikanischen Sozialforschung 1:03:54

    - Gallup, Allensbach und EMNID - Siegeszug der Meinungsforschung von den USA bis in die BRD 1:12:48

    - Meinungsforschung: "Demokratische Wissenschaft" oder interessengeleitete Politikmanipulation? 1:20:39

    - Schlussakkord und Versprechen für 2025 1:36:58

    - Abspann 1:37:49


    Auswahl Bibliografie:

    Handbuch der deutschen Bildungsgeschichte (1987-1998). 6 Bände. München

    Herrmann, Ulrich (1993): Aufklärung und Erziehung. Studien zur Funktion der Erziehung im Konstitutionsprozeß der bürgerlichen Gesellschaft im 18. Und frühen 19. Jahrhundert. Weinheim

    Lepenies, Phillip (2017): Armut. Ursachen, Formen, Auswege. München

    O.A. (2014): Stichtag. 24. Juli 1824 – Erste Meinungsumfrage in den USA. WDR

    Sandig, Andreas (2025): Hintergrund. So werden Meinungs- und Wahlumfragen gemacht. MDR Aktuell am 4.2.2025

    Schnell, Rainer/ Hill, Paul B./ Esser, Elke (2008): Methoden der empirischen Sozialforschung. München/Wien

    Wiggerhaus, Rolf (1988): Die Frankfurter Schule. München u.a.

    siehe Folge 12 „Marienthal – Arbeitslosigkeit und das Schrumpfen des Lebens“

    E-Mail-Adresse: Tiefgang[at]kliopolis.de

    #Deutschland #Großbritannien #Neuere_und_neueste_Geschichte #Wissenschaftsgeschichte #Aufklärung #Bildung #Geschichte_der_Soziologie #Geschichte_der_Meinungsforschung

    1 hr 39 min
  • Jahresrückblick 2023. Hinhören in Zeiten der Ungleichheit, Kriege und Medienrevolutionen

    2023 haben wir im Tiefgang viele der historischen Entwicklungen durchforstet, die bis heute unser Krisenbewusstsein alarmieren: Ungleichheit, Medienmacht, Krieg und zerbröselnde Demokratie.



    In dieser Folge erinnern wir uns an unsere diesjährigen Tiefgänge in Wien, Cottbus, Königs Wusterhausen und Berlin. Es waren Themen wie verantwortungsbewusste Wissenschaft, Gewaltgeschichte in Stadtentwicklung, Ungleichheit und faschistische Gefahr, Menschlichkeit und Barbarei in Kriegszeiten oder Chancen und Gefahren von Medienrevolutionen, die uns 2023 bewegt haben. Wir nehmen die Rekapitulation der Folgen zum Anlass, um über die frappierende Relevanz der behandelten Themen in unserer Gegenwart zu sprechen.


    Wir diskutieren Fragen wie: Warum sind Kürzungen sozialer Sicherheit eine Gefahr für die Demokratie? Warum haben antidemokratische Bewegungen in Zeiten hoher Arbeitslosigkeit und Unsicherheit Erfolg – und manchmal gerade nicht? Wie nimmt Stadtentwicklung Einfluss auf Ungleichheit und Herrschaft? Warum überdauern Denkmäler antidemokratischer historischer Figuren in unseren demokratischen Städten? Wie ist die Situation von Kriegsgefangenen in heutigen Kriegen? Warum stärken Technik- bzw. Medienrevolutionen Faschismus, aber auch Demokratie?


    Durchdenkt mit uns zusammen die Widersprüchlichkeiten unserer modernen Zivilisation – in Geschichte und Gegenwart. Und HÖRT mit uns zusammen genau hin, was uns „der Mann im Ohr“ eigentlich sagen möchte…



    Kapitel:

    - Vorspann 0:00

    - Einleitung - Der Tiefgang verlässt auch mal Berlin 1:09

    - Aus der Mitte - Armut und Unsicherheit als Gefahr für die Demokratie 4:41

    - Wem gehört die Stadt? - Gewaltgeschichte und soziale Grammatik von Metropolen 31:36

    - Nichts gelernt? - Kriege, Gefangenschaft und Gewalterfahrung zwischen Lokalgeschichte und internationaler Politik 49:06

    - Mensch im Ohr - Zur Wirkung und Verantwortung von Medienschaffenden in der Demokratie 1:10:01

    - Podcast oder Radio in 2024? Tiefgänge im neuen Jahr 1:47:22

    - Unterm Strich: Zur demokratischen  Verantwortung an den "Schalthebeln der Macht" 1:49:14

    - Abspann 1:50:58


    Wie versprochen der Hinweis auf Theodor Geigers Text von 1930:

    Theodor Geiger (1930): Panik im Mittelstand. In: Die Arbeit. Zeitschrift für Gewerkschaftspolitik und Wirtschaftskunde. H. 10. S. 637-654. Link

    E-Mail-Adresse: Tiefgang[at]kliopolis.de

    #Deutschland #Europa #Neuere_und_neueste_Geschichte #Zeitgeschichte #Jahresrückblick #Debatte

    1 hr 52 min
  • Funkerberg. Radio zwischen Verführung und Verständigung

    Radio begann in Deutschland 1920 mit einem Weihnachtskonzert in Königs Wusterhausen (KW). Von dort wurde das erste deutsche Radioprogramm versuchsweise ausgestrahlt. Während in den USA der Siegeszug des Mediums längst begonnen hatte, wurde 1923 in Berlin die erste offizielle Radiosendung Deutschlands ausgestrahlt –allerdings hörte keiner zu, weil die Radios fehlten. In einer rasanten Entwicklung jedoch konnte das neue Medium bis Ende der 20er Jahre Millionen Hörer:innen erobern.



    Radiofunk war ursprünglich eine Militärtechnologie – man denke an die Ursprünge des Internets. Nach dem ersten Weltkrieg wurde diese Technologie zur Grundlage des ältesten Echtzeit-Massenmediums. Von Anfang an schieden sich die Geister, ob das Radio ein Instrument der Völkerverständigung, Bildung und Aufklärung sein würde. Oder ob es vielmehr dazu beitragen könnte, das Denken und Fühlen der Menschen zu normieren, und ob es sogar, qua Manipulation und Reklame, als zur gefährlichen Volksverhetzung eingesetzt wird.


    In dieser Folge hört Ihr, wie sich beides bewahrheitet hat. Außerdem erfahrt Ihr etwas über die Inhalte der ersten Radioprogramme, über welche Ereignisse berichtet wurde, wie die Musik ins Radio kam und die Rundfunkanstalten entstanden sind, die es bis heute gibt.


    Wir sprechen über die Weimarer Republik, die NS-Zeit, Westdeutschland, die DDR und die Nachwendezeit bis zu heutigen Entwicklungen. Unser Weg führt uns vom Funkerberg in KW bis zum Haus des Rundfunks in Berlin-Charlottenburg.


    Surft mit uns durch die bewegte Geschichte und Gegenwart des Radios – ohne das auch Podcasts nicht möglich gewesen wären.


    Kapitel:

    - Vorspann 0:00

    - War da nicht irgendwas mit Funk? 1:06

    - 22.12.1920 - einst Militärtechnik nun Massenmedium 7:33

    - 1923 - On Air und keiner hört erstmal zu - die ungemütliche Technik 16:28

    - Was sollte im Radio laufen, für wen und wozu? Musik, Bildung, Nachrichten, Hörspiele 27:55

    - Begeisterung oder Warnung, Manipulation oder Aufklärung der "Massen" 35:32

    - Siegeszug - Hörzahlen, Radioanstalten, internationale Übertragungen, Live-Reportagen, Funkausstellung 45:42

    - Völkerverständigung oder Volksverhetzung? Vielfalt oder Gleichschaltung des Denkens und Fühlens? Hoffnungen und Nazi-Zynismus 56:35

    - Reklame und politische Propaganda? Von der Stille zur Dauerbeschallung in der Medienmoderne 1:10:34

    - ARD, Regionalsender, Deutschlandfunk - die Anfänge liegen in den 20ern 1:15:51

    - Entwicklung Weltweit - USA, Frankreich, UK, Sowjetunion und das UNO-Radio 1:28:02

    - GEMA, Urheberrecht und der Schallplattenkrieg 1:35:43

    - Haus des Rundfunks - Rundfunktempel von den 30ern bis heute 1:46:44

    - Funkturm - Denkmal des Technik- und Zukunftsoptimismus 1:59:12

    - Radio in der NS-Zeit - Gift der Propaganda 2:05:38

    - Radio in der Nachkriegszeit - Reeducation der NS-verseuchten Deutschen und Kalter Krieg 2:14:12

    - Radio in Westdeutschland bis heute - zwischen demokratischer Aufklärung und biedermeierischer Amnesie 2:18:24

    - Jugendradio Ost - DT64 2:23:39

    - Problem der fairen Repräsentation der gesellschaftlichen Vielfalt im Rundfunk 2:26:40

    - Radioereignisse im DDR-Rundfunk 2:29:45

    - Radio seit den 1990ern 2:31:13

    - Zum Schluss ein Hoch auf die Audiomedien - Radio bis Podcast 2:32:56

    - Abspann 2:39:03


    Literatur:

    Rainer Suckow: Radio! Geschichten aus 100 Jahren Rundfunk. Berlin 2023
    Diemut Roether/ Hans Sarkowicz/ Clemens Zimmermann (Hg.): 100 Jahre Radio in Deutschland. Bonn 2022

    E-Mail-Adresse: Tiefgang[at]kliopolis.de
    #Deutschland #Europa #Neuere_und_neueste_Geschichte #Zeitgeschichte

    2 hr 40 min
  • Sielow-Merzdorf (Sonderfolge). Interview mit Ausstellungskurator Robert Büschel

    In dieser Folge interviewen wir den Cottbuser Museumspädagogen Robert Büschel. Robert und sein Kollege Valerius kuratierten eine Ausstellung zu den Kriegsgefangenenlagern Cottbus-Sielow und -Merzdorf. Die letzten Spuren der Lager, in denen im Ersten Weltkrieg Tausende Kriegsgefangene aus vielen Ländern interniert waren, haben wir im letzten Tiefgang (Folge 14) ausführlich erkundet. Thema war auch die Weiternutzung des Sielower Lagers (bis 1923) als erstes „Konzentrationslager“ auf deutschem Boden.



    Ohne die Forschungsarbeit von Robert und anderen sowie deren Vermittlung in der Ausstellung „Ankunft auf Zeit“ hätten wir nie von dieser bemerkenswerten Geschichte erfahren. Daher haben wir Robert auf dem ehemaligen Gelände des KGL Merzdorf ausführlich interviewt.


    Robert berichtet spannend und detailreich über seine Forschungen zu den Lagern und deren Nachgeschichte. Er spricht über die faszinierenden regionalen, aber auch überraschend weitläufigen internationalen Bezüge. Er schildert die akribische, fast kriminalistische Suche nach Quellen im Cottbuser Archiv oder in Familiennachlässen. Er berichtet, dass bis heute Nachfahren aus vielen Ländern Informationen über ihre möglicherweise in Cottbus internierten Groß-, Urgroß- oder Ur-Urgroßvätern suchen, aber auch geben können.


    Wir sprechen über die regionale Erinnerungskultur und über das wichtige ehrenamtliche Engagement in der Regionalgeschichtsforschung. Zugleich problematisieren wir auch die Nachteile ‚privater Heimatforschung‘. Dazu gehört im Falle der Stadt Cottbus auch die bisher vergleichsweise noch ausbaufähige Aufarbeitung ‚unangenehmer‘ Geschichtsthemen wie etwa die Zeit des Nationalsozialismus. Problematisch sind auch illegale ‚Schatzsuchen‘ von Privatpersonen, die durch solcherart Plünderungen mit Metalldetektoren historische Artefakte und Kontexte am Fundort für immer zerstören.


    Besonders wichtig ist daher die gute, aber leider materiell ungenügend ausgestattete Arbeit von Stadtmuseen bei Forschung und Vermittlung; sowie die Arbeit der Archäolog:innen des Landesdenkmalschutzes. Der beste Weg ist eine gute Verzahnung aus ehrenamtlichem Engagement, familiärer Erinnerungsarbeit und professioneller Begleitung durch ausreichend ausgestattete regionalgeschichtliche Institutionen.


    Wie bedanken uns noch einmal sehr herzlich bei Robert Büschel!


    Kapitel:

    - Vorspann 0:00
    - Einleitung: Am Weltfriedenstag über Kriegsgeschichte sprechen 1:13
    - Interview mit Robert Büschel 6:43
    - Vorstellung Robert 7:05
    - Cottbus erinnert sich neu an die vergessenen Lager 8:40
    - Nachfahren der Kriegsgefangenen melden sich immer häufiger 15:00
    - Was geschah mit den Orten nach Lagerschließung bis heute? 16:40
    - Wird es Gedenkorte und Schutzmaßnahmen für die letzten Spuren geben? 20:36
    - Was sind die wichtigsten Quellen für die Erforschung der Lager? 25:25
    - Warum wurde Cottbus Standort des ersten KL? Wie haben die Lager die Stadt verändert? 29:22
    - Berühmte Persönlichkeiten als Wächter und Insassen der Lager 33:57
    - Cottbus, die Lager und die Weimarer Zeit 37:06
    - Regionalgeschichte als idealer Ausgangspunkt der Geschichtsbildung 41:41
    - Leerstellen der Geschichtskultur: "unangenehme Themen", Ausstattung Museum, Archäologie, "Schatzsucher" 46:52
    - Abspann 1:06:22


    Links:

    Robert Büschel/ Alexander Valerius: Ankunft auf Zeit (Onlineausstellung von 2021). Link
    Website des Cottbuser Stadtmuseums. Link


    Tiefgang[at]kliopolis.de

    #Deutschland #Europa #Neuere_und_neueste_Geschichte #Erster_Weltkrieg #Interview

    1 hr 8 min
  • Sielow-Merzdorf. „Septemberschrei“ im Cottbuser Lager

    In Cottbus-Sielow und -Merzdorf wurden im 1. Weltkrieg 20.000 Kriegsgefangene interniert: aus Russland, Italien, Frankreich, Großbritannien, „Indochina“, Tunesien, Senegal u.a. Ländern. Ihre Schicksale sind fast vergessen. Dank einer Ausstellung in Raikos Heimatstadt sind wir darauf gestoßen.



    Sie ist reich an Schrecken, überraschenden Verknüpfungen – auch mit NS-Geschichte. In den KGL von 1914-1923 kommen Aspekte der Geschichte der Kriegsgefangenschaft, des Völkerrechts, des Rassismus (gegen „Slawen“) und Antisemitismus zum Tragen.


    Wir sprechen über Fleckfieber im Lager, über Hunger, Gewalt, Zwangsarbeit, aber auch über Freizeit, Solidarität sowie Humanität.


    Wir erkunden letzte Spuren, die wir nur noch in Merzdorf finden. Hier wurde 1915 ein zweites KGL errichtet, dessen Friedhof wir besuchen.


    Am Ende fragen wir uns, ob das Sielower Lager, das 1921-1923 noch als Abschiebelager gegen sog. „lästige Ausländer“ weitergenutzt wurde, das erste „Konzentrationslager“ auf deutschem Boden war.


    Entdeckt mit uns die leider auch aktuelle Geschichte der KGL in Cottbus.
    In der nächsten Folge hört Ihr zum Thema noch ein spannendes Interview mit dem Ausstellungskurator Robert Büschel.

    Wir bedanken uns herzlich bei Robert Büschel für seine fachliche Unterstützung!


    Kapitel:

    - Vorspann 0:00
    - Auch meine Eltern wussten davon nichts 1:13
    - Septemberschrei in der Niederlausitz 5:47
    - Bolzplatz, Stasi, Friedhof der Kriegsgefangenen von Sielow 15:45
    - Erster Weltkrieg - Warum so viele Kriegsgefangene? 20:32
    - September 1914: 10.000 Schutzlose auf die Rennbahn 27:20
    - Katastrophale Zustände, tödliche Fleckfieber-Epidemie 33:51
    - Cottbuser Blicke auf Kriegsgefangene? Neugier, Mitleid und Rassismus 44:30
    - Kriegsgefangenschaft und Völkerrecht: Haager Landkriegsordnung 47:55
    - Kriegsgefangenschaft im Ersten Weltkrieg 50:48
    - Zwangsarbeit und Lager - Massenerfahrung der Deutschen und ihrer Nachbarn 52:30
    - Freizeit, "Stacheldraht-Krankheit", Religion und "Ehre" 1:03:22
    - Kriegsgefangenschaft seit der Antike 1:11:36
    - Humanitäre Hilfe, Pakete, Briefe: Rotes Kreuz, neutrale Staaten 1:16:01
    - Ein Blick auf Karten und Fotos des Sielower Lagers 1:34:59
    - Lager Merzdorf: letzte Spuren im Sand 1:38:05
    - Panoptikum Merzdorf: architektonische Blaupause des KL Sachsenhausen? 1:41:14
    - Bericht des Roten Kreuzes Merzdorf 1915 1:46:38
    - Bericht des RK 1916 1:57:41
    - Tiefverwurzelter Rassismus gegen "Slawen", Repressalien, Widerstand 1:53:10
    - Ende der StaLags und Nachkriegszeit 1917-1921 2:02:53
    - Lagerfriedhof von Merzdorf - Vergessene Schicksale 2:07:48
    - Lagerfotos, Skulpturen und rassistische Völkerschauen 2:11:13
    - War das erste Konzentrationslager Deutschlands in Cottbus? 2:12:56
    - Rechtsextreme Freikorps von Cottbus aus koordiniert 2:21:45
    - Fazit: "Cottbus hat's faustdick hinter den Ohren" 2:24:17
    - Abspann 2:25:43


    Auswahlbibliografie:
    Robert Büschel/ Alexander Valerius: Ankunft auf Zeit (Onlineausstellung von 2021). Link

    Uta Hinz: Gefangen im Großen Krieg. Kriegsgefangenschaft in Deutschland 1914-1921, Essen 2006

    Ludwig Meidner: Septemberschrei, zit. in: Dorle Meyer: Doppelbegabung im Expressionismus, Göttingen 2013, S.311-313

    Jochen Oltmer (Hg.): Kriegsgefangene im Europa des Ersten Weltkrieges, München 2006

    Rüdiger Overmann (Hg.): In der Hand des Feindes. Kriegsgefangenschaft von der Antike bis zum Zweiten Weltkrieg, Köln u.a. 1999

    Otto Rückert: Zur Geschichte der Kriegsgefangenenlager in Cottbus (Sielow, Merzdorf) 1914-1921, in: Niederlausitzer Studien 11, S.23-48


    Tiefgang[at]kliopolis.de

    #Deutschland #Europa #Neuere_und_neueste_Geschichte #Erster_Weltkrieg

    2 hr 27 min
  • Ringstraße. Vom antidemokratischen Bollwerk zur Straße der Zivilisation

    Der „Ringstraße“ sieht man kaum an, dass sie um die Wiener Altstadt so angelegt wurde, um Revolutionen leicht niederkartätschen zu können. Heute reiht sich am Prachtboulevard ein bedeutendes Gebäude, ein Denkmal und eine Prachtpiazza an die andere.



    Zu finden sind zahlreiche Paläste. Hier liegen bedeutende Tempel der Kultur und Wissenschaft: Oper, Burgtheater, faszinierende Museen und Universität. Bedeutende Architektur wurde umgesetzt; von Historizismus bis Jugendstil. Bauen musste die Arbeiterschaft, die trotz Monarchie zunehmend selbstbewusst und kämpferisch wurde.

    Nationale und Weltgeschichte wurde auf und an der Ringstraße geschrieben: In der Hofburg erklärte der Kaiser 1914 Serbien den Krieg. Auf dem Heldenplatz verkündete Adolf Hitler 1938 den sog. „Anschluss“ Österreichs, womit die systematische Verfolgung der jüdischen Österreicher:innen begann.


    Bereits zuvor war Österreich 1933/34 zu einem faschistischen Ständestaat geworden; ausgehend von der sog. „Selbstausschaltung“ des am Ring gelegenen Parlaments. Sozialdemokrat:innen, die besonders im „Roten Wien“ stark waren, sowie Liberale waren unter den austrofaschistischen Bundeskanzlern Dollfuß und Schuschnigg verfolgt und ins Exil gedrängt worden.

    Im gewaltigen neugotischen Rathaus wirkte um die Jahrhundertwende auch der berüchtigte antisemitische Politiker, Karl Lueger. Ihn erlebte der junge Hitler, der sich in dieser Zeit gerade als Postkartenmaler verdingte.

    Parlamentsgebäude und Rathaus stehen aber auch für Fortschritt. Sie bildeten ein selbstbewusstes Gegengewicht zur gegenüber liegenden Hofburg – dem Sitz der Monarchie. Sie waren – und sind es bis heute – prächtige Orte der Demokratie und einer modernen, serviceorientierten Verwaltung, von der andere Verwaltungen einiges lernen könnten.


    An kaum einem anderen Ort im deutschsprachigen Raum treffen derart viele Aspekte der europäischen Moderne zwischen Zivilisation und Barbarei auf engstem Raum zusammen, wie hier.


    Flaniert mit uns die Ringstraße entlang und macht Euch mit uns zusammen Gedanken über die Widersprüche der europäischen Geschichte und Gegenwart.


    Kapitel:

    - Vorspann 0:00
    - Einleitung: von Marienthal zur Wiener Ringstraße 1:06
    - Geschichte der Ringstraße: freies Schussfeld gegen Revolutionäre und Pracht der Reichen und Schönen 5:31
    - Oper: "Das Königgrätz der Baukunst"? Das erste Gebäude der Ringstraße 1869 30:50
    - Sezession: Prachtmal des Wiener Jugendstils 36:33
    - Maria-Theresien-Platz: Die Paläste für Kunst und Wissenschaft und die Habsburger Herrschaft 42:26
    - Parlament zwischen "Multikulti" und Faschismus: Tempel der Demokratie und Mahnmal gegen ihre Feinde 55:33
    - Burgtheater: die bedeutendste deutschsprachige Bühne in den Stürmen der Moderne 1:09:43
    - Rathaus: Selbstbewusstsein gegen Monarchie und Kirche; liberale und fortschrittliche Verwaltung im Roten Wien 1:12:57
    - Universität: Basis des demokratischen Aufruhrs, Heimstatt für Nobelpreisträger, revolutionäre Köpfe und leider auch patriarchalische Wissenschaft 1:24:34
    - Karl-Lueger: Das Denkmal für den Antisemiten und populistischen Hetzer an der Ringstraße 1:31:05
    - Postsparkasse: funktionales Schmuckstück der Moderne 1:32:58
    - Roadtrip durch die Moderne: Zusammenfassung 1:37:34
    - Abspann 1:42:57


    E-Mail-Adresse: Tiefgang[at]kliopolis.de

    #Österreich #Europa #Neuere_und_neueste_Geschichte #Zeitgeschichte

    1 hr 44 min
  • Marienthal. Arbeitslosigkeit und das Schrumpfen des Lebens

    Was macht Arbeitslosigkeit mit Menschen? Das wollten die jungen Wiener Forscher:innen um Marie Jahoda und Lotte Danziger wissen. Im Auftrag der österreichischen Sozialdemokratie machten sie sich 1931/32 auf den Weg nach Marienthal – eine Industrie- und Arbeitersiedlung, in der eben erst 80% der Einwohner arbeitslos geworden waren. Die dortige Textilfabrik, die seit 1823 Menschen beschäftigte und eine kleine Stadt entstehen ließ, schloss für immer ihre Tore.


    Die meisten Arbeiter:innen waren überzeugte „Sozis“ mit Arbeiterstolz, waren Mitglieder in Sport-, Kultur- und Gewerkschaftsvereinen, abonnierten politische Zeitungen. Doch die Arbeitslosigkeit verwandelte den Ort in eine „müde Gemeinschaft“. Die Forscher:innen stellten in ihrer berühmten Studie "Die Arbeitslosen von Marienthal" fest, dass diese radikale Krise die Menschen nicht politisch-kämpferisch machte, sondern resigniert, verzweifelt, apathisch.

    Die Marienthal-Studie ist nicht nur ein Urknall der Sozialwissenschaften, sondern auch ein Plädoyer für eine humane Gesellschaftswissenschaft, die dort hingeht, wo sie auch stattfindet.

    Die Studie ist eine Erinnerung daran, dass Arbeitslosigkeit eine der zuverlässigsten Krisenerscheinungen im Kapitalismus ist. Auch wenn der mediale Diskurs heutzutage eher den Arbeitskräftemangel beschwört.

    Begleitet uns nach Wien und Marienthal zu den Spuren einer untergegangenen Kultur - der Arbeiter und des roten jüdischen Wien.

    Kapitel:
    - Vorspann 0:00
    - Intro: Willkommen in Wien! 1:05
    - Heute geht's nach Gramatneusiedl 3:55
    - Marie Jahoda, eine beeindruckende Forscherin 6:01
    - Die Anfänge 26:10
    - Vom "Kuhdorf" zum Industriestandort 36:41
    - Arbeiterkultur 44:02
    - Das politische Marienthal 50:06
    - 20er Jahre: erstmals Arbeitslosigkeit, dann Blüte 52:14
    - 1929: Das Ende der Fabrik - Massenarbeitslosigkeit 59:04
    - Die Marienthal-Studie: Geschichte, Akteure und Forschungsmethoden 1:00:27
    - Revolution oder Resignation? - Fragen der SDAP 1:01:59
    - 1931/32 - Neuartiges Forschen 1:06:07
    - Die Autorenfrage 1:14:05
    - Einstweilen wird es Mittag - Die "müde Gemeinschaft" 1:16:23
    - Geschlechterforschung 1:20:30
    - Urknall der Sozialforschung 1:22:54
    - Arbeitslosigkeit macht nicht rechts, sondern passiv 1:24:17
    - Raus aus dem Elfenbeinturm! - engagierte Wissenschaft 1:25:53
    - Nachgeschichte von Marienthal und Gegenwart 1:27:22
    - Vier Typen: Resignierte, Ungebrochene, Verzweifelte, Apathische 1:30:35
    - Verhältnis zwischen den Marienthaler:innen und den Forscher:innen? 1:35:57
    - Unbedingt lesen! Bedeutung der Studie in Vergangenheit und Gegenwart 1:40:31
    - Der etwas ärgerliche Schluss mit Aufruf, über die Studie und unsere Zeit intensiv nachzudenken 1:45:22
    - Abspann 1:47:17

    Empfehlenswert:
    Museum Marienthal, Hauptstraße 64, 2440 Gramatneusiedl

    Literatur und Film
    - Jahoda, Marie/ Lazarsfeld, Paul F./ Zeisel, Hans (1933/1975): Die Arbeitslosen von Marienthal. Ein soziographischer Versuch, Frankfurt a.M.
    - Müller, Reinhard (2008): Marienthal. Das Dorf – Die Arbeitslosen – Die Studie. Innsbruck
    - Jahoda, Marie (1932/2017): Lebensgeschichtliche Protokolle der arbeitenden Klassen 1850-1930. Dissertation 1932. Innsbruck
    - „Einstweilen wird es Mittag“ – Film von Karin Brandauer. 1987/88

    E-Mail-Adresse: Tiefgang[at]kliopolis.de

    #Österreich #Europa #Neuere_und_neueste_Geschichte #Zeitgeschichte #Soziologie

    1 hr 49 min
  • Jahresrückblick 2022. Gefahren und Chancen in „Zeitenwenden“

    Schon wieder ein Jahr voller Krisen und „Zeitenwenden“!


    In dieser Folge nehmen wir die diesjährigen Tiefgänge zum Anlass, um über alte und neue Krisen zu sprechen. Wir diskutieren über Klimawandel und Verkehrswende, über Kriege und „Zeitenwenden“, über Hungerkatastrophen und Völkermorde. Da ist es gar nicht so einfach, über Themen der Geschichte zu sprechen, die nicht mit akuten Krisen im Zusammenhang stehen.

    So einzigartig Krisen sein mögen – es sei denn, sie sind Wiederholungen als Farce – so sehr durchsucht man instinktiv die Geschichte nach Lehren und Blaupausen für kluges Handeln. Die Geschichtsbetrachtung in Krisenzeiten birgt aber auch Gefahren: Denn wenn „Zeitenwenden“ ausgerufen werden, können auch fortschrittliche Entwicklungen jäh unterbrochen, alles Bisherige pauschal verworfen werden. Das betrifft in diesem Jahr nicht nur die Verteidigungs- und Außen-, die Klima- und Energie-Politik. Der Diskurs über den Ukraine-Krieg hat auch die Geschichtskultur in Deutschland massiv erschüttert.

    Der Krieg in der Ukraine hat in öffentlichen Debatten zu neuen Tönen geführt: Begriffe, die mit NS-Geschichte in Verbindung stehen – Vernichtungskrieg, Diktatfrieden, Blitzkrieg, Appeasement-Politik, Völkermord – werden im Kontext des aktuellen Krieges verwendet. Die kürzlich noch als legitim geltende Ansicht, dass sich angesichts der Katastrophen des 20. Jahrhunderts eine militärische Außenpolitik moralisch verbiete, steht gegenwärtig in den freundlichsten Kritiken unter Naivitätsverdacht. In der Kritik an dieser Entwicklung sind wir uns einig.

    Besonders kontrovers diskutieren wir die Geschichtspolitik des Bundestages. Unter dem Eindruck des Ukraine-Krieges stufte eine Parlamentsmehrheit die Hungerkatastrophe des „Holodomor“ 1932/33 als „Genozid“ ein. Wir diskutieren so kontrovers wie die internationale Geschichtswissenschaft, ob das von Josef Stalin verbrecherisch herbeigeführte Massensterben mit dem Begriff „Genozid“ adäquat gefasst werden kann. Die deutsche Debatte, ob der Holodomor und sogar der gegenwärtige Krieg „genozidale Züge“ trage, scheint auch die in Deutschland virulenten Bedürfnisse nach Entlastung von der Geschichte zu adressieren.

    Ran an den Tiefgang-Debattentisch und diskutiert kontrovers mit – über die Chancen und Gefahren von „Zeitenwenden“.

    Kapitel:
    - Vorspann 0:00

    - Einleitung: Mit Keksen zum Ernst der Lage 1:04

    - Unsere Tiefgänge 2022: AVUS, Nullachtfuffz'n, Essen 4:21

    - Das Automobil, die Verkehrswende, die keine ist, und der verdrängte Klimawandel 5:16

    - Nochmal zum NS-Kraftfahr-Korps: der Führerschein war immer politisch 29:21

    - Zukunft des Autos? 30:35

    - Politischer Protest gegen die Verdrängung des Klimawandels 33:21

    - Diskreditierung nichtmilitärischer Außenpolitik 44:27

    - Grundgesetzänderung ohne Debatte: Aufrüstung mit Verfassungsrang, Verrutschungen in der deutschen Politik 46:04

    - Bundestag als Historiker, Begriffe der NS-Zeit in der gegenwärtigen Debatte 51:48

    - Kriegsdienstverweigerer, Pazifist als Schimpfwort 59:59

    - Rückblick auf die Folge "Nullachtfuffz'n" - Das Sterben im 1. Weltkrieg 1:01:39

    - Das Verbrechen des Holodomor - Kontroverse über die Einstufung als "Genozid" 1:12:29

    - Genozid - ein politischer, historischer, juristischer, geschichtspolitischer Begriff 1:20:36

    - Gegenwärtige Debatte über den Ukraine-Krieg als geschichtspolitischer "Entlastungs"-Diskurs 1:28:55

    - Kontroverse Diversität, Fakten, Argumente und gute Begriffe als Grundlage demokratischer Debattenkultur 1:40:54

    - Reden über's Essen - zwischen Hungerkatastrophen und Kulturgeschichte - Nachträge zur "Essen"-Folge 1:46:56

    - Trotz alledem: Frohes und gesundes Neues! 1:54:47

    - Abspann 1:56:00


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    #Deutschland #Europa #Neuere_und_neueste_Geschichte #Zeitgeschichte #Jahresrückblick

    1 hr 57 min
  • Essen. Brot, Burger, Bimmel-Bolle

    Jeder muss essen. Dass heute jeder mehr oder weniger genug Nahrung bekommen kann, wie es in den EU-Gesellschaften weitgehend der Fall ist, ist eine historische Ausnahme.


    In dieser Folge sprechen wir über die wechselvolle Geschichte der Ernährung während wir bei zu warmem Novemberwetter durch den Tegeler Forst spazieren. Wir beginnen unseren Tiefgang beim ältesten Gastronomiebetrieb Berlins, der seit 1410 Gäste beköstigt, und sprechen darüber, wie die frühen Menschen begannen, das Kochen zu lernen. Dann springen wir ins Mittelalter und sprechen über den Hunger der Bauern und die vollen Bäuche der Herrschenden.

    Mit der aufkommenden Industrialisierung ändert sich die Ernährung grundlegend – wenn auch nicht die ungleiche Verteilung: Wir sprechen über die Erfindung der Konservendose und anderer Haltbarmachungen in der aufkommenden Lebensmittelindustrie. Anhand der Kartoffel, des Brotes, des Bieres, der Kekse, der Instantwürze und Tütensuppen, der Schokolade und des Kaffees thematisieren wir die fortschrittlichen, aber auch die Schattenseiten der Moderne. Die Entwicklungen lassen sich nicht ohne das Unrecht krasser sozialer Ungleichheit, des Krieges, des Kolonialismus, des Nationalsozialismus und der ökologischen Krisen erzählen.

    Überraschendes und Nachdenkliches entdecken wir auch in der (transatlantischen) Geschichte des Fastfoods und in der Berliner Geschichte der Markthallen und Gastronomiebetriebe.

    Also, kommt mit an den Tisch und erfahrt, warum Pellkartoffeln mit Quark und Leinöl die Lösung sind.

    Kapitel:
    - Vorspann 0:00
    - Intro: Im Westen nichts Neues und etwas, das alle betrifft 1:04
    - Essen seit 1410 - älteste Kneipe Berlins 5:32
    - Essen von der Steinzeit bis ins Mittelalter 11:21
    - Konserve - Haltbares überall, koloniale Heere, Müll 25:25
    - Fertigessen: Backpulver, Würze, Tütensuppen 37:13
    - Cakese 39:14
    - Lebensmittel vom Bimmel-Bolle 40:56
    - Fastfood - Standardisiertes Essen von den Römern bis zur Burgerkette 42:57
    - Erdäpfel 1 - verhextes Viehfutter und die Erfindung der Pommes 59:14
    - Erdäpfel 2 - Kartoffelfäule, Steckrübenwinter, Pellkartoffeln mit Quark und Leinöl 1:07:58
    - Unser täglich geschnitten Brot gib uns heute 1:19:06
    - Bio-Nazis? Vollkornbrot und Eintopf im Nationalsozialismus 1:30:38
    - Gulaschkanone - von Armenspeisung zur Militarisierung des Essens 1:42:25
    - Berliner Markthallen, Kaufhäuser und Konsumvereine 1:46:50
    - Kolonialwaren - bittere Schokolade aus der "Moehrenstraße" und Kaiser-Kaffee 1:59:19
    - Biermetropole Berlin 2:03:12
    - Schlachthöfe in Berlin 2:04:51
    - Aschinger. Bierquellen, Vaterland und NS-Verstrickungen 2:06:14
    - Fassen wir mal zusammen ... was noch zu sagen wäre 2:21:23
    - Abspann 2:24:01

    Tiefgang[at]kliopolis.de

    #Deutschland #Europa #Weltgeschichte #Mittelalter #Frühe_Neuzeit #Neuere_und_neueste_Geschichte #Zeitgeschichte

    2 hr 25 min

About Tiefgang durch die Stadt

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Tiefgang hat drei Bedeutungen: Man schürft tief an einem Ort und trägt wie eine Archäologin tieferliegende Schichten aus der Geschichte zutage. Ein Ort gewinnt zudem Tiefe, wenn man sich ihn und die Themen, die mit ihm verbunden sind, vorsichtig tastend aneignet. Mit den Füßen und alle Sinnen kann man ihn dabei am besten erfassen.