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Lesung und Gespräch. "Ich bin ein Glückskind", sagt Wolf Biermann. Und blickt in neuen Gedichten und Liedern zurück auf sein Leben. Ebenso kommentiert er die heutigen Angriffe auf die Freiheit. "Damit ich nicht verrückt werde!"
„Ich lebte mein Leben nie dumpf dahin“, heißt es in Wolf Biermanns Gedicht „Mit Kinderaugen, uralten“. Ein kleiner Blick auf seine bewegte Biografie kann zeigen: wie wahr! Und: Wolf Biermann bewies immer wieder großen Mut. Und das, obwohl er eigentlich ein furchtsamer Mensch gewesen sei, wie der Dichter und Liedermacher im Interview über sein neues Buch „Mit uralten Kinderaugen“ erzählt. „Ich war das Gegenteil von dem tollen Kerl, der der Welt mit dem Arsch ins Gesicht springt.“ Wenn so einer es aber schaffe, ein paar tapfere Gedichte und Lieder zu schreiben, dann sei die Welt zu ertragen. Für ihn jedenfalls ist es so.
Begleitet von eigenen Lesungen der Gedichte (vom Hörbuch „Mit uralten Kinderaugen, erschienen im Hör-Verlag) berichtet Wolf Biermann unter anderem über die lebenslange Beschäftigung mit Heinrich Heine und mit Bertolt Brecht. Er erzählt vom in Auschwitz ermordeten Vater Dagobert und lässt seine Oma Meume zu Wort kommen. Und er erinnert an seine Begegnung mit Manès Sperber in Paris, der ihn – „mit schonender Härte“ – zum Bruch mit dem Kommunismus bewegte. „Allein dafür hat sich die Ausbürgerung aus der DDR gelohnt!“ Und auch deshalb sei er ein Glückskind. „Mazeltov – viel Glück – habe ich gehabt. Immer wieder!“
Gast: Wolf Biermann, Liedermacher, Dichter, in der DDR Drachentöter mit der Gitarre. Geboren am 15. November 1936, 40 Jahre und einen Tag später aufgrund seiner mutigen Lieder ausgebürgert aus der DDR. Zum 90. Geburtstag und zum Jahrestag der Ausbürgerung erscheinen neben den Gedichten ein großer Band mit Tagebüchern Wolf Biermanns aus der DDR und das Kinderbuch „Der kleine Herr Moritz“. Ebenso gibt es ein neues Album mit bekannten und eines mit neuen Liedern, den Dokumentarfilm „Biermann“ (Regie: Jens Meurer) und einen biographischen Comic von Julian Voloj. Außerdem spielt Wolf Biermann im Oktober und November einige große Konzerte.
Host: Niels Beintker, begegnete als Jugendlicher Wolf Biermanns Texten in der Jungen Gemeinde in Halle/Saale, im weltverändernden Herbst 1989. Und erinnert sich an einen besonderen Fernsehmoment zu Hause: Wolf Biermanns Konzert erstes Konzert nach der Ausbürgerung in der DDR, am 1. Dezember 1989 in Leipzig. Schwarz-Weiß und mono, aber so einprägsam.
Bücher: Wolf Biermann, Mit uralten Kinderaugen. Gedichte 2006-2026, Penguin (und als Hörbuch – gelesen von Wolf Biermann – im Hör-Verlag). Wolf Biermann: „Ihr löscht das Feuer mit Benzin“. Tagebücher über Verbot, Ausbürgerung und Mauerfall. Hg. von Ilko-Sascha Kowalczuck. Unter Mitarbeit von Arno Polzin und Maximilian Arndt, Penguin.
Hörtipp: Wolf Biermanns Lebensgeschichte ist – nicht allein, aber doch auch – elementar verbunden mit der Geschichte der DDR. In der neuen Staffel von „Die Entscheidung“ erzählt BR-Journalistin Melanie Müller die Geschichte ihres Vaters, der als Jugendlicher im Land liebend gerne Westmusik hört und sich schwertut mit den staatlichen Regeln. Nach einem Vorfall im Freibad wird aus einem scheinbar kleinen Augenblick ein Wendepunkt. Er landet als politischer Gefangener im Gefängnis, versucht zweimal zu fliehen und steht immer wieder vor derselben Frage: anpassen oder gehen?
https://1.ard.de/die_entscheidung_br24
Lesung und Gespräch. Eine wilde Eisenbahnreise durch das 19. Jahrhundert. Im Abteil: die Schriftstellerinnen Božena Nemcová und George Sand und der Oberkapitalist John D. Rockefeller. Historische Langeweile? Nein, hochaktuell!
Schokoladenblut ist eine besondere Flüssigkeit. Sie kann das Blut in unseren Adern sein. Ebenso das Erdöl, Grundlage der globalen kapitalistischen Revolution. Und die Tinte, mit der etwa die tschechische Schriftstellerin Božena Němcová im 19. Jahrhundert Märchen und einen Roman schreibt. „Sie wurde erst von den tschechischen Nationalisten ausgenutzt – und später dann von den Kommunisten“, sagt Radka Denemarková über ihre historische Kollegin, eine der Hauptfiguren im Roman „Schokoladenblut“. Dabei wollte Božena Němcová vom Schreiben leben, frei und unabhängig sein. „Sie hatte nur das Pech, im falschen Körper – im Körper einer Frau im 19. Jahrhundert – geboren zu werden“.
Radka Denemarková, Jahrgang 1969, hat sich intensiv mit der Biografie der Schriftstellerin beschäftigt. Und schickt sie mit der zuckelnden Eisenbahn durch die Zeit, zusammen mit der kompromisslosen George Sand, dem unerbittlichen John D. Rockefeller und vielen anderen. „Es sind die Anfänge unserer Gegenwart“, erinnert Radka Denemarková im Buchgefühl-Gespräch beim 46. Erlanger Poet*innenfest. Und sie verrät, mit welchem Material sie selbst schreibt. Spoiler: Schokoladenblut ist es nicht.
Gast: Radka Denemarková, Schriftstellerin aus Prag. Sie schreibt besondere Romane über Geschichte und über Gegenwart, immer auch die Frage der Freiheit im Blick. Besonders sind ihre Bücher stets auch im formalen Sinn. Immer neu und unkonventionell. Zum Beispiel als lange Eisenbahnreise. Auf der diesjährigen Frankfurter Buchmesse mit dem Gastland Tschechien hält sie die Eröffnungsrede.
Host: Niels Beintker. Lernte Radka Denemarková vor vielen Jahren bei einer Lesung in der Oberpfalz kennen und ist dankbar für viele Begegnungen und Gespräche seitdem, immer wieder auch über die friedlichen Revolutionen 1989 in Ost- und Mitteleuropa. Und empfindet es als große Ehre, dass die Schriftstellerin eigens fürs Buchgefühl zum schönen Erlanger Poet*innenfest gekommen ist. Übrigens mit pünktlichen Zügen.
Sprecherin: Katja Amberger, Schauspielerin aus München. Für ihre Lesung aus dem Roman „Schokoladenblut“ (in der Regie von Irene Schuck) bekam sie – auf der Bühne – eine sehr persönliche Würdigung von Radka Denemarková. Und viel Applaus vom Publikum.
Buch: Radka Denemarková, Schokoladenblut. Aus dem Tschechischen von Eva Profousová, Hoffmann und Campe.
Hörtipp: Ein Gast wie Radka Denemarková konnte das Publikum auf dem Erlanger Poet*innenfest auch auf Klassiker neugierig machen, zum Beispiel auf die Romane von George Sand. Bei „KULT!“ gibt’s viele Lesungen aus der Weltliteratur als Hörbuch, vorgetragen von herausragenden Interpretinnen und Interpreten. https://1.ard.de/kult-lesungen
Lesung und Gespräch. Hier muss die Hauptfigur jederzeit aus dem Text verschwinden können, denn in der Diktatur drohen immer Verrat und Folter. Judith Heitkamp trifft die deutsch-kurdische Autorin und Sprach-Umformerin Karosh Taha.
Wer, wenn nicht sie, sollte diese Geschichten erzählen, fragte sich Karosh Taha, sie, die im Irak geborene, aber schon als Kind nach Deutschland gekommene und auf deutsch schreibende Schriftstellerin. Die Geschichten der verfolgten kurdischen Frauen im Irak Saddam Husseins nämlich - oder besser: eine Geschichte, in der die anderen sich unerkannt wiederfinden. So entstand „Gulistan“. Karosh Taha spricht in diesem Buchgefühl mit Judith Heitkamp über ein jahrelanges Buchprojekt zum Alltag in der Diktatur, über den Doppelgänger des Diktators und über eine mutige Frau, die die Suche nach ihrem verschleppten Mann nicht aufgibt. Gulistan bedeutet Blumengarten. Aber der Name verrät auch, dass Gulistan Kurdin ist. Im Irak unter Saddam Hussein darf eine Schneiderei so nicht heißen. Und eine Frau eigentlich auch nicht. Die Drohungen der Geheimpolizei mehren sich, eines Tages verschwindet Gulistans Mann Ciya.
Für Karosh Taha muss sich bei solchen Bedrohungen auch die literarische Sprache ändern. Nur unter der Bedingung, dass die Hauptfigur „jederzeit aus dem Text verschwinden kann“, hebt ihr Roman an, versetzt Wörter und Bedeutungen in verschwörerische, bedrohliche oder rettende neue Zusammenhänge, lässt Lücken, lässt den gewohnten Rhythmus ins Stocken kommen. Wie es sein könnte, wenn man die eigene Sprache niemals benutzen darf, weil sie verboten ist, wie man Stottern auf Buchseiten bringt - zu hören in dieser Folge von Buchgefühl.
Gast: Karosh Taha, geboren 1987 im Irak, als Kind mit ihren Eltern nach Deutschland gekommen, wollte kein Sachbuch über das Regime Saddam Husseins schreiben, sondern einen Text über das Eindringen der Diktatur bis in die intimsten Beziehungen. Sie kam mit diesem Roman, ihrem dritten, auf die Longlist des Deutschen Buchpreises.
Host: Judith Heitkamp, auch in diesem Jahr unterwegs auf dem Poet*innenfest in Erlangen, wo das Gespräch mit Karosh Taha aufgezeichnet wurde.
Buch: Karosh Taha, Gulistan, DuMont.
Hörtipp: In dieser Ausgabe von Buchgefühl waren wir ja unterwegs, in Erlangen auf dem Literaturfestival Poet*innenfest. Grundsätzlich raus geht der Podcast „Orte und Worte“ des RBB. Dahin, wo Bücher spielen oder wo Bücher entstehen. Gespräche mit Autorinnen und Autoren - vor Ort. Hier in ARDS Sounds. Link
Lesung und Gespräch. Dolores Haze, bekannt als "Lolita", schreibt sich frei. Und soll dabei endlich Autonomie erfahren, so Lea Ruckpaul. "Die bekommt sie nicht von Nabokov." Also muss die Schauspielerin und Autorin das tun.
Sie ist schwer traumatisiert und will nicht länger schweigen. Lange Jahre nach dem Verrat durch die eigene Mutter und den ihm folgenden vielfachen Missbrauch durch Humbert Humbert erzählt Dolores Haze ihre eigene Version des Romans „Lolita“. Nein, sie schreit sie heraus, voller Wut, Aggression und Schmerz. „Die Erfahrungen, die Dolores machen musste, lassen sich nicht wegdiskutieren und auch nicht wegtherapieren“, sagt Lea Ruckpaul im „Buchgefühl“-Interview über die Hauptfigur ihres Romans „Buy Bye Lolita“. Aber: „Wenn Dolores ihre Geschichte selbst erzählt, dann lässt sich dabei eine andere Position zur Welt finden, die sie selbst gestaltet. Darin liegt Freiheit.“ Lea Ruckpauls Roman über die Sehnsucht einer gezeichneten Frau nach Autonomie wird jetzt als Theaterstück am Residenztheater München inszeniert. Aus diesem Anlass lesen wir mit der Schauspielerin und Autorin noch einmal in „Bye Bye Lolita“. Dazu ein Gespräch unter anderem über die Möglichkeiten des Theaters.
Gast: Lea Ruckpaul, Schauspielerin und Autorin, seit 2023 Ensemble-Mitglied am Münchner Residenztheater. Zu erleben dort unter anderem als Julia in Shakespeares Tragödie „Romeo und Julia“. Ebenso als Eve im „Zerbrochenen Krug“. Und als Rechtanwältin Tessa Ensler in Suzie Millers „Prima Facie“, einem beeindruckenden Solo-Abend. Zum Auftakt der Spielzeit 2026/27 hat „Bye Bye Lolita“ als Theaterstück Premiere.
Host: Niels Beintker, immer wieder beschenkt nach einer Vorstellung im Residenztheater. So viele tolle Menschen bereiten an diesem Haus der Phantasie eine Bühne. Und bringen uns mit ihrer Arbeit dazu, über die wichtigen Fragen nachzudenken.
Buch: Lea Ruckpaul, Bye Bye Lolita, Voland & Quist.
Hörtipp: Der mächtigste Pirat aller Zeiten? Eine Frau. Der erste Autor der Menschheit? Eine Frau. Im Cosmo-Podcast „Lost Sheroes“ erzählt Schauspielerin Milena Straube die spannenden Lebensgeschichten unbeachteter Heldinnen. „Lost Sheroes“ – Frauen, die in Geschichtsbüchern fehlen. http://www.wdr.de/k/lostsheroes
TikTok-Livestream-Tipp: Der BookTok-Kanal „ARD Literally“ besucht eine Probe von „Bye Bye Lolita“ und spricht mit Lea Ruckpaul über Buch und Theaterstück, am 17.9. im Cuvilliéstheater. Ab 19.00 Uhr im Live-Stream. Jetzt spricht Lolita. Wem gehört eine Geschichte? | Residenztheater München
Ohne Lesung und Gespräch, mit Judith Heitkamp und Niels Beintker, kleinen Hör-Tipps für die Saison und dem Blick auf die neuen Folgen.
Hosts: Judith Heitkamp, im Rucksack immer Laptop und Buch. Und Niels Beintker, neben dem Buch immer ein Laptop.
Hörtipp: Buchgefühl – unsere Folge mit Inan Özge und „Die Dichterin“: Alle wollen Aufmerksamkeit. Wer bezahlt welchen Preis?
https://1.ard.de/buchgefuehl-inan-dichterin
Oder die anderen Folgen.
Ohne Lesung und Gespräch, mit Judith Heitkamp und Niels Beintker und kleinen Hör-Tipps für die Saison. Diesmal: Klassiker-Folgen.
Hosts: Judith Heitkamp und Niels Beintker, lesen und reden beruflich.
Hörtipp: Buchgefühl – unsere Folge mit Edgar Allan Poes Schauergeschichte „Berenice“ und dem Poe-Übersetzer Andreas Nohl.
https://1.ard.de/buchgefuehl-Poe-Berenice
Oder unsere Folge mit Emily Brontës Kult-Roman „Sturmhöhe“/“Wuthering Heights“ und der niederländischen Schriftstellerin Anjet Daanje, die großer Brontë-Fan ist.
https://1.ard.de/buchgefuehl-bronte-sturmhoehe
Oder die anderen Folgen.
https://1.ard.de/buchgefuehl-bronte-sturmhoehe
Miriam Carbe, Ilija Matusko, Kerstin Preiwuß und Thomas von Steinaecker im Gespräch mit Judith Heitkamp und Niels Beintker. Über vier Generationen von Töchtern, Vater und Sohn, Schwestern und vielleicht eine Wahlfamilie ...
https://feeds.br.de/diwan-das-buechermagazin/feed.xml
Ohne Lesung und Gespräch, aber morgen dann in Erlangen auf dem Poet*innenfest! Mit den Hosts Judith Heitkamp und Niels Beintker.
Hosts: Judith Heitkamp und Niels Beintker, am 29. August in Erlangen in der Orangerie im Buchgefühl-Gespräch, Aufzeichnung mit Publikum.
Hörtipp: Eindrücke vom letzten Jahr in Erlangen. Mit Ulrike Draesner und einer anderen Version der Odyssee – „penelopes sch()iff“.
https://1.ard.de/buchgefuehl-draesner
Oder mit Steven Uhly und einer Reise durch die USA unter Trump – „Death Valley“.
https://1.ard.de/buchgefuehl-uhly-deathvalley
Oder die anderen Buchgefühl-Folgen.
Ohne Lesung und Gespräch, mit Judith Heitkamp und Niels Beintker und kleinen Hör-Tipps für die Saison. Diesmal mit Blick auf Demokratie unter Druck.
Hosts: Judith Heitkamp und Niels Beintker, glauben an die positive Kraft von Büchern.
Hörtipp: Buchgefühl – unsere Folge mit dem Publizisten Ilko-Sascha Kowalczuk, denn Faschismus ist keine Meinung.
https://1.ard.de/buchgefuehl-kowalczuk
Oder unsere Folge mit US-Literaturstar T.C. Boyle, der „USA in 10 Jahren“ ziemlich schwarz malt. Aber teil-optimistisch bleibt.
https://1.ard.de/buchgefuehl-boyle
Oder die anderen Folgen.
Ohne Lesung und Gespräch, mit Judith Heitkamp und Niels Beintker und kleinen Hör-Tipps für die Saison. Diesmal: von Sprecherinnen und Sprechern.
Hosts: Judith Heitkamp und Niels Beintker, Chapeau vor der Lese- und Regie-Kunst!
Hörtipp: Buchgefühl – unsere Folgen mit Katja Bürkle als „Niemand“ alias Odysseus (Homer: Die Odyssee).
https://1.ard.de/homer-odyssee-neu
Mit Stefan Merki als Tucholsky und Sprach-Berater (Kurt Tucholsky: Man sollte mal mitstenographieren …).
https://1.ard.de/buchgefuehl-tucholsky
Mit Lou Strenger in den Spiralen der Paarlogik (Dana von Suffrin: Toxibaby).
https://1.ard.de/buchgefuehl-toxibaby
Oder mit Jens Wawrczek und der Maus als Notfall (Simon van Booy: Eine Maus
namens Merlin).
https://1.ard.de/buchgefuehl-booy-maus
Oder die anderen Folgen
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