Der Leiter des Godi Amriswil plädiert für Grosszügigkeit
Der Godi Amriswil entstand vor gut 25 Jahren – als der heutige Leiter Marc Bommeli fünf Jahre alt war. Der Godi wurde 1999 von der Chrischona Amriswil gegründet, wobei sich die evangelische Kirchgemeinde schon bald meldete und Teil des Projekts sein wollte. Es kamen in der Folge immer mehr Trägergemeinden dazu. Heute finden zehn Godis im Jahr in der Stadthalle von Amriswil statt, das heisst, ungefähr einmal im Monat. Der Godi ist ein Gottesdienst «aus der Region für die Region, von Jugendlichen für Jugendliche», wie es Bommeli beschreibt.
Der Godi wird vor allem von Jugendlichen gestaltet: die Musik, die Moderation, die Predigten – wobei ab und zu auch externe Rednerinnen und Redner eingeladen werden. Es kommen rund 500 Personen ins Pentorama, die Stadthalle von Amsriswil.
Der Godi wird unterdessen getragen von zehn Kirchgemeinden aus Frei- und Landeskirchen. Das hat Wirkungen über den Jugendgottesdienst-Bereich hinaus: «In diesen 25 Jahren ist unter diesen Kirchen auch Vertrauen entstanden, weil man eben im Godi zehn Mal im Jahr zusammenarbeitet», sagt Bommeli im Podcast «Aufwärts stolpern» des Landeskirchen-Forums.
Das Team ist entscheidend
Podcast-Co-Host Lukas Huber will wissen, warum es den Godi Amriswil noch heute gibt, da doch andere wie jener in Schaffhausen längst Geschichte sind. «Wir haben immer wieder Projekte gestartet, die dazu geführt haben, dass das Team eng zusammengerückt ist.» Wenn das Team am auseinanderbröckeln sei, werde es schwierig, auch wenn viele Leute kommen. Auch im Thurgau haben mehrere Godis aufgegeben. «Das Team ist entscheidend.»
Das Team des Godi Amriswil kommt aus verschiedenen Kirchen. «Ich achte sehr darauf, dass das Team nicht nur aus einer Kirche kommt.» Es gehöre auch zum Konzept, den Godi nicht in einer festen Kirche – oder in wechselnden Kirchen – zu feiern, sondern im Pentorama, in der Stadthalle, auch wenn man da ganze Infrastruktur jedes Mal auf- und abbauen muss.
Der Godi ist selber keine Kirche, sondern ein grosser Jugendgottesdienst als Unterstützung für die zehn Trägerkirchen. Der Godi biete zum Beispiel keine Kleingruppen an. Abgesehen davon reichen zehn Treffen im Jahr nicht aus, um wirklich Beziehungen aufzubauen. Und speziell viele Jugendliche suchen den häufigeren Kontakt und besuchten häufig andere kirchliche Anlässe. Das bestätigt auch Co-Host Anna Näf aus ihrer Tätigkeit als Jugendarbeiterin.
Damit in der Kirche vor Ort weitergehen kann, was im evangelistischen Jugendgottesdienst angefangen hat, braucht es aber Anpassungen. «Ich sage den Verantwortlichen in den Gemeinden immer wieder, dass sie sich ein bisschen dem Godi anpassen müssen, wenn sie wollen, dass die Jugendlichen nachher in ihre Kirche kommen.» Die Jugendlichen sollten keinen absoluten Kulturschock erleben, wenn sie eine der beteiligten Kirchen besuchen; sie sollten zum Beispiel mindestens ein Lied aus dem Repertoire des Godi mitsingen können oder ein anderes Element des Godi wiedererkennen.
«Wenn es nicht mehr funktioniert, hören wir auf»
Die Frage stellt sich trotzdem: Haben grosse Jugendgottesdienste eine Zukunft? Bommeli gibt sich gelassen: «Solange es funktioniert, machen wir es.» Das Ziel des Godi sei, junge Menschen näher zu Gott zu bringen. «Und wenn das morgen im Godi nicht mehr geschieht, hören wir auf, und das wäre ok.»
Das gilt auch sonst für den Jugendpastor der Vivakirche Romanshorn. Unter Umständen sei es durchaus angesagt, Gottesdienste einzustellen oder auch Kirchen zu schliessen, um anderswo eine neue Gemeinde zu starten, sagt Bommeli.
Dass im Godi Frei- und Landeskirchen zusammenarbeiten, erklärt Marc Bommeli ganz einfach: «Das ist Beziehungssache.» Vor 25 Jahren hätten eine Freikirche und eine reformierte Kirchgemeinde gemeinsam gestartet und die anderen Gemeinden hätten zugeschaut und sich gefragt: «Warum klinken wir uns da nicht auch ein?»
Dabei hätten konfliktlive Themen wie die Frage von Kinder- oder Erwachsenentaufe die Gemeinden nicht davon abgehalten, zusammenzuarbeiten. «Es ist allen klar: Wir wollen, dass junge Menschen Jesus kennenlernen; in den anderen Themen sind wir uns einig, dass wir uns nicht einig sind, und lassen einander stehen.»
Bommeli plädiert auch sonst für Grosszügigkeit: Wenn junge Menschen seiner Kirche zum Beispiel wegen der Liebe wegen die Kirche wechseln, dann sei das absolut in Ordnung. «Sorge mache ich mir, wenn Menschen wegen der Liebe den Glauben aufgeben, nicht wenn sie gemeinsam in eine andere Kirche gehen.»
Freiwillige wachsen nicht auf Bäumen
Viele landeskirchliche Gemeinden haben Mühe, Menschen zu finden für ihre Ämter und schielen manchmal neidisch auf Freikirchen, die immer viele Freiwilligen zu haben scheinen. Dass Freikirchen automatisch viele unbezahlte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben, hält Bommeli für einen Mythos: «Freiwillige wachsen nicht auf den Bäumen.» Es sei harte Arbeit, Freiwillige zu gewinnen und auszubilden.
Das gilt auch für den Godi. Hier sei der professionelle Anspruch zweischneidig, zum Beispiel was die Technik angeht: Manche Menschen zieht das hohe Niveau an, andere haben den Eindruck, das sei eine Schuhnummer zu gross. «Da braucht es viele Gespräche, um ihnen zu zeigen, dass man keine zu kleinen Schuhe anziehen sollte, sondern dass es möglich ist, in eine grössere Schuhnummer hineinzuwachsen.
Was die Kirchgemeinde mit Ambitionen von seinen Erfahrungen lernen könne, fragt Co-Host Anna Näf. Entscheidend sei, was schon Jesus gesagt habe: Liebe Gott mit allem, was du hast und deinen Nächsten wie dich selbst. Wenn das im Zentrum steht, fangen Menschen an, sich zu engagieren, und die Zusammenarbeit mit anderen Kirchen werde viel einfacher.
Die ganze Episode mit Marc Bommeli kann man hier nachhören: https://aufwaerts-stolpern.podigee.io/85
Wer in den Shownotes suchen will, findet sämtliche Shownotes auf einer Seite: https://www.ref-sh.ch/aufwaerts-stolpern-shownotes
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