In der neuen Folge von „Wirtschaft Köln unplugged“ spricht Moderator Björn Lindert mit Kölns Oberbürgermeister Torsten Burmester über alles, was die Stadt bewegt. Wenn Köln ein Sportler wäre? Für Burmester ganz klar ein Marathonläufer. Viele Probleme, wenig Pausen, aber mit Ausdauer, Haltung und dem festen Willen, anzukommen. Sein Anspruch ist eindeutig: „Köln muss den Anspruch haben, Metropole zu sein.“
Kurz nach Amtsantritt direkt die Realität: leere Kassen, Haushaltssperre, Kommunen in dramatischer finanzieller Lage. Themen wie Wohnen, Wirtschaft, Sicherheit und Sauberkeit dulden keinen Aufschub. Burmester spricht offen über unbequeme Entscheidungen, über Vertrauen, das Politik verspielt und über Vertrauen, das sie zurückgewinnen muss. Auch die Oper kommt zur Sprache: „Wir müssen und werden uns mit der Oper versöhnen.“
Ein zentrales Thema ist der Bauturbo: Bauen muss günstiger, schneller und einfacher werden. Burmester erklärt, wie Genehmigungsprozesse radikal beschleunigt werden sollen und warum Wohnen längst zu einem der größten Bremsklötze für den Wirtschaftsstandort Köln geworden ist. Auch der seit über zehn Jahren schwelende Streit um das Geißbockheim soll in seiner Amtszeit beendet werden.
Köln, so Burmester, lebt von seiner Identität. Der Karneval ist dabei weit mehr als Feierei: Wirtschaftsfaktor, Image-Träger, Integrationsmotor und gesellschaftlicher Klebstoff. Am Ende klärt sich auch die Frage, ob der Oberbürgermeister eher Karnevalsmaus oder nüchterner Beobachter ist.
Großer Blick nach vorn: die Olympiabewerbung Rhein-Ruhr. Die Bürgerbefragung am 19.04. ist für Burmester entscheidend. „Ich werde mein ganzes Gewicht in die Waagschale werfen, um die Menschen davon zu überzeugen, dass Olympia gut für unsere Region ist.“ Sportförderung, Innovation, KI und Digitalisierung gehören für ihn zwingend zu Kölns Zukunft.
Politisch regiert er ohne feste Mehrheit, das sei Herausforderung und Chance zugleich. „Ich merke, dass Fraktionen miteinander sprechen, die vor zwei Monaten noch gesagt haben, sie würden nie wieder miteinander sprechen.“ Gleichzeitig warnt er deutlich: „Die kommunale Demokratie gerät ins Wanken, und genau dort will ich gegensteuern.“
Ein Gespräch über Verantwortung, Mut zur Entscheidung, Politik mit Herz und über eine Stadt, die moderner werden soll, ohne ihre Seele zu verlieren.