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Im Alten wie auch im Neuen Testament ist das Hirtenamt, also die Leitung des Gottesvolkes, keine eigene Ermächtigung, sondern ein Ruf. Diesen Ruf finden wir bei den Patriarchen, den Propheten und sogar bei den Königen im 1. Buch Samuel. Im neuen Bund ist es Jesus, der die Apostel wählt (Joh 15,16). Und sogar nach dem Ausscheiden von Judas, lassen die Apostel gleichsam Gott das letzte Wort in der Nachbesetzung durch den Losentscheid. Auf Eigenmächtigkeit liegt kein Segen, erinnert das Beispiel des Simon Magus im 8. Kapitel der Apostelgeschichte. Sein Name ist seither zum Synonym für den Kauf kirchlicher Ämter geworden – ein Missbrauch, der in der Geschichte vielfach das Licht Christi verdunkelt hat. Ohne Ruf, ohne Berufung gibt es kein dienendes, kirchliches Amt.
Die Frage nach dem Papst fällt in zwei Themenbereiche: Was war die Rolle des Petrus unter den Zwölf und hat dies eine Bedeutung nicht nur für die apostolische Zeit, sondern auch für die folgenden Generationen. Anders ausgedrückt: War Petrus der erste Papst und gehört das Papsttum zum göttlichen Plan für die Kirche durch die Zeit hindurch. Dies werden in den kommenden Folgen beleuchten. Wir wollen hier nicht mit der klassischen Passage in Mt 16 beginnen – dem Messiasbekenntnis und der Felsenstelle. Diese Stelle heben wir uns noch auf. Wir beginnen beim Abendmahl. Warum? Weil der für uns relevante Abschnitt zunächst eine Betrachtung des Herrschens und des Dienens enthält, die grundlegend ist, um jegliche Leitung in der Kirche richtig zu verstehen
In der letzten Folge haben wir die am weitesten verbreiteten protestantischen Kirchenbilder untersucht, die entweder eine unsichtbare Kirche postulieren – oder deren „zwei“ Kirchen letztlich im selben Gedanken der einen unsichtbaren Kirche münden. Doch es gibt auch protestantische Gruppen, die eine andere Anschauung entwickelt haben. Und wie verstehen Katholiken die Frage?
Unter all den christlichen Lehren ist das Papsttum mit Sicherheit nicht die Wichtigste. Die heiligste Dreifaltigkeit, die Göttlichkeit Christi, unsere Erlösung am Kreuz, unsere Rechtfertigung, die Eucharistie – all dies sind objektiv zentralere Sätze unseres Glaubens. Aber am Papsttum entscheidet sich die Frage: soll ich katholisch sein oder nicht. Joe Heschmeyer bringt es auf den Punkt: Stimmt die Lehre vom Papst, dann sollten alle katholisch sein. Stimmt sie nicht, dann sollte niemand katholisch sein.
Eine Reihe von und mit Kpl. Johannes M Schwarz Wenn man so wie ich, im Herzen ein stock-katholischer, ultrakonservativer – mit einem Wort – mit einem Schlagwort - : ein „schlimmer Katholik“ ist, dann hatte man es nicht ganz leicht in der letzten Zeit. Denn nachdem man jahrzehntelang in der Auseinandersetzung mit der Moderne unzählige Sätze mit der Einleitung begonnen hatte: „Aber der Papst sagt ...“ kommt dieser Satz nicht mehr so oft über die Lippen seit Franziskus auf dem Stuhl Petri sitzt – oder er kommt schmerzverzerrt in einem ganz anderen Zusammenhang. Doch Autoritätsbeweise, das sagte schon - der von uns allen hochvereehrte - Thomas von Aquin, sind von der schwächsten Art. Warum? Weil ein Autoritätsbeweis voraussetzt, dass der andere die Autorität anerkennt. Und eigentlich war dies auch genau der Grund, warum der brave konservative Katholik seine Sätze mit „Aber der Papst...“ begann. Denn sein Kampf gegen die Moderne verlief ja schon lange nicht mehr entlang einer Front mit der Welt da draussen, sondern quer über die Kirchenbänke hinweg. Da zweifelten Vorsitzende von deutschen Bischofskonferenzen den Inhalt des Satzes an, dass Christus „für uns“ gestorben sei. Auf Donaudampfschifffahrten legten sich rebellische Damen Seidentücher als Stolen um. Man sammelte Unterschriften im Kirchenvolk, als sei der Glaube nichts Gegebenes, sondern ein politisches Konsensprodukt. Bei „Dialogveranstaltungen“ heischten Würdenträger mit „mutigen“ Forderungen nach Applaus. Und ich selbst diskutierte als 19-Jähriger in einem Diözesanhaus mit Vertretern katholischer Jugendverbände darüber, ob die Enzyklika Evangelium Vitae nun für uns Katholiken eine bindende Richtschnur im Lebensschutz war oder nicht. Dass der Pastoralamtsleiter, der für die ungemein objektive Kirchenzeitung meiner damaligen Diözese über diese Diskussion wachte, dann in einem Nebensatz die Erbsünde leugnete, schmerzte, aber überraschte nicht. Bei allem Frust, den ich damals empfand, war ich dennoch nie niedergeschlagen, denn Rom, so wusste ich, war auf unserer Seite – egal wie verrückt sich die Kirche im deutschen Sprachraum gebärdete. Suchte man Balsam für die Seele, las man einfach einen afrikanischen Kardinal. Freilich auch in Rom schien nicht alles eitel Wonne. Dass der Papst grundsätzlich fehlbar war, in vielen Fragen und seinem praktischen Verhalten, zog niemand in Zweifel. Der eine setzte die Grenze bei der Ausgestaltung interreligiöser Gebetstreffen, der andere klagte über missverständliches Koranküssen; Skepsis befiel den einen bei der zu wohlwollenden Förderung gewisser neuer Bewegungen und Orden; für wieder andere krankte es schon seit den 60ern am liturgischen Herzen. Doch im Gros, verließ man sich auf das theologische Gewicht der Päpste, man verteidigte ihre Aussagen mit Eifer, rückte Fehlinterpretationen im Kontext zu recht und beklagte offensichtliche Falschberichterstattung durch mangelhaft geschulte oder gar ideologisch verpeilte Journalisten. Dann kam Franziskus.
Wir haben in dieser Reihe bereits einige Themen mit typologischen Betrachtungen begonnen: Jesus als neuer Adam, als neuer Moses, als neuer David und wir haben darin die Grundlagen für Maria als neue Eva, als neue Bundeslade, als himmlische Königinmutter gefunden. Eine weitere Figur, die seit alter Zeit als Vorausbild Christi gesehen wurde ist Josef der Sohn Jakobs.
Die Jungfräulichkeit Mariens bei der Empfängnis Jesus ist in den Evangelien klar attestiert. Das Fortdauern dieser Jungfräulichkeit hingegen scheint manchen fragwürdig. Denn schließlich war Maria verheiratet und auf den Seiten der Evangelien ist von den Brüdern und Schwestern Jesu die Rede. Die Verteidiger der immerwährenden Jungfräulichkeit gehen in der Regel von entsprechenden Votum Mariens aus. Kritiker hingegen halten ein solches Enthaltsamkeitsversprechen unvereinbar mit der jüdischen Vorstellungswelt. Brant Pitre hat dazu eine interessante Erklärung geliefert, die es sich lohnt hier anzusehen.
In den vorangegangenen Folgen haben wir Jesus gesehen als neuen Adam und als neuen Moses. In der letzten Episode ist zudem schon eine weitere Typologie angeklungen: Jesus als der neue David. Sowohl die Genealogie (Vgl Matthew 1:1–17) als auch die Verkündigung (Luke 1:30–33), die davon spricht, dass Jesus auf dem Thron seines Vaters David sitzen und ewig herrschen wird, lassen keinen Zweifel: Jesus ist der langerwartete, davidische und messianische König. Nun können wir fragen: gibt es auch eine Königin? Im ersten Moment ist man geneigt den Kopf zu schüttlen. Man will doch hier keine haltlose Maria Magdalena Heiratssache aufwärmen. Jesus hatte keine Frau. Und daher hat dieser König auch keine Königin. Doch was uns offensichtlich scheint, erfährt durch die Lektüre des Alten Testaments eine vielleicht überraschende Wendung. Denn Königin ist hier nicht die Gemahlin des Königs, sondern die Königinmutter. Sie ist es die den Titel der Gebirah – hebräisch Herrin – trägt.
Das erste Mal, dass ich von der Bundelade etwas hörte, war nicht bei der Lektüre der Heiligen Schrift, sondern durch den peitschenschwindenden Hutträger Indiana Jones. Dem Plot des Abendteuerstreifens zufolge, entnahm ich auch, dass die Bundeslade offensichtlich verschollen war. In der Tat, als Jesus den Tempel in Jerusalem besuchte, war der innerste Bezirk, das Allerheiligste leer. Wie es dazu kam und was das für die Mariologie bedeutet, sehen wir uns in dieser Folge an. In der letzten Episode haben wir mit Jesus als dem neuen Adam begonnen. Hier fahren wir damit fort, dass Jesus auch als neuer Moses in Erscheinung tritt. Die Evangelien weisen darauf hin. So wie Moses für 40 Tage und Nächte am Berg Sinai fastete (Ex 34,28), tut dies auch Jesus am Beginn seinen Wirkens (Luke 4:1–2). Moses und das Manna (Exodus 16:1–31) bilden Jesus und die Brotvermehrung voraus, selbst wiederum Bild für das eigentliche eucharistische Himmelsbrot (Luke 9:10–17). Moses ist der große Gesetzgeber des Volkes. Jesus tritt in seiner Predigt als der Geber eines neuen Gesetzes auf (Mt 5). Und so wie Moses den Bund zwischen Gott und den 12 Stämmen Israels vermittelte, setzt Jesus im Kreis seiner Zwölf einen neuen Bund in seinem Blute ein. Auch der Exodus, als das große Ereignis, das Gott in die Hände des Moses gelegt hatte, ist nur das Urbild eines neuen Exodus, den Christus ermöglicht. Entkam man einst der Sklaverei Ägyptens, entkommt man in Christus der Sklaverei der Sünde. Christus ist der neue Moses, der sein Volk in die wahre Freiheit führt. Das Wichtigste, das Moses und das Volk damals begleitete war die Lade des Bundes. Und hier wird es für diese Reihe interessant...
Der Kern des christlichen Glaubens besteht darin, das Christus uns durch seinen Tod erlöst hat. Seine Liebe bis ins Äusserste hat die Kraft die Lieblosigkeit aller Sünden, aller Menschen, aller Zeiten aufzuwiegen. Doch Erlösung bedeutet nicht nur unsere Rettung und die Öffnung des Himmels für eine Rückkehr zu Gott. Die Erlösung vollzieht sich als eine Neuschöpfung. In diesem Sinn spricht Paulus: „Wie es also durch die Übertretung eines einzigen für alle Menschen zur Verurteilung kam, so wird es auch durch die gerechte Tat eines einzigen für alle Menschen zur Gerechtsprechung kommen, die Leben gibt. Wie durch den Ungehorsam des einen Menschen die vielen zu Sündern wurden, so werden auch durch den Gehorsam des einen die vielen zu Gerechten gemacht werden.“ (Röm 5,18-19). Die Korintherbriefe nennen Christus ausdrücklich das Haupt einer neuen Schöpfung (2 Kor 5,17-18), sprechen von ihm als Adam und lebendig machendem Geist (1 Kor 15,45), benennen den himmlischen Ursprung dieses neuen Stammvaters (1 Kor 15,45). Die Vorstellung von Christus als neuer Adam, hat ihre Wurzeln jedoch schon im Alten Testament, in denen das messianische Reich einen neuen Himmel und eine neue Erde verheißt. Zwar leben wir, auch jetzt nach dem Kommen des Messias, hier noch in einer gewissen Vorläufigkeit, doch dieses Neue, diese Neuschöpfung, das neue Leben aus der Gnade hat bereits begonnen. Und das nicht zuletzt durch die Sakramente. Wir sehen es in der Taufe, deren Ritus ein Sterben – wir gehen im Wasser unter – und ein Auferstehen – wir tauchen aus dem Wasser auf – darstellt und im Inneren der Seele diese Neuschöpfung wahrhaftig bewirkt. Wir sollen als neue Menschen leben. Wir sind die Nachkommen eines neuen Adams An diesem Punkt stellt sich eine Frage. Wenn es einen neuen Adam gibt, gibt es dann auch eine neue Eva?
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