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Ausbildungssupervision bezeichnet die gezielte supervisorische Begleitung von Studierenden der Sozialen Arbeit – sei es individuell oder in kleinen Gruppen – während ihrer Praxisphasen. Wir meinen in dieser Folge explizit nicht die Formate, die in therapeutischen Weiterbildungen oder Ausbildung als Supervision bezeichnet werden. Hier gibt es einen wesentlichen Unterschied, der vor allem mit dem jeweiligen Tätigkeitsfeld und entsprechenden Handlungsanforderungen zu tun hat.
Containing, ein Begriff aus der Psychoanalyse, geht auf Wilfried Bion zurück und meint einen inneren Prozess der professionelle beratenden Person. Das umfasst einmal, das Aufnahmen von Übertragungen und Projektionen und das spüren der Emotionen, die dadurch bei einem selbst ausgelöst werden, ohne diese auszuagieren. Dann, das innere sortieren und deuten. Zuletzt werden die dadurch sozusagen "vorverdauten" Deutungen in der Beratung zur Verfügung gestellt. Über den Prozess des Coantainings, die dazugehörigen psychoanalytischen Begriffe und vor allem die Schwierigkeit in realen Situationen auf dieses theoretische Wissen zugreifen zu können, sprechen wir mit Prof. Mag. Dr. Wolfgang Gratz aus Wien.// Literatur // Bion, Wilfred (1974): Erfahrungen in Gruppen und andere Schriften. 2. Aufl. Stuttgart // Crepaldi, Gianluca (2022): Containing. Gießen: Psychosozial // Gratz, Wolfgang, Röthel, Horst, Sattler-Zisser, Sissi (2023): Gesund Führen. 2. Aufl., Wien: Linde // Gratz, Wolfgang (2023): Amundsen und Scott Die Abenteuer des Organisierens. Kindle Direct Publishing // Gratz, Wolfgang (2024): Beraten als Verdauen. Containing in Supervision und anderswo. Zeitschrift Supervision 4/2024
Was sind eigentlich Grenzen - unsere eigenen und die der Anderen - wann dienen sie der Stabilität und wann sind sie zu starr und verhindern dadurch Veränderungsprozesse? Hier etwas allgemeingültiges zu formulieren ist uns im Gespräch mit Ronny Jahn - Soziologe, Supervisor und Aufsichtsratvorsitzender der DGSv - nicht gelungen. Stattdessen sprechen wir über die Bedeutung von Grenzen in unseren jeweiligen Wahrnehmungen, auf individueller und gesellschaftlicher Ebene. Dabei kommen wir manchmal ins Schleudern und überlegen wieso das definieren von Grenzen für uns selbst und die Supervisanden eigentlich wichtig ist. Wir landen, wie so oft, erneut beim Dreieckskontrakt als Orientierungsrahmen für ethisch-basiertes Grenzkonzept für supervisorische Arbeit.
Wir setzen uns damit auseinander, wie sich Meinung von Fakten und Unsinn unterscheidet, wie Menschen sich Meinungen zu Themen bilden und wieso das für Supervision und Beratung relevant ist. Wir überlegen u.a. wie damit umgegangen werden kann, wenn Supervisanden andere Meinungen oder Werte haben als wir selbst.
Zu Gast ist Prof. Dr. Babette Brinkmann (TH Köln), die sowohl im wissenschaftlichen und im gesellschaftlichen Diskurs, als auch in der Supervision für Aufklärung plädiert. Sie macht stark, dass es eindeutige Aufträge gibt für Wissenschaft und Politik, die sich voneinander unterscheiden und erklärt warum die Unterscheidung wichtig ist. Ähnlich verhält es sich mit Wissenschaft und Supervision.
Zur vertiefenden Auseinandersetzung empfielt Babette "Science matters!: Wissenschaftlich statt querdenken" (2022) von Tilmann Betsch und "Männer, die die Welt verbrennen: Der entscheidende Kampf um die Zukunft der Menschheit" (2024) von Christian Stöcker..
Wir sprechen mit Beate Pauluth-Cassel (Supervisorin, tiefenpsychologischen Psychotherapeutin und Gruppendynamikerin) über Angst in supervisorischen Settings. Wie und wo spüren wir Angst, welche Funktion hat Angst und wie gehen wir damit als Supervisoren um, wenn Angst im Setting bemerkbar wird? Es ist nicht immer ganz leicht die Grauzone zwischen Realangst und neurotischer Angst zu bestimmen bzw. zwischen gesunder und pathologischer Angst zu unterscheiden. Das ist uns auch im Gespräch an manchen Stellen schwer gefallen. Gleichzeitig ist diese Unterscheidung wichtig, um aus einem supervisorischen Setting kein therapeutisches zu machen.
Triggerwarnung (TW/CW: Nennung von Suizid, Tod, sex. Gewalt an Kindern). Wer mit diesen Inhalten nicht konfrontiert werden möchte, sollte erst ab ca. Minute 5 einsteigen und ca Minuten 32 – 33 aussparen, oder diese Folge meiden. Supervision als berufsbezogene Beratung ist in Deutschland bereits seit ihrer Entstehung mit vielen helfenden Bereichen eng verknüpft. In vielen anderen Bereichen ist sie jedoch noch sehr jung, bzw. wurde bislang nicht angenommen. Eine staatliche Institution, die erst in den letzten Jahren die Vorzüge reflexiver Formate für sich entdeckt hat, ist die Polizei. Wie das gelingt, wie es organisatorisch umgesetzt wurde und welche Themen für Polizist:innen beratungsrelevant sind, besprechen wir mit Marcus Freitag. Als Seelsorger und Supervisor für die Polizei in NRW war er u.a. maßgeblich daran beteiligt bereits in der akademischen Ausbildung supervisorisch begleitete reflexive Formate, die sogenannte "Berufsrollenreflexion", zu implementieren. Wir sprechen auch darüber, wie schwierig es sein kann, wenn unterschiedliche Feldlogiken und Denkmuster (SV / Polizei) aufeinandertreffen /// Literatur /// Freitag, Marcus (2024): Supervision im System Polizei, Zeitschrift Supervision, 4/2024, S. 41-45 /// Müller, Ursula (2010): Organisation und Geschlecht aus neoinstitutionalistischer Sicht. Betrachtungen am Beispiel von Entwicklungen in der Polizei; In: Feministische Studien; 1/2010; S. 40-55 /// Behr, Rafael (2017): Die Polizei auf dem Weg zu einer »Re-Maskulinisierung«?: Wandlungen und Kontinuitäten »hegemonialer Männlichkeit« in der Institution staatlicher Sicherheitsverwaltung, Freie Assoziation 20(1), 6/2017, S. 13-32.
Zu Gast ist Dr. Harald Pühl, der seit rund 40 Jahren als Supervisor tätig ist. In seinem Institut Triangel e.V. bildet er Supervisoren aus und legt dabei sein Konzept der inneren und äußeren Triade als Basis für professionelle Beratung in Organsiationen zugrunde. Die äußere Triade umfasst das, was wir Supervisoren immer mitdenken müssen und als ethische Grundlage unseres Handelns in Form des Dreieckskontraktes kennen. Wir sprechen mit Harald Pühl vor allem über die innere Triade, welche u.a. mit den eigenen Bindungs- und Beziehungserfahrungen zu tun hat, welche uns auch in professionellen Kontexten unbewusst steuern können, wenn wir sie nicht reflektieren und uns bewusst machen. Tun wir das nicht, kann das Auswirkungen auf den äußeren Rahmen, die äußere Triade, haben. Wir überlegen, wie wir damit umgehen können, wenn es uns doch mal passiert, welche Indikatoren wir bei uns dafür kennen, dass wir die Triade verlassen und stellen Fallbeispiele zur Verfügung. ///
Was geschieht eigentlich in Supervision? Wie werden Themen gefunden und bearbeitet? Und was unterscheidet eine professionelle berufsbezogene Beratung von einer Alltagsberatung?
Mit der systemischen Supervisorin, Traumapädagogin und Lehrpersonenausbilderin Monika Karpa (https://karpa-beratungspraxis.de/) sprechen wir über den Unterschied zwischen Krisen und Trauma, über Traumafolgestörungen und die Bedeutung vom Umgang damit in der pädagogischen Praxis und Supervision. Monika Karpa positioniert sich vor allem als Advokat für traumatisierte Kinder- und Jugendliche und plädiert für eine traumasensible Pädagogik. Sie vertritt aber auch, ganz im Sinne systemischer Beratung, die Auffassung, um in kurzer Zeit ans Ziel zu kommen, müsse man sich an Stärken und Ressourcen orientiere und die Lösung in den Fokus nehmen, statt des Problems. Henning vertritt die Auffassung, dass Konzepte aus der Traumapädagogik und -therapie in Ansätzen auch auf Supervision übertragbar, und daher für insbesondere Fallsupervision relevant sind. Dazu gehört das "Konzept des guten Grundes". Tina plädiert dafür, nicht in Versuchung zu geraten jede Gefühlsregung einem vermeintlichen Trauma zuzuschreiben, sondern im pädagogischen Alltag und in Supervision Pathologisierungen kritisch gegenüber zu bleiben.
// Literatur- und Videoempfehlungen: Andreae de Hair, Ingeborg et al.: Traumapädagogisch diagnostisches Verstehen. Beltz / Krüger, Andreas: Powerbook für die Seele. Elb-Krüger-Verlag. / Gebrande, Julia: Soziale Arbeit nach traumatischen Erfahrungen. Nomos / Huber, Michaela: Ressourcium. Lehmanns / Zimmermann, David: Traumapädagogik in der Schule. Psychosozialverlag / Doku: „Wie Kinder wieder lachen lernen“ / Doku: „Vererbte Narben“ / Doku: „Stiller Kamarad“ // Bücher von Sabine Bode
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