„Tatsächlich ist jetzt flächendeckend die Hölle los."
Vor zwei Jahren galten die beiden noch als Schwarzmaler. Heute klingt ihre Prognose fast harmlos. Martin Lambrecht ist Restrukturierer und Insolvenzverwalter – er sieht die Wirtschaft von ihrer dunklen Seite, dort, wo Unternehmen kippen, bevor es in der Zeitung steht. Und was er erlebt, deckt sich mit dem, was wir bei Kraus & Partner täglich sehen.
Die zentrale Frage dieser Folge: Erleben wir gerade eine vorübergehende Delle – oder etwas Systemisches? Lambrechts Antwort ist unbequem. Denn anders als früher kippen heute nicht nur schlecht geführte Betriebe. Es trifft fleißige, kerngesunde Mittelständler, denen schlicht der Business Case wegbricht. Man saniert nicht mehr in stabile Märkte hinein, sondern rennt fallenden Märkten hinterher.
Wie kommen wir da raus? Lambrecht hält wenig von der Idee, Komplexität ließe sich von oben durchsteuern – am Kommunismus sei genau das gescheitert. Stattdessen brauche es wieder Vertrauen in freie Märkte, flankiert von einer sozialen Komponente. Spannend wird es bei der Leistungsfrage: Nicht die Stunden zählen, sondern der Wert, den jemand schafft. „Jemand kann doch nur 10 Stunden arbeiten, wenn er das wegschafft, was ein anderer in 50 nicht hinkriegt." Selbst der Betriebsrat, der für die 35-Stunden-Woche streitet, verhandelt plötzlich bis tief in die Nacht – wenn er ein Ergebnis sehen will.
Was nehmt ihr mit? Die alarmierendste Kennzahl ist nicht der Umsatz, sondern die Investition. Und die fließt gerade ab statt zu. Heißt: Diese Krise dauert nicht Monate, sondern Jahre. Klingt düster. Aber Lambrecht bleibt überzeugt, dass wir es hinbekommen – vielleicht erst, wenn der Druck groß genug ist. „Der Änderungswille ist da, und zwar bei allen Seiten."
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