Warum werden aktuell gerade junge Leute auf SocialMedia für NetworkMarketing rekrutiert ? Was sagt die Verbraucherzentrale dazu? Und, wie läuft es hinter den Kulissen eigentlich wirklich ab?
Hast du überhaupt schon von dem Begriff „NetworkMarketing“ bzw. „Multi Level Marketing“ gehört? Falls nicht gibt es hier eine kleine Definition.
Angefangen hat NetworkMarketing bzw. Strukturvertrieb, bzw. Multi-Level-Marketing in den USA. In den 30er bzw. 40er Jahren als es der Wirtschaft nicht ganz so gut ging suchte man sich quasi neue bzw. andere Wege um an Geld zu kommen. Im Grunde steht die Weiterempfehlung von Produkten im Fokus des Geschäftsmodells. Psychologisch ganz geschickt gemacht. Denn, man kauft ja eher ein Produkt von jemandem der mir das empfiehlt und den ich kenne, als von einer Person, die mir völlig fremd ist. Die Firmen machen nun Folgendes: Sie stellen selbstständige Mitarbeiter ein, die sich im besten Fall mit dem Produkt selbst identifizieren können und diese sollen dann im eigenen Familien- und Freundeskreis verkauft werden. Hier besteht ja schon ein Vertrauensverhältnis. Und mein bester Kumpel wird mir ja keinen Schrott andrehen, bzw. wird mich mein eigenes Kind ja nicht übers Ohr hauen. Wenn man sich entscheidet als selbstständiger Vertriebler zu arbeiten muss man sich quasi in die jeweilige Firma einkaufen. Mit einer Investition, also selbst die Produkte erwerben. Durch das Gewinnen weitere Vertriebspartner zahlt dann die Firma Provisionen und man generiert damit dann mehr Umsatz.
Mir fällt gerade bei SocialMedia, vor allem bei TikTok ganz extrem und Instagram auf, dass immer mehr Personen davon sprechen, wie einfach es doch ist ganz bequem von zu Hause aus ein Nebeneinkommen zwischen 250 - 2500€ im Monat zu verdienen, nämlich genau mit dieser Art von NetworkMarketing. Gezeigt werden dann beispielsweise Personen, die im Pool schwimmen, am Strand liegen, einen Cocktail in der Hand halten, an einem vermeintlichen Urlaubsort sich aufhalten, dort arbeiten und anscheinend, dass perfekte Leben leben, ohne viel Arbeitsaufwand. In den Postings finden sich dann Hinweise wie:
Keine Verpflichtung
Kein Risiko
Man braucht keine große Reichweite, wenn man starten möchte.
Spannend ist schon, dass die Personen mit den Punkten anfangen, die vielleicht abschreckend sind um mitzumachen. Also hier soll anscheinend schon bewusst der simpelste Impuls gesetzt werden, dass das alles scheinbar sehr unkompliziert und risikoarm abläuft. Aber genau das, finde ich persönlich ist schon sehr bedenklich.
Anschließend kommen die Punkte, die das Leben dann anscheinend sehr lebenswert machen:
Flexibel und von überall
Individuelles Coaching und persönliche Unterstützung
Nebeneinkünfte in 3 bis 4 stelliger Höhe
Aber, wie schön, ist denn eigentlich das Leben wirklich? Vor Gefahren und Stolpersteinen wird erstmal nichts gesagt.
Gehen wir kurz zurück in die Vergangenheit:
Es ist Sonntag, der 24.07.2022 und ich bekomme seit Tagen in meiner TimeLine Postings und Videos angezeigt von angeblich sehr zufriedenen Menschen, die z.T. Ihren alltäglichen Job geschmissen haben (bzw. Teilzeit arbeiten) und sich nun ein tolles neues Leben in der Selbstständigkeit aufgebaut haben. Im Hintergrund dudelt entspannte Musik bei den Videos, es sind großartige Urlaubsbilder zu sehen und immer wieder der Hinweis, wenn auch ich so ein Leben frühen möchte, soll ich einfach mal mit „Info“ kommentieren. Alles klar, dann tippe ich jetzt mal „Info“ hier in die Kommentare und schaue mal, was passiert. Ich habe mir wahllos einmal fünf solcher TikToker bzw. Instagrammer ausgesucht. Meine Erwartungen: eigentlich keine bis auf die Tatsache, dass mir bestimmt Produkte angedreht werden, die ich verkaufen soll. Am Besten wohl noch an meine Freunde und Familie, weil dort am schnellsten Geld zu verdienen ist. Das Vertrauen ist ja da. Und, dann bin ich mal gespannt, ob ich auch von deren Seite aus auf Gefahren oder Stolperstellen hingewiesen werde oder ob ich da aktiv nachfragen muss?! Außerdem bin ich gespannt darauf zu erfahren, ab wann der Punkt kommt, wo ich selbst auch andere rekrutieren sollte, damit das Netzwerk schneller wächst und, wie hoch wird denn der Aufwand wirklich oder ist es tatsächlich nur ein Bruchteil der Freizeit, die ich aufbringen muss. Also, warten wir einfach mal ab, wer und vor allem wie schnell sich die Personen melden. Ich bin mal gespannt, ob sich überhaupt erst mal jemand melden wird, denn ich habe die Interessenspostings alle vom offiziellen „B redet“ - Podcastaccount geschrieben und nicht über einen Privaten oder „Fake“-Account. Alle Personen die ich hier teste bleiben natürlich auf Grund des Datenschutzes anonym.
In der Zwischenzeit habe ich meine Podcasthörer:innen und Follower auf SocialMedia zum Thema „NetworkMarketing“ befragt und das hier sind die Ergebnisse, die allerdings NICHT repräsentativ sind:
71% kennen oder haben schon etwas über oder von NetworkMarketing gehört. 68% gehen davon aus, das sich dahinter ein Schneeball bzw. Pyramidensystem versteckt. 39% haben selbst schon einmal mit NetworkMarketing Erfahrung gemacht. Und von denen 67% gaben an, dass es schlechte Erfahrungen waren. 33% haben hingegen gute Erfahrungen gemacht. 65% bekommen in letzter Zeit häufiger solche Postings auf SocialMedia angezeigt und überwiegende 93% sagen, dass diese Art von Marketing Gefahren mit sich bringen. Zum Beispiel: finanzielle Risiken, hoher Erwartungsdruck an das System, schlechte Qualität der Produkte die man verkaufen soll, und das die Ziele bzw. Vorgaben unerreichbar sind. Ich habe auch gefragt welche Firmen meine Follower mit NetworkMarketing in Verbindung bringen und da wurde ganz direkt und häufig LR genannt, gefolgt von Ringana, Tupperware, Mary K.r
Kleine Zwischeninfo am Rande knapp 40 Minuten nach meiner ersten Nachricht an eine Influencerin habe ich schon eine Nachricht bekommen, ich solle mal in meinem Instagram Postfach nachschauen. Machen wir gleich. Und 90 Minuten später hat sich der erste auf TikTok gemeldet und möchte gerne meine private Handynummer haben. Schauen wir gleich mal genauer hin. Und generell: es haben sich alle irgendwann zurückgemeldet.
Einer, der dieses NetworkMarketing in der Vergangenheit ausprobiert hat ist Basti.
Bei Basti waren es zwei Punkte die ihn dazu gebracht in diesem System mitzuarbeiten: einmal weil es die Klassenkameradin war, die er gut kannte aber er war auch von den Produkten überzeugt. Ein anderer Anreiz war aber die Tatsache, dass es für ihn eine Chance bot neben der Ausbildung noch etwas dazuverdienen zu können. Basti hatte in seinem Fall aber Glück, denn seine ehemalige Klassenkameradin war so ehrlich um ihn auch auf Risiken hinzuweisen:
Auch Basti hat zu Beginn die Produkte im eigenen Freundes- und Familienkreis verkauft. Der Grund bzw. die Argumentation der anderen Vertriebler ist ziemlich eindeutig und spiegelt auch meine Erfahrung wieder
Irgendwann kam auch dann für Basti der Zeitpunkt an dem er angefangen hat andere Personen für sein Geschäftsmodell zu begeistern. Das hat aber nicht so funktioniert:
Basti wurde natürlich vor der Akquise neuer Personen auch gecoacht. Und da zeigt sich jetzt das, was ich die ganze Zeit auch schon vermutet habe, weil es sehr eindeutig war. Die Argumente klingen bei allen Vertrieblern gleich und dementsprechend gibt es vorformulierte „Textbausteine“ nenne ich es mal, die man sagen solle, wenn zum Beispiel jemand argumentiert, dass das ja ein Schneeballsystem ist.
Wenn man sich dieses Geschäftsmodell noch einmal näher anschaut, stellt man fest, und möglicherweise ist der Vergleich für den ein oder anderen etwas übertrieben, dass es hier fast sektenähnliche Strukturen gibt: Mann kann sich von Stufe zu Stufe hocharbeiten und genießt dadurch weitere Privilegien. Also quasi wie bei Scientology. Die nächste Stufe ist in greifbarer Nähe. Basti hat da auch seine Erfahrungen gemacht und erzählt von einem Treffen, das rückblickend doch sehr strange für ihn war:
Auch für die Verbraucherzentrale in Deutschland ist diese Art von Geschäft ein spannendes und beobachtbares Thema. Für Dr. Annabel Oelmann von der Verbraucherzentral in Bremen ist das Modell des Multi-Level Marketings nicht ohne.
Für Frau Dr. Oelmann ist es auch keine große Überraschung, dass gerade junge Leute über SocialMedia aktuell angesprochen werden. In Ihren Augen, aus Sicht der Vertriebler eine geschickte Strategie, denn die Zielgruppe hat relativ wenig Lebenserfahrung, kann das Geschäftsmodell vielleicht gar nicht so gut einordnen und als großer Punkt, die Vertriebler kommen ziemlich easy an die Personen ran, über SocialMedia Kanäle. Speziell für Jüngere gilt es aufzupassen, wie Frau Dr. Oehlmann sagt:
Das größte Risiko bei solchen Geschäftsmodellen ist die Einmalinvesition. Also der geheime Tipp, die geheime Währung und anderes, wo man einmalig Geld in die Hand nehmen kann, bzw. muss oder soll und damit sehr viel Gewinne machen kann.
Aber wenn wir uns auf das Vertriebsmodell konzentrieren auch die Tatsache, dass man es sich mit Familie und Freunde verscherzen kann, wenn es mal nicht so klappt, wie von vielen beschrieben. Das kann dann auch schon mal eine Familie oder eine Freundschaft zerreißen und die ständigen Produktempfehlungen bzw. -anspreisungen nerven auch mit der Zeit. Für das akquirieren von neuen Vertriebspartnern wird in offiziellen YouTube Videos, in denen das Geschäftsmodell vorgestellt wird auch nicht davor zurückgeschreckt, Ängste zu schüren. Beispielsweise in dem YouTube Video von Jan, in dem es darum geht, das wohlmöglich bald viele einen Zweitjob brauchen, weil Sie nicht mehr über die Runden kommen. Das Video stammt aus dem Jahr 2021, hören wir mal rein.
Das klingt schon erstmal für Personen eventuell sehr einschüchternd, die für solche Aussagen von wohlmöglichen Vorhersagen empfänglich sind und könnte auch ein stilistisches Mittel für die Gewinnung neuer Vertriebspartner sein, denn…
Eine s.g. „Influencerin“ hat auf meine Frage: an wen ich denn am besten am Anfang verkaufen sollte geantwortet, dass es hier keine wirkliche Empfehlung gibt, aber Zitat: „(…)viele fangen i.d. Familie an wenn da gesundheitliche Schwierigkeiten sind kann man da auch sehr gut mit umgehen und die Produkte anbieten.“ Zitat Ende. Hier wird quasi schon suggeriert, dass ich mit meinen Produkten die Gesundheit meiner Familienmitglieder verbessern kann. In meinen Augen ist diese Aussage aber schon sehr gewagt und man befindet sich hier auf sehr dünnem Eis. Findet auch Dr. Oelmann von der Verbraucherzentrale Bremen.
Häufig fällt im Zusammenhang mit NetworkMarketing der Begriff „Schneeball- bzw. Pyramidensystem. In dem man von anderen Profitiert die im gleichen System mitmachen. Ein Influencer fasst das einer Sprachnachricht an mich eigentlich, vielleicht auch unbewusst schön zusammen. Zitat: „ Ich baue mir dieses Team halt auf. Wenn die Leute unter mir, die ich im Team habe auch die Stufen erreichen durch meine Hilfe werde ich natürlich prozentual an dem beteiligt. Dementsprechend hast du durch den Teamaufbau natürlich später wenn es dann von dem Teamaufbau passt und dein Team die Stufen erreicht verdienst du natürlich auch mehr Geld. Viele sagen, das ist ein Schneeballsystem oder das ist dies. Aber die meisten Leute wissen gar nicht, was ein Schneeballsystem ist.“ Zitat Ende. Geben wir doch die Aussage weiter an Frau Dr. Oehlmann, hat er recht und es ist gar kein Schneeballsystem oder wie schätzt sie es ein?
Wenn man alles bisher besprochenen Punkte aus der Sicht der Verbraucherzentrale zusammenfasst, kommt man zu folgendem Fazit:
Betrachten wir das ganz System auch noch einmal aus der Sicht der Wirtschaftspsychologie bevor wir uns einmal den Kontakt mit den Vertrieblern direkt anschauen. Lotte arbeitet als Wirtschaftspsychologin und versuchst uns mal mitzunehmen hinter die Verhaltensweisen, der Vertriebler wo eines schnell ganz klar ist: Die Motivation steht im Vordergrund und die entsteht in diesem System ganz schnell:
Also das sind die Anreize auf die möglicherweise Personen die das auf SocialMedia sehen anspringen. Die Aussicht auf Erfolg aktiviert bei vielen ein unterbewusstes Schema das vielleicht das rationale Denken auch an Konsequenzen ersetzt. Das das möglicherweise sich auch zu einer Art Sucht oder Rausch entwickelt sieht auch die Wirtschaftspsychologin. Sobald es um Gefühle geht, in diesem Fall positive Gefühle, aktiviert sich auch das eigene Belohnungssystem und als Konsequenz daraus resultiert:
Also im Grunde wie eine Art Droge die in einem wirkt. Also nicht nur bei Substanzen kann sich hier eine Art Rausch entwickeln, sondern auch Verhaltensweisen haben genau diese Eigenschaft. Unmittelbares Feedback, also beispielsweise der Blick auf den Kontoauszug, wenn dann das Geld fliesst, fördert natürlich auch solch eine Art Rausch und das Verlangen nach mehr. Aber auch die Wahl der Worte, haben eine große Auswirkung auf das Gegenüber. Auffällig ist, dass in vielen SocialMedia Positngs und YouTube Videos mit starken Begriffen, Superlativen oder Adjektiven gearbeitet wird. Also, extrem wenig Geld, viel freie Zeit… Das ist ein bewusst eingesetztes stilistisches Mittel um beim Empfänger der Worte natürlich auch wieder Emotionen auszulösen mit denen man dann wieder als Vertriebler arbeiten kann.
Auch das ganz bewusst junge Personen und junge Mütter die perfekte Zielgruppe für die Vertriebler auf SocialMedia sind, ist für die Wirtschaftspsychologin keine große Überraschung
Und dieses Phänomen der „jungen Mütter“ zeigt sich auch bei meiner Recherche. Ich habe mich bei fünf Influencer als interessierte Person an diesem Geschäftsmodell ausgegeben und wollte wissen, diese mit mir als neuen „Vertriebler“ umgehen. Und ich werde in der Vorbereitung immer wieder auf das Argument stoßen: „ich bin eine junge Mutter und wollte mein Kind nicht früh in die Betreuung geben, weil ich dem Job außerhäusliche nachgehe - deswegen ist dieses Business so toll für mich.“
Aber zurück zu den SocialMedia Personen in Summe. Hier unterscheidet sich die Art und Weise wie mit mir umgegangen wird doch sehr. Es gibt Personen die kommunizieren über die SocialMedia Kanäle und wollen erstmal viel Privates über mich erfahren: was mein Job ist, was ich früher gemacht habe, warum ich plötzlich Interesse an dem Buisness habe. Dann gibt es die anderen Personen, die direkt meine Handynummer haben wollen, damit der Kontakt schneller funktioniert und man sich Sprachnachrichten und Videos zuschicken könnte. Habe ich dann auch gemacht. Aber natürlich nicht meine Privatnummer rausgegeben, sondern die vom Podcasthandy. Hätten die Personen hier recherchiert, müsste es Ihnen eigentlich aufgefallen sein. Es dauert auch nicht lange, dass ich Links von rund 24 minütigen YouTube Videos erhalte. Die ich mir natürlich anschaue. Bemerkenswert ist, dass die Videos, die ich angeschaut habe immer einem gleichen Muster und Aufbau folgen:
Zu erst wird sich, meist als Familie, vorgestellt und das Argument der Familie und der Kinder wird wieder angeführt, was wir schon kennen. Auffällig ist auch, das während der 24 Minuten immer wieder mit starken Adjektiven gearbeitet wird: „extrem wenig Geld im alten Job“, „große Freiheit in Entscheidungen“, „super schlechte Bezahlung vorher“. Anschließend werden wieder die Vorteile benannt, die wir schon angesprochen haben weiter vorne i.d. Folge. Geködert wird man außerdem mit tollen Bildern von Autos, Parties und Prominente. Es fallen Aussagen wie, das „wir“ mit Bruce Willis arbeiten oder mit Guido Maria Kretschma. Natürlich spielt hier auch mit der angeblichen Exklusivität, die man erhält, wenn man mitmacht. Klingt natürlich erstmal super. Aber von Stolperstellen und Risiken hört man weiterhin erstmal nichts. Zum Teilen werden hochprofessionelle Firmenvideos ins eigene Video eingebettet. Nach ungefähr der Hälfte des Videos kommt es dann das erste Mal dazu, dass man erklärt bekommt, wie man denn nun die Produkte verkauft und wie es funktioniert. Entweder durch den direkten Verkauf oder durch Weiterempfehlung bzw. Aufbau eines eigenen Teams. Das dauert aber im Schnitt nur 2-3 Minuten denn dann geht es häufig schon wieder um große Zahlen und mögliche Einkommensverdienste. Da ist es dann auch nicht unüblich mit 850.000€ zu argumentieren. Bzw. Es werden Kontoasuzüge von eigenen bzw. Andere Verdienste aus dem Team gezeigt. Vor allem auch die Entwicklung: vom ersten „Gehalt“ bis zum Aktuellen. Hervorgehoben wird immer wieder die Chancengleichheit und das jeder mitmachen könnte.
Den größten Unterschied gibt es aber, wenn es darum geht, das man sich erstmal „einkaufen“ muss ins System. Also selbst erst einmal Geld investieren muss, bevor man welches generiert. Und hier baut alles auf einem Punktesystem auf. Wenn man Produktpakete beispielsweise von LR kauft, bekommt man Punkte. Mit diesen Punkten steigt man dann die Karriereleiter rauf um mehr Gehalt zu bekommen, bzw. Tollere Autos. Stand im August, bekommt man für ein Premiumpaket 1500 Punkte. Muss dafür aber rund 520 € erstmal selbst investieren. Ab 4 Tsd Punkte ist man „Junior Manager“. Wenn man das jetzt hochrechnet müsste man mindestens 1000 € erst einmal selbst investieren. Und das finde ich schon ne Menge Geld. Aber dieses „einkaufen“ wird so nicht immer ersichtlich erstmal.
Ich habe alle Vertriebler auf SocialMedia gefragt ob Sie mir raten würden, einen Kredit bei einer Bank aufzunehmen, damit ich schnell gut durchstarten kann. Hier muss man fairer Weise sagen, dass keiner mir zu diesem Schritt geraten hat.
Aber zu keiner Zeit in keinem Gespräch kam von den Vertrieblern der Hinweis, dass die Geschäfte natürlich auch Risiken bürgen: Man bleibt auf den Produkten evtl. sitzen, wenn man nicht gut verkauft. Das wird aber schnell mit dem Argument entgegen gesetzt, dass man dann einfach a.d. Verkaufsstrategie arbeiten muss. Aber in der Recherche zum Thema bin ich immer wieder auf Personen gestossen, die, unabhängig der Firma und Produkte, auf genau diesen nämlich sitzen geblieben sind. Hier fehlt eindeutig die Transparenz und Aufklärung, die gerade die Personen brauchen, die evtl. eh schon unsicher sind mit ihrem aktuellen Lebensstil.
Schwierig finde ich ein ein Posting auf TikTok. Ich weiß aktuell nicht welches Geschäftsmodell dahinter steckt, die Sie auf meine Nachrichten nicht reagiert. Aber sie wirbt ganz offen damit, dass man keine Gewerbeanmeldung braucht und das ist schlichtweg falsch. Hat man Einkommen aus selbstständiger Arbeit muss dies entweder als Kleingewerbe oder freiberufliche Tätigkeit dem Finanzamt gegenüber angezeigt werden. Hier sind es irreführende Informationen, die online gestellt werden.
Ich habe auf TikTok recherchiert, ob man solche Werbungsversuche der TikToker melden kann. Und tatsächlich kann man das. So geht es: wenn man solche Beitrage in der eigenen TimeLine angezeigt bekommt, geht man einfach auf das jeweilige Konto. Klickt auf die drei Punkte und wählt „melden“ aus. Dann das Szenario „Posten von unangemessenen Inhalten“ auswählen, weiter auf „Illegale Aktivitäten und reglementierte Ware“ und auf „Betrug und Schwindel“ klicken. Dort steht dann auch schon ganz direkt, dass unter die Communityverletzungen „Inhalte, die Schneeballsysteme, MultiLevel-Marketing oder Pyramidensysteme fördern“ fallen und somit meldefähig sind. Die Videoanleitung findest du auch bei mir auf SocialMedia und der Homepage. Das habe ich auch mal gemacht. Eine Stunde lang habe ich solche Inhalte gemeldet. Das Ergebnis: Stand jetzt bei der Aufzeichnung wurde keine einzige Meldung von TikTok angenommen, bzw. als Verstoß geahndet. Hier verletzt TikTok seine eigenen Richtlinien. Darauf angesprochen hat sich TikTok bis heute nicht dazu geäußert.
Allerdings hat eine TikTokerin, mit der ich Kontakt wegen dieses Geschäftsmodells aufgenommen haben, ihr Konto mittlerweile gelöscht, auf dem sie Werbung für MultiLevel-Marketing gemacht hat.
Auffällig war auch, dass in den Videos der Vertriebler häufig die Skyline von Dubai zu sehen ist. Und da habe ich mir die Frage gestellt, warum eigentlich immer wieder Dubai. Und ein Schelm, wer böses dabei denkt, aber, tadaaa es könnte sein, dass es mit Steuerbegünstigungen zu tun hat. Ich habe mal etwas gestöbert und im Netz eine Steuerberaterin gefunden, die das ganz gut erklärt.
Mein Fazit nach zwei Wochen Recherche zum Thema: Man ist schnell angefixt von toll klingenden Adjektiven und Beschreibungen, wie man gutes Geld verdienen kann. Und hier sehe ich auch noch einen weiteren Kritikpunkt: unterschwellig habe ich für mich eher rausgehört, dass es den Vertrieblern natürlich ums Geld geht, aber ich würde gerne mal wissen, ob die das auch machen würden, wenn sie vielleicht nur die Hälfte verdienen und das Interesse wirklich ans Produkt gekettet ist und nicht ans Geld. Ich glaube dann sähe vieles anders aus. Aufpassen sollte man bei solchen Geschäftsmodellen auf jeden Fall. Es werden unweigerlich Freunde und Familien mit in das System hineingezogen. Entweder als Kunden bzw. Als eigene Teammitglieder. Der letzte TikToker hat mir aber im Gespräch versichert, dass er seine Familie & Freunde bewusst aus dem System heraushält. Überprüfen kann ich das aber nicht. Und beachtet einfach, dass es finanzielle Risiken bürgt, weil man erstmal in Vorleistung gehen muss, bzw. Selbst Investitionen tätigen muss.
Alle Angaben, Quellen, Notizen und Links findest du auf meiner Homepage
Hier habe ich dir noch mehr Infos zusammen gestellt. Schau gerne noch einmal vorbei.
Definition NetworkMarketing:
Vorstellungsvideo Vertriebler von LR auf YouTubehttps://www.youtube.com/watch?v=1d0c-D5g6nc
Vorstellungsvideo Vertriebler von LR auf YouTubehttps://www.youtube.com/watch?v=qfgh_WttyIY
Informationen zum NetworkMarketinghttps://www.digital-sales.de/network-marketing/
Verbraucherzentrale Bremen
Homepage Verbraucherzentrale Bremen
Die Steuerberaterin auf TikTok
https://www.tiktok.com/@carina_hackl/video/7131285365322730757?is_from_webapp=1&sender_device=pc&web_id=7022591884044502534
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Homepage Podcast "B redet"
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