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Der Gast:
Prof. Dr. Andreas Klärner ist Wissenschaftler am Thünen-Institut für Lebensverhältnisse in ländlichen Räumen. Er erforscht die sozialen Strukturen in ländlichen Räumen.
Moderation: Dr. Katrin Schiedung
Wir freuen uns über Kommentare und Feedback unter [email protected]
Weiterführende Links und Literatur:
Urheberrechte der Fotos: Adobe Stock/Julian Schäpertöns (mittleres Bild), Thünen-Institut/Nadine Zirbes (Bild links und rechts)
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In der Landwirtschaft, und vor allem im Gartenbau, fehlt schon jetzt das Wasser. Gerade Obst und Gemüse, aber auch Kartoffeln, benötigen große Mengen Wasser im Anbau. Gleichzeitig drohen Ernteverluste durch Starkregenereignisse und Überflutungen. Die Landwirtschaft gehört zu den Verursachern des anthropogenen Klimawandels – und ist Opfer der Folgen.
Die Gäst*innen:
Dr. Nataliya Stupak ist Wissenschaftlerin in der Stabstelle Klima, Boden, Biodiversität am Thünen-Institut in Braunschweig. Sie ist Ansprechperson für das Verbundprojekt „Landwirtschaftliches Wassermanagement in Deutschland (LAWAMAD)“ uns sitzt damit an der Schnittstelle zwischen Forschung, Landwirtschaft und Politik.
Weiterführende Links und Literatur
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Rund 100 Inventurtrupps haben fast zwei Jahre lang mehr als 520.000 Bäume an fast 80.000 Punkten vermessen. Diese Inventur ist das Kontrollinstrument der nachhaltigen Waldwirtschaft, gemäß Bundeswaldgesetz gemeinsam organisiert von Bund und Ländern. Zugleich werden kritische Stimmen laut, die bemängeln, dass die Daten nach wie vor auf klassische Art, also terrestrisch, erhoben werden sowie Zeitspanne und Raster der Stichprobenpunkte zu groß seien. „Es gibt viele Dinge, die wir mit Fernerkundung noch nicht erfassen können. Zum Beispiel die Struktur im Wald“, erklärt Dr. Thomas Riedel. Fernerkundung erfasse immer nur das, was von oben sichtbar ist, jedoch nicht was darunter liegt.
Berechnet werden in der Inventur unter anderem Waldfläche, Holzvorrat, Holzzuwachs und Holznutzung, Baumartenvielfalt, Altersaufbau, Totholz und Naturnähe sowie Biomasse und Kohlenstoffspeicherung. Erstmals wurden bei der aktuellen Bundeswaldinventur Proben zur Ermittlung der genetischen Vielfalt gesammelt.
Ein Ergebnis der Bundeswaldinventur landete mehrfach in den Schlagzeilen: Deutschlands Wälder wurden von der Kohlenstoffsenke zur Kohlenstoffquelle. Gleichzeitig speichern die Wälder immer noch große Mengen an Kohlenstoff. In der Bilanz ist jedoch zwischen 2018 und 2021 mehr Kohlenstoff aus dem Wald entwichen, als eingebunden wurde. „Für mich ist die Frage, ob wir diese Verantwortung auf dem Wald abladen wollen. Oder ob wir, um klimaneutral zu werden, nicht den Druck auf andere Sektoren wie Verkehr und Bauwirtschaft erhöhen müssen“, sagt Dr. Thomas Riedel.
Gleichzeitig stellen zunehmende Trockenheit, Sturmwurf und Schädlingsbefall die Forstwirtschaft vor existenzielle Herausforderungen. Wie wir unsere Wälder umbauen und für den Klimawandel wappnen, ist eine gesellschaftliche Frage. „Achtzig Prozent unseres Holzes kommen aus intensiven Forstplantagen. Wenn wir wollen, dass so ein System, wie wir es haben, global Schule macht, müssen wir zeigen, dass es wirtschaftlich tragfähig ist“, so Prof. Dr. Carola Paul.
In dieser Thünen-Podcastfolge diskutieren Prof. Dr. Carola Paul und Dr. Thomas Riedel, wo es zukünftig mit unserem Wald hingehen soll und was er auf dem Weg zur Klimaneutralität leisten kann. Sie sprechen außerdem darüber, was der Waldumbau für die Forstwirtschaft bedeutet und warum dafür ein gesellschaftliches Umdenken nötig ist.
Die Gäst*innen
Prof. Dr. Carola Paul ist Leiterin der Abteilung Forstökonomie und nachhaltige Landnutzungsplanung an der Georg August Universität Göttingen. In ihrer Forschung untersucht sie mithilfe von Computermodellen, wie das Zusammenspiel zwischen Klimawandel und Forstwirtschaft gelingt.
Weiterführende Links und Literatur
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In den Unterböden lagern noch unerschlossene Wasser- und Nährstoffreserven. Diese Ressourcen zu erschließen, wird in Zeiten zunehmender Trockenheit immer wichtiger. Verdichtete Böden und wurzelarme Züchtungen verhindern bislang allerdings, dass die Wurzeln der Ackerkulturen den Unterboden erreichen.
Prof. Dr. Miriam Athmann von der Universität Kassel und Prof. Dr. Axel Don vom Thünen-Institut für Agrarklimaschutz sprechen in dieser Folge über Lösungswege. Hörerinnen und Hörer erfahren, welche Rolle neue Technologien, Bioporen und Humusaufbau spielen, warum die Luzerne die „Königin der Futterpflanzen“ genannt wird und was die Öko-Landwirtschaft der konventionellen Landwirtschaft voraushat.
Athmann und Don sind überzeugt, dass es sich lohnt, den Unterböden in Landwirtschaft und Politik mehr Aufmerksamkeit zu schenken. Für eine resiliente und nachhaltige Bodenbewirtschaftung.
Als Kohlenstoffspeicher rücken Böden immer mehr in den klimapolitischen Fokus. Kohlendioxid gelangt aus der Atmosphäre über Pflanzen in den Boden und wird dort als Humus gespeichert. Angepasste Bewirtschaftung kann den Humusgehalt im Boden erhöhen. So kann zusätzlicher Humusaufbau dazu beitragen, dass wir die Klimaziele erreichen.
Ein höherer Humusgehalt kommt nicht nur dem Klima zugute, sondern der gesamten Bodengesundheit. Mehr Humus bedeutet eine stabilere Bodenstruktur, ein aktiviertes Bodenleben, eine bessere Speicherung von Wasser und Nährstoffen – und letztendlich eine höhere Stabilität der landwirtschaftlichen Erträge.
Die Gäste
Prof. Dr. Miriam Athmann ist Leiterin des Fachgebiets Ökologischer Land- und Pflanzenbau an der Universität Kassel. Sie forscht daran, wie Unterböden besser genutzt und gemanagt werden können.
Prof. Dr. Axel Don ist Geoökologe, stellvertretender Leiter des Thünen-Instituts für Agrarklimaschutz und leitet den Forschungsbereich Organische Bodensubstanz. Das Ziel seiner Arbeit ist es, die Funktionen von Humus und den Einfluss von Landnutzung besser zu verstehen.
Weiterführende Links und Literatur
Kurzfilm „Thünen erklärt“ zum Unterboden
Broschüre "Ressource Boden" vom Bundesministerium für Bildung und Forschung
Im Themenfeld Boden des Thünen-Instituts finden Sie weiterführende Informationen zu Bodenzustand, Bodenschutz und Bodenfunktionen.
Das Themenfeld Wasser des Thünen-Instituts bündelt Beiträge rund um die Bereiche Wasserqualität und Wassermanagement zur Verfügung.
Im Forschungsprojekt Sustainable Subsoil Management (Soil3) untersuchen neun Forschungseinrichtungen in ganz Deutschland das Potenzial von Unterböden für Ackerbau und landwirtschaftliches Management.
Die Kartierteams der Bodenzustandserhebung Landwirtschaft beproben die Acker- und Grünlandböden Deutschlands in einem 8x8 Kilometer-Raster. Forschende des Thünen-Instituts analysieren anhand der Proben den Zustand und Kohlenstoffgehalt der Böden. Aktuell läuft die zweite bundesweite Bodenzustandserhebung Landwirtschaft.
Das HumusKlimaNetz bietet eine Plattform, wo Landwirtinnen und Landwirte gemeinsam mit Forschenden zeigen, wie Humusaufbau in der Praxis langfristig gelingt.
Das Thünen-Institut für Agrartechnologie erarbeitet im Forschungsprojekt SoilAssist neue Strategien, wie Ackerflächen mit Landmaschinen bodenschonender befahren werden können.
Wissenschaftliche Publikation zu Vorräten von organischem Bodenkohlenstoff im Unterboden (Skadell et al. 2023)
Wissenschaftliche Veröffentlichung zur Akzeptanz von Unterbodenmanagement in der Landwirtschaft (Hinzmann et al. 2021)
Der Bestand des Europäischen Aals ist in weiten Teilen der europäischen Meeres- und Binnengewässer verbreitet. Damit lebt er in so vielen verschiedenen Managementgebieten, wie keine andere kommerziell genutzte Fischart in Europa. Das Glasaal- bzw. Jungfischaufkommen ist inzwischen auf ein bis zehn Prozent der Menge von vor 50 Jahren gesunken. Der Internationale Rat für Meeresforschung (ICES) spricht sich seit Jahren für eine vollständige Schließung des Aalfanges im gesamten Verbreitungsgebiet aus, sowohl für die Berufs- als auch für die Freizeitfischerei. Die Politik entscheidet sich hingegen seit Jahren eher für die Fischer und gegen den Aal. Das liegt einerseits an der hohen wirtschaftlichen Bedeutung des Aalfangs für bestimmte Fischereien. Andererseits gilt der Aalfang in vielen Regionen als kulturelles Gut und seine Einschränkung als sozioökonomisch nicht vertretbar. Das macht es schwer, eine einheitliche Fischereipolitik zugunsten des Aals durchzusetzen.
Maja Kirchner, bei der EU-Kommission unter anderem für den Aal-Bestand in Europa verantwortlich, und Reinhold Hanel, der seit zwei Jahrzehnten an dieser Fischart forscht, betrachten in der Podcast-Folge aus Sicht der Politik und der Wissenschaft, wie es aktuell um den Aal in Europa bestellt ist. Sie erläutern Ursachen für den Bestandsrückgang und Strategien zum Wiederaufbau, diskutieren, warum es so schwer ist, eine gemeinsame europäische Linie zu finden und wo sich die Wissenschaft uneinig ist. Sie beantworten die Frage, ob ein generelles Fangverbot die Lösung für den Aal ist und welche Maßnahmen zur Rettung einer Tierart gerechtfertigt sind, wenn kulturelle und ökonomische Folgen so groß sind wie im Fall des Aales.
Unsere Gäste:
Die Juristin und Diplomatin Maja Kirchner ist stellvertretende Direktorin in der Generaldirektion Maritime Angelegenheiten und Fischerei der Europäischen Kommission. In ihren Bereich fällt die nachhaltige Bewirtschaftung der Fischbestände in den Gewässern der EU in Atlantik, Kattegat/Skagerrak, Ostsee sowie rund um Spitzbergen und in den internationalen Gewässern des Nord-Ost Atlantik. Zudem verhandelt sie mit Drittstaaten wie Norwegen über nachhaltige Fischerei in deren Gewässern.
Prof. Dr. Reinhold Hanel leitet seit 2009 das Thünen-Institut für Fischereiökologie in Bremerhaven und lehrt an den Universitäten Kiel, Bremen, Innsbruck und Mindelo. Der Meeres- und Fischereibiologe beschäftigt sich unter anderem seit fast 20 Jahren mit dem Lebenszyklus und dem Management des Europäischen Aals. Er berät die Bundesregierung, die EU, internationale Organisationen und NGOs zum Thema.
Weiterführende Informationen:
https://www.thuenen.de/podcast/folge-14-ist-der-aal-noch-zu-retten
Gute Tiere, schlechte Tiere? Warum gibt es eigentlich in Deutschland nie die richtige Anzahl an (Wild)-Tieren? Und warum wollen wir den Waschbären wieder loswerden, den wir einst wegen seines schönen Fells eingebürgert haben? Auf diese und andere Fragen zur Biodiversität im Wald gibt Dr. Berit Michler vom Thünen-Institut für Waldökosysteme in Eberswalde Antworten.
Ihr Kollege Dr. Daniel Oesterwind vom Thünen-Institut für Ostseefischerei in Rostock ist froh, dass Paul, der Krake, keine Fußballergebnisse mehr vorhersagen muss. Als Experte für Weichtiere mit mehr als sieben Armen erläutert Oesterwind, warum Kalmar, Oktopus und Co. dennoch eine Art Orakel sind - für die klimawandelbedingte Veränderung der Meeresumwelt zum Beispiel.
Für Dr. Axel Don vom Thünen-Institut für Agrarklimaschutz in Braunschweig sind Regenwürmer vor allem Verbündete, wenn es um den langfristigen Aufbau von Humus geht - dem Bodenbestandteil, der als eine Art Klimaretter gehandelt wird. Warum diese Hoffnung zwar übersteigert, Humusaufbau aber dennoch eine wichtige Komponente im Kampf gegen Dürre ist, erklärt Axel Don nachvollziehbar.
Kühe kommunizieren nicht so gern und nicht so viel. Trotzdem weiß Dr. Solveig March vom Thünen-Institut für Ökologischen Landbau in Trenthorst ziemlich genau, wie es den Tieren geht, warum es ihnen so geht und was sie brauchen, damit es ihnen besser geht. Als Spezialistin für das Tierwohl hat sie zuletzt an den Empfehlungen für ein Nationales Tierwohl-Monitoring mitgewirkt.
Weitere Informationen:
Einmal sind die Dörfer vermeintlich kurz vorm Aussterben, ein andermal ist das Dorf der Ort für das bessere Leben. In Zeiten steigender Miet- und Immobilienpreise und noch einmal verstärkt durch Corona-Pandemie und Lockdowns verzeichnen die sieben größten Städte in Deutschland Bevölkerungsverluste. Die ländlichen Regionen – auch in weiter Entfernung der großen Städte – erleben hingegen erstmals seit Jahren wieder Zuwachsraten.
Für die Kommunen ist diese Entwicklung Fluch und Segen zugleich. Denn auch das Leben auf dem Land wird teurer: Immobilienpreise steigen durch die Nachfrage, eine große Zahl älter werdender Menschen benötigt ortsnahe Versorgung, es fehlt an schnellem Internet fürs Homeoffice und an Öffentlichem Personen-Nahverkehr fürs Pendeln. Diese mangelnde infrastrukturelle Ausstattung führt zu einem großen ökologischen Fußabdruck: Eine aktuelle Studie der OECD etwa hat gezeigt, dass Menschen, die auf dem Land leben, dreimal so viele klimaschädliche Spuren hinterlassen wie Bewohnerinnen und Bewohner von Städten.
Annett Steinführer, die sich als Wissenschaftlerin am Thünen-Institut für Lebensverhältnisse in ländlichen Räumen mit Menschen, die aus verschiedenen Gründen in Dörfer oder Kleinstädte ziehen, beschäftigt, plädiert dementsprechend dafür, das Gesamtpaket der Lebenskosten auf dem Land zu betrachten und daraus Konzepte für eine nachhaltige Dorfentwicklung zu entwickeln.
Thomas Dax forscht an der österreichischen Bundesanstalt für Agrarwirtschaft und Bergbauernfragen ebenfalls zur Regionalentwicklung. Er beobachtet seit 15 Jahren positive Migrationsbilanzen für ländliche Räume in Österreich und in Südwesteuropa. In Finnland hat jeder Zweite einen Zweitwohnsitz in einer entlegenen Gegend und verbringt dort mehrere Monate im Jahr. Multilokales Wohnen wird zur Normalität, aber auch Herausforderung – auch hier wieder in Bezug auf die Infrastruktur.
Aktuell bilden in Deutschland ausschließlich Wälder und Holzprodukte eine sogenannte Kohlenstoff-Senke. Bäume binden durch ihren Stoffwechsel etwa sieben Prozent der deutschen CO2-Emissionen. Weltweit sind es mehr als 25 Prozent. Deshalb ruhen die Hoffnungen auf dem Weg zur klimaneutralen Lebensweise vor allem auf den Wäldern. Großes Potenzial wird allerdings auch landwirtschaftlich genutzten Böden zugeschrieben, denn Humus beispielsweise gehört ebenfalls zu den Kohlenstoffspeichern.
Möglichkeiten und Ideen für menschgemachte CO2-Senken sind zum einen das verstärkte Bauen mit Holz, denn in langlebigen Holzprodukten kann der Kohlenstoff viele Jahrzehnte lang festgelegt bleiben. Zum anderen gibt es längerfristig Ideen, etwa Bioenergie mit „Capture and Storage“ zu kombinieren. Das Kohlendioxid würde dann direkt am Schornstein eingefangen und eingelagert werden, statt es in die Umluft zu entlassen. Auch die gezielte Stabilisierung pflanzlicher Biomasse durch die Herstellung von Pyrolysekohle wird als mögliche langfristige Kohlenstoffsenke diskutiert. Nicht zuletzt gibt es Ideen und Versuche, Kohlendioxid mit Hilfe von CO2-Filteranlagen aus der Atmosphäre oder auch dem Meer zu ziehen und dann geologisch zu speichern, beispielsweise in ausgedienten Erdgasreservoirs.
Welche Beiträge zur Kohlenstoffspeicherung Landwirtschaft und Waldwirtschaft tatsächlich leisten können, warum Moore und Meere eine so wichtige Rolle bei der CO2-Speicherung spielen, welche Möglichkeiten CO2-Filteranlagen bieten und warum dennoch kein Weg an der Vermeidung von Treibhausgas-Emissionen vorbeiführt, besprechen unsere Gäste in dieser Folge: Dr. Nadine Mengis vom Geomar Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel, Prof. Andreas Krause vom Thünen-Institut für Holzforschung und Prof. Heiner Flessa vom Thünen-Institut für Agrarklimaschutz.
Weitere Informationen: https://www.thuenen.de/podcast/12-treibhausgase-einfach-endlagern
Nur überlebensfähige Wälder können die Schutzfunktion für Wasser und Boden erfüllen, zur biologischen Vielfalt beitragen oder als wesentliche Senke für Kohlendioxid-Emissionen dienen. In den vergangenen Jahren haben sich jedoch vor allem die Fichtenforste in Deutschland als nicht stabil genug gegenüber den sich ändernden Klimabedingungen erwiesen. Auch der Zustand der Kiefern- und Buchenbestände bereitet Sorgen. Das Bundeslandwirtschaftsministerium hat deshalb 900 Millionen Euro für Waldbesitzerinnen und -besitzer zur Verfügung gestellt, die ihren Wald umbauen und damit die Ökosystemleistungen des Waldes erhalten oder erhöhen. Dabei geht es vor allem um die Entwicklung von mehr natürlichen Mischwäldern, die sich als widerstandsfähiger erwiesen haben.
Wie genau diese Umgestaltung vonstatten gehen soll, darüber sind Expertinnen und Experten unterschiedlicher Meinung. Während die einen fordern, die natürlichen Entwicklungsprozesse beim Waldumbau mitzunutzen, sagen die anderen, dass die natürliche Waldentwicklung mit dem schnell voranschreitenden Klimawandel nicht Schritt halten kann und der Wandel daher stärker gemanagt werden muss.
Ein Grund dafür ist der Holzbedarf: Deutschland benötigt derzeit um die 80 Millionen Kubikmeter Ernteholz pro Jahr etwa für Holzbau, Papierherstellung und als Energieträger – und dieser Bedarf sollte möglichst aus heimischen Wäldern gedeckt werden, um keine Leakage-Effekte zu erzeugen. Wird das in Zukunft noch möglich sein?
Hinzu kommt, dass die Wälder bis 2019 ungefähr sieben Prozent der Treibhausgas-Emissionen Deutschlands eingelagert hatten. Diese wichtige Senkenfunktion droht aktuell verloren zu gehen. Wie kann die Speicherfunktion der Wälder wieder erhöht werden?
Unsere Gäste Dr. Susanne Winter, Leiterin des Wald-Programmes beim WWF Deutschland, und Prof. Dr. Andreas Bolte, Leiter des Thünen-Instituts für Waldökosysteme, entwerfen in dieser Podcast-Folge ein Bild vom Wald der Zukunft. Sie sprechen darüber, welche Vorteile die kleinteiligen Besitzverhältnisse in Deutschland für den Waldumbau haben und welche Chancen und Risiken invasive Arten mit sich bringen. Es geht um die Senkung des Frischholzbedarfs und eine Kaskadennutzung des Holzes, um Gemeinwohl-Standards für die Fördermittelvergabe und eine Beschleunigung des Transformationsprozesses, der vor allem außerhalb des Waldes stattfinden muss. Denn 30 Prozent des Frischholzes werden aktuell noch verbrannt – eine viel zu große Menge unter Klimabilanz-Aspekten.
Wissenschaftliche Belege zum Rückgang der Artenvielfalt in Agrarlandschaften gibt es schon lange. Doch erst eine Veröffentlichung von Daten des Entomologischen Vereins Krefeld im Jahr 2017 hat dazu geführt, dass ein Bewusstsein für die alarmierende Situation in Politik und Gesellschaft entstanden ist. Seither werden wissenschaftsbasierte Lösungen gesucht, um dem Insektensterben Einhalt zu gebieten. Unter Federführung des Thünen-Instituts für Biodiversität wird unter anderem im Auftrag des Bundeslandwirtschaftsministeriums das bundesweite Monitoring der biologischen Vielfalt in Agrarlandschaften (MonViA) aufgebaut. Bisher gab es nur Einzeluntersuchungen, aus denen sich jedoch Entwicklungen nur bedingt ablesen lassen.
Zudem etablieren die Forschenden ein bundesweites Monitoring von Wildbienen in Agrarlandschaften. Bestäuber wie Bienen und Hummeln gehören zu den bekanntesten und wichtigsten Insekten, schließlich werden weltweit zwei Drittel der Kulturpflanzen – vor allem Obst und Gemüse – von solchen Insekten bestäubt. Sie sind ein wichtiger Faktor für die Menge des Erntegutes, aber auch für die Qualität der erzeugten Produkte.
In dieser Folge sprechen die Rostocker Professorin Bärbel Gerowitt, Expertin unter anderem für natürlichen Pflanzenschutz, und Professor Jens Dauber, Leiter des Thünen-Instituts für Biodiversität, über Nützlinge und Schädlinge und warum diese menschengemachten Kategorien nicht immer hilfreich sind. Es geht um Lebensräume, Landschaftsgestaltung und die Ökosystemleistungen der Insekten. Und natürlich um die Frage, warum Agrarlandschaften nicht per se lebensfeindliche Räume für Insekten sind und wie diese in die landwirtschaftliche Produktion eingebunden werden können.
Weitere Informationen: www.thuenen.de/podcast/10-strategische-Partnerschaft-auf-dem-Acker/
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