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Millionen Tonnen Lebensmittel landen jedes Jahr im Müll – zulasten von Umwelt, Wirtschaft und Gesellschaft. In dieser Folge sprechen wir darüber, welche sozialen Strukturen dazu beitragen und wie ein nachhaltiger Umgang mit Lebensmitteln gelingen kann.
Weltweit verursacht die Verschwendung von Nahrungsmitteln erhebliche Treibhausgasemissionen und führt zu verlorenen Investitionen in Landwirtschaft und Lebensmittelverarbeitung. Gleichzeitig verschärft sie soziale Ungleichheiten: Genießbares Essen landet im Abfall, obwohl es an anderer Stelle dringend gebraucht würde.
Besonders in privaten Haushalten werden viele Lebensmittel weggeworfen. Häufig wird zu viel gekauft oder Produkte verderben, weil sie falsch gelagert werden. In unserer Gesellschaft ist es zudem kaum noch üblich, überschüssige Lebensmittel mit Nachbarn oder Freunden zu teilen. Hinzu kommt, dass oft mehr Nahrungsmittel produziert, als tatsächlich benötigt werden. Strenge Form- und Größenstandards führen dazu, dass krummes Obst oder Gemüse aussortiert wird, bevor es in die Supermarktregale gelangt.
Initiativen wie foodsharing oder der Ernährungsrat Braunschweig und Braunschweiger Land (ERBSL) zeigen, dass es auch anders geht: Freiwillige von foodsharing retten etwa überschüssige Lebensmittel in Supermärkten oder Bäckereien, die sonst im Müll landen würden. Der ERBSL setzt sich für eine regionale und klimafreundliche Ernährungspolitik ein und organisiert Veranstaltungen rund um das Thema Ernährung.
Trotz dieses Engagements bleibt die grundlegende Herausforderung bestehen: Um die Ursachen der Verschwendung nachhaltig zu lösen, müssen wir als Gesellschaft unseren Umgang mit Lebensmitteln überdenken.
In dieser Podcastfolge diskutieren wir mit Prof. Dr. Okka Zimmermann und Dr. Felicitas Schneider, wie soziale Strukturen zur Lebensmittelverschwendung beitragen, wo wir ansetzen können und was wir von anderen Ländern lernen können.
Unsere Gäst*innen:
Prof. Dr. Okka Zimmermann ist Sozialwissenschaftlerin an der IU Internationale Hochschule und an der TU Braunschweig. Dort forscht und lehrt sie zu sozialer Ungleichheit und Nachhaltigkeit. Privat engagiert sie sich bei foodsharing Braunschweig.
Dr. Felicitas Schneider ist Wissenschaftlerin am Thünen-Institut für Marktanalyse. Sie forscht seit 2001 zu den Themen Lebensmittelverluste und -abfälle, koordiniert die Globale Initiative gegen Lebensmittelverluste und -abfälle. Im Ernährungsrat Braunschweig und Braunschweiger Land (ERBSL) ist sie als Vorstand aktiv.
Weiterführende Links
• Die Podcastfolge „Teller statt Tonne I – Wie kann KI Lebensmittel retten?“ gibt es auf unserer Website zu hören und überall da, wo es gute Podcasts gibt. Die Folge wurde live bei der KIDA-Kon im September 2025 im Thünen-Institut aufgezeichnet. Dort waren Prof. Dr. Engel Arkenau, Digitalisierungsbeauftragte des Bundesministeriums für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH), und die Thünen-Präsidentin Prof. Dr. Birgit Kleinschmit zu Gast.
• Die Globale Initiative gegen Lebensmittelverluste und -abfälle wurde während des Treffens der leitenden Agrarwissenschaftler*innen der G20 Staaten (MACS-G20) ins Leben gerufen. Am Thünen-Institut koordiniert Dr. Felicitas Schneider internationale Aktivitäten, die Lebensmittelverluste und -abfälle reduzieren sollen.
• Das Dossier „Weniger ist mehr: Lebensmittelverluste und Abfälle reduzieren“ des Thünen-Instituts zeigt Strategien, um Lebensmittelverluste und -abfälle zu vermeiden und bietet vielfältige Beiträge zum Thema.
• „Zu gut für die Tonne“ ist eine Kampagne, die das BMLEH 2024 ins Leben gerufen hat. Dort gibt es zahlreiche Tipps für den Alltag, eine App mit Rezepten für Lebensmittelreste, Lehrmaterialien und vieles mehr.
• Das BMLEH hat 2023 gemeinsam mit 14 Unternehmen aus Groß- und Einzelhandel den Pakt gegen Lebensmittelverschwendung geschlossen. Darin verpflichten sich die Unternehmen, ihre Lebensmittelabfälle bis 2030 zu halbieren und noch genießbare Lebensmittel zu spenden.
Foto: Thünen-Institut/Felicitas Schneider
Holz kann helfen, die Klimaziele zu erreichen: Wird es in Häusern verbaut oder in Bioraffinerien zu Kunststoffen verarbeitet, bleibt der Kohlenstoff darin gespeichert. Forschende aus dem Thünen-Institut haben nun Empfehlungen veröffentlicht, wie Holzprodukte gezielt zum Klimaschutz beitragen können.
Um die Klimaziele des Bundes zu erreichen, gilt es, alle Potenziale zur Kohlenstoffspeicherung auszuschöpfen. Holz spielt dabei eine besondere Rolle: Wird es in Häusern oder Möbeln verbaut, bleibt der Kohlenstoff darin gespeichert, statt in die Atmosphäre zu gelangen. Besonders im Hausbau steckt viel Potenzial, denn dort bleibt Holz oft über Jahrzehnte im Einsatz. Forschende aus dem Thünen-Institut für Holzforschung haben nun Empfehlungen für Politiker*innen veröffentlicht, wie Holzprodukte gezielt zum Klimaschutz beitragen können.
Ob unsere Wälder den steigenden Bedarf decken können, wer die neuen Holzprodukte kaufen könnte und wo noch nachgesteuert werden muss – darüber sprechen wir im Thünen-Faktencheck mit Prof. Dr. Andreas Krause, dem Leiter des Thünen-Instituts für Holzforschung.
Auf YouTube findet ihr das Video zum Podcast: https://youtu.be/Ifd23Kge1hQ
Weiterführende Links
• Der komplette Policy Brief des Thünen-Instituts für Holzforschung ist auf unserer Website verfügbar.
Moderation: Dr. Katrin Schiedung
Humusaufbau ist im Ökolandbau ein zentrales Ziel, denn: er hilft, Böden gesund und fruchtbar zu halten. In der konventionellen Landwirtschaft werden entsprechende Ansätze weniger systematisch umgesetzt. Doch spiegelt sich das auch in den Ackerböden wider? Das erfahren Sie im Thünen-Faktencheck.
Das Video zum Podcast findet ihr auf unserem Youtube Kanal.
Weiterführende Links
• Die neue Studie von Prof. Dr. Axel Don und Kolleg*innen gibt es in der Fachzeitschrift Geoderma zu lesen.
Der Gast
Prof. Dr. Axel Don ist Geoökologe, stellvertretender Leiter des Thünen-Instituts für Agrarklimaschutz und leitet den Forschungsbereich Organische Bodensubstanz. Das Ziel seiner Arbeit ist es, die Funktionen von Humus und den Einfluss von Bewirtschaftung und Landnutzung besser zu verstehen.
Moderation: Katrin Schiedung
Wir freuen uns über Kommentare und Feedback unter [email protected].
Lebensmittelabfälle belasten Umwelt, Wirtschaft und Gesellschaft. Im Gespräch mit unseren Gästinnen klären wir, wo die Abfälle entstehen, wie Künstliche Intelligenz sie eindämmen kann, und wo Politik und Forschung ansetzen sollten.
Weitere Informationen
Jährlich landet etwa ein Drittel aller Lebensmittel im Müll. Das schadet der Umwelt, belastet die Wirtschaft und ist angesichts der weltweit ungleichen Verteilung von Nahrungsmitteln auch ein gesellschaftliches Problem. Allein in Deutschland wurden im Jahr 2022 etwa 10,8 Millionen Tonnen Lebensmittel weggeworfen. In der Produktion und Verarbeitung führen vor allem unzureichende Kühlung oder Schädlingsbefall zu Verlusten. Im Einzelhandel und in privaten Haushalten sind falsche Lagerung oder schlicht zu große Einkäufe die häufigsten Gründe für verschwendete Lebensmittel.
Die Bundesregierung hat sich zum Ziel gesetzt, die Lebensmittelabfälle in Deutschland bis 2030 zu halbieren. Künstliche Intelligenz (KI) kann helfen, dieses Ziel zu erreichen: KI-gestützte Systeme erkennen beispielsweise Schädlingsbefall auf dem Acker frühzeitig, schätzen die Haltbarkeit von Obst und Gemüse verlässlich ein und helfen, die Angebotsplanung in Bäckereien gezielt zu optimieren.
Wo Lebensmittelabfälle anfallen, welche KI-Tools schon heute zum Einsatz kommen und was es in Politik und Forschung braucht, um im Kampf gegen Lebensmittelabfälle voranzukommen – darüber sprechen wir in dieser Folge mit Prof. Dr. Engel Arkenau, Digitalisierungsbeauftragte des BMLEH, und Prof. Dr. Birgit Kleinschmit, Präsidentin des Thünen-Instituts.
Das Gespräch wurde am 17. September 2025 während der Podiumsdiskussion bei der KIDA-KON am Thünen-Institut in Braunschweig aufgezeichnet.
Unsere Gäst*innen:
Moderation: Lydia Heller
Wir freuen uns über Ihre Nachricht mit Fragen oder Feedback unter [email protected].
Weiterführende Links:
Immer mehr Mikroplastik landet in unseren Böden – über die Folgen wissen wir nur wenig. Eine Studie aus Nanjing, China, verursachte kürzlich Schlagzeilen wie „Mikroplastik gefährdet gesamte Ernährung“. Ob dieses alarmierende Fazit gerechtfertigt ist und welche Schritte nötig sind, um die Mikroplastik-Forschung voranzubringen, erfahren Sie im Thünen-Faktencheck.
Die Gästin: Dr. Elke Brandes ist Wissenschaftlerin am Thünen-Institut für Lebensverhältnisse in ländlichen Räumen. Von 2018 bis 2022 forschte sie dort zum Thema Mikroplastik.
Weiterführende Links
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Foto: EuToch - stock.adobe.com
Die Ostsee steht vor gewaltigen Problemen. Das Meer wird seit Jahrhunderten intensiv durch den Menschen genutzt, es leidet unter Eutrophierung, Klimawandel, Vermüllung, Verkehr und sinkenden Fischbeständen. Liegt das Rezept für die Gesundung des Küstenmeeres an Land?
Weitere Informationen
Die Folgen des menschlichen Einflusses auf das Ökosystem Ostsee sind inzwischen überall mess- und sichtbar: wärmeres Oberflächenwasser, Blaualgenplagen im Sommer, daraus resultierende sauerstofffreie Zonen in der Tiefe, abnehmende Fischbestände, eine sterbende Küstenfischerei.
Die Ostsee ist ein besonderes Meer. Weil sie keine eigenen Salzlagerstätten hat, ist sie ein Brackwassermeer mit geringer Biodiversität. Sie hat keine Gezeiten und für den Wasseraustausch mit den Weltmeeren gibt es nur kleine Meerengen. Sie erwärmt sich viel schneller als andere Küstenregionen. All diese Aspekte machen die Ostsee zu einem idealen Untersuchungsgebiet, um die Folgen von Klimawandel und Eutrophierung auf Küstenmeere zu beobachten und damit zu erkennen, was anderen Küstenmeeren in Zukunft bevorsteht.
Beispiel Nährstoffbelastung: Bezogen auf die gesamte Ostsee kommen zwei Drittel der Nährstoffe aus der Landwirtschaft. In Deutschland allerdings stammt der mit mehr als 50 Prozent größte Anteil aus der Atmosphäre. Stickstoff gelangt in erster Linie über Verbrennungsprozesse, wie sie in Kraftwerken oder Dieselmotoren stattfinden, in das Meer. An zweiter Stelle folgt die Landwirtschaft mit Düngemitteln als Verursacher, dritte große Quelle sind Industrie- und Haushaltswässer. Doch es geht nicht allein darum, die weitere Zufuhr zu begrenzen, sondern auch darum, wie die vorhandenen Nährstoffe wieder aus dem Meer herauskommen. Selbst wenn der Nährstoffeintrag ab sofort vollständig versiegt, würde es mindestens 30 Jahre dauern, bis sich die Nährstofffrachten spürbar reduzieren. Bis vor wenigen Jahren wurden Nährstoffe in Form von Fisch aus dem Meer entnommen. Inzwischen sind die Bestände so klein, dass keine nennenswerten Mengen mehr geerntet werden.
Die Gäste dieser Folge, Prof. Dr. Oliver Zielinski und Dr. Uwe Krumme, haben ihr Forschungsobjekt jeden Tag vor dem Fenster. Die Wissenschaftler nähern sich in dieser Folge einer möglichen Lösung für das kranke Ökosystem Ostsee an. Für beide ist klar: Die Lösung für die Genesung der Ostsee – und für alle weiteren Küstenmeere der Erde – liegt an Land. Die Ostsee ist eine dauerhafte Senke für alle Einträge aus dem riesigen Einzugsgebiet, das sie durch die vielen Flüsse hat. Deshalb rettet sie nur, wer die Meer-Land-Grenze im Denken und Handeln überwindet.
Unsere Gäst*innen:
Dr. Uwe Krumme ist stellvertretender Leiter des Thünen-Instituts für Ostseefischerei. Er leitet die Arbeitsgruppe Lebende Meeresressourcen.
Prof. Dr. Oliver Zielinski ist Direktor des Leibniz-Instituts für Ostseeforschung Warnemünde und Professor für Erdsystemforschung an der Universität Rostock.
Moderation: Lydia Heller
Wir freuen uns über Ihre Fragen und Ihr Feedback unter [email protected]
Weiterführende Links und Literatur:
Frauen sind aus der Landwirtschaft nicht wegzudenken. Doch sie agieren meist im Hintergrund. Im Spagat zwischen Hof und Familie ist die Belastung hoch. Wo liegen die größten Herausforderungen für Landwirtinnen heute und kann die Politik dabei unterstützen, die Frauen zu entlasten?
Jede dritte Arbeitskraft in der Landwirtschaft ist eine Frau. Stall- und Hofarbeit, Buchführung, Büro – das sind nur einige der Arbeiten, die Frauen übernehmen. Zusätzlich tragen sie oftmals die Verantwortung für die Kinderbetreuung, die Pflege der älteren Generation und den Haushalt. Die Betriebsführung liegt hingegen meist in Männerhand. Das bedeutet: Wenige Urlaubstage, kaum Zeit für sich und die Partnerschaft sowie häufig finanzielle Abhängigkeit. Gleichzeitig schätzen die Frauen ihr Leben in und mit der Natur und ihre Selbständigkeit.
„Die Frauen spüren die hohe Arbeitsbelastung, aber sie schätzen das Leben in der Natur und mit den Tieren.“, Dr. Zazie von Davier, eine der federführenden Wissenschaftler*innen der Landfrauenstudie.
Lange blieben die Lebensumstände von Frauen in der Landwirtschaft unsichtbar. Die letzte vergleichbare bundesweite Studie stammt von 1988. Die aktuelle Landfrauenstudie, die das Thünen-Institut für Betriebswirtschaft und die Universität Göttingen von 2019 bis 2022 durchgeführt haben, macht das Leben der Frauen nun durch eine Kombination aus Forschung und Fotografie wieder sichtbar. Was sich gezeigt hat: Frauen in der Landwirtschaft haben heute häufiger einen Hochschulabschluss und arbeiten vermehrt auch außerhalb des Betriebs – zusätzlich zur Arbeit auf dem Hof. Nahezu unverändert bleibt hingegen die Verteilung der Hausarbeit.
„Die Landfrauenverbände waren sehr dankbar, dass sie jetzt Zahlen für etwas haben, was vorher ein Gefühl war. Damit können sie in die Politik gehen und ihre Interessensvertretung stärken.“ Dr. Zazie von Davier, Wissenschaftlerin am Thünen-Institut für Betriebswirtschaft.
Für die Landfrauenstudie haben Wissenschaftler*innen mehr als 7.000 Frauen befragt und ihre Situation in Zahlen gefasst. Die Fotografin Anna Tiessen hat zudem einige der Frauen auf ihren Höfen besucht und porträtiert. Unterstützt wurde das Forschungsprojekt vom Landfrauenverband.
„Als ich bei einer Altenteilerin auf den Hof kam, wurde ich als allererstes in die Wohnstube zitiert und dann gab es Kaffee und Kuchen. Es war alles ganz, ganz familiär und irgendwie schön.“ Anna Tiessen, Fotografin der Landfrauenstudie.
Diese Live-Podcast-Folge wurde Anfang Mai 2025 im Wissenschaftsschaufenster Braunschweig vor Publikum aufgezeichnet. Unser herzlicher Dank geht an das Science and Art Lab, bei dem wir an diesem Abend zu Gast waren.
Foto: Adobe Stock/Sven
Weiterführende Links & Literatur
Unsere Gäst*innen:
Moderation: Dr. Katrin Schiedung, Wissenschaftskommunikatorin in der Pressestelle des Thünen-Instituts.
Ohne Waldboden kein Wald. Er liefert den Bäumen Wasser, lebenswichtige Nährstoffe und bietet Stabilität. Doch Stickstoffeinträge und der Klimawandel setzen den Waldböden zu. Um ihn zu erhalten, brauchen wir langfristige Ansätze, die das ganze Ökosystem und dessen Nutzung zusammendenken.
Weitere Informationen
Deutschlands Waldböden sind zunehmend von Versauerung, Nährstoffmangel und anhaltendem Trockenstress betroffen. Gleichzeitig steigen die Ansprüche an Wälder und ihre Böden: Waldwirtschaft, Naturschutz, Naherholung, Kohlenstoffspeicher. So trägt der Waldboden beispielsweise zum Schutz vor Hochwasser bei. Damit der Wald all das auch in Zukunft leisten kann, muss dem Waldboden mehr Aufmerksamkeit gewidmet werden.
„In der Landwirtschaft kann man die Fruchtfolge jedes Jahr ändern, im Wald funktioniert das nicht. Deshalb dauert der Waldumbau Jahrzehnte“, erklärt Dr. Nicole Wellbrock, Leiterin des Arbeitsbereichs Bodenschutz und Waldzustand am Thünen-Institut für Waldökosysteme, die Schwierigkeit.
Strategien müssen langfristig angelegt werden und das ganze Ökosystem und dessen Nutzung zusammendenken. Schon jetzt gibt es vielfältige Ansätze: In der Forstwirtschaft werden für nachhaltige stabile Wälder Mischbestände angestrebt. Zudem ist es zum Schutz des Bodens förderlich, Reisig und Totholz im Wald zu belassen. Um Schäden durch Erntemaschinen zu verhindern, werden definierte Rückegassen festgelegt, die die Befahrung im übrigen Wald minimieren.
Um herauszufinden, wie es Deutschlands Waldböden geht, läuft aktuell die dritte bundesweite Bodenzustandserhebung Wald unter der Federführung des Thünen-Instituts für Waldökosysteme. Das Team untersucht etwa, wie sich die Waldböden seit der letzten Bodenzustandserhebung verändert haben und wie der Klimawandel die Bodeneigenschaften beeinflusst.
Wie der Weg zu klimaresilienten Waldböden aussehen könnte, diskutieren Dr. Nicole Wellbrock und Prof. Dr. Friederike Lang in der neuen Folge des Thünen-Podcasts „45 Minuten Zukunft“.
„Früher war es immer das Ansinnen der Flächenbesitzer, das Wasser loszuwerden. Jetzt möchte man genau das Gegenteil, man möchte das Wasser auf der Fläche halten“, sagt Prof. Dr. Friederike Lang, Professorin für Bodenökologie an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg.
Unsere Gäst*innen sprechen darüber, wie sich die Waldböden im Klimawandel verändern, was einen Waldboden ausmacht, der Bäume und Sträucher auch bei Hitze und Trockenheit gut versorgt und welche Rolle die Waldnutzung spielt.
Unsere Gäst*innen:
Moderation: Marko Pauli
Wir freuen uns über Ihre Fragen und Ihr Feedback unter [email protected]
**Weiterführende Links und Literatur: **
Die Europäische Holzhandelsverordnung (EUTR) und die künftige neue EU-Entwaldungsverordnung (EUDR) schreiben vor, dass in die EU importiertes Holz aus legalen Quellen stammen muss. Entsprechende Produkte müssen deklariert und ihre Herkunft rückverfolgbar sein. Händlerinnen und Händler sind dafür verantwortlich, dass diese Nachweise sichtbar sind. Doch die Realität ist eine andere: Immer wieder schaffen es Holzprodukte aus fraglichen oder unbekannten Ursprungsgebieten auf den globalen Holzmarkt. Das schädigt Wirtschaft und Gesellschaft in den Ursprungsländern, gefährdet Tier- und Pflanzenarten und beschleunigt nicht zuletzt den Klimawandel. Die Endverbraucher*innen leiden unter falschen Qualitätsversprechen.
Liegt das Holz erstmal im Baumarkt, sieht man ihm seine Herkunft nur schwer an. Mit Hilfe genetischer Analysen können die Naturprodukte zurückverfolgt werden. Jeder Baum hat, wie wir Menschen, einen einzigartigen genetischen „Fingerabdruck“. Bei manchen Baumarten reichen schon kleine Abschnitte der Erbinformation, um zu bestimmen, in welcher Region ein Baum gewachsen ist. So können fälschlich oder nicht deklarierte Holzprodukte gezielt aufgespürt und aus dem Handel genommen werden. Doch der Prozess ist zeitintensiv.
Hilke Schröder entwickelt im Thünen-Institut für Forstgenetik genetische Marker, um die Art und Herkunft unterschiedlicher Hölzer zu identifizieren. Sie gehört zum Team des Thünen-Kompetenzzentrum für Holzherkünfte, das für Händler, Behörden oder auch Privatpersonen Holzproben analysiert.
"Wir haben eine Datenbank mit den genetischen Informationen von etwa 70.000 Bäumen vieler unterschiedlicher Arten. Das ist für uns die Grundlage, um die Herkunft von Hölzern aus aller Welt zu überprüfen", berichtet Hilke Schröder.
Im Gespräch erzählt die Wissenschaftlerin, wie viele Holzprodukte in Deutschland betroffen sind und ob Künstliche Intelligenz in Zukunft dabei helfen könnte, falsch deklarierte Produkte zu entlarven. Außerdem verrät Hilke Schröder uns, wie es dazu kommt, dass sie hin und wieder für die Polizei arbeitet.
Diese Folge wurde aufgezeichnet beim Leipzig Lauscht Podcastfestival am 15. März 2025. Ein herzlicher Dank geht an die Veranstalter des Festivals für die Einladung und Organisation.
Die Gästin:
Moderation:
Weiterführende Links und Literatur:
Intakte Moore sind effiziente Kohlenstoffspeicher und damit wahre Klimaschützer. Werden sie für die Land- und Forstwirtschaft entwässert, entweichen immense Mengen an Treibhausgasen in die Atmosphäre. Kann Paludikultur im Spannungsfeld zwischen Landwirtschaft und Klimapolitik eine Alternative bieten?
Weitere Informationen
In der Paludikultur bauen Landwirtinnen und Landwirte an Moorstandorten Pflanzen an, die Nässe lieben. Dazu gehören zum Beispiel Schilf oder Torfmoose, die als Baustoffe oder Kultursubstrate genutzt werden. Noch gibt es nur wenige Anreize für Landwirtinnen und Landwirte, auf Paludikultur umzusteigen. Das soll sich bald ändern: Pünktlich zum 25-Jahr-Jubiläum der Paludikultur steht das PaludiNetz in den Startlöchern. Es unterstützt innovative Ansätze und Wertschöpfungsketten für die Nutzung nasser Moorböden. Dabei verbindet das Paludinetz Forschung und praxisnahe Projekte zum Moorbodenschutz mit Fragen wie: Ist eine großflächige Umstellung auf Paludikultur realistisch? Welche neuen Wertschöpfungsketten werden gebraucht? Welche politischen Schritte sind dafür nötig? Am Ende soll ein Win-Win für alle stehen: Für Landwirtschaft, Gesellschaft, Wirtschaft und Umwelt.
„Wir möchten diese Moorstandorte weiterentwickeln mithilfe von Wertschöpfungsketten, die im Zuge dieses Projektes entwickelt werden und hoffentlich in zehn Jahren umgesetzt werden.“, sagt Frank Havemeyer. Noch sind wir nicht so weit. Doch er ist positiv gestimmt: „Am Ende des Tages verfolgen wir alle dieselben Ziele: Das Ziel des Klimaschutzes und des Moorbodenschutzes. Jeder Moorlandwirt möchte seinen Grund und Boden schützen, auf dem er wirtschaftet.“
Die Gäst*innen:
Dr. Bärbel Tiemeyer leitet die Forschungsgruppe Moore am Thünen-Institut für Agrarklimaschutz und untersucht Treibhausgasemissionen aus organischen Böden.
Frank Havemeyer ist Geschäftsführer des Landvolk Osterholz, Experte für Moorbodenschutz und Interessenvertreter der Landwirtinnen und Landwirte.
Weiterführende Links und Literatur
Foto: Universität Greifswald/Tobias Dahms
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