
Sign up to save your podcasts
Or


Unter der großen Überschrift „Investitionen für die Zukunft“ sprechen Berthold Vogel und Julia Kropf in den nächsten Folgen mit einer Reihe prominenter Expertinnen und Experten.
Unsere erste Gesprächspartnerin ist Dr. Nicola Brandt, Leiterin des Berlin Centre der OECD, der Gesellschaft für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung. Seit vielen Jahren berät die Volkswirtin Regierungen in der Ausgestaltung ihrer Wirtschafts-, Umwelt- und Finanzpolitik.
In unserem Gespräch greifen wir den Anspruch der Gleichwertigkeit von Lebensverhältnissen auf und fragen, ob sich dieses Konzept international so ohne weiteres übertragen lässt? Und wir stellen uns die Frage, ob der OECD-Begriff der „Inclusiveness“ das gesellschaftspolitische Motiv der Gleichwertigkeit trifft?
Ein zentraler Punkt des Gesprächs ist: Die Gleichwertigkeit von Lebensverhältnissen ist eine basale Voraussetzung von Demokratie. Und in den großen Krisen unserer Zeit bekommt dieser Zusammenhang angesichts der Verwundbarkeit demokratischer Gesellschaften neues Gewicht.
Wo Soziologie und Ökonomie zusammenkommen fragen wir uns: Wie gelingt eine vorausschauende Politikgestaltung mit Blick auf die sozialen und ökonomischen Kosten unseres Handelns? Welche Investitionen in die Zukunft braucht es jetzt am dringendsten? Und was lässt uns zuversichtlich sein, dass das gelingt?
Shownotes
OECD Berlin Centre: Berlin Centre - Organisation for Economic Co-operation and Development (oecd.org)
Deutschland – Reparatur- oder Investitionsbetrieb?
Wir bleiben hinter den Anforderungen unserer Zeit zurück. Und deshalb kann unser Jahresrückblick nur so sein wie das Jahr selbst: Geprägt von den „Polykrisen“ unserer Zeit.
Wie gelingt Zukunftsgestaltung zwischen Gegenwartsverdruss, Erschöpfung und Ratlosigkeit angesichts all dessen, was nicht funktioniert? Wie überwinden wir den vielfach eingeübten Luxus, dass alles immer so weitergeht? Wie gelingt es, mehr Prävention zu lernen und in krisenresiliente Institutionen zu investieren?
Ist das die Stunde der Soziologie, die immer auch die Frage nach der Zukunftsgestaltung im Lichte umwälzender Transformationen gestellt hat? Der Ruf nach dem Staat wird lauter, je weniger er seiner Rolle in essenziellen Bereichen und Infrastrukturen nachkommt. Das sind die Energieräuber unserer Zeit. Woher kommt die Energie und Veränderungsbereitschaft, wenn Bildungs-, Gesundheitssystem, Energie- und Mobilitätsinfrastrukturen versagen?
Die Zeitenwende braucht Menschen mit Anpack und Energie. Dafür braucht es gleichermaßen funktionierende Strukturen und Freiräume. Wir sind verhalten optimistisch. Aber wir sind es, wenn wir immer wieder Menschen begegnen, die diese Energie mitbringen und einsetzen.
Gesunde und frohe Weihnachten und einen kraftvollen Start in 2023 wünschen
Berthold Vogel und Julia Kropf
In der sechsten Folge blicken wir zunächst zurück auf die Themen, die uns in den ersten Folgen beschäftigt haben. Wir stellen dabei fest, dass Corona als Thema doch ziemlich zurückgedrängt und ins Private verlegt wurde, obwohl es unsere Gesellschaft vermutlich mehr und nachhaltiger verändern wird, als wir geglaubt haben.
Wir sprechen über den aktuell so deutlich spürbaren „Dauerkrisenmodus“ und fragen uns, ob es eigentlich klug ist, Themen, die unsere Zukunft maßgeblich prägen werden - wie die Klimakatastrophe, Krieg und Pandemien – als Krisen zu betrachten. Schließlich werden sie nicht irgendwann ausgestanden sein, sondern Teil unserer zukünftigen Normalität.
Wir sind – als Menschen, als Gesellschaft – verwundbarer geworden und haben gleichzeitig ein großes Normalisierungsbedürfnis. Wie schaffen wir es, dem nicht nachzugeben? Wie bekommen wir sie hin, die Mischung aus Pragmatismus und alarmiert bleiben? Welche Rolle spielen dabei auch soziale Orte als Konflikträume, um Polarisierung entgegen zu wirken und das soziale Bewusstsein zu stärken? Welche Haltung, welche Rhetorik brauchen wir dafür? Welche Rolle spielt dabei der Staat, welche die Wissenschaft? An welchen Stellen braucht es Investitionen? Welche Gesellschaft können und müssen wir uns leisten?
In der fünften Folge sprechen wir über Wohlstand. Wir nähern uns dem Begriff auf verschiedenen Wegen. Individuell bedeutet Wohlstand: relative materielle Sorglosigkeit und sozialer Aufstieg. Doch Wohlstand ist nicht nur eine Frage des Warenkorbes und mehr als die Sorge um den eigenen Status.
Angesichts von Umwelt- und Energiekrise, Krieg und Demokratiebedrohung durch Populisten und autoritäre Herrscher, bedarf es einer Neujustierung. Wohlstand, das ist auch die Freiheit und Sicherheit der Mitglieder einer Gesellschaft, sich nach eigenen Vorstellungen entwickeln zu können – und frei von Angst leben zu können. Voraussetzung dafür sind kollektive Güter wie Bildung, Gesundheit und Sicherheit.
Wohlstand ist damit eng an die Frage geknüpft, wie wir es als Gesellschaft schaffen, kollektive Lebensqualität zu sichern und individuelle Freiheit zu ermöglichen. Denn Wohlstand entsteht nicht aus sich selbst heraus. Wohlstand sichern – und Armut verhindern – geht nur kollektiv. Und über nationale Grenzen hinweg. Dafür braucht es die ganze Gesellschaft als konzertierte Aktion.
In der vierten Folge sprechen wir über die Frage, was die Klima- und Energiekrise mit sozialem Zusammenhalt zu tun haben.
„Die Grenzen des Wachstums“, der Bericht des Club of Rome, das war 1972. 50 Jahre Wissen über begrenzte Ressourcen. Ein Erkenntnisproblem sollten wir eigentlich nicht haben. Und doch stehen wir gerade vor Herausforderungen, die nahezu unlösbar sind. Vielleicht weil wir nicht die richtigen Themen zusammengedacht haben – nämlich Umwelt- und Sozialpolitik, sagt Berthold Vogel. Wenn wir es so betrachten, dann haben wir aktuell ein Erkenntnis- und Umsetzungsproblem.
Sozialpolitik und Umweltpolitik sind keine Gegensätze, sondern müssen konsequent(er) zusammengedacht werden. Deshalb braucht es ein 3G für die Klimapolitik: Gerechtigkeit, Gemeinwohl, Gleichwertigkeit. Und das geht nur, wenn wir politisch und auch in der Wissenschaft aufhören, in Einzeldisziplinen, Ressorts und Sparten zu denken. Zusammenhänge erkennen und übergreifend lösen, darin liegt aktuell die größte Herausforderung.
In der dritten Folge sprechen wir über Macht als allgegenwärtige soziale Beziehung. Die Beschäftigung mit dem Thema Macht hat Berthold Vogel seinerzeit zur Soziologie gebracht – die Motivation, Gesellschaft verändern zu wollen.
Wir blicken natürlich auf aktuelle Ereignisse wie die Coronapandemie und den Angriffskrieg auf die Ukraine als manifestes Erleben von Macht. Welche Rolle spielen Macht und Gegenmacht als Grunddynamik demokratischer Gesellschaften? Welche Bedeutung haben heute noch die Machtdefinitionen von Max Weber – im Sinne von Verfügungsgewalt – und von Hannah Arendt, die in der Macht die Möglichkeit zur Verständigung sieht? Und was ist eigentlich das Gegenteil von Macht: Ohnmacht oder Machtlosigkeit.
Was sich wohl auf jeden Fall verändert hat, ist die Kommunikation von Macht. Die Möglichkeit – und Fähigkeit – durch Kommunikation machtvoll zu wirken. Wie (und wo) reden wir über Themen? Welche Bilder erzeugen wir? Fest steht aber auch: Macht ermöglicht gesellschaftliche Veränderung.
In der zweiten Folge sprechen wir darüber, wo wir aufgewachsen sind und wie uns das geprägt hat. Der idyllische Weinort oder der Stadtrand einer Metropole: Welche Rolle spielt das Verhältnis von Stadt und Land bei der Gleichwertigkeit von Lebensverhältnissen? Wie sieht es aus mit den Infra- und Versorgungsstrukturen? Und welchen Chancen ergeben sich daraus – oder eben nicht?
Auch durch die Pandemie hat sich das Verhältnis von Stadt und Land verschoben. Das Land ist für viele attraktiver geworden, aber haben sich die Strukturen mitentwickelt? Und was bedeutet es für den sozialen Zusammenhalt auf dem Land, wenn eine Spaltung stattfindet in die, die geblieben sind, die neu gekommen sind und die nur am Wochenende dort sind. Hängt an Dorf und Kleinstadt gar die Zukunft der Demokratie? – wie Berthold Vogel fragt.
Die Aufgaben und die Verantwortung von Kommunen sind in den letzten Jahren immens gewachsen – ob Klimakrise, Pandemiebewältigung oder Integration. Hier braucht es politische Konzepte.
Die erste Folge von "Wir leisten uns Gesellschaft" haben wir am 25. Februar 2022 aufgenommen: Dem ersten Tag nach Beginn des brutalen Angriffskrieges von Russland auf die Ukraine.
Natürlich hat diese Zäsur unser Gespräch beeinflusst. Wie auch nicht.
In dieser Folge sprechen wir darüber, was es bedeutet, sich Gesellschaft zu leisten. Dabei geht es vor allem um sozialen Zusammenhalt: Wo findet sich Zusammenhalt? Wodurch ist er gefährdet? Was stärkt ihn? Transnationale Bündnisse werden aktuell auf eine harte Probe gestellt, ebenso wie das Miteinander und die Demokratie in Pandemiezeiten. Und im Kern geht es auch um die Frage, wo wir Zusammenhalt konkret erleben - und das ist oft die unmittelbare lokale Ebene.
Mit der ersten Folge eröffnen wir unseren Gesprächsraum!
From the publisher's feed