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Organisationssoziologie sollte aus Sicht von Prof. Dr. Stefan Kühl für alle in Organisationen beratend Tätigen eine wichtige Bezugstheorie sein. Wir sprechen mit dem Soziologen der Uni Bielefeld und Organisationsberater über einige Begrifflichkeiten, welche in der Beschreibung von Organisationen immer wieder auftreten. Vor allem aber sprechen wir über das, was er „Scharlatanerieproblem“ der Supervisoren und Coaches nennt. Und darüber, wie diesem begegnet werden könnte.
Die drei klassischen Settings in Supervisionsprozessen sind Einzelsupervision, Teamsupervision und Gruppensupervision. Immer häufiger wird für Teams oder Gruppen Fallsupervision beauftragt. Es wird angenommen, dass Fallsupervision sich nicht akkurat von Team- oder Gruppensupervision trennen lässt, sondern die Besprechung von Fällen immer Einfluss auf die Gruppen/Teamstruktur nimmt und die Gruppen/Teamstruktur Einfluss auf die Fallbesprechung. Mit Prof. Dr. Monika Althoff sprechen wir über das, was wir unter Fallsupervision verstehen und wie wir es machen. Monika Althoff hat zum Thema Fallsupervision 2020 promoviert und ist seitdem Professorin für Soziale Arbeit an der Internationalen Hochschule (IU) in Dortmund, im Fachgebiet Sozialwissenschaften. Sie beschreibt und empfiehlt in ihrem Buch acht Schritte als Grundgerüst, die reflexive Fallsupervision strukturieren können (S.136ff), angelehnt an Ader (2004) & Schattenhofer & Thiesmeier (2001): 1) Fallvorstellung, 2) Formulierung einer Fragestellung / eines Beratungsauftrags 3) Rückfragen und Verständnisfragen, 4) Identifikationsrunde / Fallinszenierung, 5) Metablick (Bilder, Stimmungen, Eindrücke), 6) Was wird gebraucht? - Assoziatives Lösungsfinden, 7) Falleinbringerin schaut auf Vorschläge, 8) Reflexionsschritt // Henning empfiehlt: Widulle, Wolfgang (2012): Gesprächsführung in der Sozialen Arbeit. Grundlagen und Gestaltungshilfen. //
Veröffentlichungen Monika Althoff (2024) Beratung und Supervision als kommunikative Praxis im Spiegel von Macht und Gegenmacht. Am Beispiel einiger Ausschnitte eines Einzelsupervisionsprozesses. In: Busse, Stefan; Lohse, Markus (Hrsg.): Professionelle Beratung: Interaktion und Kontext. // (2022): Soziale Arbeit, Supervision und das Problem der Kritik – zur Bedeutung eines kritischen Gegenüber in Sozialer Arbeit und Supervision. In: Forum Supervision. Heft 60. // (2022): Zur Ambivalenz einer supervisorischen Autorität. In: Supervision. Mensch. Arbeit. Organisation. Heft 4. 40. Jg. // (2020): Fallsupervision. Diskursgeschichte und Positionsbestimmung.
Louis Lowy hat Supervision als Lehr- und Lernort verstanden – übrigens nicht einseitig, sondern wechselseitig. Sein lernorientiertes Konzept ist eng verknüpft mit der Akademisierung der Sozialen Arbeit in den 1960er und 70er Jahren und wurde als Praxisreflexion in der akademischen Ausbildung von Sozialarbeitenden implementiert. Für ihn ist Soziale Arbeit eine Handlungswissenschaft, in der es darum geht Menschen bei der Alltagsbewältigung zu begleiten und Supervision ein agogischer Lehr- und Lernprozess für die professionelle Sozialarbeit, insbesondere in Bezug auf die Auseinandersetzung mit der beruflichen Rolle und dem Klientensystem. Wenngleich Lowy der festen Überzeugung war, dass Supervision als Möglichkeitsraum auf andere Professionen übertragbar ist. Für ihn war Supervision vor allem Persönlichkeitsbildung, die es braucht um im eigenen beruflichen Handlungsfeld auch handlungsfähig zu sein.
Literatur: Lorrie Greenhouse Gardella "Louis Lowy - Sozialarbeit unter extremen Bedingungen - Lehren aus dem Holocaust" /// Louis Lowy mit Theresa Bock (1974) "Lehrplanentwicklung für Sozialarbeiter und Sozialpädagogen" ///
Wir sind per Mail über kontakt@ueberblick-podcast zu erreichen, oder bei Instagramm unter ueberblick_podcast.
Offene Fragen an die Community: Wird Supervision noch als Lehr- und Lernprozess verstanden? Wie geht Supervision mit ihren Wurzeln, ihren Vorfahren um? Welche Form der Erinnerungskultur möchte sie pflegen, um damit professionelle Identität zu bilden? Welchen Raum/Ort welche Würdigung stellt sie den vorausgehenden Generationen und ihrem Wissen zur Verfügung? Auf welche Art stellt sie sich selbstkritisch dem Prozess von Kontinuität und Veränderung?
Die Wurzeln der Supervision in Deutschland sind bedeutsam für die Entwicklung und Professionalisierung des berufsbezogenen Beratungsformats.
Wie immer liegt die Verantwortung für die jeweiligen Wortbeiträge bei den Sprechenden. Um Resonanz im Sinne einer diskursorientierten demokratischen Gemeinschaft wird ausdrücklich gebeten (per Mail: [email protected]; oder Instagram: https://www.instagram.com/ueberblick_podcast/).
Wir sprechen mit dem Vorstand der Deutschen Gesellschaft für Supervision und Coaching e.V. (DGSv) - Dr. Annette Mulkau und Robert Erlinghagen - über die Positionierung des Verbands in gesellschaftlichen und politischen Fragen. Dazu schauen wir auf Entwicklungslinien und Gründungszeiten, Qualitätsmerkmale und Haltung der DGSv, aktuelle Themen und Schwerpunkte, sowie die zukünftige Ausrichtung. Auch die Abgrenzung von Supervision von anderen berufsbezogenen Beratungsformaten und die Aufnahmekriterien für Weiterbildungsinstitute und Absolventen werden andiskutiert.
Henning & Tina sprechen über ihr erstes Podcast-Jahr, reflektieren Feedback zum Podcast und blicken auf das nächste Jahr.
Beratung im Kinderschutz ist vielseitig und hochkomplex, was sich bspw. an der Vielzahl von Beratungsformaten und Ebenen zeigt. Beteiligt sind an Kinderschutzprozessen Fachkräfte in den Familien, im ASD, in stationärer Jugendhilfe, die Beratungsstellen, die ausgebildeten Kinderschutzfachkräfte und Supervisoren. Aber auch Fachpersonal in Kindertagestätten, Schulen, oder anderen Institutionen, die mit Kindern direkt zu tun haben, sind an Prozessen beteiligt und haben eine gesetzlich verankerte Verantwortung. Wir diskutieren mit Dr. Elke Nowotny über die Bewertungen dieser Prozesse durch die Fachkräfte, die Haltungen der Fachkräfte und strukturelle Bedingungen - diese nehmen Einfluss auf die Entscheidungsfindung und anschließenden Handlungen. Im Zentrum steht dabei die Beziehung zu den Herkunftseltern in Beratungsprozessen und die professionelle Rolle: Klarheit in der Sache und freundliche Zugewandtheit im Kontakt. Es geht um dialogisches Einschätzen im Gespräch mit den Eltern, kein Bewerten aus der Distanz. Und es geht ums Verstehen, nicht ums Einverständnis mit verletzenden Handlungen von Eltern oder anderen Beziehungspersonen.
Die Diplom-Psychologin Dr. Elke Nowotny ist Psychologische Psychotherapeutin, Paar- und Familientherapeutin und hat auf dem Gebiet der Entwicklungspsychologie promoviert. Sie hat 30 Jahre Familien in den Kinderschutzzentren Berlins beraten, ist aktuell tätig als Supervisorin und als Ausbilderin für Kinderschutzfachkräfte. Ihre Arbeit in der Fallarbeit, zu Zeit in Niedersachsen, beinhaltet individuelle und Beziehungsdynamiken, aber auch die Dynamik im Helfersystem.
Das Wort Habitus beschreibt die allgemeine Grundhaltung eines Menschen, die Gesamtheit seines Verhaltens in der sozialen Welt, alle (einverleibten) Strukturen, Neigungen, Veranlagungen, Lebensweisen, Wertvorstellungen, also das Fühlen, Denken, Handeln einer Person. Der französische Soziologe Pierre Bourdieu hat mit seiner Habitustheorie ein umfassendes Erklärungsmodell entwickelt, mit dem sich die innere Welt in Kombination mit äußeren Strukturen erklären lässt. Mit der Habitusforscherin und Supervisorin Dr. Regina Heimann ergründen wir die Theorie indem wir sie u.a. an unsere eigenen privaten sowie beruflichen Erfahrungen anlegen. Dabei stellen wir fest: der Habitus ist zäh, aber veränderbar - das Wechseln des (Herkunfts-)Feldes geht, aber ist schwer. Wir überlegen auch, welche Erkenntnisse hilfreich sind für Supervisoren und Supervisanden. In ihrer Forschung hat sich Dr. Heimann vor allem angeschaut, welche Barrieren der Habitus - als einverleibte Grundgewissheit - in Weiterbildungen oder Karriereentscheidungen wie Studium darstellt. Dieses Wissen stellt sie uns eindrücklich und praxisbezogen zur Verfügung (Verweise auf Literatur: Lars Schmitt "Bestellt und nicht abgeholt. Studium und Habitus-Struktur-Konflikte", Pierre Bourdieu "Die feinen Unterschiede", Michael Vester "Soziale Milieus im gesellschaftlichen Strukturwandel", Edouard Louis "Die Freiheit einer Frau" und "Die Anleitung ein Anderer zu sein").
Mehr über Dr. Regina Heimann ist hier zu finden: https://www.regina-heimann.de/
Der Habitus pointiert und leicht verständlich erklärt: Beate Krais / Gunter Gebauer
Wir sind erreichbar per Mail: [email protected] oder über Instagram (ueberblick_podcast) und freuen uns über Rückmeldungen aller Art!
Im Seminar "Merkmale ausgewählter Beratungsmerkmale" haben Studierende der Erziehungswissenschaft, Schwerpunkt Beratung, an der Universität Bielefeld in Kleingruppen Kurz-Podcasts erstellt, die wie Kapitel eines Sammelbandes in dieser Sonderfolge gebündelt werden.
Verweise der Moderatoren auf Links, Autoren etc.: Psychoanalytisches Institut Bremen (Fortbildung zu Gruppen), wissenschaftliche Literatur zu Podcasts (Leander, Lisa(2020):Wissenschaft im Gespräch: Wissensvermittlung und -aushandlung in Podcasts. / Moltmann, Rebecca (2020): Vom Verfertigender Gedanken: Zum Potential von Podcasts für die geisteswissenschaftliche Wissenschaftskommunikation.), Video zu "Americas war on drugs" (https://www.youtube.com/watch?v=TQMUJxWKPsw), Podcast Sternstunde Philosophie (https://www.podcast.de/episode/607960382/was-spricht-noch-fuer-die-ehe-der-philosophische-stammtisch), Lehre der Viktimologie (https://www.praeventionstag.de/nano.cms/vortraege/begriff/Viktimologie), Miranda Fricker («Epistemische Ungerechtigkeit. Macht und die Ethik des Wissens»)//
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