
Sign up to save your podcasts
Or


Am 25. März 2026 verstarb Alexander Kluge, der als Medientheoretiker, -praktiker und -künstler in allen Genres daheim und bis zuletzt aktiv war, in seinem 95. Lebensjahr. Mit seiner Experimentierfreude, seiner Daseinslust und seinem unglaublich weiten Horizont faszinierte und prägte er Generationen. Bleibend ist sein über Jahrzehnte rastloser Tätigkeit gewachsenes Lebenswerk von enormem Umfang und ebensolcher Themenviefalt, das zu großen Teilen in öffentlichen Archiven im Internet zugänglich ist.
Als er am 14. Februar 2022 seinen 90. Geburtstag feierte, war in dieser Sedereihe der Medienwissenschaftler Klemens Gruber zu Gast, dessen Buch ‚Kluges strategische Vermögen – Zur Aktualität der Avantgarde‘ kurz zuvor bei Sonderzahl erschienen war. Die damals entstandene Live Sendung ist hier in leicht gekürzter Version wiedergegeben.
Website Alexander Kluge
Website Sonderzahl Kluges strategische Vermögen
(CC) 2026 BY-NC-SA V4.0 – Vervielfältigung, Verbreitung, Bearbeitung bei Namensnennung gestattet, kommerzielle Nutzung ausgenommen, Weitergabe unter gleichen Bedingungen; Herbert Gnauer (ORANGE 94.0)
Millionen junger Menschen sahen täglich die Bilder von Bomben verstümmelter Kinder in Gaza auf ihren Handybildschirmen. Fast jeden Morgen hören wir in den Nachrichten die Berichte über durch den Bombenterror Russlands getöteter Menschen in der Ukraine. Hypertropher, parasitärer Reichtum wird von destruktiven Finanzkrisen begleitet, während Klima- und Umweltziele unter die Räder geraten.
Vielen erscheint die Verkündigung einer humanen Zukunft ob dieser Erfahrungen als bloße Makulatur.
Viele, gerade auch junge Menschen, engagieren sich dennoch: für Frieden, für Klimagerechtigkeit, für das Recht aller Menschen auf ein Leben in Würde.
Unter besseren Umständen werden sie dabei von ZynikerInnen mild belächelt. Doch der Zynismus kippt rasch in offene Repression, wenn das Engagement wirkmächtig wird. Mit dem Lächeln ist es dann vorbei. Aus der von den ZynikerInnen attestierten Realitätsferne der AktivistInnen wird dann rasch die Notwendigkeit, sie aus der Realität physisch zu entfernen.
Gibt es für unser Engagement, unsere Sehnsucht nach Freiheit und Geborgenheit ein Fundament –ein materielles Fundament? Oder ist es bloß eine Entäußerung aus der Tiefe unserer Geworfenheit in psychische und soziale Umstände? Ist unsere Zuversicht materiell fassbar und begreifbar? Oder bleibt als Erklärung einzig eine transzendente Verkündigung?
Bevor wir uns vergewissern, müssen wir uns offenkundig verunsichern. Die Fragen, die sich dabei aufdrängen, sind wahrlich nicht neu. Sie begleiten die Menschen von Anbeginn ihres Seins:
Ist die Welt gestaltbar? Oder sind wir dazu verdammt, dass jede von uns geschaffene Gestalt uns am Ende fremd und feindlich gegenübertritt?
Seit einiger Zeit tauchen sie wieder öfter auf, die 70er und 80er Jahre, speziell im Hinblick auf die radikalen Einflüsse von Punk, New Wave und D.I.Y. (“Do it yourself”) auf die Musikkultur jener Zeit und darüber hinaus auf weite Teile des Musik- und Kunstschaffens bis heute. Zeit für einen Zeitsprung oder Die Zeitkapsel ist hiermit eröffnet: Wir schreiben das Jahr 1980. In Großbritannien zerfällt die Gesellschaft in gewaltsamen Unruhen. Margaret Thatcher hetzt berittene Polizei gegen demonstrierende Arbeiter*innen. “Anarchy in the UK”. Die Hymne der Sex Pistols aus dem Jahr 1976 hat die Eskalation längst vorweg genommen. Punk mischt das kulturelle Selbstverständnis einer ganzen Generation auf. Und da erscheint der Film “Breaking Glass” mit Hazel O’Connor.
Produziert von jenem Dodi Fayed, der 18 Jahre später zusammen mit Lady Diana bei einem Autounfall … Im Jahr 1980 jedoch, genau an der Grenze zwischen gewohnten Rock-Strukturen und unerhörten Punk- und New-Wave-Sounds, im Umbruch der althergebrachten Verwertungsindustrien und noch bevor alternativ selbstbestimmte Lebens-, Öffentlichkeits- und Marktformen für Bands erfunden und ausprobiert werden konnten, da dazwischen – im Inbetween –erzählt sich uns die etwas andere Geschichte der No-Future-Generation in ihrem lebensbejahenden Kampf mit den verlogenen Verhältnissen, in denen sie sich auf ihrer Suche nach Liebe (was denn sonst, seit Anbeginn der Menschheit, seit jeder Geburt seither) zunächst fassungslos wiederfindet. Bemerkenswert ist hierbei, dass die Protagonistin in ihren Versuchen, “die Welt da draußen mit ihrer Botschaft zu erreichen”, ganz ähnliche Erfahrungen macht wie Pink aus dem etwa zur selben Zeit und ebenfalls in England entstandenen Pink-Floyd-Opus “The Wall” – nämlich von der Menschenvernichtungsmaschine der Musikindustrie bis zum Zerbruch ausgebeutet und ausgewrungen zu werden.
Und auch die Rettungs- und Erlösungsphantasien aus der Nazibildwelt kommen bei beiden Hauptfiguren vor – wenn auch in unterschiedlicher Ausprägung. Wobei man hier schon fragen kann, inwieweit die jeweiligen Erlöserposen – “Die anderen als Lichtgestalt vor den Naziumtrieben retten” (Breaking Glass) oder “Zur Rettung der Gesellschaft selbst zum Diktator werden wollen” (The Wall) nicht zwei Seiten desselben Scheiterns auf der Suche nach Liebe sind, wie Arno Gruen das in dem Kapitel über linke und rechte Rebellen aus “Der Verlust des Mitgefühls” nahelegt.
“Then comes „Will You?“, the jewel. Tender, almost fragile, then broken open by saxophone. For me, it was the first time I realized Hazel could devastate as well as rage.”, schreibt Howard Salmon in einer Betrachtung des Soundtracks wie auch des Films und seiner Begleitumstände. Lesenswert! Und auch für mich als ein Perlentaucher in vielerlei Hinsicht ist dieser Song eine herausragende Kostbarkeit. Zeigt er doch die Feinfrequenz und Behutsamkeit auf, die uns allen in dem Moment der Resonanz eigen ist, wenn wir der Liebe (wieder oder zum ersten Mal) begegnen.
Nur von dort aus können wir maßnehmen (erkennen und feststellen) inwieweit Weltpolitik, Wirtschafts-, Gesellschaftsordnung, whatever … oder wir selbst … vom eigentlichen Leben abweichen. Es ist die Perspektive des Neugeborenen. Alles andere ist Breaking Glass.
Glaub nicht alles, was du denkst …
Und überhaupt: Die Texte des Albums mit ihrer in biblisch-apokalyptischen Bildern verpackten radikalen Zivilisationskritik sind gut 45 Jahre nach ihrem Erscheinen allemal eine neuerliche Betrachtung und Interpretation (aus heutiger Perspektive) wert. Hier die komplette Tracklist mit sämtlichen Lyrics. Allein schon die Titel der Songs lassen Freunde und *innen der gepflegter Metapher interessiert aufhorchen: “Writing On The Wall” (Menetekel), “Monsters In Disguise” (Angepasstendiktatur) oder “Big Brother” (Kontrolle, Überwachung, Zensur). Ein zeitloses Aufbegehren.
In dieser Hinsicht hat Breaking Glass ein noch darüber hinaus weisendes und aus heutiger Sicht geradezu prophetisches Stück zu bieten, nämlich “Eighth Day”, ein an die biblische Vorlage angelehnter alternativer Schöpfungsmythos, in welchem der Mensch am vorletzten Tag “zu seinem Ebenbild” Maschinen erschafft, die am achten Tag durchdrehen und das biologische Leben auf dem Planeten zerstören. Soweit, so gruselig. Passt allerdings, wiewohl vor 45 Jahren ausgesagt, erstaunlich präzise in die derzeitige Diskussion rund um die Gefahren künstlicher Intelligenz:
In our image, let’s make robots for our slaves
And he said, “Behold what I have done
On the eighth day machine just got upset
He said, “Behold what man has done
Na dann, Gute Nacht
In dieser Folge ist Stephan Weber zu Gast – 24 Jahre alt, Läufer beim TSV Mattighofen. Aufgewachsen in Handenberg und heute in Schalchen, hat er vor rund fünf Jahren mit dem Laufen begonnen und ist seit zwei Jahren wettkampforientiert unterwegs. Aktuell bereitet er sich auf den Vienna City Marathon vor – mit dem Ziel, unter 3 Stunden zu bleiben. Wir sprechen über seinen Weg, seine Motivation und die Faszination Langstrecke.
Hinweis: Seit dieser Staffel ist der Podcast nun auch auf Spotify unter „Unterhaus-Stories FM“ verfügbar. Die vorherigen Folgen sind weiterhin in der Mediathek abrufbar. Hier alte Folgen durchstöbern.
Foto: Friedl
Musik (Intro): Band „Junger“ – verwendet mit freundlicher Genehmigung.
Die Unterhaus-Stories werden auch einmal im Monat im FRI Ausbildungsradio ausgestrahlt. Selbstgemachtes Ausbildungsradio, werbefrei und bunt gemischt mit Beiträgen aus dem Leben der Menschen im Innviertel. Wir machen Menschen und ihre Geschichten hörbar. Bei uns entscheidest du nicht nur, was du hörst, sondern wirst auch selbst Radiomacher. radio-fri.at/
Rund 60 Personen – fast ausschließlich in Österreich wohnende Afghan*innen – protestierten am 11. April 2026 vor der UNO-City (Muhammad-Asad-Platz) gegen die Luft- und Bodenangriffe des pakistanischen Militärs auf Afghanistan, insbesondere auf zivile Ziele, bei denen bis jetzt schon hunderte Zivilist*innen ihr Leben verloren haben.
Alle Redner*innen waren eingangs aufgefordert worden, nur zum Thema Pakistan und dessen Angriffe auf Afghanistan zu sprechen und davon nicht abzuweichen, damit die Botschaft der Kundgebung klar bleibt.
Aufnahme der Reden.
Es stehen zwei Versionen zur Verfügung:
Klimaaktivist, Antifaschist und Autor: Das ist Jakob Springfeld. Er war am vergangenen Freitag in Leipzig und am Sonnabend in Rostock zu Besuch, im Handgepäck sein aktuelles Buch, aus dem er vorlas. Da die tagesaktuelle Redaktion von Radio CORAX gerade zu Besuch beim Schwesternsender LOHRO, also dem Lokalradio der Hansestadt Rostock, war, traf sie Jakob Springfeld eben dort nach seiner Lesung an. Eingeladen nach Mecklenburg-Vorpommern hatte ihn das Landesnetzwerk Eine Welt. Im Gespräch ging es zunächst eben um das Buch selbst, sein nun schon zweites Werk, aber auch um antifaschistischen Aktivismus – gerade mit Hinblick auf die bevorstehenden Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern. Abwertungserfahrungen, strukturelle Ungleichheiten und das Erstarken rechter Ideologien sind Ausgangspunkte überall, in Ostdeutschland, aber auch in West – und zugleich immer wieder revolvierende Elemente seiner Analyse und so auch in der Lesung am vergangenen Samstag in Rostock.
Zwischen dem vollsten Strandabschnitt Rostocks und der Einfahrt zu Überseehafen steht ein historisches Baudenkmal: der Leuchtturm von Warnemünde. 1898 in Betrieb genommen, ist er auch heute noch in Gebrauch. Dass er von neugierigen Menschen auch besichtigt werden kann, ist aber nicht ganz selbstverständlich – das ist nur möglich durch das Engagement der ehrenamtlichen vom Warnemünder Leuchtturmverein, welche ihn in Schuss halten und von Ostern bis November für Besucher*innen öffnen. Die Tagesaktuelle Redaktion hat den Leuchtturm besucht.
Die Umsetzung des Dekrets Nummer 13 wird von der syrischen Übergangsregierung als eine Assimilationspolitik umgesetzt: Für viele kurdische Menschen ist die Anerkennung ihrer Identität noch nicht vollumfänglich ausgeführt. Auch für die Drus*innen in Nordost-Syrien herrschen noch Hürden, um in die eigenen Häuser und Wohnungen zurückzukehren. Letzte Woche demonstrierten die Arbeiter*innen aus Rakka gegen die syrische Übergangsregierung, wegen der unzureichend hohen Preisen für Grundnahrungsmittel.
Überall engagieren sich Menschen für das Miteinander in unserer Gesellschaft, doch richtig sichtbar ist dieses große zivilgesellschaftliche Engagement in der politischen Debatte eher selten. Zusammen Bewegen in Mecklenburg-Vorpommern ist dabei das zu ändern. Viele Personen aus zivilgesellschaftlichen Initiativen und Vereinen haben sich darin zusammengefunden, um landesweit Engagement zu vernetzen und soziale Themen sichtbar zu machen, natürlich auch gerade jetzt wo der Landtagswahlkampf im Bundesland an Fahrt aufnimmt. Radio Corax sprach mit der Sprecherin für das Bündnis Ina Gross über ihre Ziele und die Wirkung, die sie damit für eine demokratische Gesellschaft entfalten wollen.
From the publisher's feed