Birett Ballett - Katholische Theologie erklärt

Birett Ballett - Katholische Theologie erklärt

Download on the App Store

Birett Ballett - Katholische Theologie erklärt episodes

  • Reihe: Jesus Glauben - Folge 5/15 - Evidenz, Tradition und die Frage, wer die Evangelien geschrieben hat

    Wenn die Evangelien nicht anonym verfasst wurden, wie wir in der letzten  Folge gesagt haben, liegt es nahe bei der Autorenschaft dort zu  beginnen, wo man eigentlich bei jedem Schriftwerk beginnen würde:  nämlich beim Text selbst. Welche Angaben finden wir hier? Wir habe die  sogenannten „Titel“ der Evangelien: Evangelium nach Matthäus, Evangelium  nach Markus, Evangelium nach Lukas und Evangelium nach Johannes.  Verschiedene Kritiker haben darauf hingewiesen, dass sich die  Formulierung der Titel in den Manuskripten unterscheiden kann. In  manchen Manuskripten steht „evangelion kata ioannen“, bei anderen wird  „evangelion“ weggelassen – da steht dann nur kata ioannen. So behaupten  einige, dass die Titel und damit die Autoren wegen diesen Varianten  nicht ursprünglich sein könnten. Sie müssten eine spätere Zuschreibung  sein. Das allerdings widerspricht jeder Regel der Textkritik. Denn  gerade was die Namen(!) der Autoren betrifft gibt es eben keine  Variation. Mag es sich bei der Formulierung „evangelion“ um einen Zusatz  bzw eine Kürzung handeln – für die Attribution selbst triff dies nicht  zu. Und genau um die geht es hier.  Noch ein Hinweis, bevor wir uns den möglichen Autoren zuwenden. Wir  untersuchen hier nicht die Frage, ob der Text, so wie wir ihn heute  haben, exakt in dieser Form von jenen Evanglisten: Matthäus, Markus,  Lukas und Johannes zu Papier gebracht wurde. Es ist möglich, dass wir  etwa eine griechische Übersetzung eines Evangeliums benutzen, dass von  seinem Autor ursprünglich auf Hebräisch geschrieben worden ist. Genau  das wird zum Beispiel schon in der Antike für das Matthäusevangelium  behauptet. Auch ein Redaktor als Zwischenglied zu unserem heutigen Text  ist denkbar und kein Problem. Niemand würde etwa auf die Idee kommen,  eine gekürzte, editierte oder sogar durch Kommentare erweiterte deutsche  Übersetzung von „I Promessi Sposi“ einem anderen als ihrem  ursprünglichen Autor Alessandro Manzoni zuzuschreiben. Für uns geht es  hier also nur um die Frage, ob der Text substantiell und inhaltlich auf  jenen Autor zurückgehen könnte, den die Evangelien selbst nennen. Und  wir werden versuchen, möglichst viel über diese Autoren herauszufinden -  aus dem Text selbst und aus anderen Quellen.

    12 min
  • Reihe: Jesus Glauben - Folge 4/15 - Über anonyme Evangelien, Etikettenschwindel und ihre Autoren

    In der vorletzten Folge habe ich versucht, einen kurzen Überblick über  die Theorien zum historischen Jesus zu bieten, die in der Vergangenheit  konstruiert worden sind. Gemein ist allen die Skepsis gegenüber den  Evangelien und viele behaupten, die Texte seien zu spät entstanden, als  dass sie geschichtlich zuverlässig wären. Über weite Strecken ist diese  Skepsis eine rein ideologische Entscheidung ohne echte Grundlage. Das  heißt man hat die späte Entstehung der Evangelien einfach behauptet,  damit man genug Zeit zwischen Jesus und den Evangelien hatte, um die  eigene Theorie irgendwie hineinzubasteln. Die letzte Folge konnte hier  schon etwas Klarheit bringen. Denn die Forschung hat durch den Fund  zahlreicher Papyri in den letzten 150 Jahren das Zeitfenster enger  begrenzt und manche These damit vor grobe Probleme gestellt. Konnte man  im 19. Jahrhundert noch vollmundig behaupten das Johannesevangelium sei  frühestens Ende des 2. Jahrhunderts entstanden, besitzen wir heute  Papyri wie P52 - ein Fragment des Johannes-Evangeliums, das  üblicherweise auf die Jahre 125 bis 175 datiert wird. Dennoch gibt es  alte Theorien, die sich gehalten haben. Eine davon stützt sich auf die  Formkritik. Die Formkritik ist ein Werkzeug der sogenannten  historisch-kritischen Methode. In der Formkritik untersucht man –  absolut sinnvoller Weise - zu welcher Art – zu welcher Gattung – ein  bestimmter Text gehört. Handelt es sich um einen historischen Text, ist  es ein poetischer Text, reden wir von Hymnen oder einem Brief.... usw Im 19. Jahrhundert wurde nun die Idee populär, bei den Evangelien handle  es sich um Volksmärchen. Das heißt, das Volk habe sich – mit leichten  Varianten, wie bei Märchen üblich – Geschichten über Jesus erzählt,  diese angehört und weitererzählt ... und weitererzählt … und   weitererzählt, bevor sozusagen ein paar Gebrüder Grimm und ein Hans  Christian Andersen der Antike das ganze gesammelt und in eine  geschriebene Form gebrachte haben. Und damit diese geschriebene, fertige  Form auch Autorität besitzt, hat irgendwann, irgendjemand, irgendeinen  Namen eines Apostels hinaufgeklebt. Evangelium nach Matthäus. Evangelium  nach Johannes und so weiter. Billiger Etikettenschwindel also. Laut  dieser Theorie basieren die Evangelien demnach nicht auf  Augenzeugenberichten, wie ihre Titel gefälschter Weise behaupten,  sondern sind die Frucht vieler Geschichtenerzähler. 100 Jahre oder so  seien die Geschichten anonym durch die Welt getragen worden. Dann erst  seien die Evangelien entstanden, wie wir sie heute besitzen, meint etwa  der Bart Ehrmann. Dass solche späten und ursprünglich anonymen Quellen  historisch nicht als allzu zuverlässlich gelten können, versteht sich  von selbst. Diese Schule der Formkritik ist bis heute in manchen Kreisen populär,  auch wenn die extreme Spätdatierung durch Papyri-Funde, wie gesagt,  weitgehend widerlegt ist. Aber gibt es denn Belege wenigstens für die Grundidee der  „Volksmärchen“Theorie? Waren die Evangelien denn jemals anonym? Waren  sie die Frucht einer langen Erzähltradition? Sind sie auf diese Weise  entstanden?

    10 min
  • Reihe: Jesus Glauben - Folge 3/15 - Die Quellenlage. Über Manuskripte, ihre Unterschiede und Datierung

    Für die Frage nach der historischen Glaubwürdigkeit der Evangelien ist  nicht unerheblich wie verlässlich unsere Quellen überhaupt sind. Haben  wir jenen Text in der Hand, der dem usprünglichen gleicht? Wurden die  Evangelien nicht durch das ständige Kopieren verfälscht?  Grundsätzlich gilt: je mehr Kopien und je älter die Kopien, die zudem  keine wesentlichen Unterschiede aufweisen, desto besser ist die  Quellenlage und desto zuversichtlicher kann man als Historiker sein.  Zwar geben Quellen, auch wenn es viele sind, per se noch keine Auskunft  darüber ob sie auch tatsächlich Historisches berichten, aber wenigstens  kann dann die Weitergabe des ursprünglichen Textes als verlässlich oder  unverlässlich eingestuft werden.

    13 min
  • Reihe: Jesus Glauben - Folge 2/15 - Über die Suche nach dem historischen Jesus

    Der Naturalismus begann seinen Triumphzug in der Aufklärung. Hatte man  bis weit hinein in die Neuzeit den Evangelien samt ihren Wunderberichten  zugestanden, dass sie getreu das Bild und Selbstverständnis Jesu  vermittelten, begann diese Vorstellung nun zu bröckeln - wenn auch sehr  unterschiedlich. Während die französische Aufklärung relativ rasch in  skeptischen und materialistischen Atheismus umschlug, galt gleiches  nicht für England. Dort versuchten Locke, Hume und ihre Zeitgenossen  vielmehr zu zeigen, dass das Christentum die erhabenste Ausprägung der  Vernunft und der natürlichen Religion des Menschen sei. Diesem Kurs  folgt man auch weitgehend in Deutschland. Für Lessing war Jesus ein  zuverlässiger Lehrer großer Lehren. Für Kant hatte Christus das Ideal  des gottgefälligen Menschen verkörpert. Hegel und Schleiermacher gingen  andere Wege aber ganz generell kann man für die Aufklärung sagen: der  Fokus liegt auf dem Menschen, der Größe seiner Vernunft und der Größe  seiner moralischen Leistung. Religion wird zwar nicht überall abgelehnt,  aber fundamental umgeformt. Sie wird naturalistisch – das heißt, alle  ihre Phänomene werden dem Verstand unterworfen. Es gibt keine Wunder und  keine Offenbarung.  Geschichtlichkeit spielt keine Rolle mehr. Es geht  um allgemeingültige, zeitlose Lehren und eine Lebenspraxis nicht im  Dienst einer Gottheit, sondern im Dienst des Staates. Nicht Gotteskind,  sondern „Bürger“ soll der Mensch sein. Damit wird alles auf das  Diesseits bezogen.

    13 min
  • Reihe: Jesus Glauben - Folge 1/15 - Das "Problem". Über Skepsis und die Frage, ob Glaube vernünftig ist

    Atheisten haben nicht unrecht. Wenn jemand behauptet, Gott zu sein, dann  ist Skepsis durchaus angebracht. Aber: Was, wenn das Verhalten jener  Person keineswegs von Verwirrung oder Größenwahn zeugt; Was, wenn die  Person sehr offensichtlich keinen irdischen Vorteil aus dem Anspruch  zieht; weder Reichtum, Macht noch Anerkennung sucht: wenn sie andere  nicht ausbeutet, weder emotional noch in anderer Form? Was, wenn die  Botschaft edel und stimmig ist; wenn sie tiefe Wahrheiten menschlicher  Erfahrung berührt und mehr noch Licht bringt, in das Dunkel unseres  Daseins in der Welt? Was, wenn die Gebote, welche diese Person  aufstellt, den Weg zu Frieden und Zufriedenheit zeigen? Was, mehr noch,  wenn die Botschaft nach vielfachen Berichten durch staunenswerte Zeichen  in ihrem göttlichen Ursprung beglaubigt worden sein soll? Sollten auch  dann automatisch Zwangsjacken zum Einsatz kommen? Skepsis gegenüber  göttlichem Anspruch ist gerechtfertigt – und diese Skepsis war dem  antiken Menschen übrigens genauso zu eigen, wie dem modernen. Die Frage  ist hier vielmehr: Was wenn die berechtigte Skepsis auf eine  Wirklichkeit stößt, welche skeptisch gegenüber der Skepsis macht?

    12 min

About Birett Ballett - Katholische Theologie erklärt

From the publisher's feed

Deep-Dives und Plantschen in den stillen Wassern der Theologie. Mehrteilige Themenreihen von A wie Aberglaube bis Z wie Zölibat. Ein bisschen Philosophie hier, ein bisschen Aristoteles dort und auf jeden Fall Thomas von Aquin querbeet.