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Eine aktuelle Studie des Thünen-Instituts für Waldwirtschaft hat gezeigt, dass etwa die Umsetzung der EU-Biodiversitätsstrategie zu deutlichen Verlagerungseffekten führen würde, weil die Nachfrage nach Holzprodukten in Deutschland und Europa nicht zurückgehen wird. Beispiel Holz für die Baubranche: Der Bedarf, der sich durch die aktuelle Holzbauförderung noch weiter erhöhen dürfte, würde dann nach Ansicht von Expertinnen und Experten verstärkt durch Importe aus Regionen gedeckt, in denen Wälder nicht nachhaltig bewirtschaftet werden.
Auch in anderen Produktionsbereichen gibt es derartige Leakage-Effekte, die häufig für Verbraucherinnen und Verbraucher nicht offensichtlich sind, beispielsweise bei Nahrungsmitteln oder bei Biokraftstoffen. So hat die Förderung der Biokraftstoffe seitens der EU zu massiven Landnutzungsänderungen im globalen Süden geführt, um im großen Stil Palmöl gewinnen zu können. Die Politik ist also gefordert, bei Anreizen und Handelsvereinbarungen derartige Effekte mitzudenken.
Unsere Gäste Prof. Karen Pittel, Leiterin des Zentrum für Energie, Klima und Ressourcen am Münchner ifo Institut, Prof. Matthias Dieter, Leiter des Thünen-Instituts für Waldwirtschaft, und Bernhard Osterburg, Leiter der Stabsstelle Klima und Boden des Thünen-Instituts, diskutieren in dieser Folge, ob die Erweiterung der CO2-Emissions-Steuer auf land- und forstwirtschaftliche Erzeugnisse und der CO2-Grenzausgleich probate Mittel zur Verhinderung von Leakage-Effekten sind. Sie sprechen darüber, wie die gemeinsame Nutzung von landwirtschaftlichen Flächen etwa zur Nahrungsmittel- und Energieproduktion Landwirtinnen und Landwirte in Deutschland wettbewerbsfähig halten kann und ob Initiativen wie der im Rahmen der UN-Klimarahmenkonvention entstandene Mechanismus REDD+ dazu beitragen, Wälder weltweit als Kohlenstoffspeicher zu erhalten.
Weitere Informationen: www.thuenen.de/podcast/9-auf-kosten-der-anderen
Kritikerinnen bemängeln, dass der Versuch, alle Kriterien wie Tierwohl, Klimabilanz, Stickstoffbilanz, Pflanzenschutz, Biodiversität und Sozialstandards in einem Score abzubilden, zu Mittelmaß führt, weil sich positive und negative Punkte gegenseitig aufheben. Kritisiert wird zudem, dass die Anwendung eines einzigen Standards für alle Produkte zu überbordender Bürokratie führt und etwa bei verarbeiteten Produkten aufgrund der Vielzahl der Zuliefernden nicht realisierbar wäre. Die Leitwirkung eines solchen Labels für Verbraucherinnen wird bezweifelt. Befürworter*innen unterstreichen, dass nur Staatlichkeit unabhängige und objektive Bewertungen garantieren könne und eine Vielzahl anderer Label überflüssig würden.
In dieser Podcast-Folge erläutern Hiltrud Nieberg und Christopher Zimmermann vom Thünen-Institut und Achim Spiller von der Universität Göttingen, ob ein Meta-Siegel für Lebensmittel funktionieren kann. Sie ordnen die verschiedenen Waren-Kennzeichnungen ein, sprechen über Vor- und Nachteile von Einzellabels, die Verantwortung des Staates für gezielte Verbraucher-Orientierung und der Verbraucher*innen beim Einkauf sowie Möglichkeiten, den Label-Dschungel einzudämmen.
Dr. Hiltrud Nieberg ist Agrarökonomin, Leiterin des Thünen-Institus für Betriebswirtschaft und Mitglied im Wissenschaftlichen Beirat für Agrarpolitik, Ernährung und gesundheitlichen Verbraucherschutz des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL).
Dr. Christopher Zimmermann ist Fischereibiologe, Leiter des Thünen-Instituts für Ostseefischerei sowie Vorsitzender des Technischen Beratungsgremiums (TAB) und Mitglied des Aufsichtsrates des Marine Stewartship Council (MSC).
Prof. Achim Spiller ist Agrarökonom und Marketingexperte an der Georg-August-Universität Göttingen und Vorsitzender des Wissenschaftlichen Beirats des BMEL für Agrarpolitik, Ernährung und gesundheitlichen Verbraucherschutz.
Weitere Informationen: www.thuenen.de/podcast/8-ein-label-für-alle-faelle
Geht es um die Ernährungssicherheit, werden Argumente häufig schnell in pro und contra Ökolandbau aufgeteilt. Dabei sind die Herausforderungen für die gesamte Landwirtschaft doch grundsätzlich die gleichen: gesunde, sichere und bezahlbare Lebensmittel für eine wachsende Weltbevölkerung produzieren; Umweltverschmutzung, Treibhausgasemissionen und Artensterben minimieren und das Wohl der Tiere verbessern.
Der Ökolandbau kann nach wissenschaftlichen Erkenntnissen zur Bewältigung dieser Herausforderungen beitragen. Doch statt das Know-how der Ökobetriebe zu nutzen, wird ihnen vorgeworfen, nur für eine kleine, elitäre Gruppe der Gesellschaft Nahrungsmittel zu produzieren. Im Vergleich zur konventionellen Landwirtschaft werde mit erheblich mehr Aufwand auf viel mehr Fläche deutlich weniger Ertrag erzeugt. Doch lassen sich konventionelle und ökologische Landwirtschaft tatsächlich mit Hilfe des Flächenertrages vergleichen? Muss die Leistungsfähigkeit des Ökolandbaus verbessert werden oder müssen ökosystemrelevante Dienstleistungen zum normalen Alltag auch konventioneller Landwirte gehören?
Unsere Gäste Anna Maria Häring, Professorin an der Hochschule für Nachhaltige Entwicklung in Eberswalde, und Gerold Rahmann, Leiter des Thünen-Instituts für Ökologischen Landbau in Trenthorst, skizzieren, wo Stärken und Schwächen ökologischer und konventioneller Landwirtschaft liegen. Sie erläutern, warum die ökologische Wertschöpfungskette das derzeit einzige System ist, in dem alle gesellschaftlichen Herausforderungen adressiert werden und warum das Wissen über gesunde Ernährung auch dazu beiträgt, das Ziel von 30 Prozent Ökolandbau zu erreichen.
Weitere Informationen: thuenen.de/podcast/7-alles-oeko-alles-gut/
Mit seinem Buch „Small is beautiful. Die Rückkehr zum menschlichen Maß“ gilt der Ökonom Ernst Friedrich Schumacher als einer der Vordenker der Nachhaltigkeit. Er vertrat die Ansicht, dass die „Produktion von lokalen Betriebsmitteln für die lokalen Notwendigkeiten die rationalste Weise des Wirtschaftens ist“. Basierend auf dieser Lehre wird in Bezug auf eine nachhaltige Agrarwirtschaft die Regionalisierung und eine Produktion von Nahrungsmitteln in eher kleinen landwirtschaftlichen Einheiten favorisiert. Große Betriebe und die Industrialisierung in der Landwirtschaft werden hingegen skeptisch gesehen.
Auch in anderen Bereichen, etwa der Fischerei oder der Nahversorgung vertrauen Verbraucher*innen häufig per se den kleinen Betrieben. Dabei gibt es ökonomisch-rational und wissenschaftlich betrachtet weder unter Umweltschutz- noch unter Tierwohlaspekten allgemeingültige Anhaltspunkte dafür, dass die kleinen Betriebsstrukturen die besseren sind.
Unsere Gäste Stefan Mann, Experte für Strukturen in der Landwirtschaft am Schweizer Institut Agroscope, und Bernhard Forstner, am Thünen-Institut für Betriebswirtschaft spezialisiert auf betriebliche Vielfalt und Wandel, gehen in dieser Folge der Frage nach, woher die Vorbehalte gegenüber Großstrukturen in der Landwirtschaft kommen und warum kleine Betriebe oftmals als die besseren Bewirtschafter wahrgenommen werden. Sie hinterfragen, ob eine derartige Verallgemeinerung sinnvoll und zeitgemäß ist und welche sozialen und kulturellen Rollen große und kleine Betriebe etwa in der Landwirtschaft übernehmen. Die Experten plädieren für eine Vielfalt der Betriebsstrukturen und zeigen Wege auf, wie Nachhaltigkeit auch bei konventionell bewirtschafteten Betrieben möglich ist.
Mehr Informationen: https://thuenen.de/podcast/6-small-is-beautiful
Der deutschen Küstenfischerei fehlte über viele Jahre eine Strategie, wie unter dem Eindruck verschiedener Krisen der Übergang in die Zukunft gestaltet werden könnte. Das Thünen-Institut leistet mit dem Projekt „Zukunftswerkstatt Küstenfischerei 2045“ einen Beitrag zur Strategieentwicklung. Es versammelt Stakeholder aus Fischerei, Kommunalpolitik, Handel, Wissenschaft, Tourismus, Angelfischerei, Naturschutz und Mariner Raumplanung, um gemeinsam mit den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern Zukunftsbilder für die deutsche Küstenfischerei zu entwickeln. Gemeinsam untersuchen sie, welches Ziel ein solcher Transformationsprozess haben sollte: Erhalt der Berufsfischerei? Nur noch Nebenerwerbsfischerei? Oder gar keine Fischerei mehr? Und welche Rolle sollte der Staat spielen?
Unsere Gäste Hilke Looden, Bürgermeisterin der Nordseegemeinde Krummhörn, und Christopher Zimmermann, Leiter des Thünen-Instituts für Ostseefischerei, betrachten in dieser Podcast-Folge aus Sicht einer Praktikerin und eines Wissenschaftlers, wie die Situation an Nord- und Ostsee aktuell aussieht und wagen gemeinsam einen Blick in die Zukunft.
Weitere Informationen: https://www.thuenen.de/podcast/folge-5
Die Lücke zwischen den sogenannten privaten und den sozialen Kosten wird immer offensichtlicher: Kosten, die durch die Lebensmittelproduktion entstehen, hier insbesondere durch die Nutzung von Umweltsystemleistungen und Landflächen, spiegeln sich nicht in den Preisen an der Ladentheke wider. Andererseits bleibt immer weniger vom Verkaufserlös bei den Erzeugerinnen und Erzeugern hängen.
Im Podcast plädieren unsere Gäste Regina Birner, Professorin an der Universität Hohenheim, und Martin Banse, Leiter des Thünen-Instituts für Marktanalyse, dafür, Instrumente und Maßnahmen zu entwickeln, die die Unterschiede zwischen den privaten und sozialen Kosten aufdecken, um dadurch eine Entwicklung fairer Preise am Markt zu ermöglichen. Sie erläutern die Möglichkeit, wie der Staat über die Mehrwertsteuer Preise lenken könnte und warum staatlich festgelegte Mindestpreise etwa für den Liter Milch eine überholte Idee sind. Mit Blick auf die Zukunft diskutieren sie die Rolle von interessanten Alternativen zu Markt und Staat, die auf dem Engagement der Bürger*innen beruhen, zum Beispiel kommunale Ernährungsräte und solidarische Landwirtschaft.
Weitere Informationen: www.thuenen.de/podcast/4-fair-wahr-kostendeckend/
Das „Kompetenznetzwerk Nutztierhaltung", besser bekannt als die Borchert-Kommission, hat im Februar 2020 mit der Nutztierstrategie einen wissenschaftlich fundierten Lösungsvorschlag vorgelegt, wie sich das Tierwohl in Deutschland dauerhaft verbessern lässt. Allerdings wartet dieser seither auf seine Umsetzung. Einen erneuten Arbeitsauftrag durch Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir lässt die Kommission bis zu einem deutlichen Bekenntnis aus der Politik ruhen.
Auch das Umweltbundesamt ist davon überzeugt, dass die Tierhaltung umgebaut werden sollte, da die direkten und indirekten Umwelt- und Klimawirkungen in ihrer bisherigen Form langfristig nicht tragbar sind. Dafür müsste einerseits die Produktion umwelt- und klimaschonender gestaltet werden - etwa durch eine grünlandbasierte Rinderhaltung oder neue technische Möglichkeiten. Andererseits müssten aber auch die Produktion und der Konsum tierischer Produkte in Deutschland reduziert werden.
Wie realistisch derartige Vorschläge sind, welchen Einfluss der Staat nehmen kann, welche Rolle der Mehrwertsteuersatz bei klimaschonender Ernährung spielt - darüber sprechen unsere Gäste Knut Ehlers, Leiter des Fachgebiets Landwirtschaft am Umweltbundesamt, und Folkhard Isermeyer, Präsident des Thünen-Instituts, in dieser Folge.
Weitere Informationen: www.thuenen.de/podcast/3-jedem-tierchen-sein-plasierchen/
Um die im Koalitionsvertrag vereinbarten 70 Gigawatt Strom aus Offshore-Windenergie umzusetzen, reicht der zur Verfügung stehende Platz nicht aus, um die Raumansprüche aller Nutzer*innen inklusive des Meeresnaturschutzes zu erfüllen. Die Meeresflächen in der deutschen Ausschließlichen Wirtschaftszone (AWZ) wären zum Teil mehrfach überplant. Co-Nutzungen von Flächen, etwa der Windparkflächen durch bestimmte Formen der Fischerei oder Aquakultur, sind technisch möglich und in anderen Ländern wie Dänemark oder dem Vereinigten Königreich auch erlaubt. In Deutschland ist dies bisher grundsätzlich untersagt - auch mit dem Argument, dass der Nutzungsausschluss aus Windenergiegebieten den Eingriff in die Natur kompensiert und somit dem Naturschutz dient.
Unsere Gäste Karina Würtz, Stiftung Offshore-Windenergie, und Dr. Gerd Kraus, Thünen-Institut für Seefischerei, diskutieren Fragen wie: Können wir durch eine ökologisch und ökonomisch sinnvollere Aufteilung des Meeresraumes und geschickte Kombinationen auf einer Fläche mehrere Nutzungen so miteinander verzahnen, dass einerseits die Co-Existenz aller Akteure und ihrer berechtigten Interessen möglich wird und andererseits auch die übergeordneten gesellschaftspolitischen Ziele der Energiewende und des Naturschutzes in Einklang gebracht werden? Wäre es beispielsweise möglich, die Co-Nutzung von Windparkflächen dort zuzulassen, wo der ökologische Wert der Flächen eher gering ist, und sie mit Aquakultur (z.B. Algenzucht in der Ostsee, Muschelzucht in der Nordsee) oder mit stiller Fischerei auf bestimmte hochwertige Speisefisch- oder Krebsarten zu kombinieren? Können Windparks in ökologisch besonders wertvollen Gebieten wie Biodiversitätshotspots den Naturschutz fördern?
Weitere Informationen: www.thuenen.de/podcast/2-raumnutzung-in-meeren/
Landwirtinnen und Landwirte sind heute häufig schon Energiewirt:innen: Aktuell werden auf etwa zehn Prozent der Agrarflächen Pflanzen für die Bioenergiegewinnung angebaut. Analysen des Thünen-Instituts für Betriebswirtschaft zeigen jedoch: Der Stromertrag von Photovoltaik-Anlagen (PV-Anlagen) auf landwirtschaftlichen Flächen ist 30- bis 40-mal höher als bei der Bioenergieerzeugung.
Dennoch mehrt sich - ähnlich wie in der Vergangenheit bei Windkraft - öffentlicher Widerstand gegen den künftigen Zubau von Photovoltaik-Anlagen auf landwirtschaftlichen Flächen. Sogenannte Agri-PV-Anlagen setzen dort an: Sie ermöglichen es, auf der gleichen Fläche sowohl Energie als auch Nahrungsmittel zu erzeugen. Insbesondere beim Anbau von Sonderkulturen, etwa Obst und Beeren, werden zahlreiche Synergien erwartet. Beispielsweise können Hagelschutznetze oder Folientunnel durch die Solarmodule ersetzt werden.
Allerdings sind noch viele Fragen offen, etwa: Wie hoch sind die Kosten? Wie wirkt sich die Beschattung auf die Erträge aus? Das Fraunhofer ISE aus Freiburg im Breisgau geht diesen Fragen in verschiedenen Versuchen nach.
Unsere Gäste Anna Heimsath vom Fraunhofer ISE und Thomas de Witte vom Thünen-Institut für Betriebswirtschaft skizzieren, welche Potenziale Photovoltaik in der Landwirtschaft hat, wie sich unterschiedliche Nutzungsarten miteinander vereinen lassen, welche rechtlichen Fragen es zu lösen gilt -- und warum es in diesem Zusammenhang sinnvoll ist, die Wiedervernässung von Mooren mit der Nutzung von Photovoltaik zusammen zu denken.
Weitere Informationen: www.thuenen.de/podcast/1-mein-acker-mein-kraftwerk/
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