Ein Kommentar von Bernhard Loyen.
Ist ihnen auch so warm? Woran liegt es denn bei ihnen? An den aktuellen Temperaturen, ausgehend vom Monat Juni, an der viel diskutieren Klimaveränderung, oder am rauchenden Kopf, aufgrund der gesellschaftlichen Klimaveränderungen?
Wie steht es um das gesellschaftliche Klima in unserem Land? Es wird beherrscht von hitzigen Diskussionen. Heißen Auseinandersetzungen, um die definitive Deutungshoheit. Nicht wirklich ein neues Phänomen, aber zur Zeit brennt die Menschheit, dieses Land regelrecht darauf, sich täglich argumentativ zu überbieten.
Vorrangige Gründe: das Versagen der Alten, die vermeintliche Rebellion der Jungen. Das Versagen der Politik, die vermeintlich politisierte Jugendrevolution (in der aktuellen Spiegel Ausgabe Rezoluzzer genannt). Die einzige Diskussion, das Thema, ausgetragen über das Internet, ein wenig auf der Straße: Das Klima mit allen seinen Facetten.
Man sollte nun den Kindern und Jugendlichen ihre Voreingenommenheit verzeihen. Sie sollen schon alleine entdecken, erkennen und verstehen. Das Problem für, bzw. bei dieser Generation? Sie entdecken individuell nur bedingt alleine. Ihnen wird zu vieles zugeführt. Praktisch, quadratisch und gut verpackt, in leicht verdaulichen Lernhäppchen. Favorisiert im Videoformat. Moderne Zeiten bedeutet easy living. Warum zu Symposien, zu Demonstrationen, Diskussionen, in die Bibliothek gehen. Google bringt mich über YouTube zum Ziel.
Das ist jetzt wieder too much „alter-weißer-Mann Rhetorik“, aber der Rat für kulturelle Bildung (ein Konglomerat u.a. von der Bertelsmann Stiftung, Deutsche Bank Stiftung, Robert Bosch Stiftung), wusste am 04.06. zu berichten, Zitat: Audiovisuelles Lernen in Form von Webvideos ist für Jugendliche zwischen 12 und 19 Jahren von großer Bedeutung und ein ganz normaler Teil ihres Alltags. Die Video-Plattform YouTube ist mit einer Nutzung von 86 Prozent der befragten Schüler und Berufsschüler eines ihrer digitalen Leitmedien. Fast die Hälfte der YouTube nutzenden Schülerinnen und Schüler (47%) ziehen hier selbstständig Erklärvideos für das schulische Lernen heran, beispielsweise für Hausaufgaben oder Prüfungen…(1)
Wie gestalten sich die Auswahlkriterien? Zitat: Bei der Auswahl von YouTube-Videos greifen der Studie zufolge 91 Prozent auf Empfehlungen von Freunden zurück, zu 65 Prozent auf Influencer, zu 44 Prozent auf Tipps von der Familie. Auf Tipps von Lehrern gehen 30 Prozent ein (2). Eine völlig deformierte Bildungspolitik kapituliert, um gleichzeitig ansatzweise mit den Zukunftstechnologien überfordert zu kooperieren. Deutschland schafft sich ab.
Kein Vorwurf, nüchterne Realität
Der Gang in die Bibliothek, in die Uni, an das Bücherregal der Eltern und Geschwister ist nun eben letztes Jahrhundert. Nein, natürlich nicht alles auf YouTube dient der Förderung von Schwachsinn, Oberflächlichkeit und Unnützem.
Da gibt es zum Beispiel gerade den YouTube Kanal: Gewitter im Kopf. Zwei sehr sympathische junge Menschen, befreundet seit Schultagen, erzählen den Alltag des Hauptprotagonisten mit der Diagnose Tourette. In seinem beeindruckenden Fall in einer Mischform. Verbal und körperlich. Diese Videos sollen die Angst vor dem Unbekannten, dem Missverständnis, die Hemmnis normal zu reagieren, nehmen. Es gelingt. Sehr sehenswert und ein Gewinn für beide Seiten (3).
Die Gefahr beim Phänomen YouTube liegt bei der Ablenkung vom Wesentlichen, der Gefahr inhaltlicher Oberflächlichkeit. Vor allem über diese unglaubliche Menge, diese Masse an manipulativen Videos, unbegleitet und ungefiltert freigegeben auf interessenshungrige junge Menschen, denen jegliche Vergleichsmöglichkeiten, Abwägungen fehlen. Weil, sehr verständlich, die Begleitung durch Ältere verbittet man sich. Kein neuzeitiges Phänomen, jedoch das Info-Gewitter, der Daten-Flash im Kopf für die heutige Jugend.
Ein paar Sätze an die jüngeren Hörer und Leser.