
Sign up to save your podcasts
Or


Grohmann & Weinrauter sind Trendfolger und Prozykliker. Im DAX steht ein kurzfristiger Abwärtstrend einem langfristigen Aufwärtstrend gegenüber. "Die Bäume wachsen nicht in den Himmel", weiß Martin Weinrauter, "irgendwann ist jeder Trend zu Ende." Wenn es nach oben nicht weiter geht, ist das ein erstes Warnsignal. Vieles an den Märkten ist ungewiss. Wie wirken sich die Zinserhöhungen aus? Warum sind die Kurse tatsächlich gestiegen? "In dieser Ungewissheit, da lebt man drin. Ein echtes Dilemma." Der Markt kann also kippen, wenn er nicht mehr weiter steigt. Das Rezept lautet: Dem Trend folgen und reagieren, wenn der Trend bricht.
Um den Durchblick zu bekommen, schaut Martin Weinrauter zunächst kurz zurück auf die großen Themen der vergangenen 18 Monate. Und auf deren Auswirkung auf die Börse. Lange hielt sich der Markt zurück und ließ die US-Notenbank Fed gewähren. Nach dem Motto: "Never fight the Fed." Doch dann drehte sich die Lage, und die Anleger sahen die Notenbank bereits am Ziel angekommen. Getrieben wurde der Aufschwung aber auch vom Trendthema KI. "Die KI Fantasie war der Hingucker schlechthin. Aber kann das reichen, wenn ein paar Aktien auf einer Fantasie-Welle reiten und den Markt nach oben reißen. Kann das eine Zukunft haben?" Das Handelsprogramm IVY sieht indes ein starkes Kaufsignal bei den Emerging Markets (ohne China!) und bei amerikanischen Immobilienaktien. "Die Frage ist, ob die Marktbreite zurückkommt, sonst werden wir eine Korrektur am Markt sehen."
Herr Weinrauter, fahren Sie schon mal den Brennstoffzellenwagen vor … "Wenn ich gezielt investieren würde, würde ich einen Fonds aussuchen wie den GG Wasserstoff", so Martin Weinrauter im Börsendurchblick. Seine Reise durch Europa mit einem wasserstoffbetankten Mercedes GLC inklusive Brennstoffzelle fasziniert nicht nur andere Verkehrsteilnehmer an herkömmlichen Tankstellen. "Ich glaube, ich hätte dieses Auto in den 3,5 Jahren 20 mal verkaufen können." Und auch Martin Weinrauters Mutter (88) fragt zurecht: "Warum fahren wir nicht schon seit Jahrzehnten mit diesen Autos?"
16.000 Punkte im DAX, ganz nah dran am Allzeithoch. Hat der deutsche Aktienmarkt sich zu weit vorgewagt? "Alle Welt hat die Aktien gekauft, die im Deutschen Aktienindex drin sind." Der Zins ist der Dreh- und Angelpunkt für die Stimmung an den Märkten. Damit hängt der Markt an der entsprechenden Politik der Zentralbank, und die wiederum hängt an der Inflationsrate. "Die Welt hat sich komplett geändert. Die Inflationsraten waren tot, jetzt sind sie nicht mehr tot. Jetzt ist sie sogar Markt-bestimmend." Normalerweise sagt man: Never fight the Fed. "Aber genau das machen die Märkte momentan. Sie stellen sich gegen die Fed." Der US-Jobmarkt brummt, auch das ist paradoxerweise ein Treiber für die Inflation. "Wenn die Hoffnung der Markteilnehmer auf sinkende Kurse stirbt, dann bricht alle ganz schnell zusammen!"
Ist die Talfahrt beendet, oder beginnt jetzt die große Bankenkrise? Risikomanager Martin Weinrauter: "Ich weiß auch nicht, was passiert. Aber ich weiß, was zu tun ist, um Ruhe ins Depot und ins Gemüt zu bringen. Ich setze auf kurz laufende Staatsanleihen." Niemand kann verlässlich sagen, wie es weitergeht, so der Experte, Menschen reagieren emotional und verängstigt. "Was ist sicher? Am Ende kann man das gar nicht sagen - aber ich investiere in die höchste Schuldnerbonität, die ich habe." Das Vertrauen in die Banken ist angeschlagen. "Ist das Vertrauen einmal verloren, wird es kritisch!" Die Lösung der Krise um die Credit Suisse ist ein Paukenschlag und vor allem für die UBS ein äußerst lukratives Geschäft mit niedrigem Risiko. Die Alternative, die Verstaatlichung der CS, hat man nicht umgesetzt. "Die Verhandlungen müssen eine harte Nummer gewesen sein!" Kritisch steht Weinrauter Gold und Kryptowährungen gegenüber. "Da kommen jetzt die Weltuntergangs-Propheten und erzählen ihre Schauer-Geschichten. Damit kann man aber auf die Nase fallen."
DAX 15.000 und mehr? - Warum stehen wir an den Börsen wieder so weit oben? Risikomanager und Vermögensverwalter Martin Weinrauter: "Wir sind da, weil die Einnahmen der großen DAX-Unternehmen eben diese hohen Kurse rechtfertigen, die Zahlen sind gut. Was hat uns im letzten Jahr Angst gemacht? Wir hatten ja wirklich geglaubt, wir werden frieren im nächsten Winter. Das wurde diskutiert, eine Deindustrialisierung Deutschlands, das war eine Katastrophe und Angst hoch 3. Die Fakten sind jetzt genauso, wir haben aber gesehen, dass diese German Angst zwar im Markt war, aber da nicht das geschehen ist, vor dem alle Angst hatten. Wir hatten keine Deindustrialisierung gesehen und der Arbeitsmarkt ist exzellent. Alles von den Belastungsfaktoren ist nach wie vor da. Aber die Angst ist weg. Weil wir uns am Ende an das Szenario gewöhnt haben. Das ist der Punkt!"
In den vergangenen zwei Wochen hat der DAX bereits mehr als die Hälfte des Vorjahres minus aufgeholt. Aber! Ist dieser extrem schnelle Anstieg auch schon wieder ein Risiko? Risikomanager Martin Weinrauter: "Der DAX läuft gut, aber rufen Sie sich doch mal einen Chart auf und rufen Sie den Nasdaq auf. Da ist kein großes Sicherheitspolster nach unten. Spannend ist auch der amerikanische Arbeitsmarkt. Die großen Banken fangen an, Mitarbeiter zu entlassen. Was ist dran, wenn US-Banken entlassen?" - Nouriel Roubini ist einer der schillerndsten Ökonomen unserer Zeit, der meldet sich zu Wort und sagt: "Wir erleben die Mutter aller Schuldenkrisen". "Roubini ist einer der großen Casandras dieser Welt! Die Begründungen höre ich schon seit 40 Jahren. Wichtiger ist eine breite Diversifizierung, da gehört Amerika dazu. Denn in Amerika ist in den letzten Jahrzehnten immer die Performance der Welt gemacht worden. Im Moment ist Amerika schwach!"
Der Oktober 2022 war der beste seit 84 Jahren an der Börse! Ist das der Beginn eines neuen Börsenzyklus? Sie sind Prozykliker. Warum halten Sie nicht dagegen und sind Antizykliker? Fondsmanager Martin Weinrauter: "Was ist unsere Aufgabe als Vermögensverwalter? Wir sind Risikomanager. Unsere Kunden geben uns nicht den Auftrag, das Maximum aus dem Markt herauszuholen. Sie geben uns den Auftrag in den Zeiten von Jahrestiefs, wie Ende September, mit all der Angst und den Sorgen vor der Inflation, über die Energiepreise bis hin zum Krieg in der Ukraine … Dann geht es darum, dem Kunden zuverlässig sagen zu können: Wir sind weitgehend aus dem Markt raus, und das ist die Aufgabe. Da ist es wichtig für die Kunden, nicht zu sagen, hoppla, jetzt riskieren wir es mal. Wir haben genau den richtigen Job zur richtigen Zeit gemacht!"
"Wir bleiben raus aus dem Markt, solange er fällt", aber wann fällt er nicht mehr? Fondsmanager Martin Weinrauter: "Es ist immer eine Frage, wie analysiere ich die Stimmung an den Börsen. Wenn wir unsere Algorithmen in unseren normalen Kundenportfolios ansehen, haben wir nur noch zwischen 10 und 20 % Aktien. Der Rest 80-90 % steht in Liquidität auf der Seitenlinie. Wir könnten hingehen und sagen: Wir haben die Liquidität, können jetzt kaufen, denn diese Kaufpower muss man erst mal haben. Aber wir setzten sie eben bewusst nicht ein, weil die Gefahr, sie viel zu früh einzusetzen, ist viel zu groß. Wir werden abwarten, bis der Trend gebrochen ist. Beispiel ASML und RWE, ein Markt oder Aktie, die um 25 % gefallen ist, kann noch mal und noch mal und noch mal 25 % fallen. Eine Aktie, die sich halbiert hat, kann sich völlig problemlos noch mal halbieren."
Die große Frage lautet aktuell nicht "kaufen oder noch nicht kaufen?", sondern "heizen oder noch nicht heizen?". Risikomanager Martin Weinrauter hat selbst eine Gasheizung, Gas bereitet ihm aber nicht die größte Sorge. "Wenn man die Schlagzeilen liest und sich nicht vergegenwärtigt, was für Fakten dahinter stecken, kann man schon mal den Panik-Button drücken." Die Preise werden aber nicht durch die Decke gehen. "Wir haben genügend Gas auf der Welt!" Wie kann das wieder ins Lot rücken? "Beim Gaspreis wird der hohe Preis das Problem lösen – hohe Preise lösen Probleme." Die Indizes sind zwar gefallen, die Stimmung scheint aber deutlich schlechter als die aktuellen Börsenkurse.
Mehr Informationen:
From the publisher's feed