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23. August 2026 · CactusPodcast
Ein Gespräch über Wurzeln, Topfgröße, Kakteenerde – und die Frage, wann Nicht-Umtopfen die bessere Pflege ist.
Ein zu kleiner Topf, Wurzeln am Abzugsloch oder Erde, die kaum noch Wasser annimmt: Muss der Kaktus jetzt wirklich raus? In CactusPodcast 048 sprechen Ulrich Haage und Philipp Heidel-Weizel darüber, woran sich der richtige Zeitpunkt zum Umtopfen erkennen lässt – und warum nicht jedes sichtbare Zeichen automatisch einen größeren Topf verlangt.
Es geht um gesunde und geschädigte Wurzeln, alte und neue Kakteenerde, die passende Topfgröße, Ton- und Kunststofftöpfe, helle Altbrandtöpfe und die Pflege nach dem Umtopfen. Auch Sonderfälle kommen zur Sprache: Wurzelläuse, verdichtete Erde, empfindliche Wurzeltypen, neu gekaufte Pflanzen und wurzellose Kindel.
Das praktische Wie zeigt das begleitende Video. Im Podcast geht es um das Wann, das Warum und die Ausnahmen.
von Ulrich Haage und Philipp Heidel-Weizel | CactusPodcast
CactusBasics · Begleitartikel
Ein Kaktus sprengt beinahe seinen Topf. Unten schauen Wurzeln heraus. Die Erde wirkt alt und fest. Also: raus damit, größerer Topf, frische Erde – fertig?
Ganz so einfach ist es nicht. Genau deshalb beginnt CactusPodcast 048 nicht mit dem neuen Topf, sondern mit der Frage: Muss der Kaktus überhaupt umgetopft werden?
Der Ausgangspunkt dieser Folge liegt in der KaktusWerkstatt auf der Landesgartenschau im Eichsfeld. Dort ging es ganz praktisch darum, gemeinsam mit Besucherinnen und Besuchern Kakteen umzutopfen. Zwischen widerspenstigen Pflanzen, alten Wurzelballen und vielen Einzelfragen wurde Ulrich klar: Über Spezialfälle lässt sich lange sprechen – aber die scheinbar einfachen Grundlagen werden oft nur vorausgesetzt.
Mir haben die Grundlagen gefehlt – und deswegen machen wir jetzt die CactusBasics zum Kaktus umtopfen, beschreibt Ulrich den Ausgangspunkt der Folge.
Das begleitende Video zeigt die Handgriffe. Im Podcast gehen Ulrich und Philipp einen Schritt zurück: Wann ist ein neuer Topf wirklich nötig? Was erzählen Wurzeln und Erde? Und wie verändert das Umtopfen die Pflege danach?
Ulrich bringt viele Jahrzehnte Erfahrung aus der Kakteengärtnerei mit. Philipp verbindet sein gärtnerisches Fachwissen mit Studium, Berufspraxis und seiner eigenen Kakteenkultur.
Ein Austausch auf Augenhöhe – mit unterschiedlichen Erfahrungswegen und viel Raum für Beispiele, Einwände und kleine Abschweifungen.
Wer Philipp näher kennenlernen möchte, findet ihn bereits in CactusPodcast 044 – Philipp inside DKG und in der vorangegangenen Folge CactusPodcast 047 wieder.
Ein Blick zurück in die Zeit unserer Groß- oder Urgroßeltern führt zu schweren Tontöpfen, einer Scherbe über dem Abzugsloch und selbst gemischten Erden aus Rasensoden, Flusssand, verrottetem Pferdemist, Holzkohle oder Ziegelbruch. Einen festsitzenden Tontopf konnte man nicht zusammendrücken oder massieren. Im Zweifel wurde geklopft – oder der Topf geopfert.
Geändert haben sich Gefäße, Materialien und Arbeitsabläufe. Geblieben sind die eigentlichen Kulturfragen: Passt der Wurzelraum? Fließt Wasser zuverlässig ab? Wie stark darf der Ballen gestört werden? Und wann darf danach wieder gegossen werden?
Ein gesunder, heller und fester Wurzelballen, der den Topf gut ausfüllt, ist ein sinnvoller Zeitpunkt zum Umtopfen. Er ist aber noch kein Notfall.
„Dann kann man. Es ist nicht das Muss.“
— Ulrich Haage
Deutlicher wird der Handlungsbedarf, wenn die Pflanze trotz passender Bedingungen nicht mehr wächst, auffällig blass wird, Wasser nur noch am Ballen vorbeiläuft, der Topf durch Rhizome oder Wurzeldruck aufbricht oder sich Schädlinge zeigen. Gerade Wurzelläuse verraten sich mitunter durch kleine weiße Spuren an Topf und Wurzelballen.
Dabei gilt: Das sichtbare Symptom ist noch keine fertige Diagnose. Lichtmangel, falsches Gießen, Ruhezeit, Nährstoffversorgung und Wurzelschäden können ähnlich aussehen. Umtopfen repariert nicht automatisch jedes Pflegeproblem.
Ein gesunder Ballen muss nicht grundsätzlich vollständig zerlegt werden. Häufig genügt es, die äußere Erde vorsichtig zu lockern, den Wurzelhals freizulegen und den Zustand der Wurzeln zu prüfen.
Anders sieht es bei Schädlingen, Fäulnis, Pilzverdacht oder völlig ungeeigneter Erde aus. Dann kann es nötig sein, das Substrat vollständig zu entfernen, die Wurzeln auszuspülen und die Pflanze wiederholt zu behandeln. Sehr harte Ballen von Agaven oder anderen kräftig wurzelnden Pflanzen brauchen manchmal sogar Messer, Schere oder Spaten.
Die Regel lautet deshalb nicht „alte Erde immer ab“ oder „Ballen niemals stören“, sondern: Der Eingriff richtet sich nach dem Befund.
Philipp mischt seine Erde passend zu seiner eigenen Pflege. Weil er seine Pflanzen nicht täglich kontrolliert, darf sein Substrat etwas länger Feuchtigkeit halten. Für den Einstieg empfiehlt er trotzdem keine komplizierte Spezialmischung, sondern eine verlässliche Kakteenerde, deren Verhalten man kennenlernt.
Ein abrupter Wechsel von sehr humoser Erde zu einer völlig anderen Mischung ist nicht für jede üppig gewachsene Pflanze ideal. Manchmal ist ein Übergang in Schritten die bessere Lösung.
Auch beim neuen Topf gilt: größer nur, wenn der Wurzelballen den vorhandenen Raum tatsächlich nutzt. Bei kleinen Pflanzen reicht meist eine Topfstufe beziehungsweise ungefähr ein bis zwei Zentimeter mehr Durchmesser. Langsam wachsende Arten brauchen weniger Reserve als kräftige Echinopsen oder Blattkakteen. Ein zu großer Topf kann lange feucht bleiben – und die Pflanze anfangs mehr in Wurzeln als in Blüten investieren lassen.
Kugelkakteen kommen häufig mit der klassischen kleinen Topfstufe gut zurecht. Säulen brauchen zusätzlich Standfestigkeit; ein schwereres Gefäß oder Steine im unteren Bereich können helfen. Arten mit Rübenwurzeln benötigen passende, oft tiefere Gefäße. Empfindliche Gattungen wie Melocactus oder Discocactus vertragen unnötige Wurzelverletzungen besonders schlecht.
Entscheidend ist nicht allein, wie viel Erde im neuen Topf liegt, sondern wie viel aktive Wurzelmasse darin Wasser aufnehmen kann.
„Die Wassergabe nicht an das Erdvolumen, sondern an das Wurzelvolumen anpassen.“
— Philipp Heidel-Weizel
Dem Kaktus ist meist gleichgültig, ob sein Topf rund oder eckig ist. Für die Gärtnerei und die Sammlung kann die Form trotzdem wichtig sein, weil eckige Töpfe den verfügbaren Platz besser ausnutzen.
Beim Material wird es kulturtechnisch interessanter. Ton trocknet schneller und zieht Wurzeln eher an die Topfwand. Kunststoff hält Feuchtigkeit länger und lässt sich beim Austopfen zusammendrücken. Entscheidend ist also nicht, welches Material pauschal „besser“ ist, sondern wie es zur Erde, zum Standort und zur eigenen Gießweise passt.
Und dann gibt es noch Töpfe, die man nicht achtlos weitergeben sollte:
Philipp hat dabei einen besonderen Blick auf die hellen Altbrandtöpfe: Wer einen davon in die Finger bekommt, sollte ihn besser nicht achtlos wegwerfen oder verschenken.
Sie sind nicht nur schöne historische Gefäße, sondern bringen besonderen Charakter in die Sammlung. Bei Kakteen-Haage ist ein kleiner historischer Bestand ausgestellt – leider nicht zum Verkauf.
Philipp nutzt bei Zimmerpflanzen gelegentlich einen Übertopf, um einer kopflastigen Pflanze mehr Stabilität zu geben. Das kann funktionieren, solange überschüssiges Wasser vollständig ablaufen kann.
Als dauerhaftes Wasserreservoir ist der Übertopf dagegen gefährlich. Bleibt der Kulturtopf nach dem Gießen im Wasser stehen, fehlt den Wurzeln Luft.
Stehendes Wasser im Übertopf ist dabei tabu: Die Wurzeln dürfen nach dem Gießen nicht dauerhaft im Wasser stehen.
Beim Lockern und Einsetzen werden fast immer Fein- und Haarwurzeln verletzt. Deshalb wird ein frisch umgetopfter Kaktus nicht automatisch sofort angegossen. Sieben bis zehn Tage sind eine brauchbare Orientierung – abhängig von Wetter, Jahreszeit, Substratfeuchte, Pflanzenart und Umfang der Wurzelverletzungen.
Auch Dünger hat unmittelbar nach dem Umtopfen Pause. Die Wurzeln sollen heilen und den neuen Raum erschließen. Ein geschützter, beobachtbarer Standort hilft dabei, Probleme früh zu erkennen. Sinkt die Pflanze ein, kann eine Lufttasche unter dem Ballen die Ursache sein. Wird sie weich oder gelblich, kann das ein Zeichen von Fäulnis sein.
Philipp bringt die Wasserfrage am Ende mit einem wurzellosen Echinopsis-Kindel auf den Punkt:
Philipp bringt die Wasserfrage am Ende mit einem wurzellosen Echinopsis-Kindel auf den Punkt: Ohne aktive Wurzeln kann die Pflanze das angebotene Wasser noch gar nicht aufnehmen.
Ohne aktive Wurzeln kann eine Pflanze das angebotene Wasser nicht einfach nutzen. Ungefähr so:
„Das ist wie: Ich habe das Auto auf dem Wagenheber stehen und trete tüchtig aufs Gas – da fährt nix.“
— Ulrich Haage
Nicht jeder Neuerwerb ist ein Freitagabend-Notfall. Im Spätsommer kann ungeeignete Torferde entfernt und die Pflanze anschließend trocken gehalten werden. Im Winter ist es unter Umständen sinnvoller, einen trockenen Ballen bis zum Frühjahr in Ruhe zu lassen und erst dann gründlich zu arbeiten.
Aufgeklebte Augen, Sombreros oder Strohblumen sollten allerdings vorsichtig entfernt werden. Drähte und Einstichstellen sind mögliche Eintrittspforten für Infektionen. Die verletzte Stelle darf abtrocknen; Holzkohlepulver kann dabei als trockene Abdeckung dienen.
Manchmal ist Umtopfen genau die richtige Hilfe. Manchmal ist Nicht-Umtopfen die bessere Pflege. Der beste Anfang ist immer derselbe: nicht nur den sichtbaren Kaktus anschauen, sondern seinen Wurzelballen verstehen.
Kaktusgärtner, Blogger und Podcaster bei Kakteen-Haage in Erfurt. Ulrich verbindet jahrzehntelange Berufserfahrung mit Geschichten aus Gärtnerei, Werkstatt und Kakteenkultur.
Gärtner, Masterabsolvent und Abteilungsleiter in einer Baumschule bei Hamburg. Philipp verbindet aktuelles gärtnerisches Fachwissen, Berufspraxis und seine eigene Erfahrung als Kakteenliebhaber.
Die Zeitmarken der Audiofassung.
Kakteen für die Ohren
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Fragen aus der KaktusWerkstatt
Vier kurze Antworten auf Fragen, die beim Umtopfen fast immer auftauchen.
Nein. Ein gesunder, gut durchwurzelter Ballen bedeutet: Du kannst umtopfen. Zum Muss wird es erst, wenn Wachstum, Wasseraufnahme, Topf oder Wurzeln tatsächlich Probleme zeigen.
Nicht bei einem gesunden Ballen. Meist genügt es, die äußere Erde zu lockern und die Wurzeln zu kontrollieren. Bei Schädlingen, Fäulnis, Pilzverdacht oder völlig ungeeigneter Erde kann eine vollständige Reinigung nötig sein.
Bei kleinen Pflanzen reicht meistens eine Topfstufe – ungefähr ein bis zwei Zentimeter mehr Durchmesser. Entscheidend sind Wurzeltyp, Wachstum und Gießweise, nicht allein die Größe des sichtbaren Kaktus.
Feinwurzeln werden beim Umtopfen fast immer verletzt. Sieben bis zehn Tage Trockenzeit sind eine brauchbare Orientierung – abhängig von Wetter, Jahreszeit, Pflanzenart, Substratfeuchte und Umfang der Verletzungen.
Deine Frage fehlt? Schreib an [email protected].
KaktusWerkstatt · Video
Das Video zur Umtopf-Folge – mit vielen Spezialfällen und den Handgriffen zum Nachmachen.
Ulrich erzählt vom Kakteenaktionstag auf der Landesgartenschau im Eichsfeld, den er für sich KaktusWerkstatt genannt hat. Dort wurde praktisch gearbeitet und zugleich deutlich, wie viele Grundfragen hinter dem scheinbar einfachen Umtopfen stehen. Philipp war schon dort als Gesprächspartner dabei.
Wurzeln am Abzugsloch, ein platzender Topf oder stockendes Wachstum können Anlass zur Kontrolle sein. Ein gesund durchwurzelter Ballen bedeutet: Jetzt kann umgetopft werden. Ob es bereits sein muss, entscheidet der konkrete Zustand der Pflanze.
Wenn eine Pflanze trotz passender Pflege nicht wächst oder ungewöhnlich blass wird, lohnt der Blick unter die Erde. Helle, feste Feinwurzeln sprechen für Gesundheit; weiße Spuren können Wurzelläuse verraten. Bei Schädlingen oder Fäulnis muss alte Erde deutlich gründlicher entfernt werden als bei einem gesunden Ballen.
Erde kann hart werden, schrumpfen oder Wasser nur noch am Ballen vorbeileiten. Ein einfacher Test nach dem Gießen zeigt, ob das Substrat tatsächlich Wasser aufgenommen hat. Besonders torfreiche Mischungen können nach langer Trockenheit schwer wieder benetzbar sein.
Pflanze sicher greifen, Kunststofftopf massieren, Ballen lösen, Wurzelhals freilegen, Wurzeln prüfen, passenden Topf wählen, etwas Erde vorlegen, in gleicher Höhe einsetzen, auffüllen und vorsichtig festigen. Luftlöcher vermeiden – und anschließend nicht automatisch gießen. Das begleitende Video zeigt die Handgriffe.
Philipp passt seine Mischung an die Häufigkeit seiner Kontrollen an. Eine gute Standard-Kakteenerde ist für Einsteiger oft hilfreicher als eine komplizierte Spezialmischung. Sehr abrupte Substratwechsel können bei üppig kultivierten Pflanzen unnötigen Stress erzeugen.
Bei kleinen Pflanzen reichen meist ein bis zwei Zentimeter zusätzlicher Durchmesser. Größere oder schnell wachsende Pflanzen verlangen eine individuelle Prognose. Ein absichtlich großer Topf kann Wachstum fördern, muss dann aber durch eine luftigere, weniger wasserhaltende Mischung abgesichert werden.
Säulen brauchen Stabilität, Rübenwurzler Tiefe, stark wachsende Blattkakteen mehr Reserven. Empfindliche Wurzelsysteme sollten möglichst wenig gestört werden. Gegossen wird nach aktiver Wurzelmasse – nicht einfach nach der Menge Erde im Gefäß.
Tontöpfe trocknen schneller, Kunststofftöpfe halten Feuchtigkeit länger und erleichtern das Austopfen. Helle Altbrandtöpfe sind ein besonderer historischer Fund. Übertöpfe können Stabilität geben, dürfen aber nie zum stehenden Wasserreservoir werden.
Sieben bis zehn Tage ohne Gießen sind eine Orientierung, kein starres Gesetz. Wetter, Jahreszeit, Substratfeuchte und Wurzelverletzungen bestimmen die tatsächliche Pause. Auch mit Dünger wird gewartet, bis die Wurzeln den neuen Raum wieder nutzen können.
Neu gekaufte Kakteen müssen nicht pauschal sofort umgetopft werden. Im Winter kann ein trockener Ballen bis zum Frühjahr warten. Bei Schädlingen, Fäulnis oder verletzender Dekoration besteht dagegen unmittelbarer Handlungsbedarf.
Ein wurzelloses Kindel kann angebotenes Wasser noch nicht aufnehmen. Dasselbe Grundprinzip gilt nach starken Wurzelverletzungen: Erst wenn Wurzeln wieder funktionieren, wird aus Gießen tatsächlich Versorgung.
CactusBasics – Kakteen umtopfen: Muss der wirklich raus?
Weiterhören
Diese Folge ist der Wegpunkt zum Umtopfen. Die bereits erschienenen Grundlagenfolgen führen von der ersten Pflanze über Pflege und Erde bis zu Aussaat und Vermehrung.
Der Hörpfad wächst mit weiteren Grundlagenfolgen zu Gießen, Licht und Standort, Winterruhe, Schädlingen und Vermehrung weiter.
Der Beitrag CactusPodcast 048 – CactusBasics: Kakteen umtopfen – Muss der wirklich raus? erschien zuerst auf Cactusblog.
10. Mai 2026 · CactusPodcast
Ein Jahrhundert Kakteenleidenschaft – erzählt von den Menschen, die sie weitertragen.
1926 wurde in Erfurt eine Ortsgruppe der Deutschen Kakteen-Gesellschaft gegründet. Hundert Jahre später treffen sich Kakteenfreunde mehrerer Generationen dort, wo Erfurter Kakteengeschichte seit Jahrhunderten zu Hause ist: im Gewächshaus bei Kakteen-Haage.
Diese Folge des CactusPodcast ist die Aufzeichnung des Bühnengesprächs zum Jubiläum des Kakteenvereins „Walther Haage“ Erfurt am 9. Mai 2026. Die Veranstaltung war Teil des Tags der offenen Tür 2026 und wurde live aus dem Gewächshaus bei Kakteen-Haage übertragen.
Unter den Gästen waren Besucherinnen und Besucher des Tags der offenen Tür sowie unsere Kakteenfreunde aus Ústí nad Labem, mit denen uns seit Jahrzehnten eine enge Freundschaft verbindet. Sie waren gemeinsam mit ihrem Vorsitzenden angereist.
Es geht um die ersten Vereinsjahre, die nächtliche Wanderung zur Königin der Nacht, um Krieg und Neubeginn, das Vereinsleben im Kulturbund der DDR, die Wende und die Neuorganisation danach. Vor allem aber geht es um die Menschen hinter den Pflanzen.
Durch das Gespräch führt Philipp Heidel-Weizel. Mit dabei sind Hans-Friedrich Haage, Andreas Schill, Gudrun Kroll, Klaus-Dieter Lentzkow, Markus Münch und Tim Oettel. Zum Auftakt gratuliert DKG-Präsident Till Hägele.
von Ulrich Haage, Philipp Heidel-Weizel und Gäste | CactusPodcast
Für diese Runde habe ich Menschen zusammengebracht, die den Erfurter Kakteenverein über Jahrzehnte getragen, nach Brüchen neu aufgebaut und immer wieder für die nächste Generation geöffnet haben. Ihre Erinnerungen, ihr Wissen und vor allem ihr persönliches Engagement tragen diese Folge.
Till Hägele ist Präsident der Deutschen Kakteen-Gesellschaft. Der Gartenbauingenieur und promovierte Agrarwissenschaftler arbeitet seit 2001 als Abteilungsleiter der Gewächshausanlage im Botanischen Garten München. In Erfurt ordnet er die 100 Jahre Vereinsgeschichte aus Sicht der DKG ein – und richtet einen deutlichen Appell an die nächste Generation.
Philipp Heidel-Weizel moderiert das Bühnengespräch. Er gehört zur jüngeren Generation der Kakteenfreunde und arbeitet heute professionell als Pflanzenzüchter, besonders im Bereich Gehölze. Im CactusPodcast war er bereits in Episode 044 – Philipp inside DKG zu Gast. Für diese Jubiläumsrunde führt er die Geschichte bewusst von den Pflanzen zu den Menschen hinterm Kaktus.
Hans-Friedrich Haage schlägt die direkte Brücke in die Familien- und Vereinsgeschichte. Als Sohn von Walther Haage kennt er viele Erzählungen aus der Erfurter Kakteenzucht aus erster Hand. Nach seinem Gartenbaustudium übernahm er 1972 die Leitung der verstaatlichten „Brigade Kakteenzucht“ und führte den Betrieb 1990 wieder in die Selbständigkeit. Mehr zu ihm: Hans-Friedrich Haage bei Kakteen-Haage.
Andreas Schill war über viele Jahre Kassierer der Erfurter Kakteengruppe und hat die starke Zeit der großen Ausstellungen unmittelbar erlebt. Kakteen sind nicht sein einziges ausgesprochen spezielles Hobby: Andreas gehört auch zur Erfurter Gartenbahnszene. Die beiden Welten trafen bei Kakteen-Haage schon ganz praktisch zusammen, wenn die Kaktus-Bahn durch das Gewächshaus fuhr.
Gudrun Kroll hat die Chronik der Erfurter Kakteenfreunde weitergeführt und damit einen wichtigen Teil der Vereinsgeschichte bewahrt. In der Kakteenwelt ist sie außerdem für ihre Hybriden bekannt; auch 2026 ist sie mit dem Vortrag „Blühende Hybriden“ im Programm einer DKG-Ortsgruppe zu finden. In dieser Folge erzählt sie unter anderem, wie entscheidend der persönliche Kontakt dafür war, selbst wieder Mitglied einer Ortsgruppe zu werden.
Klaus-Dieter Lentzkow bringt die Magdeburger Perspektive und ein großes Stück ostdeutscher Vereinsgeschichte mit. Er wurde kurz nach der Wiedervereinigung als Beisitzer in den Vorstand der Deutschen Kakteen-Gesellschaft gewählt und war später Sprecher des DKG-Beirats. Im Gespräch erinnert er an den tiefen Einschnitt der Wendezeit – und daran, wie neue Verbindungen zwischen ost- und westdeutschen Gruppen entstanden.
Markus Münch steht für die Generation, die den Kakteenverein „Walther Haage“ Erfurt heute trägt. Er beschreibt den heutigen Vereinsabend als ziemlich unkomplizierte Angelegenheit: keine Krawatte, keine feste Sitzordnung, dafür Vorträge, Erfahrungsaustausch und jede Menge kleine Tricks, die man eben nicht aus jedem Buch bekommt. Auch außerhalb der Vereinsabende ist er mit einem breiten Pflanzensortiment auf Garten- und Kakteenveranstaltungen präsent.
Tim Oettel ist Pflanzenenthusiast und Biologiestudent aus Göttingen. Gemeinsam mit Dr. Michael Schwerdtfeger produziert er die Kurzfilmreihe Doc Shorts, in der botanische und zoologische Kuriositäten niedrigschwellig in kurzen Videos erzählt werden. 2025 wurde der weitere Ausbau der Serie an der Universität Göttingen gefördert. Tim steht damit ziemlich genau für eine der Zukunftsfragen dieser Folge: Wie erreicht Pflanzenwissen heute neue Menschen – über YouTube und soziale Medien, aber am Ende möglichst auch wieder persönlich? Mehr: Doc Shorts – Wundersame Botanik.
Ulrich Haage ist Gastgeber der Jubiläumsveranstaltung und des CactusPodcast. In dieser Folge führt er vom Podcast-Intro ins Gewächshaus, begrüßt die Gäste und gibt das Gespräch anschließend an Philipp weiter.
Die Zeitmarken passen zur veröffentlichten Audiofassung und eignen sich auch für die Shownotes sowie für die Beschreibung der Videoaufzeichnung auf YouTube.
Die Livesendung aus dem Gewächshaus bei Kakteen-Haage haben wir auch im Video festgehalten.
Kakteen für die Ohren
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Ulrich: Herzlich willkommen zum CactusPodcast, Folge 47. Heute etwas ganz Besonderes: die Aufzeichnung unserer Live-Sendung zum 100-jährigen Jubiläum des Kakteenvereins „Walther Haage“ Erfurt. Am 9. Mai 2026 haben wir im Gewächshaus bei uns in der Gärtnerei gefeiert – gemeinsam mit den befreundeten Kakteenfreunden aus Ústí nad Labem. Der Präsident der Deutschen Kakteen-Gesellschaft spricht ein Grußwort, und Philipp Heidel-Weizel moderiert anschließend die Gesprächsrunde. Er blickt mit uns in die Vergangenheit und führt das Ganze in die Zukunft.
Ulrich: Ein Verein lebt nicht von Protokollen oder Mitgliederlisten – auch wenn die Chronik ziemlich voll davon ist. Das Spannende ist das, was zwischen den Zeilen passiert: was Menschen erleben, was sie zusammenbringt und wie sie ihr Wissen und ihre Leidenschaft in eine Gemeinschaft hineintragen.
100 Jahre sind ein dickes Brett. Deshalb zuerst ein Dank an die Mitglieder, an mein Team, an Freunde, Gäste und Familie und an alle, die diese Veranstaltung möglich gemacht haben. Die Chronik ist für mich dabei ein wichtiges Thema geworden. Wer eigene Erinnerungen oder Geschichten hat, darf sie gern ergänzen. Gudrun Kroll hat diese Chronik weitergeführt und hilft dabei, dass sie lebendig bleibt.
Till Hägele: Die Ortsgruppe Erfurt feiert ihr 100-jähriges Jubiläum. 1926 war sie bereits der elfte Kakteenverein in Deutschland. Das Interesse an Kakteen wuchs besonders im 19. Jahrhundert mit dem aufkommenden Bürgertum und der Begeisterung für exotische Pflanzen. Fachliteratur, Gärtnereien und Vereine sorgten dafür, dass Wissen weitergegeben wurde.
Heute ist diese Aufgabe nicht kleiner geworden: Wissen bewahren, Wissen weitergeben und Menschen für Kakteen und andere Sukkulenten begeistern. Und deshalb der Appell: Engagieren Sie sich für dieses Hobby und schauen Sie bei einem Kakteenverein vorbei.
Zum Abschluss überreicht die DKG Markus Münch die Ehrenurkunde zum Jubiläum.
Ulrich: Den Appell an die jungen Leute möchte ich um einen Appell an die ältere Generation ergänzen: „Macht die Türen auf für die Jungen.“ Schaut, welche Sprache sie sprechen, was sie interessiert und wo die Gemeinsamkeiten liegen. Die gibt es immer, wenn man will.
Damit geht es direkt zur jüngeren Generation: Philipp Heidel-Weizel hat früh mit Pflanzen angefangen und macht heute beruflich das, was einmal Hobby war – er arbeitet als Pflanzenzüchter.
Philipp: Beim Stichwort Kaktus denken viele zuerst an Dornen, an Pflanzen, die angeblich kein Wasser brauchen, oder an die Fensterbänke der Großeltern. Heute geht es aber nicht nur um Pflanzen. Es geht um Freundschaften, Leidenschaft, Wissenschaft, Reisen, Vereinsabende und mehrere Generationen. „Es soll heute einmal um die Menschen hinter dem Kaktus gehen.“
Philipp: Wenn es in Erfurt um Kakteen geht, kommt man am Namen Haage nicht vorbei. Hans-Friedrich, über deine Familie gibt es eine direkte Verbindung zur Gründungszeit. Wie muss man sich 1926 vorstellen?
Hans-Friedrich: Kakteen wurden Ende des 19. Jahrhunderts zu Modepflanzen. Zunächst konnten sich vor allem Fürstenhäuser und botanische Gärten solche Sammlungen leisten. Später wurden Kakteen für breitere Schichten erschwinglich. In Erfurt gab es mit Haage und Haage & Schmidt spezialisierte Betriebe. Friedrich Adolph Haage hatte den 1822 gegründeten Betrieb früh stark auf Kakteen ausgerichtet. Wer sich keine großen Pflanzen leisten konnte, kaufte Samen und zog selbst aus.
So war es logisch, dass sich Liebhaber zusammenschlossen, Erfahrungen austauschten und Vereine gründeten. Pfarrer Bertram war bei der Gründung in Erfurt eine treibende Kraft.
Hans-Friedrich: Aus der Anfangszeit ist eine besonders schöne Geschichte überliefert. Nach einem Vereinsabend hieß es, bei Haage blühe die Königin der Nacht. Also machten sich die Kakteenfreunde zu Fuß auf den Weg. Es gab kaum Beleuchtung und keine bequeme Verbindung hinaus zur Gärtnerei. Im Gänsemarsch ging es durch die Dunkelheit, um dieses kurze Blütenschauspiel gemeinsam zu erleben.
Philipp: Heute würde man wahrscheinlich ein Foto per WhatsApp schicken. Damals lief eine ganze Gruppe nachts los. Genau darin steckt schon sehr viel Vereinsgeschichte.
Philipp: Mit der NS-Zeit und dem Krieg kommt der Bruch. Wie ging es danach weiter?
Hans-Friedrich: Der Neubeginn war kein einzelner Moment. Walther Haage hielt viele Vorträge über Kakteen und begeisterte damit Menschen. In der DDR konnte man einen Verein aber nicht einfach frei gründen. Naturwissenschaftliche Gruppen fanden schließlich unter dem Dach des Kulturbundes ihren Platz. Walther Haage hatte als selbständiger Gärtner Vorbehalte gegenüber staatlichen Institutionen; deshalb brauchte es Zeit, bis eine neue Fachgruppe entstehen konnte. 1961 kam es schließlich zur Gründung der Fachgruppe Kakteen.
Philipp: Jetzt schauen wir auf die starke Zeit der 1970er und 80er Jahre. Mit Andreas Schill, Gudrun Kroll und Klaus-Dieter Lentzkow sitzen Menschen hier, die diese Jahrzehnte aus unterschiedlichen Perspektiven erlebt haben.
Andreas: Wir haben große Ausstellungen aufgebaut, unter anderem auf der iga. Das war stundenlange Arbeit: Sand in die Halle, Pflanzen arrangieren, ganze Landschaften aufbauen. Und es gab enormes Interesse. Ich war damals noch sehr jung und wurde sogar von der Schule freigestellt, weil das als gesellschaftliche Arbeit anerkannt wurde. Über Pflanzenverkauf kamen für damalige Verhältnisse beachtliche Summen zusammen, die wieder an die beteiligten Mitglieder verteilt wurden.
Das Vereinsleben bestand aber nicht nur aus Ausstellungen: Monatsabende, Vorträge, Austausch, Pflanzen und Samen – und natürlich das gemeinsame Erleben.
Philipp: Ende der 1980er kommt ein harter Einschnitt. Die bisherigen Strukturen brechen weg, viele Fachgruppen lösen sich auf oder verlieren Mitglieder. Klaus-Dieter, du warst kurz nach der Wiedervereinigung eines der ersten ostdeutschen Vorstandsmitglieder in der DKG. Wie hast du diese Zeit erlebt?
Klaus-Dieter: Vieles brach tatsächlich zusammen. Menschen verloren ihre Arbeit, zogen weg oder hatten andere Sorgen. Die Liebhaberei rückte nach hinten. Von den vielen Tausend Mitgliedern, die zuvor in DDR-Fachgruppen organisiert waren, fand nur ein kleiner Teil unmittelbar den Weg in die DKG. Dazu kamen Missverständnisse zwischen Ost und West. Wir mussten erst lernen, wie die jeweiligen Strukturen funktionierten.
Gleichzeitig entstanden neue Möglichkeiten. Gruppen nahmen Kontakt auf, Reisen wurden möglich, und nach und nach entstand ein gemeinsames Netzwerk.
Gudrun: Nach der Wende ging meine frühere Ortsgruppe Gotha leider kaputt. Kontakte nach Erfurt gab es aber weiterhin. Irgendwann fragte mich jemand: Warum bist du eigentlich nicht Mitglied in Erfurt? Meine Antwort war: Weil mich noch keiner gefragt hat. Und schon hatte ich die Beitrittserklärung.
Philipp: Das ist eigentlich die schönste Erklärung: persönlicher Kontakt. Gudrun, du hast später die Chronik weitergeführt. Vieles ist heute moderner, aber die Grundidee ist dieselbe – Menschen müssen miteinander ins Gespräch kommen.
Philipp erinnert an eine Erklärung seiner Großmutter für die große Vereinsdichte zu DDR-Zeiten: Freizeit, Fernsehen und Kommunikation funktionierten anders. Vereine waren wichtige soziale Räume. Genau dieser persönliche Teil ist bis heute ein Argument, auch wenn heute das Internet dazukommt.
Nach der Wiedervereinigung knüpften die Erfurter schnell Kontakte zu westdeutschen Ortsgruppen. Helmut Bude stellte beispielsweise die Verbindung nach Kassel her. Besuche in Sammlungen, Reisen bis Heidelberg und gegenseitige Einladungen machten aus einzelnen Gruppen ein immer engeres Netzwerk.
Philipp: Genau das ist doch ein starkes Argument für Ortsgruppen: Dort gibt es Sammlungen zu sehen, Wissen zu hören und manchmal fällt auf dem Rückweg auch noch ein Steckling ab. Die DKG hat viele Ortsgruppen in ganz Deutschland – wahrscheinlich ist auch in der Nähe der Hörerinnen und Hörer eine.
Philipp: Jetzt sitzen Markus Münch aus der Erfurter Gruppe und Tim Oettel, Pflanzenenthusiast und Biologiestudent aus Göttingen, hier. Die Haarfarben ändern sich plötzlich ein wenig.
Markus: Ein heutiger Vereinsabend ist ziemlich locker. Keine feste Sitzordnung, kein Krawattenzwang. Wer kommt, ist willkommen. Oft sind schon die Minuten vor dem Vortrag besonders interessant: Da hört man Tricks und Erfahrungen, die jemand gerade ausprobiert hat – Veredelungen, Aussaaten oder ungewöhnliche Versuche.
Markus schätzt dabei besonders das Wissen der älteren Mitglieder. Fast bei jedem Treffen gebe es etwas, auf das er allein nicht gekommen wäre. Gudruns Idee, bei der nächsten Blüte der Königin der Nacht wieder als Gruppe ins Gewächshaus zu kommen, schließt dabei wunderbar den Kreis zur nächtlichen Wanderung von 1926.
Philipp: Tim, du bist mit dem Internet aufgewachsen. Warum ausgerechnet Pflanzen?
Tim: Gerade weil ich vorher wenig darüber wusste. Je mehr man über seine Umwelt und über Pflanzen lernt, desto spannender werden sie. Bei mir war ein Schlüsselmoment die Blüte einer Phalaenopsis. Meine Oma war im Orchideenverein. Irgendwann standen 21 Orchideen in meinem Zimmer und ich hatte die Mission, sie wieder zum Blühen zu bringen. Das war meine Einstiegsdroge für Pflanzen.
Markus: Bei mir fing es ebenfalls mit wenigen Zimmerpflanzen und Kakteen an. Als ich sie als Kind auf dem Dachboden überwinterte und im Frühjahr wieder nachsah, waren die Kakteen die einzigen, die überlebt hatten. Also habe ich mich weiter auf sie spezialisiert.
Philipp: Tim, du machst Kurzdokus über Pflanzen, Tiere und ihre Lebensräume. Was steckt dahinter?
Tim: Gemeinsam mit meinem Professor machen wir an der Universität ein Kurzvideoformat. In fünf bis maximal zehn Minuten nehmen wir uns ein biologisches Kuriosum vor. Weil es kurze Dokumentationen sind, heißt die Reihe Doc Shorts. Auf YouTube erreichen wir damit Studierende, aber auch Menschen außerhalb der Universität. Wichtig ist uns, niedrigschwellig zu erzählen und die eigene Begeisterung weiterzugeben.
Die Themen führen von Göttingen bis Costa Rica, Namibia, Kenia oder Sri Lanka. Pflanzen stehen dabei oft in Beziehung zu Tieren – etwa bei Bestäubung und Blütenökologie. Das Internet ist voller Inhalte und soziale Netzwerke wie Instagram sind voller Pflanzenbilder. Umso wichtiger ist es, Wissen spannend und verständlich zu erzählen.
Soziale Medien können Menschen mit einem Spezialinteresse überhaupt erst zusammenbringen. Über Pflanzen entstehen Kontakte zu Menschen in anderen Ländern, zu botanischen Gärten und zu Sammlern. Entscheidend wird es aber dort, wo aus dem digitalen Kontakt eine echte Begegnung entsteht.
Philipp: Genau so haben auch wir uns kennengelernt beziehungsweise wurden weiter miteinander vernetzt. Social Media ist ein Sprungbrett – aber es ersetzt nicht, jemandem wirklich in die Augen zu schauen.
Auf die Frage, warum man heute Mitglied einer Ortsgruppe werden sollte, landet Tim beim Engagement: Wer seine Begeisterung ausleben und weitergeben kann, kann damit auch andere anstecken und ein Thema wieder sichtbar machen.
Philipp: Markus, wenn heute jemand hier sitzt oder im Livestream zuschaut und noch nie in einer Ortsgruppe war – was erwartet ihn?
Markus: Kommt einfach vorbei. Es erwarten euch freundliche Menschen, ein interessanter Vortrag und eine bequeme Atmosphäre. Ihr könnt erst einmal ganz unverbindlich schauen. Und die Beitrittserklärungen liegen natürlich auch da.
Damit endet die eigentliche Gesprächsrunde mit einer großen Einladung nach Erfurt – und ebenso zu den anderen Ortsgruppen der DKG.
Aus Magdeburg kommen Glückwünsche „von einem Hundertjährigen zum anderen Hundertjährigen“. Und weil Vereinsleben eben nicht nur fachlicher Austausch, sondern auch viel Gemütlichkeit ist, gibt es gleich noch etwas für den nächsten gemeinsamen Grillabend dazu.
Zum Schluss kommen die tschechischen Freunde aus Ústí nad Labem zu Wort. Die Verbindung zwischen beiden Gruppen reicht bis in die frühen 1960er Jahre zurück und wurde über Jahrzehnte mit gegenseitigen Besuchen, Pflanzen, Samen, Literatur und persönlichen Freundschaften gepflegt.
Die Gäste erinnern an Namen der frühen Verbindung und daran, dass diese Freundschaft inzwischen älter ist als viele der Menschen, die sie heute weitertragen. Ihr Wunsch ist einfach: dass diese Zusammenarbeit weitergeht und der Erfurter Verein auch die nächsten 100 Jahre schafft.
Ulrich: Das ist ein schöner Abschluss: noch einmal die internationale Freundschaft sichtbar zu machen. Liebe Grüße in die Welt im Livestream und vielen Dank an dieses tolle Publikum. Es hat sehr viel Spaß gemacht. „Auf die nächsten 100 Jahre!“
100 Jahre Kakteenverein „Walther Haage“ Erfurt – live aus dem Gewächshaus
Der Beitrag CactusPodcast 047 – 100 Jahre Kakteenverein Erfurt: live aus dem Gewächshaus erschien zuerst auf Cactusblog.
4. Mai 2026 · CactusPodcast
Sechs Tage vor dem 100-jährigen Jubiläum des Kakteenvereins „Walther Haage“ Erfurt teste ich die Live-Sendung aus dem Gewächshaus – und erzähle, warum mich an dieser Feier nicht nur der Blick zurück interessiert. Es geht um Wurzeln, Menschen und die Frage, was ein Verein braucht, damit seine Geschichte auch in der nächsten Generation weitergeht.
von Ulrich Haage | CactusPodcast
Live-Test · Gewächshaus bei Kakteen-Haage · 4. Mai 2026
Die Idee zu dieser Episode kam ziemlich kurzfristig. Beim Treffen des Kakteenforums hatte Henry gefragt, wann endlich die nächste Folge des CactusPodcast kommt. Gleichzeitig mussten wir ausprobieren, ob eine Live-Sendung aus dem Gewächshaus technisch funktioniert. Also habe ich beides zusammengebracht: Mikrofon an, Kamera an – und los.
Am 9. Mai 2026 feierte der Kakteenverein „Walther Haage“ Erfurt sein 100-jähriges Bestehen. In dieser Vorschau erzähle ich, was wir für den Tag der offenen Tür geplant hatten und warum mich hinter der Chronik vor allem die Geschichten der Menschen interessierten.
„Ohne ein solides Wurzelwachstum geht es der Pflanze nicht gut – und das gilt ziemlich deutlich auch für uns Menschen.“
— Ulrich Haage
Aus dem angekündigten Podiumsgespräch wurde anschließend CP047 – 100 Jahre Kakteenverein Erfurt: live aus dem Gewächshaus. Dort erzählen mehrere Generationen selbst von Vereinsleben, DDR, Wende, Freundschaften und der Zukunft der Kakteenvereine.
Mehr über die Menschen im CactusPodcast
Damit du schnell zu den einzelnen Stationen springen kannst:
Kakteen für die Ohren
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Weitere Möglichkeiten: Pocket Casts · Deezer · RSS-Feed
Noch neu bei Podcasts? So funktioniert das Abonnieren.
So eine Ewigkeit schon wieder nichts gemacht – aber das stimmt natürlich nicht. Gemacht habe ich die ganze Zeit etwas, nur gab es keine neue Folge im CactusPodcast. Das holen wir jetzt schnell nach.
Heute auf eine andere Art: eine Sendung live aus dem Gewächshaus. Wenn du die Aufzeichnung sehen möchtest, findest du sie auf unserem YouTube-Kanal. Wir gehen jetzt einfach hinein in den Test.
Gut, wir sind live. Ganz schön aufregend.
Hi, ich bin Ulrich Haage. Herzlich willkommen im CactusPodcast – diesmal mit einer Live-Übertragung aus dem Gewächshaus. Heute habe ich noch eine zweite Mission: Das ist gleichzeitig der Teaser für eine Geschichte, die wir am 9. Mai geplant haben.
Der Kakteenverein „Walther Haage“ Erfurt feiert sein 100-jähriges Jubiläum. Wir haben beschlossen, daraus etwas Besonderes zu machen, und genau hier soll es passieren. Heute testen wir, ob das funktioniert.
Wir wollen darüber reden, wie es gelingen kann, dass Menschen sich über eine so lange Zeit und über mehrere Generationen mit einem Thema beschäftigen.
Am vergangenen Samstag war das Treffen des Kakteenforums. Henry hat mich gefragt: „Sag mal, wann kommt denn die nächste Folge im CactusPodcast?“
Ich war schon relativ lange nicht auf Sendung. Und dann kam der Gedanke: Wir nutzen diesen Test und erledigen das eine mit dem anderen. So ist diese kleine Ankündigung über den Kakteenverein entstanden.
100 Jahre Kakteenverein – das ist eine heftige Nummer. Für mich ist das nicht irgendein Termin. Ich bin froh über die vielen Menschen, die uns dabei unterstützen, diese Geschichte ein bisschen lauter und weiter zu erzählen.
Am 9. Mai werde ich hier natürlich nicht allein sitzen. Es wird eine Gesprächsrunde geben, die Menschen aus dem Kakteenverein und weit gereiste Gäste zusammenbringt. Ein Moderator wird sie löchern, damit sie erzählen, was sie in all den Jahrzehnten erlebt haben.
Ich durfte tief in die Chronik hineingucken. Dort stecken wunderbare Geschichten. Wir wollen aber keine Geschichtsstunde halten und auch nicht einfach aus der Chronik vorlesen. Uns interessiert, was dieser Verein in den vergangenen 100 Jahren für Menschen bedeutet hat und wie sie sich engagiert haben.
Wir spannen den Bogen aus den starken Zeiten der 1970er und 80er Jahre. Damals beschäftigten sich sehr viele Menschen mit Kakteen und steckten enorme Energie in ihre Vereine und Ausstellungen. Die Welt war dabei keineswegs nur so klein, wie man auf den ersten Blick denken könnte. Auch dazu werden wir eine Geschichte hören.
Mit der Wende waren Kakteen für viele Menschen plötzlich nicht mehr ganz so wichtig. Mich interessiert, wie der Verein und die ganze Kakteenwelt auf diesen Umbruch reagierten.
Der zentrale Punkt ist für mich aber: Wie geht die Geschichte weiter? Wie holen wir die nächste Generation mit ins Boot? Diese Frage möchte ich gemeinsam mit den Menschen im Gewächshaus und mit euch erobern.
Deshalb ist das heute nicht nur ein Testlauf. Erzählt es weiter und kommt nach Erfurt. Am Samstag, dem 9. Mai 2026, beginnt die Festveranstaltung um 14 Uhr im Gewächshaus bei Kakteen-Haage. Sie gehört zum Tag der offenen Tür, und dort ist ohnehin immer ziemlich Remmidemmi.
Wer nicht nach Erfurt kommen kann, kann digital dabei sein, mitfeiern und Fragen in den Live-Chat schicken.
Warum ist mir das wichtig? Als Gärtner liegt das Bild ziemlich nahe: Wurzeln – also unsere Ursprünge – sind elementar. Ohne ein solides Wurzelwachstum geht es der Pflanze nicht gut, und das gilt auch für uns Menschen.
Deswegen schaue ich gern in die Geschichte. Wir dürfen aber nicht nur rückwärts blicken. Wir müssen auch fragen, was daraus Neues entstehen kann und was uns weiterträgt.
Das beschäftigt mich bei Kakteen-Haage und ganz persönlich. In dieser Episode ist es noch nicht das eigentliche Thema, aber im CactusPodcast werden wir darauf zurückkommen.
Nein, so schnell schießen die Preußen hier auch nicht. Mir galoppiert bei dieser Aufnahme die Zeit davon – deshalb noch eine Fehlerkorrektur: Natürlich ist der 9. April bereits vorbei. Wir reden vom 9. Mai 2026. Das ist ein Samstag, und um 14 Uhr beginnt die Festveranstaltung.
Wir erwarten den Präsidenten der Deutschen Kakteen-Gesellschaft und eine ganze Reihe weiterer Gäste, die zum Teil ziemlich weit gereist sind.
Wenn du die Menschen aus dem Erfurter Kakteenverein kennenlernen und dich mit ihnen über Kakteen austauschen möchtest, kommst du einfach zum Tag der offenen Tür. Dort ist die ganze Truppe versammelt.
Dieser Verein ist für mich nicht nur besonders, weil er 1926 gegründet wurde. Er trägt auch den Namen meines Großvaters Walther Haage. Darauf bin ich schon ein kleines bisschen stolz.
Natürlich gibt es bei Kakteen-Haage sehr viele Kakteen und andere Sukkulenten zu sehen – auf rund 1.500 Quadratmetern Verkaufsfläche und bei Führungen auch hinter den Kulissen. Anfang Mai stehen außerdem viele Pflanzen in Blüte.
Nach fünf Jahren planten wir eine Neuauflage von Lottes Kinderführung. Diesmal nicht digital wie im ersten Corona-Jahr, sondern wieder richtig in echt. Lotte ist inzwischen nicht mehr die Kleine aus dem Film, sondern schon groß – und sie kennt sich noch besser mit Kakteen aus.
Mit unserem Pflanzentöpfer Ragnvald Leonhardt aus Jena war ein Workshop geplant. Gemeinsam wollten wir der Frage auf den Grund gehen, wie wichtig das Gefäß für eine Pflanze ist und wie wir beides zusammenbringen.
Ragnvald macht richtig tolle Gefäße. Ich wollte durch die Gärtnerei stiefeln und zu seinen Töpfen die passenden Pflanzen suchen – also die Frage einmal umdrehen.
Zu essen sollte es natürlich Kaktusbratwurst und andere Sachen vom Grill geben. Das Cactus Café war mit frischem Kuchen und Kaffee dabei, nebenan mexikanische Quesadillas und – wenn alles gut lief – frische Limonaden.
Im Gewächshaus sollte wieder die Kaktusgartenbahn durch die Canyons rattern. Darum kümmert sich Andreas Schill, der sowohl bei den Kakteenfreunden als auch bei den Gartenbahnfreunden zu Hause ist.
Unsere Pflanzendoktorin wollte einen scharfen Blick auf mitgebrachte Sorgenpflanzen werfen. Der Kakteenverein plante Aktionen für Kinder und ein Kaktus-Quiz, bei dem es nach der Feierstunde auch etwas zu gewinnen gab.
Wenn du Fragen hast, bring sie mit oder schick eine Mail an [email protected].
Sonnige Grüße aus der Blumenstadt – and may the Force be with you. Heute ist nämlich der vierte Mai.
Das war Episode 46 im CactusPodcast. Bye-bye, ich bin raus. Ciao und bleibt gesund!
Der Test hat funktioniert. Am 9. Mai 2026 kamen beim Tag der offenen Tür Besucherinnen und Besucher, Mitglieder und Gäste mehrerer Generationen im Gewächshaus zusammen. Auch unsere seit Jahrzehnten befreundeten Kakteenfreunde aus Ústí nad Labem waren mit ihrem Vorsitzenden angereist.
Die vollständige Podiumsrunde findest du als CactusPodcast 047 – live aus dem Gewächshaus. Die aktuelle Videoaufzeichnung findest du auf YouTube.
Darüber habe ich in dieser Folge erzählt – mit ein paar Links zum Weitergucken, Weiterlesen und Weiterhören:
Der Beitrag CactusPodcast 046 – 100 Jahre Kakteenverein Erfurt: Vorschau & Einladung zum Jubiläum erschien zuerst auf Cactusblog.
13. Oktober 2025 · CactusPodcast
Auf meinem Jakobsweg mache ich einen Abstecher nach Kernen-Rommelshausen und besuche die Kollegen von Uhlig Kakteen. Aus einer Kaffeepause am World Podcast Day wird ein spontanes Gespräch mit Johannes Uhlig – über seinen Weg zum Kakteengärtner, die nächste Generation und einen Generationswechsel, dessen Termin selbst mich überrascht.
von Ulrich Haage | CactusPodcast
Kernen-Rommelshausen · World Podcast Day · 30. September 2025
Eigentlich bin ich im Urlaub und auf dem Jakobsweg unterwegs – allein und fast ohne Kakteen. Weil Stuttgart in greifbarer Nähe liegt, unterbreche ich meine Etappe und besuche die Kollegen von Uhlig Kakteen. Geplant ist vor allem Zeit für alte Freunde. Dann treffe ich Johannes Uhlig und merke: Heute ist World Podcast Day. Also machen wir, ohne großes Trara, das Mikrofon an.
„Zum Jahreswechsel 2026/27 übernehme ich das Zepter hier in der Gärtnerei Uhlig.“
— Johannes Uhlig
Aus einer einzigen Frage wird ein Gespräch über Ausbildung, Familiengeschichte und die Zukunft einer traditionsreichen Kakteengärtnerei.
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Ich bin Ulrich Haage und diesmal ganz privat unterwegs: auf dem Jakobsweg, allein und eigentlich auch ohne Kakteen. Fast jedenfalls.
Ich laufe seit einigen Jahren in Etappen in Richtung Santiago de Compostela. Losgegangen bin ich zu Hause und noch bin ich in Deutschland. In diesem Jahr führt mich der Weg durch Bayern und Baden-Württemberg bis nach Rheinland-Pfalz.
Weil Stuttgart in greifbarer Nähe liegt, mache ich eine kurze Pause. Ich möchte mit einem langjährigen Freund einen Baum pflanzen und vorher meine Kollegen in der Kakteengärtnerei Uhlig besuchen. Das hatte ich schon sehr lange wieder einmal vor.
Ich stiefele durch die Gärtnerei und komme ins erste Gewächshaus. Niemand zu sehen. Im nächsten Haus bewegt sich ganz hinten jemand, aber das ist nicht Matthias Uhlig, mit dem ich verabredet bin. Mit meinem Rucksack gehe ich lieber nicht zwischen die Pflanzen – dabei würde ich vermutlich einiges niedermähen.
Auf einmal steht Johannes Uhlig hinter mir. Mit mir hat er hier ganz sicher nicht gerechnet. Wir reden kurz, dann bringt er mich zu seinem Vater Matthias, der im nächsten Gewächshaus gerade Stecklinge geschnitten hat.
Mit zwei Tassen Kaffee sitzen Matthias und ich in der Herbstsonne und reden. Dafür hatten wir viele Jahre keine Zeit. Später kommt Uwe Mergel dazu. Wir sprechen über Ausbildung, über geschlossene und neu entstehende Kakteengärtnereien, den Gartenbau und die Entwicklungen in der grünen Branche. Die Zeit vergeht wie im Flug.
Dann fällt mir ein: Heute ist der 30. September – World Podcast Day. Obwohl ich im Urlaub bin, stehen die Zeichen ziemlich klar auf Machen.
Vater und Sohn einigen sich schnell. Kurz darauf sitze ich mit Johannes in der Kaffee-Ecke im Herzen der Gärtnerei. Wir unterhalten uns an diesem Tag schon zum zweiten Mal – jetzt mit Mikrofon, aber ohne großes Trara.
Es sollte ein einfaches, unschuldiges und vor allem kurzes Gespräch werden. Ich möchte Johannes nur eine Frage stellen: Warum bist du eigentlich Kakteengärtner geworden?
Johannes erzählt frei heraus von sich, von der Entstehung und Geschichte der Gärtnerei Uhlig und vom anstehenden Generationswechsel.
„Zum Jahreswechsel 2026/27 übernehme ich das Zepter hier in der Gärtnerei Uhlig.“
— Johannes Uhlig
Moment! Damit habe ich nicht gerechnet. Dass dieser Gedanke naheliegt, ist klar. Dass die Geschichte aber ausgerechnet hier im Interview öffentlich wird, überrascht mich dann doch. Und natürlich bin ich neugierig, wie der Weg weitergeht.
Johannes erzählt von seinen Plänen und Ideen für die Zukunft. Eigentlich wollte er vieles anders machen als sein Vater. Am Ende verlief sein Weg aber erstaunlich ähnlich wie der von Matthias: Gärtnerausbildung an der Wilhelma, die Welt anschauen, Studium in Hohenheim, mit Kakteen arbeiten – und schließlich die Kakteengärtnerei des Vaters übernehmen.
Darüber müssen wir beide ziemlich lachen. Auch bei der Frage, wie man den eigenen Betrieb von innen und von außen sieht, gibt es einiges zu lachen. Dann ist unser kurzes Gespräch schon wieder vorbei und für mich geht es weiter.
Später, als ich wieder in Richtung Speyer laufe, fällt mir eine Geschichte aus meiner Jugend ein. Matthias Uhlig war in den 1980er Jahren auf Klassenfahrt – damals noch in die DDR. Heimlich setzte er sich von seiner Gruppe ab und reiste nach Erfurt, um unsere Gärtnerei kennenzulernen.
So etwas war damals streng verboten. Touristen mussten sich an die vorher beantragte und genehmigte Reiseroute halten. Auch Kontakte aus dem sogenannten nichtsozialistischen Wirtschaftsgebiet konnten ernste Konsequenzen haben, wenn die Staatssicherheit davon erfuhr.
Zum Glück geschah das nicht. Stattdessen saß der junge Matthias plötzlich bei meiner Familie am Kaffeetisch, fragte meinen Eltern und Großeltern Löcher in den Bauch und erzählte spannende Geschichten. Anschließend schloss er sich unbemerkt wieder seiner Klasse an.
Heute treffen sich unsere Familien und Gärtnereien erneut an einem Übergang zwischen den Generationen. Genau das macht diese spontane Begegnung für mich so besonders.
Links und weiterführende Informationen zu dieser Folge:
Der Beitrag CactusPodcast 045 – Johannes Uhlig: Generationen-Treffen am Rande des Jakobsweges erschien zuerst auf Cactusblog.
10. August 2025 · CactusPodcast
Ich bin Ulrich Haage und ich bin heute auf Podcast-Exkursion. Genau gesagt melde ich mich aus Hamburg, Hauptbahnhof, auf Gleis 11. Und ich bin auf dem Weg zu meinem heutigen Gast. Wir treffen uns heute in einer Gärtnerei, und ich rechne damit, dass mir heute mindestens so viele Stacheln begegnen wie zu Hause in den Gewächshäusern.
Ich treffe heute Philipp bei seiner Arbeit – und ich dachte zunächst: in einer Rosengärtnerei. Warte! Es geht heute trotzdem um Kakteen!
Philipp ist Mitte 20 und ich mutmaße, dass er seit etwa 15 Jahren vernarrt in Kakteen ist. Mit zwölf hat er den Umweltpreis der Stadt Chemnitz bekommen. Er hat einen Brief an seine Oberbürgermeisterin geschrieben und sich für den Erhalt des Botanischen Gartens eingesetzt. Er ist Künstler, malt in seiner Freizeit und ist seit 2025 Master of Science (M.Sc.) im Produktionsgartenbau der HTW Dresden.
In seiner Bachelorarbeit hat er sich tief in ein ziemlich spannendes Thema eingearbeitet. Ganz grob: Es geht um Pflanzenlicht bei der Kultur von Lophophora.
Last but not least engagiert sich Philipp bei der Deutschen Kakteen-Gesellschaft und kümmert sich dort um die Social-Media-Belange.
Und ich bin echt neugierig, was er uns darüber erzählt.
Ich habe jetzt eine Verabredung.
von Ulrich Haage und Philipp Heidel-Weizel | CactusPodcast
Podcast-Exkursion · Bilsen bei Hamburg
Wir sind im Gewächshaus und wir gucken heute auf Araukarien – weil ich mit meiner Erwartung völlig falsch lag!
Wir sind heute nicht bei Rosen Kordes, sondern bei Kordes Jungpflanzen. Hier werden keine Rosen angebaut, sondern Jungpflanzen für Baumschulen in ganz Europa produziert. Vorhin hatten wir noch einen kurzen Schnack mit Christian Kordes, dem Chef. Philipp ist hier in der Gärtnerei in der Züchtung tätig.
Vor uns auf den Tischen stehen etwa 5.000 Araukarien-Sämlinge. Ich habe so etwas vorher noch nicht gesehen. Man kann die Araukarien schon erkennen. Manche tragen wie ein kleines Hütchen noch die Reste der Samenhülle oben am Austrieb – und die wachsen hier vor sich hin.
Es ist richtig schön warm, die Sonne scheint, und wenn ihr zwischendurch ein lautes Quietschen und Getöse hört, dann ist das die automatische Schattierung, damit es uns nicht unangenehm warm wird. Manchmal gibt es auch Flugzeuge oder anderes Geflügel über uns.
Jetzt die erste Frage: Wie bist du zu den Kakteen gekommen?
„Dann bin ich dieses Rabbit Hole immer tiefer hinabgestiegen.“
— Philipp Heidel-Weizel
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Philipp: Das weiß ich ehrlich gesagt gar nicht mehr so genau. Ich interessiere mich schon mein Leben lang für Pflanzen. Schon in der Schule war ich in einer Botanik-AG im Botanischen Garten in Chemnitz – da komme ich her. Pflanzen waren immer irgendwie interessant für mich.
Das mit den Kakteen kam ungefähr zu Beginn meines Studiums. Ich habe Gartenbau in Dresden studiert, und im Zierpflanzenbau ging es los. Dann bin ich dieses Rabbit Hole immer tiefer hinabgestiegen.
Also: Es sind keine 15 Jahre, wie du es vorhin erzählt hast.
Ulrich: Weißt du, was dich angefixt hat? Hast du den Stich erlebt, als der Kakteen-Virus bei dir injiziert wurde?
Philipp: Auch das weiß ich gar nicht mehr so genau. Ich habe mir irgendwann einmal einen Kaktus auf die Fensterbank gestellt – eine Mammillaria geminispina. Dazu kam irgendwann ein zweiter und ein dritter und ein vierter, und dann war die Fensterbank voll. Danach war die nächste Fensterbank dran.
Ulrich: Du bist zwischendurch sogar umgezogen, weil die Fensterbretter voll waren?
Philipp: Nein, nein, das nicht. Aber ich hatte in der nächsten Wohnung tatsächlich ein paar Fensterbretter mehr.
Ulrich: Deine Eltern haben dich dabei unterstützt?
Philipp: Oh ja, doch, das kann man so sagen. Meine Mutter hat mir zum Geburtstag einmal einen Gutschein für das CactusWorkCamp geschenkt. Das war unsere erste Begegnung.
Ulrich: Gab es jemanden, der dich bei deinen ersten Kakteen begleitet hat? Einen Mentor, der dir bei den ersten Sammlungen und Pflanzen geholfen und erklärt hat, wie das geht? Oder hast du dir alles selbst erobern dürfen?
Philipp: So richtig an die Hand genommen wurde ich nicht. Ich habe mich viel in Büchern und Foren belesen. Wahrscheinlich gab es eine ganze Menge Leute, die mich inspiriert haben. Aber wenn ich jetzt anfangen würde, Namen aufzuzählen, würde ich vermutlich irgendjemanden vergessen.
Ich blättere gern durch die „Kakteen und andere Sukkulenten“, kurz KuaS, und bleibe an verschiedenen Artikeln hängen – vor allem an Reiseberichten. Aber auch dort gibt es keinen einzelnen Autor, der mich ganz besonders beeinflusst hätte.
Wenn es in der Pflanzenwelt etwas gibt, das bei mir ganz am Anfang das Interesse geweckt hat, dann war es die Zeit im Botanischen Garten in Chemnitz. Dort gab es einen Lehrer im Schulbiologiezentrum, der diese AG betreut hat. Er hat mich in das ganze Thema Pflanzen hineingebracht – nicht speziell in die Kakteen. Aber ich bin ja vielseitig interessiert, sonst würde man als Kakteenliebhaber wahrscheinlich auch nicht in einer Baumschule landen.
Das kann man als den Anfang sehen.
Ulrich: Du hast mit zarten zwölf Jahren schon einen Umweltpreis bekommen?
Philipp: Den Umweltpreis der Stadt Chemnitz. Damals haben wir uns mit Ackerwildkräutern im Raum Chemnitz beschäftigt.
Ulrich: Und dann stand irgendwann dem Botanischen Garten das Wasser bis zum Hals. Da hast du dich eingesetzt und gesagt: Liebe Stadtverwaltung …
Philipp: … so nicht! Da hast du aber ganz schön tief gekramt!
Ulrich: Zurück zu den Kakteen: Was sticht dich sozusagen? Was fasziniert dich ganz besonders an ihnen?
Philipp: Ich glaube, es ist diese Vielfalt an Überlebensstrategien, die diese Pflanzenfamilie über Jahrmillionen entwickelt hat.
Wenn du dir die Lebensräume anschaust: Da gibt es Epiphyten, die Regenwälder am Amazonas oder andere feuchte Gebiete bewohnen. Ganz wild fand ich eine Mammillaria, die auf einer Eiche im Kork wächst – wahrscheinlich eher zufällig, sie ist ja kein geplanter Epiphyt. Aber so etwas ist total interessant.
Dann gibt es die Küstennebelregionen, in denen Pflanzen das Wasser aus der feuchten Luft auskämmen und davon leben. Andere gehen mit ihren Wurzeln meterweit in die Tiefe, bis sie irgendwann das Grundwasser erreichen.
Diese Vielfalt an Methoden, unter widrigsten Bedingungen weiterzuleben und sich einen Lebensraum zu erschließen, holt mich einfach ab.
Ulrich: Ist das eine Sache, die auch mit dem Klimawandel erklärbar ist?
Philipp: Wie meinst du das genau?
Ulrich: Als ich in deinem Alter war, hat die Braunkohleheizung die Luft versaut. Dann gab es das Ozonloch, das wir irgendwie wieder schließen mussten. Und heute brennt die ganze Welt.
Ich weiß nicht, ob man die Möwen über dem Gewächshaus hört – wir sind wirklich richtig im Norden.
Philipp: Nachhaltigkeit, Umweltschutz und Klimawandel beschäftigen wahrscheinlich jeden Menschen meiner Generation. Die Generationen nach mir wird das noch viel stärker beschäftigen.
Von Detlef Metzing, dem Artenschutzbeauftragten der DKG, gibt es einen sehr interessanten Vortrag darüber, wie sich Kakteenpopulationen nach den aktuellen Klimawandelprognosen verschieben könnten – also welche Arten sich ausbreiten, vorausgesetzt, die Pflanzen sind schnell genug in der Reproduktion.
Ulrich: Wenn du auf deine Fensterbänke guckst: Was steht dort? Ist deine Sammlung auf eine bestimmte Gattung fokussiert oder bist du völlig frei?
Philipp: Ich habe schon meine Lieblingsgattungen. Dazu gehören vor allem Lophophora und viele kurze Säulen aus Brasilien. Die Caatinga ist ein wahnsinnig interessanter Lebensraum, ebenso Minas Gerais.
Aber insgesamt ist meine Sammlung eher dynamisch. Mich interessieren Pflanzen, die besonders blühen. Wir haben vorhin über Rebutia gesprochen. Dort gibt es Blütenfarben, die bekommt man auf einem Foto nur schlecht eingefangen.
Ich habe eine Rebutia vielleicht ein paar Jahre bei mir, warte auf die Blüte, schaue sie mir an und versuche, sie zu fotografieren. Wenn ich mich gewissermaßen sattgesehen habe, gebe ich die Pflanze an den Nächsten weiter, der sie meines Erachtens ebenfalls einmal sehen sollte.
Da ist viel Bewegung drin. Ich tausche gern, lasse mich inspirieren und anstecken. Wenn jemand sagt: „Guck dir das einmal an“, landet die Pflanze auf meiner temporären Wishlist.
Ulrich: Du sammelst also nicht Echinocereus coccineus aus allen seinen Verbreitungsgebieten im Gewächshaus zusammen, sondern es geht um veränderliche Interessen?
Philipp: Ja, genau das ist für mich spannend. Ich finde es total charmant, wenn jemand versucht, aus einer Gattung alles zusammenzutragen. Manchmal geht das ein bisschen ins Klinische über, das finde ich dann merkwürdig – aber hey: In der DKG und ihren Ortsgruppen gibt es die verschiedensten Menschen und Charaktere.
Für die Bewahrung der Genetik ist es saucool, wenn jemand eine ganze Gattung mit ihren Subspezies, Formen und Varietäten dastehen hat.
Ulrich: Das hat ja auch mit Wissen zu tun. Spleenig ist das Ganze sicher, aber in meinen Augen eine sehr fruchtbare Form von Spleen. Wir tragen dadurch Wissen über bestimmte Pflanzen zusammen.
Ich würde dich gern in 15 Jahren noch einmal fragen, ob sich deine Interessen verändert haben oder ob sich etwas Neues herauskristallisiert hat.
Wir kennen Carl Spitzweg, der den Kakteenfreund oder Kakteensammler in verschiedenen Facetten dargestellt hat. Das ist meist ein eher introvertierter Typ.
Wo siehst du dich? Bist du jemand, der bei seinen Pflanzen Ruhe und Zuflucht sucht? Oder gehst du über die Pflanzen hinaus und sagst: Darüber lerne ich andere Menschen kennen?
Philipp: Beides. Ich verbringe gern Zeit allein mit meinen Pflanzen. Die größte Freude bringt mir aber der direkte Austausch: auf Börsen, in Ortsgruppen, mit Auszubildenden und Studierenden genauso wie mit Menschen, die seit Jahrzehnten sammeln.
Dort kann man Fachleute auf Augenhöhe fragen, wenn an einer Pflanze etwas nicht funktioniert. Und man bekommt oft mehr als nur eine gärtnerische Antwort – man bekommt die Geschichten dazu.
Philipp: Wen trifft man in der DKG nicht? Schülerinnen und Schüler, Auszubildende, Studierende, Berufstätige, Rentnerinnen und Rentner – eigentlich ist die ganze Gesellschaft vertreten.
Dazu kommen Ortsgruppen, Ausstellungen, Börsen, Vorträge und natürlich die Fachzeitschrift „Kakteen und andere Sukkulenten“, die KuaS.
Gerade die KuaS verbindet Wissenschaft und Hobby. Neben Kulturberichten und Reiseerfahrungen stehen wissenschaftliche Beiträge und Neubeschreibungen. Diese Gleichrangigkeit macht für mich einen großen Teil des Charmes aus.
Philipp: Es ist unglaublich wertvoll, mit einem Menschen durch ein Gewächshaus zu gehen, das in sechzig Jahren gewachsen ist, und die Geschichten zu den Pflanzen zu hören. Damit hatte ich nicht gerechnet, als ich Mitglied wurde.
Vor meinem ersten Ortsgruppenabend hatte ich trotzdem Sorge, als junger Mensch völlig fehl am Platz zu sein. Dann saß die Dresdner Ortsgruppe in einer Gaststätte. Ich stand unsicher vor dem Tisch, und jemand sagte: „Hier ist noch ein Platz frei. Ich bin Dieter – wer bist du?“
Damit war das Eis gebrochen.
Ulrich: Nachwuchs entsteht vielleicht genau dort, wo Menschen nicht pausenlos von Nachwuchsförderung sprechen, sondern anderen einfach zeigen, was sie selbst begeistert.
Philipp: Den Instagram-Auftritt der DKG habe ich 2023 gemeinsam mit dem Vorstand angestoßen. Inzwischen arbeitet daran ein ganzes Team junger Mitglieder.
Wir überlegen Themen, schreiben Texte, suchen Bilder aus und besuchen Sammlungen, Ortsgruppen, Börsen, Ausstellungen und Gärtnereien.
„Der Kerngedanke war: Sukkulenten-Content von jungen Mitgliedern für junge Leute.“
— Philipp Heidel-Weizel
Wir merken, dass der Kanal etwas bewirkt. Bei neuen Mitgliedschaften wird Instagram inzwischen häufig als erster Kontakt zur DKG genannt. Die Menschen bekommen dort einen Eindruck davon, was das eigentlich für eine Gemeinschaft ist.
Ulrich: Die DKG besteht nicht nur aus Begegnungen. Da gibt es eine umfangreiche Bibliothek, die KuaS, Sonderpublikationen, die wissenschaftliche Schumannia, Kalender, Vorträge, die Samenverteilung und eine Mediathek.
Gerade alte Fotos und Dias sollten wir nicht vorschnell für überholt erklären. Solche Archive zeigen Pflanzen, Standorte und Kulturzustände, die heute vielleicht nicht mehr existieren.
In unserer Familie wären historische Druckplatten beinahe auf dem Schrott gelandet. Heute sind sie ein Schatz.
Ulrich: Ein Satz aus dem DKG-Vorstand fasst es sinngemäß gut zusammen: In der Gesellschaft sollen Fensterbrettsammler, Balkongärtner, Profis, Einsteiger und Wissende ihren Platz finden.
Philipp: Es ist eine extrem bunte Mischung – im besten Sinne. Unterschiedliche Generationen und Interessen sind kein Widerspruch, sondern eine Ergänzung. Genau diese Vielfalt sollte sich auch in der Arbeit der Gesellschaft wiederfinden.
Ulrich: Menschen bauen Ausstellungen auf, betreuen Börsen, schenken Kaffee aus, organisieren Samen und kümmern sich um Kommunikation. Was ist für dich die Beute dieser Arbeit?
Philipp: Ganz schlicht: der Spaß an der ehrenamtlichen Arbeit und die Freude daran, etwas gemeinsam entstehen zu lassen.
Ein Pflanzenhobby verändert sich im Laufe des Lebens. Ausbildung, Beruf und Familie können eine Sammlung zeitweise in den Hintergrund drängen.
Gerade Kakteen passen trotzdem gut in eine schnelle Zeit: Sie wachsen langsam und zwingen uns zum Hinschauen. Wenn ich mich eine Weile nicht mit meinen Pflanzen beschäftige, fehlt mir dieses kleine grüne Gefühl.
Philipp: Ich habe dir einen kleinen Steckling mitgebracht – von einer Pflanze, nach der du schon lange gesucht hast.
Aus dem Geschenk wird sofort ein neues Fachgespräch über ungewöhnliche Lebensweisen, seltene Pflanzen und die Frage, wie solche Besonderheiten erhalten und vermehrt werden können.
Selbst ganz am Ende der Aufnahme öffnet sich also schon das nächste Rabbit Hole.
Zurück auf dem Bahnhof in Hamburg – diesmal auf Gleis 5. Und ich bin noch voller Begeisterung von dem Besuch bei Philipp!
Ich gehe ja davon aus: Ich kenne die Kakteen-Szene einigermaßen. Aber ich muss sagen, ich habe mich sehr gefreut, weil manches von dem, was Philipp mir aus seiner Kakteenwelt erzählt hat, mich überrascht hat. Und zwar positiv!
Vor allem der Blick in die neue Generation Kakteenfreunde. Der stimmt mich einfach zuversichtlich.
Wenn du dich für die Deutsche Kakteen-Gesellschaft interessierst – und das kann ich dir wirklich ans Herz legen: Du findest sie unter dkg.eu und den Instagram-Account unter @deutschekakteengesellschaft.
Mir war es schon lange ein Anliegen, über die Deutsche Kakteen-Gesellschaft zu berichten und die gute Arbeit, die dort von vielen engagierten Menschen geleistet wird, auch hier einmal sichtbar zu machen.
Und ich mag die Art sehr, wie Philipp davon erzählt: ruhig, entspannt und unaufgeregt.
Nachdem wir die Mikrofone ausgeschaltet hatten, gab es noch sehr viel mehr zu erzählen – so viel, dass unser Gespräch eine Fortsetzung brauchte. Aber eigentlich hatten wir das schon vorher gewusst. Deswegen haben wir uns später in Erfurt wiedergetroffen.
Das war die Nummer 44 – mit einem ganz speziellen Shoutout an Markus Tirok für seine Unterstützung beim Gedankensortieren.
Und ich bin jetzt raus – mein Zug fährt!
Tschüss!
Nachtrag: Das Wiedersehen mit Philipp in Erfurt ist in CP047 zu hören. In CP048 sprechen wir gemeinsam darüber, wann ein Kaktus wirklich umgetopft werden muss.
Als diese Episode 2025 erschien, war das Transkript zunächst nur bis ungefähr Minute 14 überarbeitet. Es kostet unheimlich viel Zeit, die Mitschrift zu straffen und vor allem die Sprecher wieder richtig auseinanderzudröseln. Das war auch einer der Gründe für die Verzögerung der Episode, die wir bereits Anfang Juni in Hamburg aufgenommen hatten.
Folge 043 „Im Gewächshaus und drumherum“ war damals schon on Air, obwohl sie erst nach diesem Gespräch entstanden war. Ein paar kleine Insider-Informationen.
Das war mein erster Versuch, im Gegensatz zu den bisherigen Interviews ein Transkript zu hinterlegen. Was ich lustig finde: Die KI lernte noch fleißig. Im ersten Rohtext habe ich Philipp beispielsweise auf dem Avocadofeld getroffen – und später sogar in Arkadien.
Ich fürchte, ich muss etwas an meiner Aussprache arbeiten. So ein Genuschel geht ja gar nicht!
Wir hören uns!
Besser.
Alle Links und weiterführenden Informationen noch einmal auf einen Blick:
Der Beitrag CactusPodcast 044 – Philipp inside DKG: Deutsche Kakteengesellschaft erschien zuerst auf Cactusblog.
18. Juli 2025 · CactusPodcast
Eine Sammelfolge aus dem Gewächshaus: neue Kakteen-Podcasts, Pflanzenethik, Dornenhilfe, Doppelfolie, Welwitschia – und sieben gestohlene Schildkröten, die wieder nach Hause fanden.
Nach einer längeren Pause hat sich einiges angestaut. Deshalb geht diese Episode nicht nur ins Gewächshaus, sondern auch ein gutes Stück drumherum: Ulrich entdeckt einen zweiten deutschsprachigen Kakteen-Podcast, denkt über Ethik und Artenschutz nach und erzählt von einem Screenshot, der überraschend teuer wurde.
Dazu kommen praktische Fragen aus der Gärtnerei: Wie bekommt man feine Dornen aus dem Finger? Warum liegen auf manchen Gewächshausdächern zwei Folien? Was macht Welwitschia mirabilis so außergewöhnlich? Und wie endete die Geschichte der sieben verschwundenen Schildkröten?
von Ulrich Haage | CactusPodcast
Host und erwähnte Stimmen
Host
Kaktusgärtner, Blogger und Podcaster bei Kakteen-Haage in Erfurt. In dieser Sammelfolge verbindet Ulrich Beobachtungen aus der Podcastwelt mit Technik, Pflanzenwissen und einer ziemlich persönlichen Geschichte aus der Gärtnerei.
Podcastkollegen
Die Stimmen hinter Im Gewächshaus, einem deutschsprachigen Podcast über Kakteen und andere Sukkulenten. Themen wie Pflanzenethik, Artenschutz und verantwortungsvoller Handel geben Ulrich den Anstoß für diese Folge.
Die Zeitmarken der Audiofassung.
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Kakteengeschichten · Begleitartikel
Nach längerer Pause ist aus einer einzelnen Idee eine Sammelfolge geworden. Das verbindende Motiv ist das Gewächshaus: als Podcastname, als Ort für Pflanzen und Technik, als Bildmotiv – und als Schauplatz einer Geschichte, die weit über Kakteen hinausführt.
Mit Im Gewächshaus bekommt der CactusPodcast Gesellschaft. Lucas und Tobias sprechen über Kakteenerde, Bestäubung, Aloe-Hybriden, Baumarktpflanzen und illegale Wildentnahmen. Besonders hängen bleibt ihr Blick auf Nachhaltigkeit, Pflanzenethik und verantwortungsvollen Handel.
„Mit zwei Podcasts haben wir immerhin eine Verdoppelung geschafft.“
— Ulrich Haage
Das ist keine bezahlte Empfehlung. Es ist Freude darüber, dass ein Thema größer wird, sobald mehrere Stimmen darüber sprechen.
Artenschutz hat klare Regeln und internationale Abkommen. Pflanzenethik beginnt oft früher: bei der Frage, woher eine Pflanze stammt, wie sie vermehrt wurde, warum Seltenheit Preise treibt und welche Folgen das eigene Sammeln haben kann.
Die jüngere Perspektive von Lucas und Tobias bringt Ulrich dazu, die eigene Haltung neu zu prüfen. Das Ergebnis ist keine fertige Lehrmeinung, sondern eine offene Frage an die Community: Wo beginnt für uns ein fairer Umgang mit Pflanzen?
„Artenschutz ist nicht gleich Ethik.“
— Ulrich Haage
Ein Screenshot aus dem eigenen Pinterest-Account enthielt ein fremdes Foto eines alten viktorianischen Gewächshauses. Der Screenshot war selbst angefertigt – das darin sichtbare Bild aber nicht. Daraus wurde eine Abmahnung über knapp 400 Euro und eine auf ein Jahr begrenzte Nutzungslizenz.
Das ursprünglich verwendete Foto kann nach Ablauf dieser Lizenz nicht mehr gezeigt werden. An seiner Stelle steht nun eine eigens für diese Folge geschaffene Gewächshausszene. Die Geschichte bleibt – als ziemlich teure Erinnerung daran, dass auch ein selbst angefertigter Screenshot fremde Bildrechte nicht aushebelt.
Bei einem Foliengewächshaus liegen die beiden Häute nicht einfach lose übereinander. Ein kleines Gebläse hält zwischen ihnen ein Luftpolster. Diese ruhende Luftschicht verbessert die Wärmedämmung und stabilisiert die Folie gegen Wind.
Entscheidend sind saubere Befestigung, ein gleichmäßiger niedriger Druck und möglichst dichte Übergänge. Zu wenig Luft lässt die Folien aufeinanderliegen; zu viel Druck belastet Material und Konstruktion. Kondenswasser, Lichtverlust und die spätere Reparierbarkeit gehören ebenfalls zur Planung.
Das Prinzip ist einfach, die Details sind es nicht: Dachform, Folienqualität, Windlage und vorhandene Lüftungen bestimmen, wie gut die Lösung funktioniert.
Welwitschia mirabilis gehört zu einer sehr alten Entwicklungslinie der Nacktsamer und ist heute die einzige lebende Art ihrer Familie. Nach dem Jugendstadium bildet sie nur zwei dauerhafte Laubblätter. Diese wachsen an ihrer Basis kontinuierlich weiter, während Wind, Sand und Alter die Enden in lange Streifen zerfasern.
Ihre Heimat ist die Namib. Feuchte Küstenluft und Nebel spielen dort eine wichtige Rolle: Wasser kondensiert an Pflanze und Boden und kann so den Wurzelraum erreichen. Die häufig erzählte Vorstellung, die Pflanze nehme den Nebel hauptsächlich direkt über ihre Blätter auf, gilt dagegen nicht als gut belegt.
In Kultur ist Welwitschia keine klassische Sukkulente und braucht während des Wachstums regelmäßig Wasser. Gleichzeitig verträgt ihr empfindliches Wurzelsystem grobe Eingriffe schlecht. Das macht sie weniger zu einer Anfängerpflanze als zu einem langfristigen Kulturprojekt.
Anfang Juni 2025 verschwanden sieben Griechische Landschildkröten aus dem Gelände bei Kakteen-Haage. Für ihren über 90-jährigen Halter und früheren Gärtnermeister waren sie langjährige Weggefährten. Die Anteilnahme war entsprechend groß: Menschen aus der Nachbarschaft, Social Media, Polizei und Medien halfen bei der Suche.
Vier Tiere wurden zunächst kurz vor Mitternacht in einer Einkaufstüte vor dem Tor abgestellt. Drei blieben verschwunden – bis die Polizei auch sie zurückbrachte. Nach dem bekannten Stand waren die Tiere online zum Verkauf angeboten und anhand ihrer markanten Zeichnungen identifiziert worden.
Wiederkehrende Rubrik
Zwei Fragen aus dieser Folge – eine praktische Antwort und eine offene Spur für die Schwarmintelligenz.
Ein gut sichtbarer Dorn lässt sich meist mit einer sauberen Pinzette greifen. Bei vielen sehr feinen Glochiden kann vorsichtig angedrücktes Klebeband helfen. Ulrich nutzt außerdem einen Bimsstein, um oberflächlich sitzende feine Dornen behutsam abzureiben. Nicht tief schneiden oder in der Haut herumstochern. Bei starker Entzündung, tief sitzenden Fremdkörpern oder Beschwerden am Auge gehört die Sache in medizinische Hände.
Die kräftigen Betalaine roter Pitahayas können Ausscheidungen vorübergehend rosa oder rot färben. Das ist eine mögliche Erklärung für die überlieferte Geschichte von Soldaten, die nach dem Essen der Früchte glaubten, Blut auszuscheiden. Die genaue historische Quelle der Episode ist jedoch weiterhin offen.
Frage an die Schwarmintelligenz: Kennst du die Geschichte aus der Zeit um Kolumbus – oder eine belastbare Quelle dafür? Schreib an [email protected].
Nach längerer Pause meldet sich Ulrich mit einer Sammelfolge zurück. In der Gärtnerei und im Alltag war so viel los, dass der Podcast immer wieder nach hinten rutschte. Inzwischen haben sich mehrere Geschichten angesammelt, die alle mit dem Gewächshaus zu tun haben – manchmal als Ort, manchmal als Bild und manchmal nur als gedanklicher Ausgangspunkt.
Ulrich freut sich über einen weiteren deutschsprachigen Podcast zu Kakteen und anderen Sukkulenten. Lucas und Tobias sprechen über Erde, Bestäubung, Hybriden, Baumarktpflanzen und Pflanzen-Poaching. Die Empfehlung ist keine Werbung, sondern Ausdruck der Freude über eine wachsende Community.
Neben den beiden spezialisierten Formaten gibt es einzelne Podcastfolgen über Kakteen: eine Einschlaffolge auf Grundlage von Wikipedia, Beiträge aus Wissenschafts- und Pflanzenpodcasts und zahlreiche englischsprachige Episoden. Ulrich lädt dazu ein, weitere Funde an das Studio zu schicken.
Der Blick der jüngeren Podcaster auf Nachhaltigkeit, Wildentnahmen und hochpreisige Trendpflanzen beschäftigt Ulrich. Artenschutz kennt rechtliche Kategorien. Ethik fragt zusätzlich nach Verantwortung, Herkunft und den Folgen des eigenen Handelns. Eine fertige Antwort gibt es nicht – aber einen Anlass, die eigene Perspektive zu prüfen.
Ein auf Pinterest häufig angeklicktes Foto wurde in einem selbst erstellten Screenshot gezeigt. Weil das darin enthaltene Gewächshausbild von jemand anderem stammte, folgte eine Abmahnung. Nach einigem Schriftwechsel zahlte Ulrich knapp 400 Euro und erhielt eine zeitlich begrenzte Nutzungslizenz. Das Originalbild ist inzwischen entfernt und durch eine eigens geschaffene Szene ersetzt.
Für einzelne Dornen liegt die Pinzette nahe. Feine, oberflächliche Glochiden lassen sich manchmal mit Klebeband abnehmen; Ulrich nennt aus seiner Praxis außerdem den Bimsstein. Wichtig ist, die Haut nicht durch unkontrolliertes Stochern zusätzlich zu verletzen.
Ulrich sucht den Ursprung einer Geschichte aus der Zeit um Kolumbus: Soldaten essen Pitahayas und halten die spätere Rotfärbung ihres Urins für ein göttliches Urteil. Der biologische Effekt ist plausibel, die konkrete historische Quelle bleibt jedoch ungeklärt. Hinweise sind ausdrücklich willkommen.
Auf einem Foliengewächshaus kann eine zweite Dachhaut die Wärmedämmung verbessern. Zwischen den Folien erzeugt ein kleines Gebläse ein gleichmäßiges Luftpolster. Es stabilisiert die Außenhaut und verringert Wärmeverluste – vorausgesetzt, Befestigung, Druck und Anschlüsse passen zur Konstruktion.
Welwitschia mirabilis wächst in der Namib und bildet nach ihrer Jugend nur zwei dauerhafte Blätter. Sie wachsen lebenslang an der Basis weiter und fransen unter den Bedingungen der Wüste auf. Sehr alte Exemplare können viele Jahrhunderte überdauern. In Kultur braucht die Pflanze Erfahrung, einen schonenden Umgang mit den Wurzeln und während des Wachstums verlässlich Wasser.
Sieben Landschildkröten verschwinden vom Gelände. Die Sorge gilt nicht nur den Tieren, sondern besonders ihrem hochbetagten Halter, für den sie seit vielen Jahren zum Alltag gehören. Nach öffentlicher Suche stehen zunächst vier Tiere in einer Einkaufstüte vor dem Tor.
Nach der Aufnahme folgt die gute Nachricht: Auch die drei übrigen Schildkröten werden gefunden und von der Polizei zurückgebracht. Nach dem bekannten Stand sollten sie online verkauft werden und konnten anhand ihrer Zeichnungen erkannt werden. Damit endet die Geschichte glücklicher, als es während der Aufnahme zu hoffen war.
Die nächste Episode führt nach Hamburg. Für das Interview hat sich Ulrich Unterstützung von Moderator und Interviewtrainer Markus Tirok geholt. Nach der sehr breit angelegten Sammelfolge soll das nächste Gespräch bewusst anders werden.
CactusPodcast 043 – Im Gewächshaus und drumherum
Fragen, Ergänzungen und eigene Kakteengeschichten erreichen das CactusPodcast-Studio unter [email protected].
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4. Dezember 2024 · CactusPodcast
Was geschieht, wenn Gärtner nicht nur Weihnachten feiern, sondern ihren eigenen Weihnachtsmarkt erfinden?
Kurz vor der ersten Thüringer Gärtnerweihnacht sitzen Dirk Büttner und ich im warmen Studio, draußen stehen bereits die ersten Hütten auf dem Hof. Wir erzählen, wie aus einer Idee des Deutschen Gartenbaumuseums und des Landesverbands Gartenbau Thüringen ein gemeinsames Fest wurde – mit Thüringer Gärtnern, regionalen Produkten, Glühwein, Gärtnerpunsch, Adventsgestecken und einer bemerkenswerten Menge Vorfreude.
Diese Episode ist zugleich die erste gemeinsame Folge von CactusPodcast und blattgold.fm, dem deutschen Gärtner-Podcast mit Reicharts Erben. Dirk und ich entwickeln die Gärtnerweihnacht beim Reden noch ein Stück weiter – inklusive grünem Glühwein, Kaktusburger und einer Gulaschkanone, die gar keine Kanone ist.
von Ulrich Haage und Dirk Büttner | CactusPodcast – CactusEvents
CactusEvents · Rückblick
Wir haben diese Folge im Dezember 2024 wenige Tage vor der Premiere aufgenommen. Damals war noch vieles im Werden: Hütten wurden aufgestellt, Kolleginnen und Kollegen brachten Grün, Produkte und Ideen mit, und manche Programmpunkte entstanden hörbar erst während unseres Gesprächs.
Die erste Thüringer Gärtnerweihnacht fand am 13. und 14. Dezember 2024 bei Kakteen-Haage statt. Es blieb nicht bei diesem Versuch: 2025 folgte die zweite Ausgabe. Die jeweils dokumentierte Entwicklung des Projekts findest du auf gaertnerweihnacht.de.
Damit ist diese Folge heute mehr als eine Einladung zu einem vergangenen Termin. Sie hält den Moment fest, in dem aus Zusammenarbeit, ein paar Spargelverkaufshäuschen und ziemlich viel Begeisterung ein neuer Weihnachtsmarkt auf Gärtnerart entstand.
Diese Episode ist kein klassisches Interview. Dirk und ich wechseln ständig die Rollen: mal fragt einer, mal ergänzt der andere, und zwischendurch bauen wir beim Reden schon am nächsten Programmpunkt.
Dirk Büttner ist der kommunikative Nicht-Gärtner im Team von blattgold.fm. Er verantwortet das Projekt redaktionell und begleitet mit mir und Patricia Pöpel seit 2023 Themen, Menschen und Debatten im professionellen Gartenbau. In dieser Folge spielt Dirk zunächst den ahnungslosen Besucher, der über die plötzlich aufgetauchten Hütten staunt – obwohl er natürlich längst Mittäter der Gärtnerweihnacht ist.
Ulrich Haage ist Kaktusgärtner, Gastgeber des CactusPodcast und Präsident des Landesverbands Gartenbau Thüringen. In Folge 042 erzählt er, warum ihn ein Weihnachtsmarkt auf Gärtnerart sofort angezündet hat, was die Kolleginnen und Kollegen gemeinsam auf die Beine stellen – und welche kulinarischen Ideen besser noch ein wenig Versuchsküche vertragen.
Die Zeitmarken passen zur veröffentlichten Audiofassung.
Kakteen für die Ohren
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Ulrich: Hey, ich bin Ulrich Haage – und das ist, ja, jetzt wird es schon schwierig. Nein: Das ist der CactusPodcast. Wir sind mit einer neuen Folge dabei und heute bin ich nicht allein.
Dirk: Genau, hier ist Dirk Büttner.
Ulrich: Dirk ist der Schlüssel für ganz viele Dinge. Wir haben ein gemeinsames Podcastprojekt und schon lange daran getüftelt, wie wir unsere beiden Projekte einmal zusammenschmeißen. Das zweite ist blattgold.fm, der deutsche Gärtner-Podcast mit Reicharts Erben.
Dirk: Wir machen zwar kein Carsharing und kein Jobsharing, aber ein bisschen Studiosharing. Wenn es darauf ankommt, sind wir meistens beide bei blattgold.fm zu hören.
Dirk: Ich kam vorhin auf die Cactusfarm und habe gestaunt. Eigentlich kehrt um diese Zeit Ruhe ein, die Kakteen legen sich schlafen – und plötzlich sind hier ein paar Hütten aus dem Boden gewachsen. Was hast du schon wieder vor?
Ulrich: Dirk tut jetzt ganz ordentlich so, als hätte er keine Ahnung. Das kann er gut. Er ist natürlich Mittäter. Auf dem Hof laufen die Vorbereitungen für die erste Thüringer Gärtnerweihnacht. Vielleicht sogar die erste deutsche – aber ganz so groß wollen wir es nicht machen.
Dirk: Unabhängige Recherchen haben ergeben: Wir sind nicht die Allerersten. Das tut der Sache keinen Abbruch. Die erste Thüringer Gärtnerweihnacht mit ganz vielen Thüringer Gärtnern findet jedenfalls hier auf der Cactusfarm statt.
Ulrich: Ich habe auf die etablierten Weihnachtsmärkte geschaut und oft gedacht: Das würde ich auch gern einmal machen – aber ein kleines bisschen anders. Im Team musste ich keine große Überzeugungskiste auspacken. Besonders die Kolleginnen waren sofort Feuer und Flamme: Dann schmücken wir, hängen Lichterketten auf und machen den Hof weihnachtlich.
Das Charmante ist: Wir können selbst entscheiden, was wir anbieten. Wir können Dinge ausprobieren, die zu uns und zu den Gärtnern passen.
Ulrich: Die Idee stammt eigentlich aus einer Kooperation zwischen dem Deutschen Gartenbaumuseum und dem Landesverband Gartenbau Thüringen. Dirk und ich sitzen hier und erzählen darüber, obwohl weder Joachim Lissner noch Ulrike Richter im Studio sind.
Dirk: Wann ist es so weit?
Ulrich: Am 13. und 14. Dezember 2024, Freitag und Samstag am dritten Advent. Für mich ist das genau der Moment, in dem man einen Weihnachtsmarkt wirklich genießen und sich auf Weihnachten einstimmen kann.
Ulrich: Zum ersten Mal werden bei uns auf der Cactusfarm Weihnachtsbäume verkauft. Der Thüringer Tannenhof ist dabei. Dazu kommt Fahner Obst mit Glühwein und weiteren Getränken.
Dirk: Roten, weißen und rosé Glühwein kennt man. Grüner Glühwein wäre doch noch eine Anregung.
Ulrich: Wir machen etwas Eigenes: Gärtnerpunsch. Warum soll der nicht grün werden? Das ist genau der Punkt – wir können selbst gestalten. Vor ungefähr zehn Jahren haben wir sogar schon einmal einen Kaktusglühwein entwickelt. Den können wir heute nicht mehr genauso bauen, aber uns fällt bestimmt etwas Neues ein.
Ulrich: In der Vorbereitung war von einer Gulaschkanone die Rede. Ich sah schon das Ofenrohr und die Räder vor mir und fragte mich, wie Pascal Klenart, der Staudengärtner aus Erfurt, das Ding hierherbekommt. Dann sagte er: Meine Gulaschkanone ist tragbar. Es gibt also keine fahrbare Kanone, dafür aber frischen Wildgulasch aus dem Erfurter Steigerwald.
Natürlich grillen wir auch Kaktusbratwurst. Und ich tüftle noch daran, ob wir einen veganen Burger aus Kaktusfleisch hinbekommen. Das ist noch im Werden – und ich habe Respekt davor, so etwas in größerer Menge zu bauen.
Für die süße Strecke backt meine Tochter Maria. Am Samstag soll unser familiäres Makronenbattle öffentlich werden: Kokosmakronen, zwei Lager und eine Jury, die man wahrscheinlich schon vorher mit Probemodellen zu beeinflussen versucht.
Dirk: Die Gärtnerweihnacht ist kein rein familiäres Projekt. Was macht das Deutsche Gartenbaumuseum auf der Cactusfarm?
Ulrich: Ganz praktische Dinge: Die Floristinnen zeigen, wie adventliche und weihnachtliche Gestecke entstehen. Man darf mitmachen und ihnen über die Schulter schauen. Unsere Nachbarn von der Kräutergärtnerei Valeriana sind ebenfalls dabei. Dort geht es unter anderem um selbst gemachtes Räucherwerk; für das Seminar muss man sich vorher anmelden.
Dirk: Ein Weihnachtsmarkt ist nicht nur zum Essen, Trinken und Schauen da. Man möchte auch etwas mit nach Hause nehmen. Welche Gärtner kommen noch?
Ulrich: Christoph Seever aus Dornheim bringt selbst gepresste heimische Öle mit. Antje Kochlett vom Rosenhof Holzhausen kommt mit Rosenprodukten – von Seifen und Düften bis zu Bonbons. Rose Saatzucht hat Aromen, Hydrolate und weitere Erzeugnisse aus Demeter-Anbau dabei.
Der Interessenverband Thüringer Heil-, Duft- und Gewürzpflanzen bringt eine Teeverkostung mit. Wer das auf der Bundesgartenschau 2021 erlebt hat, weiß, wie überraschend solche Thüringer Kräutertees sein können.
Dirk: Wo ein Märchenerzähler ist, sind die Kinder nicht weit.
Ulrich: Es gibt Musik, Weihnachtslieder und ein richtiges Bühnenprogramm. Kulinarisch kommen außerdem die Erfurter Brunnenkressesuppe von Ralf Fischer, Weihnachtsstollen – in Erfurt natürlich Schittchen – Waffeln, Plätzchen, Tee und die sogenannte Alpakaspucke von den Alpakas von der Fahner Höhe dazu. Bei Letzterer wissen wir selbst noch nicht ganz genau, was uns erwartet. Sie soll aber lecker sein.
Ulrich: Das Charmante an der Idee ist, dass die Gärtnerkollegen gesagt haben: Wir schmeißen uns zusammen. Selbst Betriebe, die nicht persönlich dabei sein können, stellen Tannengrün, Material und Unterstützung bereit. Ein Kollege leiht uns seine Spargelverkaufshäuschen – deshalb stehen hier jetzt kleine Weihnachtsspargelbüdchen.
Unterstützung kommt auch von der Klassik Stiftung und vom Garten- und Friedhofsamt. Dreh- und Angelpunkt sind der Landesverband Gartenbau Thüringen und das Deutsche Gartenbaumuseum. Da ist ein großer Berg Hilfe zusammengekommen.
Dirk: Wir freuen uns auf Freitag, den 13., und Samstag, den 14. Dezember 2024 – das Wochenende zum dritten Advent. Vor allem freuen wir uns auf viele Besucher, die mit uns anstoßen und einen oder zwei schöne Nachmittage und Abende auf der Cactusfarm verbringen möchten: diesmal nicht mit Sommerfestgefühl, sondern mit Winter-, Weihnachts- und Adventsgefühl.
Ulrich: Mehr Informationen gibt es auf gaertnerweihnacht.de und bei den beteiligten Partnern. Und ganz wichtig: Am Freitag geht es um 14 Uhr los, am Samstag um 11 Uhr.
Ulrich: Das war eine ziemlich coole Kooperation. Dies hier ist der CactusPodcast – und ich freue mich, wenn ihr auch zu unserem zweiten Projekt rüberwechselt: zu blattgold.fm, dem deutschen Gärtner-Podcast mit Reicharts Erben.
Dirk: Was wir völlig vergessen haben: Haben wir euch eigentlich eingeladen?
Ulrich: Wir freuen uns riesig, wenn ihr uns zur Gärtnerweihnacht auf der Cactusfarm bei Kakteen-Haage besucht. Bis dann!
Gärtnerweihnacht – der Weihnachtsmarkt auf Gärtnerart
Der Beitrag CactusPodcast 042 – CactusEvents: Gärtnerweihnacht – der Weihnachtsmarkt auf Gärtnerart erschien zuerst auf Cactusblog.
29. April 2024 · CactusPodcast
Was haben Espostoa lanata, Dynamit, Löwenzahnkapern und das Deutsche Gartenbaumuseum miteinander zu tun? Erstaunlich viel. In Teil drei unserer Jubiläumsserie zu 200 Jahren Kakteen-Haage führe ich die Geschichte von Kieselgur und Alfred Nobel nach Erfurt. Dann übernimmt Ulrike Richter die Bühne – mit Kakteenaussaaten, Pflanzenjägern, ihrer eigenen Sammlung und einer Mütze von der Insel Taquile im Titicacasee.
von Ulrich Haage mit Ulrike Richter | CactusPodcast – Kakteengeschichte
Kakteengeschichte · 200 Jahre Kakteen-Haage · Deutsches Gartenbaumuseum
Bevor es in die Kakteengeschichte geht, gibt es einen kleinen Nachtrag zu CP040: Ich habe die Löwenzahnknospen, über die ich beim Besuch des mexikanischen Botschafters philosophiert hatte, inzwischen selbst eingelegt. Löwenzahnkapern – lecker, bitter, geiler Stoff.
Und dann ist da noch die Frage, warum es zehn Monate keine neue Episode gab. Ich war nicht weg. In der Gärtnerei war ohne Unterlass zu tun, ein zweites Podcastprojekt band Energie – und das Leben hatte mich Anfang 2022 aus der Bahn geworfen. Ich stehe wieder auf beiden Füßen, aber manchmal fühlt es sich noch an, als liefe ich durch Teer. Gerade deshalb soll die nächste unerzählte Geschichte jetzt nicht mehr liegen bleiben.
Den letzten Anstoß gaben Henry und Jan beim Forumtreffen. Ihre Geschichten darüber, wann und wo sie den CactusPodcast hören, haben mich wieder ans Mikrofon geschubst.
Zur vorherigen Jubiläumsfolge CP040
Host
Kaktusgärtner aus Erfurt, Gastgeber des CactusPodcast und in dieser Episode Spurensucher zwischen Kakteenerde, Alfred Nobel und Erfurter Gartenbaugeschichte.
Gast
Steht dem Deutschen Gartenbaumuseum vor und bringt einen persönlichen Blick auf Gartenbaugeschichte mit. In dieser Folge verbindet sie Espostoa lanata, Humboldt, Kieselgur, Dynamit und Museum.
Die Zeitmarken passen zur veröffentlichten Audiofassung.
Kakteen für die Ohren
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Hey, ich bin Ulrich Haage, ich bin Kaktusgärtner – und heute geht es gleich mehrfach um Geschichte: noch einmal um Löwenzahn, um Sprengstoff und wieder um einen Kaktus.
In Teil drei der Jubiläumsserie zu 200 Jahren Kakteen-Haage geht es um Dynamit, Espostoa lanata und Ulrike Richter vom Deutschen Gartenbaumuseum. Das ist nicht ganz zufällig in Erfurt beheimatet.
Vorher noch ein Nachtrag zur letzten Episode: Beim Besuch des mexikanischen Botschafters hatte ich darüber philosophiert, wann ich zuletzt Löwenzahn gegessen habe. Inzwischen war ich im Wald und habe Bärlauchblätter, Bärlauchknospen und Löwenzahnknospen mitgebracht. Die Knospen kamen in einen scharfen Gewürzsud. Das Ergebnis: Löwenzahnkapern. Das Rezept steht in den Shownotes.
Vielleicht hast du dich in den vergangenen zehn Monaten gefragt: Wo ist die nächste Folge? Kommt der Haage noch einmal wieder?
Ja, der ist immer noch da und war eigentlich nie weg. In der Gärtnerei war gefühlt ohne Unterlass zu tun. Daneben gibt es ein anderes Podcastprojekt, in das eine Menge Energie geflossen ist.
Und dann gibt es noch einen persönlichen Grund. Das Leben hat mich Anfang 2022 etwas aus der Bahn geworfen. Heute stehe ich wieder auf beiden Füßen. Trotzdem habe ich manchmal das Gefühl, ich laufe wie durch Teer – und dann fällt zeitweise manches vom Tisch, was mir sehr am Herzen liegt. Dazu gehört auch mein geliebter CactusPodcast.
So sind einige Geschichten unerzählt geblieben. Damit das nicht so bleibt, geht es jetzt weiter. Danke an alle, die nachgefragt oder mir geschrieben haben. Der letzte Anstoß kam beim Forumtreffen. Besonders Henry und Jan haben mir erzählt, bei welchen Gelegenheiten sie den Podcast hören.
Dynamit, Kakteenerde und Durchschlagkraft: Ist Ulrike Richter explosiv? Nein. Sie will als Vorständin des Deutschen Gartenbaumuseums etwas bewegen, aber vom Sprengen hat sie mir bisher nichts erzählt.
Die Verbindung heißt Kieselgur. Alfred Nobel experimentierte mit dem schwer kontrollierbaren Nitroglycerin. 1864 kamen bei einer Explosion in Heleneborg sein jüngerer Bruder Emil und vier weitere Menschen ums Leben. Nobel stabilisierte das Nitroglycerin schließlich mit Kieselgur und ließ das Gemisch 1867 als Dynamit patentieren.
Sein Vermögen aus Patenten und der internationalen Sprengstoffindustrie finanzierte später die Nobelpreise. Unser Kieselgur kommt heute aus Dänemark – und um das klarzustellen: Wir machen damit Kakteenerde, keinen Sprengstoff.
Erfurt besitzt eine außergewöhnlich lange Gartenbautradition. Schon Martin Luther bezeichnete die Erfurter als Gärtner des Heiligen Römischen Reiches. Namen wie Benary, J. C. Schmidt, Haage & Schmidt, Chrestensen, Jühlke und Friedrich Adolph Haage stehen für diese Geschichte.
Das erste Deutsche Gartenbaumuseum wurde 1949 in Markkleeberg eröffnet. 1956 fiel die Entscheidung, das Museum in der Erfurter Cyriaksburg einzurichten. 1961 öffnete es im Rahmen der Internationalen Gartenbauausstellung der sozialistischen Länder.
Nach der Wiedervereinigung war seine Zukunft unsicher. 1995 gründeten der Freistaat Thüringen, die Stadt Erfurt und der Zentralverband Gartenbau die Stiftung Deutsches Gartenbaumuseum. Nach Umbau und Neukonzeption wurde das Museum 2000 wiedereröffnet. Für seinen Erhalt in Erfurt setzten sich viele Menschen ein. Mir sind dabei besonders der damalige ZVG-Präsident Karl Zwermann und der langjährige Thüringer Landwirtschaftsminister Volker Sklenar in Erinnerung geblieben.
Ulrike Richter greift ein Bild auf, das Dynamit und Espostoa lanata zusammenbringt. Kaum war Dynamit patentiert, gelang in Erfurt um 1870 eine andere kleine Weltsensation: Aus dem Samen eines Kaktus, den Humboldt 1802 in Peru gesehen hatte, wuchsen in unseren Breiten Pflanzen heran.
Dafür brauchte es Wissen, Pioniergeist, Geduld, Frustrationstoleranz und ein systematisches Vorgehen. Ulrike sieht darin eine Verbindung zwischen einer Gärtnerei und einem Museum: Beide sammeln nicht nur Dinge. Sie sammeln Geschichten und bewahren Zusammenhänge.
Dann kommt Curt Backeberg ins Spiel. Walther Haage hatte ihn als Pflanzensammler beauftragt. Backeberg nannte sich selbst Kakteensammler oder Kaktusjäger, war unter Botanikern nicht unumstritten und verstand es ausgezeichnet, seine Reisen zu inszenieren.
Ulrike bringt einen Beitrag aus der Berliner Illustrirten Zeitung von 1937 mit: „Ein romantischer Beruf – der Kakteenjäger“. Die Bilder und Reiseberichte zeigen nicht nur botanische Arbeit, sondern auch, wie aus Pflanzenjagd eine große Erzählung gemacht wurde.
Ulrike erzählt, wie sie als Kind mit ihren Eltern in Südamerika unterwegs war. Die Familie sammelte Dinge und Geschichten – eine private Kunst- und Wunderkammer. Bei einer Reise durch die Anden faszinierten sie riesige Kakteen. Eine kleine Erinnerung von damals übergibt sie an das Archiv von Kakteen-Haage.
Das zweite Fundstück kommt von der Insel Taquile im Titicacasee. Die Insel faszinierte sie seit ihrer Kindheit, besonders wegen der strickenden Männer. Ihre fein gearbeiteten Mützen zeigen Können, Geduld und Präzision. Eine solche Mütze schenkt Ulrike mir zum Jubiläum – ausdrücklich nicht fürs Archiv, sondern zum Tragen.
Die Mütze ist tatsächlich bis heute in Benutzung. Allerdings nur, wenn es richtig kalt ist. Sonst kocht mir darunter der Kopf weg.
Im August 1802 reisten Alexander von Humboldt und Aimé Bonpland durch das Huancabamba-Tal im heutigen Peru. Humboldt schrieb von ganzen Kaktuswäldern und notierte einen kandelaberartig verzweigten Säulenkaktus, der durch seine schneeweiße, dichte Behaarung auffiel.
Im Feldbuch steht eine kurze Beschreibung unter dem Namen Cactus lanatus, dazu eine schematische Skizze. Herbarmaterial ist nicht erhalten; auch eine später erwähnte Zeichnung gilt als verschollen. Die Notizen bildeten deshalb die Grundlage für die von Karl Sigismund Kunth bearbeitete Beschreibung.
1823 erschien die formelle Erstbeschreibung als Cactus lanatus. 1828 wurde daraus Cereus lanatus. Weitere Einordnungen folgten, bis Nathaniel Lord Britton und Joseph Nelson Rose die Art 1920 in die Gattung Espostoa stellten. Dort steht sie bis heute: Espostoa lanata.
Um 1870 gelangte die Pflanze durch den Prager Sammler Benedikt Roezl nach Europa und zu Haage nach Erfurt. In den historischen Katalogen lässt sich nachvollziehen, wie sie zeitweise unter anderen Namen geführt wurde. Botanische Namen sind manchmal eben auch eine Reisegeschichte.
Espostoa lanata wächst in Ecuador und Peru und kann am Standort mehrere Meter hoch werden. Die dichte weiße Behaarung verdeckt Rippen und Dornen. Blühfähige Pflanzen bilden seitlich ein wolliges Cephalium, aus dem im Sommer die kurzlebigen nächtlichen Blüten erscheinen.
In Kultur wächst die Art langsam, braucht viel Licht und sollte ihrer tropischen Herkunft entsprechend nicht zu kühl stehen. In Peru wurden die Wollhaare des Cephaliums früher als Füllmaterial für Kissen verwendet. Ob daraus auch Mützen entstanden sind, lassen wir offen – bei der Ernte müsste man jedenfalls ziemlich sorgfältig auf die Dornen achten.
Das war eine etwas längere Episode mit Dynamit, Espostoa lanata, Gartenbaugeschichte und einer sehr warmen Mütze.
Wenn du Fragen, Ergänzungen oder einen Themenwunsch hast, schreib mir an [email protected].
Mach’s gut, bleib gesund – und bis zur nächsten Geschichte.
Darüber habe ich in dieser Folge erzählt – mit ein paar Links zum Weitergucken, Weiterlesen und Weiterhören:
Der Beitrag CactusPodcast 041 – Espostoa lanata: Dynamit und Gartenbaumuseum erschien zuerst auf Cactusblog.
In der der letzten Episode war der Thüringer Ministerpräsident bei uns zu Gast und nun schon wieder so eine große Nummer!
Aber der Reihe nach. Seit Donnerstag, 25.5. haben wir, also Kakteen-Haage, diplomatischen Kontakt nach Mexiko.
S.E. (Seine Excellenz) Herr Botschafter Francisco Jose Quiroga Fernandes erwies unser Gärtnerei die Ehre seines Besuches.
(Wer uns besucht, das habe ich allerdings erst beim Abschied mitbekommen.)
von Ulrich Haage | CactusPodcast - Kakteengeschichte
Und dann ist am Donnerstagnachmittag eine große schwarze Limousine mit einem Null-Kennzeichen auf unseren Parkplatz gerollt. Ohne ein besonderes Hoheitskennzeichen und ohne Polizei.
Damit hatte ich aber auch nicht gerechnet. Ich begrüßte eine Frau und vier Männer in gediegenen schwarzen Anzügen.
Aus der Thüringer Staatskanzlei hatte ich erfahren: am Vormittag hatte sich die Delegation mit Bodo Ramelow und mit der IHK getroffen.
Und meine Schwester hatte auf den Berliner Kakteentagen eine Einladung ausgesprochen. Ich bin mir sicher, es gab außerdem noch einen Freund bei den Berliner Kakteenfreunden, der in Berlin ein wenig Fäden gezogen hatte.
Dennoch war mir nicht klar, wie wir zu diesem hochkarätigen Besuch gekommen sind. Also hab ich ganz platt nach dem Grund für den Besuch gefragt.
Und ich erfuhr: in der Botschaft gibt es ein großes Kakteen-Display, in denen viele verschiedene Kakteen gezeigt werden. Es soll Sinnbild sein für die Vielfalt Mexikos. Ein Teil der Kakteen stammt aus dem Botanischen Garten Berlin und vermutlich wurden einige von den Berliner Kakteenfreunden gestiftet. Das wollte uns der Botschafter zeigen. Und auch das Interesse an einer deutschen Kakteengärtnerei.
Im Laufe des Besuchs kam im Nebensatz sehr freundlich und dezent – also diplomatisch – die Frage, ob wir vielleicht auch ein paar Pflanzen stiften würden.
Klar machen wir das! Ehrensache!
Und schon waren wir mitten im Gespräch.
An der Stelle ein Einschub mit etwas Nachhilfe in Sachen Diplomsprache? Diplomatie, also Botschaftsbegriffe.
Ich brauchte die jedenfalls, denn ich hab mich im Kaktusgärtneralltag nicht mit der Frage auseinandergesetzt, was ein Gesandter ist und was der Unterschied zum Botschafter.
Hier kommt der Service-Block, falls du das auch nicht wusstest:
Ein Botschafter ist ein Diplomat und der beamtete oberste Beauftragte eines Staates in einem anderen Land oder bei einer internationalen Organisation. Er wird vom Außenministerium entsandt und ist der persönliche Repräsentant des Staatsoberhauptes seines Landes. (sagt Wikipedia)
Der Botschafter ist der Chef der Botschaft, der Gesandte sein Vertreter. In großen Botschaften gibt es manchmal auch einen ersten und einen zweiten Gesandten. Ganz praktisch: die Anrede für den Botschafter lautet „Excellenz“, der Gesandte hat keine zusätzliche Anrede. Blöd für mich: ich hab mich an den angekündigten Gesandten gehalten und war mir der Sache auch weiter sicher, denn wenn es der Botschafter gewesen wäre, dann hätten ihn seine Mitarbeiter auch mit seinem Titel oder seiner Anrede bedacht. Das kenne ich aus den Ministerien, da erscheint mir die Wortwahl selbst in der dritten Person manchmal sehr historisch: „Herr Minister hat gesagt…“, oder „Frau Ministerin wird am Dienstag um 11 Uhr hier sein …“
In Mexiko sind diese Förmlichkeiten offenbar nicht so wichtig, oder die Menschen in der Delegation waren einfach so klassisch entspannt und locker miteinander unterwegs.
Ich hab mal wieder was gelernt: Sei dir nie zu sicher, mit nichts!
Zurück ins Gewächshaus:
Wir sind inzwischen bei den Mutterpflanzen angekommen.
Opuntien! Nopales – in Mexiko werden die gern als Gemüse gegessen – erzählt ein Delegierten und alle nicken eifrig mit besonderem Gesichtsausdruck.
Ja, ich weiß – und erzähle vom Kakteenessen in unserem Gewächshaus – und dass es im Moment schwierig ist Nopalitos als Salat im Glas zu importieren.
Ich überlege, wie ich das einsortiere, welches Gewicht hat der Kaktus als Nahrungsmittel im Alltag in Mexiko? Ich hab Kaktusblätter auf den Märkten im Süden der USA gesehen, auch in den großen Supermärkten in der Gemüseabteilung.
Im Nachgang mache ich mir darüber nochmal Gedanken, wie würde das erzählen? Mir kommt unser heimischer Löwenzahn in den Sinn. Würde ich in Vietnam überraschend über eine Pflanze stolpern, dann könnte ich auch erzählen: „esse ich, schmeckt, wird in Deutschland gern im Salat gegessen.“ Und es wäre wahr. Konkret ist es aber mindestens 30 Jahre her, dass ich meinen letzten Löwenzahnsalat genossen habe. Gut, „Löwenzahnhonig“ haben wir mit den Kindern im Kindergartenalter gemacht, aber auch das ist 10-15 Jahre her.
Ich sammle mich und meine Gedanken mal – auch Löwenzahn wird gegessen und es gibt einige Landwirte, die professionell Löwenzahn anbauen. Ich glaube aber, dass Kakteen in Mexiko und auf der Welt wirtschaftlich eine größere Bedeutung haben, als Löwenzahn. Wie groß die wirtschaftliche Bedeutung für Mexiko ist, das kann ich ja bei meinem ersten Besuch in der Botschaft mal erfragen …
Ich warne vor den feinen, weißen Dornen, den Glochiden an den Opuntien – aber schon hat der schwarze Anzug einen dünnen weißen Streifen auf dem Rücken.
Au weh!
Ich denke an die Ledersitze in der Limousine auf der Rückfahrt nach Berlin. Das wird bestimmt unangenehm.
Manchmal verstehen sie mich vermutlich nicht und sie sind einfach zu höflich, das zu zeigen.
Ich bemühe mich, Geschichten zu erzählen, die auch für Nicht-Kakteen-Spezialisten unterhaltsam sind.
Die nächste Frage hat mich deswegen kurz überrascht:
„Gibt es bei Ihnen auch Peotl?“ – wir schauen gerade die großen Astrophytum Mutterpflanzen an.
Moment – noch ein paar Schritte, dann sind wir bei den Lophophora.
Ja, Peotl haben wir – und ich höre Geschichten vom Heiligen Kaktus aus dem alten Mexiko.
Damals hatten die Kakteen eine ganz besondere Bedeutung – der Kaktus auf dem der Adler mit der Schlange sitzt – das war der Ursprung, dort ist das heutige Mexiko gegründet worden. Das war die Opuntie, die auch heute noch Wappenpflanze Mexikos ist.
Aber auch sonst seien Kakteen heute wieder mehr im Bewusstsein der Bevölkerung in Mexiko.
An der Nationalen Universität und dem zugehörigen Botanischen Garten sind die Kakteen gut vertreten, es gibt verschiedene Forschungsprojekte in denen es auch um die Erhaltung der Kakteenpopulation geht.
Und das war das Stichwort – damit sind wir von ganz allein in die Rubrik FdK gekommen – heute besser FdB: frag den Botschafter – denn wir haben im Vorfeld ein paar Hörerfragen eingesammelt, die ich jetzt dem Botschafter stellen konnte.
roman (Insta)
Mich würde interessieren welchen Stellenwert Kakteen dort haben, wir hier hegen und pflegen das sie überleben, dort ist es eventuell manchmal so etwas wie Unkraut… 😍🌵🌵🌵
Kakteen sind für die Mexikaner wichtig. Die Pflanzen sind ziemlich tief in die Kultur und Traditionen des Landes eingebettet. Sie sind ein Teil des kulturellen Erbes sind auch Symbol für die Vielfalt von Mexiko.
Das war mir so nicht klar – aber es erklärt die Sache mit dem Kaktus-Display in der Botschaft und den Fakt, das eine so hochkarätige Delegation sich auf den Weg macht, um Kakteen zu besorgen – und das erstaunt mich ziemlich!
Dann ist da noch der Punkt mit den Kakteen in der mexikanischen Küche.
Opuntia zählt in manchen Regionen zu den Grundnahrungsmitteln, die Kakteenblätter oder Nopales oder Tunas (Opuntienfrüchte) oder Pitahaya (Früchte von Selenicereus oder Hylocereus).
Außerdem werden Kakteen in der Volksmedizin für alle möglichen Heilanwendungen eingesetzt.
Übrigens auch Lophophora.
Aure Lia (FB)
Was wird getan, damit die Lophophora in freier Wildbahn erhalten bleibt und wie läuft es bisher?
… und:
philippheidelweizel (insta)
Was für eine tolle Gelegenheit! Vielleicht könnt ihr mal nach Auswilderungsprogrammen bei Kakteen fragen.
Die Fragen passen gut zusammen – deswegen die Antwort im Paket:
Ja. Es gibt verschiedene Renaturierungsprogramme, die von der Regierung angeschoben werden und es gibt Programme aus Privatinitiative.
Und nicht zuletzt zielen verschiedene Forschungsprojekte der Nationalen unabhängigen Universität Mexiko (UNAM) auf die Erforschung und Erhaltung von Kakteen und anderen sukkulenten Pflanzen in verschiedenen Regionen von Mexiko.
Außerdem – und das war eine meiner Fragen: „gibt es viele Gärtner in Mexiko, die die Versorgung mit Kakteen im eigenen Land sichern.“
Die Mitarbeiterin hat diese Aussage etwas relativiert, sie sagte: „zumindest in Mexico D. C. gibt es genügend Kakteen zu kaufen.“
Thomas Paul (FB)
Ich würde mal fragen ob er den Chefgärtner zum Gegenbesuch nach Mexiko einlädt.
Ich war nicht so keck, nach einer Einladung zu fragen – aber ich habe sie bekommen.
Zwar kein Gegenbesuch in Mexiko, aber nach Berlin wurde ich eingeladen – und das finde ich schon abgefahren!
Jetzt ist dir sicher auch aufgefallen: einige der Antworten sind in erster Linie diplomatischer Natur „politisch pauschal positiv“.
Ich habe auch nicht damit gerechnet, dass in der Botschaft in Deutschland Detail-Informationen über Artenschutz-Projekte vorliegen, das wäre definitiv zu viel erwartet, auch wenn der Besuch in der Gärtnerei einige Tage Vorlauf für die Vorbereitung gehabt hätte.
Deswegen möchte ich gern noch eine andere Seite dazu hören.
Mich interessiert: bist du selbst schon mal in Mexiko gewesen, oder kennst jemanden der vor Ort war und etwas zu konkreten Erhaltungsmaßnahmen von Kakteen in Mexiko erzählen kann?
Wie siehst du das?
Im Gewächshaus sind wir nach den Samenträgern bis zur Aussaat gekommen. Ich glaube die schiere Masse der winzigen Kakteensämlinge waren sehr beeindruckend, denn es kam vom Herrn Wirtschaftsgesandten die erste „technische Frage“.
Wie viele Mitarbeiter arbeiten hier? Die Sämlinge pikiert nur eine Kollegin – aber insgesamt sind wir zwölf, die die gesamte Gärtnerei am Laufen halten.
Ich bin manchmal selbst unsicher, ob das jetzt viel oder wenig ist – für eine normale Gärtnerei wäre es ganz schön viel – und auch die Qualifikation unserer Mitarbeiter macht mich immer wieder stolz!
Bei den Chamaecereus unterhalten wir uns über die Kakteengärtnereien und die momentanen Veränderungen auf dem Markt. Ich erzählen vom selten gewordenen Generationenwechsel bei den Kaktusgärtnern, denn meist ist es einfach Schwund. Das erlebe ich hier in Deutschland, aber auch in anderen Ländern der Erde.
Ich frage, ob wir in Zukunft Kakteen direkt aus mexikanischen Gärtnereien kaufen können. Der Botschafter strahlt und erzählt vom neuen Handelsabkommen und dass das vielleicht auch den Markt für den Handel mit Kakteen erleichtern könnte. Wie das konkret aussehen kann, das weiß ich noch nicht – aber ich bin zuversichtlich.
Wir haben die letzte Etappe unserer kurzen Rundreise durch die Kakteengärtnerei erreicht und stehen jetzt im Museum.
Ich erzähle von den verschiedenen Standorte, an denen die Gärtnerei in Erfurt ansässig gewesen ist, ich erzähle vom Kakteenjäger Fric der im Mexiko Kakteen gesammelt hat und offenbar ist die Sammlung mit Kakteenbriefmarken aus der ganzen Welt ein interessantes Feld.
Den Abschluss des Besuchs ist der Fototermin an der Friedrich Adolph Haage Gedenkplatte.
Daneben gibt es noch den obligatorischen Eintrag ins Gästebuch – und erst dann wird mir bewusst, wer uns besucht hat:
Es steht nämlich unter der Unterschrift:
Francisco Jose Quiroga Fernandes
Botschafter
Darüber habe ich erzählt:
Ich freue mich auf dein Feedback.
Der Beitrag CactusPodcast 040 – Kakteengeschichte: Begegnung der Kulturen – Mexikanischer Botschafter in der Kakteengärtnerei erschien zuerst auf Cactusblog.
Vor den Geräuschen gibt es noch einen Nachtrag zur letzten Episode: die Geschichte vom letzten sächsischen Kaiser und der Königin der Nacht:
In den 1960er Jahren kündigten im Sommer die Zeitungen die zu erwartende Blüte der Königin der Nacht an. Am Abend versammelten sich Tausende Besucher vor dem Botanischen Garten, weit mehr, als ins Gewächshaus passen würden.
Und damit herzlich willkommen im CactusPodcast bei Teil zwei der Serie zum Thema 200 Jahre Kakteen-Haage.
von Ulrich Haage | CactusPodcast - Kakteengeschichte
Vorher steigen wir aber erstmal ein: uns erwartet heute eine ziemliche Promi-Dichte.
Wir beginnen gleich mal mit dem ältesten noch lebenden Promi: >>ping
DAS ist der GROSSVATER
Damit ist nicht mein Großvater gemeint, also nicht Walther Haage.
Und auch nicht dieser hier:
>> Fagott
Das ist der Fagott-Großvater aus Peter und der Wolf.
DER GROSSVATER ist unser alter schöner Echinocactus grusonii, vielleicht ist er dir ja schon mal in oder vor unserem Gewächshaus begegnet.
Und wenn nicht – auf www.cactuspodcast.de/39 findest du mindestens ein Foto von ihm. Da kannst du ihn in seiner ganzen Pracht anschauen – sogar mit Schärpe!
Na weil Jubiläum!
Kakteen-Haage feiert 2022 Jubiläum 200 Jahre – und dieser Echinocactus grusonii – heute korrekt übrigens Kroenleinia grusonii – gehört zu dem wenigen, das uns schon über die Jahrhunderte begleitet. Konkret: diese Pflanze ist zum Beispiel schon länger da, als beispielsweise unser altehrwürdiges Geschäftshaus. Das steht erst seit den 1890er Jahren. Und 1890 – damals war die Gärtnerei auch noch am anderen Ende der Stadt – im späteren Neu-Daberstedt angesiedelt.
Wir gehen aber noch weiter zurück in der Geschichte – in die 1820/30er Jahre und wir wechseln auch noch mal den Standort. Zu der Zeit befindet sich die Gärtnerei in der Schmidtstedter Straße – unweit des heutigen Erfurter Hauptbahnhofes.
Wir haben eine recht gute Dokumentation, die zeigt, dass diese Pflanze unsere Gärtnerei schon seit sehr langer Zeit begleitet. Neben dem Foto mit der Schärpe gibt es Fotos, auf denen ich als Kind mit diesem grusonii zu sehen bin, mit meinem Vater in jungen Jahren und auch mit meinem Großvater, mit dem Großvater sozusagen. In welchem Jahr die Pflanze aber nun ganz genau zu uns gekommen ist – das kann ich nicht mit Gewissheit sagen – aber dazu gibt es gleich von meinem prominenten Gast eine spannende Erklärung. Der muß aber erst noch ankommen.
Cactus Sounds und Geräusche raten
Hier kommt das zweite Geräusch: Reifen einer Limousine auf Schotter.
Ich hab extra nachgeschaut: meine betagte Daimler B-Klasse ist auch eine Limousine. Und da du die Farbe ohnehin nicht zweifelsfrei raushören konntest, kannst du dir anhand des Abrollgeräusches vermutlich auch beim Hersteller nicht ganz sicher sein, was wir aufgenommen haben. Zum Jubiläum im September 2022 rollten jedenfalls zwei BMW 750 ld xdrive gecleant, mit Blaulicht, Sonderschutz (im Volksmund sagt man gepanzert) und ohne Standarte – und so ein Bolide kommt mit 6 Litern Diesel über die Runden.
Weil ich mich so mit den Autos beschäftigt habe: Bodo Ramelow fährt aber nicht nur den sparsamen 6-Liter-BMW-Boliden. Bei der Recherche zu dieser Episode habe ich ein Video aus seinem ersten Jahr als Thüringer Ministerpräsident gefunden, da ist er als Egon Olsen im Volvo von Erich Honecker unterwegs.
Ramelow im Honecker-Volvo – in der Autobild-Zeitung
… und der ganze Bodo – Egon Olsen Spot als Filmchen auf Facebook
Worüber ich mich etwas gewundert habe: es gibt fast keine Fotos von diesen Dienstfahrzeugen. Ich habe aber in meinem Fundus ein paar Bilder gefunden.
… so Sorry für so viel Aufmerksamkeit für schnöde Autos – aber es hat einfach Spaß gemacht, all diese Details noch herauszufinden …
Bodo Ramelow ist im Februar 1956 in Osterholz-Scharmbeck geboren und aufgewachsen. Und hier gibt es eine – weit entfernte – Verbindung zu den Kakteen: In Osterholz-Scharmbeck war auch Kurt Petersen zu Hause. Er war der 13. Präsident der Deutschen Kakteengesellschaft und ein hervorragender Epi-Kenner. Kurt Petersen war Initiator der EPIG (Interessengemeinschaft Epiphytische Kakteen – www.epig.org )
Mit den Kakteen – sagt Bodo Ramelow über sich selbst, hat er kein glückliches Händchen – das überlasse er lieber den Kakteengärtnern.
Das ist uns ganz recht!
Wenn ich das hier so locker erzähle und es vielleicht so rüberkommt, als würde ich sowas alle Tage machen können – der Schein trügt.
Über die zweihundert Jahre hab ich in der letzten Episode schon erzählt.
Und ja, wir haben in 200 Jahren einige Gäste bei uns begrüßen dürfen. Und wir haben uns auf den Tag und die Gäste vorbereitet. Trotzdem war ich aufgeregt. Aber es gab einen, der war das nicht – und diese kleine Geschichte möchte ich gern vor dem Vergessen bewahren.
Das kam so:
Der MP kam vom Parkplatz und ich begrüßte ihn „am Großvater“. Mein Vater, Hans-Friedrich Haage war derweil neben uns ins Gespräch vertieft und hatte unseren Gast nicht gleich mitbekommen. Und da sein Personengedächtnis nur wenig besser ist als meines, habe ich versucht, ihm bei der Vorstellung eine Brücke zu schlagen.
Ich also:
„Mein Vater.“ >
„Unser Landesvater.“ <
Offensichtlich durchschauten beide mein Ansinnen, es gab jedenfalls ein schallendes Gelächter.
Und meine Schwester hat den Moment für unser Gästebuch festgehalten.
Bodo Ramelow spricht über die Begegnung zwischen Friedrich Adolph Haage, dem Großherzog Ernst August von Sachsen Weimar, dem Freiherr Johann Wolfgang von Goethe und der Verbindung zu seinen eigenen Vorfahren, der Familie Fresenius.
Er spricht von Höhen und Tiefen, von der Bundesgartenschau und von dem, was Gärtner durch alle Zeiten hindurch geschaffen haben und heute noch bewegen.
Ich muss das nicht verbergen: Ich schätze unseren Ministerpräsidenten sehr, nicht wegen seiner lobenden Worte für uns – und es ist auch keine parteipolitische Ansicht.
Ich schätze Menschen, die weiter blicken wollen, die aufrecht sind, die Fehler machen können und die auch eingestehen können.
Das ist bei Wolfgang Tiefensee oder bei Bernhard Vogel so, ich denke an Hans-Dietrich Genscher oder Helmut Kohl. Und das ist bei ganz „normalen Menschen“ auch so und ich bin froh, viele solcher „normaler Menschen“ zu meinen Freunden zählen zu dürfen.
Das Bild des Großherzogs, der sich die Jacke auszieht und dem Gärtner zugesellt, daran habe ich mich erinnert, als ich mit eben diesem Bodo Ramelow im letzten Sommer im Harz in der Nähe vom Dreiherrenstein auf einer Borkenkäferfläche Bäume aufgepflanzt habe. Der Fototermin war vorüber, die Kameras eingepackt und die offiziellen Reden gehalten und wir haben zu zweit Bäume gesetzt und dabei geschwitzt – schweigend und ohne Jacke. Das muß ein MP nicht machen.
Aber er kann es tun. Und diese Nahbarkeit – das hat mich bei der Geste von Ernst August auch beeindruckt.
Die da oben – sind auch Menschen.
Der Job ist ein anderer und ich beneide sie nicht darum.
Auf bald – und bleib happy!
Darüber habe ich erzählt:
Ich freue mich auf dein Feedback.
Der Beitrag CactusPodcast 039 – Kakteengeschichte: Jubiläum – Bodo Ramelow und Goethe erschien zuerst auf Cactusblog.
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