Es ist der opferreichste und erschütterndste Kriminalfall in der Geschichte Japans, doch außerhalb des Landes ist er fast völlig vergessen: Der Fall der Miyuki Ishikawa.
Im winterlichen Nachkriegstokio des Jahres 1948 deckt ein banaler nächtlicher Zufall das Grauen hinter den Maurern des Kotobuki-Entbindungshaus auf. Was als vermeintliche „soziale Hilfe“ in den Trümmerfeldern des Bezirks Shinjuku begann, entpuppte sich als eine eiskalte, administrativ durchgetaktete Todesmaschinerie.
Zusammen mit ihrem Ehemann Takeshi und dem korrupten Arzt Dr. Shiro Nakazawa erpresste die einstige Muster-Hebamme verarmte Eltern, fälschte Sterberegister und ließ mindestens 84 – vermutlich weit über 100 – ungewollte Säuglinge durch systematischen Entzug von Nahrung und elementarer Pflege qualvoll verhungern.
Wichtige Inhaltswarnung & Hilfsangebote
Diese Folge behandelt Themen wie die systematische Gewalt gegen Säuglinge, extreme Vernachlässigung und die harten, psychischen Realitäten existenzieller Nachkriegsarmut. Das Hören kann stark belastend sein. Bitte pass gut auf dich auf.
Solltest du oder jemand, den du kennst, sich in einer schweren Krise befinden, emotionale Unterstützung benötigen oder von familiärer Überlastung betroffen sein, gibt es kostenlose, anonyme und rund um die Uhr erreichbare Hilfsangebote:
TelefonSeelsorge (Deutschland): 0800 111 0 111 oder 0800 111 0 222 (Online-Beratung unter telefonseelsorge.de)
Nummer gegen Kummer / Elterntelefon: 0800 111 0 550 (Montags bis freitags von 9 bis 17 Uhr, dienstags und donnerstags bis 19 Uhr)
Hilfetelefon „Schwangere in Not“: 0800 40 40 020 (Anonyme, kostenlose Erstberatung in mehreren Sprachen)
Telefonseelsorge (Österreich): 142
Die Dargebotene Hand (Schweiz): 143
Originalquellen & Historische Dokumente
Das Urteil des Bezirksgerichts Tokio (1948): Tokyo District Court, Judgment of October 11, 1948. Die offizielle Begründung der Richter, warum das Verhungernlassen juristisch als „Tötung durch Unterlassung“ (Fahrlässigkeit im Amt) und nicht als aktiver Mord gewertet wurde.
Das Berufungsurteil des Hohen Gerichts (1952): Tokyo High Court, Judgment of 1952. Das historische Dokument, das die ohnehin milde Strafe für Miyuki Ishikawa nochmals auf 5 Jahre Gefängnis reduzierte.
Zeitgenössische Medienberichte (Asahi Shimbun / Mainichi Shimbun, Januar–Oktober 1948): Die Original-Presseberichte aus dem Jahr 1948, die den Begriff der „Dämonen-Hebamme“ (Onisanba) prägten und die Razzia der Waseda-Polizeistation begleiteten.
Das Gesetz zum Schutz der Eugenik (1948): Eugenic Protection Law (Yūsei Hōgo Hō), Law No. 156 of 1948.
Der offizielle Gesetzestext des japanischen Parlaments, der als direkte politische Reaktion auf den Kotobuki-Skandal verabschiedet wurde und die Legalisierung von Schwangerschaftsabbrüchen in Japan einleitete.
Kriminalhistorische Aufarbeitung: The Kotobuki Incident Records (Kotobuki San'in Jiken). Archivierte kriminalistische Zusammenfassungen der Metropolitan Police Department Tokyo über den größten Serienmord der japanischen Nachkriegsgeschichte.
🎧 Eure Meinung ist gefragt!
Das Urteil gegen Miyuki Ishikawa spaltet Historiker und True-Crime-Fans bis heute. Fünf Jahre Haft für den Tod von über 80 Kindern – war das Urteil im Kontext der damaligen Zeit und der riesigen Gesetzeslücken unvermeidbar, oder hat die Justiz hier schlichtweg versagt?
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