CactusPodcast 047 – 100 Jahre Kakteenverein Erfurt – live aus dem Gewächshaus
Ein Jahrhundert Kakteenleidenschaft – erzählt von den Menschen, die sie weitertragen.
1926 wurde in Erfurt eine Ortsgruppe der Deutschen Kakteen-Gesellschaft gegründet. Hundert Jahre später treffen sich Kakteenfreunde mehrerer Generationen dort, wo Erfurter Kakteengeschichte seit Jahrhunderten zu Hause ist: im Gewächshaus bei Kakteen-Haage.
Diese Folge des CactusPodcast ist die Aufzeichnung des Bühnengesprächs zum Jubiläum des Kakteenvereins „Walther Haage“ Erfurt am 9. Mai 2026. Die Veranstaltung war Teil des Tags der offenen Tür 2026 und wurde live aus dem Gewächshaus bei Kakteen-Haage übertragen.
Unter den Gästen waren Besucherinnen und Besucher des Tags der offenen Tür sowie unsere Kakteenfreunde aus Ústí nad Labem, mit denen uns seit Jahrzehnten eine enge Freundschaft verbindet. Sie waren gemeinsam mit ihrem Vorsitzenden angereist.
Es geht um die ersten Vereinsjahre, die nächtliche Wanderung zur Königin der Nacht, um Krieg und Neubeginn, das Vereinsleben im Kulturbund der DDR, die Wende und die Neuorganisation danach. Vor allem aber geht es um die Menschen hinter den Pflanzen.
Durch das Gespräch führt Philipp Heidel-Weizel. Mit dabei sind Hans-Friedrich Haage, Andreas Schill, Gudrun Kroll, Klaus-Dieter Lentzkow, Markus Münch und Tim Oettel. Zum Auftakt gratuliert DKG-Präsident Till Hägele.
100 Jahre Kakteenverein Erfurt – live aus dem Gewächshaus
von Ulrich Haage, Philipp Heidel-Weizel und Gäste | CactusPodcast
https://cactusblog.de/wp-content/uploads/2026/08/CP047-100-Jahre-Kakteenverein-Erfurt-live-.mp3
Die Menschen in dieser Folge
Für diese Runde habe ich Menschen zusammengebracht, die den Erfurter Kakteenverein über Jahrzehnte getragen, nach Brüchen neu aufgebaut und immer wieder für die nächste Generation geöffnet haben. Ihre Erinnerungen, ihr Wissen und vor allem ihr persönliches Engagement tragen diese Folge.
Till Hägele
Till Hägele ist Präsident der Deutschen Kakteen-Gesellschaft. Der Gartenbauingenieur und promovierte Agrarwissenschaftler arbeitet seit 2001 als Abteilungsleiter der Gewächshausanlage im Botanischen Garten München. In Erfurt ordnet er die 100 Jahre Vereinsgeschichte aus Sicht der DKG ein – und richtet einen deutlichen Appell an die nächste Generation.
Philipp Heidel-Weizel
Philipp Heidel-Weizel moderiert das Bühnengespräch. Er gehört zur jüngeren Generation der Kakteenfreunde und arbeitet heute professionell als Pflanzenzüchter, besonders im Bereich Gehölze. Im CactusPodcast war er bereits in Episode 044 – Philipp inside DKG zu Gast. Für diese Jubiläumsrunde führt er die Geschichte bewusst von den Pflanzen zu den Menschen hinterm Kaktus.
Hans-Friedrich Haage
Hans-Friedrich Haage schlägt die direkte Brücke in die Familien- und Vereinsgeschichte. Als Sohn von Walther Haage kennt er viele Erzählungen aus der Erfurter Kakteenzucht aus erster Hand. Nach seinem Gartenbaustudium übernahm er 1972 die Leitung der verstaatlichten „Brigade Kakteenzucht“ und führte den Betrieb 1990 wieder in die Selbständigkeit. Mehr zu ihm: Hans-Friedrich Haage bei Kakteen-Haage.
Andreas Schill
Andreas Schill war über viele Jahre Kassierer der Erfurter Kakteengruppe und hat die starke Zeit der großen Ausstellungen unmittelbar erlebt. Kakteen sind nicht sein einziges ausgesprochen spezielles Hobby: Andreas gehört auch zur Erfurter Gartenbahnszene. Die beiden Welten trafen bei Kakteen-Haage schon ganz praktisch zusammen, wenn die Kaktus-Bahn durch das Gewächshaus fuhr.
Gudrun Kroll
Gudrun Kroll hat die Chronik der Erfurter Kakteenfreunde weitergeführt und damit einen wichtigen Teil der Vereinsgeschichte bewahrt. In der Kakteenwelt ist sie außerdem für ihre Hybriden bekannt; auch 2026 ist sie mit dem Vortrag „Blühende Hybriden“ im Programm einer DKG-Ortsgruppe zu finden. In dieser Folge erzählt sie unter anderem, wie entscheidend der persönliche Kontakt dafür war, selbst wieder Mitglied einer Ortsgruppe zu werden.
Klaus-Dieter Lentzkow
Klaus-Dieter Lentzkow bringt die Magdeburger Perspektive und ein großes Stück ostdeutscher Vereinsgeschichte mit. Er wurde kurz nach der Wiedervereinigung als Beisitzer in den Vorstand der Deutschen Kakteen-Gesellschaft gewählt und war später Sprecher des DKG-Beirats. Im Gespräch erinnert er an den tiefen Einschnitt der Wendezeit – und daran, wie neue Verbindungen zwischen ost- und westdeutschen Gruppen entstanden.
Markus Münch
Markus Münch steht für die Generation, die den Kakteenverein „Walther Haage“ Erfurt heute trägt. Er beschreibt den heutigen Vereinsabend als ziemlich unkomplizierte Angelegenheit: keine Krawatte, keine feste Sitzordnung, dafür Vorträge, Erfahrungsaustausch und jede Menge kleine Tricks, die man eben nicht aus jedem Buch bekommt. Auch außerhalb der Vereinsabende ist er mit einem breiten Pflanzensortiment auf Garten- und Kakteenveranstaltungen präsent.
Tim Oettel
Tim Oettel ist Pflanzenenthusiast und Biologiestudent aus Göttingen. Gemeinsam mit Dr. Michael Schwerdtfeger produziert er die Kurzfilmreihe Doc Shorts, in der botanische und zoologische Kuriositäten niedrigschwellig in kurzen Videos erzählt werden. 2025 wurde der weitere Ausbau der Serie an der Universität Göttingen gefördert. Tim steht damit ziemlich genau für eine der Zukunftsfragen dieser Folge: Wie erreicht Pflanzenwissen heute neue Menschen – über YouTube und soziale Medien, aber am Ende möglichst auch wieder persönlich? Mehr: Doc Shorts – Wundersame Botanik.
Ulrich Haage
Ulrich Haage ist Gastgeber der Jubiläumsveranstaltung und des CactusPodcast. In dieser Folge führt er vom Podcast-Intro ins Gewächshaus, begrüßt die Gäste und gibt das Gespräch anschließend an Philipp weiter.
Kapitel der Episode
Die Zeitmarken passen zur veröffentlichten Audiofassung und eignen sich auch für die Shownotes sowie für die Beschreibung der Videoaufzeichnung auf YouTube.
00:00 Intro – 100 Jahre Kakteenverein Erfurt01:49 Live im Gewächshaus05:14 Till Hägele – Grußwort der DKG11:26 Macht die Türen auf für die Jungen12:35 Philipp Heidel-Weizel übernimmt das Bühnengespräch13:35 Hans-Friedrich Haage – wie alles begann16:53 Nächtliche Wanderung zur Königin der Nacht18:18 Bruch, Krieg und Neubeginn22:13 Die starke Zeit – Schill, Kroll und Lentzkow25:23 Kulturbund, Wende und Neugründung32:36 Warum Menschen im Verein bleiben36:06 Neue Verbindungen nach der Wiedervereinigung38:52 Markus Münch und Tim Oettel – die nächste Generation42:09 Warum interessieren sich junge Menschen für Pflanzen?43:56 Wissenschaftskommunikation: YouTube, Doc Shorts & Instagram46:57 Social Media und der persönliche Kontakt49:59 Was ein Kakteenverein heute leisten kann52:26 Grüße aus Magdeburg53:04 Über 60 Jahre Freundschaft mit Ústí nad Labem56:03 Auf die nächsten 100 Jahre
Die Podiumsdiskussion im Gewächshaus
Die Livesendung aus dem Gewächshaus bei Kakteen-Haage haben wir auch im Video festgehalten.
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Transkript · redaktionell gekürzt
00:00 · Intro – 100 Jahre Kakteenverein Erfurt
Ulrich: Herzlich willkommen zum CactusPodcast, Folge 47. Heute etwas ganz Besonderes: die Aufzeichnung unserer Live-Sendung zum 100-jährigen Jubiläum des Kakteenvereins „Walther Haage“ Erfurt. Am 9. Mai 2026 haben wir im Gewächshaus bei uns in der Gärtnerei gefeiert – gemeinsam mit den befreundeten Kakteenfreunden aus Ústí nad Labem. Der Präsident der Deutschen Kakteen-Gesellschaft spricht ein Grußwort, und Philipp Heidel-Weizel moderiert anschließend die Gesprächsrunde. Er blickt mit uns in die Vergangenheit und führt das Ganze in die Zukunft.
01:49 · Live im Gewächshaus
Ulrich: Ein Verein lebt nicht von Protokollen oder Mitgliederlisten – auch wenn die Chronik ziemlich voll davon ist. Das Spannende ist das, was zwischen den Zeilen passiert: was Menschen erleben, was sie zusammenbringt und wie sie ihr Wissen und ihre Leidenschaft in eine Gemeinschaft hineintragen.
100 Jahre sind ein dickes Brett. Deshalb zuerst ein Dank an die Mitglieder, an mein Team, an Freunde, Gäste und Familie und an alle, die diese Veranstaltung möglich gemacht haben. Die Chronik ist für mich dabei ein wichtiges Thema geworden. Wer eigene Erinnerungen oder Geschichten hat, darf sie gern ergänzen. Gudrun Kroll hat diese Chronik weitergeführt und hilft dabei, dass sie lebendig bleibt.
05:14 · Till Hägele – Grußwort der DKG
Till Hägele: Die Ortsgruppe Erfurt feiert ihr 100-jähriges Jubiläum. 1926 war sie bereits der elfte Kakteenverein in Deutschland. Das Interesse an Kakteen wuchs besonders im 19. Jahrhundert mit dem aufkommenden Bürgertum und der Begeisterung für exotische Pflanzen. Fachliteratur, Gärtnereien und Vereine sorgten dafür, dass Wissen weitergegeben wurde.
Heute ist diese Aufgabe nicht kleiner geworden: Wissen bewahren, Wissen weitergeben und Menschen für Kakteen und andere Sukkulenten begeistern. Und deshalb der Appell: Engagieren Sie sich für dieses Hobby und schauen Sie bei einem Kakteenverein vorbei.
Zum Abschluss überreicht die DKG Markus Münch die Ehrenurkunde zum Jubiläum.
11:26 · Macht die Türen auf für die Jungen
Ulrich: Den Appell an die jungen Leute möchte ich um einen Appell an die ältere Generation ergänzen: „Macht die Türen auf für die Jungen.“ Schaut, welche Sprache sie sprechen, was sie interessiert und wo die Gemeinsamkeiten liegen. Die gibt es immer, wenn man will.
Damit geht es direkt zur jüngeren Generation: Philipp Heidel-Weizel hat früh mit Pflanzen angefangen und macht heute beruflich das, was einmal Hobby war – er arbeitet als Pflanzenzüchter.
12:35 · Philipp Heidel-Weizel übernimmt das Bühnengespräch
Philipp: Beim Stichwort Kaktus denken viele zuerst an Dornen, an Pflanzen, die angeblich kein Wasser brauchen, oder an die Fensterbänke der Großeltern. Heute geht es aber nicht nur um Pflanzen. Es geht um Freundschaften, Leidenschaft, Wissenschaft, Reisen, Vereinsabende und mehrere Generationen. „Es soll heute einmal um die Menschen hinter dem Kaktus gehen.“
13:35 · Hans-Friedrich Haage – wie alles begann
Philipp: Wenn es in Erfurt um Kakteen geht, kommt man am Namen Haage nicht vorbei. Hans-Friedrich, über deine Familie gibt es eine direkte Verbindung zur Gründungszeit. Wie muss man sich 1926 vorstellen?
Hans-Friedrich: Kakteen wurden Ende des 19. Jahrhunderts zu Modepflanzen. Zunächst konnten sich vor allem Fürstenhäuser und botanische Gärten solche Sammlungen leisten. Später wurden Kakteen für breitere Schichten erschwinglich. In Erfurt gab es mit Haage und Haage & Schmidt spezialisierte Betriebe. Friedrich Adolph Haage hatte den 1822 gegründeten Betrieb früh stark auf Kakteen ausgerichtet. Wer sich keine großen Pflanzen leisten konnte, kaufte Samen und zog selbst aus.
So war es logisch, dass sich Liebhaber zusammenschlossen, Erfahrungen austauschten und Vereine gründeten. Pfarrer Bertram war bei der Gründung in Erfurt eine treibende Kraft.
16:53 · Nächtliche Wanderung zur Königin der Nacht
Hans-Friedrich: Aus der Anfangszeit ist eine besonders schöne Geschichte überliefert. Nach einem Vereinsabend hieß es, bei Haage blühe die Königin der Nacht. Also machten sich die Kakteenfreunde zu Fuß auf den Weg. Es gab kaum Beleuchtung und keine bequeme Verbindung hinaus zur Gärtnerei. Im Gänsemarsch ging es durch die Dunkelheit, um dieses kurze Blütenschauspiel gemeinsam zu erleben.
Philipp: Heute würde man wahrscheinlich ein Foto per WhatsApp schicken. Damals lief eine ganze Gruppe nachts los. Genau darin steckt schon sehr viel Vereinsgeschichte.
18:18 · Bruch, Krieg und Neubeginn
Philipp: Mit der NS-Zeit und dem Krieg kommt der Bruch. Wie ging es danach weiter?
Hans-Friedrich: Der Neubeginn war kein einzelner Moment. Walther Haage hielt viele Vorträge über Kakteen und begeisterte damit Menschen. In der DDR konnte man einen Verein aber nicht einfach frei gründen. Naturwissenschaftliche Gruppen fanden schließlich unter dem Dach des Kulturbundes ihren Platz. Walther Haage hatte als selbständiger Gärtner Vorbehalte gegenüber staatlichen Institutionen; deshalb brauchte es Zeit, bis eine neue Fachgruppe entstehen konnte. 1961 kam es schließlich zur Gründung der Fachgruppe Kakteen.
22:13 · Die starke Zeit – Schill, Kroll und Lentzkow
Philipp: Jetzt schauen wir auf die starke Zeit der 1970er und 80er Jahre. Mit Andreas Schill, Gudrun Kroll und Klaus-Dieter Lentzkow sitzen Menschen hier, die diese Jahrzehnte aus unterschiedlichen Perspektiven erlebt haben.
Andreas: Wir haben große Ausstellungen aufgebaut, unter anderem auf der iga. Das war stundenlange Arbeit: Sand in die Halle, Pflanzen arrangieren, ganze Landschaften aufbauen. Und es gab enormes Interesse. Ich war damals noch sehr jung und wurde sogar von der Schule freigestellt, weil das als gesellschaftliche Arbeit anerkannt wurde. Über Pflanzenverkauf kamen für damalige Verhältnisse beachtliche Summen zusammen, die wieder an die beteiligten Mitglieder verteilt wurden.
Das Vereinsleben bestand aber nicht nur aus Ausstellungen: Monatsabende, Vorträge, Austausch, Pflanzen und Samen – und natürlich das gemeinsame Erleben.
25:23 · Kulturbund, Wende und Neugründung
Philipp: Ende der 1980er kommt ein harter Einschnitt. Die bisherigen Strukturen brechen weg, viele Fachgruppen lösen sich auf oder verlieren Mitglieder. Klaus-Dieter, du warst kurz nach der Wiedervereinigung eines der ersten ostdeutschen Vorstandsmitglieder in der DKG. Wie hast du diese Zeit erlebt?
Klaus-Dieter: Vieles brach tatsächlich zusammen. Menschen verloren ihre Arbeit, zogen weg oder hatten andere Sorgen. Die Liebhaberei rückte nach hinten. Von den vielen Tausend Mitgliedern, die zuvor in DDR-Fachgruppen organisiert waren, fand nur ein kleiner Teil unmittelbar den Weg in die DKG. Dazu kamen Missverständnisse zwischen Ost und West. Wir mussten erst lernen, wie die jeweiligen Strukturen funktionierten.
Gleichzeitig entstanden neue Möglichkeiten. Gruppen nahmen Kontakt auf, Reisen wurden möglich, und nach und nach entstand ein gemeinsames Netzwerk.
32:36 · Warum Menschen im Verein bleiben
Gudrun: Nach der Wende ging meine frühere Ortsgruppe Gotha leider kaputt. Kontakte nach Erfurt gab es aber weiterhin. Irgendwann fragte mich jemand: Warum bist du eigentlich nicht Mitglied in Erfurt? Meine Antwort war: Weil mich noch keiner gefragt hat. Und schon hatte ich die Beitrittserklärung.
Philipp: Das ist eigentlich die schönste Erklärung: persönlicher Kontakt. Gudrun, du hast später die Chronik weitergeführt. Vieles ist heute moderner, aber die Grundidee ist dieselbe – Menschen müssen miteinander ins Gespräch kommen.
Philipp erinnert an eine Erklärung seiner Großmutter für die große Vereinsdichte zu DDR-Zeiten: Freizeit, Fernsehen und Kommunikation funktionierten anders. Vereine waren wichtige soziale Räume. Genau dieser persönliche Teil ist bis heute ein Argument, auch wenn heute das Internet dazukommt.
36:06 · Neue Verbindungen nach der Wiedervereinigung
Nach der Wiedervereinigung knüpften die Erfurter schnell Kontakte zu westdeutschen Ortsgruppen. Helmut Bude stellte beispielsweise die Verbindung nach Kassel her. Besuche in Sammlungen, Reisen bis Heidelberg und gegenseitige Einladungen machten aus einzelnen Gruppen ein immer engeres Netzwerk.
Philipp: Genau das ist doch ein starkes Argument für Ortsgruppen: Dort gibt es Sammlungen zu sehen, Wissen zu hören und manchmal fällt auf dem Rückweg auch noch ein Steckling ab. Die DKG hat viele Ortsgruppen in ganz Deutschland – wahrscheinlich ist auch in der Nähe der Hörerinnen und Hörer eine.
38:52 · Markus Münch und Tim Oettel – die nächste Generation
Philipp: Jetzt sitzen Markus Münch aus der Erfurter Gruppe und Tim Oettel, Pflanzenenthusiast und Biologiestudent aus Göttingen, hier. Die Haarfarben ändern sich plötzlich ein wenig.
Markus: Ein heutiger Vereinsabend ist ziemlich locker. Keine feste Sitzordnung, kein Krawattenzwang. Wer kommt, ist willkommen. Oft sind schon die Minuten vor dem Vortrag besonders interessant: Da hört man Tricks und Erfahrungen, die jemand gerade ausprobiert hat – Veredelungen, Aussaaten oder ungewöhnliche Versuche.
Markus schätzt dabei besonders das Wissen der älteren Mitglieder. Fast bei jedem Treffen gebe es etwas, auf das er allein nicht gekommen wäre. Gudruns Idee, bei der nächsten Blüte der Königin der Nacht wieder als Gruppe ins Gewächshaus zu kommen, schließt dabei wunderbar den Kreis zur nächtlichen Wanderung von 1926.
42:09 · Warum interessieren sich junge Menschen für Pflanzen?
Philipp: Tim, du bist mit dem Internet aufgewachsen. Warum ausgerechnet Pflanzen?
Tim: Gerade weil ich vorher wenig darüber wusste. Je mehr man über seine Umwelt und über Pflanzen lernt, desto spannender werden sie. Bei mir war ein Schlüsselmoment die Blüte einer Phalaenopsis. Meine Oma war im Orchideenverein. Irgendwann standen 21 Orchideen in meinem Zimmer und ich hatte die Mission, sie wieder zum Blühen zu bringen. Das war meine Einstiegsdroge für Pflanzen.
Markus: Bei mir fing es ebenfalls mit wenigen Zimmerpflanzen und Kakteen an. Als ich sie als Kind auf dem Dachboden überwinterte und im Frühjahr wieder nachsah, waren die Kakteen die einzigen, die überlebt hatten. Also habe ich mich weiter auf sie spezialisiert.
43:56 · Wissenschaftskommunikation: YouTube, Doc Shorts & Instagram
Philipp: Tim, du machst Kurzdokus über Pflanzen, Tiere und ihre Lebensräume. Was steckt dahinter?
Tim: Gemeinsam mit meinem Professor machen wir an der Universität ein Kurzvideoformat. In fünf bis maximal zehn Minuten nehmen wir uns ein biologisches Kuriosum vor. Weil es kurze Dokumentationen sind, heißt die Reihe Doc Shorts. Auf YouTube erreichen wir damit Studierende, aber auch Menschen außerhalb der Universität. Wichtig ist uns, niedrigschwellig zu erzählen und die eigene Begeisterung weiterzugeben.
Die Themen führen von Göttingen bis Costa Rica, Namibia, Kenia oder Sri Lanka. Pflanzen stehen dabei oft in Beziehung zu Tieren – etwa bei Bestäubung und Blütenökologie. Das Internet ist voller Inhalte und soziale Netzwerke wie Instagram sind voller Pflanzenbilder. Umso wichtiger ist es, Wissen spannend und verständlich zu erzählen.
46:57 · Social Media und der persönliche Kontakt
Soziale Medien können Menschen mit einem Spezialinteresse überhaupt erst zusammenbringen. Über Pflanzen entstehen Kontakte zu Menschen in anderen Ländern, zu botanischen Gärten und zu Sammlern. Entscheidend wird es aber dort, wo aus dem digitalen Kontakt eine echte Begegnung entsteht.
Philipp: Genau so haben auch wir uns kennengelernt beziehungsweise wurden weiter miteinander vernetzt. Social Media ist ein Sprungbrett – aber es ersetzt nicht, jemandem wirklich in die Augen zu schauen.
Auf die Frage, warum man heute Mitglied einer Ortsgruppe werden sollte, landet Tim beim Engagement: Wer seine Begeisterung ausleben und weitergeben kann, kann damit auch andere anstecken und ein Thema wieder sichtbar machen.
49:59 · Was ein Kakteenverein heute leisten kann
Philipp: Markus, wenn heute jemand hier sitzt oder im Livestream zuschaut und noch nie in einer Ortsgruppe war – was erwartet ihn?
Markus: Kommt einfach vorbei. Es erwarten euch freundliche Menschen, ein interessanter Vortrag und eine bequeme Atmosphäre. Ihr könnt erst einmal ganz unverbindlich schauen. Und die Beitrittserklärungen liegen natürlich auch da.
Damit endet die eigentliche Gesprächsrunde mit einer großen Einladung nach Erfurt – und ebenso zu den anderen Ortsgruppen der DKG.
52:26 · Grüße aus Magdeburg
Aus Magdeburg kommen Glückwünsche „von einem Hundertjährigen zum anderen Hundertjährigen“. Und weil Vereinsleben eben nicht nur fachlicher Austausch, sondern auch viel Gemütlichkeit ist, gibt es gleich noch etwas für den nächsten gemeinsamen Grillabend dazu.
53:04 · Über 60 Jahre Freundschaft mit Ústí nad Labem
Zum Schluss kommen die tschechischen Freunde aus Ústí nad Labem zu Wort. Die Verbindung zwischen beiden Gruppen reicht bis in die frühen 1960er Jahre zurück und wurde über Jahrzehnte mit gegenseitigen Besuchen, Pflanzen, Samen, Literatur und persönlichen Freundschaften gepflegt.
Die Gäste erinnern an Namen der frühen Verbindung und daran, dass diese Freundschaft inzwischen älter ist als viele der Menschen, die sie heute weitertragen. Ihr Wunsch ist einfach: dass diese Zusammenarbeit weitergeht und der Erfurter Verein auch die nächsten 100 Jahre schafft.
56:03 · Auf die nächsten 100 Jahre
Ulrich: Das ist ein schöner Abschluss: noch einmal die internationale Freundschaft sichtbar zu machen. Liebe Grüße in die Welt im Livestream und vielen Dank an dieses tolle Publikum. Es hat sehr viel Spaß gemacht. „Auf die nächsten 100 Jahre!“
Shownotes zu CactusPodcast 047
100 Jahre Kakteenverein „Walther Haage“ Erfurt – live aus dem Gewächshaus
Kakteenverein „Walther Haage“ ErfurtDeutsche Kakteen-Gesellschaft e. V.Ortsgruppen der DKGJubiläum und Livestream bei Kakteen-HaageKomplette Videoaufzeichnung auf YouTubeCactusPodcast 046 – die Einladung zum JubiläumCactusPodcast 044 – Philipp inside DKGHans-Friedrich Haage – Kakteenzucht in der DDRGeschichte von Kakteen-HaageFriedrich Adolph Haage und die Erfurter KakteengeschichteKlub kaktusářů Ústí nad LabemDoc Shorts mit Tim Oettel und Michael SchwerdtfegerGartenbahn-Stammtisch Erfurt und die Kaktus-BahnStarke Sätze aus der Folge
„Ein Verein lebt nicht von Protokollen oder Mitgliederlisten.“„Macht die Türen auf für die Jungen.“„Es soll heute einmal um die Menschen hinterm Kaktus gehen.“„Social Media kann ein Sprungbrett zur Vernetzung sein – den persönlichen Kontakt ersetzt es nicht.“
Der Beitrag CactusPodcast 047 – 100 Jahre Kakteenverein Erfurt: live aus dem Gewächshaus erschien zuerst auf Cactusblog.